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Atomkraft Forever

ein Film von Carsten Rau. 

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]r]

Auf das Kurzzeitgedächtnis von Menschen ist Verlass. Die Atomkatastrophe im japa­ni­schen Fukushima liegt inzwi­schen fast zehn Jahre zurück, der Super-GAU von Tschernobyl über drei­ßig Jahre. Und Harrisburg oder Sellafield ist den wenigs­ten noch ein Begriff. Das gan­ze Ausmaß die­ser Katastrophen blieb der Öffentlichkeit meist ver­bor­gen. Sie wur­den ver­tuscht, ver­heim­licht oder ver­harm­lost. Und plötz­lich scheint die Hochrisikotechnik mit ihren dau­er­haf­ten Folgen für Mensch und Umwelt in Deutschland wie­der salon­fä­hig, die ver­schlepp­te Energiewende kein Thema mehr.

Der sehr sach­li­chen und zurück­hal­ten­den Doku von Regisseur Carsten Rau mit dem pro­vo­zie­ren­den Titel kommt da im rich­ti­gen Moment. Ihr gelingt es, ohne Dramatisierung zu über­zeu­gen. Ihr nüch­ter­ner Blick macht bei­spiel­haft beim Abbau des AKWs in Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern die Gefahren der Atomenergie ein­dring­lich sicht­bar. Ganze Gebäudeblöcke sind ver­strahlt, bei jedem Aufbohren von Beton kön­nen radio­ak­ti­ve Staubpartikel ein­ge­at­met wer­den. Der Aufwand die­ses Rückbaus der ato­ma­ren Ruine ist absurd.

Allein in Greifswald kom­men 600.000 Tonnen an Beton, Stahl, Eisen, Aluminium zusam­men. 1,8 Millionen Tonnen Material müs­sen gerei­nigt wer­den. Ein wah­rer Kraftakt, auch in finan­zi­el­ler Hinsicht. Die Container mit dem radio­ak­ti­ven Material sta­peln sich in blau­en Schiffscontainern zu 20 bis 30 Tonnen in den Hallen. Als „Sonne in Menschenhand“ wur­de der maro­de Reaktor einst geprie­sen. „Das Atom sei Arbeiter und nicht Krieger” – so lau­tet ein sozia­lis­ti­scher Slogan aus den 70er-Jahren. Damals wur­de das Kernkraftwerk Greifswald in Betrieb genommen.

Regierung, Arbeiter und Forscher träum­ten im Einklang von der fried­li­chen Nutzung der Atomkraft, für den Wohlstand und die Gleichheit der Völker. Und auch Greifswald war kein siche­rer Atommeiler. Durch einen gro­ßen Brand im Maschinenraum Ende 1975 kam es fast zu einem GAU. Ende November 1989 geriet ein simu­lier­ter Störfall außer Kontrolle, als die auto­ma­ti­sche Schnellabschaltung ver­sag­te. Dadurch kam es zu einer gefähr­li­chen Überhitzung meh­re­rer Brennelemente. Eine Kernschmelze stand kurz bevor.

Trotzdem denkt man im bay­ri­schen Dorf Gundremmingen weh­mü­tig an die strah­len­den Zeiten des AKWs zurück. Ein Bild wie aus dem Hochglanzprospekt der ato­ma­ren Energiekonzerne zeigt die still­ge­leg­ten Kühltürme ein­ge­rahmt von Rosenbeeten aus dem Vorgarten des ehe­ma­li­gen Bürgermeisters. Die Gemeinde wur­de reich. Die Atomlobby, vom Staat sub­ven­tio­niert, spül­te Geld in die Kassen. Sogar Eigentumswohnungen in München wur­den ange­kauft. Eine auf­wen­di­ge Sporthalle gebaut.

Auch wenn den Bauern ihr Land damals für drei Mark pro Quadratmeter abge­han­delt wur­de. Widerstand reg­te sich kei­ner. Wer dar­an ver­dient, wie die Wirtin im Ort, hängt dem Traum vom bil­li­gen siche­ren Strom nach. Für sie gehö­ren Kühe und Kühltürme zum Heimatgefühl. Und so ver­mit­telt die­se Sequenz der Doku die hei­le, länd­li­che Idylle. Dass natür­lich auch das AKW Gundremmingen sei­ne Störfälle hat­te, die der Bevölkerung oft ver­schwie­gen wur­den, kommt nicht zur Sprache. Ein Kommentar aus dem Off dazu wäre viel­leicht doch nicht ganz ver­kehrt. Wie sehr mit Atomkraft durch Unterstützung des Staates Geld zu ver­die­nen war, klingt zumin­dest durch.

