Archiv der Kategorie: archiv

Typhoon Club

Typhoon Club

Ein Film von Shinji Sōmai.

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Für die Retrospektive der Berlinale 2023 wur­den renom­mier­te Filmschaffende gebe­ten, ihre per­sön­li­chen Coming-of-Age-Favoriten aus­zu­wäh­len. Ryūsuke Hamaguchi (DRIVE MY CAR: EVIL DOES NOT EXIST) ent­schied sich für TYPHOON CLUB. Hamaguchi bewun­dert Regisseur Shinji Somai für sei­ne immer noch unnach­ahm­li­che Art, die Lebendigkeit, die in sei­nen Figuren steckt, her­vor­zu­ho­len und sagt, er gebe ihm trotz aller for­ma­len Unterschiedlichkeit Orientierung.
Fünf Tage, wäh­rend derer ein Taifun auf­zieht, wütet und schließ­lich wie­der abklingt, bil­den den zeit­li­chen Rahmen. In einem sich zuspit­zen­den Episodenreigen erzählt der Film von einem „Frühlingserwachen“ an einer Oberschule außer­halb von Tokio. Die Unbeschwertheit und Aufmüpfigkeit der 80er Jahre mischt sich mit jugend­li­cher Borniertheit und exis­ten­tia­lis­ti­schen Fragen wie mit gefähr­li­chen Spielen. Der Film gestal­tet eine aut­ar­ke Welt der Schüler:innen zwi­schen Überschwang und Depression, Übergriffigkeit und Zärtlichkeit, und die Kamera hält respekt­voll Distanz.
Ryūsuke Hamaguchi (DRIVE MY CAR, EVIL DOES NOT EXIST) bewun­dert Regisseur Shinji Somai für sei­ne unnach­ahm­li­che Art, die Lebendigkeit, die in einen Figuren steckt, her­vor­zu­ho­len und ‑heben. Deshalb ent­schied er sich für TYPHOON CLUB als sei­nen per­sön­li­chen Coming-of-Age-Favoriten, als die Retrospektive der Berlinale 2023 renom­mier­te Filmschaffende dazu bat.
Fünf Tage, wäh­rend derer ein Taifun auf­zieht, wütet und schließ­lich wie­der abklingt, bil­den einen zeit­li­chen Rahmen. Im sich zuspit­zen­den Episodenreigen erzählt der Film von einem „Frühlingserwachen“ an einer Oberschule außer­halb von Tokio. In die Unbeschwertheit und Rebellion der 80-er Jahre mischen sich jugend­li­che Überheblichkeit und exis­ten­tia­lis­ti­sche Fragen. Der Film gestal­tet eine aut­ar­ke Welt der Schüler:innen zwi­schen Überschwang und Depression, Übergriffen und Zärtlichkeit, und die Kamera hält respekt­voll Distanz. Eine schö­ne Entdeckung.

Credits:

JP 1985, 115 Min., japan. OmU
Regie: Shinji Sōmai
Kamera: Akihiro Ito
Schnitt: Isao Tomita
mit: Yuichi Mikami, Yūki Kudō, Tomokazu Miura

Trailer:
nach oben

Landshaft

Ein Film von Daniel Kötter. 

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Während der Berlinale ver­lieh der Verband der deut­schen Filmkritik LANDSHAFT jüngst den Preis der deut­schen Filmkritik 2023 in der Kategorie Bester Dokumentarfilm. Die Jurybegründung: „Wie sich ein Krieg in die Landschaft zurück­zieht und sich dort als stum­me geo­po­li­ti­sche Formation abbil­det, wäh­rend die Menschen ihrem Leben wei­ter nach­ge­hen – davon erzählt in ein­drück­li­chen, aber immer auch respekt­voll Distanz wah­ren­den Bildern unser Gewinnerfilm. Hier ist nichts embedded, hier gibt es kei­ne gro­ßen Ereignisse und höchs­tens einen Aufruhr unter den Schafen. Auf trü­ge­ri­sche Weise scheint sich alles dem Zyklus der Natur unter­zu­ord­nen, wäh­rend der Konflikt jeder­zeit wie­der aus­bre­chen kann – so gesche­hen zuletzt im Spätsommer 2023. Für sei­ne glei­cher­ma­ßen sub­ti­le wie behut­sa­me Annäherung an die Menschen und Tiere, die im von Bergen ein­ge­heg­ten arme­nisch-aser­bai­dscha­ni­schen Grenzgebiet leben, geht der Preis für den Besten Dokumentarfilm an Daniel Kötter für sei­nen Film LANDSHAFT.“

In Form einer Reise folgt Daniel Kötters kon­tem­pla­ti­ve doku­men­ta­ri­sche Arbeit mensch­li­chen und nicht-mensch­li­chen Akteuren im Osten Armeniens vom Sewan See bis zur seit dem Karabach-Krieg 2020 aser­bai­dscha­nisch kon­trol­lier­ten Sotk-Goldmine. Landshaft ent­wirft die Psychogeographie einer geo­po­li­tisch auf­ge­la­de­nen Gegend und ihrer Bewohner zwi­schen Krieg und Vertreibung, zwi­schen einst und jetzt, noch vor dem im September 2023 eska­lier­ten der Konflikt um die Region Berg-Karabach, als Aserbaidschan die selbst­er­nann­te Republik mili­tä­risch ein­nahm und hun­dert­tau­sen­de Armenier flie­hen mussten.

Credits:

DE 2023 96 Min., arme­nisch mit deut­schen Untertiteln,
Regie, Buch, Kamera, Schnitt: Daniel Kötter 

Trailer:
nach oben

Das leere Grab

Ein Film von Agnes Lisa Wegner & Cece Mlay.

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Songea, Tansania. John Mbano ist fest ent­schlos­sen, die Gebeine sei­nes Urgroßvaters Songea Mbano zu fin­den, der von der deut­schen Kolonialarmee ermor­det wur­de. Seine Familie hat über Generationen hin­weg an einem geplün­der­ten Grab getrau­ert, denn Songea Mbanos Schädel wur­de damals zu ras­sis­ti­schen Forschungszwecken nach Deutschland gebracht. John und sei­ne Frau tre­ten eine Reise an, die ihr Leben ver­än­dert. Mit gro­ßer Zielstrebigkeit begin­nen sie ihre Nachforschungen und fah­ren schließ­lich nach Berlin, um dort nach den Knochen ihres Vorfahren zu suchen. Hier begeg­nen sie einer Gruppe von Aktivist*innen, die dafür kämp­fen, Leugnung und Versäumnisse in der Aufarbeitung der deut­schen Kolonialgeschichte sicht­bar zu machen.

Unser Film … gibt dem Publikum die Möglichkeit, etwas zu erfah­ren, was viel zu lan­ge unter den Teppich gekehrt wur­de. Und er stellt ent­schei­den­de Fragen: Wie lebt eine Familie, eine Community mit einem inter­ge­ne­ra­tio­nel­len Trauma? Wer ist ver­ant­wort­lich für die tat­säch­li­che Restitution der Ahnen? Welche Rolle spie­len Familien und Communities in die­sem Prozess? Wer hat die Geduld, die Beharrlichkeit, nach den jewei­li­gen Vorfahren zu suchen, und wie wird das finan­ziert? Und wor­auf alles hin­aus­läuft: Wie wol­len wir mit­ein­an­der leben?” Agnes Lisa Wegner & Cece Mlay

Filmgespräch am 27.5. mit dem Aktivisten und Protagonisten Konradin Kunze

Credits:

DE/TZ 2023, 97 Min., Suaheli, Deutsch und Englisch OmU
Regie: Agnes Lisa Wegner, Cece Mlay
Kamera: Marcus Winterbauer
Schnitt: Donni Schoenemond

Trailer:
DAS LEERE GRAB Trailer [HD]
nach oben

Ein Traum von Revolution

Ein Film von Petra Hoffmann. 

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Vor 45 Jahren, mit dem Sieg der Revolution in Nicaragua, beginnt eine Ära der Hoffnung. Eine jun­ge Generation über­nimmt die Regierung mit dem ehr­gei­zi­gen Ziel, eine gerech­te­re und sozia­le­re Gesellschaft aufzubauen.

Allein aus Westdeutschland rei­sen in den 80er Jahren 15.000 „BrigadistInnen“ zum Wiederaufbau des aus­ge­blu­te­ten Landes nach Nicaragua: Liberale, Grüne, GewerkschafterInnen, SozialdemokratInnen, Linke und Kirchenvertreter ern­ten Kaffee und Baumwolle, bau­en Schulen, Kindergärten und Krankenstationen. Keine Bewegung hat so vie­le Menschen mobi­li­siert. Auch die Regisseurin Petra Hoffmann ist mit dabei. 45 Jahre nach dem Sieg der Revolution fragt sie nach, was aus den Wünschen und Träumen der RevolutionärInnen und ihrer UnterstützerInnen gewor­den ist.

Credits:

DE 2024, 95 Min., spa­ni­sche OmeU
Regie & Schnitt: Petra Hoffmann
Kamera: Börres Weiffenbach, Patrick Waldmann
Schnitt: Rafael Maier, BFS

Trailer:
Ein Traum von Revolution (Teaser HD)
nach oben
Robot Dreams

Robot Dreams

Ein Film von Pablo Berger.

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Dog ist ein­sam. Nach den all­abend­li­chen Cheese-Maccharoni sitzt er allein vor dem Fernseher und switcht sich durch die Kanäle, nur die neu­gie­ri­gen Tauben schau­en von außen herein.

Doch plötz­lich gibt ein Reklame-Spot Hoffnung. Ein Roboter-Freund als do-it-yours­elf-Bausatz wird Freude und Spaß in Dog’s Leben brin­gen. Wir befin­den uns im som­mer­li­chen New York der 80er, und in den Straßen und Parks tobt das Leben, in das Dog und Robot fort­an ein­tau­chen. Rollschuhfahren, Breakdance, auch Punk-Posen lernt Robot schnell, und Dog ist an sei­ner Seite ein durch und durch glück­li­cher Hund. Aber der Ausflug nach Coney Island mit aus­gie­bi­gem Badespaß bekommt dem Blech-Kumpanen nicht, er ros­tet rapi­de. Um ihm zu hel­fen, muss Dog ihn allei­ne los, und kann nicht zurück. Eine sehn­suchts­vol­le lan­ge und trau­ri­ge Zeit für die bei­den Freunde beginnt – kön­nen sie wie­der zusam­men­kom­men, wer­den sie sich wiederfinden?

… allein auf­grund des Cartoon-Looks mit sei­nen knal­li­gen Farben, kla­ren Formen, detail­lier­ten Hintergründen und rund­um gelun­ge­nen Figurendesigns kommt man nicht drum­her­um, sich in die­sen Film zu ver­lie­ben. Robot Dreams ist ein klei­ner, aber sehr fei­ner Zeichentrickstreifen mit tol­lem Stil, gro­ßem Mut zum stil­len Erzählen und dem Herz am rech­ten Fleck.“ Christian Neffe | kino-zeit

Die schein­bar sim­pel daher­kom­men­den Zeichnungen kön­nen dazu ver­lei­ten, ROBOT DREAMS als Kinderfilm ein­zu­schät­zen. Doch all‘ die aus­ge­ar­bei­te­ten Details, die Filmzitate, das dra­ma­ti­sche Potenzial und die Handarbeit – die 150.000 ein­zel­nen Bilder wur­de von 60 Leuten in über x Jahren lie­be­voll ein­zeln gezeich­net, begeis­tert auch alle Ü10. Man braucht also kein Alibikind, um zu kom­men. Viele Herzen hat der dia­log­lo­se Film schon erwär­men kön­nen. Ausgestattet mit dem Grand Prix beim Animationsfestival in Annecy bekam er den gro­ßen GOYA, den Europäischen Filmpreis und wur­de OSCAR-nominiert.

Mit sei­ner lie­be­voll ent­wor­fe­nen, bis ins kleins­te Detail ein­falls­reich ange­räum­ten, gemal­ten Welt stellt Robot Dreams ein glän­zen­des Exempel jener hohen Kunst dar, aus dem frei flot­tie­ren­den Garn der Fantasie Gedanken und Gefühle wie Gold zu spin­nen.“ epd-Film | Alexandra Seitz

Nach der Graphic Novel „Robo und Hund“ von Sara Varon.

Credits:

ES/FR 2023 | 102 Min., ohne Dialog
Regie: Pablo Berger
Schnitt: Fernando Franco

Trailer:
nach oben
Die Vision der Claudia Andujar

Die Vision der Claudia Andujar

Ein Film von Heidi Specogna. 

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Claudia Andujar hat­te sich als Fotoreporterin in New York schon einen Namen gemacht, als sie 1960 begann, sich für die indi­ge­ne Bevölkerungsgruppen des bra­si­lia­ni­schen Amazonasgebiets zu inter­es­sie­ren. Die bedroh­te Lebenswelt der Yanomami nahm in Engagement und Arbeit der renom­mier­ten Fotografin ab da gro­ßen Raum ein. Nachdem sie zwei Jahre ohne Kontakt zur Außenwelt bei und mit ihnen gelebt hat­te und die Menschen ihr ver­trau­ten, begann sie ihre foto­gra­fi­sche Dokumentation. Die war mehr als Selbstzweck. Sie half, Gesundheitsakten für eine (über)lebenswichtige Impfung gegen von Weißen ein­ge­schlepp­te Krankheiten zu erstel­len. Die Bilder soll­ten auch zei­gen und auf­klä­ren, welch‘ unge­heu­res Unrecht dort im Namen des Profits und Fortschritts geschieht.

Der Film mischt nicht nur geschickt die leben­di­gen Erzählungen der Protagonistin mit ihren Fotos und ihrer eige­nen, eben­falls trau­ma­ti­schen Geschichte, son­dern schlägt im letz­ten Teil auch noch die Brücke zur Gegenwart. Der Blick rich­tet sich auf die jun­ge Generation der Yanomami und ihren immer noch erfor­der­li­chen Kampf gegen die Zerstörung ihrer Heimat, gegen Folgen von Abholzung und die Vergiftung der Flüsse mit Quecksilber. Und sie führt ihn eben­falls mit bild­ge­ben­den Medien, mit Fotos und Filmen für die Öffentlichkeit.

Der Film macht deut­lich, was Claudia Andujars Fotografien so bedeut­sam macht. Es ist nicht der eth­no­gra­fi­sche Blick auf das Fremde, son­dern die Perspektive einer Frau auf Menschen, die ihr selbst einen Sinn im Leben gege­ben haben. Ihre Fotos sind wert­schät­zend; sie urtei­len nicht.” Thomas Klein | Filmdienst

Ein Großteil der Fotografien von Claudia Andujar ist im Museum of Contemporary Art Inhotim aus­ge­stellt. In den Hamburger Deichtorhallen sind ihre Werke bis zum 11. August zu sehen.

Credits:

DE/CH 2024, 88 Min., por­tu­gie­sisch, fran­zö­si­sche OmU
Regie: Heidi Specogna
Kamera: Johann Feindt
Schnitt: Kaya Inan

Trailer:
Die Vision der Claudia Andujar [Offizieller Trailer DEUTSCH HD] – Ab 9. Mai im Kino
nach oben

Eureka

Ein Film von Lisandro Alonso. 

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Lisandro Alsonsos Film EUREKA ist ein mal bedrü­cken­des, mal berü­cken­des Werk in drei Teilen, lose ver­bun­den durch die Themen der Landnahme und der Dezimierung indi­ge­ner Lebensräume. Der ers­te Teil spielt in Mexiko, im spä­ten 19. Jahrhundert. Der Revolverheld Murphy (Viggo Mortensen) ist auf der Suche nach sei­ner Tochter. Doch gibt sich EUREKA kei­ner Heldenreise hin, son­dern nutzt sie bloß als Bewegungsrichtung durch einen nichts­sa­gen­den Ort, getränkt in Alkoholismus und bei­läu­fi­ge Morde. Sobald der Film in der Konfrontation von Murphy mit sei­ner Tochter ins Melodramatische abdrif­tet, schal­tet Lisandro um: in das Pine Ridge-Reservat in South Dakota im Jahre 2019, wo sich die Polizistin Alaina (Alaina Clifford) auf ihre Schicht vor­be­rei­tet. Der ers­te Teil läuft dabei noch im Fernsehen im Hintergrund, und mit ihm die Ideologie des wil­den Westens mit sei­nen wei­ßen Heroen. Während Alainas zuneh­mend erschöp­fen­der nächt­li­cher Schicht sehen wir die Auswirkungen die­ser Ideologie, näm­lich die Verdrängung und Prekarisierung der über­le­ben­den indi­ge­nen Bevölkerung in von Drogen und Verwahrlosung geplag­te Reservate. Der drit­te Teil reist nach Brasilien ins Jahr 1975, zur Zeit der Ölkrise und des Goldrauschs, der die bis heu­te anhal­ten­de Vertreibung und Ermordung indi­ge­ner Menschen im Amazonasgebiet zur Folge hat­te.
Um nar­ra­ti­ve Konventionen küm­mert sich Lisandro Alonso wenig. Wer sich jedoch auf sei­nen asso­zia­ti­ven Erzählstil ein­lässt, wird mit einem Film belohnt, der neben Elend auch viel Schönheit fin­det. Gerade im drit­ten Teil wei­tet sich der Blick, die mensch­li­chen Akteur*innen ste­hen nicht mehr im Fokus, son­dern wer­den ein­ge­bet­tet in eine spru­deln­de, sin­gen­de, rau­schen­de Umwelt. Hier ent­ste­hen Momente des Einklangs, der Utopie, auch wenn sie dem Zyklus aus Gier und Gewalt nicht lan­ge standhalten.

Yorick Berta | indiekino

Credits:

AR/DE/FR/MX/PT 2023, 146 Min., cha­ti­no, eng­lisch, lako­ta, por­tu­gie­sisch OmU
Regie: Lisandro Alonso
Kamera: Timo Salminen, Mauro Herce
Schnitt: Gonzalo Del Val

Mit: Alaina Clifford, Sadie Lapointe, Viggo Mortensen, Chiara Mastroianni, Adanilo Costa, Rafi Pitts,

Trailer:
nach oben

Vom Ende eines Zeitalters …

Ein Film von Christoph Hübner und Gabriele Voss.

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Was war? Was bleibt? Was kommt?

Alle reden vom Klimawandel. Und dass sich etwas ändern muss. Im Ruhrgebiet geht das Zeitalter der Kohle zu Ende. Schon lan­ge und lang­sam, als letz­te Zeche schließt die Zeche Prosper/Haniel in Bottrop.

Die Geschichte des Ruhrgebiets ist seit 150 Jahren eine Migrationsgeschichte, in deren Kern immer die Frage stand, wie kön­nen wir zusam­men­ar­bei­ten und leben. Die all­täg­li­che Beantwortung die­ser Frage stif­te­te den Menschen damals ihre Identität. Heute fehlt der gemein­sa­me Arbeitgeber.

Sind die Bewohner*innen des Ruhrgebiets auf der Suche nach einer neu­en Identität? Helfen die Industriedenkmäler und Museumsstücke, die auf den ehe­ma­li­gen Abraumhalten aus­ge­stellt wer­den? Die weit­hin leuch­ten­den Kulturfestivals?

Während man in den 60er Jahren in den Zechen-Siedlungen noch stolz gesagt hat: Wir hel­fen uns selbst und haben durch Vereine und Brauchtum die Möglichkeit gemein­sam zu gestal­ten, war­tet man heu­te auf die Politik, oder wen­det sich ent­täuscht ab, weil zu wenig geschieht.

Die Filmschaffenden Christoph Hübner und Gabriele Voss haben über 40 Jahre die Veränderungen im Ruhrgebiet beob­ach­tet und die­je­ni­gen beglei­tet, deren Leben und Arbeit davon geprägt war. Ein Spagat zwi­schen all­ge­mei­ner Entwicklung und Einzelschicksalen von Menschen. Dabei wird deut­lich: Strukturwandel bedeu­tet nicht nur, dass Zechen schlie­ßen und Landschaften rekul­ti­viert wer­den müs­sen. Auch der sozia­le Zusammenhalt der Menschen muss sich neu defi­nie­ren. Ein Filmprojekt, das aus der Zeit fällt – und doch von ihr erzählt. Ein Film, in dem das Ende noch nicht zu Ende ist und die Zukunft schon begon­nen hat.

Credits:

DE 2023, 155 Min., Deutsch
Regie: Christoph Hübner und Gabriele Voss
Kamera: Christoph Hübner
Schnitt: Gabriele Voss

Trailer:
nach oben
Und dass man ohne Täuschung zu leben mag,

Achtung Berlin 2024

Das Filmfestival Achtung Berlin!, bei dem wir mitt­ler­wei­le zum fünf­ten Mal Spielort sind, prä­sen­tiert zwar Produktionen aus Berlin und Brandenburg, ist aber nicht an den Ort gebunden.

Nach allen Filmvorstellungen folgt ein Q&A mit dem Filmteam.
Das Programm im fsk:

Sonntag, 14.4.

16:00 Alleine Tanzen, Biene Pilavci, Dokfilm, 98 Min. (Jubiläumsretrospektive)
[Tickets]

Alleine Tanzen

Liebes Tagebuch, mir schmerzt mein Herz. Ich will, dass es auf­hört zu schla­gen.“ Tagebucheinträge und VHS-Aufnahmen, einst stum­me Zeugen der Gewalt, ergrei­fen heu­te das Wort und tra­gen zu einem Familienkaleidoskop bei, in dem die Sehnsucht nach einer ganz nor­ma­len Familie schmerz­haft deut­lich wird, als wir zu einer Hochzeit in Griechenland flie­gen. Die sehr muti­ge, per­sön­li­che und auf­wüh­len­de Auseinandersetzung mit der eige­nen Familie gewann den Preis “Bester Dokumentarfilm”.

Regie, Buch Biene Pilavci Konzeptberatung Valeska Kölbl Kamera Armin Dierolf Schnitt Biene Pilavci Ton Manja Ebert, Magnus Pflüger Produzent:in Max Milhahn, Heike Kunze Produktion Film- und Medienproduktion GmbH, DFFB

18:30 Landshaft, Daniel Kötter, Dokfilm, 97 Min. (Berlin Spezial)
[Tickets]

Landshaft

Der Konflikt zwi­schen Armenien und Aserbaidschan um die Kontrolle über Karabach köchelt lei­se wei­ter. Vom Sewansee bis zur Goldmine von Sotk, die seit dem Blitzkrieg von 2020 von Aserbaidschan besetzt ist, ent­wirft der Film die Psychogeographie einer geo­po­li­tisch auf­ge­la­de­nen Landschaft sowie ihrer Einwohner:innen zwi­schen Extraktivismus, Krieg und Vertreibung. In Form einer Reise im Osten Armeniens folgt der Film mensch­li­chen und nicht-mensch­li­chen Akteuren auf ihrem Weg und gibt den­je­ni­gen eine Stimme, die mit Sorge beob­ach­ten, wie sich die Mächtigen hin­ter Krieg und Goldabbau auf ihre Kosten zerfleischen.

Regie, Buch, Kamera, Schnitt Daniel Kötter Ton Armen Papyan, Hayk Galstyan Musik Sarer Kaghechem, Gusam Sheram Grafikdesign Edik Boghosian Producer Nune Hovhannisyan in Zusammenarbeit mit Sona Karapoghosyan, Nune Hovhannisyan, Eviya Hovhannisyan, Armen Papyan Koproduzentin Jana Cisar Produzent Daniel Kötter

20:45 La Empresa, André Siegers, Dokfilm, 94 Min. (Wettbewerb D.)
[Tickets]

La Empresa


Ein deut­sches Filmteam begibt sich in das mexi­ka­ni­sche Dorf El Alberto. Die soge­nann­te Caminata Nocturna hat den klei­nen Ort berühmt gemacht. Eine Touristenattraktion, die auf den Erfahrungen der Dorfbewohner:innen beruht und den ille­ga­len Grenzübertritt in die Vereinigten Staaten nach­stellt. Was als loka­le Performance begann, ist inzwi­schen zu einer der Haupteinnahmequellen des Dorfes gewor­den. Während um das Filmteam her­um der Ort unbe­irrt sei­nen Geschäften nach­geht, Rechte am eige­nen Bild ver­tei­digt, im ein­träg­li­chen Tauschhandel Grenzpatrouillen, Gefahren und Reenactments lie­fert, ent­wi­ckelt sich der Aufenthalt des Filmteams zu einer unge­woll­ten Erkundung der Möglichkeiten und Grenzen fil­mi­scher Repräsentation.

Uraufführung 52. International Film Festival Rotterdam

Regie, Buch André Siegers Co-Autor Philipp Diettrich mit Ernesto Oliva, Miguel Barrera, Antonio Barrera, Yvonne Bernal, Eugenio Garcia Cruz, Francisca Garcia Cruz, Leticia Garcia Flores Kamera Philipp Diettrich Schnitt Simon Quack (BFS), André Siegers Ton Bernhard Hetzenauer Produzent:in Karsten Krause, Frank Scheuffele, Julia Cöllen Produktion Fünferfilm Koproduktion UVO Gruppe, Mischief Films

Montag, 15.4.

18:30 Exile never ends, Bahar Bektaş Dokfilm, 99 Min. (Wettbewerb D., Berlin-Premiere)
[Tickets]

Exile never ends

Bahars Bruder Taner sitzt in Deutschland im Gefängnis und steht kurz vor der Abschiebung in die Türkei. Bahar nutzt die Zeit des Wartens und rich­tet die Kamera auf ihre Familienangehörigen: Politische Verfolgung der ale­vi­tisch-kur­di­schen Familie in der Türkei, die Flucht nach Europa 1989, ras­sis­ti­sche Übergriffe, Depressionen und Überforderung der Eltern – all das traf die Kinder, die damit unter­schied­lich umge­hen. Die Ungewissheit über Taners Schicksal in der Türkei ist nur ein Teil der Lebenserfahrung als Familie im Exil. Die Verzerrung von Vergangenheit und Gegenwart sowie unter­schied­li­cher Geografien kon­fron­tiert die Zuschauenden mit dem Verlust von Orientierung in Zeit und Raum.

Uraufführung 45. Filmfestival Max Ophüls Preis

Regie, Buch Bahar Bektaş Co-Autor Arash Asadi, Tobias Carlsberg Kamera Meret Madörin, Antonia Kilian Schnitt Arash Asadi Ton Lara Milena Brose Musik Ahmet Aslan Producerin Bettina Morlock Redaktion Sara Günter (ZDF) Produzentin Antonia Kilian Produktion Pink Shadow Films Koproduktion ZDF – Das klei­ne Fernsehspiel

20:45 Und dass man ohne Täuschung zu leben ver­mag, Katharin Lüdin, Spielfilm, 109 Min. (Wettbewerb S., Berlin-Premiere)
[Tickets]

Und dass man ohne Täuschung zu leben mag,

Sommerliche Hitze in einer Vorstadt. Fünf Menschen tas­ten sich vor­sich­tig durch ihre kon­flikt­rei­chen Beziehungen: Schauspielerin Merit probt zusam­men mit ihrem Ex-Mann David an einem Theaterstück. Die Beziehung zwi­schen Merit und ihrer Lebensgefährtin Eva bewegt sich der­weil in einem Zustand zwi­schen schwe­len­der Krise und Leerlauf. Lion muss Rose zie­hen las­sen, David ver­sucht sich zu lösen. Sie spre­chen, aber ihre Worte tref­fen sich nicht. Sie spie­len Theater, auf der Bühne und pro­ben ihr Leben. Ängste vor der Zukunft und Spuren von Gewalt durch­set­zen ihre Gegenwart. Wie mit­ein­an­der sein, wenn Bedingungslosigkeit zu brö­ckeln beginnt? Auf ana­lo­gem 16-mm-Filmmaterial gedreht, erzählt der Film von den Wendungen und Windungen mensch­li­chen Miteinanders.

Uraufführung 76. Locarno Film Festival
Regie, Buch Katharina Lüdin Schauspiel Anna Bolk, Jenny Schily, Godehard Giese, Lorenz Hochhuth, Pauline Frierson, Wolfgang Michael, Unica-Rosa Blaue-Poppy Kamera Katharina Schelling Schnitt Katharina Lüdin Ton Stefan Bück Szenenbild Winnie Christiansen, Anne Storandt Kostümbild Jana Charlotte Tost Casting Ulrike Müller Koproduzent:in Katharina Lüdin, Ivan Madeo, Stefan Eichenberger, Urs Frey Produzent:in Jana Kreissl, Tobias Gaede Produktion Was bleibt Film Koproduktion Katharina Lüdin Filmproduktion, Contrast Film Zürich

Dienstag, 16.4.

18:30 Hausnummer Null, Lilith Kugler, 90 Min. (Wettbewerb D., Berlin-Premiere
[Tickets]

Hausnummer Null

Umsorgt von der Nachbarschaft lebt Chris gemein­sam mit sei­nem Kumpel Alex an einer Berliner S‑Bahn Station. Heroinabhängigkeit bestimmt Alltag und Freundschaft. Auch wenn bei­de immer wie­der von einem „nor­ma­len“ bür­ger­li­chen Leben träu­men, schaf­fen sie es nicht, sich aus dem Teufelskreis zu befrei­en. Erst als Chris in der Notaufnahme nur knapp über­lebt, fasst er einen Entschluss: Er beginnt einen Entzug mit anschlie­ßen­dem Drogensubstitutionsprogramm. Mit einem Einzelzimmer im betreu­ten Wohnheim in Aussicht, schöpft er neue Hoffnung. Nach sechs Jahren auf der Straße steht er den­noch vor nie da gewe­se­nen Herausforderungen. Er will zurück in die Gesellschaft.

Uraufführung 45. Filmfestival Max Ophüls Preis

Regie, Buch Lilith Kugler mit Chris, Alex Kamera Stephan M. Vogt Schnitt David Mardones Ton Tobias Adam Musik Valeriia Khazan Producer Jonatan Geller-Hartung Redaktion Sara Günter (ZDF) Produzent:in Bettina Morlock, Rouven Rech, Teresa Renn Produktion Now Films, Torero Film Koproduktion ZDF – Das klei­ne Fernsehspiel

20:45 Good News, Hannes Schilling, Spielfilm, 75 Min. (Wettbewerb S., Berlin-Premiere)[Tickets]

Good News

Leo, Journalist aus Überzeugung, lässt sein Leben in Deutschland hin­ter sich, um im Süden Thailands über eine gehei­me Rebellengruppe zu berich­ten. Zwischen den Recherchen ver­bringt er dort Zeit mit Mawar, der wie­der­um von einer bes­se­ren Zukunft in Deutschland träumt. Leo hilft Marwar bei den Vorbereitungen. Doch bald stellt er fest, dass ihn die Zeit, die er in Marwars Familie ver­bringt, zu schmerz­lich an sein eige­nes Leben in Berlin erin­nert. Um schnel­ler zurück­rei­sen zu kön­nen, ver­fasst Leo den ver­spro­che­nen Artikel, ohne jedoch in Kontakt mit den Rebellen gewe­sen zu sein. Nach und nach kata­pul­tiert er sich – zwi­schen Familie, Beruf und Freundschaft – in eine mora­li­sche Abwärtsspirale.

Uraufführung 45. Filmfestival Max Ophüls Preis

Regie Hannes Schilling Buch Ghiath Al Mhitawi, Hannes Schilling Schauspiel Ilja Stahl, Sabree Matming, Dennis Scheuermann Kamera Falco Seliger Schnitt Marie Fontanel, Paul Gröbel Ton Alexander Wolf Szenenbild Pisuthpak Sukwisit Musik Lena Radivoj Produzent Jost Hering Produktion Jost Hering Filme

Mittwoch, 17.4.

18:30 For the time being, Nele Dehnenkamp, D 2023, Dokfilm, 90 Min.(Wettbewerb D., Berlin-Premiere)
[Tickets]

For the time being

Jermaine ver­büßt eine 22-jäh­ri­ge Haftstrafe im berüch­tig­ten Sing Sing-Gefängnis in der Nähe von New York. Er behaup­tet, zu Unrecht wegen Mordes ver­ur­teilt wor­den zu sein. Michelle, die ihren Jugendfreund im ste­ri­len Besuchsraum eines Hochsicherheitsgefängnisses gehei­ra­tet hat, hofft, mit ihm in Freiheit leben zu kön­nen. Unermüdlich kämpft sie dafür, sei­ne Unschuld zu bewei­sen, wäh­rend sie sich gleich­zei­tig als allein­er­zie­hen­de Mutter um ihre jugend­li­chen Kinder küm­mert. In einer zer­mür­ben­den Routine aus Telefonaten, Briefeschreiben und Besuchen in der Haftanstalt, träumt sie von einem idyl­li­schen Familienleben außer­halb der Gefängnismauern.

Uraufführung 66. DOK Leipzig

Regie, Buch Nele Dehnenkamp mit Michelle Bastien-Archer, Jermaine Archer, Paul Scott, Kaylea Scott Kamera, Schnitt Nele Dehnenkamp Ton Nele Dehnenkamp, Stefan Zierock Musik Martin Kohlstedt Produzentin Nele Dehnenkamp, Christine Duttlinger Produktion Filmakademie Baden-Württemberg Verleih Across Nations

20:45 Ellbogen Aslı Özarslan, Spielfilm (Berlin Spotlights)
[Tickets]

Ellbogen

Ellbogen erzählt die Geschichte einer jun­gen Frau, die aus der Gesellschaft ver­drängt wird und die Weichen ihres Lebens neu stel­len muss. Man will mit ihr durch die Nacht ren­nen, man will wis­sen, wie es mit ihr und mit uns allen weitergeht.

DE/TK/FR 2024, 86 Min., Deutsch Türkisch OmU, Regie: Aslı Özarslan, Kamera: Andac Karabeyoglu-Thomas, Schnitt: David J. Achilles, Ana Branea, mit Melia Kara, Doğa Gürer, Jale Arıkan, Haydar Şahin, Orhan Kiliç

Zwischen uns der Fluss

Zwischen uns der Fluss

Ein Film von Michael Klier.

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Alice (Lena Urzendowsky) wur­de nach einer Umweltaktion des zivi­len Ungehorsams beschul­digt und zum Sozialdienst ver­ur­teilt. Sie soll sich um Cam (Kotti Yun) küm­mern, die nach einem ras­sis­ti­schen Überfall trau­ma­ti­siert ist. Als Cam sich gegen eine Verlängerung des Klinikaufenthalts ent­schei­det, nimmt Alice die ver­schlos­se­ne Frau mit zu sich ins gut­bür­ger­li­che Villenviertel in Dresden. Dort löst sich etwas in Cam; in die­ser idyl­lisch geschütz­ten Umgebung kann sie erwa­chen. Alice küm­mert sich und ist zuneh­mend fas­zi­niert. Die uner­war­te­te Zuneigung ist spür­bar. Doch das Verhältnis wan­delt sich und Cam hält Alice’s Fürsorge einen kri­ti­schen Spiegel vor – und wird ihren eige­nen Weg gehen. 

Zwei sehr unter­schied­li­che jun­ge Frauen, die sich gegen­sei­tig for­dern, sich schließ­lich ein­an­der öff­nen und auf unge­wöhn­li­che Art inein­an­der wie­der­erken­nen. In kla­ren, medi­ta­ti­ven und lyri­schen Bildern, die mehr und mehr zu einem Flow wer­den, ent­steht ein inten­si­ves, irr­lich­tern­des Generationenporträt und eine hin­ter­grün­di­ge Hommage an die Elbe von Dresden.

Credits:

DE 2023, 94 Min.,
Regie: Michael Klier
Kamera: Jenny Lou Ziegel, Markus Koop
Schnitt: Gaya von Schwarze
mit: Kotti Yun, Lena Urzendowsky, Laura Tonke, Jeremias Meyer, Vu Dinh

Trailer:
nach oben