Ich, Daniel Blake

I, Daniel Blake

Ein Film von Ken Loach. Ab 24.11. im fsk.

Nach einem Herz­in­farkt darf der 59-jährige Schrei­ner Dani­el Bla­ke nicht mehr arbei­ten. Er bean­tragt die ihm zuste­hen­den staat­li­chen Leis­tun­gen und ver­sinkt dabei lang­sam im Treib­sand der Büro­kra­tie und ihrer kaf­ka­es­ken Struk­tu­ren. Anstatt pro­fes­sio­nel­ler Betreu­ung durch die dafür zustän­di­gen Behör­den fin­det er sich in der Rol­le des Don Qui­jo­tes wie­der. Dabei lernt er eine allein­er­zie­hen­den Mut­ter ken­nen, die in der glei­chen Lage steckt (kei­ne Lie­bes­ge­schich­te). „I, Dani­el Bla­ke“ ist durch und durch ein Ken Loach Film, das Mit­ge­fühl für sei­ne Prot­ago­nis­ten spie­gelt sich in jeder Ein­stel­lung. Er doku­men­tiert ihren Kampf um mensch­li­che Wür­de und Grund­rech­te in einem Staat, der für die Gewinn­ma­xi­mie­rung Weni­ger opti­miert wur­de und den Inter­es­sen der Mehr­heit mit Ruhig­stel­lungs­stra­te­gi­en begeg­net. Wer dabei nach unten durch­rutscht, darf sich als Paria betrach­ten. Loach macht Fil­me dar­über, wie ein­fach es sein kann, dort zu lan­den. Dar­über, das es sta­tis­ti­sch wahr­schein­li­cher ist, einen Herz­in­farkt zu bekom­men und den Arbeits­platz zu ver­lie­ren als Auf­stei­ger der Woche oder Lot­to­kö­nig zu wer­den. Als Bedürf­ti­ger gerät man aber an ein Sozi­al­sys­tem, das dem Namen nicht mehr gerecht wird. Und Ken Loach bleibt mit sei­nen gera­de mal 80 Jah­ren ein bewun­derns­wer­ter Regis­seur, der die Haupt­rol­le dem eher unbe­kann­ten Stand-up Come­di­an Dave Johns anver­trau­te. Sei­ne Dar­stel­lung der Titel­fi­gur berührt unge­mein und hat gleich­zei­tig einen Witz, der sei­ne Wider­bors­tig­keit unter­streicht, sich nicht unter­krie­gen zu las­sen.

Mein lang­jäh­ri­ger Ko-Autor Paul Laver­ty und ich hat­ten viel über die Stol­per­stei­ne der Sozi­al­hil­fe gehört. Also tour­ten wir durch Eng­land und tra­fen uns mit Leu­ten in Job­cen­tern und Aus­spei­sungs­stel­len. Ihre Geschich­ten haben uns scho­ckiert. Unzäh­li­ge sind unwür­di­gen Mecha­nis­men aus­ge­setzt, aber kaum einer spricht dar­über. …Die Jobcenter-Angestellten müs­sen ein gewis­ses Sank­ti­on­spen­sum erfül­len. Wenn sie das nicht schaf­fen, wer­den sie auf eine „Opti­mie­rungs­lis­te“ gesetzt und ste­hen unter Druck, ihre Straf­fre­quenz zu erhö­hen. Es ist eine Zer­mür­bungs­stra­te­gie. Wenn das Amt einen Sozi­al­hil­fe­an­wär­ter als arbeitstaug­li­ch ein­stuft, die­ser aber mit einem ärzt­li­chen Attest Ein­spruch erhebt, ist die Wahr­schein­lich­keit, dass er sich durch­set­zen kann, rela­tiv hoch. Also ver­sucht man, es gar nicht so weit kom­men zu las­sen.“ Ken Loach


OT: I, Dani­el Bla­ke

Frankreich/Großbritannien 2016, 100 Min., engl. OmU
Regie: Ken Loach
Dreh­buch: Paul Laver­ty
Kame­ra: Rob­bie Ryan
Schnitt: Jona­than Mor­ris
Dar­stel­ler: Hay­ley Squi­res, Colin Coombs, Micky McG­re­gor, Dave Johns, Bri­a­na Shann