The Wild Pear Tree

Ein Film von Nuri Bilge Ceylan.

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Ja, die Sprache. In Nuri Bilge Ceylans jüngs­tem Film, der erst jetzt, zwei Jahre nach sei­ner Premiere in Cannes, in Deutschland end­lich ins Kino kommt – spielt sie eine beson­de­re Rolle und ist, neben den ein­neh­men­den Bildern und der ele­gan­ten Kameraführung ein Kernstück des Werks. Sinan hat sein Lehramtsstudium in Çanakkale fast abge­schlos­sen, nur eine Prüfung fehlt noch, aber zuerst will er sei­nen fer­tig geschrie­ben ers­ten Roman, „The Wild Pear Tree“ ver­öf­fent­li­chen. In sei­ner west­tür­ki­schen Heimatstadt Çan erhoff­te er finan­zi­el­le Hilfe dafür, er zeigt das Werk sei­ner Familie, ört­li­chen Kunstliebhabern und Unternehmern. Was soll man sagen: es ist schwie­rig. Sinan trifft alle, Mutter, Vater, Freunde, Freundinnen, den Bürgermeister, Schulkameraden, Schriftsteller. Niemand kann oder will ihn beim Druck des Buches unter­stüt­zen. Stattdessen dis­ku­tiert, redet, strei­tet sich Sinan durch den Film. Themen gibt es genug, die Schriftstellerei, die Kunst, die Kunst an sich, natür­lich die Politik, natür­lich die Liebe, die Religion, Karrieren, die Verbindungen zwi­schen allem. Selten bin ich einem Film, in dem so aus­gie­big gere­det wird, so gespannt und ger­ne gefolgt. Ein Film wie ein Fluss, die Bewegungen wäh­rend der Begegnungen schei­nen durch die Dialoge vor­an­ge­trie­ben zu wer­den, und Sinan ist stän­dig unter­wegs (nur als er Hatice trifft, kehrt Ruhe ein). So durch­que­ren wäh­rend eines ange­reg­ten Diskurses mit zwei sehr unter­schied­lich ein­ge­stell­ten Imamen die drei Männer das gesam­te Dorf bis hin­aus in die Landschaft. Aber, was bringt das Reden? Schwer zu sagen, aber klar ist, es ist essen­zi­ell und unent­behr­lich, aber auch das wie ist wich­tig. Sinans Mutter Asuman ist mehr als ein­mal ver­zwei­felt, weil der Vater, ein char­mant-sym­pa­thi­scher, einst ange­se­he­ner Grundschullehrer, durch sei­ne Spielsucht die Familie in den Ruin treibt. Aber sie bereue nicht, ihn gehei­ra­tet zu haben, sagt sie. Alle ande­ren spra­chen immer von Geld, er hin­ge­gen von der Natur, von den Farben, und er sprach so schön, so wie er es heu­te noch tut.

»… ein wun­der­schön viel­schich­ti­ger Film …« programmkino.de

 

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Credits:

Ahlat Agaci
Türkei 2018, 188 Min., türk. OmU
Regie: Nuri Bilge Ceylan
Schnitt: Nuri Bilge Ceylan
Kamera: Gökhan Tiryaki 
mit: Aydin Doğu Demirkol, Murat Cemcir, Bennu Yıldırımlar, Hazar Ergüçlü

Termine:

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Kategorie: archiv

  • The Wild Pear Tree

    The Wild Pear Tree

    Ein Film von Nuri Bilge Ceylan.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Ja, die Sprache. In Nuri Bilge Ceylans jüngs­tem Film, der erst jetzt, zwei Jahre nach sei­ner Premiere in Cannes, in Deutschland end­lich ins Kino kommt – spielt sie eine beson­de­re Rolle und ist, neben den ein­neh­men­den Bildern und der ele­gan­ten Kameraführung ein Kernstück des Werks. Sinan hat sein Lehramtsstudium in Çanakkale fast abge­schlos­sen, nur eine Prüfung fehlt noch, aber zuerst will er sei­nen fer­tig geschrie­ben ers­ten Roman, „The Wild Pear Tree“ ver­öf­fent­li­chen. In sei­ner west­tür­ki­schen Heimatstadt Çan erhoff­te er finan­zi­el­le Hilfe dafür, er zeigt das Werk sei­ner Familie, ört­li­chen Kunstliebhabern und Unternehmern. Was soll man sagen: es ist schwie­rig. Sinan trifft alle, Mutter, Vater, Freunde, Freundinnen, den Bürgermeister, Schulkameraden, Schriftsteller. Niemand kann oder will ihn beim Druck des Buches unter­stüt­zen. Stattdessen dis­ku­tiert, redet, strei­tet sich Sinan durch den Film. Themen gibt es genug, die Schriftstellerei, die Kunst, die Kunst an sich, natür­lich die Politik, natür­lich die Liebe, die Religion, Karrieren, die Verbindungen zwi­schen allem. Selten bin ich einem Film, in dem so aus­gie­big gere­det wird, so gespannt und ger­ne gefolgt. Ein Film wie ein Fluss, die Bewegungen wäh­rend der Begegnungen schei­nen durch die Dialoge vor­an­ge­trie­ben zu wer­den, und Sinan ist stän­dig unter­wegs (nur als er Hatice trifft, kehrt Ruhe ein). So durch­que­ren wäh­rend eines ange­reg­ten Diskurses mit zwei sehr unter­schied­lich ein­ge­stell­ten Imamen die drei Männer das gesam­te Dorf bis hin­aus in die Landschaft. Aber, was bringt das Reden? Schwer zu sagen, aber klar ist, es ist essen­zi­ell und unent­behr­lich, aber auch das wie ist wich­tig. Sinans Mutter Asuman ist mehr als ein­mal ver­zwei­felt, weil der Vater, ein char­mant-sym­pa­thi­scher, einst ange­se­he­ner Grundschullehrer, durch sei­ne Spielsucht die Familie in den Ruin treibt. Aber sie bereue nicht, ihn gehei­ra­tet zu haben, sagt sie. Alle ande­ren spra­chen immer von Geld, er hin­ge­gen von der Natur, von den Farben, und er sprach so schön, so wie er es heu­te noch tut.

    »… ein wun­der­schön viel­schich­ti­ger Film …« programmkino.de

     

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    Credits:

    Ahlat Agaci
    Türkei 2018, 188 Min., türk. OmU
    Regie: Nuri Bilge Ceylan
    Schnitt: Nuri Bilge Ceylan
    Kamera: Gökhan Tiryaki 
    mit: Aydin Doğu Demirkol, Murat Cemcir, Bennu Yıldırımlar, Hazar Ergüçlü

    Termine:

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  • Die Kordillere der Träume

    Die Kordillere der Träume

    Ein Film von Patricio Guzmán.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Patrizio Guzman ist mit sei­nen Filmen schon lan­ge ein gern gese­he­ner Gast in unse­rem Kino.

    DIE KORDILLERE DER TRÄUME nun ist der letz­te Teil sei­ner Trilogie über sein Heimatland Chile.

    Nach der Betrachtung des Meeres (DER PERLMUTTKNOPF) und der Atacama-Wüste (NOSTALGHIA DE LA LUZ) nimmt er dies­mal die Anden-Bergkette (Kordillere) zum Ausgangspunkt. Sie begrenzt das Land östlich,zieht sich von der Grenze zu Peru im Norden bis nach Feuerland im äußers­ten Süden und nimmt 80% sei­ner Gesamtfläche ein.

    Mit impo­san­ten Bildern geht der Regisseur in sei­nem per­sön­lichs­ten Film zurück bis zu den Ruinen des Hauses sei­ner Kindheit, und zeigt die Natur als Sinnbild der poli­ti­schen Geschichte von revo­lu­tio­nä­rer Utopie, faschis­ti­scher Diktatur und neo­li­be­ra­lem Raubbau an der Gesellschaft.

    Patricio Guzmán führt uns, beglei­tet und gelei­tet von sei­ner sanf­ten Stimme und einem per­sön­li­chen Text, sowohl hin zu poli­ti­schen Fragen und öko­no­mi­schen Realitäten des Landes als auch hin­ein ins künst­le­ri­sche Verarbeiten und ins Bildermachen. Sein Film ist ein Werk der Bewusstmachung, eines, das nicht zuletzt die Frage nach dem Sinn der Bilder stellt in einer Zeit, in der alle, die ein Mobiltelefon besit­zen auch Filme machen kön­nen.“ trigon-film

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    Credits:

    CL 2019, 85 Min., span. OmU
    Regie: Patricio Guzmán
    Drehbuch Patricio Guzmán
    Schnitt: Emmanuelle Joly
    Musik: Miranda y Tobar
    Kamera: Samuel Lahu 

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    Trailer:

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  • Sunburned

    Sunburned

    Ein Film von Carolina Hellsgård.

    [Credits] [Termine & Tickets] [Trailer]

    Claire ver­bringt ihre Ferien mit ihrer nur unwe­sent­lich älte­ren Schwester und ihrer Mutter in Andalusien. Alle drei sind mit ihren eige­nen Problemen beschäf­tigt. Die Schwester Cleo ver­bringt ihre Zeit lie­ber mit ihrer Strandbekanntschaft und ihre Mutter scheint ihre pro­vi­so­risch über­deck­ten Probleme durch andau­ern­des Flirten zu kom­pen­sie­ren. Die Ferienanlage mit ihren Betonbauten, ihren bemüh­ten Animateuren und stän­di­gen Partys, stel­len eine gera­de­zu sur­rea­le Kulisse dar, eine Klangfarbe, die den gesam­ten Film begleitet.

    Claire lernt bald den gleichaltrigenVerkäufer Amram ken­nen, der aus Afrika gekom­men ist, mit sei­ner Community am Strand lebt und sei­nen Geschäften nach­geht. Je tie­fer die­se Beziehung wird, umso kom­pli­zier­ter wird sie auch. Claires Emanzipationsgeschichte scheint nicht ohne Kollateralschäden aus­zu­kom­men. Und doch bleibt auch alles in einem schwe­ben­den Zustand.

    Der Film stellt Spiegelungen, Projektionen und Grenzüberschreitungen häu­fig in den Mittelpunkt sei­ner Beobachtung. Diese Metaebene ver­leiht dem Film sogar eine unter­grün­di­ge Strenge, ganz im Kontrast zu dem äußer­lich locke­rem Geschehen. Er ver­fällt aber nicht in den Fehler, die Analogien zwi­schen Claires und Amams Situation nur auf­zu­zei­gen, son­dern unter­läuft sie sofort wie­der, indem er andau­ernd die Machtverhältnisse zwi­schen den bei­den betont: Ständig wird für die ein oder ande­re Gefälligkeit Geld bezahlt. Die Unterschiede bei­der Lebenssituationen wird so wie­der her­ge­stellt, auch wenn es hier und da Berührungspunkte zu geben scheint.

    Das, was sich lang­sam zwi­schen Claire und Amram ent­wi­ckelt und das der Film sehr schön im Ungefähren, nicht genau­er Benannten belässt, ist der­ma­ßen von öko­no­mi­schen Zwängen und der scho­nungs­lo­sen Allgegenwart des Kapitalismus infi­ziert, dass stets Zweifel blei­ben, ob es Emotionen und Bindungen ver­schie­dens­ter Art wirk­lich gibt oder ob nicht am Ende doch alles auf Tausch- und Abhängigkeitsverhältnisse hin­aus­läuft.“ (Joachim Kurz)

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    Credits:

    Deutschland/Niederlande/Polen 2019, 92 Min.
    Regie & Buch: Carolina Hellsgård
    Kamera: Wojciech Staron
    Schnitt: Ruth Schönegge
    mit: Zita Geier, Gedion Odour Wekesa, Sabine Timoteo, Nicolais Borger, Flora Li Thiemann, Malik Blumenth

    Trailer:

     

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  • Tokyo Story

    Tokyo Story

    [indie­ki­no Club]

    Das Ende einer Ozu-Retrospektive ist immer ein per­sön­li­cher Verlust.” schrieb ein­mal Fritz Göttler, Filmredakteur der SZ.. – Wir stim­men dem zu, und weil die letz­te aus­führ­li­che Retro in Berlin schon über 6 Jahre her ist, steht jetzt als Trost einer sei­ner bes­ten, und wohl auch sein bekann­tes­ter Film zwei Wochen lang als Wiederaufführung auf unse­rem Programm : „Tokyo Monogatari – Reise nach Tokio,” eine behut­sa­me, in ruhi­gem Bildrhythmus ent­fal­te­te Studie über das Auseinanderleben einer Familie, über die Begegnung von Tradition und Moderne. Ein Elternpaar vom Lande besucht die erwach­se­nen Kinder in der Stadt, und sie sind nicht sehr will­kom­men. Man bemüht sich zwar um sie und strickt Programme, aber schon ein paar Tage spä­ter wer­den sie in ein Seebad abgeschoben.

    Wer die­ses Meisterwerk der Filmkunst, oder Filme von Yazujiro OZU über­haupt noch nicht kennt, darf sich die Gelegenheit, den Film auf der Leinwand in der Originalfassung mit dt. Untertiteln zu sehen, nicht ent­ge­hen las­sen. Alle ande­ren kön­nen sich ihn zum zwei­ten oder drit­ten Mal anschau­en, ist er doch stil­prä­gend für vie­le ernst­zu­neh­men­de Filmemacher und ganz all­ge­mein weg­wei­send für vie­le Kinosozialisationen.”

    Japan 1953, 136 Min.,
    jap. OmU

    R.: Yasujiro Ozu
    B. : Y. Ozu, Kogo Noda

    D.: Chishu Ryu,
    Chieko Higashiyama, Setsuko Hara

    schwei­zer Webseite

  • Isadoras Kinder

    Isadoras Kinder

    Ein Film von Damien Manivel.

    [Credits] [Trailer]

    Nach dem Unfalltod ihrer bei­den Kinder im April 1913 cho­reo­gra­fier­te die US-ame­ri­ka­ni­sche Tanzpionierin Isadora Duncan ein Solo mit dem Titel „Mutter”, in dem sie die­ses trau­ma­ti­sche Erlebnis in einem zar­ten Bewegungszauber zu exor­zie­ren versuchte.

    Regisseur Damien Manivel war Tänzer, bevor er Filme mach­te. In „Isadoras Kinder”, sei­nem mitt­ler­wei­le vier­ten Spielfilm, ver­bin­det er das Schicksal und die­sen Solotanz von Isadora Duncan in drei Geschichten mit den Leben von vier ver­schie­de­nen Frauen im Frankreich von heute.

    Es ist fast ein Wunder, wel­che Kraft aus die­ser schein­bar so klei­nen und schlich­ten Erzählung her­an­wächst und sich immer mehr in den fil­mi­schen Raum entfal­tet. In ruhi­gen Bildern, die auf prä­zi­se Weise Details wie Arme, Hände, Füße und das Gesicht in den Blick neh­men, stellt Manivel Körperarbeit und Alltag neben­einander. Der Tanz ver­än­dert den Blick auf Kinder, die auf einem Schulhof her­umrennen, oder auf eine Qigong-Gruppe.“ Esther Buss, Spiegel online

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    Credits:

    LES ENFANTS D’ISADORA
    Frankreich, Korea 2019, 84 Min., frz.OmU
    Regie: Damien Manivel
    Kamera: Noé Bach
    Schnitt: Dounia Sichov
    mit: Agathe Bonitzer, Manon Carpentier, Marika Rizzi, Elsa Wolliaston

    [nbsp]
    Trailer:

    ISADORAS KINDER, offi­zi­el­ler Trailer from eksys­tent dis­tri­bu­ti­on on Vimeo.

     

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  • Der nackte König – 18 Fragmente über Revolution

    Der nackte König – 18 Fragmente über Revolution

    Ein Film von Andreas Hoessli. Termin folgt.

    [Credits] [Termine] [Trailer]

    Über die Verwandlung des Menschen in der Revolution, über Geheimdienstagenten und den Versuch, ein neu­es Lebensgefühl im Gedächtnis festzuhalten.

    1979, Revolution im Iran. 1980, Revolution in Polen. Der Sturz des Schahs, des „Königs der Könige” im Iran, Massenstreiks und die Bewegung „Solidarnosc” in Polen. Was geschah in den Köpfen der jun­gen Frauen und Männer, die damals an den Revolutionen betei­ligt waren? Was ging in ihnen vor, als die Revolution nie­der­ge­schla­gen wur­de, oder – wie im Iran – eine reli­gi­ös-auto­ri­tä­re Elite die Macht über­nahm? Der Filmautor Andreas Hoessli leb­te damals als Forschungsstipendiat in Polen. Dort lern­te er den Reporter Ryszard Kapuscinski ken­nen, der von der Revolution im Iran berich­te­te. Kapuscinskis Aufzeichnungen sind Ausgangspunkt der Filmerzählung, in der der Filmautor auch die Berichte des pol­ni­schen Geheimdiensts über ihn selbst auf­greift – er ent­deckt dabei, dass er als Figurant unter dem Name „Hassan” für die gehei­men Dienste der Polnischen Volksrepublik ange­wor­ben wer­den sollte.
    „Der nack­te König – 18 Fragmente über Revoution” wur­de am Dokumentarfilmfestival München 2019 mit dem Hauptpreis im inter­na­tio­na­len Wettbewerb aus­ge­zeich­net. Begründung der Jury: „We reco­gni­ze a pre­cise psy­cho­lo­gi­cal por­trait of a per­pe­tual­ly shat­te­ring world. As this essay moves across time, it tran­s­cends the power of record and docu­men­ta­ti­on alo­ne, to sur­vey the remains of revo­lu­ti­on, in con­ver­sa­ti­on with roman­ti­cism and limitation.”

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    Credits:

    CH/DE/PO 2019., 108 Min., Polnisch, Farsi, Englisch, Deutsch OmU, 
    Buch und Regie: Andreas Hoessli
    Schnitt: Lena Rem
    Kamera: PeterZwierko

    Termine:

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    Trailer:

    DnK – Der Nackte König_Trailer-DE from Mira Film on Vimeo.

     

  • Giraffe

    Giraffe

    Ein Film von Anna Sofie Hartmann.

    Hier als „Video on demand”:

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Ein Tunnel soll gebaut wer­den, um Dänemark und Deutschland zu ver­bin­den; die Gegenwart macht sich in Richtung Zukunft auf, Veränderung liegt in der Luft. Die Ethnologin Dara doku­men­tiert die zum Abriss bestimm­ten Häuser. Der jun­ge Pole Lucek und sei­ne Kollegen berei­ten die kom­men­de Baustelle vor. Käthe arbei­tet auf der Fähre, bringt ste­tig Menschen mit ihren Geschichten und Waren hin und her. Birte und Leif ver­las­sen ihr über Generation ver­erb­tes Haus. Agnes‘ Leben spie­gelt sich in ihren Tagebucheinträgen, ihren Sammlerstücken und den Wänden ihres Hauses, das bald abge­ris­sen wird. Ein däni­scher Sommer: lan­ge Tage wer­den zu blau­en Nächten. Menschen begeg­nen sich, dann tren­nen sich ihre Wege wieder.

    Raffiniert ver­steckt in einem Detail, könn­te die Erklärung für den Titel des Films auch unbe­merkt blei­ben. Augenscheinlich sind hin­ge­gen das behut­sa­me Vorgehen und der erho­be­ne Blickwinkel einer fik­ti­ven Geschichte, die − ver­wur­zelt im his­to­ri­schen Materialismus − eine euro­päi­sche Tunnelbaustelle, die Dänemark und Deutschland mit­ein­an­der ver­bin­den soll, dazu nutzt, die Erinnerung an ein Gebiet zu bewah­ren, das zum Verschwinden ver­ur­teilt ist. Dabei wer­den auch die sozia­len Beziehungen, die einer Ideologie des Fortschritts zum Opfer fal­len, untersucht.”
    Antoine Thirion

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    Credits:

    DK/DE 2019, 87 Min.,  deutsch/englisch/dänisch/polnische OmU
    Buch & Regie: Anna Sofie Hartmann 
    Kamera: Jenny Lou Ziegel 
    Schnitt: Sofie Steenberger
    mit Lisa Loven Kongsli, Maren Eggert, Jakub Gierszał, Mariusz Feldman,

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    Trailer: (vor­läu­fig)

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  • Sibyl

    Sibyl

    Ein Film von Justine Triet.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    SIBYL von Justine Triet war einer von gera­de­zu sen­sa­tio­nel­len vier (!) Filmen von Regisseurinnen, die 2019 in Cannes mit 17 ande­ren Werken um die Goldene Palme kon­kur­rier­ten (bei im Schnitt 1,14 Filmen von Frauen in 72 Jahren Wettbewerb). Er kommt jetzt als letz­tes Werk aus die­ser Reihe, nach PORTRAIT EINER JUNGEN FRAU IN FLAMMEN von Celine Sciamma und LITTLE JOE von Jessica Hausner (Mati Diobs ATLANTIQUE hat­te hier lei­der kei­nen Kinostart) auf unse­re Leinwand.

    In Frankreich ist sie ein Star, in Deutschland noch eher unbe­kannt: Virginie Efira ver­kör­pert Sibyl, eine recht jun­ge, aber bereits geschie­de­ne Psychotherapeutin mit klei­ner Tochter, die genug hat von ihrem Beruf. Direkt nach ihrem Beschluss, sich mit vol­ler Kraft ihrer eigent­li­chen Leidenschaft, dem Schreiben, zu wid­men, ereilt sie sogleich eine ordent­li­che Blockade. Als Rettung erscheint Margot. Die ver­zwei­fel­te Frau setzt ihr hart­nä­ckig so lan­ge zu, bis es zu einer Therapiestunde kommt. Sie ist Schauspielerin, unglück­lich liiert mit Igor, dem bereits ver­ge­be­nen Filmpartner ihres aktu­el­len Films, und schwan­ger. Sibyl saugt ihre Geschichte als Inspiration gera­de­zu auf, und ver­liert immer mehr die Übersicht über ihre emo­tio­nel­le Beteiligung.

    Beim Dreh direkt am Vulkan Stromboli, bei dem Sibyl ihre Patientin psy­cho­lo­gisch unter­stüt­zen soll, trifft sie auch noch auf Mika, Igors Lebensgefährtin. Die ist nicht weni­ger ist als die Regisseurin des Films, und wird von Sandra Hüller als unkon­ven­tio­nel­le Künstlerin, die der Arbeit auch per­sön­li­che Interessen unter­ord­net, ful­mi­nant gege­ben. Auch Mika will sie für sich ein­span­nen. Unter den viel­fäl­ti­gen Ansprüchen, die auf sie ein­pras­seln, droht Sibyls Leben voll­ends aus den Fugen zu geraten.

    … In der Tat hat Triets drit­ter Spielfilm den Geist von Francois Ozon in sei­ner ver­spiel­tes­ten und aus­ge­las­sens­ten Form, leicht gekippt durch die sym­pa­thi­sche weib­li­che Perspektive der Regisseurin auf Frauen, die am Rande eines Nervenzusammenbruchs ste­hen und ohne Rücksicht auf Verluste wei­ter­ma­chen müs­sen. … Guy Lodge, Variety

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    Credits:

    FR 2019, 100 Min., frz. OmU
    Regie : Justine Triet
    Kamera: Simon Beaufils
    Schnitt: Laurent Sénéchal
    mit: Virginie Efira, Adèle Exarchopoulos, Gaspard Ulliel, Sandra Hüller

     

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    Trailer:

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  • Schlingensief – In das Schweigen hineinschreien

    Schlingensief – In das Schweigen hineinschreien

    Ein Film von Bettina Böhler.

    [Credits] [Tickets &Termine] [Trailer]

    Welch eine Freude, wie­der ein­mal Christoph Schlingensief zuzu­hö­ren und zuzu­se­hen! Die gedank­li­che Schärfe, die schel­mi­sche Ironie und die poli­ti­sche Klarheit, mit der er in Bettina Böhlers Film über sich, sei­ne Kunst und sei­ne Filme spricht, las­sen den Ausnahmekünstler schmerz­lich ver­mis­sen, gleich­zei­tig aber auch quick­le­ben­dig auf der gro­ßen Leinwand auf­er­ste­hen. 2020 wäre Christoph Schlingensief 60 gewor­den. Bettina Böhler ist das gro­ße Kunststück gelun­gen, in nur zwei Stunden und aus­schließ­lich aus Archivmaterial ein Leben und ein Werk durch vir­tuo­sen Schnitt neu zu erzäh­len. Von Schlingensiefs ers­ten Super-8-Filmen bis zum Fluxus-Oratorium „Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir“ umspannt ihr Film ein 40-jäh­ri­ges Schaffen und damit auch 40 Jahre (deutsch-)deutscher Geschichte, an der sich Schlingensief Zeit sei­nes Lebens radi­kal abge­ar­bei­tet hat. Meisterhaft mon­tiert Böhler Filmausschnitte und Privatvideos, Theatermitschnitte und viel bis­lang unver­öf­fent­lich­tes, neu digi­ta­li­sier­tes Material. Am Ende der Tour de Force bleibt die Frage: Wäre Schlingensiefs Kunst heu­te so noch denkbar?

    Das Filmgespräch mit Bettina Böhler am 23.8. kann man hier anschauen.

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    Credits:

    DE 2020, 124 Min., 
    Regie, Buch, Schnitt: Bettina Böhler
    mit Christoph Schlingensief, Margit Carstensen, Irm Hermann, Alfred Edel, Udo Kier

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    Trailer:

    Schlingensief – In das Schweigen hin­ein­schrei­en | Offizieller Trailer HD | Jetzt im Kino

  • Kokon

    Kokon

    Ein Film von Leonie Krippendorff.

     

    Wir sind wie Fische im Aquarium. Wir schwim­men immer im Kreis.“ lässt Leonie Krippendorff ihre Heldin Nora ganz am Anfang sagen. Mit der Handykamera gefilm­te Bilder von Blumen,

    Schmetterlingen, dem Kottbusser Tor sind da zu sehen, die in ihrem Hochkant-Format nur einen klei­nen Teil der Leinwand aus­fül­len. 14 Jahre ist Nora (Lena Urzendowsky) alt, bzw. jung, ein ver­schlos­se­nes, etwas schüch­ter­nes Mädchen, das im Kreis der Freunde ihrer etwas älte­ren Schwester Jule (Lena Klenke) eher Mitläuferin ist als wirk­lich dabei. Im Laufe des Films wird sich das ändern, wird Nora Erfahrungen sam­meln, wird das Bildformat immer brei­ter wer­den, als woll­te es Platz machen, für all die neu­en Erfahrungen und Sinneseindrücke, die nicht mehr in das klei­ne Handyformat passen.

    Nora und Jule wach­sen am und um den Kottbusser Tor auf, das Zentrum von Kreuzberg, eine Gegend, die oft als gefähr­lichs­ter Ort der Hauptstadt beschrie­ben wird, an dem der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund hoch ist, an dem Heranwachsende aber auch ein beson­ders gro­ßes Maß an Freiheit haben. Gerade wenn die allein­er­zie­hen­de Mutter ihre Zeit lie­ber in einer Kneipe ver­bringt, als sich um ihre Töchter zu küm­mern, die so schon viel zu früh gezwun­gen sind, auf sich selbst aufzupassen.

    Gerne son­nen sie sich auf den Dächern der Wohnblocks, fan­gen an zu rau­chen, nicht nur Zigaretten, hän­gen in Cafés ab, wo sie um die Aufmerksamkeit der Jungs buh­len oder gehen ins nahe gele­ge­ne Freibad. Dort sieht Nora auch zum ers­ten Mal Romy (Jella Haase), ein etwas älte­res Mädchen, das auch auf ihre Schule geht und schon allein äußer­lich anders ist: Wilde Haare, bun­te Klamotten, ganz offen­sicht­lich kei­nen Wert dar­auf­le­gend, von allen gemocht zu werden.

    Und da auch Nora anders ist, nach­denk­li­cher, in Gläsern in ihrem Zimmer Raupen her­an­zieht, die sich ver­pup­pen und zu Faltern ver­wan­deln und auch beim Referat mit nur wenig Scheu von ihren Ängsten und Träumen berich­tet, fin­den sie und Romy zusam­men. Unbeschwerte Momente ver­brin­gen die bei­den, doch was für Romy eine inten­si­ve ers­te Erfahrung ist, ist für Romy nur ein Spiel.

    Ja, die Metapher von der Raupe, die sich zum Schmetterling ver­wan­delt, ist nicht sub­til, doch das ist der ein­zi­ge Aspekt von Leonie Krippendorffs „Kokon“, der ein wenig bemüht wirkt. Abgesehen davon gelingt der Berliner Regisseurin in ihrem zwei­ten Film eine Coming-of-Age-Geschichte, die durch ihre genau beob­ach­te­ten Lebensumstände über­zeugt. Um die pro­fes­sio­nel­len, schon erfah­re­nen Hauptdarsteller hat Krippendorff ein Ensemble aus jun­gen Gesichtern geschart, die weni­ger Rollen spie­len als sie selbst zu sein. Egal ob in der Schule, wo sich auf­ge­plus­tert und ange­ge­ben wird, in der Freizeit, wo um die Gunst der Mädchen gebuhlt wird oder ein­fach auf den Straßen um das Kottbusser Tor: Wie eine Dokumentation wirkt „Kokon“ oft, ohne in einen pro­blem­be­haf­te­ten Sozialrealismus zu ver­fal­len. Was teil­wei­se wie ober­fläch­li­ches Verhalten wirkt, wie ein in den Tag hin­ein­le­ben, erscheint hier wie pure Authentizität. Das Krippendorff gera­de auch die kaum ver­hoh­le­ne Homophobie die­ser Welt nur andeu­tet und nicht mit erho­be­nem Zeigefinger anpran­gert, zeich­net ihren Blick aus. Keine mora­li­sche Lektion wird hier erteilt, son­dern das Leben jun­ger Menschen in Kreuzberg Anno 2020 gezeigt; unver­blümt, direkt und authentisch.

    Michael Meyns | programmkino.de

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    Credits:

    DE 2020, 95 Min., dt. OmeU
    Regie & Buch: Leonie Krippendorff
    Schnitt: Emma Alice Gräf
    Kamera: Martin Neumeyer
    mit: Lena Urzendowsky, Jella Haase, Lena Elenke, Elina Vildanova, Anja Schneider, Denise Ankel


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    Trailer:

    Kokon Trailer Deutsch | German [HD]