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Helke Sander: Aufräumen

Ein Film von Claudia Richarz . Ab 7.3. im fsk.

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Es beginnt beim Bestatter: Helke Sander sucht sich einen Sarg aus, kein Zeichen von Fatalismus oder Morbidität, son­dern von Selbstbestimmung bis zum Ende. Eigentlich wür­de sie ger­ne ein­fach in einem Tuch begra­ben wer­den, so wie es bei Muslimen Tradition ist, doch für eine Deutsche auf einem deut­schen Friedhof gel­ten stren­ge Regeln.

Dass sie auch hier die Regeln hin­ter­fragt passt zu einer Frau, die in einem Moment sagt: „Wer nach­denkt, radi­ka­li­siert sich auch.“ Nachgedacht hat Helke Sander viel, beson­ders in den 60er Jahren, als die Studentenrevolten ihren Anfang nah­men, Revolten, die aber bei aller Radikalität oft von einem imma­nen­ten Sexismus geprägt waren. Das Patriarchat ließ sich bei den Eltern ger­ne ankla­gen, bei sich selbst waren die Muster nicht so schnell weg­zu­be­kom­men. Und so kam es 1968 zu Helke Sanders legen­dä­rer Rede vor dem SDS, dem Sozialistischen Deutschen Studentenbund. Sie for­der­te die Männer im Saal auf, sich nicht nur für die Befreiung der unter­drück­ten Völker in Vietnam oder anders­wo ein­zu­set­zen, nicht nur auf das gro­ße Ganze zu schau­en, son­dern auch das klei­ne, das wenig Spektakuläre im Auge zu behal­ten: Die Realität der Frauen in Deutschland, in Frankfurt und Berlin.

Dort stu­dier­te Sander im legen­dä­ren ers­ten Jahrgang der Filmhochschule DFFB, in dem unter ande­rem Wolfgang Petersen, Harun Farocki, Hartmut Bitomsky und auch der spä­te­re RAF-Terrorist Holger Meins stu­dier­ten. Erste Filme dreh­te Sander noch in den 70er Jahre, ihren bekann­tes­ten 1978. In „Die all­sei­tig redu­zier­te Persönlichkeit – Redupers“ spielt sie sel­ber die Hauptrolle einer allein­er­zie­hen­den Frau, die in West-Berlin als Fotografin arbei­tet und ver­sucht, Kind, Beruf, Privatleben und poli­ti­sches Bewusstsein unter einen Hut zu bringen.

Nicht nur durch ihr eige­nes Mitwirken vor der Kamera wird deut­lich, wie auto­bio­gra­phisch die­ser Film war: Anfang der 60er Jahre zog Sander nach Finnland, bekam ein Kind und kehr­te spä­ter als allein­er­zie­hen­de Mutter nach Berlin zurück. In der Rückschau bli­cken sie und Zeitgenossinnen durch­aus selbst­kri­tisch auf die­se Zeit zurück, geben zu, dass die Kinder nicht immer die Aufmerksamkeit beka­men, die sie viel­leicht hät­ten bekom­men sollen.

Das Private und das Politische unter einen Hut zu brin­gen, das war damals schon schwie­rig, das ist es auch heu­te noch, doch die Fortschritte, die seit den 60er Jahre in der Gesellschaft, aber auch in der Filmbranche zu beob­ach­ten sind, zei­gen, dass der Einsatz von Helke Sander und ande­ren nicht umsonst war. Heute gibt es die Initiative ProQuote, heu­te gibt es Kinderbetruung am Filmset und manch ande­re Errungenschaft. Wie Claudia Richarz in ihrem Dokumentarfilm „Helke Sander: Aufräumen“ über­zeu­gend zeigt: Nicht zuletzt dank Helke Sander.

Michael Meyns | programmkino.de

Credits:

GB 2023, 101 Min.
Regie: Claudia Richarz
Kamera: Claudia Richarz, Martin Gressmann, Volker Sattel
Schnitt: Martin Kayser-Landwehr, Magdolna Rokob

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Squaring the Circle - The Story of Hipgnosis

Squaring the Circle: The Story of Hipgnosis

Ein Film von Anton Corbijn . Ab 14.3. im fsk.

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Es begann mit einem Knall: Als die bri­ti­sche Polizei 1964 eine ille­ga­le Party in der Underground-Szene von Cambridge gewalt­sam been­det, sind die bei­den Kunststudenten Aubrey „Po“ Powell und Storm Thorgerson die Einzigen, die nicht die Flucht ergrei­fen und den Beamten die Stirn bie­ten. Fortan ist das Duo unzer­trenn­lich. Gemeinsam grün­den sie das Grafik-Label „Hipgnosis“ und desi­gnen die ers­ten Cover für die noch unbe­kann­ten Rocker von Pink Floyd. Mit avant­gar­dis­ti­schem Stil und dem kom­pro­miss­lo­sen Primat der Kunst vor dem Kommerz wer­den Po und Storm zu Lieblingen der Bands – und zum Schrecken der Musikstudios und ‑pro­du­zen­ten. Der Erfolg aber gibt ihnen Recht. Pink Floyd wer­den Weltstars, ihre Cover erlan­gen Kultstatus.

Credits:

GB 2022, 101 Min., engl. OmU,
Regie: Anton Corbijn
Kamera: Stuart Luck, Martijn van Broekhuizen
Schnitt: Andrew Hulme
mit: Paul McCartney, Aubrey Powell, Jimmy Page, Noel Gallagher, Robert Plant, Roger Waters, u.a.

Trailer:
Squaring the Circle: The Story of Hipgnosis (2022)
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Wir waren Kumpel

Wir waren Kumpel

Ein Film von Christian Johannes Koch & Jonas Matauschek.

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Hast du eine am Sträußchen?“ hät­ten die Eltern gesagt, wäre Martina mit dem Wunsch, Friseuse zu wer­den, „um die Ecke gekom­men“. Martina ist eine von fünf Bergleuten, die der Film vor und nach der Schließung der ost­west­fä­li­schen Steinkohle-Zeche beglei­tet. Bis 2015 hieß sie Mark, seit ihrer Transition ist sie die ers­te und ein­zi­ge Frau, die unter Tage ein­fährt.
Er ver­brin­ge mehr Zeit mit sei­nem Kumpel Wolfgang („Locke“) als mit sei­ner Frau, rech­net Marco („Langer“) vor. Damit und mit der Arbeit ist bald Schluss, und vor­aus­schau­end macht er neben­her den Busführerschein. Locke wie­der­um ver­misst nach der Stilllegung die gemein­sa­me Zeit schmerz­lich, trotz der oft hef­ti­gen Anblafferei zwi­schen ihnen, oder viel­leicht gera­de des­halb.
Auch Thomas fällt die Umstellung nicht leicht, zumal er die Wohnung mit der alles kon­trol­lie­ren­den Mutter jetzt den gan­zen Tag teilt. Der Tamile Kirishanthan („Kiri“) floh vor über 20 Jahren aus Sri Lanka. Die Hütte und die Kumpel sind seit­dem neben sei­ner Familie ein zwei­tes Zuhause. Auch er muss sich nun umori­en­tie­ren.
Das Ende des Steinkohlebergbaus in Deutschland bedeu­te­te auch das Ende eines der unge­sün­des­ten und här­tes­ten Berufe, wie man sehen kann. Ein Arbeitsplatz in bis zu 1600m Tiefe, enge Stollen, Hitze, Kohlenstaub, Schichtbetrieb – trotz­dem rol­len die Tränen beim Abschied nicht aus Freude. Der Strukturwandel trägt neben Perspektivlosigkeit auch Einsamkeit in sich, denn die har­te Arbeit und das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun, schwei­ßen zusam­men. Der Film zeigt das in tra­gisch-humor­voll-berüh­ren­der Weise, und fin­det für den„Rückbau“ und was „danach“ pas­siert. beein­dru­cken­de Bilder.
Während Locke sich, ange­regt durch sei­ne Kinder und der FFF-Bewegung, Gedanken zum Klimaschutz macht („ein Bergmann, der Kohle geför­dert hat für Kohlekraftwerke will die Welt ret­ten – das wär doch mal was“), fährt Lange einen Schulbus, Kiri unter­rich­tet Tamilisch und Thomas kämpft mit sei­ner Mutter um die Hoheit am Herd. Nur Martina blieb dem Bergbau treu: sie arbei­tet jetzt im Salzbergwerk.