Deutschlands lächer­li­cher Atomausstieg wäre heu­te nicht mehr trag­bar“, ver­kün­det ein fran­zö­si­scher Atomingenieur aus dem Plutonium-Forschungslabor im süd­fran­zö­si­schen Cadarache über­zeugt. Er hält das Ganze für ein Wahlmanöver, das Deutschland teu­rer kommt als die Wiedervereinigung. Ein Statement, das auf den ers­ten Blick, Atombefürwortern in die Hände spielt. Wenn die jun­gen fran­zö­si­schen Nuklearphysiker, hip­pe Millenials, fast poe­tisch von der Atomkraft schwär­men, zeigt sich wie die schil­lernd fas­zi­nie­ren­de Chimäre die­ser Technologie bereits wie­der wirkt. Der Fortschrittsglaube aus den Anfängen lebt.

Erst ein Blick auf die unge­lös­te Frage der Endlagerung rückt das Bild wie­der etwas zurecht. Kein Land der Welt fand bis­her ein siche­res Endlager für hoch­ra­dio­ak­ti­ven Müll aus AKWS. Die neu­ge­grün­de­te Bundesgesellschaft für Endlagerung aber soll es rich­ten. Junge Geologinnen ver­su­chen dort Gletscherbewegungen für Millionen von Jahren vor­her­zu­se­hen. Denn schließ­lich wol­len sie einen Ort fin­den, der über zehn Eiszeiten hin­weg sicher sein soll. Kein noch so lei­ser Zweifel plagt sie bei die­ser rea­lis­tisch betrach­tet unlös­ba­ren Aufgabe.

Die Standortsuche hat frei­lich schon begon­nen. Kein Bundesland ist scharf auf den ver­strahl­ten Müll. Selbst Bayern, das sich einst unter sei­nem Ministerpräsidenten und ehe­ma­li­gen Atomminister Strauß, für die umstrit­te­nen WAA ange­dient hat­te, will sich den baye­ri­schen Wald nicht ver­seu­chen las­sen. Wenn dann der nim­mer­mü­de Sprecher Jochen Stay von „ausgestrahlt.de“ zu Wort kommt, schärft er mit sei­ner lang­jäh­ri­gen Erfahrung das kri­ti­sche Bewusstsein um den Fiebertraum Atom. Und last but not least steht ein Elefant im Raum: Wer Atomwaffen will, braucht Atomkraftwerke. Denn ohne Brennstoffwirtschaft auch kein Atomwaffenmaterial. Bekanntlich dient die fran­zö­si­sche Plutoniumfabrik in La Hague – die soge­nann­te Wiederaufarbeitungsanlage – vor­ran­gig mili­tä­ri­schen Zwecken.

Luitgard Koch | programmkino.de


Credits:

DE 2020, 94 Min.,
Buch und Regie: Carsten Rau
Schnitt: Stephan Haase
Kamera: Andrzej Krol


Trailer:
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Freakscene – The Story of Dinosaur Jr.

Ein Film von ​Philipp Reichenheim. 

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Dinosaur jr. sind Pioniere des Indie-Rock, aber es gab schon früh Berichte über Spannungen zwi­schen den drei Bandmitgliedern. In FREAKSCENE reden J. Macsis, Lou und Murph offen über die toxi­sche Atmosphäre in der Band.

