Frankreich Anfang der 1980er Jahre: auch auf dem Acker herrscht reges Treiben, auch hier ist DIY angekommen. In einer verschlafenen Kleinstadt betreibt die Clique um den charismatischen Jerôme und seinen introvertierten Bruder Philippe auf einem Dachboden einen Piratensender. Als Marianne mit ihrer kleinen Tochter aus Paris in den Ort zurückzieht, ist es um die Brüder geschehen und beide verlieben sich Hals über Kopf in sie. Jerôme kann Marianne schnell für sich gewinnen, während Philippe sich weiter um die Technik kümmern darf. Dank seiner Gradlinigkeit wird er beim Versuch, dem Wehrdienst zu entgehen, eingezogen und muß seine vertraute Umgebung und Marianne gegen West Berlin eintauschen, dass erstaunlich hell ist. Dort verändert die Begegnung mit dem schillernden Radiomoderator Dany sein Leben, sich werden Freunde und er entdeckt nach einer Begegnung mit John Peel (ja, hier wird sich extra weit aus dem Fenster gelehnt) seine eigene Kreativität als DJ und Soundwimmeler. Doch zurück aus der Mauerstadt hat sich alles verändert.
Vincent Maël Cardona gelingt es mit durch die Bank sehr überzeugenden Schauspielern, allen voran mit Thimotée Robart und Joseph Olivennes als ungleichen Brüdern, die Atmosphäre der 1980er Jahre im Look, im Sound und in den Details perfekt widerzuspiegeln. Darüber hinaus erzählt er eine universelle Geschichte vom Erwachsenwerden, ausgelöst durch den unwiderstehlichen Sog der Liebe. In einer grandiosen Szene wirbelt Philippe in einem Berliner Radiostudio wie ein Derwisch durch die Räume, als er in einer Live-Performance eine aberwitzige Klangcollage aus schwingenden Mikrofonen, gescratchten Schallplatten und virtuos eingefügten Kassettentape-Ausschnitten zusammenzaubert – eine einzigartige Liebeserklärung an Marianne und gleichzeitig ein wilder Rausch der Selbstoffenbahrung. (Christoph Becker, Artechock)
Die Magnetischen
Credits:
Les Magnétiques FR / DE 2021, 98 Min., frz. OmU Regie: Vincent Maël Cardona Kamera: Brice Pancot Schnitt: Flora Volpelière mit: Thimotée Robert, Marie Colomb, Joseph Olivennes, Meinhard Neumann
Frankreich Anfang der 1980er Jahre: auch auf dem Acker herrscht reges Treiben, auch hier ist DIY angekommen. In einer verschlafenen Kleinstadt betreibt die Clique um den charismatischen Jerôme und seinen introvertierten Bruder Philippe auf einem Dachboden einen Piratensender. Als Marianne mit ihrer kleinen Tochter aus Paris in den Ort zurückzieht, ist es um die Brüder geschehen und beide verlieben sich Hals über Kopf in sie. Jerôme kann Marianne schnell für sich gewinnen, während Philippe sich weiter um die Technik kümmern darf. Dank seiner Gradlinigkeit wird er beim Versuch, dem Wehrdienst zu entgehen, eingezogen und muß seine vertraute Umgebung und Marianne gegen West Berlin eintauschen, dass erstaunlich hell ist. Dort verändert die Begegnung mit dem schillernden Radiomoderator Dany sein Leben, sich werden Freunde und er entdeckt nach einer Begegnung mit John Peel (ja, hier wird sich extra weit aus dem Fenster gelehnt) seine eigene Kreativität als DJ und Soundwimmeler. Doch zurück aus der Mauerstadt hat sich alles verändert.
