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Frühling in Paris

ein Film von Suzanne Lindon.

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Suzanne ist 16 Jahre alt und scheint nicht mehr in ihre beque­me klei­ne Welt zu pas­sen. Eines Tages fällt ihr auf dem Schulweg ein gut aus­se­hen­der Mann auf, er gefällt ihr, obwohl (oder weil?) er sicht­bar älter ist als sie. Eine Liebesgeschichte, es ist ihre ers­te, beginnt.

Zweifellos beein­flusst durch das Kino von Maurice Pialat, dem Regisseur, der das Gefühlschaos in Teenagern viel­leicht am bes­ten erfasst hat, erweckt Lindon – die Tochter von Sandrine Kiberlain und Vincent Lindon ist hier Regisseurin, Autorin und Hauptdarstellerin in einem – die schüch­ter­ne jun­ge Frau, die zu klug für ihr Alter ist, mit einer berüh­ren­den und zar­ten Darstellung zum Leben.

Credits:

FR 2020, 74 Min. frz. OmU
Regie: Suzanne Lindon
Mit: Suzanne Lindon, Arnaud Valois, Frédéric Pierrot, Florence Viala


Trailer:
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Mank

ein Film von David Fincher. Am 3.+4.7. im fsk.

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Hollywoodregisseur Orson Welles steht unter Druck. Sein Filmprojekt CITIZEN KANE muss so rasch wie mög­lich abge­schlos­sen wer­den, doch das Drehbuch berei­tet ihm Sorgen. Kurzerhand enga­giert er den in Hollywood als „Drehbuchreparateur“ bekann­ten Autor Mank, um mit ihm zusam­men­zu­ar­bei­ten. Der Arbeitsprozess ver­läuft aller­dings alles ande­re als rei­bungs­los. Meinungsverschiedenheiten sind an der Tagesordnung und das skan­da­lös-noto­ri­sche Verhalten des alko­hol- und spiel­süch­ti­gen Mank sor­gen für Tumulte vor und hin­ter den Kulissen.

Regisseur David Fincher (FIGHT CLUB, GONE GIRL) erzählt die tur­bu­len­te Entstehungsgeschichte von Orson Welles‘ fil­mi­schem Meisterwerk CITIZEN KANE aus der Sicht des Drehbuchautors Herman J. Mankiewicz. Der jah­re­lan­ge Streit zwi­schen dem Filmvisionär Orson Welles und dem unter­schätz­ten Mankiewicz über die Urheberschaft des oscar­ge­krön­ten Drehbuchs ist eben­so legen­där wie der Film selbst.

Gedreht im Stil des Film Noir erweckt Fincher die Goldene Ära Hollywoods authen­tisch und stil­echt wie­der zum Leben und ver­leiht gleich­zei­tig neue Einblicke in die legen­dä­re Zeit der Studiokinos. Mit hoch­ka­rä­ti­gen Schauspieler*innen wie Gary Oldman und Amanda Seyfried besetzt, gewann der Film bei der dies­jäh­ri­gen Oscarverleihung den Preis für die bes­te Kamera und für das bes­te Szenenbild.


Credits:

US 2020, 131 Min., engl. OmU
Regie: David Fincher
Kamera: Erik Messerschmidt
mit: Gary Oldman
Amanda Seyfried
Lily Collins
Tom Pelphrey
Charles Dance
Tuppance Middleton


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Grenzland

ein Film von Andreas Voigt. 

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Eine Reise ent­lang der Oder und der Neiße, ent­lang der deutsch pol­ni­schen Grenze. Begegnungen auf bei­den Seiten der Flüsse. Erkundungen. Geschichten vom Rand – doch aus der Mitte Europas. Arbeit, Heimat, Liebe. Menschen, ihre Geschichte und ihre Landschaft. Im Süden Niederschlesien – dort, wo Polen Deutschland und Tschechien ein­an­der tref­fen, in der Mitte das fla­che Land an der Oder, im Norden, das Stettiner Haff. Eine Reise im Grenzland.
Bewegungen und Geschichten im Grenzland zwi­schen Polen und Deutschland – mit sei­nem neu­en Film knüpft Andreas Voigt the­ma­tisch an sei­ne Arbeit „Grenzland – Eine Reise“ von 1992 an.

Credits:

DE 2020, 100 Min.,
Buch & Regie: Andreas Voigt
Kamera: Marcus Lenz, Maurice Wilkerling
Schnitt: Ina Tangermann


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Landretter

ein Film von Gesa Hollerbach. Ab 3.7. im fsk.

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Das Landleben wird immer gefrag­ter, dabei wer­den die Schwierigkeiten, mit denen Gemeinden dort zu kämp­fen haben, immer grö­ßer. Exemplarisch zeigt der Film drei Dörfer und drei Versuche, sie Leben zu las­sen: eine Bürgermeisterin ver­klagt das Land Sachsen, weil die ört­li­che Schule geschlos­sen wer­den soll, eine Bäuerin setzt sich gegen die Agrarkonzentration zur Wehr, und ein Dorf möch­te sei­nen Sternenhimmel vor Lichtverschmutzung ret­ten.
»Mein Film will nicht die alt­be­kann­ten Klischees vom länd­li­chen Niedergang bedie­nen. Es geht um Persönlichkeiten, die sich mit Leidenschaft und Humor in einer Umgebung behaup­ten, die ihnen viel Einsatz abver­langt und manch­mal ver­zwei­feln lässt. Ihrem Blick in die Welt will der Film fol­gen und dabei ein gesell-schaft­li­ches Phänomen, das uns über­all in Europa betrifft, aus einer neu­en, unge­wöhn­li­chen Perspektive erfahr­bar machen.« Gesa Hollerbach

Credits:

DE 2019, 93 Min.,
Buch und Regie: Gesa Hollerbach,
Schnitt: Carina Mergens,
Kamera: Jennifer Günther


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9 Leben

Ein Film von Maria Speth.

[indie­ki­no club] [Credits]  [Trailer]

Der Film por­trä­tiert das Schicksal meh­re­rer Jugendlicher, die sehr früh – oft schon im Alter von 11, 12 oder 13 Jahren – ent­schie­den haben, von zu Hause weg­zu­ge­hen und für eine bestimm­te Zeit oder dau­er­haft auf der Straßezu leben: Sunny, Toni, Krümel, JJ, Stöpsel, Soja und Za.

Menschen also, von denen jeder ein­zel­ne mitt­ler­wei­le auch schon neun Leben gelebt haben könn­te. Versehen mit see­li­schen und kör­per­li­chen Beschädigungen. Doch trotz die­ser Zerstörungen gibt es bei ihnen eine enor­me Kraft, Talente und Fähigkeiten zu ent­de­cken. Dieser Reichtum an per­sön­li­chen Möglichkeiten steht im Mittelpunkt des Films.

Die Lebensumstände der Jugendlichen auf der Straße wer­den des­halb auch nicht doku­men­tiert, son­dern sie wer­den von ihnen in frei­er Wahl erzählt oder auch nicht. So kom­men sehr per­sön­li­che, mit­reis­sen­de und berüh­ren­de Zeugnisse zustande.

Um den Fokus auf ihre Persönlichkeiten zu legen, erzäh­len sie vor neu­tra­lem Hintergrund im Studio von ihren Leben.
Einige haben ihre Musikinstrumente mit­ge­bracht und spie­len spon­tan, ande­re zei­gen Fotos oder ande­re künst­le­ri­sche Arbeiten. So ent­ste­hen fil­mi­sche Porträts wie in einer Ausstellung, einem Kunstraum.

Vorurteile und Klischeevorstellungen über „Penner“ und „Punks“ lösen sich auf. Die Jugendlichen wer­den in ihrer bewun­derns­wer­ten Einmaligkeit erkennbar.

Und sie wer­den zu Stars – zu Recht.

 
Credits:

Deutschland 2010
Regie: Maria Speth
Drehbuch: Maria Speth
Kamera: Reinhold Vorschneider
Schnitt: Maria Speth

 
Trailer:

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The Trouble With Being Born

ein Film von Sandra Wollner. Ab 1.7. geplant.

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Ein Haus mit Pool, inmit­ten eines akku­rat geschnit­te­nen grü­nen Rasens, Wald drum­her­um, ein Mann, ein Mädchen: trotz des etwas unwirk­li­chen Eindrucks des Settings, der Tonspur und der Beziehung zwi­schen den bei­den dau­ert es eine klei­ne Weile, bis sich die­se Künstlichkeit mit einem aha-Effekt erklärt. Die Kleine, Ellie, – sie nennt den Mann Papa – ist weni­ger leben­dig, als sie schei­nen soll. Erinnerung soll sie ler­nen, und vie­les ande­re, dazu ist sie da. Schwer erklär­bar, aber sie ent­zieht sich dem und wird als „er“ den nächs­ten Ersatz-und Trost-Job anneh­men. Sich mit Verlusten abzu­fin­den, ist die Sache der rea­len Menschen nicht mehr. Man kann ja jetzt anders. So ist es die Geschichte einer Maschine und der Geister, die wir alle in uns tra­gen.
“ … maxi­mal pro­duk­ti­ve Verstörung, ein audio­vi­su­el­les Ereignis, streng, flir­rend, in alle Richtungen offen. Nicht die Technik, ver­kör­pert durch Ellie, ist per­vers, son­dern der Mensch, der sich nach Reinactments, nach einem Leben in der Fiktion, sehnt. Auf Ellies Pullover steht: Nature is the future.“ Jens Balkenborg | epd-Film
Im ENCOUNTERS Wettbewerb der Berlinale 2020 wur­de THE TROUBLE WITH BEING BORN mit dem SPEZIALPREIS DER JURY ausgezeichnet.

Credits:

AU/DE 2020, 94 Min.,
Regie: Sandra Wollner
Kamera: Timm Kröger
Schnitt: Hannes Bruun
mit Lena Watson, Dominik Warta, Ingrid Burkhard, Jana McKinnon


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Night Moves

Ein Film von Kelly Reichardt

[Credits] [Indiekino Club] [Trailer]

Josh, Dena und Harmon pla­nen ein Fanal gegen die Gleichgültigkeit einer über­tech­ni­sier­ten Welt. Ruhig und kon­zen­triert zeich­net Kelly Reichardt die Bewegungen der drei auf, ihre kon­spi­ra­ti­ven Treffen, die Organisation des Materials, die Fahrt zum spä­te­ren Tatort. Night Moves ent­fal­tet sich als küh­ler, prä­zi­ser Zeitlupenthriller. Später müs­sen sich die drei mit der Frage des gegen­sei­ti­gen Vertrauens aus­ein­an­der­set­zen. Sind sie tat­säch­lich eine Gruppe und ver­fol­gen ein gemein­sa­mes Ziel? 
 Reichardts Figuren sind auch hier auf der Reise und ste­hen dabei sich selbst über­las­sen am Rand. Wie schon Bill Oldham in Old Joy, der vom Verschwinden einer Freundschaft erzähl­te, oder Michelle Williams in Wendy & Lucy, der vom Aufenthalt in der Fremde han­del­te, und von Armut. In Meek’s Cutoff  beweg­te sich eine Siedlergruppe durchs Niemandsland des Westens, das zum Grab wird. Night Moves bie­tet sei­nen Protagonisten zwar das Umfeld von Gleichgesinnten, mit denen sie leben, aber sie bege­hen eine radi­ka­le Tat, die sie von den ande­ren unter­schei­det und in die Isolation treibt. Kelly Reichardt ver­mag es dabei ganz selbst­ver­ständ­lich Genrekino mit Gesellschaftsanalyse auf­zu­la­den. 

„In gewis­ser Weise berührt die­se Struktur, die auch Night Moves beschreibt, auch die Geschichte des Radikalismus. Ich bin in den 1970er Jahren auf­ge­wach­sen, habe die Geschehnisse um Patty Hearst und Angela Davis mit­er­lebt, die Nachwirkungen der Weather-Underground-Bewegung, oder auch in jün­ge­rer Zeit die Aktionen der Earth Liberation Front. Es stellt sich ja zumeist erst mal ein gewis­ser Enthusiasmus ein, wenn die wie­der eine gan­ze Flotte von Hummer-Geländewagen in die Luft spren­gen, danach aber denkt man sich, ver­dammt, jetzt sit­zen die­se jun­gen Menschen im Gefängnis, bis sie vier­zig sind, und über­all ste­hen Millionen von Hummer-Autos rum, war es das wirk­lich wert? Ich glau­be, dass alle die­se radi­ka­len Bewegungen irgend­wann immer selbst­be­züg­li­cher wer­den, sich immer mehr ihre eige­ne Wirklichkeit schaf­fen, dann kommt irgend­wann Egoismus auf, Paranoia, Isolation, das scheint fast eine zwangs­läu­fi­ge Entwicklung zu sein.“ (Kelly Reichardt)

Credits:

USA 2013 ,  112 Min.
engl. OmU 

Regie:  Kelly Reichardt

Buch: Kelly Reichardt,  Jon Raymond
Kamera: Christopher Blauvelt
Schnitt: Kelly Reichardt 

mit: Jesse Eisenberg, Dakota Fanning,  Peter Sarsgaard

Trailer:

 

Night Moves – Trailer (OmU)
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Like Father, Like Son

Like Father, Like Son

[Credits] [Indiekino Club]

 

Inhalt

Like Father, Like Son

Ein Anruf, und ihre Welt ist nicht mehr wie sie war: Keita, der 6‑jährige Sohn, wur­de als Neugeborener im Krankenhaus ver­tauscht, erfah­ren die wohl­si­tu­ier­ten Nonomiyas eines Tages. Ihr Sohn ist nicht ihr leib­li­ches Kind. „Das erklärt also alles“ ent­fährt es spon­tan Ryota, dem Vater,  der sich doch schon oft über den man­geln­den Ehrgeiz sei­nes ein­zi­gen Kindes geär­gert hat. Seine Frau Midori dage­gen macht sich Vorwürfe, als Mutter nicht gespürt zu haben, dass ihr gelieb­ter Keita nicht ihr leib­li­ches Kind war. Was ist jetzt der nächs­te Schritt? Erstmal müs­sen sie die Saikis, Eltern des „rich­ti­gen“ Sohnes tref­fen. Eher ein­fach als wohl­ha­bend, leben die in einem leben­di­gen Haushalt mit 3 Kindern; nicht gera­de das, was sich Ryota für sei­nen Sprößling erhofft. Und was nun? Die Psychologen raten zu einem mög­lichst schnel­len Kindertausch – aber das geht natür­lich nicht so ein­fach. Zunächst ent­schlie­ßen sich die Familien für eine Wochenendlösung.

Man ist […] ganz hin­ge­ris­sen von sei­nem [Kore-Edas] Zartgefühl für’s Menschenmögliche. Für eine Frau zum Beispiel, die schon aus ihrer Haut könn­te, wenn ihr Mann, der es nicht kann, sie lie­ße.  Für die wehr­lo­se Fröhlichkeit von Kindern – Hirokazu Kore-eda ist ein genia­ler Kinder-Regisseur,  … und für alle Varianten von Elternliebe, die sym­pa­thi­schen und die unsym­pa­thi­schen. Denn dar­um geht es am Ende doch immer in die­ser Inszenierung, die sich nie mora­lisch auf­bläst. In ihrer fas­zi­nie­ren­den, vor­sich­tig möch­te man sagen: japa­nisch dis­zi­pli­nier­ten Contenance steckt eine gro­ße Melancholie des Verstehens.“ Christoph Schneider | Tagesanzeiger ch

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Credits:
Like Father, Like Son

[Soshite chi­chi ni naru]
Japan 2013  120 Min.  jap. OmU

Regie & Buch: KORE-EDA Hirokazu
Kamera: Takimoto Mikiya
Schnitt: Kore-Eda Hirokazu

mit  Masaharu Fukuyama,  Yôko Maki,  Machiko Ono,  Lily Franky,  Hiroshi Ohkochi, Keita Ninomiya

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Eine Geschichte von drei Schwestern

Ein Film von Emin Alper.

