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  • Zentralflughafen T H F

    Zentralflughafen T H F

    Ein Film von Karim Aïnouz.

    Seit Herbst 2015 die­nen eini­ge Hangars des Flughafengebäudes Tempelhof als Flüchtlingsunterkunft. In klei­nen Zimmern, die kei­ne Decke und einen Vorhang statt Tür haben, leb­ten bis zu 2000 Geflüchtete. Intimsphäre gibt es kaum, außer­dem sind die Hallen nur schlecht beheiz­bar. Es soll­te nur ein Transitraum sein, aber das Warten auf Papiere, Wohnung etc. zog sich für vie­le immer wei­ter hin.

    Der bra­si­lia­ni­sche Filmemacher Karim Aïnouz war eigent­lich hier­her gekom­men, um eine Dokumentation über die ange­kün­dig­te Schließung Tegels zu dre­hen. Als Architekt inter­es­sier­te ihn Tegels Funktionalität, aber da es um Berliner Luftfahrtgeschichte ging, soll­te auch „die Mutter aller Flughäfen“ vor­kom­men, wie Norman Foster Tempelhof ein­mal genannt hat. Das, was er dann vor Ort sah, erschüt­ter­te ihn und er ver­such­te abseits der lau­ten Berichterstattung über die „Flüchtlingskrise“ einen Film zu machen, der das Schicksal der Menschen an die­sem Ort doku­men­tiert. Einfühlsam zeigt er ihr von Unsicherheit, Verstörung, Sehnsucht, aber auch Unbeschwertheit bestimm­tes Leben. Architektur und Jahreszeiten sowie der völ­li­ge Gegensatz zu den Parkbesuchern jen­seits des Zaunes ver­lei­hen dabei der Realität ein sur­rea­les Gesicht. Aïnouz Protagonisten sind der Syrer Ibrahim und der Iraker Qutaiba, bei­de berei­ten sie sich mit Übersetzern, Ärzten, Sprachlehrern und Jobvermittlern auf ein neu­es Zuhause in Deutschland vor.

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    Credits:
    Deutschland / Frankreich / Brasilien 2018, 97 Min.

    Arabisch, Englisch, Deutsch, Russisch OmU
    Regie: Karim Aïnouz
    Kamera: Juan Sarmiento G.
    Schnitt: Felix von Boehm

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    Termine:

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    Trailer:

    Zentralflughafen THF (Offizieller Trailer)

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  • Zama

    Zama

    Ein Film von Lucrecia Martel.

    Der titel­ge­ben­de Protagonist des Films ist ein Offizier der spa­ni­schen Krone, der in einem Ort an der süd­ame­ri­ka­ni­schen Küste dar­auf war­tet, end­lich nach Buenos Aires ver­setzt zu wer­den. Doch der Gouverneur lässt sich viel Zeit, den Bittbrief an den spa­ni­schen König zu schi­cken, und auf eine rasche Antwort vom König darf Don Diego de Zama auch nicht hof­fen. Er steckt also fest und je län­ger er war­tet, des­to mehr ero­diert sein kolo­ni­al­herr­schaft­li­ches Leben; die pracht­vol­le Kleidung ver­schleißt zuse­hends und Zama ver­liert lang­sam an Macht und Einfluss.

    Ein Geduldsspiel mag das sein, ein bewuss­tes Gegenstück zu all den Filmen, die viel zu viel erzäh­len wol­len, hek­tisch von einem Handlungsmoment zum nächs­ten het­zen. Martel dage­gen erzählt von Zuständen, die sie vor allem mit einem aus­ge­feil­ten Sounddesign evo­ziert. Geräusche von Tieren oder dem Wind ver­mi­schen sich zuneh­mend mit einem omi­nö­sen Brummen und Rauschen, Dialogfetzen wie­der­ho­len sich, so als wür­de sich Zamas Bewusstseinszustand zuneh­mend aus der Realität ent­fer­nen. Und lang­sam, ganz lang­sam kommt schließ­lich auch doch noch äuße­re Bewegung in den Film, insze­niert Martel eine Reise ins Herz der Finsternis, die Zama zwar äußer­lich mit der Natur, mit den Ureinwohnern kon­fron­tiert, vor allem aber mit sei­ner Menschlichkeit. … Man muss sich also dar­auf ein­las­sen, nicht schon nach zehn Minuten ohne erkenn­ba­re Handlung unge­dul­dig wer­den, son­dern sich dem Sog einer ein­zig­ar­ti­gen Stimmung über­las­sen, die „Zama“ zu so einem beson­de­ren, bemer­kens­wer­ten Film macht.“ Michael Meyns | programmkino.de

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    Credits:

    Argentinien/ Brasilien/ Spanien/ Frankreich/ Niederlande/ Mexiko/ Portugal/ USA 2017, 114 Min.,
    span. OmU
    Regie: Lucrecia Martel
    Buch: Lucrecia Martel, nach dem Roman von Antonio di Benedetto
    Kamera: Rui Poças 
    Schnitt: M. Schverdfinger, K. Harley
    Darsteller: Daniel Giménez Cacho, Lola Dueñas, Matheus Nachtergaele, Juan Minujín, Rafael Spregelburd, Nahuel Cano, Mariana Nunes
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    Termine:

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    Zama from tri­gon-film on Vimeo.

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  • J  F B B 2018 – 24. Jüdisches Filmfestival Berlin und Brandenburg

    J F B B 2018 – 24. Jüdisches Filmfestival Berlin und Brandenburg

    Das 24. Jüdische Filmfestival Berlin & Brandenburg fin­det vom 26.6. bis 5.7. 2018 statt.
    Bei uns gibt es am 27., 28., 29..6. und am 3.7. aus­ge­wähl­te Vorführungen.
    Mehr unter: www.jffb.de

    Termine:

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  • Global Family

    Global Family

    Ein Film von Andreas Köhler und Melanie Andernach.

    Cabtan Shaash könn­te heu­te Sportminister in Somalia sein, viel­leicht sogar Ministerpräsident. Einst war er einer der bes­ten Fußballspieler des Landes, eine Berühmtheit („Wir wären so etwas wie die Töchter von Franz Beckenbauer.“), doch der Bürgerkrieg mach­te alles zunich­te und ver­streu­te die Familie über die gan­ze Welt. Shaash lebt mit sei­ner Tochter Yasmin und deren Kindern in Deutschland, einer sei­ner Brüder in Italien, ande­re Familienmitglieder in Kanada. Imra, Shaashs 88 Jahre alte Mutter, hat es nach Äthiopien ver­schla­gen, wo sie von ihrer Nichte gepflegt wird. Als Imra plötz­lich gezwun­gen ist, ihr Exil zu ver­las­sen, muss die Familie schnell eine Lösung finden.
    Shaash und Yasmin fah­ren nach Äthiopien und sehen zum ers­ten Mal seit 30 Jahren ihre Mutter und Großmutter wie­der. Die Emotionen schie­ßen über, unter­schied­li­che Erfahrungen pral­len auf­ein­an­der. Der Besuch aus Deutschland ist geschockt über die slum­ar­ti­gen Lebensumstände und wird mit hohen Erwartungen kon­fron­tiert. Und über allem schwebt die Frage: Was pas­siert mit Imra?

    (…) eine geer­de­te Variante zur breit ange­leg­ten Doku Human Flow von Ai Weiwei.“
    Christian Horn, programmkino.de

    Gewinner „Bester Dokumentarfilm” auf dem Max-Ophüls Festival 2018

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    Credits:
    Deutschland 2018,  91 Min., Dt., Som., Ital. mit dt. UT 
    Regie: Andreas Köhler, Melanie Andernach
    Kamera: Andreas Köhler
    Schnitt: Nicole Kortlüke, Carina Mergens

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    Termine:

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  • Nordlichter 2018

    Nordlichter 2018

    Die 4. Ausgabe des skan­di­na­vi­schen Filmfestivals bringt wie­der neue Filme aus Island, Dänemark, Schweden, Finnland und Norwegen.
    Alle Filme im ori­gi­nal mit deut­schen Untertiteln.

    Yarden / The Yard Der Journalist und allein­er­zie­hen­de Vater Anders ver­liert sei­ne Arbeit, nach­dem er eine Rezension sei­nes eige­nen Buches ver­öf­fent­licht hat. Um Arbeitslosigkeit zu ver­mei­den, nimmt er eine Stelle bei Yarden, der Verladestation für PKWs im Hafen von Malmö, an. Beim dem Job wird sei­ne Identität auf eine fünf­stel­li­ge Nummer redu­ziert. Und die Beziehung zu sei­nem puber­tä­ren Sohn wird durch den neu­en Job auch nicht einfacher.
    Schweden/D 2016, 80 min, schwed. OmU, Regie: Måns Månsson

    Yarden (Måns Månsson, 2016) – Officiell trailer

    Fantasten Claus führt ein Doppelleben. Am Tag ver­kauft er erfolg­reich Autos in der Kopenhagener Innenstadt, gibt sich als smar­ter Geschäftsmann, in der Nacht wird er zum lei­den­schaft­li­chen Spieler am Poker- oder Roulette-Tisch. Als Claus in erheb­li­che Spielschulden gerät, hat sein 19-jäh­ri­ger Sohn Silas plötz­lich eine Gruppe kri­mi­nel­ler gewalt­tä­ti­ger Männer am Hals. Claus muß sein eige­nes Leben aufs Spiel zu set­zen, um sei­nen Sohn zu retten.
    Dänemark 2017, 97 min., dän. OmU Regie: Christian Dyekjær

    Fantasten – Hovedtrailer

    Viraali / Virality Das gro­ße Spiel mit dem Bitcoin-Hype bringt vier Charaktere im moder­nen Helsinki auf unter­schied­lichs­te Weise zusam­men. Ein Polizist mit gro­ßem Interesse an einer auf­stre­ben­den Cellistin, ein intel­li­gen­ter Hacker, ein jun­ger erfolgs­süch­ti­ger Rapper und ein geschie­de­ner Bankkaufmann wer­den dabei Teil einer span­nungs­ge­la­de­nen Kriminalgeschichte.
    Finnland 2017, 110 Min., finn. OmU, Regie: Thomas Laine

    Viraali / Virality (2017) – Official Teaser Trailer 4K

    Hoggeren / The Tree Feller Den 39-jäh­ri­gen Anders zieht es weg vom gewöhn­li­chen Großstadtleben – zurück auf Land, zurück zur Farm sei­ner ver­stor­be­nen Eltern. Sein ein­zi­ger Wunsch ist es, allein im Wald zu sein und sich beim ziel­lo­sen Baumfällen in der kör­per­li­chen Arbeit zu ver­lie­ren. Die Ruhe wird jedoch wie­der und wie­der durch sei­ne auf­dring­li­chen Verwandten gestört, mit ste­tig wich­ti­gen Hinweisen, was er und wie er Dinge zu tun hat.
    Norwegen 2017, 82 min, norw. OmU, Regie: Jorunn Myklebust Syversen#

    Hoggeren | Trailer | Mer Film

    Blóðberg / Homecoming Gunnar, erfolg­rei­cher, den­noch frus­trier­ter Autor von Selbsthilfe-Büchern, hat eine ver­heim­lich­te Tochter aus einer frü­he­ren Affäre, die nun mit sei­nem Sohn David liiert ist. Während Gunnar ver­sucht, die jun­ge Beziehung zu sabo­tie­ren, wächst ein Lügenberg.
    Island 2015, 100 min, isl. OmU, Regie: Björn Hlynur Haraldsson

    Keep Frozen Der Job als Hafenarbeiter an den Kais von Reykjavik ist nur etwas für ech­te Kerle. In 16-Stunden-Schichten ent­la­den sie den tief­ge­kühl­ten Fang der rie­si­gen Hochseetrawler. Bei 30 Grad minus, tief im Bauch des Schiffes wuch­ten sie sto­isch 25 Kilo schwe­re Kartons umher, damit der Kran sie her­aus­hie­ven kann.
    Island 2016, 68 Min., islän­di­sche OmU, Regie: Hulda Ros Gudnadottir
    Am Montag, 11.6. mit anschlie­ßen­dem Filmgespräch mit Hulda Ros Gudnadottir.

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  • Kinders

    Kinders

    Ein Film von Arash und Arman T. Riahi.

    Ein diver­ses Porträt von Kindheit, erzählt als klas­si­sche Held*innenreise.
    Die fas­zi­nie­ren­de wie berüh­ren­de spiel­film­na­he Doku erzählt, wie Kindern und Jugendlichen aus pre­kä­ren Verhältnissen mit Musik gehol­fen wird, ihr Leben in den Griff zu krie­gen. Die Brüder Arash und Arman T. Riahi haben eini­ge von ihnen ein Jahr lang beim Musizieren beglei­tet. Als erfah­re­ne Regisseure hal­ten sich dabei stets im Hintergrund und las­sen lie­ber den klei­nen Stars den Vortritt – bei Proben, in Familienszenen oder wenn sie vor der Kamera unbe­fan­gen und selbst­re­flek­tie­rend von ihren Ängsten und Träumen erzählen.

    Ö 2017, 95 Min., Buch und Regie: Arash und Arman T. Riahi, Kamera Mario Minichmayr, Riahi Brothers, Schnitt: David Arno Schwaiger

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  • Kolyma

    Kolyma

    Ein Film von Stanislaw Mucha.

    Man darf nichts zu ver­lie­ren haben, um heu­te hier leben zu wol­len.“ So lau­tet das Motto über die­sem Film, in dem Lachen und Verzweiflung dicht bei­ein­an­der­lie­gen. Die „Straße der Knochen“, so genannt nach den sibi­ri­schen Zwangsarbeitern, die hier ums Leben kamen oder ermor­det wur­den, ist auch im moder­nen Russland eine ver­ges­se­ne Region. Der Sommer ist kurz, der Winter lang – sehr lang – und die Menschen, die sich der Kamera stel­len, sind manch­mal viel­leicht ein­fach froh, dass sich jemand mit ihnen unter­hält. Die Landschaft ist karg, der Permafrost-Boden taut manch­mal auf, hier und da liegt Schnee, in der Tundra reg­net es häu­fig, nur sel­ten ist mal die Sonne zu sehen. Die Fahrt beginnt in der Hafenstadt Magadan, einem gott­ver­las­se­nen Nest, inzwi­schen Hauptstadt der Region. Links und rechts der Straße sind die Spuren der Sowjetherrschaft zu sehen: die Ruinen der Arbeitslager, ver­las­se­ne Minen, halb fer­ti­ge Wohnhäuser. Doch im Mittelpunkt ste­hen die Menschen, die hier leben. Manche sind hier gestran­det, eini­ge kamen als Flüchtlinge, ande­re waren Häftlinge, nur weni­ge haben ihre Wurzeln hier. „Ihr fahrt über einen Friedhof, ver­gesst das nicht“, sagt der alte Mann, der viel­leicht ein Ex-Häftling ist. Früher war Kolyma ein Synonym für den Gulag, für das unmensch­li­che System der so genann­ten „Besserungslager“, die als sowje­ti­sche Tradition von den Zaren über­nom­men wur­den und bis Ende der 80er Jahre in Betrieb waren. Hunderttausende von Menschen wur­den hier­her ver­bannt, vie­le aus poli­ti­schen oder reli­giö­sen Gründen, aber auch Schwerkriminelle sowie straf­fäl­lig gewor­de­ne Menschen, die je nach Auffassung des jewei­li­gen Regimes als „sozi­al schäd­lich“ gal­ten. Das konn­ten Adlige sein, aber auch Geschäftsleute. Als Häftlinge leis­te­ten sie Zwangsarbeit, arbei­te­ten unter elen­den Bedingungen in Goldminen oder im Uranabbau, ohne Strahlenschutz. So wird die Fahrt über 2000 Kilometer ent­lang dem Kolyma zur Reise in die Vergangenheit.

    Ähnlich wie in sei­ner Schwarzmeer-Reise „Tristia“ hat Stanislaw Mucha wie­der ein Roadmovie als Filmcollage gedreht. Die Kamera bleibt meist sta­tisch, was ganz gut ist, denn das, was zu sehen ist, muss manch­mal erst­mal sacken. Die Gesprächspartner, die Stanislaw Mucha gefun­den hat, sind eine Auswahl exqui­si­ter Originale, lau­ter schrä­ge Typen. Da gibt es einen Hobbyphysiker, der sei­nen Vater mit­hil­fe von Strom ver­jün­gen möch­te – das soll­te man übri­gens kei­nes­falls ver­su­chen nach­zu­ma­chen. Eisangler sind zu sehen, Goldgräber mit selbst­ge­bau­ten Werkzeugen, ein Mann, der ein pri­va­tes Straflagermuseum auf­ge­baut hat, Flüchtlinge aus der Ukraine, ein ehe­ma­li­ger Schwerverbrecher und Zwangsarbeiter, ein zor­ni­ger Ex-Soldat lässt sich nur durch Akkordeonklänge beru­hi­gen … Dazu lie­fert Stanislaw Mucha ori­gi­nel­le Bilder aus dem sibi­ri­schen Alltag: tief­ge­kühl­te Pferdeköpfe auf dem Markt, Kunst aus Eis, wovon es hier reich­lich gibt. Alles ohne Kommentar und Erklärungen, was manch­mal etwas ver­wir­rend wirkt, zumal die Chronologie ganz col­la­ge­ty­pisch im Hintergrund bleibt. Unterbrochen wer­den die Interviews von bei­na­he bizar­ren Hobby-Kulturpräsentationen. Häufig sind es Kindertanzgruppen, die – ganz im Stil der Ex-Sowjetunion – Tänze und Songs zei­gen. Diese skur­ri­len Revuenummern, gleich­zei­tig rüh­rend und komisch, tra­gen ein biss­chen Leichtigkeit in den Film, der im Grunde vom Leben mit einer trau­ri­gen Vergangenheit han­delt, vom Wissen dar­über, was Menschen hier ande­ren Menschen ange­tan haben. Am Ende gibt es dazu ein inter­es­san­tes Statement, und viel­leicht war die gesam­te Reise von 2025 Kilometern bis Jakutsk nur die Vorbereitung für den Schluss. Wie stark strahlt das Leid über dem Land auf die fol­gen­den Generationen ab?

    Aber sogar in Sibirien ist die neue Zeit ein­ge­zo­gen: Die fröh­li­che jun­ge Frau am Hot Dog-Stand kann mit dem Begriff „Gulag“ gar nichts mehr anfan­gen. Sie ver­steht „Gulasch“.
    Gaby Sikorski | programmkino.de

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    Credits:
    Deutschland 2017, 85 Min., rus­sisch, deut­sche OmU
    Buch, Regie: Stanislaw Mucha
    Kamera: Enno Endlicher
    Schnitt: Stanislaw Mucha, Emil Rosenberger 

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    Termine:

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    Kolyma [Offizieller Trailer Deutsch HD German]
  • The Rider

    The Rider

    Ein Film von Chloé Zhao.

    [indie­ki­no club]

    In Chloe Zhaos auch schon wun­der­ba­rem Debut Songs my brot­her taught me fragt eine Lehrerin in einer doku­men­ta­ri­schen Szene ihre Klasse nach den Berufswünschen. Während die Mädchen „Lehrerin“, „Ärztin“, „Sängerin“ und ande­res ant­wor­ten, pla­nen die Jungen uni­so­no eine Karriere als „Bull-“ bzw. „Rodeorider“.
    Hier im Reservat lernt die Regisseurin auch Brady ken­nen, einen jun­gen Cowboy, Pferdeflüsterer und ehe­ma­li­ger Rodeo-Champion india­ni­scher Herkunft. Rodeo – das ist in der offe­nen Wildnis der Heartlands South Dakotas aller­dings kein schnö­der Beruf, son­dern bedeu­tet den jun­gen Männern ALLES. Die Wettkämpfer bewun­dern ihre Champions, sie hal­ten zusam­men, küm­mern sich nach den nicht sel­te­nen Unfällen umein­an­der und machen sich sehr viel vor. Brady, Mittelpunkt des Films, spielt sei­ne Geschichte (aber nicht sich) qua­si selbst. Mit einer jün­ge­ren behin­der­ten Schwester und dem Vater lebt er auf und von der klei­nen Pferdefarm etwas abseits inmit­ten des hüge­li­gen Weidelandes. Nach einem Unfall am Stier und einer Metallplatte im Kopf ist ihm das Reiten ver­bo­ten, und zu sei­ner Verzweiflung muss auch noch sein Lieblingspferd ver­kauft wer­den, dabei dreht sich alles bei ihm ums Rodeo und die Arbeit mit und der Liebe zu Pferden. Hin- und her­ge­ris­sen zwi­schen sei­nem alten und zukünf­ti­gen Leben muss Brady sei­ne Identität neu aus­lo­ten, noch aber kann und will er nicht loslassen.

    Ich will unse­ren Jungs sagen, dass es okay ist, ver­letz­lich zu sein, dass sie nicht sein müs­sen wie die toug­hen Gewinnertypen, die man sonst im Kino sieht. Ich möch­te unse­ren Söhnen sagen, dass sie ruhig geplatz­te Träume haben kön­nen, aber wah­re Helden die­je­ni­gen sind, die trotz­dem wei­ter­träu­men.“ Chloé Zhao

    … ein bild­star­ker moder­ner Western, der die tra­di­tio­nel­len Männlichkeitsideale des länd­lich gepräg­ten Teils der USA auf fast schon zärt­li­che Weise hinterfragt.“
    Christoph Petersen | filmstarts.de

    In what will easi­ly go down as one of the best examp­les of this unu­su­al cas­ting pro­cess [means: to cast the real-life sub­jects of a sto­ry to por­tray them­sel­ves], Zhao has taken a ten­der nar­ra­ti­ve and trans­for­med it into a breath­ta­kin­gly beau­tiful dra­ma that shoots straight to the heart. … the spi­rit that emana­tes from the set­ting, cha­rac­ters, rela­ti­onships and direc­tion is bril­li­ant.“ Kiko Martinez, San Antonio Current

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    Credits:
    USA 2017, 104 Min., engl. OmU
    Regie: Chloé Zhao
    Kamera: Joshua James Richards

    Schnitt: Alex O’Flinn
    Darsteller: Brady Jandreau, Tim Jandreau, Lily Jandreau, Lane Scott

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    Termine:

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  • 12 Tage

    12 Tage

    Ein Film von Raymond Depardon.

    Zwölf Tage – das ist die Frist, inner­halb derer in Frankreich ein Patient nach der Zwangseinweisung eine Anhörung vor Gericht bekom­men muss. Zehn Fälle doku­men­tiert Depardon, mit Kameras, die jeweils kon­zen­triert den Patienten oder die rich­ter­li­che Instanz in den Blick neh­men, unter­bro­chen von ein paar Raumeinstellungen. Die Sachlichkeit der Methode hilft der Empathie des Zuschauers auf die Sprünge: In sel­te­ner Klarheit sieht man den gro­ßen Schmerz, der allen psy­chi­schen Erkrankungen zugrun­de liegt.

    70. Internationale Filmfestspiele von Cannes – Séances Spéciales

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    Credits:

    OT: 12 jours
    F 2017, 87 Min., frz. OmU
    Regie: Raymond Depardon
    Kamera: Raymond Depardon
    Schnitt: Simon Jacquet

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    Termine:

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  • Am Strand

    Am Strand

    Ein Film von Dominik Cooke.

    Schon ein­mal, 2007, war Saoirse Ronan in der Verfilmung eines Romans von Ian McEwan zu sehen, in „Abbitte“. Da spiel­te sie ein 13-jäh­ri­ges Mädchen, das im Sommer des Jahres 1935 die ero­ti­sche Spannung zwi­schen ihrer älte­ren Schwester und dem Sohn der Haushälterin regis­triert und mit einer fal­schen Beobachtung das Leben der bei­den zer­stört. Ronan ver­lieh die­sem Mädchen eine wun­der­vol­le Ambivalenz: nach­denk­lich, auf­merk­sam und kom­pli­ziert, für ihr Alter viel zu klug und doch unschul­dig, weil ihr die Sexualität der Erwachsenen noch ver­schlos­sen ist. Auch in „Am Strand“ wird es um Sexualität gehen, vor allem um die Angst davor, um Anziehung und Prüderie, um Begierde und Scheu.

    Es ist der Sommer 1962. Florence (Saoirse Ronan) und Edward (Billy Howle), bei­de Anfang 20, haben soeben gehei­ra­tet. Nun sit­zen sie in einem lang­wei­li­gen, bie­de­ren Hotel am Chesil Beach in Dorset und essen zu Abend. Eine selt­sa­me Spannung liegt über dem Dinner, die Unterhaltung kommt nicht recht in Gang, man ahnt, dass etwas nicht stimmt. Die bevor­ste­hen­de Hochzeitsnacht legt sich wie Mehltau über die­sen Spätnachmittag. Nun erfährt der Zuschauer in Rückblenden, wie Florence und Edward sich ken­nen gelernt haben, wer sie eigent­lich sind. Florence stammt aus einer rei­chen, kon­ser­va­ti­ven Familie, ihr her­ri­scher Vater ist ein erfolg­rei­cher Geschäftsmann. Edwards Vater hin­ge­gen ist ein­fa­cher Lehrer, sei­ne Mutter ist nach einem Unfall geis­tig behin­dert. Florence spielt in einem Streichquartett meis­ter­haft Violine, Edward will ein­mal Autor wer­den. Zwei Menschen, wie sie unter­schied­li­cher nicht sein könn­ten. Der Liebe tut dies kei­nen Abbruch. Doch als Edward jetzt, im faden Hotelzimmer, Florence unge­schickt auf die Pelle rückt, stürmt die ent­setz­te Braut aus dem Hotel zum Chesil Beach. Der nun fol­gen­den Auseinandersetzung ist Edward nicht gewachsen…

    Der Roman ist berühmt für sein Ende, in dem McEwan auf weni­gen Seiten den Rest von Edwards Leben refe­riert. Die Absicht ist klar: Dieser eine Abend am Strand von Chesil war von höchs­ter Bedeutung. Regiedebütant Dominic Cooke fin­det für den Schluss eine ange­neh­me­re Lösung, die den Zuschauer etwas wei­cher auf­fängt. Das ändert aber nichts an der Traurigkeit des Films, denn hier geht vor allem um ver­pass­te Lebenschancen, um falsch geleb­tes Leben und die Reue dar­über. Saoirse Ronan und Billy Howle machen die­ses Bedauern ein­drück­lich deut­lich: zwei Menschen, die noch zu jung sind für das, was an die­sem Abend auf sie zukommt. Besonders Ronan, die sel­ten schö­ner war als in die­sem Film, über­zeugt als eigent­lich selbst­be­wuss­tes Mädchen, das sich wort­reich gegen die kon­ser­va­ti­ven Eltern wehrt und sogar gegen die Atombombe demons­triert, mit Sex aber gar nichts am Hut hat. Die Rückblenden fügen sich naht­los in die Erzählung ein. Jede Szene aus der Vergangenheit offen­bart, dass die bei­den Liebenden sich frü­her woh­ler mit­ein­an­der gefühlt haben als aus­ge­rech­net jetzt, in der Hochzeitsnacht. Natürlich ist dies auch ein Film über das England der frü­hen sech­zi­ger Jahre und die Lustfeindlichkeit, die damals geherrscht haben muss. Miteinander zu schla­fen, die Jungfernschaft zu ver­lie­ren, hat­te für die­se Generation etwas zutiefst Verstörendes, die Eltern waren kei­ne gro­ße Hilfe. Dass nur weni­ge Jahre spä­ter mit der Beatlemania und den Swinging Sixties eine neue Ära der Freiheit begann, wie Cooke am Ende kurz andeu­tet, macht die­se ver­un­glück­te Hochzeitsnacht noch absur­der und beklemmender.
    Michael Ranze | programmkino.de

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    Credits:
    On Chesil Beach
    England 2017, 110 Min., engl. OmU
    Regie: Dominic Cooke
    Kamera: Sean Bobitt
    Schnitt: Nick Fenton
    Darsteller: Saoirse Ronan, Billy Howle, Anne Marie-Duff, Adrian Scarborough, Emily Watson, Samuel West

    Termine:

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