Vincent Maël Cardona gelingt es mit durch die Bank sehr überzeugenden Schauspielern, allen voran mit Thimotée Robart und Joseph Olivennes als ungleichen Brüdern, die Atmosphäre der 1980er Jahre im Look, im Sound und in den Details perfekt widerzuspiegeln. Darüber hinaus erzählt er eine universelle Geschichte vom Erwachsenwerden, ausgelöst durch den unwiderstehlichen Sog der Liebe. In einer grandiosen Szene wirbelt Philippe in einem Berliner Radiostudio wie ein Derwisch durch die Räume, als er in einer Live-Performance eine aberwitzige Klangcollage aus schwingenden Mikrofonen, gescratchten Schallplatten und virtuos eingefügten Kassettentape-Ausschnitten zusammenzaubert – eine einzigartige Liebeserklärung an Marianne und gleichzeitig ein wilder Rausch der Selbstoffenbahrung. (Christoph Becker, Artechock)
Die Magnetischen
Credits:
Les Magnétiques FR / DE 2021, 98 Min., frz. OmU Regie: Vincent Maël Cardona Kamera: Brice Pancot Schnitt: Flora Volpelière mit: Thimotée Robert, Marie Colomb, Joseph Olivennes, Meinhard Neumann
Die japanische Starmoderatorin Yoko moderiert ein in ihrer Heimat beliebtes Reisemagazin. In der neusten Folge sollen die ursprünglichen und exotischen Seiten Usbekistan entdeckt werden. Aber nichts läuft wirklich wie geplant. Das Filmteam reist durchs Land, filmt im wunderbaren Samarkand und an anderen beliebten Spots, besucht einen Markt, versucht das lokale Essen und fühlt sich trotzdem nie so richtig wohl. Bei einem ihrer Streifzügen entdeckt Yoko eine Ziege, die in einer für sie viel zu kleinem Stallung steht. Um etwas Action ins Format zu bringe, soll die Ziege befreit werden – kein guter Plan, wie sich zeigt. Aber mit der Zeit, und nach weiteren Unternehmungen auf dem unbekanntem Terrain kommt Yoko langsam auch zu sich, so dass kurz vor Ende der Japanische Originaltitel Sinn macht: Das Ende einer Reise, der Beginn einer Welt. Kiyoshi Kurosawa gehört zu den wichtigsten Filmschaffenden Asiens. Diesmal verlässt er seine mitunter harte Vision der modernen Welt, um uns eine friedlichere und optimistischere Reise anzubieten. „Hinter dem gewaltigen Titel To the Ends Of the Earth verbirgt sich ein kleiner großer Film von überraschender Romantik. Doch die wenigen Klänge, die er anschlägt, hallen weit über die zwei Stunden Laufzeit hinaus. Es ist ein Reisefilm über ein Fernsehteam, das eine Reisereportage dreht. So sehen wir wenig von Japan, aber viel von Usbekistan. Sehen aber heißt noch lange nicht verstehen. Denn wie Sofia Coppola in ihrer Japan-Komödie Lost in Translation porträtiert Kurosawa zugleich die Reisenden in ihrer Unfähigkeit, sich auf das Fremde einzulassen. Aber auf seine behutsame Art zeichnet er dabei ein größeres Bild als Coppola. Die Pest, die er fast unmerklich seziert, ist das pseudo-dokumentarische Reportagefernsehen an der Schwelle zur Dokusoap. Jene Art von Journalismus, die in die Welt hinauszieht, um Klischees bestätigt zu finden und dazu ein paar Kuriositäten einzusammeln.“ Daniel Kothenschulte | FR
Credits:
Tabi no Owari Sekai no Hajimari (旅のおわり世界のはじまり) UZ 2019, 120 Min. japanisch, usbekische OmU Regie: Kiyoshi Kurosawa Kamera: Akiko Ashizawa Schnitt: Koichi Takahashi mit: Atsuko Maeda, Shota Sometani, Tokio Emoto, Adiz Rajabov, Ryo Kase
Seit 80 Jahren baut die Familie Solé in Alcarràs Pfirsiche an. In diesem Sommer versammelt sie sich zum letzten Mal zur gemeinsamen Ernte. Das Land hatte ihnen einst der Großgrundbesitzer Pinyol überlassen, als Dank für seine Rettung im Spanischen Bürgerkrieg. Doch der junge Pinyol will vom Handschlag seines Großvaters nichts mehr wissen. Er will das Land zurück, um eine Photovoltaik-Anlage darauf zu errichten. Vielstimmig und mit überbordender Energie erzählt Alcarràs von der letzten Ernte der Solés – so handfest, dass man sich bald selbst inmitten der Familie wähnt. Der Großvater Rogelio gibt die Hoffnung nicht auf, den jungen Pinyol zum Einlenken zu bewegen. Vater Quimet stürzt sich in die Erntearbeit, als gäbe es kein Morgen. Dolores hält Haus und Familie mit Optimismus und Geduld zusammen, doch auch sie muss langsam ihre Grenzen erkennen. Die fast erwachsenen Kinder Roger und Mariona, Quimets Schwestern Glòria und Nati und Schwager Cisco – alle helfen mit, während die kleineren ihren eigenen Sommer erleben und ständig neues entdecken. Doch inmitten der Erntearbeit, nur zwischen Sonnenunter- und Sonnenaufgang unterbrochen, mehren sich die Stimmen, die Angebote Pinyols, für ihn zu arbeiten, zu überdenken. Die Selbstständigkeit würde aufgegeben, aber die Arbeit geregelter. Quimet, quasi das Familienoberhaupt, will davon nichts wissen. „Alcarràs ist ein kleines Dorf im tiefsten Katalonien, wo meine Familie Pfirsiche anbaut. Als mein Großvater vor einigen Jahren starb, übernahmen meine Onkel und Tanten das Land. Die Abwesenheit meines Großvaters brachte mich dazu, die Familientradition und ihre Verbundenheit mit dem Land, die Bäume, die sie anbauten, auf eine neue Art wert zu schätzen. Ich spürte, dass das alles eines Tages verschwinden könnte. So entstand die Idee zu Alcarràs. Wir haben mit großartigen nicht-professionellen Schauspielerinnen und Schauspielern aus der Gegend von Alcarràs gearbeitet, die eine wirkliche Verbindung zum Land und zum Boden haben und die den besonderen Dialekt dieser katalanischen Region sprechen.“ Carla Simón
Goldener Bär – Berlinale 2022
Credits:
ES/IT 2022, 120 Min., katalanische Originalfassung mit deutschen und englischen Untertitlen Regie: Carla Simón Buch: Arnau Vilaró, Carla Simón Kamera: Daniela Cajías Schnitt: Ana Pfaff mit Jordi Pujol Dolcet, Anna Otin, Xènia Roset, Albert Bosch, Ainet Jounou, Josep Abad, Montse Oró, Carles Cabós, Berta Pipó
Trailer:
OmU-Trailer ALCARRÀS – DIELETZTEERNTE – ab 11. August im Kino
Es ist nur wenig her, dass Julies undurchschaubarer, dandyhafter Geliebter Anthony sich mit einer Überdosis Heroin das Leben nahm, und der Schock sitzt noch tief. Nachdem sie lange Zeit in ihrem Filmstudium nicht sehr engagiert war, überlegt sie nun, ihre Beziehung zum Thema ihrer Abschlussarbeit zu machen. Es wird ein schmerzhafter Prozess. Der Dreh und die Zusammenarbeit mit den Kommiliton*innen laufen suboptimal. Fragen und Kritik kommen nicht nur von der Crew, Julie selbst muss sich ihrer Rolle stellen, sowohl innerhalb der Geschichte als auch als Regisseurin. „Souvenir I“ handelt vom Auf und Ab einer toxischen Beziehung, Teil II ist aber weit mehr als die Fortsetzung. Wie fragmentierte Erinnerungstücke an die Zeit nach Anthonys Tod setzt sich der Film zusammen, Trauerarbeit und künstlerische Entwicklung gehen Hand in Hand. Julie wird sich selbst bewusster, und der Veränderungen, die sie in ihrem Leben vornehmen muss. Wie weit das autobiografisch ist, sei dahingestellt, aber um Authentizität geht es Joanna Hogg ohnehin nicht, sondern um die künstlerische Darstellung der eigenen Sicht. „THESOUVENIR … ist wohl auch deshalb so großartig, weil eine Filmemacherin hier nichts mehr verarbeitet, sondern die Erinnerung an Erleben und Verarbeitung selbst in einen Film verarbeitet. Und dabei ganz beiläufig nachzeichnet, wie sie selbst zu der Filmemacherin geworden ist, die diesen Film machen konnte und wollte. Ein Film à la Annie Ernaux: die eigene Geschichte nicht einfach gestehen, sondern zum Anlass nehmen, sich die Welt anzusehen.“ Till Kadritzke | critic.de
Credits:
GB 2021, 107 Min., engl. OmU Regie: Joanna Hogg Kamera: David Raedeker Schnitt: Helle le Fevre Mit Honor Swinton Byrne, Tilda Swinton, James Spencer Ashworth, Alice McMillan, Oli Bauer, Ariane Labed, Richard Ayoade