Hier als „Video on demand”:

[Credits] [Termine] [Trailer]

Die drei Schwestern Reyhan (20), Nurhan (16) und Havva (13) leben mit ihrem Vater in einem abge­le­ge­nen Dorf in Zentralanatolien. Alle drei wur­den als Dienstmagd in die Stadt geschickt, doch inzwi­schen leben alle drei wie­der zu Hause. Als letz­te von ihnen kehr­te Nurhan zurück: Sie hat­te den Sohn des Arztes der Region geschla­gen, weil die­ser jede Nacht sein Bett näss­te. Reyhan war bei ihrer Rückkehr schwan­ger und wur­de vom Vater eilig mit dem Schafhirten Veysel ver­hei­ra­tet. Der Traum von einer bes­se­ren Zukunft scheint sich für die drei jun­gen Frauen nicht zu erfül­len, doch die Bande, die sie ver­bin­den, sind stark. Während sie dar­auf war­ten, dass die ver­schnei­ten Straßen wie­der pas­sier­bar wer­den, ver­trei­ben sich Vater und Töchter die Zeit mit Geschichten.

In ein­dring­li­chen Bildern erzählt Emin Alper, der selbst in den ana­to­li­schen Bergen auf­ge­wach­sen ist, ein Märchen. Er the­ma­ti­siert eine Gesellschaft, in der weder Frauen noch Männer eine Chance haben, den vor­be­stimm­ten Kreislauf zu durch­bre­chen, und lässt den­noch Raum für Hoffnung.

 
Credits:

Kız Kardeşler
Türkei/Deutschland/Niederlande/Griechenland 2019, 108 Min., tür­ki­sche OmU-Fassung
Buch und Regie: Emin Alper
Kamera: Emre Erkmen
Schnitt: Çiçek Kahraman
mit Cemre Ebüzziya, Ece Yüksel, Helin Kandemir, Kayhan Açıkgöz, Müfit Kayacan, Kubilay Tunçer

Termine:

  • keine 

 
Trailer:

 

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Supernova

PL 2019, R/B: Bartosz Kruhlik, 78 min, OmU
K: Michał Dymek, S: Magdalena Chowańska, M: Endy Iden,
D: Marek Braun, Marcin Hycnar, Marcin Zarzeczny, Agnieszka Skibicka u.a.

Eine son­nen­über­flu­te­te som­mer­li­che Dorfstraße. Nichts pas­siert, die Luft flirrt, eine Kuh schiebt sich behä­big durch das Bild. Kein guter Ort für gro­ßes Kino? Oh doch, denn in nur weni­gen Minuten ent­wi­ckelt sich hier aus einem Familienkrach und einem Verkehrsunfall eine Tragödie anti­ker Dimensionen, die in rasen­der Unumkehrbarkeit immer mehr Beteiligte in ihren Strudel zieht. In der Zeitung wären die­se Ereignisse maxi­mal eine Randnotiz wert, aber aus der schmerz­haf­ten Nähe der uner­müd­li­chen Kamera sind sie unend­lich tra­gisch, weil schmerz­haft menschlich.

Dem Überraschungs-Debütanten Kruhlik gelingt es, auf kleins­tem Raum, mit spar­sa­mer Ausstattung (Handkamera, Verzicht auf Musik und künst­li­ches Licht) und einem klei­nen, aus unver­brauch­ten Gesichtern bestehen­den Ensemble nahe­zu in Echtzeit ein Drama zu ent­wi­ckeln, das den Zuschauer förm­lich ein­saugt. Darüber hin­aus ver­mit­telt die Handlung in ihrer Alltäglichkeit eine Metaebene: Eine Supernova ist ein hell explo­die­ren­der Stern kurz vor sei­nem Untergang, eine ster­ben­de Welt – und gleich­zei­tig der Beginn von etwas Neuem.

Bartosz Kruhlik (geb. 1985) stu­dier­te Regie in Łódź und dreh­te ein Dutzend Kurz- und Dokumentarfilme, mit denen er diver­se Preise gewann. „Supernova“ ist sein Langspiel-Debüt.