Ein Film von Alireza Golafshan. Am 24.10. Der Film beginnt um 15:00 Uhr, mit anschließendem Filmgespräch. Als Vorfilm wird der Kurzfilm „Heroes für Alle” ab 14:45 Uhr gezeigt.
Gesprächsteilnehmer:innen sind Barbara Fickert, Initiatorin und Geschäftsführerin der Kinoblindgänger gGmbH, die sich für Barrierefreiheit im Kino einsetzen, sowie Jonas Karpa, der sich als Medien- und Musikwissenschaftler mit den Themen Inklusion, Barrierefreiheit, Vielfalt und diskriminierungssensible Kommunikation auseinandersetzt.
Welche narrativen Rollen nehmen Figuren mit Behinderung in Filmen ein, und welche Bedeutungen entstehen durch diese Darstellungen? Diesen Fragen nähern wir uns im Rahmen des ersten von zwei Filmscreenings zum Thema Narrative und audiovisuelle Konstruktionen von Behinderung im deutschen Mainstreamkino.
Nach einem schweren Autounfall ist Banker Oliver (Tom Schilling) querschnittsgelähmt und landet in einer Wohngruppe für Menschen mit Behinderung. Oliver fällt es schwer, seine neue Lebensrealität zu akzeptieren, und aus seiner Zeit bei der Bank hat er noch eine Summe an Schwarzgeld in der Schweiz, die konfisziert werden soll. Um das zu verhindern, plant er, unter einem Vorwand mit seiner neuen Wohngemeinschaft nach Zürich zu reisen. Ein furioser Roadtrip über Grenzen, Gier, Glück und Selbstfindung beginnt.
Queer Cinema-Pionierin Barbara Hammer (1939–2019) fing mit 27 an, Filme zu machen und hatte mit Anfang 30 ihr lesbisches Coming-out: „My life has been lived in film.“ Die schiere Fülle an Filmmaterial ihres Lebens ist auch der Stoff von Barbara Forever, Brydie O’Connors Langfilmdebüt, dem die Mammutaufgabe gelingt, der schillernd-charismatischen Persönlichkeit gerecht zu werden: Vorreiterin lesbisch-queerer Selbstrepräsentation „in a world where we are invisible“, verführerische Liebhaberin, experimentier- wie risikofreudige Filmemacherin. Über allem: der Lebenshunger. Entlang ihrer Filme, darunter Dyketactics (1974), Audience (1982) und Nitrate Kisses (1992), erstmalig zu sehendem Archivmaterial, Barbaras Erzählstimme und mit Lebenspartnerin Florrie Burke als weiterem Zentrum wird Lebenszeitlichkeit selbst gequeert: viel Sex und Intimität, die Theorie des cinema of touch, der Wunsch nach künstlerischer Anerkennung, die Beziehung zur Mutter in der Immigranten-Familie und die Mission, weiterzugeben und zu teilen, was Film vermag, nicht zuletzt angesichts ihrer Krankheit und ihres Sterbens. Fans, Neu- und Wiedereinsteiger*innen gleichermaßen: Lasst euch von der Dyke-Poesie berühren! (Gaby Babić)
Credits:
US 2026, 102 min., englische OmU Regie: Brydie O’Connor Montage: Matt Hixon mit: Barbara Hammer
Zwei Halbschwestern (Renate Reinsve, Helene Bjørneby) treffen nach 25 Jahren in Gran Canaria wieder aufeinander, wo sie in einem All-inclusive-Resort aufgewachsen sind. Nach dem Tod ihrer esoterischen Mutter sind die unterschiedlichen Frauen gezwungen, sich mit ihrer gemeinsamen Vergangenheit auseinanderzusetzen.
Eine Schriftstellerin beobachtet mit einem Fernrohr, was in der Wohnung gegenüber geschieht, in der zwei Brüder und eine Mitarbeiterin in einem Film-Tonstudio agieren. Als sie einen Helfer aufgedrängt bekommt, gerät auch dieser in der Bann des Geschehens und gibt sich bei der Frau von gegenüber als Schriftsteller aus, indem er Kostproben seiner Chefin als sein Werk ausgibt. Ein vielschichtiges Drama von Asghar Farhadi.
Al Cook lebt umgeben von seinen Erinnerungen. Seine Wohnung und sein Keller sind vollgestopft mit Büchern, Videokassetten und Schallplatten. Es ist alles, was ihm von einem Leben in vollen Zügen geblieben ist. Die Zeit scheint hier stillzustehen, während sich außerhalb seiner vier Wände die Erde weitergedreht hat. Der Blues, die Musik, die Al alles bedeutet, gerät allmählich in Vergessenheit. Seine Heimatstadt fühlt sich nicht mehr wie ein Zuhause an, und der Verlust seiner geliebten Frau schmerzt ihn noch immer täglich. Als eine skrupellose Immobilienfirma sein Haus abreißen will, droht ihm auch dieser Rückzugsort zu entgleiten, und er steht vor den Trümmern seiner Existenz. Während er sich gezwungenermaßen nach und nach von all den Schätzen seines Lebens verabschiedet, muss Al sich die Frage stellen: Wie weitermachen, wenn Erinnerungen alles sind, was ihm geblieben ist? Angesichts des drohenden Verlusts entscheidet er sich für einen radikalen Neuanfang.
„Bei all der nostalgischen Wehmut, die in diesem Film und in der Figur Al Cookes mitschwingt, ist The Loneliest Man in Town zugleich aber ein lebensbejahender, teilweise auch sehr komischer und überaus zärtlicher Film. Wenn der coole Bluesmusiker Blumen auf dem Hausaltar für seine verstorbene Frau abstellt oder unbeholfen mit einer verflossenen Liebe flirtet, die ihm den Laufpass gab, weil er ihr, die auf die Beatles stand, stattdessen Elvis-Platten verehrte, dann treffen einen diese kleinen Gesten mitten ins Herz und zeigen auch die Einsamkeit, die ja bereits im Titel (der wiederum von einem Song kommt, den Cooke an einer Stelle vor einem sehr kleinen Publikum darbietet) angedeutet wird. (…) Und Cooke / Koch selbst reiht sich nahtlos ein in die lange Reihe von Figuren aus Tizza Covi und Rainer Frimmels vorherigen Filmen, die häufig Musiker, sind, Zirkusartisten, fahrendem Volk oder Schauspieler*innen. Dabei liegt dem Regieduo wenig am Glanz und Glamour, der sich damit verbindet. Vielmehr zeigen sie voller Liebe zu den von ihnen Porträtierten all die Fadenscheinigkeiten und Brüche innerhalb eines Lebens, das diese Menschen ohne Rücksicht auf materielle Sicherheiten der Kunst gewidmet haben. Ihnen gilt all ihre Aufmerksamkeit, all ihre Liebe. Dass es ihnen immer wieder gelingt, so großartige, ganz eigene, ungeheuer humorvolle und zugleich berührende Filme über echte (Über-)Lebenskünstler wie Alois Koch zu machen, macht Tizza Covi und Rainer Frimmel zu Ausnahmeerscheinungen und ihre Filme zu ganz kostbaren Schätzen, die man mit all ihre Herzenswärme und ihre Empathie nicht missen möchte.„ Joachim Kurz | Kino-Zeit
Credits:
AT 2026, 86 Min., Deutsch Regie:Tizza Covi und Rainer Frimmel Buch: Tizza Covi Kamera: Rainer Frimmel Schnitt: Tizza Covi, Emily Artmann mit: Alois Koch, Brigitte Meduna, Alfred Blechinger, Flurina Schneider
Trailer:
Wiener Blues – The Loneliest Man in Town | Trailer Deutsch | Ab 19. November im Kino
Russland, 2022. Der erfolgreiche Geschäftsmann Gleb sieht sich wachsendem unternehmerischem Druck und politischer Instabilität ausgesetzt. Je mehr er die Kontrolle über sein sorgfältig strukturiertes Leben verliert, desto unerbittlicher steuert er auf die Gewalt zu. „Mit Minotaur kehrt Andrey Zvyagintsev nach neun Jahren zurück ins Kino und macht sofort klar, dass sich an seinem Blick auf Russland nichts verändert hat. Wenn überhaupt, ist er noch kompromissloser geworden. Schon seine Filme Leviathan und Loveless zeichneten ein Land, dessen gesellschaftliche und moralische Strukturen längst zu zerfallen begannen. Minotaur wirkt nun wie die endgültige Eskalation dieser Welt: ein Film über Menschen, die sich so sehr an Gewalt, Korruption und emotionale Kälte gewöhnt haben, dass sie kaum noch wahrnehmen, wie tief sie bereits selbst darin versunken sind. (…) Vor allen Dingen ist Minotaur ein Film, der weit über seine konkrete politische Situation hinausreicht. Er erzählt von einer Gesellschaft, in der Menschen ihre Menschlichkeit Stück für Stück gegen Stabilität, Wohlstand und Selbstschutz eingetauscht haben – und erkennt darin eine Tragödie.” Mia Pflüger | kinozeit
In einem Aufeinandertreffen zweier Familien werden Klassenunterschiede, moralische Überzeugungen und geheimes Begehren seziert. Nach dem gewaltsamen Ende eines Streiks versuchen Ho-seok und seine Frau Mi-ok wieder in ihr Leben zurückzufinden. Doch als die junge, ambitionierte Filmemacherin Ye-ji in ihr Leben tritt, die die Geschichte dieses Arbeitskampfes in einem Dokumentarfilm aufarbeiten will, treten unterdrückte Wut und Verletzungen an die Oberfläche. Zugleich verhandelt Possible Love Fragen nach künstlerischer und persönlicher Verantwortung und verwebt diese mit einer komplexen, multiperspektivischen Charakterstudie.
„Fazit: Das Jahrhundert-Meisterwerk Burning ist einer dieser Filme, bei denen man sich im Anschluss fragt, was zum Teufel danach eigentlich noch kommen soll. Mit „Possible Love“ und seinem zweiten absolut brillanten Fünf-Sterne-Meisterwerk in Folge liefert Lee Chang-dong eine beeindruckende Antwort.” Christoph Petersen | filmstarts.de
Credits:
Originaltitel: 가능한 사랑 (Ga-neung-han Sa-rang) KR 2026, 164 Min., koreanische OmU Regie: Lee Chang-dong Buch: Lee Chang-dong, Oh Jung-mi Kamera: Kim Ji-Yong Schnitt: Kim Da-won mit: Jeon Do-yeon , Sul Kyung-gu , Zo In-sung , Cho Yeo-jeong
Sommer in Südspanien. Iván arbeitet in einer Gewächshausanlage und steht kurz vor der Beförderung zum Manager, die seiner Familie ein besseres Leben ermöglichen soll. Doch als Hadoum als Saisonkraft in den Betrieb kommt, erwachen alte Gefühle. Iván kennt Hadoum noch aus der Schulzeit, vor seiner Transition. Nach einer Nacht am Strand wird die Beziehung der beiden intensiver. Doch Hadoum, die sich wegen ihrer marokkanischen Herkunft schon immer gegen Vorurteile behaupten musste, setzt sich auch engagiert für die Arbeitsrechte im Betrieb ein. Iván muss sich entscheiden, zu wem er stehen und wer er wirklich sein möchte. In Iván & Hadoum erzählt Ian de la Rosa von zwei Außenseiter*innen, die soziale Grenzen einreißen müssen, um zueinanderzufinden. „Eine bewegende, provokante und unvergessliche Geschichte“, lobte auf der Berlinale die Jury des queeren Filmpreises Teddy Award.
Credits:
ES/DE/BE 2026, 100 Min., spanisch, arabische OmU Regie & Buch: Ian de la Rosa Kamera: Beatriz Sastre Schnitt: Yannick Leroy mit: Silver Chicón, Herminia Loh
Trailer:
IVÁN&HADOUM – Offizieller Trailer (OmU) | Ab 5.11.26 im Kino
Nach dem Oscar-Erfolg von No other Land kommt nun ein neuer Film von Yuval Abraham und Rachel Szor ins Kino. Über drei Jahre hinweg sprachen Abraham und Szor mit Angehörigen des israelischen Militärs und der Geheimdienste. 24 israelische Geheimdienstoffiziere und Soldaten kommen im Film anonymisiert zu Wort; ihre Stimmen und ihr Erscheinungsbild wurden digital verfremdet. Ihre Aussagen bilden die Grundlage für eine Untersuchung der militärischen Strukturen, Entscheidungsprozesse und Technologien hinter Israels Kriegführung in Gaza.
„Naza schafft es, mit reduzierten Mitteln eine Atmosphäre zu erzeugen, die gleichermaßen eindringlich wie respektvoll gegenüber den Opfern dieses Krieges ist. An einigen Stellen unterbrechen kurze Montagesequenzen die Interviews, über die Opfer des 7. Oktober, auch sie werden hier nicht vergessen. Und über den Holocaust. Die Dampflok aus Claude Lanzmanns Monumentaldoku „Shoah“, die in Richtung des Vernichtungslagers Treblinka rollt, ist zu sehen. Sie ist ebenfalls Teil der Dunkelheit, die über diesem Land liegt.” Süddeutsche Zeitung | Philipp Bovermann
Credits:
GB 2026, 90 Min., hebräisch, englische OmU Regie: Yuval Abraham, Rachel Szor, Kamera: Rachel Szor und eine anonyme Person Schnitt: Yuval Abraham, Rachel Szor, Harry Davies
Was bedeutet es, aus einer Gemeinschaft herausgerissen und ausgegrenzt zu werden? Dieser Frage geht Autorin und Regisseurin Mariko Minoguchi (Mein Ende. Dein Anfang., Zeit Verbrechen: Dezember) in ihrem zweiten Kino-Spielfilm nach. Eine Ärztin hat sich mit einer ansteckenden Krankheit infiziert und wurde aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Einsam lebt sie in den Alpen, bis sie auf eine junge Frau trifft, die ebenfalls zu den Ausgegrenzten gehört. Gemeinsam wollen sie nach Süden vorstoßen, wo Leben in Freiheit noch möglich scheint. Auf wenige Personen reduziertes Survival-Drama.
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