Filmgespräch mit den Regisseuren am 26.2.

Credits:

DE 2023, 104 Min.,
Regie: Christian Johannes Koch & Jonas Matauschek
Kamera: Sebastian Klatt
Schnitt: Natali Barrey, Annette Brütsch, Jonas Matauschek

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Club Zero

Ein Film von Jessica Hausner. Ab 28.3. im fsk.

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Als Tanzlehrerin Elena bei einem Kurs für gehör­lo­se Jugendliche dem Miss Novak beginnt an einer inter­na­tio­na­len Privatschule zu unter­rich­ten, wo sie mit ihrem Unterricht über bewuss­te Ernährung die Essgewohnheiten der Schüler grund­le­gend verändert. Ohne den Verdacht der ande­ren Lehrer und der Eltern zu wecken, gera­ten eini­ge der Schüler in ihren Bann, bis sie schließ­lich selbst Teil des geheim­nis­vol­len Club Zero werden.

Es gibt bei mir kei­ne mora­li­sche Verurteilung, kei­ne Erlösung. Und ich den­ke, das Thema Ernährung berührt einen Nerv. Essen ist extrem intim, wie Nacktsein oder Sex. Es ist auch tabui­siert.” Jessica Hausner

Credits:

AT, UK, DE, FR, DK 2023, 110 Min., eng­li­sche OmU
Regie: Jessica Hausner
Kamera: Martin Gschlacht
Schnitt: Karina Ressler
mit: Mia Wasikowska, Sidse Babette Knudsen, Elsa Zylberstein, Lukas Turtur, Mathieu Demy, Amir El-Masry, Ksenia Devriendt, Luke Barker

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Slow

Ein Film von Marija Kavtaradze. Ab 21.3. im fsk.

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Als Tanzlehrerin Elena bei einem Kurs für gehör­lo­se Jugendliche dem Gebärdendolmetscher Dovydas begeg­net, gibt es sofort eine Anziehung zwi­schen den bei­den, eine unmit­tel­ba­re Energie. Sie tref­fen sich wie­der, ver­brin­gen Zeit mit­ein­an­der, tei­len ers­te Erinnerungen. Schnell bekommt ihre Freundschaft immer roman­ti­sche­re Züge. Doch als Elena auch Dovydas’ kör­per­li­che Nähe sucht, schreckt der zurück und offen­bart ihr, dass er ase­xu­ell ist. Beide sind ein­an­der so wich­tig gewor­den, dass sie trotz­dem einen Weg als Paar fin­den wol­len – mit einer Art von Intimität, die sich für bei­de rich­tig anfühlt.

Credits:

LT/ES/SE 2023, 108 Min., litaui­sche OmU
Regie: Marija Kavtaradze
Kamera: Laurynas Bareiša
Schnitt: Silvija Vilkaitė
mit: Greta Grinevičiūtė, Kęstutis Cicėnas

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SLOW Trailer Deutsch | German [HD]
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Monster – Die Unschuld

Ein Film von Hirokazu Kore-eda. Ab 21.3. im fsk.

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Ein Haus brennt, mit­ten in der japa­ni­schen Kleinstadt, in der sich die Ereignisse von „Die Unschuld“ abspie­len. Ein Stripclub befand sich in dem Haus, den der Lehrer Hori (Eita Nagayama) offen­bar regel­mä­ßig besuch­te. Allein das lässt ihn ver­däch­tig erschei­nen, zumin­dest in den Augen von Saori (Sakura Ando), eine allein­er­zie­hen­de Mutter, die sich über das zuneh­mend rät­sel­haf­te Verhalten ihres Sohnes Minato (Soya Kurokawa) wun­dert. Mal schnei­det der sich sei­ne Haare ab, mal kommt er mit nur einem Schuh nach Hause. In der Schule jedoch fin­det Saori kei­ne Antworten, die Direktorin Fushimi (Yuko Tanaka) weicht den besorg­ten Fragen der Mutter aus und Hori deu­tet an, das Minato sei­nen Mitschüler Yori (Hinata Hiragi) schlecht behandelt.

Viele Fährten wer­den in die­sem ers­ten Teil gelegt, Andeutungen gemacht, Verdächtigungen aus­ge­spro­chen. Doch dann geht es an den Anfang zurück, zum bren­nen­den Haus, doch dies­mal bleibt die Erzählung beim Lehrer Hori, wer­den die Ereignisse aus sei­ner Perspektive geschil­dert. Und plötz­lich wirkt man­ches ganz anders, die Verletzung an Minatos Ohr, ein Streit im Klassenzimmer, ein Sturz auf der Treppe. Doch erst wenn im drit­ten Teil von „Die Unschuld“ aus der Perspektive von Minato erzählt wird, offen­bart sich die Wahrheit, lösen sich die Rätsel auf.

Vor sechs Jahren wur­de der japa­ni­sche Regisseur Hirokazu Kore-eda für „Shoplifters“ mit der Goldenen Palme aus­ge­zeich­net. Der ver­dien­te Höhepunkt einer gro­ßen Karriere, doch im Folgenden schien Kore-eda etwas ver­lo­ren, dreh­te Filme in Frankreich und Südkorea, in frem­den Kulturen, in frem­den Sprachen, in denen er nicht so prä­zi­se, nicht so sub­til agier­te, wie man es von ihm gewohnt war. Nun ist er nach Japan zurück­ge­kehrt, ver­filmt aller­dings zum ers­ten Mal seit vie­len Jahren wie­der ein Drehbuch, das er nicht sel­ber geschrie­ben hat, ein Buch auch, das nicht so klar und line­ar erzählt, wie ein typi­scher Kore-eda-Film.

Die Struktur, die die sel­ben Ereignisse aus unter­schied­li­chen Perspektiven erzählt, erin­nert an Akira Kurosawas Klassiker „Rashomon“, aller­dings mit einem fun­da­men­ta­len Unterschied: Während sich in Kurosawas Film die unter­schied­li­chen Versionen eines Ereignisses wider­spra­chen und sich am Ende somit kei­ne kla­re Wahrheit her­aus­kris­tal­li­sier­te, besteht am Ende von Kore-edas „Die Unschuld“ kein Zweifel dar­an, dass die drit­te Version, der Blick der Kinder, die Wahrheit darstellt.

Um die­sen Effekt zu errei­chen muss Kore-eda zuvor immer wie­der mani­pu­lie­ren, fal­sche Fährten legen, den Zuschauer eben­so wie die erwach­se­nen Figuren täu­schen. Wie leicht das geht, wie leicht man sich ange­sichts klei­ner, miss­ver­ständ­li­cher Indizien, aber auch der gesell­schaft­li­chen Konventionen, eine bestimm­te Wahrheit zurecht­legt, dar­um geht es in „Die Unschuld.“ Das am Ende die Perspektive der Kinder die Wahrheit ans Licht bringt kann nicht über­ra­schen: Immer wie­der hat Kore-eda aus Sicht von Kindern und Jugendlichen erzählt, hat ihren Blick auf eine erwach­se­ne Welt gezeigt, in denen ihre Wünsche und Sorgen oft nicht ernst genom­men werden.

M.Meyns | programmkino.de

Credits:

Kaibutsu
Japan 2023, 127 Min., japan. OmU
Regie & Schnitt: Hirokazu Kore-eda
Kamera: Kondo Ryuto
mit: Eita Nagayama, Sakura Ando, Soya Kurokawa, Yuko Tanaka, Hinata Hiragi, Mugino Saori

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Julie – eine Frau gibt nicht auf

Ein Film von Eric Gravel. Ab 7.3. im fsk.

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Schon an nor­ma­len Tagen lebt Julie am Limit – allein­er­zie­hend mit zwei Kindern, Pendlerin zum Job in einem Luxus-Hotel im Zentrum von Paris, über­fäl­li­ge Kreditratenzahlungen und einem Ex-Mann, der nicht nur beim Unterhalt unzu­ver­läs­sig ist, ein anste­hen­der Kindergeburtstag… . Aber es kommt noch ärger: der Nahverkehr streikt, die Tagesmutter fast auch, und all‘ das aus­ge­rech­net, als Julie end­lich ein Job-Interview für eine gut bezahl­te Stelle im erlern­ten Beruf hat. Die Chefin im Luxushotel darf davon nichts wis­sen, und um die Zeit dafür frei zu bekom­men, wer­den Kolleginnen ein­ge­spannt. Unter gewal­ti­gem Druck orga­ni­siert, rennt, impro­vi­siert Julie auf Kante, und darf sich dabei den Stress nicht anmer­ken las­sen, nicht bei den Kindern, nicht im Hotel, und schon gar nicht beim Vorstellungsgespräch.

»… ein dyna­misch inten­si­ves Filmkunstwerk – manch­mal ist es ein biss­chen so, als wür­de man einem Hochseil-Kettensägen-Jonglierakt zuse­hen, der kurz davor ist, schreck­lich und kata­stro­phal schief zu gehen.« Wendy Ide | Screen-Daily

» Der Filmemacher … bestä­tigt hier sei­ne Kunst, ent­schei­den­de und wich­ti­ge Fragen in ein­drucks­vol­le und fas­zi­nie­ren­de fil­mi­sche Abenteuer zu ver­wan­deln.«  Fabien Lemercier | cin­eu­ro­pa

» Kommen Sie wegen des sozia­len Realismus, aber blei­ben Sie wegen des Thrills, denn Julies Tage wer­den zu einer auf­re­gen­den Analyse der ato­mi­sie­ren­den Auswirkungen des Kapitalismus. Lauf, Julie, lauf! «  Edinburgh Filmfestival

» Lassen Sie sich danach Zeit, um sich zu ent­span­nen.« The Guardian

Credits:

À plein temps
FR 2022, 88 Min., franz. OmU
Regie: Eric Gravel
Kamera: Victor Seguin
Schnitt: Mathilde Van de Moortel
mit: Laure Calamy, Anne Suarez, Geneviève Mnich, Nolan Arizmendi, Sasha Lemaitre Cremaschi, Cyril Gueï

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Kraft der Utopie – Leben mit Le Corbusier in Chandigarh

Ein Film von Karin Bucher und Thomas Karrer.

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Kurz nach der Teilung Indiens und der Befreiung aus der Kolonialherrschaft Englands soll am Fusse des Himalayas aus dem Nichts eine neue Hauptstadt für den Punjab gebaut wer­den. Die alte Hauptstadt Lahore war Pakistan zuge­teilt wor­den. Die Planstadt Chandigarh steht für die neue Demokratie, den Fortschritt und den Glauben an die Zukunft. Engagiert wur­den Architekten aus dem Westen. Zuerst Albert Mayer, dann der schwei­ze­risch-fran­zö­si­sche Architekt Le Corbusier. Absichten, Visionen und Utopien kamen zusam­men. Für Le Corbusier bot Chandigarh die ein­ma­li­ge Gelegenheit, sein Lebenswerk zu voll­enden und sei­ne städ­te­bau­li­chen Ideen umzu­set­zen. Seine Vision war die einer moder­nen, huma­nen und gerech­ten Stadt, nach dem «Mass des Menschen» erbaut, die ein kul­tu­rel­les Leben und ein har­mo­ni­sches Zusammenspiel von Mensch und Natur ermöglichte. 

Zum 70-jäh­ri­gen Bestehen der Planstadt von Le Corbusier fra­gen wir nach, ob in Chandigarh die­se Vision Realität gewor­den ist. Der Film beglei­tet Menschen auf ihren Wegen durch die Stadt und sucht Orte und Schauplätze auf, an denen sich das schil­lern­de Zusammenspiel von altem Traum und neu­em Leben, von Utopie und Alltag, von Zerfall und lei­ser Poesie zei­gen. Ein Zeitzeuge erin­nert sich an die Gründerzeit. Die Direktorin des Le Corbusier Centers, ein Künstler, ein Schauspieler und ein Architekt erzäh­len vom Wagnis, sich hier nie­der­zu­las­sen und reflek­tie­ren ihr Leben in und mit Chandigarh. Auf Streifzügen tref­fen wir Bewohner:innen, die unse­ren Blick auf die Stadt erwei­tern und tau­chen in das all­täg­li­che Leben ein, wel­ches sich die bau­li­chen Strukturen zu eigen gemacht hat. 

Credits:

CH 2023, 84 Min., engl., deut­sche OmU
Regie & Kamera: Karin Bucher, Thomas Karrer
Schnitt: Fabian Kaiser, Thomas Karrer, Mirjam Krakenberger

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Die Unsichtbaren

Ein Film von Matthias Freier. 

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Matthias Freier hat bis­her vor allem Werbespots und Musikvideos gedreht, unter ande­rem für Jochen Distelmeyer, Die Fantastischen Vier und Samy Deluxe. Sein True-Crime-Dokumentarfilm DIE UNSICHTBAREN han­delt von einem der spek­ta­ku­lärs­ten Kriminalfälle der neun­zi­ger Jahre, ist aber vor allem eine Hommage an Freiers Stiefmutter, die Kriminalkommissarin Marianne Atzeroth-Freier, die gegen den Widerstand ihres Dienststellenleiters und die Ignoranz der älte­ren männ­li­chen Kollegen in der Hamburger Mordkommission den Fall um eine Entführung und zwei ver­schwun­de­ne Frauen auf­klär­te. „Janne“, wie die Kommissarin genannt wur­de, hat­te als Streifenpolizistin ange­fan­gen, dann bei der „Sitte“ die Opfer von sexua­li­sier­ter Gewalt betreut. Während die männ­li­chen Kollegen den Aussagen eines Entführungsopfers nicht ver­trau­ten („Ich sag dir gleich, wir glau­ben der kein Wort.“),
nahm Atzeroth-Freier die Aussagen des Opfers als Erste ernst und kam schnell dem Täter, einem Hamburger Pelzhändler, auf die Spur. Bald stell­te sich her­aus, dass zwei wei­te­re Frauen ver­schwun­den und mit dem Entführer bekannt waren.
Die grau­sa­men Details des Falls füll­ten bis Mitte der 90er Jahre die Spalten nicht nur der Boulevardpresse. Freiers Film ver­mei­det jede spe­ku­la­ti­ve Ausbeutung der Geschichte, und kon­zen­triert sich auf die Ermittlungen, auf die Nachlässigkeiten, den – hier töd­li­chen – män­ner­bünd­le­ri­schen Sexismus auf dem Polizeirevier und Jannes per­sön­li­ches Verhältnis zu den Angehörigen der Opfer. Dokumente und Interviews sind sorg­fäl­tig aus­ge­wählt und sen­si­bel geführt, die Spielszenen mit ruhi­gem Understatement insze­niert. Im True-Crime-Genre ist das alles ande­re als selbst­ver-
ständ­lich. DIE UNSICHTBAREN ist ein exzel­len­ter, sehr span­nen­der und immer noch rele­van­ter Film über die Durchsetzungskraft einer inte­gren Polizistin.
Tom Dorow | indiekino

Credits:

DE 2023, 97 Min.
Regie: Matthias Freier
Kamera: Kay Madsen
Schnitt: Marielle Pohlmann

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Einzeltäter (Teil 1–3)

Dokumentarfilmreihe von Julian Vogel | 87min | 67min | 85min | DE 2023
Mit anschlie­ßen­dem Filmgespräch nach dem 3. Teil.

Tickets: [Teil1: München] [Teil 2: Halle] [Teil3: Hanau]
(Die Filme müs­sen ein­zeln gebucht wer­den. Wer alle 3 Filme schau­en will, kann jeweils den Tarif „Alle 3 Teile schau­en” im letz­ten Bestellschritt wählen)

Kamera: Luise Schröder, Julian Vogel
Ton: Oscar Stiebitz, Julian Vogel
Schnitt: Gregor Bartsch, Sebastian Winkels

München 2016, Halle 2019 und Hanau 2020. Drei rechts­extre­me Anschläge von soge­nann­ten „Einsamen Wölfen“: Vermeintliche Einzeltäter, die sich schein­bar ohne in klas­si­sche extre­mis­ti­sche Strukturen ein­ge­bun­den zu sein, im Internet radi­ka­li­sie­ren und im öffent­li­chen Raum plötz­lich zuschlu­gen. Es sind Geschichten, die mitt­ler­wei­le die Schlagzeilen domi­nie­ren: Der rech­te Terror gilt zur Zeit laut Verfassungsschutz als größ­te Bedrohung der Demokratie in Deutschland. Und das, obwohl sol­che Täter noch bis vor Kurzem oft als psy­chisch kran­ke, „ver­wirr­te“ Einzeltäter ein­ge­stuft wur­den und ihnen so ihr Rassismus abge­spro­chen wur­de. Diese Zeiten sind vor­bei: Frank Walter Steinmeier sprach nach dem Anschlag in Hanau von einem „Angriff auf uns alle“. Doch wer sind „wir alle“?

Die Trilogie „Einzeltäter (Teil 1–3)“ nimmt unab­hän­gig von­ein­an­der die Perspektive der Menschen ein, deren Angehörige tat­säch­lich das Ziel der Angriffe waren und deren Leben nie mehr sein wird wie zuvor.

EINZELTÄTER TEIL 1: MÜNCHEN

Arbnor hat sei­ne Schwester 2016 beim Anschlag am Olympia Einkaufszentrum ver­lo­ren, Hasan und Sibel ihren Sohn. Lange muss­ten die Angehörigen dar­um kämp­fen, dass der Staat den ras­sis­ti­schen Hintergrund der Tat aner­kennt. Erst nach den Anschlägen von Halle und Hanau hat­ten sie Erfolg.


EINZELTÄTER TEIL 2: HALLE

KurzsynopsisKarsten hat sei­nen ein­zi­gen Sohn Kevin beim Anschlag von Halle ver­lo­ren. Während die Öffentlichkeit zuschaut, wie dem rechts­extre­men Täter der Prozess gemacht wird, kämpft er um einen Umgang mit sei­ner Trauer. Halt fin­det er in der Fanszene des Halleschen FC.


EINZELTÄTER TEIL 3: HANAU

Der ras­sis­ti­sche Anschlag vom 19. Februar 2020 hat Hanau-Kesselstadt ver­än­dert. Hier leben Menschen ver­schie­de­ner Herkunft, hier star­ben sechs der neun Opfer. Nach dem Anschlag hält man hier zusam­men, ver­sucht mit den Folgen der Tat umzu­ge­hen, und kämpft um Aufklärung. Und hier leben der Vater des Täters und Hinterbliebene der Opfer in unmit­tel­ba­rer Nachbarschaft.


Regiekommentar

Seit Ende 2018 beschäf­ti­ge ich mich mit Menschen, die bei rechts­ra­di­ka­len Anschlägen ver­meint­li­cher “Einzeltäter” Angehörige ver­lo­ren haben. Ich kam damals in Kontakt mit Hinterbliebenen des ras­sis­ti­schen Anschlags vom Olympia Einkaufszentrum in München„ der bis zum Anschlag von Halle von Staat und Ermittlungsbehörden als unpo­li­ti­scher Amoklauf ein­ge­ord­net wor­den war. Ich ver­such­te einen Film zu rea­li­sie­ren, der den Angehörigen von München eine Stimme gibt. Deren ver­zwei­fel­ter Kampf um Anerkennung änder­te sich mit dem anti­se­mi­ti­schen und ras­sis­ti­schen Anschlag von Halle 2019. In Folge des Anschlags wur­de der Rechtsextremismus durch den Verfassungsschutz als aktu­ell größ­te Bedrohung der Sicherheitslage in Deutschland ein­ge­stuft. Nach dem Anschlag von Hanau 2020 schließ­lich fand der Kampf von Betroffenen von rech­ter Gewalt end­gül­tig Eingang in die brei­te Öffentlichkeit und ich ent­schloss mich, mei­nen Film auf die­se drei Taten auszuweiten.

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