Doch das Böse gibt es nicht

Ein Film von Mohammad Rasoulof.

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Heshmat ist ein vor­bild­li­cher Ehemann und Vater, jeden Morgen bricht er sehr früh zur Arbeit auf. Wohin fährt er? Pouya kann sich nicht vor­stel­len, einen ande­ren Menschen zu töten, trotz­dem bekommt er den Befehl. Kann es einen Ausweg für ihn geben? Javad besucht sei­ne Freundin Nana um ihr einen Heiratsantrag zu machen. Doch die­ser Tag hält für bei­de noch eine ande­re Überraschung bereit. Bahram ist Arzt, darf aber nicht prak­ti­zie­ren. Als ihn sei­ne Nichte Darya aus Deutschland besucht, beschließt er, ihr den Grund für sein Außenseiterdasein zu offen­ba­ren. Doch das Böse gibt es nicht erzählt vier Geschichten über Menschen, deren Leben vor exis­ten­zi­el­len Herausforderungen ste­hen. Sie wer­fen die Fragen auf, wie inte­ger ein Mensch in einem abso­lu­ten Regime blei­ben, wel­che mora­li­sche Schuld er ertra­gen kann, ohne zu zer­bre­chen, und zu wel­chem Preis es gelingt, die indi­vi­du­el­le Freiheit zu bewahren.
»Es geht somit nicht nur um Schuld und Moral oder Freiheit und Bedrohung, son­dern auch um den Kreislauf des Lebens, bei dem die ers­te Szene des Films mit der letz­ten zusam­men­hängt. Dass Rasoulof bei aller Kritik an der poli­ti­schen Führung sein Land liebt, wird am inter­es­sier­ten Miteinander der Menschen deut­lich, am leben­di­gen Trubel in Teheran, an der Schönheit der Landschaft, die der Regisseur immer wie­der in auf­re­gen­den Totalen ein­fängt. Auf die­se Weise ent­steht ein kraft­vol­les, fein­füh­lig insze­nier­tes und sub­til ver­knüpf­tes Meisterwerk …« Michael Ranze | Filmdienst

… das auf der 70. Berlinale mit dem Goldenen Bären aus­ge­zeich­net wur­de. Rasoulof konn­te die Auszeichnung nicht selbst ent­ge­gen­neh­men (sei­ne Tochter tat es für ihn), da er seit 2017 den Iran nicht ver­las­sen darf und zudem zu einer Gefängnisstrafe ver­ur­teilt wur­de, die er aber bis­her noch nicht antre­ten musste.

Goldender Bär – Berlinale 2020

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Credits:

OT: Sheytan vojud nadarad, IR/DE/SZ 2020,
139 Min., far­si OmU,
Regie & Buch: Mohammad Rasoulof
Kamera: Ashkan Ashkani
Schnitt: Mohammadreza Muini, Meysam Muini
mit: Ehsan Mirhosseini, Shaghayegh, Kaveh Ahangar, Alirezy Zareparast, Salar Khamseh

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Trailer:

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Autor: fsk

  • Doch das Böse gibt es nicht

    Doch das Böse gibt es nicht

    Ein Film von Mohammad Rasoulof.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Heshmat ist ein vor­bild­li­cher Ehemann und Vater, jeden Morgen bricht er sehr früh zur Arbeit auf. Wohin fährt er? Pouya kann sich nicht vor­stel­len, einen ande­ren Menschen zu töten, trotz­dem bekommt er den Befehl. Kann es einen Ausweg für ihn geben? Javad besucht sei­ne Freundin Nana um ihr einen Heiratsantrag zu machen. Doch die­ser Tag hält für bei­de noch eine ande­re Überraschung bereit. Bahram ist Arzt, darf aber nicht prak­ti­zie­ren. Als ihn sei­ne Nichte Darya aus Deutschland besucht, beschließt er, ihr den Grund für sein Außenseiterdasein zu offen­ba­ren. Doch das Böse gibt es nicht erzählt vier Geschichten über Menschen, deren Leben vor exis­ten­zi­el­len Herausforderungen ste­hen. Sie wer­fen die Fragen auf, wie inte­ger ein Mensch in einem abso­lu­ten Regime blei­ben, wel­che mora­li­sche Schuld er ertra­gen kann, ohne zu zer­bre­chen, und zu wel­chem Preis es gelingt, die indi­vi­du­el­le Freiheit zu bewahren.
    »Es geht somit nicht nur um Schuld und Moral oder Freiheit und Bedrohung, son­dern auch um den Kreislauf des Lebens, bei dem die ers­te Szene des Films mit der letz­ten zusam­men­hängt. Dass Rasoulof bei aller Kritik an der poli­ti­schen Führung sein Land liebt, wird am inter­es­sier­ten Miteinander der Menschen deut­lich, am leben­di­gen Trubel in Teheran, an der Schönheit der Landschaft, die der Regisseur immer wie­der in auf­re­gen­den Totalen ein­fängt. Auf die­se Weise ent­steht ein kraft­vol­les, fein­füh­lig insze­nier­tes und sub­til ver­knüpf­tes Meisterwerk …« Michael Ranze | Filmdienst

    … das auf der 70. Berlinale mit dem Goldenen Bären aus­ge­zeich­net wur­de. Rasoulof konn­te die Auszeichnung nicht selbst ent­ge­gen­neh­men (sei­ne Tochter tat es für ihn), da er seit 2017 den Iran nicht ver­las­sen darf und zudem zu einer Gefängnisstrafe ver­ur­teilt wur­de, die er aber bis­her noch nicht antre­ten musste.

    Goldender Bär – Berlinale 2020

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    Credits:

    OT: Sheytan vojud nadarad, IR/DE/SZ 2020,
    139 Min., far­si OmU,
    Regie & Buch: Mohammad Rasoulof
    Kamera: Ashkan Ashkani
    Schnitt: Mohammadreza Muini, Meysam Muini
    mit: Ehsan Mirhosseini, Shaghayegh, Kaveh Ahangar, Alirezy Zareparast, Salar Khamseh

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    Trailer:

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  • Schwesterlein

    Schwesterlein

    Ein Film von Stéphanie Chuat & Véronique Reymond.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Was haben Thurston Moore und Christian Petzold gemein­sam? Was hat Lars Eidinger in Deichkind Videos zu suchen? Zwei Fragen, die so unter­schied­lich sind wie Nina Hoss und Lars Eidinger als Zwillinge in Schwesterlein, dem Porträt einer tie­fen, inni­gen Beziehung unter extre­men Druck von außen. Denn Sven, Schauspieler an der Schaubühne (das bot sich wohl ganz selbst­ver­ständ­lich an) und Lisa, die frü­her fürs Theater schrieb und inzwi­schen ein ruhi­ges Familienleben in der Schweiz führt, wer­den durch Svens Krebserkrankung aus dem Alltag geris­sen. Weil ihr Bruder sein Leben gegen die Krankheit ver­tei­digt und des­halb auch wie­der auf der Bühne ste­hen will, reist sie zurück nach Berlin und trägt den unglei­chen Kampf mit. Der Dramatik des HAMLET, als der er wie­der besetzt wer­den möch­te, steht die Nüchternheit hin­ter der Bühne gegen­über. Sven wird ver­trös­tet, denn man will kei­nen Skandal auf der Bühne und die Geschwister rei­sen in die Schweiz um die Situation neu zu über­den­ken. Für Lisa wird der Versuch, ihrem Bruder zu hel­fen und ein Familienleben zu füh­ren, zum Parforceritt zwi­schen zwei Wirklichkeiten.
    Die Schweizer Regisseurinnen Stéphanie Chuat und Véronique Reymond haben ein ein­drucks­vol­les Kleinod geschaf­fen und für Nina Hoss eine Rolle geschrie­ben, die ihre Intelligenz, Stärke und Eigensinnigkeit auf eine ganz unprä­ten­tiö­se Art und Weise schei­nen lässt.
    Bruder und Schwester, Berlin und Schweiz, Leben und Theater, Gesundheit und Krankheit: Mit über­ra­gen­den Hauptdarsteller*innen ver­knüpft Schwesterlein die­se kom­ple­men­tä­ren Paare zu einer rei­fen, bewe­gen­den und viel­schich­ti­gen Filmerzählung. Im Mittelpunkt ste­hen der Sinn von Heilung und Opfer, die Lauterkeit einer erwach­se­nen Geschwisterbeziehung, von der sel­ten so erzählt wur­de wie in die­sem Film, und die künst­le­ri­sche Arbeit als Lebensanspruch. Ein Märchen mit zwei Erwachsenen als Hänsel und Gretel, dem Theater als Lebkuchenhaus und der Krankheit als böser Hexe. (Berlinale 2020, wo Schwesterlein im Wettbewerb lief)

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    Credits:

    CH 2020, 99 Min., dt.,frz,engl. OmU
    Regie, Buch: Stéphanie Chuat, Véronique Reymond
    Kamera: Filip Zumbrunn
    Schnitt: Myriam Rachmuth
    mit: Nina Hoss, Lars Eidinger, Marthe Keller, Jens Albinus, Thomas Ostermeier, Linne-Lu Lungershausen, Noah Tscharland, Isabelle Caillat, Moritz Gottwald, Urs Jucker

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    Trailer:

    Schwesterlein | Offizieller Trailer Deutsch HD | Jetzt im Kino!

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  • Regeln am Band, bei hoher Geschwindigkeit

    Regeln am Band, bei hoher Geschwindigkeit

    Ein Film von Yulia Lokshina.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Dass im Fleischkonzern und Schlachthof von Clemens Tönnies in Rheda-Wiedenbrück schreck­li­che Zustände herr­schen, war weit vor der Corona Pandemie bekannt. Regeln am Band, bei hoher Geschwindigkeit ent­stand schon Monate frü­her und nimmt die­se kon­kre­ten Arbeitsbedingungen zum Anlass, all­ge­mein und grund­le­gend über das Wirtschaftssystem nach­zu­den­ken. Der Film von Yulia Lokshina setzt wun­der­ba­re Assoziationsketten frei, indem er einer­seits die ost­eu­ro­päi­schen Leiharbeiter:innen, deren unsäg­li­che Ausbeutung und ihre empa­thi­schen Unterstützer:innen in den Mittelpunkt sei­ner Beobachtung stellt und ande­rer­seits eine Schulklasse aus München beglei­tet, die das Theaterstück „Die hei­li­ge Johanna der Schlachthöfe“ von Brecht ein­übt. Beide Milieus wer­den durch fort­wäh­ren­de Parallelmontage in Beziehung gesetzt, ergän­zen sich und schlie­ßen sich kei­nes­wegs aus: Hier das hart­nä­cki­ge Bemühen, die Situation der Arbeiter:innen zu ver­bes­sern und dort der Versuch, Brechts Intentionen auf die Bühne zu brin­gen. Dabei wagt der Film, indi­vi­du­el­les Schicksal und Systemanalyse in Verbindung zu brin­gen: Der Schlachthof und des­sen Arbeitsbedingungen fun­gie­ren als Metapher für Prozesse, die sich der Einflussnahme des Einzelnen ent­zie­hen, obwohl sie alle Bereiche des Lebens durch­drin­gen. Einiges wird über ein System sicht­bar, das auf Wachstum und Profitmaximierung beruht und so jeg­li­cher vor­stell­ba­rer Art von Ausbeutung Tür und Tor öff­net, sich immer­fort selbst sta­bi­li­siert und als alter­na­tiv­los gilt.
    Ein poli­ti­scher Film im bes­ten Sinn, der ganz wenig didak­tisch ist, aber umso mehr die Zuschauer:innen, wie auch die Beteiligten ernst­nimmt. Es ist auch ein Film, der Wut auf die Verhältnisse aus­löst, nicht durch Affekt hei­schen­de Zuspitzungen, son­dern durch eine zärt­li­che Subtilität. (M. Schmitz | indie­ki­no) Am

     

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    Credits:

    DE 2020, 92 Min., 
    Buch & Regie: Yulia Lokshina 
    Kamera: Zeno Legner, Lilli Pongratz
    Schnitt: Urte Alfs, Yulia Lokshina

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    Trailer:

     

  • Bohnenstange

    Bohnenstange

    Ein Film von Kantemir Balagov.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Leningrad 1945, nach dem Ende des Krieges, dem Sieg der Sowjetunion und der ver­such­ten Auslöschung sei­ner Bewohner durch die deut­sche Wehrmacht. Die Überlebenden der 872 Tage dau­ern­den Belagerung haben wei­ter mit dem Überleben zu kämp­fen. Die hoch­ge­wach­se­ne Iya, die alle nur Dylda, Bohnenstange, nen­nen, ist eine von ihnen. Sie wur­de aus dem Kriegsdienst ent­las­sen, da bei ihr als Folge der trau­ma­ti­schen Erfahrungen Schockstarren auf­tra­ten, jetzt pflegt die im Militärkrankenhaus hin­ge­bungs­voll Verletzte und Kranke. Ihre Freundin, die extro­ver­tier­te Mascha, war eben­falls Frontsoldatin. Als sie end­lich heim­kehrt, ist ein gro­ßes Unglück schon gesche­hen, und Mascha besteht auf Wiedergutmachung. Eine Forderung, der Iya nur unter gro­ßen Widerständen nach­kom­men könnte.

    Kantemir Balagow hat in Bohnenstange nichts dem Zufall über­las­sen, nicht die Tongestaltung, die auf eine her­kömm­li­che Filmmusik als Gefühlsträger ver­zich­tet, nicht die Farbdramaturgie. Bohnenstange ist über wei­te Teile ein Nachtfilm, wobei die Interieurs oft in war­me brau­ne Töne getaucht sind. Am Ende umar­men sich Mascha und Iya, das grü­ne Kleid und der rote Pullover leuch­ten aus der Dunkelheit. Niemand weiß, ob die Heilung der Seelen gelin­gen wird. Der Krieg ist vor­bei. Der Frieden muss gewon­nen wer­den. Es bleibt eine Zuversicht.“ Ralf Schenk | Filmdienst

    Meine Heldinnen sind wie die Stadt, in der sie leben, von einem schreck­li­chen Krieg ver­stüm­melt. Sie leben in einer Stadt, die eine der schlimms­ten Belagerungen in der Geschichte der Kriegsführung erlebt hat. Dies ist eine Geschichte über sie und über Menschen, denen sie in Leningrad begeg­nen, die Hindernisse, die sie über­win­den müs­sen, und die Art und Weise, wie sie von der Gesellschaft behan­delt wer­den. Sie sind durch den Krieg psy­chisch ver­krüp­pelt und es wird eini­ge Zeit dau­ern, bis sie ler­nen, ihr nor­ma­les Leben zu füh­ren.“ Kantemir Balagow

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    Credits:

    Дылда  Dylda
    RU 2019, 139 Min., russ. OmU
    Regie: Kantemir Balagov
    Kamera: Ksenia Sereda
    Schnitt: Igor Litoninskiy
    mit: Viktoria Miroshnichenko, Vasilisa Perelygina, Andrey Bykov, Igor Shirokov

    Termine:

    • noch keine 

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    Trailer:

     

  • Im Stillen laut

    Im Stillen laut

    Ein Film von Therese Koppe.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Damals wur­den die bei­den Frauen von der Stasi beäugt, jetzt lesen sie belus­tigt die Protokolle, die bezeu­gen, wie wenig die Protokollierenden davon ver­stan­den, was ihr Leben ausmachte.
    Im Stillen laut por­trä­tiert die Künstlerinnen Erika Stürmer-Alex und Christine Müller-Stosch, und blickt mit ihnen zurück in die DDR-Vergangenheit und auf das gegen­wär­ti­ge Leben und Arbeiten in Lietzen, wo sie einen Hof in Ateliers ver­wan­delt haben. Und ganz neben­bei erzählt der Film von der Liebe, denn die bei­den sind schon seit 40 Jahren ein Paar.
    „Mir war es wich­tig, einen Dokumentarfilm zu machen, der die Nuancen des Lebens in der DDR zeigt, und dadurch die Komplexität der Auseinandersetzung mit dem System ver­deut­licht. Nicht nur den lau­ten Protest, son­dern die Gestaltung eines Lebens in einem eige­nen, geschaf­fe­nen Raum wie dem Kunsthof Lietzen. Der Kunsthof kann dabei stell­ver­tre­tend für die vie­len künst­le­ri­schen Freiräume, die sich Leute in der DDR schu­fen, ste­hen.“ Therese Koppe

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    Credits:

    DE 2019, 74 Min., 
    Buch & Regie: Therese Koppe
    Kamera: Annegret Sachse
    Schnitt: Evelyn Rack

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    Trailer:

     

  • Becoming Black

    Becoming Black

    Ein Film von Ines Johnson-Spain.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    »In einem Land, in dem jede Abweichung von der Norm als exis­ten­zi­el­le Bedrohung ange­se­hen wur­de, muss die Geburt eines schwar­zen Kindes ein Politikum gewe­sen sein.« Ines Johnson-Spain

    Anfang der 60er Jahre in der DDR: Sigrid aus Leipzig ver­liebt sich in Lucien, einen Studenten aus Togo, und wird schwan­ger. Doch sie ist bereits mit Armin ver­hei­ra­tet, mit dem sie einen Sohn hat. Ihre dun­kel-häu­ti­ge Tochter lässt das Ehepaar in dem Glauben, dass ihre Hautfarbe Zufall sei und kei­ne Bedeutung habe, bis sie als Teenager durch einen Zufall die Wahrheit ent­deckt. Jahrzehnte spä­ter, lan­ge nach­dem sie die Familie ihres leib­li­chen Vaters in Togo ken­nen­ge­lernt hat, rekon­stru­iert sie als Protagonistin und Autorin ihre Familiengeschichte in einem Film. In emo­tio­na­len und offen geführ­ten Gesprächen mit ihrem Stiefvater Armin wird die Atmosphäre des Schweigens und der Verdrängung ein­drück­lich spür­bar. Langsam wird klar, wie das sozia­le Umfeld gestrickt sein muss, um eine der­ma­ßen gra­vie­ren­de Verleugnung von Fakten mög­lich zu machen.Auch hier ist das Private poli­tisch. In Auseinandersetzung mit der eige­nen Identität geht Ines Johnson-Spain dem alles über­schat­ten­den Tabu ihrer Kindheit auf die Spur und legt zeit­gleich exem­pla­risch den struk­tu­rel­len Rassismus in der DDR offen. In Verbindung mit dem berüh­ren­den Treffen mit ihrer spät gefun­den togo­le­si­schen Familie wird der Film zu einer Reflexion über Identität, Familienkonzepte und sozia­le Normen. Von den 1960er Jahren in Ost-Berlin bis in die Gegenwart ent­fal­tet sich in die­sem inti­men, berüh­ren­den Selbstporträt eine klu­ge und bis­her un-geschrie­be­ne deut­sche Historie.

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    Credits:

    DE 2019, 91 Min.,
    Buch & Regie: Ines Johnson-Spain
    Kamera: Sebastian Winkels, Anne Misselwitz
    Schnitt: Yana Höhnerbach

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    Trailer:

     

  • The Souvenir – Part I

    The Souvenir – Part I

    Ein Film von Joanna Hogg.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

     

    London in den frü­hen 1980ern: Maggie Thatchers Regierung beginnt mit wirt­schaft­li­cher Umstrukturierung, die Troubles errei­chen die Stadt mit Bomben und Punk ist noch kein Begriff. Julie lebt mit ihrer Mutter in einer kom­for­ta­blen Maisonettewohnung in Knightsbridge, will Film stu­die­ren und hofft, so ihrer pri­vi­le­gier­ten Upper-Class-Blase ent­wei­chen zu kön­nen. Ihrer zukünf­ti­gen Liebschaft Anthony begeg­net sie auf einer Party. Er ist anders als ihre Freund*innen, char­mant und etwas älter, und sein Auftreten schwankt zwi­schen Dandytum und Blasiertheit. Julie lässt sich fas­zi­nie­ren, aber nach und nach muss sie fest­stel­len, dass ihr Geliebter sie belügt und ein gefähr­li­ches Geheimnis hat.
    Die sanf­te jun­ge Frau, die zwi­schen Champagnerfrühstück und Rendevouz in lächer­lich-baro­cken hoch­prei­si­gen Cafes ihre künst­le­risch-poli­ti­schen Ambitionen und ihren Freundeskreis ver­liert, steht jedoch loy­al zu ihrem Geliebten, trotz leich­ten Widerstands auch von ihrer Mutter Rosalind, die von Tilda Swinton groß­ar­tig mit Faltenrock und Kopftuch inter­pre­tiert wird (und deren rea­le Tochter Honor Swinton Byrne ist).
    Joanna Hogg hat nach eige­nen Erinnerungen einen sehr per­sön­li­chen Film gedreht. Die Verletzlichkeit und Unsicherheit Julies oder die Arroganz und Unehrlichkeit Anthonys wer­den dabei nie aus­ge­beu­tet oder über­dra­ma­ti­siert. Die Frage, war­um sie ihn nicht ver­lässt, darf gestellt, kann und soll­te aber aus dem Film her­aus beant­wor­tet werden.
    Von der Berlinale, als »hoch­kon­zen­trier­te Betrachtung von Räumen, Landschaften, Abhängigkeitsverhältnissen und nicht zuletzt des Mediums Film« beschrie­ben, ist THE SOUVENIR aber auch, wie der Rezensent der NY Times sich begeis­ter­te, »einer der trau­rigs­ten Filme, die man sich vor­stel­len kann, und es ist eine abso­lu­te Freude, ihn anzu­schau­en.« In Sundance wur­de THE SOUVENIR mit dem Preis für den bes­ten Spielfilm ausgezeichnet.

     

    Was bedeu­tet es, in einer Welt der Mittel- und Oberschicht zur Arbeiterklasse zu gehören?

    In ihrem Buch The Melancholia of Class (Die Melancholie der Klasse) beschreibt Cynthia Cruz mit Klarheit, Präzision und Radikalität, was Klasse ist, war­um der Klassenbegriff im Neo-Liberalismus aus­ra­diert wur­de, und wel­che Auswirkungen die Anpassung an die obe­ren Schichten für Menschen aus den unte­ren Schichten bedeutet.

    Ausgehend von Freuds Konzept der Melancholie unter­sucht Cruz für sie wich­ti­ge künst­le­ri­sche Werke der Popkultur, Musik, Bücher, Filme, auf die Melancholie, die ent­steht, wenn die Herkunft aus der Arbeiterklasse für den Aufstieg ver­las­sen wird, nur um am Ende fest­zu­stel­len, dass man dabei sich selbst verliert.

    Einer der Filme, die im Buch eine gro­ße Rolle spie­len, ist THE SOUVENIR Part 1 von Joanna Hogg. Im Film hat eine Filmstudentin aus der Upperclass eine, ger­ne als „toxisch” beschrie­be­ne, Beziehung zu einen dan­dy­haf­ten, etwas undurch­sich­ti­gen Mann. Das halb­bio­gra­fi­sche Werk ist ganz aus Sicht der jun­gen Frau geschrie­ben. Cynthia Cruz‘ Perspektivwechsel, bei dem sie den Blick auf Anthony, den Liebhaber, rich­tet, bringt ganz ande­re Facetten der Rezeption ins Spiel als üblich.

    Cynthia Cruz wird am 7.12. um 19:30 Uhr aus ihrem Buch lesen (auf engl.), und wir zei­gen den Film THE SOUVENIR Part 1 in der OmU-Fassung.

    Credits:

    GB 2019, 115 Min., engl. OmU
    Regie, Buch: Joanna Hogg
    Kamera: David Raedeker
    Schnitt: Helle le Fevre
    mit: Honor Swinton Byrne, Tom Burke, Tilda Swinton

    Trailer:

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  • Corpus Christi

    Corpus Christi

    Ein Film von Jan Komasa.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    In der Logik des Christentums ist Gott nicht nur in der Kirche prä­sent, son­dern über­all. Auch in der Strafanstalt für jun­ge Männer, in der wir Daniel ken­nen­ler­nen – einen fra­gi­len Jungen mit kla­rem, unschul­di­gen Blick, der bei den Knast-Gottesdiensten auf­blüht und doch als Vorbestrafter kei­ne Chance hat, jemals Priester zu werden.

    Beim Arbeitseinsatz in einem Karpatendorf bie­tet sich plötz­lich unver­hofft die Gelegenheit: Der jun­ge Mann wird für einen Geistlichen gehal­ten und schlüpft zuneh­mend bereit­wil­lig in die ersehn­te Rolle. Und es geschieht das Erstaunliche: Die Menschen hören ihm zu, wenn er im Freestyle zu ihnen spricht. Zunehmend beginnt er, sich in die Geschicke des Dorfs ein­zu­mi­schen. Wie lan­ge kann die­ses ris­kan­te Spiel gut gehen?

    Komasa mischt Krimi mit Sozialstudie und Romanze mit Thriller. Dabei kann er sich vor allem auf sei­nen gran­dio­sen Hauptdarsteller Bartosz Bielenia ver­las­sen, der glaub­wür­dig den Spagat zwi­schen einem Straßenjungen mit Drogenerfahrung und einer bele­se­nen, wei­sen Respektperson schafft.

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    Credits:

    PL 2019, Regie: Jan Komasa, 115 min, OmU
    Buh: Mateusz Pacewicz, Kamera: Piotr Sobociński jr., Schnitt: Przemysław Chruścielewski,
    mit: Bartosz Bielenia, Aleksandra Konieczna, Eliza Rycembel, Tomasz Ziętek u.a.

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    Trailer:

    Corpus Christi | Offizieller deut­scher Trailer
  • 40 Jahre AG DOK: Wie Erich seine Arbeit verlor

    40 Jahre AG DOK: Wie Erich seine Arbeit verlor

    [Tickets & Termin]

    Der jun­ge west­deut­sche Kameramann Kai von Westerman gerät mit­ten in die Ereignisse. 1989 arbei­te­te er für einen Korrespondenten des fran­zö­si­schen Fernsehens in der DDR. Als die Menschen auf die Straße gin­gen, bekam er den Auftrag, den Franzosen in knap­pen Beiträgen die Ereignisse zu erklä­ren. So doku­men­tier­ten bei­de die Kraft und Dramatik der Friedlichen Revolution, aber das meis­te Material wur­de nicht gesen­det. Erst jetzt, 20 Jahre nach der Wende, hat von Westerman dar­aus einen Film gemacht, der die Ereignisse des Herbstes 1989 beschreibt. Der Dokumentarfilm gibt in sub­ti­ler Weise ein­ma­li­ge Geschehnisse des Jahres 1989 wie­der. Er zeich­net das Lebensgefühl von DDR-Bürgern nach, die für Freiheit und Demokratie auf die Straße gin­gen, ohne zu wis­sen, wie es aus­ge­hen wür­de. Es ist ein Film, der zum Nachdenken anregt und durch die bestechen­de Sicht auf die Ereignisse des Herbstes ’89 ein wert­vol­les Zeitdokument darstellt.
    Regie: Kai von Westerman, D 19891999, 90 Min. Zu Gast: Kai von Westerman

    Zusammen mit:
    Z mojego okna (From My Window)
    Regie: Józef Robakowski, Polen 2000, 20 Min.
    Der pol­ni­sche Filmemacher und Videokünstler Józef Robakowski film­te über 22 Jahre den sich ver­än­dern­den Blick aus dem Fenster sei­ner Wohnung in einem sozia­lis­ti­schen Wohnblock in Łódź. Er beob­ach­tet den Übergang Polens vom Sozialismus der Nachkriegszeit in die Zeit der Solidarność in den spä­ten 1980er Jahren und des­sen Übergang in die Dritte Republik, den Einstieg Polens in die Marktwirtschaft.

    Wie Erich sei­ne Arbeit ver­lor – Trailer from Westermans Filme on Vimeo.

     

  • Sag‘ du es mir

    Sag‘ du es mir

    Ein Film von Michael Fetter Nathansky.

    [Credits]  [Trailer]

    Mich über­rascht nichts. Wenn was Schlechtes pas­siert, dann hab‘ ich in der Regel damit gerech­net, und wenn was Gutes pas­siert, dann pas­sierts nicht.“ Silkes Sicht auf die Welt ist„ nach­dem ihr Freund sie ent­täusch­te und ein Fremder sie in die Havel warf„ recht illusionslos.
    Silke, das Opfer, ihre gro­ße Schwester Moni, und René, der Täter – das sind die Protagonist*innen in Michael Fetter Nathanskys Debutfilm. Die mit lako­ni­schem Witz und sen­si­bler Figurenzeichnung erfri­schend ande­re Erzählung einer Tat und ihrer selt­sa­men Folgen ist ange­legt wie ein raf­fi­nier­tes Vexierspiel, bei dem die unter­schied­li­che Sicht der Beteiligten immer neue, über­ra­schen­de Einsichten gewährt.
    Nachdem Silke ohne erkenn­ba­ren Anlass vom ihr unbe­kann­ten René übers Brückengeländer ins Wasser gesto­ßen wird, taucht Moni, mit der sie lan­ge kei­nen Kontakt hat­te, unge­fragt in ihrer Potsdamer Wohnung auf. Sie will Silke unbe­dingt zur Seite ste­hen, aber die will kei­ne Hilfe. Was pas­siert ist, ist vor­bei, auch die poli­zei­li­chen Ermittlungen wer­den rasch ein­ge­stellt. Moni aber gibt nicht auf. Sie will der Sache auf den Grund gehen, den Übeltäter fin­den und zur Rede stel­len. Den hat sei­ne schein­bar grund­lo­se und irra­tio­na­le Tat völ­lig ver­wirrt, ver­lief sein Leben bis­her doch eigent­lich in ordent­li­chen Bahnen.

    »Michael Fetter Nathanskys for­mal erfin­dungs­rei­che Umsetzung sei­nes prä­zi­se struk­tu­rier­ten Drehbuchs, Leander Otts atmo­sphä­ri­sche Kamera und die gro­ße schau­spie­le­ri­sche Leistung von Marc Ben Puch und ganz beson­ders von Gisa Flake und Christina Große als star­kes Schwesternpaar ver­bin­den sich zu einer Reflexion über die trü­ge­ri­sche Eindeutigkeit von Realität und die mani­fes­te Magie des Kinos.« aus der Jurybegründung (Gewinner des Filmkunstpreises) beim 15. Festival des Deutschen Films Ludwigshafen (2019).

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    Credits:

    DE 2019, 104 Min., dt. OmeU
    Regie & Buch: Michael Fetter Nathansky 
    Kamera: Leander Ott 
    Schnitt: Camila Mercadal
    mit: Christina Große, Marc Ben Puch, Gisa Flake K Leander Ott

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    Trailer:

    Sag du es mir (Trailer ) | missingFILMs