Mitte der 80er Jahre ver­öf­fent­lich­te die Band Dinosaur jr. – damals noch als „Dinosaur“, das „jr.“ war die Folge einer Klage der älte­ren Hippie-Band „Dinosaurs“ – ihr Debütalbum, das zwar noch im US-Hardcore-Punk ver­wur­zelt war, aber eine läs­si­ge­re Haltung mit älte­ren Rockstilen ein­nahm. Dinosaur jr. waren (und sind) irr­sin­nig laut und wirk­ten trotz­dem selt­sam intro­ver­tiert. Die Band war schnell in Independent-Kreisen erfolg­reich, und lan­de­te mit 1988 mit „Freak Scene“ einen Hit in den Independent-Charts, ein Jahr spä­ter kam ihre Coverversion des The Cure-Songs „Just Like Heaven“ auch in die Pop-Charts. Dinosaur jr. war auf dem Höhepunkt des Erfolgs, aber es gab Gerüchte dar­über, dass die Musiker nicht mehr mit­ein­an­der rede­ten. 1989 warf J. Mascis Lou Barlow aus der Band, zwei Jahre spä­ter hat­te auch Drummer Murph genug.
In FREAKSCENETHE STORY OF DINOSAUR JR. reden J. Macsis, Lou und Murph über die Gründung, Trennung, und Wiedervereinigung der Band, und sind dabei erstaun­lich offen in Bezug auf die eige­ne toxi­sche Männlichkeit, die sich bei Dinosaur jr. wenigs­tens nicht gegen Frauen rich­te­te. Heute, nach den Missbrauchsskandalen um Ryan Adams und Marilyn Manson, ist klar, dass auch in der Independent Szene reich­lich Macker-Gift ver­brei­tet war und ist, aber damals stan­den die Stars auch für eine ande­re, kom­ple­xe­re Vorstellung von Männlichkeit. Heute zei­gen sich auch Band-Diktator J. Mascis und Aggro-Bassist Lou Barlow ein­sich­tig. Drummer Murph weckt auf­rich­ti­ges Mitgefühl dafür, den Psycho-Terror sei­ner Band so lan­ge aus­ge­hal­ten zu haben. Als Porträt einer Banddynamik ist FREAKSCENE groß­ar­tig, nur kommt die Faszination der Musik von Dinosaur jr., die gera­de in der flä­chi­gen Entfaltung der Songs und in den bra­chia­len Dynamikwechseln liegt, in den Songschnipseln nicht her­über. Für Fans ist der Film Gold, für Nicht-Eingeweihte weniger.

Tom Dorow | indiekino.de

Credits:

DE/US 2020, 82 Min.
Regie: Philipp Reichenheim
mit: J Mascis, Lou Barlow, Murph, Kim Gordon, Henry Rollins, Bob Mould, Thurston Moore

Trailer:
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Die außergewöhnliche Reise der Celeste Garcia

ein Film von Arturo Infante. 

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Einen Science-Fiction-Film aus Kuba bekommt man nicht alle Tage zu sehen, allein das schon macht das Regiedebüt des erfah­re­nen Drehbuchautors Arturo Infantes bemer­kens­wert. Weltraumaction soll­te man aller­dings nicht erwar­ten, denn „Die außer­ge­wöhn­li­che Reise der Celeste Garcia“ benutzt sein Sci-Fi-Motiv ganz unter­schwel­lig und erzählt statt­des­sen von sei­ner Titelheldin, die nach Jahren des immer glei­chen Trotts noch ein­mal einen Neuanfang wagen möchte.

Die ehe­ma­li­ge Lehrerin Celeste Garcia (Maria Isabel Diaz) führt nach ihrer Pensionierung ein beschau­li­ches Leben in Havanna, arbei­tet als Teilzeitkraft im Planetarium und küm­mert sich um ihren 25jährigen Sohn Pedrito (Roberto Espinosa), der immer noch zu Hause lebt und den gan­zen Tag mit sei­nen Videospielen beschäf­tigt ist. Ein wenig mehr Aufregung wünscht sich Celeste in ihrem täg­li­chen Trott, der so beschau­lich abläuft, wie das Leben in der kuba­ni­schen Hauptstadt.

Als sie eines Tages nach Hause kommt, ist die Wohnung ihrer Nachbarin Polina von der Polizei abge­sperrt und die Nachbarin ver­schwun­den. Und dann hört Celeste in den abend­li­chen Nachrichten im Staatsfernsehen etwas selt­sa­mes: Der Sprecher erklärt der Bevölkerung, dass Kuba seit lan­gem von Außerirdischen vom Planeten Gryok Besuch hat. Unbemerkt haben die Aliens sich unter die Bevölkerung gemischt, um die beson­de­ren Erfolge des kuba­ni­schen Sonderweges mit eige­nen Augen zu erle­ben, Erfolge, die, wie der Nachrichtensprecher betont, trotz des Embargos durch die Vereinigten Staaten errun­gen wur­den. Und als wäre das nicht schon selt­sam genug, fin­det Celeste in ihrer Wohnung eine Einladung zum Planeten der Gryoks, die eini­ge Kubaner als Botschafter in ihre Welt holen wol­len. Voller Enthusiasmus beginnt sich Celeste auf die bevor­ste­hen­de Reise vor­zu­be­rei­ten und erin­nert sich der­weil an Momente, die ihr bis­he­ri­ges Leben geprägt haben.

In einer alten, ver­fal­le­nen Schule spielt „Die außer­ge­wöhn­li­che Reise der Celeste Garcia“ in ers­ter Linie, umfunk­tio­niert zum Ort, wo die Auserwählten sich auf ihr neu­es Leben vor­be­rei­ten. Eine bun­te Gruppe kuba­ni­scher Charaktere ist das, vom altern­den Musiker, einer schwan­ge­ren Frau, bis zu einem jün­ge­ren Paar, das unbe­dingt aus­rei­sen möch­te. Unweigerlich muss man spä­tes­tens hier an den Wunsch vie­ler Kubaner den­ken, ihre mit wirt­schaft­li­chen Problemen kämp­fen­de Heimat zu ver­las­sen und ihr Glück im Ausland, am liebs­ten im eben­so nahen wie fer­nen Amerika zu suchen. Doch die Vorbereitung auf die Migration macht schnell deut­lich, dass auch das Leben auf Gyrok kein Zuckerschlecken ist, das auch dort stren­ge Regeln gel­ten, das auch in die­sem schein­ba­ren Ort der Freiheit, nicht Alle alle Möglichkeiten haben.

So deut­lich sich die­se Prämisse auf dem Papier liest, so sub­til erzählt Arturo Infante von sei­ner Titelfigur, ein­fühl­sam gespielt von der auch inter­na­tio­nal bekann­ten Maria Isabel Diaz, die etwa in Almodovars „Volver“ oder Mel Gibsons „Apocalypto“ zu sehen war. Ob Celeste Garcia dann am Ende mit dem Raumschiff in ein neu­es Leben auf­bricht oder doch in ihrer Heimat zurück­bleibt, spielt kei­ne Rolle mehr. Längst hat sie erkannt, dass nicht der Ort an dem sie lebt für ihr Glücklichsein ent­schei­dend ist, son­dern die Menschen, die sie umge­ben und vor allem ihr eige­ner Blick auf ihr Dasein.

Michael Meyns | programmkino.de

Credits:

OT: El Viaje Extraordinario de Celeste Garcia
CU/DE 2018, 92 Min., Span. OmU
Regie & Buch: Arturo Infante
Darsteller: Maria Isabel Diaz, Omar Franco, Nestor Jimenez, Yerlin Perez, Tamara Castellanos, Veronica Diaz, Roberto Espinosa

Trailer:
Trailer „Celeste Garcia”
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Achtung Berlin 2021

Auch die­ses Jahr sind wir wie­der bei Achtung Berlin dabei, mitt­ler­wei­le zum 3. Mal. Bei unse­rer Auswahl schei­nen sich die Themen manch­mal zu ähneln, Hintergründe und Erzählstil sind es nicht. 

Die Filme:

(WAS SEHEN WIR, WENN WIR ZUM HIMMEL SCHAUEN? gibt es bei uns dann zum Filmstart, das nur zur Info.)

Melanie Lischker schafft in BILDER (M)EINER MUTTER neben einem sehr per­sön­li­chen Zugang zu ihrer Mutter ein anschau­li­ches Zeitkolorit der 1970-er Jahre mit sei­nen man­nig­fal­ti­gen Widersprüchen.
R: Melanie Lischker, Dokumentarfilm | 78 min.
9.9., 18:30  [Tickets & Termine]

Jide Tom Akinleminu schaut in WHEN A FARM GOES AFLAME auf sei­ne Eltern, eine dänisch-nige­ria­ni­sche Beziehung, die plötz­lich eine völ­lig uner­war­te­te Wendung nahm.
R: Jide Tom Akinleminu, Dokumentarfilm | 111 min.
12.9., 17Uhr [Tickets & Termine]

Rocco Di Mento möch­te einen Film über die gro­ße Liebe sei­ner Großeltern dre­hen, muss aber fest­stel­len, dass die Familienerzählung sehr ver­schie­den ist von der Wirklichkeit (und auch noch anders, als wir das jetzt ver­mu­ten): THE BLUNDER OF LOVE.
R: Rocco Di Mento, Dokumentarfilm | 84 min.
11.9., 18:30 [Tickets & Termine]

In der Polizeiakademie der auto­nom ver­wal­te­ten kur­di­schen Provinz Rojava absol­viert die 19-jäh­ri­ge Hala eine mili­tä­ri­sche Ausbildung mit femi­nis­ti­scher Schulung. Dann kehrt sie in ihr Heimatdorf zurück, um auch ihre Schwestern vor Zwangsheirat und Unterdrückung zu schüt­zen, erlebt aber eine Enttäuschung: THE OTHER SIDE OF THE RIVER von Antonia Kilian
R: Antonia Kilian, Dokumentarfilm | 92 min.
11.9., 21:00 [Tickets & Termine]

Einmal mehr unter­sucht Daniel Kötter Bewegungen und Entwicklungen in Afrika. Entlang der Schlucht des Akaki-Flusses seziert RIFT FINFINNEE den mehr als nur sym­bo­li­schen Riss zwi­schen der Stadt Addis Ababa und dem Land.
R: Daniel Kötter, Dokumentarfilm | 79 min.
12.9., 19:30 [Tickets & Termine]

Tobias Lenels Spielfilm CAPRICCIODAS FALSCHE KIND ist ein Sommerfilm über Empathie, Lügen und eine ver­leug­ne­te Tochter.
R: Tobias Lenel, Spielfilm| 90 min
10.9., 21.00 [Tickets & Termine]

Nach dem Tod sei­ner Großmutter reist der neun­jäh­ri­ge Roman sei­ner Mutter Oksana aus der Ukraine nach Deutschland hin­ter­her, nur um fest­zu­stel­len, dass er sich einem Rivalen stel­len muss, dem neu­en Mann der Mutter. RIVALE, Spielfilm von Marcus Lenz
R: Marcus Lenz, Spielfilm | 96 min.
10.9., 18:30 [Tickets & Termine]

Irgendwo im graus­ten Ruhrgebiet fin­det das „Böse“ statt, und Komissar Konka und sein Assistent Walter müs­sen in der völ­lig sinn­lo­sen Tat ermit­teln. Hanna Dörrs DAS MASSAKER VON ANRÖCHTE ist ziem­lich abge­fah­ren und will kein „Crowdpleaser“ sein, ist aber ein Film für alle, die kei­nen deut­schen Fernsehkrimi mehr ertra­gen kön­nen.
R: Hannah Dörr, Spielfilm | 63 min.
9.9., 21:00 [Tickets & Termine]

Nachspiel

ein Film von Christoph Hübner & Gabriele Voss.

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Sie haben alles erlebt im Fußball. Sie waren oben und unten, dann wie­der oben oder auch nicht. Sie haben sich ver­letzt, sie haben sich wie­der her­an gekämpft, sie haben den har­ten und ernüch­tern­den Alltag des bezahl­ten Fußballs in den Profi-Ligen und dar­un­ter erlebt. Sie sind ganz aus dem Fußball aus­ge­stie­gen, haben ihre eige­nen Grenzen erkannt, sie haben erle­ben müs­sen, dass Talent allein nicht reicht. Sie haben sich mit den Medien her­um­ge­schla­gen und sich an sie gewöh­nen müs­sen. Sie haben sehr viel Geld ver­dient oder auch gera­de das nötigs­te. Sie haben viel über sich selbst gelernt und in weni­gen Jahren so viel erlebt, wie ande­re kaum in einem gan­zen Leben.

Seit über zwan­zig Jahren beglei­ten Christoph Hübner und Gabriele Voss eini­ge jun­ge Fußballtalente von Borussia Dortmund mit der Kamera. Sie alle waren mehr­fa­che deut­sche Jugendmeister und Hoffnungsträger im Nachwuchsfußball. Einer von ihnen brach­te es schließ­lich zu einer Profikarriere bis an die Spitze der Bundesliga, ein ande­rer schlug sich in den unte­ren Ligen des Fußballgeschäfts durch. Einer stieg schließ­lich ganz aus und mach­te eine erstaun­li­che Karriere anderswo.

Doch jetzt ist Schluss mit Fußball. Die Protagonisten von damals sind inzwi­schen Mitte drei­ßig und haben ihre Karriere been­det. Wie bau­en sie sich einen neu­en Alltag auf? Wie geben sie ihrem Leben einen neu­en Inhalt? Sind sie mit sich zufrie­den? Haben sie für die Verwirklichung ihres Traums alles gege­ben? Was bleibt über den Fußball hinaus?

