Archiv des Autors: fsk

Parasite


Ein Film von Bong Joon Ho.

[Credits] [Ter­mi­ne] [Trai­ler]

Fami­lie Ki lebt in ärm­li­chen Ver­hält­nis­sen ganz unten auf der sozia­len Lei­ter. Im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes: Der Putz ihrer Woh­nung im Tief­par­terre blät­tert ab, in den Ecken brei­tet sich Schim­mel aus, der Müll staut sich. Die Eltern Ki-taek und Chung-sook sind arbeits­los, die fast erwach­se­nen Kin­der, der Sohn Ki-woo und die Toch­ter Ki-jung unter­stüt­zen die Fami­lie mit Gelegenheitsjobs.

Das Glück wen­det sich als ein Freund Ki-woo eine Tuto­ren­stel­le am ande­ren Ende der Stadt, am ande­ren Ende der sozia­len Lei­ter ver­mit­telt. Im mon­dä­nen, moder­nis­ti­schen Haus der Fami­lie Park soll er der Toch­ter Eng­lisch­stun­den geben. Es ist der Beginn einer para­si­tä­ren Bezie­hung der bei­den Fami­li­en, denn bald arbei­ten alle Kis für die Parks: Die Toch­ter küm­mert sich um den Sohn, der Vater wird Chauf­feur, die Mut­ter schließ­lich Haus­häl­te­rin. Das Schick­sal scheint es end­lich gut mit Fami­lie Ki zu meinen.

Was bei ande­ren Regis­seu­ren Stoff genug für einen Film wäre, erzählt Park Joon Ho in einem lan­gen ers­ten Akt. Wie Fami­lie Ki sich nach und nach in das Leben der Fami­lie Park ein­schleicht und uner­setz­bar wird, erin­nert an Fil­me wie Micha­el Han­ekes „Fun­ny Games“ oder Oskar Roeh­lers „Herr­li­che Zei­ten“, doch bald dreht Bong die Schrau­be noch wei­ter. Wie in den meis­ten sei­ner Fil­me – zuletzt „Okja“ und „Snow­piercer“, vor Jah­ren „The Host“ und „Memo­ries of Mur­der“ – lässt sich auch „Para­si­te“ nur schwer einem Gen­re zuord­nen. Unbe­küm­mert bedient er sich hier und da, über­rascht immer wie­der mit völ­lig unvor­her­ge­se­he­nen Vol­ten, doch am Ende sind Bongs Fil­me immer eins: Mes­ser­schar­fe, genau beob­ach­te­te Satiren.

Wie schon in „Snow­piercer“, in dem in einem Zug auf ewi­ger, unge­brems­ter Fahrt durch eine apo­ka­lyp­ti­sche Schnee­land­schaft, die ein­zel­nen Wag­gons die gesell­schaft­li­chen Schich­ten mar­kier­ten, bedient sich auch „Para­si­te“ kla­rer geo­gra­phi­scher Meta­phern. Ganz unten beginnt der Film, in der Woh­nung der Kis, wäh­rend oben die Parks Leben. Wenn da ein Wol­ken­bruch die Stadt unter Was­ser setzt, wird die­se Meta­pher noch deut­li­cher: Oben wer­den nur die Fens­ter nass, unten ver­sinkt das Tief­par­terre der Kis im schmut­zi­gen Abflusswasser.

Doch bei aller offen­sicht­li­chen Gesell­schafts­kri­tik macht es sich Bong dabei nicht zu ein­fach. Den Kis sieht man als offen­sicht­li­che Ver­lie­rer des kapi­ta­lis­ti­schen Sys­tems ohne­hin alles nach, doch auch die Parks sind kei­nes­wegs unsym­pa­thi­sche Neu­rei­che, im Gegen­teil. Abge­se­hen davon, dass sie sich über den stren­gen Kel­ler­ge­ruch von Ki-taek wun­dern, ist von ihnen kein böses oder hoch­nä­si­ges Wort über ihre Ange­stell­ten zu ver­neh­men. Der wah­re Schul­di­ge an den gesell­schaft­li­chen Miss­stän­den sind hier nicht ein­zel­ne Per­so­nen, son­dern die Gesell­schaft als Ganzes.

Die­ser abs­trak­te Ant­ago­nist führt dazu, dass „Para­si­te“ im letz­ten Drit­tel fah­ri­ger wirkt als im bril­lan­ten Beginn, die Geschich­te ein wenig holp­rig zu Ende gebracht wird. Doch auch hier lässt Bong kei­nen Zwei­fel dar­an auf­kom­men, welch her­aus­ra­gen­der Regis­seur er ist, der auch einen Film, der fast aus­schließ­lich inner­halb eines Hau­ses spielt, zu einem visu­el­len Meis­ter­stück machen kann. Dass er dafür als ers­ter Regis­seur aus Süd­ko­rea mit der Gol­de­nen Pal­me aus­ge­zeich­net wur­de, war dann selbst in einem außer­ge­wöhn­lich star­ken Wett­be­werb kei­ne Überraschung.

Micha­el Meyns | programmkino,.de

Can­nes 2019: Gol­de­ne Palme

 
Credits:

Gisa­eng­chung (기생충)
KR 2019, 131 Min., korea­ni­sche OmU

Regie: Bong Joon Ho
Buch: Bong Joon Ho & Han Jin Won
Kame­ra: Hong Kyung-pyo
Schnitt: Yang Jin-mo
mit: Song Kang Ho, Lee Sun Kyun, Cho Yeo Jeong, Choi Woo Shik, Park So Dam, Lee Jung Eun, Chang Hya Jin

Ter­mi­ne:

  • noch kei­ne oder kei­ne mehr 

 
Trai­ler:

 

 

Asche ist reines Weiß


Ein Film von Jia Zhang-Ke.

[Credits] [Ter­mi­ne] [Trai­ler]

Fast ein wenig lang­wei­lig ist es, die Fil­me von Jia Zhang-Ke Meis­ter­wer­ke zu nen­nen, doch was will man machen?(Micha­el Meyns |programmkino.de)

Qiao (Zhao Tao) ist weib­li­ches Mit­glied einer Gemein­schaft mit aus­ge­präg­ten mafiö­sen Struk­tu­ren, dem soge­nann­ten Jiang-Hu-Milieu – eine rei­ne Män­ner­ge­sell­schaft mit star­ren, ritu­el­len und bru­ta­len Regeln. Im Ver­lauf einer Aus­ein­an­der­set­zung mit einem ver­fein­de­tem Clan ret­tet sie ihrem Gelieb­ten Bin (Liao Fan) das Leben, wird ver­haf­tet und ver­büßt aus Loya­li­tät und Lie­be zu ihm eine fünf­jäh­ri­ge Haft­stra­fe. Nach ihrer Ent­las­sung reist sie Bin in den Süden Chi­nas hin­ter­her, der inzwi­schen mit einer ande­ren Frau zusam­men ist.

Der Film spielt in der Zeit­span­ne von 2001 bis 2018. Er ist dar­in ein­ge­bet­tet und im Grun­de nicht vor­stell­bar ohne den zeit­li­chen und poli­ti­schen Hin­ter­grund. Die Erzäh­lung ist unauf­lös­lich dar­in ver­zahnt. Die Figu­ren schei­nen ori­en­tie­rungs­los und ent­wur­zelt zu sein, als ob ein­zig ihre insta­bi­le Par­al­lel­welt ihnen noch Halt bie­ten könn­te. Nicht umsonst spielt ein Teil des Films im Stau­damm­ge­biet am Jang­t­se­kiang im Jahr 2006, in einer Welt, die kurz dar­auf ver­schwun­den sein wird:

Die rie­si­gen Wohn­häu­ser, die hier kilo­me­ter­lang das Ufer säu­men, wird es irgend­wann, sobald die Schleu­sen geöff­net wer­den, nicht mehr geben. Ein Ort mit einer Halb­werts­zeit, ein Ort, der nie rich­tig ent­ste­hen konn­te, weil er immer schon im Ster­ben lag. Die gigan­ti­schen natio­na­len Bau­pro­jek­te der Regie­rung set­zen hier eine gan­ze Welt aufs Spiel, eine Welt mit schwa­chen Wur­zeln, eine Welt mit fest­ge­leg­ter Dauer.

Die­se Epi­so­de aus Jias drei­ak­ti­gem Film ist die mit Abstand ein­drück­lichs­te. Hier ver­wächst sich Qia­os per­sön­li­che Geschich­te am schöns­ten und zugleich gespens­tischs­ten mit dem poli­ti­schen Raum, in den sie ihre Ker­ben schlägt. Ihr ent­wur­zel­ter Zustand zwi­schen Ver­gan­gen­heit und Zukunft kor­re­liert mit einem Raum, der aus kei­ner sta­bi­len Ver­gan­gen­heit her­aus ent­stand und dem kei­ne Zukunft in Aus­sicht gestellt ist.”
(Lukas Stern/critic.de)

 
Credits:

CN/FR 2018, 141 Min., chin. OmU
Regie: Jia Zhang-Ke
Kame­ra: Eric Gautier
Schnitt: Mat­t­hieu Laclau
mit: Tao Zhao, Fan Liao, Zheng Xu, Casper Liang

 
Ter­mi­ne:

  • noch kei­ne oder kei­ne mehr 

 
Trai­ler:

Luft zum Atmen – 40 Jahre Opposition bei Opel in Bochum


Ein Film von Johan­na Schellhagen/labournet.tv.

[Credits] [Ter­mi­ne]

1972 grün­de­ten ein paar Arbei­ter und Revo­lu­tio­nä­re bei Opel in Bochum die „Grup­pe oppo­si­tio­nel­ler Gewerkschafter”(GoG). Die GoG exis­tier­te über 40 Jah­re und hat mit ihrer radi­ka­len Betriebs­ar­beit den Wider­stands­geist in der Bochu­mer Beleg­schaft befeuert.

Als Betriebs­rä­te gaben sie gehei­me Infor­ma­tio­nen an die Beleg­schaft wei­ter, sie sorg­ten für acht­stün­di­ge Betriebs­ver­samm­lun­gen, kämpf­ten gegen Kran­ken­ver­fol­gung, orga­ni­sier­ten ihren eige­nen Bil­dungs­ur­laub und ver­such­ten sogar, auf eige­nen Faust direk­te inter­na­tio­na­le Soli­da­ri­tät zwi­schen den ver­schie­de­nen Gene­ral Motors Beleg­schaf­ten in Euro­pa her­zu­stel­len, um sich gegen die Stand­orter­pres­sun­gen in den 90er Jah­ren zur Wehr zu setzen.

Ihre radi­ka­len Akti­vi­tä­ten kul­mi­nier­ten schließ­lich in einem der wich­tigs­ten Wil­den Streiks deut­schen Nach­kriegs­ge­schich­te, als die Beleg­schaft im Okto­ber 2004 sechs Tage lang das Werk besetz­te und die Pro­duk­ti­on in ganz Euro­pa lahmlegte.

Ein Por­trait von Kol­le­gen, die sich Gehör verschafften.

Credits:
D 2019, 71 Min.
Ein Film von Johan­na Schellhagen/labournet.tv

Ter­mi­ne:

  • noch kei­ne oder kei­ne mehr 

Zu jeder Zeit


Ein Film von Nico­las Philibert.

[Credits] [Ter­mi­ne] [Trai­ler]

Der Aus­bil­dung zur Pfle­ge­kraft – einem immer wich­ti­ger wer­den­den Beruf – hat sich Nicho­las Phi­li­bert (Sein und Haben) in einer über­sicht­lich gro­ßen Pfle­ge­schu­le in Paris dies­mal ange­nom­men. Wer sich für die­se kör­per­lich und psy­chisch anspruchs­vol­le, aber immer noch schlecht bezahl­te Tätig­keit ent­schei­det, braucht nach­voll­zieh­bar eine gro­ße Por­ti­on Enthu­si­as­mus. Die jun­gen Men­schen, eine diver­se, offen­sicht­lich aus vie­len ver­schie­de­nen Kul­tur­krei­sen zusam­men­ge­setz­te Grup­pe, sind mit viel Enga­ge­ment bei der Sache. In drei Tei­le geglie­dert, zeigt der dis­kret vor­ge­hen­de Film sie im Theo­rie­un­ter­richt, bei ers­ten prak­ti­schen Anwen­dun­gen am leben­di­gen Pati­en­ten und, fast die Hälf­te des Films, bei Bespre­chun­gen mit Betreu­ern, wo Pro­ble­me und Erleb­nis­se der ver­schie­de­nen Prak­ti­ka ver­han­delt wer­den. Nach den auch sehr humor­vol­len zwei ers­ten rührt die­ser Teil am meis­ten, kommt man doch Lage, Stel­lung und Befind­lich­kei­ten der Aus­zu­bil­den­den näher und sieht, wie­viel Freu­de am Beruf die meis­ten ohne Per­so­nal­man­gel und gestress­te Vor­ge­setz­te hät­ten. Ger­ne lei­det und lacht man mit, wird neu­gie­rig, Fra­gen zu eige­nen Fähig­kei­ten und Beur­tei­lun­gen wer­den eben­so ange­scho­ben wie Gedan­ken zur per­sön­li­chen kör­per­li­chen wie psy­chi­schen Ver­letz­lich­keit – ein zu Empa­thie anre­gen­der Film eben, der Freu­de macht.

… Zukünf­ti­gen Pfle­gen­den, die dazu bestimmt sind, im Schat­ten zu blei­ben, eine Stim­me zu geben, ihre Hin­ga­be, Wür­de, aber auch ihre Ängs­te, Zwei­fel und Ver­letz­lich­keit zu zei­gen, ist in sich selbst ein poli­ti­scher Pro­zess. …“ Nico­las Philibert

… Hier­in liegt die Magie von Phi­li­berts Fil­men: sie sind poin­tiert, zärt­lich und beschei­den, sei­ne Kame­ra fängt Momen­te des Zwei­felns und der Freu­de ein, klei­ne Din­ge, die gemein­sam die Chro­nik eines klei­nen, von Respekt, Empa­thie und Neu­gier gepräg­ten Uni­ver­sums bil­den.“ Première

Credits:

De cha­que instant
FR 2018, 105 Min., frz. OmU
Regie, Kame­ra, Schnitt: Nico­las Philibert 

Ter­mi­ne:

  • noch kei­ne oder kei­ne mehr 

Trai­ler:

Frauen bildet Banden


Ein Film des Frau­en­Les­ben­Film­Collec­tifs LasOtras.

[Credits] [Ter­mi­ne]

Die „Rote Zora” war in den 1970er und 1980er Jah­ren eine mili­tan­te Frau­en­grup­pe in der BRD, die sich klan­des­tin orga­ni­sier­te. Ent­stan­den ist die femi­nis­ti­sche Grup­pe aus dem Kon­text der Revo­lu­tio­nä­ren Zel­len. Ihre Akti­vi­tä­ten rich­te­ten sich u.a. gegen die all­täg­li­che Gewalt gegen Frau­en, gegen Gen- und Repro­duk­ti­ons­tech­no­lo­gien, Bevöl­ke­rungs­po­li­tik und inter­na­tio­na­le Aus­beu­tungs­be­din­gun­gen als Aus­druck patri­ar­cha­ler Herr­schaft. Zen­tral waren die Selbst­er­mäch­ti­gung der Frau­en­Les­ben und der Bruch mit der zuge­schrie­be­nen Friedfertigkeit.

Erzäh­lun­gen von ver­schie­de­nen Zeit­zeu­g­in­nen, Inter­views mit einer His­to­ri­ke­rin und ehe­ma­li­gen Zoras las­sen die Geschich­te der „Roten Zora” und der dama­li­gen Frau­en­be­we­gung wie­der leben­dig wer­den. His­to­ri­sche Auf­nah­men der Frau­en- und Studentinnen*bewegung in der BRD brin­gen Erin­ner­ung­en an die dama­li­gen Kämp­fe zurück. Frau­en­Les­ben aus ande­ren Län­dern berich­ten über ihre Begeg­nung mit die­ser Poli­tik heute.

Der Film zeigt, dass vie­le The­men der Roten Zora hoch aktu­ell sind und bie­tet viel span­nen­den Dis­kus­si­ons­stoff zum heu­ti­gen Umgang mit die­ser Geschichte.

 

Credits:

DE 2019, 77 Min.,
Frau­en­Les­ben­Film­Collec­tif LasOtras

Ter­mi­ne:

  • noch kei­ne oder kei­ne mehr 

Gilda Brasileiro – Gegen das Vergessen


von Rober­to Man­hães Reis und Vio­la Scheue­rer. Am 3.4. um 20:15
90 min., © 2018 VIRO­film, doc., DCP, Ton 5.1.
Ori­gi­nal Por­tu­gie­sisch mit deut­schen UT
www.virofilm.ch

Dok­film mit Debatte/Gespräch: anwe­send Filmemacher/In und die bra­si­lia­ni­sche His­to­ri­ke­rin Bea­triz G.Mamigonian, Autorin des 2017 publi­zier­ten Buches „Afri­ca­nos Liv­res”, über die Abschaf­fung des trans­at­lan­ti­schen Skla­ven­han­dels (in Brasilien).

Gil­da Bra­si­lei­ro ist die Toch­ter einer Jüdin und eines Afro-Bra­si­lia­ners. Sie lebt in einem Dorf im atlan­ti­schen Regen­wald, in dem noch ein intak­tes Skla­ven­haus steht. Doch nie­mand vor Ort kann oder will sich an die Ver­gan­gen­heit erin­nern. Das kann Gil­da nicht akzeptieren.
Da erfährt sie von einem Film-Wett­be­werb, der Dorf­be­woh­ner auf­ruft ihre Geschich­ten zu notie­ren. Gil­da erzählt von einer gehei­men Skla­ven­rou­te und von ihrem Dorf als ille­ga­lem Umschlag­platz im größ­ten Kaf­fee-Anbau­ge­biet des 19.Jahrhunderts. Fast eine Mil­li­on Afri­ka­ne­rIn­nen gelang­ten nach dem Ver­bot des trans­at­lan­ti­schen Skla­ven­han­dels 1831 wei­ter­hin als Skla­ven nach Bra­si­li­en. Gil­da sucht nach Wahr­heit und kon­fron­tiert die Nach­kom­men der Skla­ven­händ­ler und Farm­be­sit­zer mit ihrer eige­nen Geschichte.
Ange­steckt von ihrer Suche fin­den wir Foto­gra­fien von ver­sklav­ten Män­nern, Frau­en und Kin­dern auf bra­si­lia­ni­schen Kaf­fee-Plan­ta­gen.  Die Bil­der von Marc Fer­rez, einem der wich­tigs­ten Foto­gra­fen des 19.Jh., brin­gen uns eine fer­ne Zeit irri­tie­rend nah in die Gegenwart. 

Utøya 22. Juli


Ein Film von Erik Poppe.

[Credits] [Ter­mi­ne] [Trai­ler]

Neun­und­sech­zig Men­schen ermor­de­te der nor­we­gi­sche Rechts­ex­tre­mist Brei­vik auf der Insel Utøya nahe Oslo am 22. Juli 2011. Fast alle waren Jugend­li­che und jun­ge Erwach­se­ne, Teil­neh­mer eines Feri­en­camps der sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Par­tei Nor­we­gens. Die Poli­zei brauch­te fast 90 Minu­ten, um den Neo­na­zi zu stel­len. Er wider­set­ze sich der Fest­nah­me nicht.
Erik Pop­pe läßt den Zuschau­ern durch sei­ne radi­kal sub­jek­ti­ve Her­an­ge­hens­wei­se die Mög­lich­keit, Abstand zum fil­mi­schen Gesche­hen zu neh­men und den Film abzu­leh­nen. Denen, die sich ein­las­sen, ermög­licht er, sich mit den Opfern emo­tio­nal zu soli­da­ri­sie­ren, wäh­rend die­ses Alb­traums mit ihnen mitzufühlen.
Eine wich­ti­ge Moti­va­ti­on Pop­pes, den Film zu dre­hen, war die Aus­sa­ge meh­re­rer Über­le­ben­der, dass es so unend­lich schwie­rig sei, über das Erleb­te zu spre­chen. Gleich­zei­tig merk­ten vie­le, dass die Erin­ne­rung der Men­schen an die Tat ver­blasst. Das Dreh­buch wur­de in Gesprä­chen mit Opfern des Mas­sa­kers ent­wi­ckelt. Das Gesicht des Täters kennt jeder, sei­ne kran­ken Ansich­ten auf 1500 Sei­ten kön­nen im Inter­net ein­ge­se­hen wer­den. ‚Utøya 22. Juli‘ gibt den Opfern ein Gesicht.
Jetzt hät­ten die Hin­ter­blie­be­nen die­sen Film, sagt eine jun­ge Frau, die dem Mas­sa­ker ent­kam, auf der Ber­li­na­le. „Ihr wer­det es nie ver­ste­hen. Aber schaut zu!”

War­um über­haupt so ein Film?, wird Pop­pe gefragt. „Als Teil des Hei­lungs­pro­zes­ses“, für die Betrof­fe­nen, für Nor­we­gen. Vie­le hät­ten ihm berich­tet, sie könn­ten das Erleb­te bis heu­te kaum erzäh­len. Den Film fin­den sie hilf­reich: Jetzt kön­nen sie sagen, schau ihn dir an und wir reden danach. Man­che mei­nen, es ist zu früh. Aber wenn man war­tet, bis ihn nie­mand mehr zu früh fin­det, kommt der Film zu spät, ergänzt Andrea Bernt­zen, die groß­ar­ti­ge, muti­ge Dar­stel­le­rin der Kaja. Sei­ne Wahr­haf­tig­keit ver­dankt der Film nicht zuletzt ihr.“ (Chris­tia­ne Peitz, Tagesspiegel)


 

Credits:
U – July 22
Nor­we­gen 2018, norw. OmU, 90 Min., frei­ge­ge­ben ab 12 jah­re (FSK)
Regie: Erik Poppe
Kame­ra: Mar­tin Otterbeck
Schnitt: Einar Egeland

mit: Andrea Berntzen
Alek­san­der Holmen 
Bre­de Fristad
Elli Rhi­an­non Mül­ler Osbourne 

Ter­mi­ne:

  • noch kei­ne oder kei­ne mehr 

 

Trai­ler:

Ruina


Deutsch­land 2014, 73 Min., OmU Regie, Schnitt: Mar­kus Lenz, Kame­ra: Mar­kus Lenz, Leo­nar­do Acevedo
Source: New feed

Pfarrer


Deutsch­land 2014, 90 Min., deutsch Regie: Chris Wright, Ste­fan Kol­be, Kame­ra: Ste­fan Kol­be, Schnitt: Chris Wright
Source: New feed

Rules of the Game


Frank­reich 2014, 106 Min., fran­zö­sisch mit engl. UT Regis­seur: Clau­di­ne Bories, Patri­ce Chagnard, Kame­ra: Patri­ce Chagnard, Schnitt: Sté­pha­nie Goldschmidt
Source: New feed