Maryam ist berufstätig, alleinerziehend und steht fest im Leben. Dann begegnet sie Jibril, der eine mehrjährige Gefängnisstrafe absitzt. Schlummernde Sehnsüchte brechen auf und die beiden stürzen sich in eine stürmische Romanze – die außerhalb der Besuchszeiten vornehmlich in ihren Köpfen stattfindet. Wie viel Substanz kann eine Beziehung unter diesen Bedingungen entwickeln? Wo verläuft die Grenze zwischen Projektion und blühender Liebe? Und hat letztere die Kraft, Gefängnismauern zu überwinden? Mit großer Nähe zu ihren Protagonist*innen geht Henrika Kull in ihrem Spielfilmdebüt diesen Fragen nach.“ (Frauenfilmfest 2018)
[nbsp]
Credits:
DE 2018, 83 Min., Regie, Buch, Schnitt: Henrika Kull Kamera: Carolina Steinbrecher mit: Susana Abdulmajid Malik Adan ( Doua Rahal Emna El-Aouni Regina Schulte am Hülse
Nein, lustig ist es auf dem Land auch nicht. Dabei sind Reza und Hadis mit ihrem kleinen Sohn von Teheran fortgezogen, weit weg in die scheinbar friedliche Gegend im Norden, um in Ruhe zu leben, aber man lässt sie nicht. Hadis hat zwar eine gute Stellung als Lehrerin in der örtlichen Mädchenschule gefunden, und Reza baut eine kleine Fischfarm auf. Aber die Schulden vom Neuanfang drücken, und Reza möchte ein korruptionsfreies und, abgesehen von ein wenig Schnapsbrennerei, ehrliches Leben führen. Das geht hier nicht wirklich zusammen, zumal der örtliche Großunternehmer ein Auge auf ihren Besitz geworfen hat. Und der hat in der Gegend das Sagen, hat Mittel und Leute, seinen Willen durchzusetzen. Hadis versucht erfolglos, ihren winzigen Einfluss in der Gemeinde geltend zu machen, während Reza jegliche Anpassung standhaft verweigert. Eine klassische Fragestellung: Wie weit kann ein Mensch seine Integrität behalten, wenn er gegen ein korruptes und ungerechtes System antreten muss? Was ist er bereit, für seine Würde zu bezahlen? Wann gibt er (sich) auf und passt sich der allgegenwärtigen Unmoral an, schlägt zurück oder gibt nach? Kann man tatsächlich an den systemimmanenten Verhältnissen etwas ändern?
Wie schon in seinem letzten Werk MANUSCRPITSDON‘T BURN (das die heimischen Behörden auch nicht mochten), arbeitet Rasoulof neben einem realistischen Zugang mit Spannungs- und Genre-Elementen. Und auch wenn er seinen Figuren ein optimistischeres Ende gegönnt hätte, sagt er, habe er während des Schreibens die Wut seines Protagonisten nicht zügeln können.
»Im Kern ist A MANOFINTEGRITY die iranische Version eines Westerns. Und zwar eines der nihilistischen, fast schon apokalyptischen Sorte, mehr Sergio Leone als John Ford.« Lukas Foerster, Wochenzeitung (CH)
Obwohl er ein universelles Thema beschreibt, gibt die Tatsache, dass es ein iranischer Film ist, von einem Regisseur, über dem das Damoklesschwert einer Gefängnisstrafe hängt, dem Ganzen eine besondere Dramatik. Rasoulof durfte zwar zur Premiere nach Cannes und nahm dort den Preis UNCERTAINREGARD entgegen, aber seit einiger Zeit ist ihm, der mit seiner Familie auch in Hamburg lebt, eine Ausreise nicht möglich.
Richard Billinghams Fotografien von seinem alkoholkranken Vater und seiner kettenrauchenden, über und über tätowierten Mutter – Ray and Liz, wie er sie liebevoll nennt – waren eines der Highlights der einzigartigen Ausstellung „Sensation“ von Charles Saatchi (in Berlin 1998 im Hamburger Bahnhof) über die späten 1990er-Jahre. Der inzwischen renommierte und ausgezeichnete Fotograf Billingham drehte etwas später bereits eine kurze Fernseh-Dokumentation über seine Eltern. Nach rund 20 Jahren wurde dann die Idee, seine Kindheit in einen Spielfilm zu verwandeln, umgesetzt. Im Wettbewerb von Locarno 2018 bekam das Werk durch seine ausdrucksstarken,verstörend-realistischen Bilder viel Aufmerksamkeit und wurde mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet. In einem Vorort von Birmingham wurschtelt sich die Familie Billingham so wie viele andere irgendwie ziel- und weitgehend freudlos am Rande der Gesellschaft durch ein Leben, das bestimmt wird von Faktoren, die sich ihrer Kontrolle entziehen. In drei Episoden werden die mitunter schockierenden und von verstörendem Humor geprägten Erfahrungen einer Kindheit in einer Sozialwohnung im sogenannten Black Country der 1990-er Jahre heraufbeschworen.
„Ich glaube nicht, dass es für ihn (R.B.) nur eine Art Katharsis ist. Nicht, nachdem ich ihn kennengelernt habe. … Ich glaube, er interessiert sich für Ideen und Menschen und Situationen. Und ich weiß, das hört sich jetzt komisch an, aber soweit ich das beurteilen kann, ist er niemand, der tiefe Ängste in sich trägt.“ Ella Smith (Liz)
„Offensichtlich will er (R.B.) sich damit auseinandersetzen. Er hat die Fotos gemacht, jetzt macht er einen Film. Irgendetwas treibt ihn ja offensichtlich dazu, seine Kunst zu machen. Und doch geht er im Gespräch sehr leidenschaftslos und direkt damit um. Und genau da liegt der Widerspruch: Er will diesen Film machen, diese Fotos, seine Kunst und hat ganz offensichtlich etwas dazu zu sagen. Er kann es nur nicht in Worte fassen. Er braucht dazu seinen Film. Dieser Widerspruch war eine der prägendsten Erfahrungen in der Arbeit zu diesem Film.“ Justin Salinger (Ray)
[nbsp]
Credits:
GB 2018, 108 Min., engl. OmU Regie: Richard Billingham Joshua Millard-Lloyd Kamera: Daniel Landin Schnitt: Tracy Granger mit: Ella Smith , Justin Salinger , Patrick Romer , Deirdre Kelly , Tony Way , Sam Gittins
Das polnische Filmfestival findet dieses Jahr vom 25.4. – 1.5. statt. filmPOLSKA 2020 hier
Die Filme im fsk in chronologischer Reihenfolge:
noch keine oder keine mehr
[nbsp]
7 uczuć / 7 Emotions
Der Vollzeit-Neuotiker Adaś Miauczyński entdeckt, dass er als Kind nicht gelernt hat, mit sieben elementaren Gefühlen umzugehen: Angst, Wut, Trauer, Freude, Ekel, Eifersucht und Scham.
PL 2018, 117 Min. poln. OmU, Regie: Marek Koterski, mit: Michał Koterskib (25.4. 20:00*)
Via Carpatia
Julia und Piotr, ein kinderloses, mittelständisches Ehepaar aus Warschau reist auf der Suche nach Piotrs Vater nach Mazedonien und zum Flüchtlingslager in Griechenland.
PL 2018, 75 Min., poln. OmU, Regie: Klara Kochańska, Kasper Bajon, mit: Julia Kijowska, Piotr Borowski, Dorota Pomykała (25.4. 22:15)
Fuga / Fuge
Eine starke, selbstbewusste Frau hat keine Erinnerung an ihre Vergangenheit, bis eine TV-Sendung ihre Identität offenlegt. Nun ist sie zurück in den Armen ihrer Familie.
Maciej managed die Tenniskarriere seiner Tochter bei Provinzturnieren. Ihr inniges Verhältnis wird schwierig, als Igor, auch ein junger Tennisspieler, dazustößt.
Die Geschichte der russische Kunstturnerin Margarita Mamun.
PL 2017, 74 Min., russ. OmU, Regie: Marta Prus (28.4. 22:00)
MUNKSTUDIOSHORTS
#NewHeroes (29.4. 20:00*): Euforia / Euphoria PL 2017, R/B : Natalia Pietsch, 17 min, OmeU, 60 kilo niczego / 60 kilos of Nothing PL 2017, R/B: Piotr Domalewski, 27 min, OmeU, Jerry PL 2017, R/B: Roman Przylipiak, 26 min, OmeU, Amerykański sen / American dream PL 2017, R/B: Marek Skrzecz, 26 min, OmeU
#NewFamily (29.4.22:00): Ja i mój tata / Me and my father PL 2017, R: Alek Pietrzak, 30 min, OmeU, Story / Story PL 2019, R/B: Jola Bańkowska, 5 min, OmeU, Obcy na mojej kanapie PL 2017, R/B: Grzegorz Brzozowski, 55 min, OmeU
My Friend the Polish Girl / Moja polska dziewczyna
Die 42-jährige Schauspielerin Alicja arbeitet wie tausende andere Polinnen auch, seit über zehn Jahren in London, das sich gerade auf den Brexit vorbereitet.
Wir begleiten einige Tage lang drei alte Freunde, die an unterschiedlichen Orten für die Kurie arbeiten. Intrigen und Missbrauch.
PL 2018, 135 Min., poln OmU, Regie: Wojciech Smarzowski, mit: Arkadiusz Jakubik, Robert Więckiewicz, Jacek Braciak, Joanna Kulig (30.4. 22:00)
Obłoki płyną nad nami / Unter dem stillen Himmel
Anna Konik kehrt in ihren Geburtsort Dobrodzień (Guttentag) im ehemaligen Oberschlesien zurück und begibt sich auf eine Reise in dessen komplexe Vergangenheit.
Das Leben der Französischlehrerin Nina wäre erheblich angenehmer, wenn sie endlich schwanger wäre. Aber diverse Versuche mit allen möglichen Mitteln schlagen fehl, es bleibt nur noch ein Ausweg: Eine Leihmutter muss gefunden werden.
PL 2018, 129 Min., poln. OmU, Regie: Olga Chajdas, mit: D: Julia Kijowska, Eliza Rycembel (1.5. 22:00).
Die vierte Zusammenarbeit von Stéphane Brize und Vincent Lindon ist ein atemloses, mitreißendes Werk voller Empathie, das einen ohne viel Federlesen in den Strudel des Arbeitskampfes der Belegschaft einer Fabrik in der französischen Provinz katapultiert. Lindon, der seit Jahrzehnten in immer neuen Varianten seiner Figur und oft einfach guten Filmen den Working Class Hero und Ableger davon verkörpert, spielt den Gewerkschaftsführer Laurent Amédéo. Niemand kann den inneren Druck, den die äußerlichen Missverhältnisse verursachen besser darstellen, die geballte Faust zutiefst in der Hosentasche vergraben. Ich behaupte, er ist auf seine Weise das männliche Pendant zu Isabelle Hupert. Setzte Brize Vincent Lindon in „Der Wert des Menschen“ eher als distanzierten Beobachter ein, der als Sicherheitsmann im Supermarkt die eigenen Kollegen bespitzeln soll, so steht er in STREIK an vorderster Front, denn der Originaltitel lautet ENGUERRE. David gegen Goliath, aber ohne Steinschleuder. Die Mischpoke aus Politik und Wirtschaft stützt sich auf die Arroganz der Macht. Die Belagerten, die ihre Arbeitsplätze retten wollen und in der Öffentlichkeit als Belagerer dargestellt werden, wehren sich mit der Kraft der Verzweiflung.
DASGESETZDESMARKTES hieß wörtlich übersetzt der vorherige Film von Stéphane Brizé , der in Deutschland unter dem Titel DERWERTDESMENSCHEN in die Kinos kam. Und das wäre eigentlich auch ein überaus zutreffender Titel für sein neues Werk ENGUERRE, das im Wettbewerb des Filmfestivals von Cannes 2018 zu sehen war: Abermals spielt Vincent Lindon einen einfachen Mann aus der Arbeiterschicht, der angesichts der Auswirkungen eines aggressiven Kapitalismus mit den Folgen der Globalisierung kämpfen muss.Trotz weitreichender finanzieller Zugeständnisse und einer vor zwei Jahren unterzeichneten Vereinbarung, die den Schutz der Arbeitsplätze garantieren sollen, haben die Bosse anders entschieden: Das Werk des Autozulieferers Perrin in einer strukturschwachen Gegend Frankreichs soll schließen – so wurde es beim deutschen Mutterkonzern beschlossen. Damit ist die Zukunft von 1100 Arbeiter*innen gefährdet, denn andere Jobs gibt es in dieser Region kaum. Die Reaktionen lassen nicht lange auf sich warten: Unter Führung des Gewerkschafters Laurent Amédéo (Vincent Lindon) formiert sich der Widerstand. Die Arbeiter gehen auf die Barrikaden und fordern sowohl die französische wie deutsche Geschäftsleitung zu Gesprächen auf. Und dank ihrer Hartnäckigkeit gelingt es ihnen immer wieder, kleine Teilsiege zu erringen – trotz enttäuschender Signale aus der Justiz und einem Engagement der Politik, das sich allenfalls auf symbolische Handlungen beschränkt. Doch eine einzelne siegreich verlaufene Schlacht bedeutet keinesfalls einen gewonnenen Krieg, zumal sich auch die Arbeiterschaft keinesfalls einig ist. So geraten die Arbeiter, aber auch Laurent, immer mehr unter Druck, während die Manager sich immer wieder der Verantwortung entziehen und auf die abstrakten Gesetze des Marktes verweisen, denen man unterworfen sei.
(Joachim Kurz, Kinozeit)
[nbsp]
Credits:
En guerre, FR 2018, 113 Min., frz. OmU
Regie: Stéphane Brizé Buch: Olivier Gorce, Stéphane Brizé Kamera: Eric Dumont Schnitt: Anne Klotz mit: Vincent Lindon, Mélanie Rover, Jacques Borderie, David Rey, Olivier Lemaire, Isabelle Rufin, Bruno Bourthol
[nbsp] Termine:
Dokumentarischer Essay von Andreas Goldstein, weniger über seine Beziehung zu seinem Vater, der u.a. Kulturminister der DDR war, als vielmehr über den Blick auf die Zeit und Geschichte, gespiegelt in dessen Biographie.
„Als mein Vater zwei Jahre alt war, überfiel das deutsche Heer Belgien, der 1. Weltkrieg begann. Als er sechs war, brach das Kaiserreich zusammen. Mit siebzehn sah er vor dem Fenster der elterlichen Wohnung einen erschossenen Arbeiter auf der Straße liegen. Er trat in den kommunistischen Jungendverband und später in die kommunistische Partei ein. Nach 1933 illegale Arbeit, bis ´45 in Berlin. Dann machte er im sozialistischen Deutschland Karriere, Abstürze inbegriffen. Schließlich verschwand das Land. Seitdem er tot ist, erscheint mein Vater in meinen Träumen.
Die Not diese Geschichten zu erzählen erwächst nicht aus der Vergangenheit, sondern aus der Gegenwart. Heute werde die Konflikte der DDR dramatisiert und durchweg auf den Gegensatz von Freiheitswillen und Repression reduziert. Sie bilden dabei weniger die DDR ab, als vielmehr eine Gegenwart, die sich selbst legitimieren muss und nun in diesen Erzählungen als Erlösung erscheinen kann.
Von einem Kommunisten erwartet man, im Gegensatz zu einem Bankdirektor, Ideale. Und dass er an ihnen scheitert, besser noch zugrunde geht. Schicksale die man einem Bankdirektor nicht verzeihen würde. Der gute Kommunist ist eine tragische Figur, der beste eine Leiche.“ (Andreas Goldstein)
Credits:
DE 2018, 72 Min., Regie & Buch: Andreas Goldstein Kamera: Jakobine Motz Schnitt: Chris Wright
Grauweiße Steinscherben vor einem Zirkuswagen. Bunte Grablichter neben fröhlichen Skulpturen. Hier übersetzt Steinmetz Michael Spengler Lebensgeschichten in Stein. Im Dialog mit ihm findet das Ehepaar Neustadt eine Form für die Gefühle zu ihrem verstorbenen Sohn. Hardburg Stolle entdeckt neue Kraft beim Spalten des Findlings für das Grab ihres Mannes. Und Familie Jacob versucht, die Essenz aus dem langen Leben des Großvaters in ein Grabmal umzusetzen. Schritt für Schritt nehmen die Grabsteine Form an und schaffen eine neue Verbindung zwischen den Lebenden und ihren Toten.
In dialogue with the mourning, stonemason Michael Spengler translates life stories into stone. Step by step the tombstones take shape and create a new connection between the living and the dead.
Frau Stern hat viel gesehen in ihrem Leben. Viele Männer hat sie geliebt, ein Restaurant geführt und vor allem: Viel geraucht. Frau Stern ist 90 Jahre alt, Jüdin und hat die Nazis überlebt. Liebe, das hat sie gelernt, ist eine Entscheidung. Der Tod genauso. Und so entscheidet Frau Stern, dass es nun an der Zeit ist, aus der Welt zu gehen. Der Einfachheit halber würde die resolute Dame gern an eine Waffe kommen. Enkelin Elli, das »Schätzchen«, könnte wohl am besten helfen, denn sie kennt den coolsten Dealer in Berlin-Neukölln. Eine Hommage an das Leben – zutiefst einfühlsam und absolut bereichernd.
Mrs Stern is 90 years old, Jewish and survived the Nazis. Love, she learned, is a decision. Death as well. But again and again she is charmingly prevented from putting an end to her life.
Drei Idealist*innen in Afrika: Nach 30 Jahren im Kongo muss Entwicklungshelfer Peter seiner Rückkehr nach Deutschland ins Auge sehen. Auf Anne-Laures Friedensfestival werden zwei Helfer von der Polizei erschossen. Und ihr kongolesischer Lebensgefährte wird wegen regimekritischer Äußerungen verhaftet. Der spanische Wissenschaftler Raúl muss feststellen, dass seine Projektgelder zu Korruption verführen. Drei persönliche Einblicke in die Höhen und Tiefen der Zusammenarbeit zwischen Europa und Afrika. Und die Frage: Wie hilfreich ist Entwicklungshilfe?
Three Europeans at the crisis-torn eastern Congo, three personal insights into the collaboration between Europe and Africa. They want to help, but it’s more complicated than expected.
24 Stunden im Leben von sechs Freunden an einem Freitag in Berlin. Sie sind Anfang dreißig, single und leben in Neukölln. Schriftsteller Övünç befindet sich in einer Schreibkrise. Pascal, beruflich erfolgreich, hat sich gerade von Schauspielerin Raha getrennt. Sie erhofft sich eine berufliche Entwicklung, er möchte seine Karriere gegen das Unbekannte eintauschen. Kara übernachtet lieber bei Freunden als bei sich zuhause. Henner verbringt den Tag in einer Bar und trifft dort Anja. Im Berliner Nachtleben machen sie sich auf die Suche nach einer Belohnung für all das, was sie tagsüber ertragen mussten.
Six friends in their 30s are close to a mid life crisis. Together they are looking for a reward for all the things they have to endure in everyday life.
DI 16.4.
18:30 Barstow, California R: Rainer Komers | 76 min.
Rhythmisch ratternde Güterzüge. Trockene Steppengrasbüschel auf rot verbrannter Erde, knotige Palmengewächse mit menschlichen Zügen. Hinter allem erhebt sich das fein geschwungene pockennarbige Bergpanorama der Mojave-Wüste. Aus dem Off liest die eindringliche Stimme von Stanley »Spoon« Jackson aus seiner Autobiografie. Seine Brüder Ray und Abraham suchen währenddessen zwischen Staub und Unkraut nach Spuren ihrer gemeinsamen Vergangenheit. Eine Begegnung mit ganz normalen Menschen aus Amerika und eine Ortsbegehung am Rande der legendären Route 66.
With a vivid voice, within the panorama of the Mojave Desert, Stanley »Spoon« Jackson reads from his autobiography. An encounter with average Americans and an exploration of Route 66.
21:00 Das Melancholische Mädchen R: Susanne Heinrich | 80 min.
Eine junge Frau im Kunstpelz, darunter nackt, posiert vor einer Fototapete. In sechzehn pastellfarbenen Episoden wandert sie auf der Suche nach einem Schlafplatz durch die Großstadt. Mal auf einem Einhorn reitend, dann beim Schwangerenyoga oder auf der Couch ihres Psychologen – doch nirgendwo findet sie ihren Platz. Statt sich anzupassen, beginnt sie ihre Depression als Politikum zu betrachten. Eine postmoderne Komödie in Rosa und Hellblau, die in unbekümmert-zynischem Tonfall feministische Theorien erforscht und die Optimierungsgesellschaft hinterfragt.
In fifteen pastel-colored episodes, a melancholic girl wanders around town looking for a place to sleep. Instead of adapting, she starts considering her depression a political issue.
Das regelmäßige Piepsen der Maschinen. Die Schreie einer Frau während einer Geburt. Antonia Hungerland fragt: Was macht einen Menschen zur Mutter? Verschiedene Eltern kommen zu Wort: Eine junge Alleinerziehende, die ihre ersten Kinder beim Vater ließ. Ein weißes, homosexuelles Paar in einer Dreierbeziehung mit schwarzen Adoptivkindern. Eine Leihmutter, eng befreundet mit der Adoptivfamilie des von ihr ausgetragenen Kindes. Und Hungerlands eigene Mutter. Kaleidoskopartig begibt sich der Film auf eine vielstimmige Entdeckungsreise, die das vermeintlich »natürliche« Mutterbild hinterfragt.
A young filmmaker raises the question: What makes a mother? The movie kaleidoscopically descends on a journey questioning the stereotype »mother« from a variety of voices and perspectives.
21:00 Lost Reactor R: Alexandra Westmeier | 77 min.
Ein unwirklicher Flecken Erde um ein stillgelegtes Kernkraftwerk auf der Halbinsel Krim. Infolge der Katastrophe von Tschernobyl ging der Reaktor nie ans Netz. In einem verfallenen Seitenflügel lebt Olga mit Familie und Tieren in ständiger Sorge vor dem Rauswurf. Vitaly, einstiger Bauleiter des Reaktors, hegt noch sentimentale Gefühle für die verlorene Arbeitsstelle. Und Sergei, von seinem Vater längst abgeschrieben, ist magisch angezogen von diesem dystopisch anmutenden Ort. Eine traumwandlerische Geschichte über Hoffnung, Träume und Durchhaltevermögen an einem Ort, der sich selbst schon aufgegeben hat.
The surreal terrains around a retired nuclear power plant in the Crimea are the scenery for a somnambulistic story about hope, dreams and stamina at a place that has already given up on itself.
Dokfilm mit Debatte/Gespräch: anwesend Filmemacher/In und die brasilianische Historikerin Beatriz G.Mamigonian, Autorin des 2017 publizierten Buches „Africanos Livres”, über die Abschaffung des transatlantischen Sklavenhandels (in Brasilien).
Gilda Brasileiro ist die Tochter einer Jüdin und eines Afro-Brasilianers. Sie lebt in einem Dorf im atlantischen Regenwald, in dem noch ein intaktes Sklavenhaus steht. Doch niemand vor Ort kann oder will sich an die Vergangenheit erinnern. Das kann Gilda nicht akzeptieren.
Da erfährt sie von einem Film-Wettbewerb, der Dorfbewohner aufruft ihre Geschichten zu notieren. Gilda erzählt von einer geheimen Sklavenroute und von ihrem Dorf als illegalem Umschlagplatz im größten Kaffee-Anbaugebiet des 19.Jahrhunderts. Fast eine Million AfrikanerInnen gelangten nach dem Verbot des transatlantischen Sklavenhandels 1831 weiterhin als Sklaven nach Brasilien. Gilda sucht nach Wahrheit und konfrontiert die Nachkommen der Sklavenhändler und Farmbesitzer mit ihrer eigenen Geschichte.
Angesteckt von ihrer Suche finden wir Fotografien von versklavten Männern, Frauen und Kindern auf brasilianischen Kaffee-Plantagen. Die Bilder von Marc Ferrez, einem der wichtigsten Fotografen des 19.Jh., bringen uns eine ferne Zeit irritierend nah in die Gegenwart.
Als selbst der ihm vorstehende Reverend seine, auf die Umweltzerstörung zielende Frage „Glauben sie wirklich, Gott würde seine eigene Schöpfung zerstören?“ mit „Er tat es schon einmal – 40 Tage und 40 Nächte“ beantwortet, weiß auch Ernst Toller, dass es Zeit ist, selbst zu handeln, und nicht auf Gottes Hilfe zu warten. Der Priester, ehemals beim Militär beschäftigt (eine patriotische Familientradition), hat seinen Sohn ebendort verloren, im Irak, und damit auch seine Frau und fast seinen Glauben. Jetzt steht er einer kleinen Kirche, der titel gebenden 250 Jahre alten „First Reformed“ vor, eigentlich ein Museum, kaum Gemeinde, und versucht seine Ängste mit Disziplin, Reflektion und Whisky zu deckeln. Die Zweifel an Gottes Plan mit der Welt erneuert der junge radikale Aktivist Michael, der nicht möchte, dass seine schwangere Frau Mary das Kind in diese Welt bringt, wo es nur Krankheit, Verschmutzung, Chaos und Hass erwartet. Mary suchte Beistand bei Toller, sie ahnte, dass ihr Mann Schlimmes plant. Die Auseinandersetzung mit dem Paar verwirrt und verschärft den Blick des Geistlichen auf sich selbst gleichermaßen und ermöglicht den Gedanken, durch Handeln Schuldgefühle kompensieren zu können. Regisseur Paul Schrader (u.a. als Drehbuchautor verantwortlich für TAXIDRIVER) gibt den klaren Bildern und gradlinigen Dialogen ausreichend Raum, sie angemessen aufnehmen und wertschätzen zu können, während Ethan Hawkes den in sich gekehrten Toller mit minimalen Mitteln zu skizzieren schafft (und auch vielfach ausgezeichnet wurde für dieses Spiel).
