Autor: fsk

  • Numéro Zéro

    Numéro Zéro

    NUMÉRO ZÉRO (1971)– das bezeich­net eine Art Nullpunkt, und tat­säch­lich hat Eustache hier fil­misch noch ein­mal von vorn ange­fan­gen: Er lässt sei­ne Großmutter Odette Robert aus ihrem Leben erzäh­len, unter­bro­chen nur von kur­zen Fragen oder Anmerkungen Eustaches, um den Redefluss in Gang zu hal­ten. 
    FR 19712002. Regie: Jean Eustache. mit: Odette Robert, Jean Eustache, Boris Eustache. 110 Min. frz. OmU

    [Tickets]

  • Une sale histoire

    Une sale histoire

    UNE SALE HISTOIRE (1977) besteht aus zwei Filmen: Zunächst ent­stand ein 16-mm-Film, gedreht im Stil des Cinéma véri­té, in der ein Mann von sei­nen voy­eu­ris­ti­schen Erlebnissen in der Toilette eines Pariser Cafés erzählt, wo er ein Loch in der Wand zur Damentoilette ent­deckt hat. Seinen Text ließ Eustache spä­ter, auf 35mm gedreht, von einem pro­fes­sio­nel­len Schauspieler spre­chen. Die Filme wer­den aller­dings in umge­kehr­ter Reihenfolge vor­ge­führt, also die Fiktion vor der Dokumentation – wobei sich natür­lich auch die Frage stellt, was an der von Picq erzähl­ten Geschichte echt ist und was nicht. Auf die­se Weise gelang Eustache eine ein­zig­ar­ti­ge Reflexion über das Verhältnis von Dokumentarischem und Fiktivem. 
    FR 1977. Regie: Jean Eustache; Film 1: mit: Michael Lonsdale. 28 Min. frz. OmU, Film 2: D: Jean-Noël Picq. 22 Min. frz.. OmU 

    [Tickets]

  • La Rosière de Pessac (1968 & 1979)

    La Rosière de Pessac (1968 & 1979)

    Zwei Dokumentarfilme über die Wahl und das Fest der Rosenkönigin in Pessac bei Bordeaux, die jähr­lich im April und Juni statt­fin­den. Die Zusammenstellung bezieht kei­ne aus­drück­li­che Position zu den Ereignissen; deren schlich­te Dokumentation, 1968 und elf Jahre danach, macht Veränderungen deut­lich.
    FR 1968. Regie: Jean Eustache. Dokumentarfilm. 65 Min. frz. OmU &
    FR 1979. Regie: Jean Eustache. Dokumentarfilm. 67 Min. frz. OmU

    [Tickets]

  • Bagger Drama

    Bagger Drama

    Ein Film von Piet Baumgartner. Ab 17.9.. im fsk. Am 17.9. mit anschlie­ßen­dem Filmgespräch.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Eine Familie lebt und arbei­tet im gemein­sa­men Familienbetrieb, der Bagger ver­mie­tet, ver­kauft und repa­riert. Während sie mit dem Alltag und den Anforderungen des Geschäfts beschäf­tigt sind, fällt es ihnen schwer, offen über Gefühle, Liebe und Intimität zu spre­chen. Als ihre Tochter bei einem Unfall töd­lich ver­un­glückt, gerät das Leben der Familie aus den Fugen. Der Sohn fühlt sich unver­stan­den und zieht es vor, in die USA zu gehen, statt den Betrieb zu über­neh­men. Der Vater sucht Ablenkung und ver­liebt sich in die neue Chorleiterin, wäh­rend die Mutter iso­liert mit dem Hund im Haus zurück­bleibt. Die Trauer führt zu Sprachlosigkeit, Missverständnisse häu­fen sich und ent­la­den sich in Wut und Konflikte. „Bagger Drama“ erzählt von einer Familie, die trotz aller Herausforderungen ver­sucht, mit Verlust, Liebe und Schmerz umzu­ge­hen – ein berüh­ren­der Heimatfilm über Menschen, die suchen, und Maschinen, die uner­müd­lich weiterarbeiten.

    Eine Familie scheint unzer­stör­bar, aus­ser sie tut es selbst. Ich bin erstaunt
    und fas­zi­niert zugleich, wie wenig man inner­halb einer Familie aus­zu­spre­chen ver­mag, was einem am meis­ten beschäf­tigt. Dort, wo ich her­kom­me, wer­den Probleme nicht bespro­chen, man macht sol­che Dinge mit sich selbst aus.
    Mein Weg raus aus die­sem Familien-Vakuum ist das Erzählen. Interessanterweise wird die Geschichte weder bes­ser noch schlech­ter, aber das Erzählen schafft eine Distanz. So kann ich als Beteiligter selbst auf die Geschichte schau­en. Dann kann die Verarbeitung begin­nen. Es ist mei­ne bis­her per­sön­lichs­te Arbeit.” Piet Baumgartner

    Credits:

    CH 2024, 96 min., Schweizerdeutsch, Englisch OmU,
    Regie: Piet Baumgartner
    Kamera:
    Pascal Reinmann
    Montage: Tania Stöcklin
    mit: Bettina Stucky, Phil Hayes, Vincent Furrer, Maximilian Reichert, Karin Pfammatter, Ramona Saluz, Nathanael Schaer u.v.a.

    Trailer:
    Bagger Drama – Trailer (EN)
    nach oben
  • Das unmögliche Bild

    Das unmögliche Bild

    Ein Film von Sandra Wollner. Am 22. & 23.8. im fsk.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Ein schein­bar gewöhn­li­ches Familienleben in Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg. Johanna über­nimmt die alte Super-8-Kamera ihres Vaters und beob­ach­tet ihre Verwandten: ihre klei­ne Schwester, Hund Cora, die Mutter, ihre Großeltern und vor allem die vie­len Frauen, die sich schnaps­t­rin­kend und rau­chend immer wie­der zu „Omas Kochklub“ in ihrer Wohnung ver­sam­meln. Nur: Gekocht wird nur hei­ßes Wasser, das in ver­bor­ge­ne Räume getra­gen wird, denn die Familie hütet ein Geheimnis.

    Credits:

    DE/AT 2016 , 70 Min., deut­sche Fassung
    Regie: Sandra Wollner
    Kamera:
    Timm Kröger
    Schnitt: Stephan Bechinger
    mit: Alexander E. Fennon, Isabel Schmidt, Mira Reisinger, Isabella Simon

    Trailer:
    nach oben
  • filmPOLSKA 2026

    filmPOLSKA 2026

    Auch in die­sem Jahr lädt das größ­te Festival des pol­ni­schen Films außer­halb Polens dazu ein, die Vielfalt des pol­ni­schen Kinos zu ent­de­cken – mit aktu­el­len Spiel‑, Dokumentar- und Kurzfilmen, Filmgesprächen mit inter­na­tio­na­len Gästen, span­nen­den Sonderprogrammen sowie zahl­rei­chen Begegnungen rund um den pol­ni­schen Film. Im fsk zei­gen wir die Wettbewerbsfilme und 2 Specials:

    Silver

    PL/FI/NO 2025, 78 min, Original mit deut­schen und eng­li­schen Untertiteln R/B: Natalia Koniarz / K: Stanisław Cuske / S:
    Yael Bitton / M: Yngve Leidulv Sætre, Marcin Lenarczyk

    Unmengen von Silber sind im Laufe von fünf Jahrhunderten aus dem Berg Cerro Rico geholt wor­den. Der boli­via­ni­schen Stadt Potosí an sei­nem Fuß bescher­te er gro­ßen Reichtum, aber auch unzäh­li­ge Opfer. Heute gleicht der aus­ge­wei­de­te Berg einem zer­lö­cher­ten Käse, nur noch weni­ge Todesmutige – oder Verzweifelte – wagen sich in die brü­chi­gen Stollen. Sie haben weder moder­ne Technik noch Versicherungsschutz oder ein Gesundheitssystem. Die Polizei hat sich zurück­ge­zo­gen, die Gegend ist gefähr­lich und kri­mi­nell, das Wasser ver­seucht. Viele der Bergleute sind min­der­jäh­rig, kaum jemand erlebt sei­nen 40. Geburtstag.
    In ihrer für ein Debüt ent­waff­nend rei­fen Milieustudie schickt uns Natalia Koniarz mit­ten hin­ein in die­se lebens­feind­li­che Umgebung, in der sich vie­les von dem spie­gelt, was in der Weltwirtschaft schief­läuft. Sie nimmt uns mit in klaus­tro­pho­bi­sche Schächte, wo stän­dig das Dynamit kracht, in not­dürf­tig zusam­men­ge­zim­mer­te Hütten ohne Strom, ins Bordell und aufAbraumhalden, die zu Spielplätzen wer­den. Im Fokus ste­hen dabei Kinder, die in die­se Bedingungen hin­ein­ge­bo­ren wur­den und schon bei ihrer Geburt eigent­lich kei­ne Zukunft hat­ten. Wir tau­meln ohne Chronologie und räum­li­che Orientierung durch die bedroh­li­che Szenerie und ahnen, dass auch wir Schuld dar­an tra­gen. [Rainer Mende]

    10.09. / 20:00 / fsk Kino / zu Gast: Natalia Koniarz
    [Tickets]

    Miasto, któ­re wyjechało / The Town That Drove Away 

    PL 2025, 70 min, Original mit deut­schen und eng­li­schen Untertiteln , R/B/K: Natalia Pietsch, Grzegorz Piekarski / S: Alan Zejer, Michał Buczek / M: Jozef van Wissem, Ali Ayhan

    Die uralte Stadt Hasankeyf am Tigris in der schrof­fen Berglandschaft Nordkurdistans beher­bergt eine alte Festung. Auch ihre Höhlen sind von hohem kul­tur­his­to­ri­schen Wert. Aber immer wie­der erschüt­tert lau­tes Krachen den Ort – nicht von Schüssen, son­dern von Sprengungen. Die tür­ki­sche Regierung hat beschlos­sen, einen rie­si­gen Staudamm zu errich­ten, der lang­sam die Stadt über­flu­ten wird.
    Allmählich erlischt das Leben, Stück für Stück wer­den Bauwerke abge­tra­gen und die Bewohnerinnen eva­ku­iert. Ein paar Kilometer ent­fernt war­tet eine nagel­neue Stadt auf sie – durch­ge­plant und effi­zi­ent, aber geschichts- und see­len­los. Dorthin sol­len auch der Friseur Burak mit sei­nem gehör­lo­sen Vater und die jun­ge Rengin zie­hen, die von einem Studium weit weg träumt. Sie gehö­ren zu den letz­ten, die noch in Hasankeyf aus­har­ren, wäh­rend neben­an die Bagger die his­to­ri­sche Bausubstanz zer­le­gen. Die Regisseurinnen prä­sen­tie­ren kein poli­ti­sches Pamphlet über die vor­sätz­li­che Zerstörung von Natur und Kultur, son­dern ein fein­füh­li­ges Porträt von Menschen, deren ver­trau­te Umgebung ein­fach ver­schwin­det. Mit sta­ti­scher Kamera und dezent ein­ge­setz­ter Musik sam­meln sie wie bei­läu­fig klei­ne Details, die gemein­sam eine gro­ße Geschichte erzäh­len. [Rainer Mende]

    11.09. / 20:00 / fsk Kino / zu Gast: Natalia Pietsch & Grzegorz Piekarski
    [Tickets]

    :
    Powiedz mi, co czu­jesz / Tell Me What You Feel

    PL 2026, 102 min, OmeU R: Łukasz Ronduda / B: Łukasz Ronduda, Agata K. Koschmieder / K: Weronika Bilska / S: Agata Cierniak D: Jan Sałasiński, Izabella Dudziak, Anita Poddębniak, Adam Szyszkowski, Aleksandra Justa, Andrzej Konopka u. a.

    Patryk kommt vom Dorf, wo sei­ne bet­tel­ar­men Eltern sich auf einem her­un­ter­ge­kom­me­nen Bauernhof mit Schrottverkauf über Wasser hal­ten. Aber er will nicht Bauer wer­den – er quar­tiert sich in Warschau in einem bil­li­gen Zimmer ein, trägt knall­bun­te Second-Hand-Klamotten und ver­sucht, als Künstler Fuß zu fas­sen.
    Eines Tages gerät er in eine Performance-Ausstellung, wo Maria den Besucherinnen Tränen abkauft und die­se aus­stellt. Sie stammt aus einem rei­chen Großstadt Elternhaus – doch bei einem Rollenspiel zeigt sich, dass Maria eben­so wie der trä­nen­lo­se Patryk schwer von Traumata belas­tet ist. In man­cher Hinsicht sind sie Seelenverwandte. Ihre Beziehung ent­wi­ckelt sich zu einer Berg-und-Tal-Bahn, die auf sozia­ler, ero­ti­scher, emo­tio­na­ler und künst­le­ri­scher Ebene zu einer Zerreißprobe wird. Erneut gelingt Łukasz Ronduda das Meisterstück, künst­le­ri­sche Fragestellungen und rea­le Kunstwerke schlüs­sig in eine Filmhandlung ein­zu­bet­ten, so dass weder der Diskurs zu ver­kopft noch die Kunst bana­li­siert wird. Nachdem er in „Heart of Love” (2017) bereits ein Künstlerpaar por­trä­tier­te, bringt er nun in eine Beziehungsgeschichte noch den Aspekt des Klassismus ein. Dabei greift er erneut auf rea­le Vorbilder zurück – Patryks Vorbild ist der Künstler Patryk Różycki, für die Figur der Maria war die bil­den­de Künstlerin Karolina Balcer Patin. [Rainer Mende] 

    12.09. / 15:00 / fsk Kino / zu Gast: Andrzej Konopka
    [Tickets]

    Capo / Permit

    PL 2025, 90 min, Original mit deut­schen und eng­li­schen Untertiteln, R: Robert Kwilman / B: Robert Kwilman, Malwina Górecka, Kirk Kjeldsen / K: Kasper Lorek / S: Ming-Wei Chiang D: Daniel Felipe, Jimenez Vaquez, Ivan Sharan, Josiana Costales, Justa Beatriz Blanco Rojas, Alejandra, Herrera, Victor Venecia Fuentes, Gerson Isai Lam Lopez, Sebastian Stankiewicz, Michał Balicki u. a.

    Eine Gruppe von Frauen und Männern aus Lateinamerika wird mit einem klei­nen Bus irgend­wo in die pol­ni­sche Provinz gefah­ren. Dort hält man ihnen Verträge unter die Nase, deren Sprache sie nicht ver­ste­hen und in denen die zu Hause ver­spro­che­nen 3.500 Dollar plötz­lich zu 3.500 Złoty gewor­den sind. Schlimmer noch: Sie müs­sen ihre Reisepässeabgeben und statt in einem Hotel zu arbei­ten, ver­pflich­ten sie sich mit die­sen Verträgen zur mono­to­nen, auf­rei­ben­den Arbeit in einer Fleischerei. Für das schä­bi­ge Wohnheim wird ihnen zusätz­lich Geld abge­knöpft, Arbeitsschutz ist ein Fremdwort. Was als Aufenthalt zum Geldverdienen geplant war, fühlt sich bald an wie ein Gefängnis mit Zwangsarbeit.
    Robert Kwilman erweckt das Sozialkino à la Ken Loach wie­der zum Leben und setzt des­sen Mittel gekonnt ein. Im Stil eines Dokumentarfilms, mit wacke­li­ger Handkamera, ohne Musik oder künst­li­ches Licht lässt er uns so nah wie mög­lich an die tra­gi­schen Helden des Films her­an­rü­cken, die sich bald die Frage stel­len: Sollen sie die him­mel­schrei­en­de Ungerechtigkeit still ertra­gen, rebel­lie­ren oder flie­hen? Ohne Beschönigungen zeigt Kwilman ein Polen, das vom Auswanderungs- zum Einwanderungsland gewor­den ist, mit all sei­nen Schattenseiten. [Rainer Mende]

    12.09. / 20:00 / fsk Kino / zu Gast: Robert Kwilman
    [Tickets]

    Dziecko z pyłu / Child of Dust / Kinder des Staubs

    PL/VN/CH/CZ/QA 2025, 93 min, Original mit deut­schen und eng­li­schen Untertiteln, R/B: Weronika Mliczewska / K: Mikael Lypinski / S: Marcin Sucharski, Mateusz Romaszkan / M: Joaquin Garcia

    Sang ist ein „Staubkind” – er hat eine viet­na­me­si­sche Mutter und einen US-ame­ri­ka­ni­schen Vater, der nach Ende des Vietnamkriegs das Land ver­ließ und seit­dem ver­schwun­den ist. Als vater­lo­ses Kind gemisch­ter eth­ni­scher Abstammung fühl­te sich der Slum-Bewohner und Analphabet Zeit sei­nes Lebens aus­ge­grenzt und leb­te stets in pre­kä­ren Verhältnissen. Aber er hat den Kampf um ein wür­de­vol­les Leben nicht auf­ge­ge­ben – sei es durch die Gründung einer Familie, sei es durch die Suche nach sei­nem Vater. Und selbst im Dokumentarfilm gesche­hen manch­mal Wunder: Ein Gentest führt Sang zu sei­nem Vater, des­sen Kinder in den USA bis­her nichts von ihrem Bruder in Vietnam wuss­ten. