Carré 35

Ein Film von Eric Caravaca.

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Der Schauspieler Eric Caravaca (Philipp Garrels Lover for a Day) spürt dem Schicksal sei­ner ihm unbe­kann­ten, früh ver­stor­be­nen Schwester nach. Dabei trifft er auf selt­sa­me Ungereimtheiten. In den Erzählungen sei­ner Familie kommt sie nicht oder nur wenig vor, selbst alle Bilder von ihr wur­den ver­nich­tet und Erinnerungen schei­nen wie aus­ge­löscht. Im Mittelpunkt steht die Mutter, die nur wider­wil­lig ihre Version der Ereignisse zum Tod sei­ner Schwester preis­gibt. Schnell wird klar, dass sich Erinnerung und Realität nicht decken. Bei sei­nen beharr­li­chen Nachforschungen ent­deckt und öff­net er ver­bor­ge­ne Türen, Gespenster der Vergangenheit, die auch ihn in sei­nem bis­he­ri­gen Leben unbe­wusst beglei­te­ten. Nicht nur an die­ser Stelle stellt der Film ein wun­der­ba­res Lehrstück über die Tradierung von Schuld und Scham dar.
Bei der Suche nach den wah­ren Vorkommnissen wird, aus­ge­hend von der Familiengeschichte und ihren kom­ple­xen Lebensumständen jener Zeit, zugleich die fran­zö­si­sche Kolonialgeschichte des 20. Jahrhunderts beleuch­tet. Dabei kris­tal­li­siert sich eine Spiegelung inner­halb der fami­liä­ren Geschehnisse und der poli­ti­schen Zustände her­aus. Weder sei­ne Mutter, die Sicherheit und Schutz in der für Außenstehende kaum zu glau­ben­den Verweigerung fin­det, ihre Vergangenheit zu betrach­ten, noch scheint Frankreich in der Lage zu sein, sich der Schuld sei­ner kolo­nia­len Zeit zu stel­len. – Im Grunde erzählt Eric Caravaca eine Geschichte über die extre­me Verdrängung von Vergangenheit, die dem Protagonisten ein­zig durch das Durchstoßen eine mini­ma­le Chance eröff­net, sich und sei­ne Biographie anzu­neh­men. Wenn es zum Schluss Anzeichen gibt, dass die Mutter, schein­bar ange­regt durch die Mitwirkung im Film, ihre Vergangenheit annimmt, ist auch das nur ein fra­gi­les Ereignis, denn sie, so der Filmemacher nach der Vorführung auf dem Filmfestival in München, ver­wei­ge­re stand­haft, sich den Film anzuschauen.
(Michael Schmitz | indiekino.de)

 

Credits:

DE/FR 2017, 67 Min. frz. OmU,
Regie: Eric Caravaca
Kamera: Jerzy Palacz
Schnitt: Simon Jacquet

Termine:

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Trailer:


Im Kino mit deut­schen Untertiteln