„ … ein zutiefst spiritueller Film und ein irrwitzig spannender philosophischer Thriller, der profunde religiöse, moralische und psychologische Fragen stellt.“ Tom Dorow | indiekino
„Der Film bittet uns um einen anderen Blick auf das, was wir zu wissen glauben über Politik, Religion und anderes, was uns beschäftigt, und fragt nach nicht mehr als unserer stillen Aufmerksamkeit.“ A.O. Scott | NY Times
USA 2018, 113 Min., engl. OmU Regie : Paul Schrader Kamera : Alexander Dynan Schnitt : Benjamin Rodriguez Jr. Buch : Paul Schrader Darsteller : Ethan Hawke, Amanda Seyfried, Cedric Kyles
[nbsp] Termine:
Der Lichtbilder-Vortrag von Armin T. Wegner. Der legendäre Augenzeugenbericht von 1919! Gesprochen von Ulrich Noethen DE 2018, 57 Min. Regie: Ursula von Keitz (Am 19.3. um 17.00)
Als Sanitäter im Ersten Weltkrieg wird Armin T. Wegner Augenzeuge des armenischen Genozids. Er sieht den Flüchtlingsstrom der von den Türken in die syrische Wüste getriebenen armenischen Bevölkerung: das Leiden, das Elend, die mörderische Gewalt. In den Jahren 1915 bis 1917 fanden dort bis zu 1,5 Millionen Armenier den Tod.
Trotz des Verbots der türkischen Behörden machte Wegner mehr als 100 Fotos und schmuggelte diese »unter der Leibbinde versteckt über die Grenze«. Unmittelbar nach Kriegsende fasste Wegner seine Erfahrungen als Augenzeuge in einem Vortrag zusammen, den er am 19. März 1919 in der Berliner Urania erstmals hielt.
Anlässlich dieses 100. Jahrestages wird der von Ulrich Noethen neu gesprochene Vortrag veröffentlicht, mit einer Laterna Magica Projektion von Karin Bienek. Erstmals kann der Vortrag – wie einst gehalten – wieder erlebt werden.
Cookie-Zustimmung verwalten
Wir verwenden Cookies, um unsere Website und unseren Service zu optimieren.
Funktionale Cookies
Immer aktiv
Die technische Speicherung oder der Zugang ist unbedingt erforderlich für den rechtmäßigen Zweck, die Nutzung eines bestimmten Dienstes zu ermöglichen, der vom Teilnehmer oder Nutzer ausdrücklich gewünscht wird, oder für den alleinigen Zweck, die Übertragung einer Nachricht über ein elektronisches Kommunikationsnetz durchzuführen.
Vorlieben
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist für den rechtmäßigen Zweck der Speicherung von Präferenzen erforderlich, die nicht vom Abonnenten oder Benutzer angefordert wurden.
Statistiken
Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu statistischen Zwecken erfolgt.Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu anonymen statistischen Zwecken verwendet wird. Ohne eine Vorladung, die freiwillige Zustimmung deines Internetdienstanbieters oder zusätzliche Aufzeichnungen von Dritten können die zu diesem Zweck gespeicherten oder abgerufenen Informationen allein in der Regel nicht dazu verwendet werden, dich zu identifizieren.
Marketing
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist erforderlich, um Nutzerprofile zu erstellen, um Werbung zu versenden oder um den Nutzer auf einer Website oder über mehrere Websites hinweg zu ähnlichen Marketingzwecken zu verfolgen.