Meine Frau weint

Meine Frau weint

Ein Film von Angela Schanelec. Ab 11.6.im fsk. Preview und Filmgespräch am 10.6.

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Vor einer wei­ßen Wand steht ein wei­ßer Stuhl, der Bauarbeiter Thomas (Vladimir Vulević) sitzt auf ihm, viel­leicht etwas ner­vös oder sogar beun­ru­higt, zumin­dest sei­ne Worte deu­ten dies an, Worte, die wie stets bei Angela Schanelec mehr erzäh­len als die meist sta­tisch agie­ren­den Personen, die fast ohne Mimik und Gestik agieren.

Thomas’ Frau Clara (Agathe Bonitzer) hat­te ihm auf dem Handy geschrie­ben, sie habe einen Unfall gehabt, genau­es weiß Thomas nicht, er war­tet auf genaue­re Informationen. Zwei Angestellte der Baufirma, für die Thomas arbei­tet, unter­hal­ten sich mit ihm, berich­ten von eige­nen Beziehungen, Kinderwünschen, Irritationen.

Später trifft Thomas Clara, sie weint, beginnt auf dem nach Hause Weg mit erreg­ter Stimme von einem Tanzkurs zu erzäh­len, den Thomas und sie gemein­sam besuch­ten, den wei­ter­füh­ren­den Kurs dage­gen mach­te Clara allein, traf dort einen Mann, mit dem sie tanz­te, viel­leicht auch mehr, David heißt der Mann, der nun bei dem Unfall ums Leben gekom­men ist, bei dem Clara ver­letzt wurde.

Ein plötz­lich Moment der Irritation in einer schein­bar sta­bi­len Beziehung, die Thomas aus der Bahn wirft, aber auch Clara zum Nachdenken über sich selbst, ihre Ziele und Träume bringt.

In ihrem letz­ten Film „Music“ vari­ier­te Angela Schanelec den anti­ken Ödipus-Mythos, insze­nier­te ihre typi­schen, oft an ein Tableau erin­nern­den Bilder in Griechenland, am Ende aber auch in Berlin, ihrem Wohnort. Auch „Meine Frau weint“ spielt in Berlin, auch wenn man das kaum erkennt: Auf einer Baustelle beginnt die Geschichte, an S‑Bahn-Höfen und in den aus­la­den­den Parks spie­len sich Szenen ab, ein­mal kann man die Tiergartenstraße erken­nen, an der Clara und einer Freundin ent­lang­ra­deln. Ein viel­leicht nicht zufäl­lig gewähl­ter Schauplatz, denn hier befin­den sich etli­che diplo­ma­ti­sche Vertretungen, die auf die Vielstimmigkeit einer Stadt ver­wei­sen, die immer inter­na­tio­na­ler wird. Diese Internationalität, die immer wie­der zu kul­tu­rel­len, per­sön­li­chen, aber auch emo­tio­na­len Missverständnissen führt, zeigt sich in „Meine Frau weint“ iro­ni­scher­wei­se jedoch nicht in der gespro­che­nen Sprache: Ausschließlich auf Deutsch unter­hal­ten sich die Figuren, man soll­te viel­leicht mehr vom Vortragen ihrer oft zu aus­la­den­den Monologen wer­den­den Texte spre­chen, die eher auf einer Theaterbühne zu ver­mu­ten sind und weni­ger im ech­ten Leben.

Unterschwellig zeigt sich die Internationalität der Figuren, die das moder­ne Berlin spie­geln, beson­ders aber den Kulturbetrieb, in dem sich auch Schanelec bewegt, durch die mar­kan­ten Akzente der Schauspieler: Allen vor­an der Serbe Vladimir Vulević und die Französin Agathe Bonitzer, dazu der Engländer Ben Carter und manch andere.

Auch wenn sie sich alle auf Deutsch unter­hal­ten, sich eigent­lich ver­ste­hen, ist das Miteinander von Irritationen geprägt, von Leerstellen, die sich wie­der­um auch in fil­mi­schen Ellipsen spie­geln. Oft reden die Figuren zwar Miteinander, aber auch ein wenig anein­an­der vor­bei, offen­ba­ren in ihren Worten ihr Innerstes, wir­ken dabei aber äußer­lich kühl und unnahbar.

Einmal mehr insze­niert Angela Schanelec die­sen Reigen wie eine fil­mi­sche Versuchsanordnung, ver­weist auf Kunst- und Filmgeschichte, lehnt sich bis­wei­len fast am absur­den Theater eines Samuel Becketts an und bleibt am Ende doch ganz bei sich. Ein eigen­tüm­li­cher, eigen­sin­ni­ger Film, der in jedem Moment die Handschrift sei­ner Regisseurin durch­schei­nen lässt.
Michael Meyns | programmkino.de

Credits:

DE/FR 2026, 96 Min., deut­sche OmeU
Regie & Schnitt:  Angela Schanelec
Kamera: Marius Panduru
mit: Vladimir Vulević, Agathe Bonitzer, Birte Schnöink, Pauline Rebmann, Ben Carter

Trailer:
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