Ein Leben

Ein Film von Sté­pha­ne Bri­zé. Ab 24.5. im fsk.

Der zeit­ge­nös­si­sche Arbeits­lo­se Thier­ry in Ste­phan Bri­zes kurz vor Ein Leben ent­stan­de­nem Film Der Wert des Men­schen (2015) und die jun­ge Adli­ge Jean­ne aus dem 19. Jahr­hun­dert in Ein Leben haben auf den ers­ten Blick nichts mit­ein­an­der gemein. Genau­er hin­ge­schaut ent­deckt man jedoch, dass sich bei­de z.B. lan­ge den von ihnen gefor­der­ten Anpas­sun­gen ver­wei­gern, da sie mit ihrer eige­ner Grund­hal­tung kol­li­die­ren, ohne offen­siv zu rebel­lie­ren. Jean­ne blickt auf die Welt auch noch dann ohne Hin­ter­ge­dan­ken, als sich ihre Umge­bung schon lan­ge und wie es üblich ist beim Älter­wer­den, von Ehr­lich­keit und Ver­trau­en ver­ab­schie­det hat. Das kann man dumm nen­nen, aber auch als beson­ders schön anse­hen.
Das Roman­de­büt von Guy de Mau­pas­sant von 1883 folgt der Geschich­te einer jun­gen Frau aus wohl­ha­ben­den Haus, die einen ver­arm­ten jun­gen Vicomte Hals über Kopf aus roman­ti­schen Gefüh­len her­aus hei­ra­tet, aber schon bald von ihm betro­gen und belo­gen wird. Der Film erzählt im Rhyth­mus der Jah­res­zei­ten und kon­zen­triert sich voll und ganz auf sei­ne Hel­din. Dabei redu­ziert er die Hand­lung zuguns­ten von Stim­mun­gen, Bli­cken, Ges­ten, Geräu­schen, Bil­dern und ver­zich­tet auf eine kon­ven­tio­nel­le Dra­ma­tur­gie, ohne das dra­ma­ti­sche Wesent­li­che aus den Augen zu ver­lie­ren: ein Frau­en­le­ben, hier im 19. Jahr­hun­dert, die Enge in jeder Bezie­hung, die Ent­täu­schun­gen, die tra­di­tio­nel­len gül­ti­gen Ver­hal­tens­mus­ter, die Aus­weg­lo­sig­keit.
„Ein Leben ist ein Kos­tüm­film, der das Gen­re sou­ve­rän unter­läuft und weiß, dass man einer lite­ra­ri­schen Vor­la­ge nur gerecht wird, wenn man sie unz­im­per­lich einer fil­mi­schen „Lesung“ unter­wirft. Was in die­sem Fall heißt: Alles, was der Roman an Dra­ma, auch an mör­de­ri­schem, kine­ma­to­gra­fisch saf­tig offe­riert, wird just nicht gezeigt.“
Matin Wal­der | film­bul­le­tin


 
Credits:
F/B 2016, 119 Min., franz. OmU
Regie: Sté­pha­ne Bri­zé, Kame­ra: Antoi­ne Héber­lé
Schnitt: Anne Klotz
mit:Judith Chem­la, Jean-Pierre Dar­rous­sin, Yolan­de Moreau, Swann Arlaud

 
Ter­mi­ne:
Do., 24. Mai.:Fr., 25. Mai.:Sa., 26. Mai.:So., 27. Mai.:Mo., 28. Mai.:Di., 29. Mai.:Mi., 30. Mai.: