First Steps Kurzfilmprogramm

Der 21. Dezember ist der kür­zes­te Tag des Jahres, und eini­ge pfif­fi­ge Kurzfilmverleihe haben ihn des­halb zum „Tag des Kurzfilms“ aus­er­ko­ren, 2017 ist es die sechs­te Ausgabe. Diesmal sind wir auch dabei und zei­gen aus­ge­wähl­te Filme des First-Steps-Teams. First Steps – Der Deutsche Nachwuchspreis zeich­net jedes Jahr ers­te Werke in ver­schie­de­nen Kategorien aus.
Wir zei­gen einen Animationsfilm, zwei aus der sel­ten zu sehen­den Gruppe der mit­tel­lan­gen Filme sowie 3 Werbefilme, alle­samt Nominierte bzw. Preisträger aus die­sem Jahr. Höchstwahrscheinlich wer­den es sich so man­che Beteiligte nicht neh­men las­sen, ihren Film per­sön­lich vorzustellen.

Do. 21.12. um 20:00:

Stranden Spielfilm, 28 Min. Regie: Moïra Himmelsbach, KHM Köln
Zulay hat Schwierigkeiten an ihrem ers­ten Praktikumstag. Mila und David machen einen Schiffsausflug. Leonie möch­te in einer Boutique unge­stört ein Kleid anpro­bie­ren. Ruth und ihre Tochter Mira wol­len im Wald die ver­stor­be­ne Katze begra­ben… Ein Film über das Hadern und Scheitern der Kommunikation.

Ayny / Mein zwei­tes Auge Animationsfilm, 11 Min., Regie: Ahmad Saleh, KHM Köln
Als ein Krieg ihre Heimat zer­stört, müs­sen zwei Brüder mit ihrer Mutter flie­hen. Auf der Suche nach einem siche­ren Ort ver­lie­ren sie nie ihren Traum aus den Augen: ein­mal auf einer ganz beson­de­ren Gitarre ihre Musik zu machen – einer wun­der­schö­nen Oud.

Mikel Spielfilm, 31 Min., Regie: Cavo Kernich, UdK Berlin
Mikel führt ein Nomadenleben in Berlin. Als ille­ga­ler Flüchtling arbei­tet er für die Renovierungsfirma von Norbert. Der ver­spricht ihm eine Aufenthaltsgenehmigung und fai­re Bezahlung.

ABC of Death Werbefilm, 43 Sek., Regie: Dorian Lebherz, Daniel Titz, Filmakademie B‑W Ludwigsburg In einem klei­nen eng­li­schen Dorf ereig­nen sich selt­sa­me Todesfälle. Es kann jeden zu jedem Zeitpunkt tref­fen. Doch es gibt ein Muster: den Namen. Eine uner­war­te­te Wendung bricht den Fluch und ret­tet die Zukunft des Dorfes.
Bad Pets I+II Werbefilm, 48 Sek., Regie: Moritz Rautenberg, Christian Ricken, HFF München
Zwei kur­ze und böse Clips über die Rache von Haustieren, die mit ihrem Futter unzu­frie­den sind.
Three Polar Bears Werbefilm 1:39 Min., Regie: Artjom Baranov, HFF München
Drei Polarbären wol­len die Erde vor der Klimaerwärmung ret­ten. Sie stür­men ein Autohaus, um die poten­ti­el­len Käufer von umwelt­schäd­li­chen Autos zu ver­hau­en. Doch sie machen einen Fehler.

Leaning into the Wind – Andy Goldsworthy

Ein Film von Thomas Riedelsheimer.

Man kann über den Weg gehen oder durch die Hecke“ (Andy Goldsworthy)

16 Jahre nach sei­nem groß­ar­ti­gen Rivers and Tides – Andy Goldsworthy working with time hat Thomas Riedelsheimer den in Schottland leben­den und arbei­ten­den Ausnahmekünstler erneut fil­misch durch die Welt beglei­tet. Goldsworthy ist inzwi­schen bekann­ter gewor­den, viel­leicht nach­denk­li­cher und älter. Seine Tochter Holly, eine jun­ge, eigen­stän­di­ge Künstlerin, assis­tiert ihrem mit­un­ter recht ver­schro­be­nen Vater immer mal wieder.

Leaning into the Wind unter­sucht die Spuren, die die Zeit bei Künstler und Werk hin­ter­las­sen haben. Er selbst wird mitt­ler­wei­le Teil sei­ner Kunstwerke, die zugleich zer­bech­rech­li­cher, per­sön­li­cher, erns­ter und rau­er gewor­den sind. Und natür­lich ist Andy Goldsworthy wie­der ein ent­waff­nend offe­ner, eben­so ernst­haf­ter wie ver­schmitz­ter Erzähler, der so fas­zi­nie­rend von der Kunst, der Natur, vom Leben und vom Tod zu spre­chen ver­mag; vom wun­der­ba­ren Gelb der Ulmenblätter, die beim ers­ten Frost schlag­ar­tig schwarz wer­den; von den über­wäl­ti­gen­den, kur­zen Momenten, in denen alles für einen kur­zen Augenblick in höchs­ter Spannung, in der Schwebe, in der Balance ist.

Leaning into the Wind geht weit über das Porträt eines fas­zi­nie­ren­den Künstlers und sei­ner Arbeit hin­aus. Ein Film über die unend­li­chen Möglichkeiten, die Welt wahr­zu­neh­men und zu ent­de­cken, vol­ler Achtsamkeit und Neugier, eine sinn­li­che Reise in die Kunst, die Natur, das Leben. Riedelsheimer fasst das Universum sei­nes Protagonisten in hin­rei­ßen­de Bilder und Fred Frith unter­malt sie auch dies­mal musi­ka­lisch eigen und zurückhaltend.

Um den Titel Leaning into the Wind zu ver­ste­hen, muss man bis zum Schluss des Films war­ten. Zu einer ein­fa­chen, aber berü­cken­den Handlung, in der es kei­nen Unterschied mehr zwi­schen Kunst und Leben gibt. Zum Zentrum sei­ner Arbeit, der fra­gi­len Balance zwi­schen dem Menschen und sei­ner Welt. Und dann ver­lässt man das Kino auf eine merk­wür­di­ge Art ziem­lich glück­lich.“ Georg Seeßlen | Strandgut

Deutschland, UK 2016, engl. OmU, 97 MIn.
Regie, Kamera & Schnitt: Thomas Riedelsheimer
Darsteller: Andy Goldsworthy, Tina Fiske, Holly Goldsworthy
Musik: Fred Frith

 

Leaning into the Wind – Andy Goldsworthy (Offizieller Trailer)

Meine schöne innere Sonne

Ein Film von Clair Denis.

Roland Barthes‘ Buch „Fragmente einer Sprache der Liebe“ ist der Ausgangspunkt, von dem aus Claire Denis gemein­sam mit Christine Angot das Drehbuch ent­wi­ckel­te für die­sen eigen­sin­ni­gen Film, der die immer­glei­chen und immer noch offe­nen Fragen über die Liebe umkreist. Im Mittelpunkt steht die Malerin Isabelle, gespielt von Juliette Binoche mit einer Natürlichkeit und Offenheit, die für sie ein­nimmt, obwohl Isabelles Auseinandersetzungen mit den unter­schied­lichs­ten Männern gele­gent­lich ner­ven­auf­rei­bend sind. Ein Egozentriker, ein sehr Sensibler, ein Arbeiter, ein Künstlerkollege, ein Ex-Mann – Isabelle lebt mit ihnen die unter­schied­lichs­ten Arten der Liebe durch, und alle bemü­hen sich dabei, ver­bal zu fas­sen zu krie­gen, was das jetzt ist, was man da zusam­men hat. Auf der Suche nach dem ver­meint­lich Richtigen schlit­tert Isabelle auf ver­schlun­ge­nen Gefühlswegen, häuft dabei mehr Fragen als Antworten an, bis die Liebe ein ein­zi­ges, gro­ßes Rätsel ist.

Man darf die­sen Film durch­aus auto­bio­gra­phisch ver­ste­hen, als Reflexion einer Regisseurin, die im Lauf ihrer 71 Jahre viel erlebt, viel gelebt hat. In Juliette Binoche hat sie ein idea­les Alter Ego gefun­den, die hier eine bemer­kens­wert natür­li­che Darstellung ablie­fert, frei von der Affektiertheit, die sie oft beglei­tet, viel­leicht auch befreit von den Zwängen eines nar­ra­ti­ven Konstrukts, ganz offen und auch unge­schützt. Zusammen stel­len Binoche und Denis grund­le­gen­de Fragen über das Verhältnis von Frauen und Männern in unse­rer Zeit, über Klischees, Konventionen und den schwie­ri­gen Versuch, aus bekann­ten, auch über­kom­me­nen Mustern auszubrechen.”
Michael Meyns

 

Credits:

OT: Un Beau Soleil Intérieur
Frankreich 2017, 94 Min., frz. OmU
Regie: Claire Denis
Kamera: Agnes Godard
Schnitt: Guy Lecorne

Darsteller: Juliette Binoche, Xavier Beauvois, Philippe Katerine, Paul Blain, Gérard Depardieu, Nicolas Duvauchelle
 

 

UN BEAU SOLEIL INTÉRIEUR – Trailer F/d

Die Spur

Ein Film von Agnieszka Holland.

Duszejko, eine pen­sio­nier­te Brückenbauingenieurin, lebt zurück­ge­zo­gen in einem Bergdorf an der pol­nisch-tsche­chi­schen Grenze. Sie ist cha­ris­ma­tisch, exzen­trisch, eine lei­den­schaft­li­che Astrologin und strik­te Vegetarierin. Eines Tages sind ihre gelieb­ten Hunde ver­schwun­den. Wenig spä­ter ent­deckt sie in einer ver­schnei­ten Winternacht ihren toten Nachbarn und bei des­sen Leiche eine Hirschfährte. Weitere Männer ster­ben auf mys­te­riö­se Weise. Alle hat­ten ihren fes­ten Platz in der dörf­li­chen Gemeinschaft, alle waren pas­sio­nier­te Jäger. Haben wil­de Tiere die Männer auf dem Gewissen? Oder lässt sich ein Mensch zu einem blu­ti­gen Rachefeldzug hin­rei­ßen? Irgendwann fällt der Verdacht auf Duszejko …
Nach ihrem Ausflug in die Welt der Serien mel­det sich Agnieszka Holland mit einem sub­ver­si­ven Krimi auf der gro­ßen Leinwand zurück. Pokot spielt in einer Landschaft mit wech­seln­den Jahreszeiten, deren wil­de Schönheit jedoch nicht über Korruption, Grausamkeit und Dummheit ihrer Bewohner hin­weg­täuscht. Fest ver­wur­zelt in der Realität der pol­ni­schen Provinz, ist der Film so anar­chis­tisch wie sei­ne Heldin – ein wag­hal­si­ger Genremix aus komi­scher Detektivstory, span­nen­dem Ökothriller und femi­nis­ti­schem Märchen.

Berlinale 2017: Silberner Bär Alfred-Bauer-Preis


 
Credits:
Pokot
Polen / Deutschland / Tschechische Republik / Schweden / Slowakische Republik 2017

pol­ni­sche OmU, 128 Min.

Regie: Agnieszka Holland 
in Zusammenarbeit mit Kasia Adamik
Kamera: Jolanta Dylewska, Rafał Paradowski
Schnitt: Pavel Hrdlička

mit: Agnieszka Mandat (Duszejko)
Wiktor Zborowski (Matoga)
Miroslav Krobot (Boros)
Jakub Gierszał (Dyzio)
Patricia Volny (Dobra Nowina/Good News)
Borys Szyc (Wnętrzak)
 
Termine:

 

Manifesto

Ein Film von Julian Rosefeldt.

Manifeste und Texte, vom Kommunistischen über Kunstmanifeste wie Dada, Fluxus, Pop Art bis hin zu Dogma95 und den Goldenen Regeln des Filmemachens von Jim Jarmusch kom­men in Auszügen zur Aufführung, ver­mit­telt von Cate Blanchett in 12 Rollen. Wir sehen sie als Obdachlose, Punk, Kranarbeiterin, Börsenmaklerin, Choreographin, Galeristin, Wissenschaftlerin, Witwe, kon­ser­va­ti­ve Mutter, Nachrichtensprecherin/ Reporterin, Puppenspielerin und als Lehrerin. Die Zusammenstellung von Text und Szene ist mal wit­zig, mal irri­tie­rend, erscheint mal dis­so­nant, aber immer gilt:
„Was dar­aus ent­steht, sind unge­heu­er pro­duk­ti­ve Reibungen, die den ursprüng­li­chen Sinn der Texte wie­der frei­le­gen, das Herzblut sicht­bar machen, mit dem sie der­mal­einst nie­der­ge­schrie­ben wur­den, in der Hoffnung auf die Zukunft, im Bewusstsein der Notwendigkeit von Veränderung. Die Lunte wird auf der Leinwand gezün­det, die Explosion aber fin­det im Kopf der Zuschauerin statt.“ Alexandra Seitz | epd Film

Credits:

D/Ö 2017, 98 Min., engl. OmU, 
Regie: Julian Rosefeldt
Kamera: Christoph Krauss
Schnitt: Bobby Goode
mit:
Cate Blanchett, Ruby Bustamante, Ralf Tempel

Termine:

 

Manifesto – Trailer 1 – Englisch – UT Deutsch

A Ghost Story

Ein Film von David Lowery.

Es ist eine exis­ten­zi­el­le Frage, die der Partygast (Will Oldham) auf­wirft. All das Bestreben, sich mit­tels Kinder oder Kunst unsterb­lich zu machen, sei unnütz, da ein Unglück eines Tages 90% der Erdbevölkerung aus­lö­schen und nie­mand sich an Beethoven oder dein Gedicht erin­nern wird und auch dei­ne Ur-Ur-Enkel dabei ster­ben wer­den. Ungesehener Zuhörer im Haus ist unfrei­wil­lig auch der Geist von C. (Casey Affleck), den einst ein Unfall von sei­ner gelieb­ten Frau M. (Rooney Mara) trenn­te. Sie bewohn­ten die­ses Haus, er konn­te nach sei­nem Tod nicht los­las­sen und ist nun in die­ser Zwischenwelt ein­sam und völ­lig sinn­los gefan­gen. Längst ist M., nach­dem sie ihre tie­fe Trauer über­wun­den hat, mit einer neu­en Liebe aus­ge­zo­gen, nur er muss blei­ben und sich immer neu­en Bewohnern aus­set­zen, bis eine Tages das Haus abge­ris­sen und eine Shopping Mall errich­tet wird.
Es ist eine Liebesgeschichte, eine Geistergeschichte, eine Zeitreise, ein Film, in dem der Regisseur Casey Affleck die meis­te Zeit und auch sich selbst (als Geist von gegen­über) unter ein Bettlaken gesteckt hat und Rooney Mara unge­kürzt einen gan­zen Kuchen essen lässt. Der Geist mit sei­nem typi­schen Bettlaken erscheint erst urko­misch, dann tod­trau­rig, und zum Ende gibt es auch pathe­ti­sche Momente. Der melan­cho­li­sche Grundton jedoch domi­niert die­sen unge­wöhn­li­chen Film, der beim Sundance Festival das Publikum spaltete.

Vielleicht lässt sich A Ghost Story am bes­ten als Märchen beschrei­ben, irgend­wo zwi­schen Weerasethakul und Hans Christian Andersen. … Im schöns­ten Moment der melan­cho­li­schen Gespensterstunde sehen sich zwei Geister aus den Fenstern der Häuser an, an die sie gebun­den sind. Stumm ste­hen sie sich gegen­über, die Untertitel erzäh­len für sie von der Zeit des Wartens. Zeit, die irgend­wann selbst die Erinnerung an das alte Leben zer­stört, einen der Geister ver­ges­sen lässt, auf wen er noch war­tet, was ihn noch an sein Haus bin­det, von dem sich die Kamera nun lang­sam ent­fernt.“ Karsten Munt | critic.de

But the­re is a kind of sen­ti­men­tal romance in the ghost’s silent stoi­cism and deter­mi­na­ti­on to car­ry on. The awful ine­vi­ta­bi­li­ty of death is com­pli­ca­ted by the thought that you might have to sur­vi­ve, as a ghost, for reasons as arbi­tra­ry and meanin­g­less as the cau­se of your death. Which is sca­ri­er still.“ Peter Bradshaw | The Guardian


 
Credits:

USA 2017, 90 Min., engl. OmU 
Regie, Buch & Schnitt: David Lowery 
Kamera: Andrew Droz Palermo 
mit:
Casey Affleck,
Rooney Mara,
Will Oldham,
Rob Zabrecky

 

Die Lebenden reparieren

Ein Film von Katell Quillévéré. 

Als der jun­ge Simon aus Le Havre am frü­hen Morgen mit zwei Freunden zum Surfen auf­bricht, ahnt nie­mand etwas von der dro­hen­den Tragödie. Aber auf dem Rückweg kommt es zu einem schwe­ren Unfall und sein Leben hängt am sei­de­nen Faden. Die nächs­ten 24 Stunden müs­sen sei­ne Eltern eine Ausnahmesituation bewäl­ti­gen und Entscheidungen tref­fen, deren weit­rei­chen­de Konsequenzen sie an ihre Grenzen füh­ren. Unterdessen erfährt die zwei­fa­che Mutter Claire in Paris, dass ihr Herz zu ver­sa­gen droht, wenn nicht umge­hend etwas unter­nom­men wird. Den Ärzten und dem medi­zi­ni­schen Fachpersonal in bei­den Städten läuft die Zeit davon. Plötzlich sind Menschen untrenn­bar mit­ein­an­der ver­bun­den, die sich nie begeg­nen wer­den. In der gleich­na­mi­gen Romanvorlage setzt sich Maylis de Kerangal sehr fein­füh­lig mit dem Thema Organspende aus­ein­an­der, der Film folgt dem und doku­men­tiert prä­zi­se den Balanceakt der Protagonisten, ohne es an Empathie feh­len zu lassen.

Maylis de Kerangal hat ihren Roman als „ges­ti­sches Chanson“ (chan­son de ges­te) bezeich­net. Organe zu spen­den ist nicht nur eine rein orga­ni­sche Angelegenheit, sie ent­hält auch ein sakra­les Element. Ich glau­be, der Mensch spürt instink­tiv, dass es sich um eine Art Grenzüberschreitung han­delt, wenn man unter die Haut schaut, die ja eine natür­li­che Grenze bil­det und unse­re Identität bewahrt.“ Katell Quillévéré


 
Credits:
Réparer les vivants
F 2016, 103 Min., frz. OmU 
Regie: Katell Quillévéré
Buch: Katell Quillévéré, Gilles Taurand
Kamera: Tom Harari
Schnitt: Thomas Marchand
mit: Tahar Rahim, Emmanuelle Seigner, Anne Dorval, Bouli Lanners, Dominique Blanc
 
Termine:
 

 

Señora Teresas Aufbruch in ein neues Leben

Ein Film von Cecilia Atán & Valeria Pivato.

Die 54 Jahre alte Teresa arbei­tet seit Jahrzehnten als Hausmädchen für eine Familie in Buenos Aires. Als die Familie ihr Haus ver­kau­fen muss, ist Teresa gezwun­gen, eine Arbeitsstelle im weit ent­fern­ten San Juan anzu­neh­men. Obwohl ihr das Reisen nicht beson­ders gefällt, bricht sie auf, die Wüste zu durch­que­ren. Bei ihrem ers­ten Zwischenstopp ver­liert sie ihre Tasche mit all ihren Habseligkeiten. Durch die­sen Zwischenfall lernt sie El Gringo ken­nen, einen fah­ren­den Händler, der ihr als Einziger wei­ter­hel­fen kann, ihre Tasche wie­der­zu­fin­den. Seine Zurückhaltung in der Inszenierung und sei­ne ent­schleu­nig­te Erzählweise öff­nen Räume. Das Bedeutende im Minimalen und nicht im Spektakel zu ent­de­cken, macht den Reiz aus. Leider wird die­se Art von Filmen wenig beach­tet, ja gera­de­zu über­se­hen, und ist des­we­gen häu­fig nur auf Festivals zu entdecken.


 
Credits:
OT: La Novia del Desierto,
Arg./Chile 2017, 78 Min., span. OmU,
Regie: Cecilia Atán, Valeria Pivato,
Kamera: Sergio Armstrong,
Schnitt: Andrea Chignoli,
mit: Paulina Garcia, Claudio Rissi u.a.

 
Termine:

 
LA NOVIA DEL DESIERTO / THE DESERT BRIDE (Trailer)

Im Kino mit deut­schen Untertiteln.

Vânâtoare

Ein Film von Alexandra Balteanu.

Drei Frauen ste­hen jeden Tag unter der Autobahnbrücke, die Bukarest mit der nächs­ten Stadt ver­bin­det. Während das Leben an ihnen vor­bei­rauscht, war­ten sie auf den nächs­ten Freier. Hier, zwi­schen den Betonpfählen, inmit­ten von Lärm, Dreck und Abgasen, ver­ge­hen ihre Tage, die geprägt sind von Routine, Unsicherheit, Konkurrenz und Gewalt. Nicht allein von den Freiern geht eine gro­ße Bedrohung aus, son­dern fast noch mehr von der bru­ta­len und kor­rup­ten Polizei. Die beob­ach­ten­de Haltung der Filmemacherin Balteanu, die ihre Figuren einen gan­zen Tag beglei­tet, trägt einer­seits zu einer äus­se­ren Entdramatisierung und ande­rer­seits doch gleich­zei­tig zu einer inne­ren Angespannung bei.

