Olli Mäki ist ein äußerst schüchterner junger Mann, ein sympathischer Bäcker aus der finnischen Provinz – aber auch das größte Boxtalent seines Landes! Im Sommer 1962 verschafft ihm sein ehrgeiziger Manager Elis einen Titel-Kampf gegen den amerikanischen Weltmeister Davey Moore. Die Vorbereitungen auf den großen Tag stehen an: Trainings, Fotoshootings, Sponsorendinner – aber Olli ist mit seinen Gedanken ganz woanders. Der (mehr …)
Ungefähr alle 2 Jahre versuchen wir, Zuschauer in einen Film des in unserem Kino eher ungewohnten Genres, den sogenannten „Kostümfilms“ zu locken. 2012 war Benoit Jacquot am Hof König Ludwigs XVI. zu Beginn der französischen Revolution unterwegs (LEBWOHL, MEINEKÖNIGIN), 2014 beschäftigte sich Dominik Graf mit den Liebesaffären Friederich Schillers (DIEGELIEBTENSCHWESTERN). Diesmal verfilmte Whit Stillman (METROPOLITAN, LASTDAYSOFDISCO, DAMSLESINDISTRESS) auf seine stets eigene Art Jane Austens „Lady Susan“, und es ist tatsächlich die erste filmische Adaption dieses Werks. Herausgekommen ist eine witzig-elegante Screwball-Comedy in britischem Gewand. Die Viennale beschrieb das so in ihrem Katalog:
»Whit Stillman und Jane Austen sind das Traumpaar, das in diesem Film zusammenkommt. Die große Liebe, die den amerikanischen Independentregisseur mit der englischen Romanautorin verbindet, ist die zu kunstvoll mäandernden Dialogen, in denen sich Figuren verkleiden und gleichzeitig entblößen. Wenn Sevigny und Beckinsale, die schon 1998 in Whitmans LASTDAYSOFDISCO dabei waren, hier nun in 19. Jahrhundert-Kostümen die fein ziselierten Sätze aus Austens frühem Briefroman «Lady Susan» wiedergeben, erfolgt das in typisch Whitman’scher «dry delivery», was den versteckten Witz all der Heirats-Intrigen erst richtig zum Funkeln bringt.«, und bei programmkino.de wird geschwärmt:
»…entpuppt sich als höchst charmanter Coup. So umwerfend komisch und brillant scharfzüngig gab es die Austen nur selten zu sehen.«
Wir wünschen viel Vergnügen zum Jahresende!
USA 2016, 92 Min., engl. OmU Regie: Whit Stillman Drehbuch: Whit Stillman Kamera: Richard Van Oosterhout Schnitt: Sophie Corra Darsteller: Chloë Sevigny, Kate Beckinsale, Stephen Fry, Xavier Samue
Der Dokumentarfilm AUSTERLITZ – benannt nach dem Roman von W.G. Sebald – beobachtet BesucherInnen mehrerer KZ-Gedenkstätten an sommerlichen Tagen. In langen, statischen Einstellungen sieht der Film denjenigen zu, die sich dort in Strömen von Raum zu Raum (mehr …)
’Baden-Baden‘‚ ist ein etwas merkwürdiger Name. Zumal Baden-Baden zu Baden gehört. Wahrscheinlich liegt hier der Hund begraben. Es gibt ein schönes Elektronikalbum von Michaela Melian mit dem Titel „Baden-Baden“. Und jetzt den Film. Ein wundervoll flusiger Film übers zerstreute Dribbeln durch den Sommer. Charmant nostalgisch und von berührender Fremdheit. Die Protagonistin Ana fährt zu ihrer Großmutter nach Strasbourg, dem Ort, an dem sie sich zuhause fühlt. Aufgrund eines Unfalls muß die Besuchte aber ins Krankenhaus. Ana beschließt, während der Abwesenheit das Bad zu renovieren. Zwischen dieser konkreten Aufgabe mit ihren praktischen Anforderungen des Kleinkloppens und Neuaufbauens und der Frage, wohin es in ihrem (Erwerbs)leben eigentlich geht, von dem sie gerade eine Auszeit genommen hat (bzw. gefeuert wurde), verstreicht die Zeit sorgfältig und unaufgeregt. Während die Sonne des Sommers wärmt und Geborgenheit spendet. Der vertraute Ort und der Blick auf die Jahre zuvor führen zu Begegnungen mit den alten Liebhabern. Selbst die glänzen in ihrer nervigen Selbstbezogenheit im hellen Licht, als wären sie gerade erst neu in Anas Leben getreten. Spielerisch wird noch einmal aus der Vergangenheit geschöpft, ohne die Folgen fürchten zu müssen. Und dann kommt es in diesem sorgfältig choreografierten Reigen zum Jahresanfang noch zu der Begegnung mit dem schüchternen Mann im Baumarkt, der tatsächlich in der Nähe von Baden-Baden liegt.
