Europe

ein Film von Philip Scheffner

[indie­ki­no Club] [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Zohra lebt in der süd­west­fran­zö­si­schen Kleinstadt Châtellerault. Sie hat dort Arbeit, eine Wohnung, Bekannte, Verwandte. Die Heirat in ihrer Heimat Algerien liegt nur kur­ze Zeit zurück, der Mann ist auf dem Sprung nach Frankreich, und in der Klinik wur­de die lang­wie­ri­ge Behandlung eines schmerz­haf­ten ortho­pä­di­schen Rückenleidens gera­de als erfolg­reich been­det erklärt. Als Zohra an ihrer Haltestelle „Europe“ – die gibt es dort wirk­lich – aus­steigt und nach Hause geht, ist ihre Welt noch gänz­lich in Ordnung. Für den Staat ist der Abschluss der medi­zi­ni­schen Versorgung aller­dings Anlass, ihre Aufenthaltsgenehmigung zu been­den, bleibt sie, wird sie zu einer „Illegalen“.

Innerhalb kur­zer Zeit, in der sich mit ihrer Umgebung auch ganz Frankreich in die Sommerferien begibt, wird Zohra in eine Parallelwirklichkeit kata­pul­tiert, in der nur Gleichgestellte sich wahr­neh­men kön­nen. Aber dort will Zohra sich nicht einrichten.

Dokumentarfilmer Philip Scheffner (Revision, Havarie, Der Tag des Spatzen …) zu sei­nem ers­ten Spielfilm: „Mir wur­de klar, dass die Arbeit mit klas­si­schen Methoden eines Dokumentarfilms die rea­le Lebenssituation von Rhim [die Darstellerin der Zohra] eher ver­schlei­ert hät­te: Wie kann ich einen Film mit einer Person machen, die eigent­lich gar nicht da sein darf, deren rea­le Anwesenheit vor Ort also eigent­lich fik­tiv ist? Diese erzwun­ge­ne Fiktionalisierung ist kon­sti­tu­ie­rend für ihre per­sön­li­che Lebensrealität aber auch für ihre Begegnung mit mir. Zwischen uns ver­läuft eine Grenze, die sich nicht ein­fach durch ein „spre­chen über“ auf­lö­sen lässt. Daher habe ich mich gemein­sam mit [Ko-Autorin] Merle Kröger ent­schie­den, die Methoden fil­mi­scher Fiktion auf ihre Relevanz in Bezug auf die Lebensrealität der Protagonistin hin zu unter­su­chen und zu sehen, wel­che Spielräume das eröff­nen könn­te. Aus Rhim wur­de Zohra …“

Credits:

DE/FR 2022, 105 Min., Französisch, Arabisch OmU,
Regie: Philip Scheffner
Kamera: Volker Sattel.
Schnitt: Philip Scheffner

Mit: Rhim Ibrir, Thierry Cantin, Didier Cuillierier, Sadya Bekkouche

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Blog

  • Europe

    Europe

    ein Film von Philip Scheffner

    [indie­ki­no Club] [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Zohra lebt in der süd­west­fran­zö­si­schen Kleinstadt Châtellerault. Sie hat dort Arbeit, eine Wohnung, Bekannte, Verwandte. Die Heirat in ihrer Heimat Algerien liegt nur kur­ze Zeit zurück, der Mann ist auf dem Sprung nach Frankreich, und in der Klinik wur­de die lang­wie­ri­ge Behandlung eines schmerz­haf­ten ortho­pä­di­schen Rückenleidens gera­de als erfolg­reich been­det erklärt. Als Zohra an ihrer Haltestelle „Europe“ – die gibt es dort wirk­lich – aus­steigt und nach Hause geht, ist ihre Welt noch gänz­lich in Ordnung. Für den Staat ist der Abschluss der medi­zi­ni­schen Versorgung aller­dings Anlass, ihre Aufenthaltsgenehmigung zu been­den, bleibt sie, wird sie zu einer „Illegalen“.

    Innerhalb kur­zer Zeit, in der sich mit ihrer Umgebung auch ganz Frankreich in die Sommerferien begibt, wird Zohra in eine Parallelwirklichkeit kata­pul­tiert, in der nur Gleichgestellte sich wahr­neh­men kön­nen. Aber dort will Zohra sich nicht einrichten.

    Dokumentarfilmer Philip Scheffner (Revision, Havarie, Der Tag des Spatzen …) zu sei­nem ers­ten Spielfilm: „Mir wur­de klar, dass die Arbeit mit klas­si­schen Methoden eines Dokumentarfilms die rea­le Lebenssituation von Rhim [die Darstellerin der Zohra] eher ver­schlei­ert hät­te: Wie kann ich einen Film mit einer Person machen, die eigent­lich gar nicht da sein darf, deren rea­le Anwesenheit vor Ort also eigent­lich fik­tiv ist? Diese erzwun­ge­ne Fiktionalisierung ist kon­sti­tu­ie­rend für ihre per­sön­li­che Lebensrealität aber auch für ihre Begegnung mit mir. Zwischen uns ver­läuft eine Grenze, die sich nicht ein­fach durch ein „spre­chen über“ auf­lö­sen lässt. Daher habe ich mich gemein­sam mit [Ko-Autorin] Merle Kröger ent­schie­den, die Methoden fil­mi­scher Fiktion auf ihre Relevanz in Bezug auf die Lebensrealität der Protagonistin hin zu unter­su­chen und zu sehen, wel­che Spielräume das eröff­nen könn­te. Aus Rhim wur­de Zohra …“

    Credits:

    DE/FR 2022, 105 Min., Französisch, Arabisch OmU,
    Regie: Philip Scheffner
    Kamera: Volker Sattel.
    Schnitt: Philip Scheffner

    Mit: Rhim Ibrir, Thierry Cantin, Didier Cuillierier, Sadya Bekkouche

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  • 100 Jahre Pasolini: MAMMA ROMA 

    100 Jahre Pasolini: MAMMA ROMA 

    [Tickets & Termine]

    Als ihr Zuhälter und Vater ihres Kindes eine ande­re Frau hei­ra­tet, ver­sucht Mamma Roma (Anna Magnani) die Vergangenheit hin­ter sich zu las­sen und ein neu­es Leben anzu­fan­gen: Sie zieht mit ihrem 16-jäh­ri­gen Sohn, der auf dem Land in einem Internat auf­ge­wach­sen ist, in eine bür­ger­li­che Gegend und betreibt einen Gemüsestand. Das neue gemein­sa­me Leben ent­puppt sich als span­nungs­ge­la­de­ner als geplant, und plötz­lich erscheint auch der Zuhälter Carmine wie­der, inzwi­schen von sei­ner neu­en Frau getrennt, und stellt sie vor ein Ultimatum.

    Regie: Pier Paolo Pasolini
    Kamera: Tonino Delli Colli
    Musik: Carlo Rustichelli
    Mit: Anna Magnani, Ettore Garofolo, Franco Citti, Silvana Corsini, Luisa Loiano, Paolo Volponi etc.

    IT, 1962, 105 min., OmU, FSK: 12

  • Parallele Mütter

    Parallele Mütter

    ein Film von Pedro Almodóvar.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Die in Madrid leben­de Werbefotografin Janis (Penélope Cruz) wird bei ihrer Affäre mit dem Anthropologen Arturo (Israel Elejalde) unge­plant schwan­ger. Da Arturo sei­ne erkrank­te Ehefrau nicht ver­las­sen will, beschließt Janis, das Kind allei­ne groß­zu­zie­hen. Im Krankenhaus teilt sie sich ein Zimmer mit der eben­falls unge­wollt schwan­ge­ren 17-jäh­ri­gen Ana (Milena Smit). Die Geburt ihrer Babys fin­det am sel­ben Tag statt, fort­an unter­stüt­zen sich die allein­er­zie­hen­den Mütter, zumal Anas Mutter Teresa (Aitana Sánchez Gijón) als Theaterschauspielerin auf Tournee geht und ihr Vater seit der Scheidung der Eltern ohne­hin abwe­send ist. Derweil bemüht sich Arturo um eine Genehmigung, ein Massengrab aus der Franco-Zeit aus­zu­he­ben. Darin liegt Janis‘ im Bürgerkrieg erschos­se­ner Urgroßvater, der nun beer­digt wer­den soll.

    Parallele Mütter“ trägt auf sämt­li­chen Ebenen die mar­kan­te Handschrift des Autorenfilmers Pedro Almodóvar, die stets auf den ers­ten Blick erkenn­bar ist. Die Farben strah­len satt wie immer, die arti­fi­zi­el­le Ausstattung setzt mit bun­ten Wäscheklammern oder dra­pier­ten Obstschalen Akzente, die Kostüme sit­zen pas­send zur Bildgestaltung. Mit Penélope Cruz oder Rossy de Palma („Zerrissene Umarmungen“) als bes­te Freundin und Chefin der Protagonistin tre­ten lang­jäh­ri­ge Stammdarstellerinnen des Regisseurs auf, hin­ter der Kamera kol­la­bo­riert er aber­mals mit Weggefährten wie dem Komponisten Alberto Iglesias („Volver“) oder dem Kameramann José Luis Alcaine („Die Haut, in der ich wohne“).

    Auch the­ma­tisch beackert Almodóvar aus sei­nem Werk bekann­te Themen. Der Fokus liegt auf der Mutterschaft der unter­schied­li­chen Frauen Janis und Ana sowie am Rande Teresa, die ihre Rolle auf je eige­ne Weise gestal­ten, aber im selbst­be­stimm­ten Handeln geeint sind. „We should all be femi­nists“ steht qua­si als Quintessenz auf einem Shirt, das Penélope Cruz in einer Szene trägt. Einige span­nen­de Wendungen, die hier kei­nes­falls ver­ra­ten wer­den sol­len, hal­ten die zwi­schen­mensch­li­chen Beziehungen durch­weg auf Trab. Lediglich die Rahmenhandlung um Janis‘ Familiengeschichte und Arturos Nachforschungen zum ver­bre­che­ri­schen Franco-Regime wirkt etwas ange­hängt, auch wenn schlüs­si­ge Parallelen zur Haupthandlung bestehen.

    In ers­ter Linie ist „Parallele Mütter“ ein raf­fi­nier­tes Melodram, bis­wei­len stellt Almodóvar die emo­tio­na­len Spannungen rund um Lügen, Geheimnisse oder Eifersucht aber auch mit­tels Thriller-Anleihen dar. Mal huschen Schatten wie in einem Film Noir über die Wand, mal wirkt Cruz mit einem gro­ßen Küchenmesser in der Hand zum Äußersten ent­schlos­sen, schnei­det dann aber nur ein paar Karotten. Die Stimmungswechsel und erzäh­le­ri­schen Wendungen sind meis­ter­lich insze­niert und hal­ten die inti­men (Gewissens-)Konflikte durch­weg unter Spannung. Ein oft trau­ri­ger und sehr schö­ner Film, mit dem Pedro Almodóvar nach zwei Dutzend Kinobeiträgen noch immer einen moder­nen Eindruck hinterlässt.

    Christian Horn | programmkino.de

    Die Welt von Almodóvar zu besu­chen ist herr­lich. Das Leuchten der Farben sei­ner Farben, die fein­sin­ni­ge Gestaltung der Melodramen, die schließ­lich dem Zerrupfen einer Avocado beim Abendessen gleich immer mehr auf den Kern fokus­siert wer­den, die SchauspielerInnen, die sich und die Rolle gleich­zei­tig spie­len kön­nen, die Architektur der Sets, bis in die Details sorg­fäl­tig aus­ge­frie­melt und gleich­zei­tig eis­klar. Und alles, um eine Geschichte zu erzäh­len, die ein­fach erscheint und dabei so vie­le Verästlungen hat.

    war­um soll ich schwim­men, wenn ich auch trei­ben kann?“ (Die Nerven)

    Mit Penelope Cruz als Protagonistin ist das gar kei­ne Frage, genau­so wenig wie das Thema des Films: Die von Francos Faschisten Ermordeten des Bürgerkriegs, die immer noch in Massengräbern anonym ver­scharrt lie­gen. Die spa­ni­sche Demokratie durf­te auf die­sem Friedhof auf­ge­baut wer­den und aktu­ell freu­en sich rech­te Politiker, dass kei­ne Mittel zur Exhumierung mehr zur Verfügung gestellt wer­den. Franco selbst wur­de übri­gens 2019 aus dem Tal der Gefallenen im Schatten eines pene­tran­ten Riesenkreuzes ins Privatgrab umge­bet­tet, um mit den Seinen in Frieden ruhen zu können.

    Credits:

    Madres parale­las
    Spanien 2021, 126 min., span. OmU
    Regie und Buch: Pedro Almodóvar
    Kamera: José Luis Alcaine
    Schnitt: Teresa Font
    mit: Penélope Cruz, Milena Smit, Rossy de Palma, Israel Elejalde, Aitana Sánchez Gijón, Julietta Serrano, Daniela Santiago


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  • A Hero

    A Hero

    ein Film von Asghar Farhadi.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Rahim (Amir Jahidi) sitzt im Gefängnis. Nicht wegen eines schwe­ren Verbrechens, son­dern weil er Schulden gemacht hat, die er nicht zurück­zah­len kann. Im kom­pli­zier­ten Rechtssystem des Iran hät­te er die Möglichkeit, sich recht unkom­pli­ziert von sei­ner Schuld frei­zu­kau­fen, etwas, dass tat­säch­lich auch ein Mörder tun könn­te, soweit die Verwandten des Opfers mit dem Blutgeld zufrie­den sind.

    Nun hat Rahim Freigang und trifft heim­lich sei­ne Freundin Nazanin (Sarina Farhadi), denn sie offen zu tref­fen wäre im streng kon­ser­va­ti­ven Iran unmög­lich. Scheinbar hat Nazanin die Lösung für Rahims Probleme, denn sie hat vor eini­gen Tagen eine Tasche gefun­den, in der sich Goldmünzen befan­den. Doch inzwi­schen ist der Goldpreis gefal­len, die Münzen wür­den nicht rei­chen, um die Schulden zu beglei­chen, zumal der Gläubiger Braham (Mohsen Tanabandeh) kein Interesse dar­an hat, Rahim einen Teil der Schulden zu stun­den. So ent­schließt sich Rahim, den Besitzer der Tasche zu fin­den, was auch gelingt. Eine Frau holt die Tasche ab, der Fall scheint geklärt. Doch im Gefängnis hat man von der Angelegenheit erfah­ren und betrach­tet Rahim nun als mora­li­sches Vorbild. Zwar erwähnt Rahim, dass es nicht er selbst war, der die Tasche gefun­den hat, doch der Gefängniswärter will den­noch ein TV-Team kom­men las­sen. Denn nicht nur Rahim bekommt Anerkennung, ein wenig Ruhm soll auch auf das Gefängnis fal­len. Und mit die­ser einen, klei­nen Unwahrheit beginnt ein Lügengeflecht, das bald immer dich­ter wird.

    Rahim ist kein schlech­ter Mensch. Er lügt nicht aus Habgier oder Selbstsucht, ja, eigent­lich kann man das, was er sagt, kaum als Lüge bezeich­nen. Er ver­dreht die Wahrheit ein wenig, vor allem, um sei­ne Freundin zu schüt­zen, denn wenn ihre Beziehung bekannt wer­den wür­de, hät­te Nazanin mit Konsequenzen zu rech­nen. Dass er zudem zunächst ver­sucht hat­te, die Münzen zu ver­kau­fen, dann aber sei­ne Meinung änder­te, lässt sei­ne schein­bar heh­re mora­li­sche Tat in etwas weni­ger hel­lem Licht erscheinen.

    Spielball der Elemente ist Rahim, nicht zuletzt der sozia­len Medien, die auch im Iran eine zuneh­mend gro­ße Rolle spie­len: So schnell man zum Held hoch­ge­schrie­ben wer­den kann, so schnell fin­det sich in den Sozialen Medien ein Skeptiker, der den umge­kehr­ten Trend her­bei­führt und aus dem Helden einen Betrüger macht. Und auch Teile des Systems kom­men bei Farhadis Anklage nicht zu kurz. Die Gefängnisleitung, die aus eige­nem Interesse agier­te und bald eben­so ver­sucht, sich von jeg­li­cher Schuld rein­zu­wa­schen, wie eine Organisation, die Gefangenen mit Spendenaktionen hilft.

    Man mag hier jene Kritik an Strukturen der ira­ni­schen Gesellschaft sehen, wie sie in der west­li­chen Rezeption bei Filmen über den Iran (und ande­rer auto­kra­tisch regier­ter Länder) gern gese­hen wer­den. Vor allem jedoch kom­po­niert Asghar Farhadi ein­mal mehr ein dich­tes Geflecht an lang­sam, aber unauf­halt­sam wach­sen­der mora­li­scher Verstrickung, das am Ende kaum noch zu lösen ist. Nach eini­gen schwä­che­ren Filmen knüpft er nun mit „A Hero“ wie­der an die Qualität von „Über Elly“ und „Nader und Simin – Eine Trennung“ an.

    Michael Meyns | programmkino.de

    Credits:

    قهرمان Ghahreman, IR 2021, 127 Min., far­si OmU
    Regie & Buch: Asghar Farhadi
    Kamera: Ali Ghazi
    Schnitt: Hayedeh Safiyari
    mit: Amir Jadidi, Mohsen Tanabandeh, Fereshteh Sadre Orafaiy, Sarina Farhadi, Sahar Goldust


    Trailer:
    https://vimeo.com/669792198/c821d52bf2
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  • Aheds Knie

    Aheds Knie

    ein Film von Nadav Lapid. Ab 17.3. im fsk. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Es ist eine die­ser Episoden des Nahost-Konflikts, die die gan­ze Brutalität, aber auch Absurdität der Situation ver­deut­li­chen. Die damals 17jährige paläs­ti­nen­si­sche Aktivistin Ahed Tamimi wur­de 2017 ver­haf­tet, weil sie angeb­lich israe­li­sche Sicherheitskräfte bedroht hat­te. Schließlich wur­de sie ver­ur­teilt und muss­te sie­ben Monate der Strafe absit­zen. Dazu tweete­te Bezalel Smotrich, Mitglied der natio­nal­re­li­giö­sen Partei Habayit Hayehudi und ein Sprecher des israe­li­schen Parlaments, der Knesset, dass die­se Strafe viel zu gering sei und Tamini min­des­tens eine Kugel in die Kniescheibe ver­dient hätte.

    Mit Bildern eines Knies beginnt dem­entspre­chend Nadav Lapids „Aheds Knie“, der Nachfolger sei­nes inter­na­tio­na­len Durchbruchs „Synonyms“, mit dem er vor zwei Jahren den Goldenen Bären der Berlinale gewann. Dort ging es um einen jun­gen Israeli – ein Alter Ego Lapids – der sein Land nach dem Militärdienst ver­ließ und in Paris ver­such­te, sei­ne israe­li­schen Wurzeln zu ver­drän­gen. Diesmal heißt die Hauptfigur Y (Avshalom Pollak), ist Filmregisseur, der gera­de einen gro­ßen Erfolg auf der Berlinale gefei­ert hat und einen Experimentalfilm über Aheds Knie plant. Doch das Casting gestal­tet sich schwie­rig und dann muss Y auch noch in eine Siedlung in der unwirt­li­chen Arava-Wüste im Süden Israels flie­gen, wo sein Film in einer Bibliothek gezeigt wird. Die dor­ti­ge Bibliothekarin Yahalom (Nur Fibak) erweist sich als gro­ßer Fan, kann jedoch nicht ver­mei­den, Y ein Formblatt vor­zu­le­gen, auf dem er ankreu­zen muss, wor­über er nach dem Film dis­ku­tie­ren möchte.

    Dieser tat­säch­lich ech­te Vorgang geht auf eine Initiative der ehe­ma­li­gen Kulturministerin Miri Regev zurück, die auf die­se Weise Einfluss auf die öffent­li­che Meinung neh­men woll­te, oder – um es deut­li­cher zu for­mu­lie­ren – Zensur aus­üb­te. Nicht über heik­le Themen wie den völ­ker­rechts­wid­ri­gen Siedlungsbau in den besetz­ten Gebieten, Brutalität gegen­über den Palästinensern oder will­kür­li­che Sippenhaft gegen die Familien von tat­säch­li­chen oder mut­maß­li­chen Gewalttätern soll dis­ku­tiert wer­den, son­dern über jüdi­sche Identität, Heimat, den Holocaust.

    Drastische Kritik an die­sen Regelungen, ja, am gan­zen Land übt Lapid in sei­nem Film, zeigt sein Alter Ego Y als wüten­den, auf­brau­sen­den aber auch nicht gera­de sym­pa­thi­schen Wutbürger. Die ein­zi­gen zärt­li­chen Momente sind Tonaufnahmen, mit denen Y Kontakt mit sei­ner Mutter hält. Auch Lapid war sei­ner Mutter sehr nahe, mit ihr schrieb er sei­ne Filme, sie war sei­ne Cutterin. Während des Schnitts an „Synonyms“ ver­starb sie, nur Wochen spä­ter schrieb Lapid das Drehbuch zu „Aheds Knie“, auch die Dreharbeiten dau­er­ten nur 18 Tage. Ein Schnellschuss in gewis­ser Weise, ein roh dahin­ge­wor­fe­ner Film, der lan­ge Zeit von sei­ner wüten­den Energie lebt – die aber auf Dauer auch ermü­det. So sti­lis­tisch ein­drucks­voll „Aheds Knie“ ist, oft mit extre­men Nahaufnahmen arbei­tet, mit rei­ßen­den Kameraschwenks die ner­vö­se Perspektive von Y zu evo­zie­ren scheint: Da Lapid kei­ne Geschichte im klas­si­schen Sinn erzählt, son­dern Gedanken, Ideen, Kritikpunkte asso­zia­tiv anein­an­der­reiht, wirkt sein neu­er Film wie eine Skizze. Wenn auch die eines der inter­es­san­tes­ten Regisseure des aktu­el­len Autorenkinos.

    Michael Meyns | programmkino.de

    Credits:

    Ha’berech
    Israel/ Deutschland/ Frankreich 2021 ‚109 Min., hebr. OmU
    Regie & Buch: Nadav Lapid
    Kamera: Shaï Goldman
    Schnitt: Nili Feller
    mit: Avshalom Pollak, Nur Fibak, Yoram Honig, Lidor Ederi, Yonathan Kugler


    Trailer:
    Aheds Knie (offi­zi­el­ler OmdU Trailer)
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  • Abteil Nr. 6

    Abteil Nr. 6

    ein Film von Juho Kuosmanen.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Über wei­te Strecken, und die Strecke von Moskau nach Murmansk ist weit, spielt der Olli-Mäki-Nachfolgefilm im Zug, genau­er, im titel geben­den 2‑Personen-Schlafabteil. Die Finnin Laura woll­te sich mit ihrer Liebe Irina hier eine gemüt­li­che Zeit auf der lan­gen Fahrt durch die win­ter­li­che Taiga machen, doch Irina kam Wichtigeres dazwi­schen. Laura muss allei­ne rei­sen, und plötz­lich fin­det sich die Studentin unge­fragt in enger Gesellschaft eines unver­schäm­ten, zunächst hackevol­len jun­gen rus­si­schen Minenarbeiters wie­der. Auch mit dem nüch­te­ren Ljoha am nächs­ten Morgen bes­sert sich die Situation zunächst nicht, aber – der Weg ist weit und die Reise lang.

    ‘Abteil No. 6‘ ist eine Art ‚Before Sunrise‘ mit zusätz­li­chen Hindernissen. Nicht unter­schied­li­che Ziele ste­hen einem Kennenlernen zwi­schen Laura und Ljoha im Weg, son­dern ganz ein­deu­tig Klassenschranken…. Dass der Film tat­säch­lich irgend­wann bei jenem gene­ri­schen Moment lan­det, in dem die eine lächelnd die Notiz, die der ande­re zum Abschied geschrie­ben hat, aus­fal­tet und liest, und sich die­sen Moment auch noch ver­dient hat, ist ein klei­nes Wunder.

    Dass das funk­tio­niert, hat sicht­lich mit den bei­den Hauptdarstellern zu tun, aber viel­leicht auch damit, dass Regisseur Juho Kuosmanen neben sei­nem schar­fen Sinn für die fei­nen Unterschiede auch weiß, dass es häu­fig etwas Drittes braucht, damit zwei sich ver­ste­hen. Kein Wunder also, dass Laura und Ljoha das ers­te Mal mit­ein­an­der ins Gespräch kom­men, als für kur­ze Zeit eine Familie mit ner­vi­gen Kindern ins Abteil steigt. Dass sie erst­mals mit­ein­an­der sau­fen und lachen, als sie bei einem nächt­li­chen Stopp eine alte Freundin von Ljoha besu­chen. Und dass Laura erst durch die Bekanntschaft mit Gitarrendude Sasha klar wird, dass man die, die einem auf den ers­ten Blick ganz nah schei­nen, viel­leicht bes­ser auf Distanz hält, und vice ver­sa.” Till Kadritzke | critic.de

    Filmgespräch mit der Produzentin Jamila Wenske (Achtung Panda Prod.) am 2.4.

    Credits:

    Hytti nro 6, Compartment No. 6
    FI/DE/EE/RU 2021, 107 Min., russ. finn. OmU
    Regie: Juho Kuosmanen
    Kamera: Jani-Petteri Passi
    Schnitt: Jussi Rautaniemi
    mit: Seidi Haarla, Jury Borisov, Yulija Aug

    Trailer:
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  • Der Mann, der seine Haut verkaufte

    Der Mann, der seine Haut verkaufte

    Ein Film von Kaouther Ben Hania.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Nicht umsonst ret­tet man, wenn es heißt, „sei­ne Haut zu ret­ten“, eigent­lich sein Leben. Von die­ser ein­fa­chen Redensart aus­ge­hend, lässt die tune­si­sche Regisseurin Kaouther Ben Hania das jun­ge syri­sche Paar Sam und Abeer in wei­che, war­me Farben getaucht, in einem voll besetz­ten Zugabteil spon­tan ihre Liebe fei­ern, um Sam im nächs­ten Moment im Gefängnis zu zei­gen. Es ist das Jahr 2011, das syri­sche Regime will sich jun­ger, frei­heits­lie­ben­der Männer ent­le­di­gen. Sam, her­aus­ra­gend gespielt von Yahya Mahayni, der für sei­ne Rolle den Orizzonti-Preis als bes­ter Hauptdarsteller bei den Filmfestspielen in Venedig gewann, gelingt die Flucht in den Libanon. Dort hängt er fest und arbei­tet in einer Hühnerfabrik am Band. Oft geht er auf Vernissagen, um sich am Buffet das Abendessen zu sichern. Dort lernt er an der Bar den berühm­ten Künstler Jeffrey Godefroi ken­nen, der ihm einen Pakt vor­schlägt:
    Sam lässt sich von ihm sein Schengen-Visum auf den Rücken täto­wie­ren und kann mit die­sem dann nach Europa ein­rei­sen. Er muss Godefroi aller­dings zu jeder sei­ner Ausstellungen zur Verfügung ste­hen. Der Mensch Sam soll zum Kunstobjekt wer­den, für das es eige­ne Regeln und Verträge gibt. Kaouther Ben Hania erzählt die­se faus­ti­sche Geschichte mit allen inter­sek­tio­nel­len Referenzen an unser herr­schen­des System. Godefroi ist Belgier mit dem rich­ti­gen Pass und genug Macht, um sei­ne Sichtweise in die Welt zu tra­gen. Dass er Sam als Mittel zum Zweck benutzt, ist Teil sei­ner künst­le­ri­schen Aussage: Nicht er sei zynisch und betrei­be Menschenhandel, das System täte es. Abeer (Dea Liane) hat mitt­ler­wei­le einen jun­gen Diplomaten gehei­ra­tet, um heil aus dem vom Krieg zer­stör­ten Land her­aus­zu­kom­men, nun muss sie sich ihrem Ehemann unter­ord­nen. Wer hat bei all die­sen Entscheidungen wel­che Wahl gehabt, sich zu
    wel­chem Preis ver­kauft? Und was darf Kunst? Die Filmemacherin insze­niert ein dia­bo­li­sches Spiel in gran­dio­sen Bildern, lässt das kul­tur­be­geis­ter­te Publikum durch die hei­li­gen, per­fekt aus­ge­leuch­te­ten Tempel der Kunst schrei­ten, in denen Sam jeden Tag sei­nen sei­de­nen Morgenmantel fal­len las­sen muss, um ange­starrt, belacht, foto­gra­fiert, in Führungen bespro­chen zu wer­den: das sen­sa­tio­nel­le Kunstwerk im gol­de­nen Käfig der Kunstblase. Die Mitspieler*innen nip­pen ritu­ell an Sektkelchen, eine Menschenrechtsorganisation tritt auf den Plan, um für die Würde der syri­schen Geflüchteten zu demons­trie­ren, schließ­lich wird Sam an einen rei­chen Sammler ver­kauft, der ihn wie­der­um auf einer Aktion feil bie­tet. Dieser Satire setzt Kaouther Ben Hania immer wie­der die unsterb­li­che Liebe von Abeer und Sam gegen­über.
    Dabei treibt sie die Farce auf die Spitze, um im letz­ten Moment wie eine Königin den wei­ßen Handschuh der Romantik fal­len zu las­sen. Denn nur die Haut die berührt wird, lebt.“ indie­ki­no | Susanne Kim

    Kaouther Ben Hania:
    „Ich las­se in die­sem Film zwei Welten auf­ein­an­der­tref­fen, die mich bei­de fas­zi­nie­ren: die der zeit­ge­nös­si­schen Kunst und die des all­täg­li­chen Überlebens von Geflüchteten. Wir haben es hier mit zwei in sich abge­schot­te­ten Welten zu tun, die von völ­lig unter­schied­li­chen Codes regiert wer­den. Auf der einen Seite haben wir eine eta­blier­te, eli­tä­re Welt, in der „Freiheit“ ein Schlüsselbegriff ist; auf der ande­ren Seite haben wir eine Welt des Überlebens, die von aktu­el­len Ereignissen beein­flusst wird und in der das Fehlen von Wahlmöglichkeiten die täg­li­che Sorge der Geflüchteten ist.
    Das Aufeinandertreffen die­ser bei­den Welten for­dert ein Nachdenken über unser Verständnis von Freiheit offen ein. Sam, der Geflüchtete, weiß das sehr wohl, wenn er dem Künstler Jeffrey sagt: „Du bist auf der rich­ti­gen Seite der Welt gebo­ren.“ Das Problem ist, dass wir in einer Welt leben, in der die Menschen nicht gleich sind. Trotz aller Reden über Gleichheit und Menschenrechte sor­gen die immer kom­ple­xe­ren his­to­ri­schen und geo­po­li­ti­schen Zusammenhänge dafür, dass es unwei­ger­lich zwei Arten von Menschen gibt: die Privilegierten und die Verdammten.
    Der Film zeigt einen faus­tia­ni­schen Handel zwi­schen einem Privilegierten und einem Verdammten. Sam Ali kehrt dem Teufel den Rücken zu, weil er kei­ne ande­re Wahl hat, und gerät so in die eli­tä­re und über­ko­dier­te Sphäre der zeit­ge­nös­si­schen Kunst, indem er eine durch­aus zwei­fel­haf­te Wahl trifft. Sein schein­bar nai­ver und unge­bil­de­ter Blick zeigt uns die­se Welt aus einem ande­ren Blickwinkel als dem, durch den das kul­tu­rel­le Establishment sich gewöhn­lich zeigt.
    Einen wie Sam, der so stolz und ehr­lich ist, kann es in den Wahnsinn trei­ben, so zum Objekt zu wer­den. Er wird ent­blößt, ver­kauft, hin und her gescho­ben. Diesem außer­ge­wöhn­li­chen Schicksal, ver­stärkt durch den hoch emo­tio­na­len zusätz­li­chen Konflikt sei­ner Gefühle zu Abeer, begeg­net Sam Ali, indem er alles dar­an setzt sei­ne Würde und sei­ne Freiheit wiederzuerlangen.“

    Credits:

    TN/FR/BE 2020, 104‘ min., Arabisch/Englisch/Französisch OmU, Regie: Kaouther Ben Hania, Kamera: Nestor Salazar, Schnitt: Marie-Hélène Dozo, mit Yahya Mahayni, Dea Liane, Koen De Bouw, Monica Bellucci

    Trailer:
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  • SAF

    SAF

    Ein Film von Ali Vatansever. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Das Stadtviertel Fikirtepe liegt auf der asia­ti­schen Seite Istanbuls (und im Stadtteil Kadiköy, einer Partnergemeinde Friedrichshain-Kreuzbergs) und galt frü­her als wenig attrak­tiv. Inzwischen jedoch wer­den die Grundstücke immer wert­vol­ler, die Bewohner ver­drängt und gewach­se­ne Nachbarschaften aus­ein­an­der­ge­ris­sen. Staatliche Unternehmen bau­en hier jetzt ein Hochhaus nach dem ande­ren. In die noch nicht abge­ris­se­nen, oder noch im Rohbau befind­li­chen Wohnungen zie­hen häu­fig syri­sche und ande­re Geflüchtete ein, die für gerin­gen Lohn auf den Baustellen arbei­ten.
    Hier leben in Ali Vatansevers zwei­tem Spielfilm Kamil und Remziye im eige­nen Haus – noch. Viele ihrer Nachbarn haben schon dem Druck nach­ge­ge­ben, das ange­bo­te­ne Geld genom­men und zogen weg. Bei den ver­blie­be­nen Stadtteilinitinativen gegen die rasan­te Gentrifizierung enga­giert sich das Ehepaar nur halb­her­zig. Sie haben genug damit zu tun, ihren Lebensunterhalt zusam­men zu bekom­men. Die schwan­ge­re Remziye geht in rei­chen Haushalten put­zen, Kamil bleibt nichts ande­res übrig, als gegen Dumpinglohn aus­ge­rech­net auf einer der Baustellen zu arbei­ten. Dabei gerät der gut­her­zi­ge Mann mehr oder weni­ger unver­schul­det zwi­schen ver­schie­de­ne Fronten, bis er eines Tages ver­schwin­det. Seine Frau macht sich auf die Suche und muss schwie­ri­ge Entscheidungen tref­fen.
    „Eine benach­tei­lig­te Gemeinschaft zieht weg, eine ande­re zieht ein. Sie tei­len das glei­che Schicksal, aber sie tun sich nicht zusam­men. Beginnend mit der phy­si­schen Umwandlung des Geländes, zeich­net der Film ein umfas­sen­de­res Bild der mensch­li­chen Beziehungen, Umsiedlung, Einwanderung und Arbeit. Es hat vier Jahre gedau­ert, den Film zu schrei­ben; ich war selbst Zeuge all die­ser radi­ka­len Veränderungen. Es ist nicht nur die Geografie, die sich ver­än­dert, son­dern auch das Leben der Menschen. … Die grund­le­gen­de Frage war: Wie kann man an einem so schwie­ri­gen Ort mensch­lich blei­ben, wenn man von Monstern umge­ben ist?“
    Ali Vatansever

    Credits:

    DE, RO, TR 2021, 108 min., tür­ki­sche OmU
    Buch und Regie: Ali Vatansever
    Kamera: Tudor Vladimir Panduru
    mit Erol Afsin, Saadet Aksoy, Kida Khodr Ramadan

    Trailer:
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  • Filme von Derek Jarman

    Filme von Derek Jarman

    80 Jahre alt wäre der Maler, Autor, Regisseur und poli­ti­sche Aktivist Derek Jarman am 31.1.22 gewor­den. Er starb 1986 an den Folgen sei­ner AIDS-Erkrankung, die er auch in sei­nen Filmen zur Sprache brach­te. BLUE, sein letz­ter und for­mal wohl extrems­ter Film, wur­de von der Krankheit, durch die er erblin­de­te, bestimmt. Die Ton- Musik- und Sprechcollage vor mono­chrom blau­er Leinwand ist poli­tisch und per­sön­lich, poe­tisch und dis­kur­siv zugleich.

    Jarmans Filme gel­ten als radi­kal, zor­nig und enga­giert. Er führ­te einen ste­ti­gen Kampf gegen die Thatcher-Regierung und zeig­te sich hier­bei als Queer- und AIDS-Aktivist, aber sein Thema war vor allem auch die Liebe, beson­ders die ver­hin­der­te, und körperliche.

    Wir zei­gen sechs sei­ner Werke, die neu restau­riert und digi­ta­li­siert wur­den. Dazu gibt eine Doku über ihn, von Regisseur Julien Isaac und Tilda Swinton, die ohne Jarman nicht zu den­ken wäre (und umge­kehrt), und in allen sechs Filme mitwirkt:

    Caravaggio (1986, 93‘), der bio­gra­fi­sche Ausschnitt vom ita­lie­ni­schen Maler ist wohl sein bekann­tes­tes Werk. (21.1. 17:45) [Tickets]

    The Garden (1990, 95‘) ist eine sinn­li­che, sub­jek­ti­ve, schwu­le Passionsgeschichte mit Garten-nahem Atomkraftwerk.(22.1. 17:45) [Tickets]

    Edward II (1991, 90‘) hat bei Jarman einen etwas ande­ren Stand als bei Mel Gibson seinerzeit.(23.1. 17:45) [Tickets]

    Wittgenstein (1993, 75‘) – „hei­te­re, dia­log­si­che­re, her­vor­ra­gend gespiel­te Gesamtschau auf das Leben eines phi­lo­so­phi­schen Außenseiters“ (Lexikon des intern. Films) (24.1. 17:45) [Tickets]

    War Requiem (1989, 92‘) ist die fil­mi­sche Umsetzung Benjamins Brittons Musikstücks, mit Laurence Olivier in sei­ner letz­ten Rolle. (25.1. 17:45) [Tickets]

    Blue DF (1993, 74‘), gespro­chen von Derek Jarman, Tilda Swinton, Nigel Terry, John Quentin, und in der deut­schen Fassung von Ulrich Matthes, Sylvester Groth, Wolfgang Condrus, Eva Mattes. (22. & 23.1. 15:45) Blue OV [Tickets]

    Derek (2008, 76‘) – ein Brief, ein Interview, eine Rückschau und Hommage (26.1. 17:45) [Tickets]

    • alle Filme lau­fen in Originalfassung mit deut­schen Untertiteln, Blue in dt. und engl. Fassung
  • End of Season

    End of Season

    ein Film von Elmar Imanov. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Fidan ist Ärztin, ihr Mann Samir Schauspieler ohne Engagement, Sohn Mahmut stu­diert und fühlt sich zu Höherem beru­fen. Die Kleinfamilie lebt zusam­men in einer klei­nen Wohnung in Baku, hat sich aber längst aus­ein­an­der­ge­lebt. Einen Tag lang beglei­ten wir das Trio, dabei soll ein Ausflug ans Kaspische Meer Familienleben sug­ge­rie­ren. Fidan muss sich außer­dem ent­schei­den, ob sie das Arbeitsangebot einer deut­schen Klinik annimmt. Während ihr Mann am Strand ein­schläft, schwimmt sie aufs Meer hin­aus und ver­schwin­det.
    Traditionelle Mentalität und Lebensweise, jahr­zehn­te­lang das Fundament für regio­na­le Identitäten, trifft nun, auch durch den neu­en Öl-Reichtum Aserbaidschans begrün­det, auf eine moder­ne­re und kapi­ta­lis­ti­sche­re Sichtweise. Die Veränderungen in der Gesellschaft wird hier durch die vor­sich­ti­ge Beobachtung von Beziehungen und Dynamiken inner­halb der Familie auf­ge­zeigt. Die Irritation über den Grad des offen­sicht­li­chen Verlustes der Kommunikationsfähigkeit weicht jedoch zum Ende hin einer empa­thi­schen, melan­cho­li­schen Stimmung.
    „Für sei­ne zutiefst rät­sel­haf­te Darstellung des fami­liä­ren Zerfalls, sei­ne oft über­ra­schen­de erzäh­le­ri­sche Schrägheit und sei­ne erfri­schen­de Beschwörung einer Welt, in der jedes Heim eine pri­va­te Kammer frus­trier­ter Sehnsucht ist – vor allem für Frauen.“ – dafür erhielt der Film den Preis der inter­na­tio­na­len Filmkritik beim Filmfestival Rotterdam

    Credits:

    DE/GE/AZ 2019, 92 Min., aser­bai­dscha­ni­sche OmU
    Regie: Elmar Imanov
    Kamera: Berta Valin Escofet und Driss Azhari
    Schnitt: Ioseb „Soso” Bliadze
    mit Rasim Jafarov, Zulfiyye Gurbanova, Mir-Mövsüm Mirzazade

    Trailer:
    END OF SEASON – Offizieller Trailer
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