Aus der Jurybegründung für die bes­te Regie beim Max Ophüls Preis: Die Regieleistung ist ehr­lich, genau, dra­ma­tisch, komisch und uner­hört glaub­wür­dig. Die Kamera folgt den Protagonisten durch Momentaufnahmen ihres Lebens. Die Konflikte, die sie dabei aus­tra­gen und aus­hal­ten, wer­den mit einer Unerbittlichkeit aus­er­zählt, dass uns Zuschauern gar nichts ande­res übrig­bleibt, als uns mit ihren Leben genau­er auseinanderzusetzen.

 

Credits:

D 2016, 75. Min., rumän. OmU, 
Regie & Drehbuch: Alexandra Balteanu
Kamera: Matan Radin
Schnitt: Antonella Sarubbi
mit: Corina Moise, Iulia Lumânare, Iulia Ciochină, Sergiu Costache, Dragoş Olaru

Termine:

Vanatoare – Trailer 1 – ro – UT Deutsch

Operation Duval – Das Geheimprotokoll

Ein Film von Thomas Kruithof.

Wahlmanipulation, Geheimdienstverschwörung, Lauschangriff und Machtmissbrauch, das sind (durch­aus aktu­el­len) Themen, die die­ser defen­si­ve Polit-Thriller, bei dem Kafkas „Prozess” Pate stand, in der Hinterhand hat. Der seit 2 Jahren arbeits­lo­se Ex-Unternehmensberater und tro­cke­ne Alkoholiker Duval fragt nicht all­zu viel nach, als ihm von einem erfolg­rei­chen Ex-Kommilitonen, einem unan­ge­neh­men Nationalisten, ein Job ange­bo­ten wird. Die Arbeit, die Transkription von Telefongesprächen, ist ein­tö­nig, aber ein­fach und gut bezahlt. Zuverlässig wie eh und je schreibt der intro­ver­tier­te Mittfünfziger alles auch noch so Merkwürdige auf. Erst als es offen­sicht­lich einen Mord zu pro­to­kol­lie­ren gibt, wird er stut­zig. Doch da ist es fast schon zu spät, um aus­zu­stei­gen. Kündigung ist kei­ne Option mehr, steckt er doch schon mit­ten­drin im kri­mi­nel­len, undurch­sich­ti­gen Tun. Als die Situation auch für sei­ne weni­gen Sozialkontakte immer bedroh­li­cher wird, muss Duval sich etwa ein­fal­len lassen.

An die Seite des hier an Dustin Hoffmann erin­nern­den und ide­al besetz­ten François Cluzet hat Regie-Debütant Thomas Kruithof ein ein­drucks­vol­les Ensemble gestellt. Die wun­der­ba­re Alba Rohrwacher ist sein neu­er und eben­falls gefähr­de­ter Schwarm, Denis Podalydès und Sami Bouajila geben die geheim­nis­vol­len Chefs ver­schie­de­ner omi­nö­ser, gegen­ein­an­der agie­ren­den Organisationen. Gänzlich ohne spek­ta­ku­lä­re Action- oder Jagdszenen, ruhig und kon­zen­triert-redu­ziert machen sie das Paranoide, Schattenhafte der Lage sichtbar.

»Er [der Film] macht auch neu­gie­rig. Darauf, was das alles soll. Darauf, was wohl als nächs­tes pas­siert. Tatsächlich ist Operation Duval einer der span­nends­ten Thriller der letz­ten Zeit, obwohl er so gar nicht in die­se Zeit passt.« film-rezensionen.de

Credits:

La Mécanique de l’ombre
F 2016, 90 Min., franz. OmU
Regie: Thomas Kruithof
Buch: Yann Gozlan, Thomas Kruithof
Kamera.: Alex Lamarque
Schnitt: Jean-Baptiste Beaudoin 
mit: François Cluzet, Denis Podalydès, Sami Bouajila, Alba Rohrwacher, Simon Abkarian

Termine:

Operation Duval – Das Geheimprotokoll – Trailer 1 – Französisch – UT Deutsch