F/BE 2016, 94 Min. frz. OmU Regie: Rachel Lang Kamera: Fiona Braillon Schnitt: Sophie Vercruysse mit: Salomé Richard, Claude Gensac, Swann Arlaud, Olivier Chantreau, Lazare Gousseau, Jorijn Vriesendorp, Driss Ramdi, Noémie Rosset u.a.
Jenny, eine junge Ärztin, führt eine Praxis vertretungsweise in einer belgischen Vorstadt. Als eines Abends nach Sprechstundenschluss es noch einmal klingelt, macht sie nicht auf, im Glauben, dass es sich nicht um einen Notfall handelt. Am nächsten Tag erfährt sie von der Polizei, dass eine nicht identifizierte Person tot aufgefunden wurde, offenbar die junge Frau, die am Vorabend in ihre Praxis wollte.
Sich (mit)schuldig fühlend, fängt die Ärztin an, Nachforschungen anzustellen, um zumindest den Namen der Toten zu ermitteln. Bald schon gerät sie dabei immer tiefer in verschiedene Milieus. Anfangs läuft sie Gefahr, sich in ihrer Recherche zu verlieren, später jedoch beginnt ihre Umwelt auf ihre Hartnäckigkeit zu reagieren.
Der Film spielt wie immer an einem Durchgangsort, der eine große Unbehaustheit ausstrahlt, dort, wo eigentlich niemand wohnen will und wenn doch, gezwungen ist, sich einzurichten. Wie so häufig dreht es sich bei den Dardennes um Schuld, Trost, Zuwendung, den unablässigen Kampf gegen Windmühlen und hier besonders auch um die Selbstfindung der Personen. Schön, wie es ihnen immer wieder gelingt, nicht ‑wie in vielen Sozialdramen- plakativ zu typisieren, sondern eine Vielschichtigkeit zu bewahren und dabei einen zärtlichen Blick auf ihre Protagonisten und ihre Welt zu werfen, nicht aber auf die Verhältnisse, in denen sie leben müssen.
„Es ist immer wieder beeindruckend, mit welcher Souveränität und schnörkellosen Klarheit es den Brüdern Jean-Pierre und Luc Dardenne gelingt, das jeweilige Milieu ihrer Filme und die moralischen Konflikte ihrer Figuren in der Exposition zu konturieren.“ (Filmdienst)
La fille inconnu
Belgien / Frankreich 2016, 106 Min., frz. OmU Regie: Jean-Pierre und Luc Dardenne Kamera: Alain Marcoen
Schnitt: Marie-Hélène Dozo Darsteller: Adèle Haenel, Fabrizio Rongione, Thomas Doret, Morgan Marinne, Christelle Cornil
Omer Fast ist Videokünstler. Im Martin-Gropius-Bau gibt es ab 18.11. unter dem Titel „Reden ist nicht immer die Lösung“ eine Ausstellung mit sieben seiner Projekte zu sehen. Die letzte Berlinale hatte 2 Filme von ihm im Programm: Das vor kurzem im Kino gelaufene Vexierspiel „Remainder“ lief im Panorama, der ungleich komplexere „Continuity“ entsprechend beim Forum Expanded. (mehr …)
Nach einem Herzinfarkt darf der 59-jährige Schreiner Daniel Blake nicht mehr arbeiten. Er beantragt die ihm zustehenden staatlichen Leistungen und versinkt dabei langsam im Treibsand der Bürokratie und ihrer kafkaesken Strukturen. Anstatt professioneller Betreuung durch die dafür zuständigen Behörden findet er sich in der Rolle des Don Quijotes wieder. Dabei lernt er eine alleinerziehenden Mutter kennen, die in der gleichen Lage steckt (keine Liebesgeschichte). „I, Daniel Blake“ ist durch und durch ein Ken Loach Film, das Mitgefühl für seine Protagonisten spiegelt sich in jeder Einstellung. Er dokumentiert ihren Kampf um menschliche Würde und Grundrechte in einem Staat, der für die Gewinnmaximierung Weniger optimiert wurde und den Interessen der Mehrheit mit Ruhigstellungsstrategien begegnet. Wer dabei nach unten durchrutscht, darf sich als Paria betrachten. Loach macht Filme darüber, wie einfach es sein kann, dort zu landen. Darüber, das es statistisch wahrscheinlicher ist, einen Herzinfarkt zu bekommen und den Arbeitsplatz zu verlieren als Aufsteiger der Woche oder Lottokönig zu werden. Als Bedürftiger gerät man aber an ein Sozialsystem, das dem Namen nicht mehr gerecht wird. Und Ken Loach bleibt mit seinen gerade mal 80 Jahren ein bewundernswerter Regisseur, der die Hauptrolle dem eher unbekannten Stand-up Comedian Dave Johns anvertraute. Seine Darstellung der Titelfigur berührt ungemein und hat gleichzeitig einen Witz, der seine Widerborstigkeit unterstreicht, sich nicht unterkriegen zu lassen.
„Mein langjähriger Ko-Autor Paul Laverty und ich hatten viel über die Stolpersteine der Sozialhilfe gehört. Also tourten wir durch England und trafen uns mit Leuten in Jobcentern und Ausspeisungsstellen. Ihre Geschichten haben uns schockiert. Unzählige sind unwürdigen Mechanismen ausgesetzt, aber kaum einer spricht darüber. …Die Jobcenter-Angestellten müssen ein gewisses Sanktionspensum erfüllen. Wenn sie das nicht schaffen, werden sie auf eine „Optimierungsliste“ gesetzt und stehen unter Druck, ihre Straffrequenz zu erhöhen. Es ist eine Zermürbungsstrategie. Wenn das Amt einen Sozialhilfeanwärter als arbeitstauglich einstuft, dieser aber mit einem ärztlichen Attest Einspruch erhebt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass er sich durchsetzen kann, relativ hoch. Also versucht man, es gar nicht so weit kommen zu lassen.“ Ken Loach
OT: I, Daniel Blake Frankreich/Großbritannien 2016, 100 Min., engl. OmU Regie: Ken Loach Drehbuch: Paul Laverty Kamera: Robbie Ryan Schnitt: Jonathan Morris Darsteller: Hayley Squires, Colin Coombs, Micky McGregor, Dave Johns, Briana Shann
Ein Film von Moritz Siebert, Estephan Wagner, Abou Bakar Sidibé, Ab 17. November im fsk.
Am 18.+ 22.11. in Anwesenheit der Regisseure.
Vom Berg Gurugu blickt man auf die spanische Enklave Melilla an der nordafrikanischen Mittelmeerküste. Afrika und die Europäische Union werden hier durch eine hochgesicherte Grenzanlage, bestehend aus drei Zäunen, voneinander getrennt. In den Wäldern des Bergausläufers leben Geflüchtete, meist aus der Subsahara-Region, die versuchen, diese (mehr …)
„Es hat nicht sollen sein.“ Was retrospektiv über viele Beziehungen gesagt wird, die scheitern bevor sie richtig begonnen haben, trifft auch auf das Verhältnis Ham Chun-su und Yoon Hee-jung zu. Er ist Regisseur und wegen einer Filmvorführung in Suwon. Dummerweise reist er einen Tag zu früh an und lernt zufällig die Künstlerin Hee-jung kennen. Die beiden verbringen den Tag zusammen, besuchen ihr Atelier, essen Sushi, trinken Soju und gehen am Abend mit Freundinnen aus. So kommen sie einander näher, (mehr …)
Ein Film von Rúnar Rúnarsson. Ab 24. November 2016 im Kino.
Die Geschichte eines 16-jährigen Jungen, der gezwungen ist, von seiner Mutter aus Reykjavik in seine alte Heimat, den abgeschiedenen Nordwesten Islands, zu seinem leiblichen Vater zu ziehen. Dort spiegelt die raue Landschaft die schwierigen Beziehungen sowohl zu seinem Vater, als auch zu seinen Freunden wider, mit denen er sich auseinandersetzen muss. Er (mehr …)
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