„Rund um den Geburtstag von Großmutter Nena und Paco, den Pfau erzählt Laura Bispuri eine wunderbar leichthändige Familiendramödie, die mit Erwartungen spielt und diese dann charmant einlöst. Bei Regisseurin Laura Bispuri ist es nicht der Elefant, der im Raum steht und den doch keiner sehen möchte, sondern ein Pfau, der stolz balzend ein Rad schlägt. Er ist das Bild im Bild, das offene Geheimnis, eigentlich aber das etwas andere Haustier von Enkelin Alma. Der Vogel stolziert durch die Räume, während die Gäste auf dem Geburtstag von Großmutter Nena eintrudeln, sich situieren, erste Gespräche beginnen und das Essen vorbereitet wird. Schwiegertochter Adelina versucht, mit ihrem Geschenk, einem selbst gestrickten Pullover, zu glänzen. Sohn Vito pumpt Schwester Caterina um Geld für seine anstehende Hochzeit an, während diese zu verheimlichen sucht, dass sie sich von ihrem Mann Manfredi getrennt hat. Der insistiert trotzdem, beim Essen dabei zu sein, während seine neue Freundin Joana unten im Auto wartet. Alles könnte in Banalitäten oder Klamauk enden, hätte Bispuri nicht ein grandioses Gespür für Besetzung, Timing und Stil. Und es gibt Paco, den schönen Pfau, der sich inmitten des familiären Durcheinanders in eine Taube auf einem von Nenas Gemälde verliebt.“ Susanne Kim | Indiekino
Diese bewegte, manchmal chaotische Familienaufstellung ist ein Ensemblestück mit 11 Personen und einem Pfau, als wunderbares Durcheinander choreografiert. Die einem möchte sich unbedingt mitteilen, andere lügen oder schweigen, und andere weichen lieber aus. Der arme Pfau jedoch kann garnichts dafür, dass er im Mittelpunkt steht und schließlich als Katalysator für unerwartete Klarstellungen dient. Obwohl, ein wenig dumm verhält er sich schon.
Woody Allen begleitet mich seit eigentlich schon immer. Jedenfalls seit den 70er Jahren, Spielfilme gegen Fernsehserien, zu der Zeit Take the money and run gegen Derrick. Ein Fernseher für zwei Fraktionen, im Einfamilienhaus. Freitagabend bevor Freitag/Samstagabend zu Disco wurden. Das SS Mitglied Herbert Reinecker gegen Allen David Koenigsberg, Paranoia in der Straßenbahn gegen die erste Szene von Annie Hall. Jahrzehnte später macht Woody Allen mit 84 nach Stardust Memories einen weiteren Film im Film, entspannt in San Sebastian, während des Festivals. Wallace Shawn, der mit My dinner with Andrew und Vanya on 42 street von Louis Malle auch im Film dem Theater treu blieb, für das er hauptsächlich arbeitet (auch als Autor), spielt hier die typischste aller Woody Allen Verkörperungen. Intellektuell, banal, verkorkst, hellsichtig, verwickelt, allein im Kosmos für solche wie ihn und deshalb immer in Gesellschaft.
Wallace Shawn lebt also ein Filmfestival lang den Nachmittag eines Fauns aus. Sich seiner eigenen Grenzen nicht bewußt aber diese beharrlich verfolgend. Ein Vergnügen.
Rifkin’s Festival wurde bereits 2019 gedreht, kommt nun aber auch endlich in hiesige Kinos. Wie so oft bei Allen ist dies ein vielschichtiger, warmherziger Film. Noch dazu einer, der das europäische Kino ehrt und zelebriert. In der Hauptrolle agiert Wallace Shawn. Er ist praktisch Woody Allen’s Alter Ego. Als Romanautor gescheitert, als New Yorker Filmdozent nur Anhängsel seiner Frau Sue, begleitet Mort Rifkin sie zu den Filmfestspielen in San Sebastián. Dort macht Sue die PR für den neuen Film des Regisseurs Philippe, den Mort so gar nicht ausstehen kann. Er hegt auch den Verdacht, dass Sue eine Affäre hat. Als er dann die ortsansässige Ärztin Jo kennen lernt, findet er immer wieder neue Gründe, wieso er sie aufsuchen muss. Mort sinniert über seine Beziehungen – und das in Tagträumen, die großen europäischen Filmklassikern nachempfunden sind.
(Peter Osteried, Cineman)
Credits:
ES/US/IT 2020, 92 Min., engl. OmU, Regie: Woody Allen Kamera: Vittorio Storaro Schnitt: Alisa Lepselter mit: Elena Anaya, Louis Garrel, Gina Gershon, Sergi López, Wallace Shawn, Christoph Waltz
Eine Sekunde Film, dafür ist der Häftling aus dem Straflager geflohen. Seine ihn entfremdete Tochter soll so lange in dem Werk, das durch die Provinz tourt, zu sehen sein. Genauer gesagt, in der Wochenschau, und ausgerechnet diese Filmrolle stiehlt das Waisenmädchen Wu. Sie will das Material einer anderen, für sie wichtigen Bestimmung zuführen. Ohne diese Propaganda-Rolle wiederum will der stolze Projektionist des Kinos der zweiten Einheit die Vorstellung nicht beginnen. Es beginnt eine wechselseitige Jagd auf das Diebesgut, mit Verlusten auf aller Seiten. Doch aller Auseinandersetzungen zum Trotz bahnt sich auch eine neue Freundschaft an.
Bevor Zhang Yimous seine „bodenständige und einfache Geschichte“ vor Publikum zeigen konnte, hatte der Film schon eine bewegte Geschichte hinter sich. Bei der Berlinale für den Goldenen Bären nominiert, wurde er kurz vor seiner Premiere aus „technischen Gründen“ zurückgezogen. Gleiches passierte dann 21 Monate und zwei Überarbeitungen später nochmal beim „Golden Rooster and Hundred Flowers Film Festival“. Kurze Zeit später aber wurde der heiß erwartete Streifen in China mit großem Erfolg gestartet.
Hatte Zhang zuvor einige opulente Werke geschaffen, und zuletzt mit „Hero“ auch das Wuxia-Genre bedient, können wir hier zwar auch wunderbare Bilder der Sandwüste bewundern, aber Bilder aus der Kulturrevolution sind insgesamt fürs Schwelgen wohl weniger geeignet.
Eine Sekunde ist eher eine Hommage an den 35mm-Film, an seine Haptik, Sinnlichkeit, die stoffliche Verletzlichkeit des Materials, und dabei an seine Möglichkeiten, sowie an das Kino dieser Zeit. Es wird hier „Heroische Söhne und Töchter“ gezeigt, alternativ wäre nur „Der Kampf zwischen Nord und Süd“ möglich gewesen, denn es gibt nur wenige Filme fürs Landvolk. Das tut der Begeisterung jedoch keinen Abbruch, und der Andrang sorgt immerhin für die ein- oder andere Massenszene.
Credits:
Yi miao zhong 秒钟 CN 2019, 103 Min., mandarin OmU Regie: Zhang Yimou Basierend auf dem Roman „The Criminal Lu Yanshi” von Yan Geling. Schnitt: Yuan Du Kamera: Zhao Xiaoding mit: Zhang Yi, Liu Haocun, Fan We
Vom 22. – 29. Juni findet dieses Jahr das größte polnische Filmfestival außerhalb Polens statt (mehr). Im fsk zeigen wir alle sieben Wettbewerbsbeiträge und zwei Specials:
Bukolika / Bucolic Mutter und Tochter in einem baufälligen, abgelegenen Haus. Das ganze Leben mit seinen alltäglichen Reibereien, kleinen Ausbrüchen und grundlegenden Entscheidungen. PL 2021, R/B/K: Karol Pałka, 70 Min, OmeU, 24.06. 20:00 zu Gast: Karol Pałka [Tickets]
Inni ludzie / Other People Wer einmal einen Text der Star-Autorin Dorota Masłowska gelesen hat, weiß, was ihn/sie erwartet: eine wild schlingernde Handlung, Gesellschaftskritik, massenhaft pop-/kulturelle Zitate, Blicke in die Abgründe urbaner Milieus im frühen 21. Jahrhundert. PL 2021, 106 min, OmdU, R/B: Aleksandra Terpińska, D: Jacek Beler, Sonia Bohosiewicz, Magdalena Koleśnik. 25.06. 20:00 [Tickets]
Mosquito State In einem mutigen, umwerfend bildgewaltigen visuellen Experiment verknüpft Rymsza die Biografie eines Insekts mit der Zukunft der globalen Ökonomie. Er zeigt, dass neue Ansätze radikal gedacht werden müssen – und findet dafür radikale visuelle Mittel. PL/USA 2020, 101 min, engl. OF m. poln. UT, R: Filip Jan Rymsza, D: Beau Knapp, Charlotte Vega, Jack Kesy u. a. 29.06. 20:00 zu Gast: Filip Jan Rymsza [Tickets]
Ostatni komers / Love Tasting Es ist Juni, nur noch wenige Tage bleiben bis zum großen Abschlussball. Dann werden sich die Wege der Gymnasiastinnen trennen und es wird höchste Zeit sich zu entscheiden, wohin die Lebensreise gehen soll. PL 2020, 85 min, OmeU, R/B: Dawid Nickel, D: Mikołaj Matczak, Michał Sitnicki, Sandra Drzymalska u. a. 28.06. 20:00l [Tickets]
Polaków portret własny / Polish Self-PortraitEin Dokumentar-Experiment, in denen die Protagonistinnen zu ihren eigenen Kameraleuten werden und uns ein Jahr lang an ihrem Leben teilhaben lassen. Und das ist alles andere als ereignisarm. PL 2021, 115 min, OmeU, R: Maciej Białoruski, Jakub Drobczyński, Robert Rawłuszewicz, 26.06. 20:00 zu Gast: Maciej Białoruski & Jakub Drobczyński [Tickets]
Sonata / Sonate In der Provinz des Karpatenvorlandes wird bei Grzegorz schon früh Autismus diagnostiziert. Er spricht nicht, kapselt sich von seiner Umwelt ab und vegetiert mangels Therapie vor sich hin – bis in seinem Haus ein Klavier auftaucht. PL 2021, 118 min, OmdU, R/B: Bartosz Blaschke, D: Michał Sikorski, Małgorzata Foremniak, Łukasz Simlat 27.06. 20:00 zu Gast: Bartosz Blaschke [Tickets]
Wszystkie nasze strachy / Alle unsere Ängste Kunst und Gesellschaft sind für Daniel Rycharski untrennbar miteinander verbunden, doch mit seinen Skulpturen und Happenings eckt er bei den unmittelbaren Nachbarn massiv an – vor allem, wenn er darin die Ausgrenzung von LGBT-Personen thematisiert. PL 2021, 91 Min, OmdU, R: Łukasz Ronduda, Łukasz Gutt, Kamil Grzybowski, D: Dawid Ogrodnik, Maria Maj, Andrzej Chyra. 23.06. 20:00 zu Gast: Łukasz Ronduda, Łukasz Gutt & Dawid Ogrodnik [Tickets]
Erotica 2022In fünf Episoden entwerfen Regisseurinnen nach Drehbüchern namhafter Schriftstellerinnen – unter ihnen die Nobelpreisträgerin Olga Tokarczuk und Bestseller-Autorin Joanna Bator – dystopische Visionen über eine nicht allzu fern liegende Zukunft. PL 2021, 137 min, OmeU, R: Anna Kazejak, Anna Jadowska, Kasia Adamik, Jagoda Szelc, Olga Chajdas, D: Agata Buzek, Monika Pikuła, Agnieszka Żulewska, 26.06. 15:00 zu Gast: Anna Jadowska [Tickets]
Film balkonowy / Der Balkonfilm Paweł Łoziński montiert eine Kamera auf dem Balkon, kabelt ein Mikrofon an den Zaun und beginnt, den Passant*innen scheinbar planlos und naiv Fragen nach ihrem Woher und Wohin zu stellen. Von nun an legt er sich ein Jahr lang auf die Lauer. PL 2021, 100 min, OmdU, R/B/K: Paweł Łoziński, S: Paweł Łoziński, Piasek & Wójcik 25.06. 15:00 zu Gast: Paweł Łoziński [Tickets]
Hat er seine Pillen genommen oder nicht? Habe er, beteuert Damien, aber Leïla kann ihm nicht glauben. Jeden Tag gibt es mehr kleine Anzeichen für die nächste manische Episode, ihr Mann entgleitet ihr Stück für Stück. Der erfolgreiche Maler und die Restauratorin leben mit ihrem Sohn Amine in einem geräumigen Hof auf dem Land nahe dem Meer. Damiens Bipolarität macht allen dreien einzeln das Leben schwer, und dazu das Zusammenleben schwierig. Sie streiten, sie schreien, aber sie lieben sich auch leidenschaftlich. Die Liebe zu erhalten, ist schon für andere schwierig genug, mit dieser Krankheit aber eine extreme Herausforderung. Als eine große Ausstellung seiner Werke ansteht, verweigert der euphorische, energiegeladene Damien vollends die Medikation. Leïla ist am Ende und lässt ihn ins Krankenhaus einweisen, nicht zum ersten Mal. Aber auch seine Abwesenheit macht sie fertig. Was kommt danach? Was passiert, wenn eine Krankheit die Kontrolle übernimmt, über die Umgebung, die Beziehungen? „Der gequälte männliche Künstler wird vom Kino regelmäßig verwöhnt: In zahllosen Filmen werden kreative Männer beschrieben, die sich im Dienste ihres Genies schlecht benehmen, wobei die unschöne Realität ihrer psychischen Gesundheit oder die Auswirkungen ihres Verhaltens auf andere nur ein Lippenbekenntnis ist. Mit diesem außergewöhnlich bewegenden und klug beobachteten Film bietet der belgische Filmemacher Joachim Lafosse so etwas wie ein Korrektiv, und zwar ein spannendes, verstörendes.“ Dave Calhoun | timeout
Credits:
Les Intranquilles BE/LU/FR 2021, 118 Min., frz. OmU, Regie: Joachim Lafosse Kamera: Jean-François Hensgens Schnitt: Marie-Hélène Dozo mit: Leïla Bekhti, Damien Bonnard, Gabriel Merz Chammah, Patrick Descamps
Trailer:
The Restless / Les Intranquilles (2021) – Trailer (English subs)
Jan und Nina leiten eine Werbeagentur und leben mit ihren Kindern Emma und Max in Hamburg. Ein Ausflug in ihr geliebtes Wochenenddomizil an der Belgischen Küste beginnt dramatisch: es ist jemand ins Haus eingedrungen, und hat bei Ankunft der Familie die Flucht ergriffen. Außer dass Max‘ zahme Ratte den Schreckmoment ebenfalls zur Flucht nutzt, ist aber kein Schaden zu entdecken. Trotzdem ist das Sicherheitsgefühl an diesem Ort verschwunden, und weitere Vertrauensverluste folgen. Nun kennen wir ja den „Rashomon-Effekt“: ein Ereignis wird von allen Beteiligten unterschiedlich erlebt und beschrieben, was zu verschiedenen Interpretationen und Handlungsoptionen führt. Allerdings sehen wir hier nun nicht nur nach und nach die Sichtweisen der fünf – ja, Ratte Zorro ist auch dabei und hat eine recht plausible Sicht auf die Dinge – Anwesenden, sondern auch andere Geheimnisse kommen ans Licht, wie Jans heimliche Zusage zu einem delikaten Auftrag, gegen den Willen seiner Partnerin.
„Während sich das Quartett in der Gefahr zunächst näher kommt, um dann aber zunehmend die Bodenhaftung zu verlieren, irritiert Regisseur Ronny Trocker überdies mit einer nicht-linearen Erzählweise, die das anfängliche Familiendrama allmählich in einen auf explizite Horroreffekte verzichtenden Thriller verwandelt. Die Bedrohung aus dem Inneren der Figuren droht dabei in die ohnehin multiperspektivisch ausfransende Handlung durchzudringen. Selbst die Tatsache des Einbruchs gerät ins Wanken. Vielleicht waren es gar keine Diebe, sondern Aktivisten, die Jans Kampagne für die extremistische Partei ablehnen? Oder doch nur eine kollektive Einbildung von Menschen, die zu lange aneinander vorbeigelebt haben? … ein psychologisch konzentrierter, aber gerade durch seinen unspektakulären Gestus beunruhigender und zutiefst beeindruckender Film.“ Alexandra Wach | Filmdienst
Credits:
DE, DK, IT 2022, 102 Min., frz., dt. OmU, Buch & Regie: Ronny Trocker Kamera: Klemens Hufnagl Schnitt: Julia Drack mit Mark Waschke, Sabine Timoteo, Jule Hermann, Wanja Valentin Kub
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