NACHSPIEL erlaubt einen unge­wöhn­lich nahen Blick auf den Fußball, auf sei­ne Faszination und sei­ne Gnadenlosigkeit, auf sei­ne schö­nen und schwie­ri­gen Seiten. Das ist aber nicht alles. Was die jun­gen Spieler erlebt haben, ist nicht nur Fußball. Die Fragen, die blei­ben, gehen weit dar­über hin­aus: Was muss man tun, um den eige­nen Lebenstraum zu ver­wirk­li­chen? Was heißt Erfolg  und was heißt Scheitern? Und was heißt Gelingen auf dem per­sön­li­chen Lebensweg? 

NACHSPIEL ist der drit­te und letz­te Teil der „Trilogie des Fußballer-Lebens“ von Christoph Hübner und Gabriele Voss, die 1998 mit DIE CHAMPIONS begann und 2009 mit HALBZEIT fort­ge­setzt wurde.

Credits:

DE 2019, 94 Min.
Regie: Christoph Hübner & Gabriele Voss
Kamera: Christoph Hübner
Schnitt: Gabriele Voss

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Über Deutschland

ein Film von Bernhard Sallmann.

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Den Sommer 1910 ver­bringt die 17-jäh­ri­ge Russin Marina Zwetajewa im Kurort Loschwitz bei Dresden. Die Begegnung mit der deut­schen Kultur fließt in ihren nach der Oktoberrevolution ver­fass­ten tage­buch­ar­ti­gen Text ein. Entstanden ist ein schil­lern­der, irri­tie­ren­der Exkurs der noch jun­gen Beobachterin, in dem schon die spä­te­re Lyrikerin auf­blitzt. Sie reflek­tiert über Kunst und das Verhältnis Deutschland-Russland-Frankreich.

Credits:

DE 2021, 90 Min.
Buch & Regie: Bernhard Sallmann
Schnitt: Christoph Krüger

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Victoria

ein Film von Sofie Benoot, Liesbeth De Ceulaer und Isabelle Tollenaere.

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Zwei Jahre in California City, einer rie­si­gen, geis­ter­haf­ten Planstadt in der Wüste, durch eine Bergkette von Los Angeles abge­schnit­ten. Im Vergehen der Zeit, beim Pflegen des ver­san­de­ten Straßennetzes, auf dem Weg zur Schule, beim Abhängen, ent­fal­tet Victoria en pas­sant eine Stadtkarte, die nie Orientierung erlaubt. Aus doku­men­ta­ri­schen Bildern und Handyvideos des Protagonisten, aus vir­tu­el­len Ansichten und einem Voiceover aus Warrens Tagebucheinträgen ent­steht ein Bild der Stadt und eine Stadt aus Bildern. Darin wird die Konstruktion der Realität sicht­bar, aber auch ihr Potenzial zur Poesie: ein Wettrennen mit der Schildkröte im Wüstensand, die Fontänen geplatz­ter Wasserleitungen, die Erinnerungen an Los Angeles beim vir­tu­el­len Flanieren mit Google Maps, schwar­ze Löcher als Tore zu einer ande­ren Galaxie.

Credits:

BE 2019, 71 Min., engl. OmU
Regie: Sofie Benoot, Liesbeth De Ceulaer, Isabelle Tollenaere

Kamera: Isabelle Tollenaere
Schnitt: Sofie Benoot, Liesbeth De Ceulaer, Isabelle Tollenaere
mit Lashay T. Warren, Sharleece Bourne, Mark Martinez, Ernest Dove, Markiece Glover, Elliot Lacey

Trailer:
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Hinter den Schlagzeilen

ein Film von Daniel Sager.

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Für den Dokumentarfilm HINTER DEN SCHLAGZEILEN öff­net Deutschlands größ­te Tageszeitung erst­mals die Tür zu ihrem welt­weit renom­mier­ten Investigativ-Ressort und erlaubt einen inti­men Einblick in Arbeitsprozesse, die sonst nur unter strik­ter Geheimhaltung stattfinden.

Zwei Jahre nach der Enthüllung der Panama Papers ste­hen die Journalisten der Investigativ-Redaktion der Süddeutschen Zeitung vor neu­en Herausforderungen: der poli­ti­sche Mord der mal­te­si­schen Journalistin Daphne Caruana Galicia und ein mys­te­riö­ser Waffenhändler, der mit dem ira­ni­schen Atomraketen-Programm in Verbindung gebracht wird. Doch als ihnen im Frühling 2019 ein gehei­mes Video zuge­spielt wird, das den öster­rei­chi­schen Vizekanzler HC Strache schwer belas­tet, über­schla­gen sich die Ereignisse.

Daniel Sager gelingt es in sei­nem Film, die kom­ple­xe Vorgehensweise der Journalisten und der Redaktion für die Veröffentlichung des Ibiza-Videos zu beglei­ten. Prüfungen des Materials auf Echtheit, recht­li­che Konsequenzen und Absicherungen, Recherchen zur Entstehung und den Quellen des Videos als Arbeitsschritte bis zur Veröffentlichung wer­den für den Zuschauer hier transparent.

Ein wich­ti­ger Beitrag in der Diskussion um die Glaubwürdigkeit und die Rolle der Medien in demo­kra­ti­schen Gesellschaften.

Credits:

DE 2021, 90 Min.
Regie: Daniel Sager
Kamera: Börres Weiffenbach, Daniel Sager, Anne Misselwitz, Frank Marten Pfeiffer
Schnitt: Hannes Bruun

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filmPOLSKA – I Never Cry

Jak naj­da­lej stąd / I Never Cry

PL/IRL 2020, 100 min, OmU

R/B: Piotr Domalewski

K: Piotr Sobociński jr.

S: Agnieszka Glińska

M: Hania Rani

D: Zofia Stafiej, Kinga Preis, Arkadiusz Jakubik, Dawid Tulej u. a.

Ola ist sieb­zehn, ziem­lich dick­köp­fig und träumt vor allem von einem eige­nen Auto – denn damit kann man dem Alltag einer tris­ten Kleinstadt ent­flie­hen, die immer ein Stück zu eng ist. Ihren Vater hat sie ewig nicht mehr gese­hen, denn der schuf­tet in Irland für die Familie.

Dann kommt aus hei­te­rem Himmel die Nachricht: Ihr Vater hat­te einen töd­li­chen Arbeitsunfall. Jemand muss nach Irland fah­ren, um die nöti­gen Formalitäten zu erle­di­gen und ihn nach Hause zu über­füh­ren. Da ihre Mutter kein Wort Englisch spricht, macht sich Ola allein auf den Weg, um mit der Aussicht auf die Erbschaft viel­leicht doch den Traum vom Auto zu fül­len. Dort taucht sie tief ein in den Alltag der zahl­lo­sen Migranten, wel­che die iri­sche Wirtschaft am Laufen halten.

Wenn Ken Loach Pole wäre, hät­te er die­sen Film gemacht. Piotr Domalewski bedient sich in Bildsprache und Erzähltechnik beim Meister des Sozialdramas und haucht damit dem Genre neu­es Leben ein. Das gelingt vor allem dank der Hauptdarstellerin Zofia Stafiej, die über­zeu­gend einen unge­stü­men Teenie ver­kör­pert, der lang­sam zur Erwachsenen reift.

Piotr Domalewski (geb. 1983) stu­dier­te Schauspiel in Kraków und Regie in Katowice, bevor er mit sei­nem Langspiel-Debüt „Cicha noc / Stille Nacht“ auf Anhieb beim Filmfestival in Gdynia den Hauptpreis gewann.

Vorführungen in Kooperation mit dem FilmFestival Cottbus

14.10. 18:00 / fsk Kino  [Tickets]

 

filmPOLSKA 2021

filmPOLSKA ist das größ­te pol­ni­sche Filmfestival in Deutschland und wird vom Polnischen Institut Berlin ver­an­stal­tet. In den Jahren 2006–2020 zeig­te das Festival in ver­schie­de­nen Kinos Berlins und Brandenburgs ins­ge­samt 1.574 Filme. 324 Filmemacher/innen waren beim Festival zu Gast.

Insgesamt sie­ben Filme kon­kur­rie­ren die­ses Jahr im Wettbewerb (der kom­plett im fsk zu sehen ist), dar­un­ter gleich zwei Coming-Of-Age-Geschichten: Piotr Domalewski wid­met sich mit sei­nem in Cottbus mit dem Hauptpreis aus­ge­zeich­ne­ten “Jak naj­da­lej stąd / I Never Cry” [Tickets] den pre­kä­ren Lebensbedingungen der pol­ni­schen Arbeitsmigrant*innen in England mit Ken Loach-Anklängen, wäh­rend Tomasz Jurkiewicz in sei­nem Debüt “Każdy ma swo­je lato / Everyone Has A Summer” [Tickets] als Generationenfilm von der ers­ten gro­ßen Liebessehnsucht erzählt. “Sweat” [Tickets] zeigt den Alltag der Fitness-Trainerin und Influencerin Sylwia (​gespielt von Magdalena Koleśnik) und wirft einen ungla­mou­rö­sen Blick hin­ter die Kulissen per­fekt insze­nier­ter Online-Persönlichkeiten.Um die Verquickung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft geht es in Mariusz Wilczyńskis hoch­am­bi­tio­nier­tem, düs­te­rem Animationsfilm “Zabij to i wyje­dź z tego mias­ta / Kill It And Leave This Town“ [Tickets], an dem der Regisseur 14 Jahre lang arbei­te­te. Der ers­te Langfilm des Regisseurs fei­er­te 2020 in der Sektion Encounters der Berlinale sei­ne Premiere. Grzegorz Zaricznys auf wah­ren Begebenheiten und mit “rea­len” Charakteren insze­nier­tes Drama “Proste rze­c­zy / Simple Things” [Tickets] berich­tet von der Schwierigkeit, einen Neustart auf dem Land zu wagen, wenn die fami­liä­re Vergangenheit einen nicht los­lässt. Dokumentarisch wird es dann mit Eliza Kubarskas atem­be­rau­bend foto­gra­fier­tem “Ściana cie­ni / Die Wand der Schatten“ [Tickets], der das Abhängigkeitsverhältnis von Sherpas und Alpinist*innen zum Anlass nimmt, über die Grenzen des Tourismus und Macht(un)gleichgewichte nach­zu­den­ken. Und Agnieszka Polska lie­fert mit “Hura. Wciąż żyje­my! / Hurrah, We Are Still Alive!” [Tickets] einen Polit-Thriller und Genrefilm um eine Schauspieltruppe, der ihr Regisseur abhan­den gekom­men ist.

Hinzu kom­men außer­habl des Wettbewerbs Małgorzata Szumowskas mes­ser­schar­fe Gesellschaftssatire “Śniegu już nig­dy nie będ­zie / Der Masseur” [Tickets] und Agnieszka Hollands “Šarlatán / Charlatan“ [Tickets], sowie fol­gen­des Kurzfilmprogramm:

Im Trickfilm-Programm “Polish Animation” [Tickets] erle­ben wir in aktu­el­len Filmen jun­ger Regisseur*innen in diver­sen Animationstechniken die Erforschung des eige­nen Körpers, eine vir­tu­os insze­nier­te Seelenwanderung, einen comic­haft über­zeich­ne­ten Kampf mit dem Körpergewicht, eine im Sterben lie­gen­de Frau bei ihren letz­ten Atemzügen und dar­über hin­aus, eine zwie­lich­ti­ge Vogelretterin mit dunk­len Geheimnissen, eine moder­ne Hexenjagd mit tra­gi­schem Ausgang, einen nächt­li­chen Wandel im Rausch und das in Metaphern ver­pack­te Ringen mit einer trau­ma­ti­schen Kindheit.

Installation:
Das für iPads und iPhones opti­mier­te Augmented-Reality-Projekt “Przyszłość będ­zie świet­la­na / Die Zukunft wird leuch­tend sein” von Wiola Sowa erwei­tert die bestehen­de Realität nicht um eine neue Dimension, son­dern  degra­diert sie, indem sie Informationen aus dem Bild schnei­det und ihm so „Narben“ zufügt. Damit bezieht sich die Arbeit auf Pandemie-Erfahrungen und ruft Verlustgefühle her­vor. In filmPOLSKA-Kinos hän­gen Plakate mit dem QR-Code zum Projekt. Die Arbeit ist für die Anzeige auf iPads und iPhones opti­miert, läuft aber auch auf eini­gen Android-Geräten.

Przyszłość będ­zie świet­la­na / The Future Will Be Bright © Wiola Sowa

Termine:

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