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Olanda

Ein Film von Bernd Schoch.

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Ein wuchern­des Myzel. Der Sternenhimmel über den rumä­ni­schen Karpaten. Die ers­ten zwei Bilder ste­cken die Dimensionen ab, denen sich Olanda wid­met: Details und fei­ne Strukturen auf der einen, Konstellationen und das gro­ße Ganze auf der ande­ren Seite. Im Zentrum steht dabei ein sai­so­na­les Wirtschaftsgut der Gegend – der Pilz. Unter den Menschen sind ihm die Sammler*innen am nächs­ten und der Film ist vor allem bei ihnen: auf Gängen durch den Wald, im Zeltlager, bei Autofahrten und Gesprächen. Von hier aus folgt er den rhi­zom­ar­ti­gen Verästelungen, die sich in Form von Geld immer wei­ter ver­zwei­gen: zu loka­len und inter­na­tio­nal agie­ren­den Händlern, zu einem impro­vi­sier­ten Schuhmarkt auf einer Lichtung, zum Glücksspiel unter Kollegen. Der Film erzählt von die­sen Handelskreisläufen, indem er selbst eine pil­zähn­li­che Struktur annimmt, ohne dabei je sein gedank­li­ches Zentrum zu ver­lie­ren. Jenseits einer Analyse von öko­no­mi­schen Strukturen aber ist er auch das sinn­li­che Dokument eines Rhythmus des Alltags im Wald, wie ihn die Sammler als ers­tes Glied in der Verwertungskette erle­ben. Im Kino wird er als audio­vi­su­el­ler Pilz-Trip in die magi­sche Welt der kar­pa­ti­schen Wälder erfahr­bar. (Alejandro Bachmann)

 
Credits:

DE 2019, 154 Min., rumä­ni­sche OmU
Regie: Bernd Schoch
Kamera: Simon Quack
Schnitt: Bernd Schoch, André Siegers

 
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Und morgen die ganze Welt

Ein Film von Julia von Heinz. Am 15.5. um 18:00 im Indiekino Club

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Julia von Heinz war „unse­re Frau in Venedig“, denn Und mor­gen die gan­ze Welt lief dort im Wettbewerb 2020, und Festival-Chef Barbera sieht hier eine neue Generation am Werk, die den poli­ti­schen Impuls des Neuen deut­schen Films aus den Sechzigerjahren weiterträgt.
Die Regisseurin hat Erfahrungen aus ihrem eige­nen poli­ti­schen Leben hoch­ge­rech­net und an die Gegenwart ange­passt. Sie lässt ihre Protagonistin Luisa, Jurastudentin im ers­ten Semester, in ein lin­kes Hausprojekt ein­zie­hen und schickt sie auf eine Reise, auf der sie für sich vie­le Fragen beant­wor­ten muss. Wie weit geht das poli­ti­sche Engagement? Ist es ernst gemeint oder nur eine Phase? Wie radi­kal darf oder muss Widerstand sein? Was sieht die Rechtslage zum Thema aus? Dürfen ande­re in Mitleidenschaft gezo­gen wer­den? Wie ehr­lich mit dem kon­ser­va­ti­ven Elternhaus umge­hen? Zu wem füh­le ich mich mehr hin­ge­zo­gen, zum Agitator Alfa oder zum nach­denk­li­chen Lenor? In ers­ter Linie geht der Kampf im Film gegen neue und alte Nazis, auch gegen die, die sich als besorg­te Bürger tar­nen, und deren Tun hier wohl­tu­en­der­wei­se ein­mal auch nicht nur ansatz­wei­se rela­ti­viert wird.

Deutschlandradio: Das Spannende ist, dass wir mit Luisa in den Film rein­ge­wor­fen wer­den. Sie möch­te in die­sem besetz­ten Haus woh­nen und zur Antifa gehen. Wir ler­nen eine poli­ti­sier­te Person ken­nen. Was hat sie politisiert?
Julia von Heinz: Ich wür­de die Frage gern an jeden zurück­ge­ben, der mir die­se Frage stellt: Was ist die Motivation, sich nicht gegen Nazis zu enga­gie­ren? Ich woll­te lie­ber von jedem die Motivation hören, anstatt zu fra­gen, war­um machst du etwas.

 
Credits:

DE 2020 ‚111 Min., dt OmeU
Regie & Buch: Julia von Heinz
Kamera: Daniela Knapp
Schnitt: Georg Söring
mit: Mala Emde, Tonio Schneider, Luisa-Céline Gaffron, Andreas Lust

 
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Neubau

Ein Film von Johannes M. Schmit. Ab 12.11. im fsk.

[Credits] [Termine] [Trailer]

Sommer in der Brandenburger Provinz. Markus ist hin- und her­ge­ris­sen zwi­schen der Liebe zu sei­nen pfle­ge­be­dürf­ti­gen Omas und der Sehnsucht nach einem ande­ren Leben in Berlin, wo er sich eine Befreiung aus sei­ner Einsamkeit erhofft. Als er sich in Duc ver­liebt, wird alles noch kom­pli­zier­ter. Denn eigent­lich ste­hen in Markus’ Neubauwohnung schon die gepack­ten Kisten für den Umzug in die gro­ße Stadt.
Dem Film gelingt die Kunst die Geschichte sei­nes Protagonisten in gro­ßer Gelassenheit und Selbstverständlichkeit zu erzäh­len, nicht als Repräsentant einer Gruppe ein­zu­en­gen, son­dern ihn ganz bei sich, in sei­nem all­täg­li­chen Leben auf dem Land, mit sei­nen Sehnsüchten und indi­vi­du­el­lem Leben zu zeigen.

Aus der Begründung der Jury für den bes­ten Spielfilm beim Max Ophüls Preis 2020:
„Es gibt Filme, die sind lei­se, aber sie wir­ken lan­ge nach. Die wei­ten den Blick, ein­fach, indem sie ein­la­den genau hin­zu­schau­en. Sie kom­men ohne Budenzauber aus, weil sie den Gegenstand ihrer Betrachtung ernst neh­men, ihm Würde ver­lei­hen. Solche Filme haben die Kraft Empathie zu erzeu­gen… Die durch­weg wun­der­bar besetz­ten und insze­nier­ten Nebenfiguren dür­fen atmen – in Szenen, die das Geschehen auf der Leinwand nicht für eine Dramaturgie funk­tio­na­li­sie­ren, son­dern Bedeutungsüberschuss zulas­sen. Existenzielles, Banales und Pragmatisches ver­sam­melt sich beim Holunderblütenzupfen. Das ist sie, die neue Selbstverständlichkeit. Mehr davon!“

 
Credits:

DE 2020, 81 Min., dt. OmeU
Regie: Johannes M. Schmit
Kamera: Smina Bluth
Schnitt: Antonella Sarubbi
mit Tucké Royale, Monika Zimmering, Jalda Rebling, Minh Duc Pham u.a.

Termine:

  • noch keine 

 
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EXPERIMENTAL SHORTS 10. Kurdisches Filmfestival Berlin

Als neu­ens Programmhighlight zeigt das 10. Kurdische Filmfestival Berlin (08.–14. Oktober) in die­ser Reihe expe­ri­men­tel­le Kurzfilme aus kur­di­schen Herkunfsländern und der Diaspora. Die Auswahl bie­tet beson­de­re cine­ma­ti­sche Eindrücke zwi­schen Film und zeit­ge­nös­si­scher Kunst. Kritische, krea­ti­ve und viel­schich­ti­ge Reflexionen aus kur­di­scher Perspektive.
Darunter zu sehen ist z.B. PARADISE von den Hamburger Künstler*innen Leyla Yenirce und Mazlum Nergiz – die Filmversion der gleich­na­mi­gen Kunstinstallation, die sich mit der emo­tio­na­len Sprache der Bilder um kur­di­sche Märtyrerinnen und Freiheitskämpferinnen aus­ein­an­der­setzt. Der expe­ri­men­tel­le Kurzfilm BARIKAT zeigt eine Performance des Künstlers Mirkan Deniz, inspi­riert durch das täg­li­che Schicksal von Kurd*innen, die in ver­schie­de­nen Regionen der Türkei unter Ausgangssperre leben.

Das wei­te­re Programm des Festivals: https://kurdishfilmfestivalberlin.kinow.tv/de/

[Tickets]

Kurzfilmprogramm am 11.10. um 20:00:

The Day I Saved The Kurds von Şener Özmen
No! 1506600XXXX von Leyla Toprak (mit Q&A)
Paradise von Leyla Yenirce, Mazlum Nergiz (mit Q&A)
Barikat von Mirkan Deniz (mit Q&A)
Munzur von Rojda Tuğrul
Küpeli von Metin Akdemir- Çetin Baskın
Our bright future von Ezgi Kılınçarslan (mit Q&A)

…with English subtitles

Matthias et Maxime

Ein Film von Xavier Dolan. Ab 7.1. im fsk.

[Credits] [Ticktes & Termine] [Trailer]

Die Titelhelden sind seit ewig befreun­det. Matt eta­bliert sich lang­sam in einer Anwaltskanzlei und Max jobbt noch und plant, um sei­nem Leben einen neu­en Start zu geben, für län­ge­re Zeit nach Australien zu gehen. Weg von der Mutter, der Freundin und eben auch dem bes­ten Freund. Nun han­geln sie sich von einer Abschiedsparty zur nächs­ten, vie­le Freunde, alle reden durch­ein­an­der, viel Klamauk und über allem steht die Frage, ob es nicht doch gut Gründe gäbe, zu bleiben.

Matthias & Maxime ist ein ech­ter Dolan. Die Leinwand bro­delt und leuch­tet, ob die Kamera einer Mittellinie auf einer kana­di­schen Waldstrasse ent­lang­rast, oder ob sie plötz­lich auf­fliegt und die bun­test mög­li­chen Herbstbilder prä­sen­tiert, stets ist die kine­ti­sche Energie hoch­ge­dreht.“ Sennhausers Filmblog CA 2019, 119 Min., frz. OmU, Regie, Buch & Schnitt: Xavier Dolan, Kamera: André Turpin, mit Gabriel D’Almeida Freitas, Xavier Dolan, Pier-Luc Funk, Samuel Gauthier, Antoine Pilon, Adib Alkhalidey

 
Credits:

CA 2019, 119 Min., frz. OmU,
Regie, Buch & Schnitt: Xavier Dolan
Kamera: André Turpin
mit Gabriel D’Almeida Freitas, Xavier Dolan, Pier-Luc Funk, Samuel Gauthier, Antoine Pilon, Adib Alkhalidey

 
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Doch das Böse gibt es nicht

Ein Film von Mohammad Rasoulof.

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Heshmat ist ein vor­bild­li­cher Ehemann und Vater, jeden Morgen bricht er sehr früh zur Arbeit auf. Wohin fährt er? Pouya kann sich nicht vor­stel­len, einen ande­ren Menschen zu töten, trotz­dem bekommt er den Befehl. Kann es einen Ausweg für ihn geben? Javad besucht sei­ne Freundin Nana um ihr einen Heiratsantrag zu machen. Doch die­ser Tag hält für bei­de noch eine ande­re Überraschung bereit. Bahram ist Arzt, darf aber nicht prak­ti­zie­ren. Als ihn sei­ne Nichte Darya aus Deutschland besucht, beschließt er, ihr den Grund für sein Außenseiterdasein zu offen­ba­ren. Doch das Böse gibt es nicht erzählt vier Geschichten über Menschen, deren Leben vor exis­ten­zi­el­len Herausforderungen ste­hen. Sie wer­fen die Fragen auf, wie inte­ger ein Mensch in einem abso­lu­ten Regime blei­ben, wel­che mora­li­sche Schuld er ertra­gen kann, ohne zu zer­bre­chen, und zu wel­chem Preis es gelingt, die indi­vi­du­el­le Freiheit zu bewahren.
»Es geht somit nicht nur um Schuld und Moral oder Freiheit und Bedrohung, son­dern auch um den Kreislauf des Lebens, bei dem die ers­te Szene des Films mit der letz­ten zusam­men­hängt. Dass Rasoulof bei aller Kritik an der poli­ti­schen Führung sein Land liebt, wird am inter­es­sier­ten Miteinander der Menschen deut­lich, am leben­di­gen Trubel in Teheran, an der Schönheit der Landschaft, die der Regisseur immer wie­der in auf­re­gen­den Totalen ein­fängt. Auf die­se Weise ent­steht ein kraft­vol­les, fein­füh­lig insze­nier­tes und sub­til ver­knüpf­tes Meisterwerk …« Michael Ranze | Filmdienst

… das auf der 70. Berlinale mit dem Goldenen Bären aus­ge­zeich­net wur­de. Rasoulof konn­te die Auszeichnung nicht selbst ent­ge­gen­neh­men (sei­ne Tochter tat es für ihn), da er seit 2017 den Iran nicht ver­las­sen darf und zudem zu einer Gefängnisstrafe ver­ur­teilt wur­de, die er aber bis­her noch nicht antre­ten musste.

Goldender Bär – Berlinale 2020

 
Credits:

OT: Sheytan vojud nadarad, IR/DE/SZ 2020,
139 Min., far­si OmU,
Regie & Buch: Mohammad Rasoulof
Kamera: Ashkan Ashkani
Schnitt: Mohammadreza Muini, Meysam Muini
mit: Ehsan Mirhosseini, Shaghayegh, Kaveh Ahangar, Alirezy Zareparast, Salar Khamseh

 
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Schwesterlein

Ein Film von Stéphanie Chuat & Véronique Reymond.

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Was haben Thurston Moore und Christian Petzold gemein­sam? Was hat Lars Eidinger in Deichkind Videos zu suchen? Zwei Fragen, die so unter­schied­lich sind wie Nina Hoss und Lars Eidinger als Zwillinge in Schwesterlein, dem Porträt einer tie­fen, inni­gen Beziehung unter extre­men Druck von außen. Denn Sven, Schauspieler an der Schaubühne (das bot sich wohl ganz selbst­ver­ständ­lich an) und Lisa, die frü­her fürs Theater schrieb und inzwi­schen ein ruhi­ges Familienleben in der Schweiz führt, wer­den durch Svens Krebserkrankung aus dem Alltag geris­sen. Weil ihr Bruder sein Leben gegen die Krankheit ver­tei­digt und des­halb auch wie­der auf der Bühne ste­hen will, reist sie zurück nach Berlin und trägt den unglei­chen Kampf mit. Der Dramatik des HAMLET, als der er wie­der besetzt wer­den möch­te, steht die Nüchternheit hin­ter der Bühne gegen­über. Sven wird ver­trös­tet, denn man will kei­nen Skandal auf der Bühne und die Geschwister rei­sen in die Schweiz um die Situation neu zu über­den­ken. Für Lisa wird der Versuch, ihrem Bruder zu hel­fen und ein Familienleben zu füh­ren, zum Parforceritt zwi­schen zwei Wirklichkeiten.
Die Schweizer Regisseurinnen Stéphanie Chuat und Véronique Reymond haben ein ein­drucks­vol­les Kleinod geschaf­fen und für Nina Hoss eine Rolle geschrie­ben, die ihre Intelligenz, Stärke und Eigensinnigkeit auf eine ganz unprä­ten­tiö­se Art und Weise schei­nen lässt.
Bruder und Schwester, Berlin und Schweiz, Leben und Theater, Gesundheit und Krankheit: Mit über­ra­gen­den Hauptdarsteller*innen ver­knüpft Schwesterlein die­se kom­ple­men­tä­ren Paare zu einer rei­fen, bewe­gen­den und viel­schich­ti­gen Filmerzählung. Im Mittelpunkt ste­hen der Sinn von Heilung und Opfer, die Lauterkeit einer erwach­se­nen Geschwisterbeziehung, von der sel­ten so erzählt wur­de wie in die­sem Film, und die künst­le­ri­sche Arbeit als Lebensanspruch. Ein Märchen mit zwei Erwachsenen als Hänsel und Gretel, dem Theater als Lebkuchenhaus und der Krankheit als böser Hexe. (Berlinale 2020, wo Schwesterlein im Wettbewerb lief)

 
Credits:

CH 2020, 99 Min., dt.,frz,engl. OmU
Regie, Buch: Stéphanie Chuat, Véronique Reymond
Kamera: Filip Zumbrunn
Schnitt: Myriam Rachmuth
mit: Nina Hoss, Lars Eidinger, Marthe Keller, Jens Albinus, Thomas Ostermeier, Linne-Lu Lungershausen, Noah Tscharland, Isabelle Caillat, Moritz Gottwald, Urs Jucker

 
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Regeln am Band, bei hoher Geschwindigkeit

Ein Film von Yulia Lokshina.

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Dass im Fleischkonzern und Schlachthof von Clemens Tönnies in Rheda-Wiedenbrück schreck­li­che Zustände herr­schen, war weit vor der Corona Pandemie bekannt. Regeln am Band, bei hoher Geschwindigkeit ent­stand schon Monate frü­her und nimmt die­se kon­kre­ten Arbeitsbedingungen zum Anlass, all­ge­mein und grund­le­gend über das Wirtschaftssystem nach­zu­den­ken. Der Film von Yulia Lokshina setzt wun­der­ba­re Assoziationsketten frei, indem er einer­seits die ost­eu­ro­päi­schen Leiharbeiter:innen, deren unsäg­li­che Ausbeutung und ihre empa­thi­schen Unterstützer:innen in den Mittelpunkt sei­ner Beobachtung stellt und ande­rer­seits eine Schulklasse aus München beglei­tet, die das Theaterstück „Die hei­li­ge Johanna der Schlachthöfe“ von Brecht ein­übt. Beide Milieus wer­den durch fort­wäh­ren­de Parallelmontage in Beziehung gesetzt, ergän­zen sich und schlie­ßen sich kei­nes­wegs aus: Hier das hart­nä­cki­ge Bemühen, die Situation der Arbeiter:innen zu ver­bes­sern und dort der Versuch, Brechts Intentionen auf die Bühne zu brin­gen. Dabei wagt der Film, indi­vi­du­el­les Schicksal und Systemanalyse in Verbindung zu brin­gen: Der Schlachthof und des­sen Arbeitsbedingungen fun­gie­ren als Metapher für Prozesse, die sich der Einflussnahme des Einzelnen ent­zie­hen, obwohl sie alle Bereiche des Lebens durch­drin­gen. Einiges wird über ein System sicht­bar, das auf Wachstum und Profitmaximierung beruht und so jeg­li­cher vor­stell­ba­rer Art von Ausbeutung Tür und Tor öff­net, sich immer­fort selbst sta­bi­li­siert und als alter­na­tiv­los gilt.
Ein poli­ti­scher Film im bes­ten Sinn, der ganz wenig didak­tisch ist, aber umso mehr die Zuschauer:innen, wie auch die Beteiligten ernst­nimmt. Es ist auch ein Film, der Wut auf die Verhältnisse aus­löst, nicht durch Affekt hei­schen­de Zuspitzungen, son­dern durch eine zärt­li­che Subtilität. (M. Schmitz | indie­ki­no) Am

 

 
Credits:

DE 2020, 92 Min., 
Buch & Regie: Yulia Lokshina 
Kamera: Zeno Legner, Lilli Pongratz
Schnitt: Urte Alfs, Yulia Lokshina

 
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Bohnenstange

Ein Film von Kantemir Balagov.

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Leningrad 1945, nach dem Ende des Krieges, dem Sieg der Sowjetunion und der ver­such­ten Auslöschung sei­ner Bewohner durch die deut­sche Wehrmacht. Die Überlebenden der 872 Tage dau­ern­den Belagerung haben wei­ter mit dem Überleben zu kämp­fen. Die hoch­ge­wach­se­ne Iya, die alle nur Dylda, Bohnenstange, nen­nen, ist eine von ihnen. Sie wur­de aus dem Kriegsdienst ent­las­sen, da bei ihr als Folge der trau­ma­ti­schen Erfahrungen Schockstarren auf­tra­ten, jetzt pflegt die im Militärkrankenhaus hin­ge­bungs­voll Verletzte und Kranke. Ihre Freundin, die extro­ver­tier­te Mascha, war eben­falls Frontsoldatin. Als sie end­lich heim­kehrt, ist ein gro­ßes Unglück schon gesche­hen, und Mascha besteht auf Wiedergutmachung. Eine Forderung, der Iya nur unter gro­ßen Widerständen nach­kom­men könnte.

Kantemir Balagow hat in Bohnenstange nichts dem Zufall über­las­sen, nicht die Tongestaltung, die auf eine her­kömm­li­che Filmmusik als Gefühlsträger ver­zich­tet, nicht die Farbdramaturgie. Bohnenstange ist über wei­te Teile ein Nachtfilm, wobei die Interieurs oft in war­me brau­ne Töne getaucht sind. Am Ende umar­men sich Mascha und Iya, das grü­ne Kleid und der rote Pullover leuch­ten aus der Dunkelheit. Niemand weiß, ob die Heilung der Seelen gelin­gen wird. Der Krieg ist vor­bei. Der Frieden muss gewon­nen wer­den. Es bleibt eine Zuversicht.“ Ralf Schenk | Filmdienst

Meine Heldinnen sind wie die Stadt, in der sie leben, von einem schreck­li­chen Krieg ver­stüm­melt. Sie leben in einer Stadt, die eine der schlimms­ten Belagerungen in der Geschichte der Kriegsführung erlebt hat. Dies ist eine Geschichte über sie und über Menschen, denen sie in Leningrad begeg­nen, die Hindernisse, die sie über­win­den müs­sen, und die Art und Weise, wie sie von der Gesellschaft behan­delt wer­den. Sie sind durch den Krieg psy­chisch ver­krüp­pelt und es wird eini­ge Zeit dau­ern, bis sie ler­nen, ihr nor­ma­les Leben zu füh­ren.“ Kantemir Balagow

 
Credits:

Дылда  Dylda
RU 2019, 139 Min., russ. OmU
Regie: Kantemir Balagov
Kamera: Ksenia Sereda
Schnitt: Igor Litoninskiy
mit: Viktoria Miroshnichenko, Vasilisa Perelygina, Andrey Bykov, Igor Shirokov

Termine:

  • noch keine 

 
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Im Stillen laut

Ein Film von Therese Koppe.

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Damals wur­den die bei­den Frauen von der Stasi beäugt, jetzt lesen sie belus­tigt die Protokolle, die bezeu­gen, wie wenig die Protokollierenden davon ver­stan­den, was ihr Leben ausmachte.
Im Stillen laut por­trä­tiert die Künstlerinnen Erika Stürmer-Alex und Christine Müller-Stosch, und blickt mit ihnen zurück in die DDR-Vergangenheit und auf das gegen­wär­ti­ge Leben und Arbeiten in Lietzen, wo sie einen Hof in Ateliers ver­wan­delt haben. Und ganz neben­bei erzählt der Film von der Liebe, denn die bei­den sind schon seit 40 Jahren ein Paar.
„Mir war es wich­tig, einen Dokumentarfilm zu machen, der die Nuancen des Lebens in der DDR zeigt, und dadurch die Komplexität der Auseinandersetzung mit dem System ver­deut­licht. Nicht nur den lau­ten Protest, son­dern die Gestaltung eines Lebens in einem eige­nen, geschaf­fe­nen Raum wie dem Kunsthof Lietzen. Der Kunsthof kann dabei stell­ver­tre­tend für die vie­len künst­le­ri­schen Freiräume, die sich Leute in der DDR schu­fen, ste­hen.“ Therese Koppe

 
Credits:

DE 2019, 74 Min., 
Buch & Regie: Therese Koppe
Kamera: Annegret Sachse
Schnitt: Evelyn Rack

 
Trailer: