Prawy chłopak / Polish Prayers
[Tickets]
PL/CH 2023
R: Hanna Nobis
85 min, OmdU
B: Hanna Nobis & Esther van Messel
K: Miłosz Kasiura
S: Bigna Tomschin
M: Marcel Vaid
Antek wirkt noch recht unsicher, aber im Kreis seiner erzkonservativen Bruderschaft fühlt er sich stark. Ihre Werte wie Männlichkeit, Katholizismus und ein traditionelles Familienbild geben ihm Sicherheit und wenn er mit seinen Kumpels gemeinsam gegen LGBTQ+-Demos protestiert, ist er als Vorsänger ganz in seinem Element. Erst durch eine feste Freundin lernt er andere Sichtweisen kennen – dass man nicht zwingend einen Gott braucht, um ein rechtschaffener Mensch zu sein, dass man tolerant gegenüber anderen Lebensstilen sein kann und dass Sex vor der Ehe vielleicht doch nicht unweigerlich in die ewige Verdammnis führt.
Über einen langen Zeitraum begleitet die Regisseurin ihren Protagonisten und dokumentiert dabei eine erstaunliche Entwicklung. Nicht nur, dass der hagere, fromme junge Mann auf einmal Meditation, Drogen und Bodybuilding für sich entdeckt. Auch seine Sicht auf die Welt und nicht zuletzt auf sich selbst durchläuft eine grundlegende Metamorphose. Aber wie kompatibel ist dieser neue Antek noch mit seinem sozialen Umfeld, das nach wie vor fleißig betet und ein Kind nach dem anderen in die Welt setzt?
Hanna Nobis erzählt eine Geschichte mit überraschenden Wendungen, die man unmöglich in einem Drehbuch vorausplanen kann. Die Kamera bleibt dabei stets nah an ihrem Beobachtungsgegenstand und wird für ihre Geduld belohnt: Der Film hält immer wieder intime Momente von berückender Authentizität fest, wie sie im Dokumentarfilm selten sind. [Rainer Mende]
16.09. / 20:00 / fsk / zu Gast: Hanna Nobis
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Der Student Tymoteusz hat mit seinem Klavierspiel schon Preise gewonnen und es ins Fernsehen geschafft. Über den Sommer kehrt er in seine trostlose Heimatstadt zurück, wo seit seinem Weggang die Welt stehen geblieben zu sein scheint. Die alten Kumpels aus dem Block hängen immer noch in der Gegend herum, kiffen, trinken Dosenbier, labern viel, träumen von Abenteuern in der großen weiten Welt und kommen aus ihrem Viereck aus Badesee, Skatepark, Spielplatz und Dönerimbiss doch nicht heraus.
Auch Tymoteusz‘ Bruder Jacek gehört zur Clique – ebenfalls ein begabter Pianist, der aber seit einer missglückten Bewerbung das Klavier verstimmt einstauben lässt. Statt sich Hoffnungen und Träumen hinzugeben, versinkt er resigniert im provinziellen Sumpf aus Langeweile, Perspektivlosigkeit, Homophobie und plumpem Rassismus. Denn die Wut über das so früh gescheiterte Leben der Jugendlichen muss sich irgendwo entladen – warum nicht bei diesen fremden Typen, die so verdächtig verschlossenen einen Döner nach dem anderen zubereiten?
Wie eine Granate schlug der formal eigenständige, lose an zeithistorische Ereignisse anknüpfende Debüt-Langfilm in der polnischen Szene ein. Mit Fingerspitzengefühl, Präzision und stilistischem Selbstbewusstsein, die für einen Newcomer ungewöhnlich ausgereift sind, erzählt er scheinbar beiläufig eine semidokumentarische Geschichte in der Ästhetik eines frühen Andreas Dresden, die – ganz ohne Musik und virtuos im beengenden Seitenverhältnis 4:3 geschnitten – durch schmerzhafte Authentizität besticht. Denn die Laien-Darsteller*innen spielen sich selbst und ihre eigenen Geschichten. [Rainer Mende]
Damian Kocur (geb. 1983 in Katowice) studierte an der Schlesischen Universität Katowice. Als Regisseur veröffentlichte er acht teilweise preisgekrönte kurze Spiel- und Dokumentarfilme, bevor er mit „Chleb i sól“ einen Jurypreis beim Filmfestival von Venedig und zahlreiche weitere Preise gewann.
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