Drzewa milczą / Silent Trees
[Tickets]
PL 2024
R/B: Agnieszka Zwiefka
85 min, OmeU
K: Kacper Czubak
S: Michał Buczek
M: Niklas Paschburg
Runa ist sechzehn, trägt locker sitzende dunkle Klamotten, malt gern und steht auf Billie Eilish. Sie könnte ein ganz normales Mädchen sein, aber sie ist mit ihrer kurdischen Familie aus dem Irak vor dem IS über Belarus nach Polen geflüchtet. Nach 18 Tagen im Wald stirbt ihre Mutter und sie findet sich unversehens in der Rolle der Ersatzmutter wieder – ihr Vater ist mit den vier jüngeren Brüdern und dem Leben in einem völlig fremden Land heillos überfordert.
Über einen langen Zeitraum beobachtet Agnieszka Zwiefka eine doppelte Metamorphose. Die Familie verlässt ihren Container an der belarusischen Grenze und versucht, sich einen Alltag mit Wohnung, Schule und Arbeit aufzubauen. Gleichzeitig wächst Runa langsam in ihre neue Rolle als Familienoberhaupt hinein, obwohl sie sich vermutlich lieber altersgemäß mit Comics, Freunden und Musik beschäftigen würde.
Die dunklen Bäume des polnisch-belarusischen Urwalds ziehen sich als Leitmotiv durch die Geschichte. Hier drang das Dunkel in Runas Leben ein, hier änderte sich ihr Schicksal für immer. Meist schweigt sie über ihre Gefühle – diese drückt sie lieber in Zeichnungen aus, deren Ästhetik von eingestreuten Animationen aufgenommen und in fantastische Sequenzen übersetzt wird. [Rainer Mende]
14.09. / 15:00 / fsk / zu Gast: Agnieszka Zwiefka
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Der Student Tymoteusz hat mit seinem Klavierspiel schon Preise gewonnen und es ins Fernsehen geschafft. Über den Sommer kehrt er in seine trostlose Heimatstadt zurück, wo seit seinem Weggang die Welt stehen geblieben zu sein scheint. Die alten Kumpels aus dem Block hängen immer noch in der Gegend herum, kiffen, trinken Dosenbier, labern viel, träumen von Abenteuern in der großen weiten Welt und kommen aus ihrem Viereck aus Badesee, Skatepark, Spielplatz und Dönerimbiss doch nicht heraus.
Auch Tymoteusz‘ Bruder Jacek gehört zur Clique – ebenfalls ein begabter Pianist, der aber seit einer missglückten Bewerbung das Klavier verstimmt einstauben lässt. Statt sich Hoffnungen und Träumen hinzugeben, versinkt er resigniert im provinziellen Sumpf aus Langeweile, Perspektivlosigkeit, Homophobie und plumpem Rassismus. Denn die Wut über das so früh gescheiterte Leben der Jugendlichen muss sich irgendwo entladen – warum nicht bei diesen fremden Typen, die so verdächtig verschlossenen einen Döner nach dem anderen zubereiten?
Wie eine Granate schlug der formal eigenständige, lose an zeithistorische Ereignisse anknüpfende Debüt-Langfilm in der polnischen Szene ein. Mit Fingerspitzengefühl, Präzision und stilistischem Selbstbewusstsein, die für einen Newcomer ungewöhnlich ausgereift sind, erzählt er scheinbar beiläufig eine semidokumentarische Geschichte in der Ästhetik eines frühen Andreas Dresden, die – ganz ohne Musik und virtuos im beengenden Seitenverhältnis 4:3 geschnitten – durch schmerzhafte Authentizität besticht. Denn die Laien-Darsteller*innen spielen sich selbst und ihre eigenen Geschichten. [Rainer Mende]
Damian Kocur (geb. 1983 in Katowice) studierte an der Schlesischen Universität Katowice. Als Regisseur veröffentlichte er acht teilweise preisgekrönte kurze Spiel- und Dokumentarfilme, bevor er mit „Chleb i sól“ einen Jurypreis beim Filmfestival von Venedig und zahlreiche weitere Preise gewann.
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