Parasite

Ein Film von Bong Joon Ho.

[Credits] [Termine] [Trailer]

Familie Ki lebt in ärm­li­chen Verhältnissen ganz unten auf der sozia­len Leiter. Im wahrs­ten Sinne des Wortes: Der Putz ihrer Wohnung im Tiefparterre blät­tert ab, in den Ecken brei­tet sich Schimmel aus, der Müll staut sich. Die Eltern Ki-taek und Chung-sook sind arbeits­los, die fast erwach­se­nen Kinder, der Sohn Ki-woo und die Tochter Ki-jung unter­stüt­zen die Familie mit Gelegenheitsjobs.

Das Glück wen­det sich als ein Freund Ki-woo eine Tutorenstelle am ande­ren Ende der Stadt, am ande­ren Ende der sozia­len Leiter ver­mit­telt. Im mon­dä­nen, moder­nis­ti­schen Haus der Familie Park soll er der Tochter Englischstunden geben. Es ist der Beginn einer para­si­tä­ren Beziehung der bei­den Familien, denn bald arbei­ten alle Kis für die Parks: Die Tochter küm­mert sich um den Sohn, der Vater wird Chauffeur, die Mutter schließ­lich Haushälterin. Das Schicksal scheint es end­lich gut mit Familie Ki zu meinen.

Was bei ande­ren Regisseuren Stoff genug für einen Film wäre, erzählt Park Joon Ho in einem lan­gen ers­ten Akt. Wie Familie Ki sich nach und nach in das Leben der Familie Park ein­schleicht und uner­setz­bar wird, erin­nert an Filme wie Michael Hanekes „Funny Games“ oder Oskar Roehlers „Herrliche Zeiten“, doch bald dreht Bong die Schraube noch wei­ter. Wie in den meis­ten sei­ner Filme – zuletzt „Okja“ und „Snowpiercer“, vor Jahren „The Host“ und „Memories of Murder“ – lässt sich auch „Parasite“ nur schwer einem Genre zuord­nen. Unbekümmert bedient er sich hier und da, über­rascht immer wie­der mit völ­lig unvor­her­ge­se­he­nen Volten, doch am Ende sind Bongs Filme immer eins: Messerscharfe, genau beob­ach­te­te Satiren.

Wie schon in „Snowpiercer“, in dem in einem Zug auf ewi­ger, unge­brems­ter Fahrt durch eine apo­ka­lyp­ti­sche Schneelandschaft, die ein­zel­nen Waggons die gesell­schaft­li­chen Schichten mar­kier­ten, bedient sich auch „Parasite“ kla­rer geo­gra­phi­scher Metaphern. Ganz unten beginnt der Film, in der Wohnung der Kis, wäh­rend oben die Parks Leben. Wenn da ein Wolkenbruch die Stadt unter Wasser setzt, wird die­se Metapher noch deut­li­cher: Oben wer­den nur die Fenster nass, unten ver­sinkt das Tiefparterre der Kis im schmut­zi­gen Abflusswasser.

Doch bei aller offen­sicht­li­chen Gesellschaftskritik macht es sich Bong dabei nicht zu ein­fach. Den Kis sieht man als offen­sicht­li­che Verlierer des kapi­ta­lis­ti­schen Systems ohne­hin alles nach, doch auch die Parks sind kei­nes­wegs unsym­pa­thi­sche Neureiche, im Gegenteil. Abgesehen davon, dass sie sich über den stren­gen Kellergeruch von Ki-taek wun­dern, ist von ihnen kein böses oder hoch­nä­si­ges Wort über ihre Angestellten zu ver­neh­men. Der wah­re Schuldige an den gesell­schaft­li­chen Missständen sind hier nicht ein­zel­ne Personen, son­dern die Gesellschaft als Ganzes.

Dieser abs­trak­te Antagonist führt dazu, dass „Parasite“ im letz­ten Drittel fah­ri­ger wirkt als im bril­lan­ten Beginn, die Geschichte ein wenig holp­rig zu Ende gebracht wird. Doch auch hier lässt Bong kei­nen Zweifel dar­an auf­kom­men, welch her­aus­ra­gen­der Regisseur er ist, der auch einen Film, der fast aus­schließ­lich inner­halb eines Hauses spielt, zu einem visu­el­len Meisterstück machen kann. Dass er dafür als ers­ter Regisseur aus Südkorea mit der Goldenen Palme aus­ge­zeich­net wur­de, war dann selbst in einem außer­ge­wöhn­lich star­ken Wettbewerb kei­ne Überraschung.

Michael Meyns | programmkino,.de

Cannes 2019: Goldene Palme

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Credits:

Gisaengchung (기생충)
KR 2019, 131 Min., korea­ni­sche OmU

Regie: Bong Joon Ho
Buch: Bong Joon Ho & Han Jin Won
Kamera: Hong Kyung-pyo
Schnitt: Yang Jin-mo
mit: Song Kang Ho, Lee Sun Kyun, Cho Yeo Jeong, Choi Woo Shik, Park So Dam, Lee Jung Eun, Chang Hya Jin

Termine:

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Trailer:

 

 

Autor: fsk

  • Parasite

    Parasite

    Ein Film von Bong Joon Ho.

    [Credits] [Termine] [Trailer]

    Familie Ki lebt in ärm­li­chen Verhältnissen ganz unten auf der sozia­len Leiter. Im wahrs­ten Sinne des Wortes: Der Putz ihrer Wohnung im Tiefparterre blät­tert ab, in den Ecken brei­tet sich Schimmel aus, der Müll staut sich. Die Eltern Ki-taek und Chung-sook sind arbeits­los, die fast erwach­se­nen Kinder, der Sohn Ki-woo und die Tochter Ki-jung unter­stüt­zen die Familie mit Gelegenheitsjobs.

    Das Glück wen­det sich als ein Freund Ki-woo eine Tutorenstelle am ande­ren Ende der Stadt, am ande­ren Ende der sozia­len Leiter ver­mit­telt. Im mon­dä­nen, moder­nis­ti­schen Haus der Familie Park soll er der Tochter Englischstunden geben. Es ist der Beginn einer para­si­tä­ren Beziehung der bei­den Familien, denn bald arbei­ten alle Kis für die Parks: Die Tochter küm­mert sich um den Sohn, der Vater wird Chauffeur, die Mutter schließ­lich Haushälterin. Das Schicksal scheint es end­lich gut mit Familie Ki zu meinen.

    Was bei ande­ren Regisseuren Stoff genug für einen Film wäre, erzählt Park Joon Ho in einem lan­gen ers­ten Akt. Wie Familie Ki sich nach und nach in das Leben der Familie Park ein­schleicht und uner­setz­bar wird, erin­nert an Filme wie Michael Hanekes „Funny Games“ oder Oskar Roehlers „Herrliche Zeiten“, doch bald dreht Bong die Schraube noch wei­ter. Wie in den meis­ten sei­ner Filme – zuletzt „Okja“ und „Snowpiercer“, vor Jahren „The Host“ und „Memories of Murder“ – lässt sich auch „Parasite“ nur schwer einem Genre zuord­nen. Unbekümmert bedient er sich hier und da, über­rascht immer wie­der mit völ­lig unvor­her­ge­se­he­nen Volten, doch am Ende sind Bongs Filme immer eins: Messerscharfe, genau beob­ach­te­te Satiren.

    Wie schon in „Snowpiercer“, in dem in einem Zug auf ewi­ger, unge­brems­ter Fahrt durch eine apo­ka­lyp­ti­sche Schneelandschaft, die ein­zel­nen Waggons die gesell­schaft­li­chen Schichten mar­kier­ten, bedient sich auch „Parasite“ kla­rer geo­gra­phi­scher Metaphern. Ganz unten beginnt der Film, in der Wohnung der Kis, wäh­rend oben die Parks Leben. Wenn da ein Wolkenbruch die Stadt unter Wasser setzt, wird die­se Metapher noch deut­li­cher: Oben wer­den nur die Fenster nass, unten ver­sinkt das Tiefparterre der Kis im schmut­zi­gen Abflusswasser.

    Doch bei aller offen­sicht­li­chen Gesellschaftskritik macht es sich Bong dabei nicht zu ein­fach. Den Kis sieht man als offen­sicht­li­che Verlierer des kapi­ta­lis­ti­schen Systems ohne­hin alles nach, doch auch die Parks sind kei­nes­wegs unsym­pa­thi­sche Neureiche, im Gegenteil. Abgesehen davon, dass sie sich über den stren­gen Kellergeruch von Ki-taek wun­dern, ist von ihnen kein böses oder hoch­nä­si­ges Wort über ihre Angestellten zu ver­neh­men. Der wah­re Schuldige an den gesell­schaft­li­chen Missständen sind hier nicht ein­zel­ne Personen, son­dern die Gesellschaft als Ganzes.

    Dieser abs­trak­te Antagonist führt dazu, dass „Parasite“ im letz­ten Drittel fah­ri­ger wirkt als im bril­lan­ten Beginn, die Geschichte ein wenig holp­rig zu Ende gebracht wird. Doch auch hier lässt Bong kei­nen Zweifel dar­an auf­kom­men, welch her­aus­ra­gen­der Regisseur er ist, der auch einen Film, der fast aus­schließ­lich inner­halb eines Hauses spielt, zu einem visu­el­len Meisterstück machen kann. Dass er dafür als ers­ter Regisseur aus Südkorea mit der Goldenen Palme aus­ge­zeich­net wur­de, war dann selbst in einem außer­ge­wöhn­lich star­ken Wettbewerb kei­ne Überraschung.

    Michael Meyns | programmkino,.de

    Cannes 2019: Goldene Palme

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    Credits:

    Gisaengchung (기생충)
    KR 2019, 131 Min., korea­ni­sche OmU

    Regie: Bong Joon Ho
    Buch: Bong Joon Ho & Han Jin Won
    Kamera: Hong Kyung-pyo
    Schnitt: Yang Jin-mo
    mit: Song Kang Ho, Lee Sun Kyun, Cho Yeo Jeong, Choi Woo Shik, Park So Dam, Lee Jung Eun, Chang Hya Jin

    Termine:

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    Trailer:

     

     

  • Find me on the surface – Kurzfilmprogramm

    Find me on the surface – Kurzfilmprogramm

    LUNAR prä­sen­tiert:

    aus­ge­such­te Kurzfilme von Miriam Gossing und Lina Sieckmann im Dialog mit einer Videoarbeit und einer Lesung von Vika Kirchenbauer 

    Souvenir •  One Hour Real •  Desert Miracles • China Light  von Miriam Gossing & Lina Sieckmann

    Please Relax Now •  Feeling Difference von Vika Kirchenbauer

    26.10. 16–18 Uhr

     

     

  • Gott existiert, ihr Name ist Petrunya

    Gott existiert, ihr Name ist Petrunya

    Ein Film von Teona Strugar Mitevska.

    [Credits] [Trailer]

    »Sag ihnen, du bist 24!«, rät die Mutter, als ihre Tochter wie­der ein­mal zu einem Job-Interview auf­bricht, das sie gegen den Willen der 31-jäh­ri­gen Petrunya arran­giert hat. Die hat zwar einen Einser-Uni-Abschluss in Geschichte, doch wer braucht schon eine Historikerin in ihrem Heimatort Štip in Nordmazedonien, 100 Kilometer süd­öst­lich von Skopje? So sitzt die­se außer­ge­wöhn­li­che Frau vor dem poten­zi­el­len Arbeitgeber, einem Fabrikbesitzer, der von oben her­ab auf ihr geblüm­tes Kleid schaut und sie nicht ernst nimmt. Auf dem Heimweg nach die­ser demü­ti­gen­den wie erfolg­lo­sen Vorstellung springt Petrunya spon­tan von der Brücke ins kal­te Wasser. Es ist Dreikönigstag, und wie in jedem Jahr tau­chen die jun­gen Männer der Stadt nach einem klei­nen hei­li­gen Kreuz, das der Priester in den eisi­gen Fluss wirft. Es zu ergat­tern, soll Glück brin­gen. Diesmal aber ist kein Mann, son­dern Petrunya am schnells­ten und hält die Trophäe in die Fernsehkameras – ein Skandal! Zwar hat Petrunya mit der Kirche eigent­lich nichts an Hut, aber ihr Widerstandsgeist ist geweckt . Mit stoi­scher Miene ver­tei­digt sie ihr Kreuz, einen Tag und eine Nacht lang, beglei­tet von öffent­li­chem Furor und gegen die geball­te Männerwelt. Bei der Berlinale waren die Kirchen nicht so streng, der Film bekam den Preis der Ökomenischen Jury.

    »Es ist eine Groteske und doch bit­ter­ernst. Es ist eine Maximal-Bagatelle. Petrunya war nicht tauch­be­fugt, denn sie ist eine Frau. Man ahnt alles, was kommt, und dann kommt es genau so, bloß ganz anders. Mitsamt Polizeirevier und TV-Berichterstattung. Und das Unglaubliche geschieht: Teona Strugar Mitevska hält die­se Hochspannungsbalance. Der Überraschungsmoment liegt nie im Banal-Anderen, son­dern in den Graden der Intensität und Wahrhaftigkeit. Und in der Komik natür­lich.« Kerstin Decker | Tagesspiegel

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    Credits:

    Gospod postoi, ime­to i’ e Petrunija
    MK / BE / SI / HR / FR 2019,  100 Min., maze­do­ni­sche OmU

    Regie: Teona Strugar Mitevska
    Kamera: Virginie Saint Martin
    Schnitt: Marie-Hélène Dozo
    mit: Zorica Nusheva, Labina Mitevska, Simeon Moni Damevski, Suad Begovski, Violeta Shapkovska

    Termine:

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    Trailer:

    Gott exis­tiert, ihr Name ist Petrunya from JIP Film und Verleih on Vimeo.

  • Lara

    Lara

    Ein Film von Jan-Ole Gerster.

    [Credits] [Termine] [Trailer]

    Lara hat Geburtstag. Sie wird sech­zig Jahre alt. Abends gibt ihr Sohn Viktor ein Klavierkonzert. Ihr Kontakt ist mehr oder weni­ger abge­bro­chen. Der sen­si­ble Viktor ist der Dominanz sei­ner Mutter nicht gewach­sen. Ihr Mann, ihre ehe­ma­li­gen Kolleginnen ver­mei­den auch jeden Kontakt mit ihr. Irritiert und ver­wun­dert neh­men sie zur Kenntnis, dass Lara jetzt, an die­sem Tag, ver­sucht, sich zu nähern, indem sie allen, auch manch­mal frem­den Menschen Freikarten für das Konzert ihres Sohnes anbie­tet. Ihre plötz­li­che Öffnung erscheint wie ihr gesam­tes Verhalten zwang­haft und nebu­lös, führt aber auch zu komi­schen Momenten,.
    Der Film spielt wie schon „Oh Boy“ an einem ein­zi­gen Tag und wird in Episoden erzählt. Er erklärt nicht, woher Laras Härte kommt, er streut nur Andeutungen, um jede Didaktik zu vermeiden.
    Es ist ihm hoch anzu­rech­nen, dass er es schafft, einer­seits eine ver­bit­ter­ete, über­grif­fi­ge und unbarm­her­zi­ge Frau zu zei­gen, ande­rer­seits aber Mitgefühl für deren Verzweiflung zu ent­wi­ckeln und der Zuschauer sie am Ende des Tages nicht im Regen ste­hen lässt. Schön ist auch, dass die Frage, ob sie eine Zumutung für die Welt oder die Welt für sie eine Zumutung ist, unent­schie­den bleibt: Am Ende ist nie­mand befreit oder erlöst.

    … ein herbst­li­ches Flanieren, bei dem sich absur­de Komik und Traurigkeit, böser Witz und zar­te Melancholie mun­ter abwech­seln.“ Joachim Kurz | kino-zeit.de

    … bes­tens besetzt bis in die Nebenrollen, ent­steht ein packend inten­si­ves Drama, das ein Klassiker-Thema mit erstaun­li­cher Leichtigkeit samt gelun­ge­ner Wendungen prä­sen­tiert.“ Dieter Oßwald | programmkino.de

     

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    Credits:

    DE 2019, 100 Min., dt. Of mit engl. Ut.
    Regie: Jan-Ole Gerster
    Kamera: Frank Griebe
    Schnitt: Isabel Meier
    mit: Corinna Harfouch, Tom Schilling, André Jung, Volkmar Kleinert, Rainer Bock, Gudrun Ritter

    Termine:

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    Trailer:

    LARA Trailer Deutsch | Ab 9. April Digital erhält­lich & ab 23. April als DVD & Blu-ray
  • Shaun das Schaf – UFO-Alarm

    Shaun das Schaf – UFO-Alarm

    Ein Film von Richard Phelan, Will Becher.

    [Credits] [Termine] [Trailer]

    Als Lu-La, ein schel­mi­scher und ent­zü­cken­der Außerirdischer mit erstaun­li­chen Kräften, in der Nähe der Farm lan­det, sieht Shaun bald eine Gelegenheit für außer­ir­di­schen Spaß und Abenteuer. Können Shaun, Bitzer und die Herde Farmageddon auf Mossy Bottom Farm abwen­den, bevor es zu spät ist?

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    Credits:

    OT: A Shaun the Sheep Movie: Farmageddon
    GB 2019, 85 Min., 

    Regie: Richard Phelan, Will Becher
    Drehbuch: Jon Brown, Mark Burton

    Termine:

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    Trailer:

    SHAUN DAS SCHAF 2: Ufo-Alarm Teaser Trailer German Deutsch (2019)
  • Barstow, California

    Barstow, California

    Ein Film von Rainer Komers. Am 5.10. mit anschlie­ßen­dem Filmgespräch.

    [Credits] [Termine] [Trailer]

    Die Leinwand ist schwarz, das Geräusch einer schwe­ren Tür, die zufällt, ein Schlüssel dreht sich im Schloss.

    Der Film Barstow, California nimmt uns mit in die Welt des Lyrikers Stanley »Spoon« Jackson, der aus sei­ner Autobiographie »By Heart« vor­liest, ohne selbst jemals im Bild zu sein. Geschrieben hat er sie im Gefängnis, in dem er seit 1978 wegen Mordes inhaf­tiert ist.

    »Meine Haut fühlt sich warm und leben­dig an, die­sen September in San Quentin. Als wäre ich eine Eidechse, die sich auf einem gro­ßen Stein sonnt.«

    Zur Off-Stimme von Spoon Jackson bli­cken wir auf die Landschaftsbilder der son­nen­durch­tränk­ten kali­for­ni­schen Mojave-Wüste und der Kleinstadt Barstow, die an der Interstate 15 auf hal­ber Strecke zwi­schen Los Angeles und Las Vegas liegt. In den Minen rund um Barstow wird bis heu­te Gold abgebaut.

    Spoon Jackson ist einer von 15 Brüdern, zwei von ihnen füh­ren uns an die­sen ver­öde­ten Ort ihrer Kindheit. Sie erzäh­len von der Familiengeschichte, von Armut, Rassismus, aber auch vom Zusammenhalt zwi­schen den Nachbarn am Fluss. Wir hören von den plötz­li­chen Fluten des Mojave River und vom rhyth­mi­schen Rattern der Güterzüge, die sie nachts in den Schlaf san­gen. Noch immer ran­gie­ren sie dort, oder sie pas­sie­ren ohne Halt das gott­ver­las­se­ne Barstow. Und immer liegt die­ser Sound krei­schen­der Eisenbahnräder in der Luft, der das Gefühl der Einsamkeit bis hin­ter die Gitterstäbe des Solana Gefängnisses zu tra­gen scheint.

    Ohne einen ein­zi­gen Satz über Politik zu ver­lie­ren, ist die­se poe­tisch-bio­gra­phi­sche Ortserkundung hochpolitisch.

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    Credits:

    DE/US 2018, 76 Min., engl. OmU
    Regie & Kamera: Rainer Komers
    Editor: Gregor Bartsch

    Termine:

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    Trailer:

     

     

  • Die Kandidaten

    Die Kandidaten

    Ein Film von Michael Schwarz. Am 28. & 29.9.. Am Sonntag, 29.9. mit anschlie­ßen­dem Filmgespräch.

    [Credits] [Termine] [Trailer]

    Bundestagswahlkampf 2017: sechs Rheinland-pfäl­zi­sche JungpolitikerInnen der größ­ten Parteien buh­len um die Gunst des Wählers – weit weg von Berlin und ganz „nah bei de‘ Leut“. Es wird von Tür zu Tür gegan­gen, auf Festen mit­ge­trun­ken, viel dis­ku­tiert und Besserung ver­spro­chen. „PolitikerInnen bele­gen aktu­ell Rang 2 der unbe­lieb­tes­ten Berufe. Wie also ticken JungpolitikerInnen in unse­ren unru­hi­gen poli­ti­schen Zeiten, wie reagie­ren sie auf Europa-Krise, Trump und den auf­kom­men­den Rechtsruck in Deutschland?“ – sind die Ausgangsfragen der bei­den Regisseure Michael Schwarz und Alexander Griesser.

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    Credits:

    DE 2019, 82 Min.
    Regie, Buch, Ton: Michael Schwarz
    Kamera: Alexander Griesser
    Schnitt: Melanie Dietz

    Termine:

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    Trailer:

    DIE KANDIDATEN // Trailer from nacht­schwär­mer­film on Vimeo.

     

     

  • Heimat ist ein Raum aus Zeit

    Heimat ist ein Raum aus Zeit

    Ein Film von Thomas Heise.

    [Credits] [Termine] [Trailer]

    Viele Ichs kom­men in Thomas Heises essay­is­ti­schem Dokumentarfilm „Heimat ist ein Raum aus Zeit“ zu Wort und den­noch ist in kei­nem Moment jene Ich-Bezogenheit zu spü­ren, an der all­zu vie­le zeit­ge­nös­si­sche Dokumentationen (und Spielfilme) kran­ken. Denn der 1955 in Ost-Berlin gebo­re­ne Thomas Heise erzählt hier zwar durch und durch sub­jek­tiv, tut jedoch in kei­nem Moment so, als wäre die­se per­sön­li­che Perspektive ein Spiegel des gro­ßen Ganzen.

    Enorme Mengen an Material hat Heise zusam­men­ge­tra­gen, vor allem Briefe, die sich sei­ne Verwandten im Lauf der Zeit schrie­ben. Angefangen mit sei­nem Großvater Wilhelm, der durch die Erfahrungen des Ersten Weltkrieges zum Kommunisten wur­de und spä­ter eine Wiener Jüdin hei­ra­te­te, die im Holocaust einen Großteil ihrer Familie ver­lor. Sein Vater Wolfgang wie­der­um war in der DDR Professor für Philosophie, kor­re­spon­dier­te mit Christa Wolf und Heiner Müller, setz­te sich für Regimekritiker ein und wur­de dadurch selbst von Regime geta­delt. Seine Frau Rosemarie war Übersetzerin, Redakteurin, Verlegerin, schließ­lich Thomas selbst, der nach der Wende durch Filme wie „Stau – Jetzt geht’s los“ „Vaterland“ oder „Material“ zu einem nach­denk­li­chen Chronisten Deutschlands und sei­ner Geschichte wurde.

    Über drei­ein­halb Stunden liest Heise selbst mit sono­rer Stimme aus Briefen sei­ner Verwandten vor, oft unspek­ta­ku­lä­re Briefe, in denen sich die his­to­ri­schen Verwerfungen ihrer Zeit nur andeu­ten, mal weni­ger stark, mal deut­li­cher. Unterlegt sind die­se Bild nur sel­ten mit his­to­ri­schen Aufnahmen oder Fotos, statt­des­sen mit auf den ers­ten Blick banal wir­ken­den schwarz-weiß Aufnahmen von Alltäglichem: Wald und Felder sind da zu sehen, eine ver­las­se­ne Bank, Bahngleise ins Nirgendwo, Holzhaufen, meist Leere, kei­ne Menschen, nur Geschichte, nur Erinnerungen.

    Fast ein Hörspiel ist „Heimat ist ein Raum aus Zeit“ oft, doch gera­de dass die Bilder das Gehörte nicht bebil­dern, nicht das Gesagte dop­peln und über­deut­lich kom­men­tie­ren, öff­net Assoziationsräume, zwingt dazu, die eige­nen Gedanken flie­ßen zu las­sen, Bezüge her­zu­stel­len, den Lauf der deut­schen Geschichte in der glei­cher­ma­ßen unspek­ta­ku­lä­ren, aber doch bezeich­nen­den, per­sön­li­chen Geschichte der Familie Heise zu finden.

    In einer der beein­dru­ckends­ten, beklem­mends­ten Szenen des Films rollt 20 Minuten eine Liste mit Namen ab. 19. Oktober 1941 ist auf ihr ver­merkt und man muss nicht spe­zi­ell wis­sen, dass an die­sem Tag die Deportation der Wiener Juden begann, um ange­sichts die­ser schier end­los lan­gen Auflistung die unvor­stell­ba­ren Ausmaße der Vernichtung vor Augen zu haben.

    Was Heimat ist, was die­ser nach dem Dritten Reich dis­kre­di­tier­te Begriff heu­te bedeu­ten kann, ist eine Frage, die kei­ne leich­te Antwort kennt. Im Wissen um die Unmöglichkeit einer ein­deu­ti­gen Antwort geht Thomas Heise einen ande­ren Weg, reiht Gedanken, Ideen, Assoziationen anein­an­der, die – lässt man sich dar­auf ein – „Heimat ist ein Raum aus Zeit“ zu einem rei­chen und berei­chern­den Erlebnis machen.

    Michael Meyns | programmkino.de

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    Credits:

    DE/AU 2019, 218 Min., 
    Regie & Buch: Thomas Heise
    Kamera: Stefan Neuberger, Peter Badel, Börres Weiffenbach
    Schnitt: Chris Wright

    Termine:

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    Trailer:

  • Porträt einer jungen Frau in Flammen

    Porträt einer jungen Frau in Flammen

    Ein Film von Céline Sciamma.

    [Credits] [Termine] [Trailer]

    Nach ihren drei aktu­el­len Coming-of-Age-Filmen Water Lillies, Tomboy und Bande de fil­les wagt sich Celine Sciamma mit Porträt einer jun­gen Frau in Flammen an einen „wun­der­bar unkos­tü­miert wir­ken­den“ (Die Zeit) Kostümfilm – und gewinnt. Im Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes bekam sie nicht nur eupho­ri­sche Reaktionen von Presse und Publikum, son­dern auch den Preis für das bes­te Drehbuch, obwohl die Süddeutsche Zeitung schrieb: „ihr Film war so durch und durch unge­wöhn­lich und groß­ar­tig, dass er auch jeden ande­ren Preis ver­dient hätte.“

    Ende des 18. Jahrhunderts, auf einer abge­le­ge­nen Insel in der Bretagne: Die geschäfts­tüch­ti­ge Malerin Marianne (Noémie Merlant) soll ein Hochzeitsporträt der ade­li­gen Héloïse (Adenel Haenel) anfer­ti­gen. Das muss aller­dings heim­lich gesche­hen, denn Héloïse will gar nicht hei­ra­ten und wei­gert sich zu posie­ren. Also gibt sich Marianne als Gesellschafterin aus. Sie beob­ach­tet ihr Sujet bei lan­gen gemein­sa­men Spaziergängen und malt Héloïse spä­ter aus dem Gedächtnis. Dabei kom­men die bei­den Frauen ein­an­der näher. Als das Porträt fer­tig ist, gesteht Marianne den eigent­li­chen Inhalt ihres Auftrags. Héloïse aber ist mit dem Bild unzu­frie­den und for­dert die Künstlerin her­aus, es noch ein zwei­tes Mal zu versuchen.

    Die fran­zö­si­sche Regisseurin Céline Sciamma hat mit ihrem Film die gro­ßen Themen der Moderne – indi­vi­du­el­les Begehren, weib­li­che Emanzipation, bür­ger­li­che Gleichheit – im Rahmen einer berüh­ren­den Liebesgeschichte in Szene gesetzt. Ein per­fek­tes Drehbuch und bril­lan­te Hauptdarstellerinnen machen den Film selbst zu einem beweg­ten Gemälde, bei dem Form und Inhalt zusam­men­kom­men: Blicke prä­gen die Beziehungen, und Beziehungen prä­gen die Blicke.

    In der kur­zen Zeit, die Marianne und Héloïse gemein­sam haben, ver­wirk­li­chen sie eine Art Utopia, in dem Subjekt und Objekt ein­an­der als Gleiche begeg­nen und Klassenunterschiede vor­über­ge­hend auf­ge­ho­ben sind – auch das Dienstmädchen Sophie ist ein Teil die­ser neu­en Gesellschaft. Und auch wenn es für die Protagonistinnen in ihrer Zeit kein »Happy End« im kon­ven­tio­nel­len Sinn geben kann, so sind sie am Ende doch nicht an einer unmög­li­chen Liebe zer­bro­chen, son­dern um die Erfahrung einer mög­li­chen Liebe reicher.“
    Film des Monats Oktober der evang. Filmarbeit

     

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    Credits:

    Portrait de la jeu­ne fil­le en feu
    FR 2019, 113 Min., frz. OmU
    Regie & Buch: Céline Sciamma
    Kamera: Claire Mathon
    Schnitt: Julien Lacheray
    mit: Noémie Merlant, Adèle Haenel, Valeria Golino

    Termine:

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    Trailer:

    Trailer «Portrait de la jeu­ne fil­le en feu» von Céline Sciamma (OV mit deut­schen Untertiteln)
  • Born in Evin

    Born in Evin

    Ein Film von Maryam Zaree.

    [Credits] [Termine] [Trailer]

    MARYAM ZAREE ist bekannt als Schauspielerin in zahl­rei­chen Filmen und FSerien. Ihre ers­te Hauptrolle hat­te sie in Burhan Qurbanis Berlinale-Wettbewerbsbeitrag SHAHADA, im letz­ten „Petzold”-Polizeiruf TATORTE war sie an der Seite von Matthias Brandt eine der dienst­kür­zes­ten Ermittlerinnen des Formats, für ihre Rolle in 4 BLOCKS wur­de sie aus­ge­zeich­net, zur Zeit ist sie im Kino in SYSTEMSPRENGER zu sehen, dem­nächst in WEITERMACHEN SANSSOUCI.

    Viel Arbeit also, aber haupt­säch­lich beglei­te­te sie sich in den letz­ten vier Jahren als Regisseurin sel­ber bei ihrer per­sön­li­chen Spurensuche, die ihren Ausgang im berüch­tig­ten (und noch immer betrie­be­nen) Foltergefängnis „Evin“ in Teheran hat.

    Ihre Eltern waren waren wider­stän­dig gegen durch das die Revolution 1979 zur Macht gekom­me­nen repres­si­ven Khomeini-Regime. Sie wur­den des­halb sehr bald ver­haf­tet und getrennt in die­ses Gefängnis gebracht, wo Maryam kurz dar­auf zur Welt kam. Als sie zwei war, konn­te die Mutter flie­hen, das Ziel hieß Frankfurt.

    Mit 12 erfuhr sie zufäl­lig von ihrem Geburtsort. Ihre Mutter schwieg und schweigt über ihre Zeit dort. Jetzt, mit Mitte 30, ver­sucht Maryam, woan­ders mehr zu erfah­ren. Was ist damals pas­siert, wo war ihr Vater? Wie waren die Zustände, gibt es noch ande­re Kinder, die dort gebo­ren wur­den, und wie erging es ihnen? Welche kör­per­li­che und see­li­sche Folgen hat die Traumatisierung durch Gefängnis und Gewalt, für die Verfolgten wie für die Kinder? Und vor allem: wie wird das Erlebte an die nächs­te Generation wei­ter­ge­ge­ben? Diese Frage stellt sich nicht nur Nachkommen aus dem Iran, und trotz­dem: »der wich­tigs­te Beitrag über den Iran auf der dies­jäh­ri­gen Berlinale« Andreas Fanizadeh | taz

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    Credits:

    DE/AU 2019, 95 Min., Deutsch, Englisch, Französisch und Farsi OmU
    Regie, Buch: Maryam Zaree
    Kamera: Siri Klug
    Schnitt: Dieter Pichler

    Termine:

    • noch kei­ne oder kei­ne mehr 

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    Trailer: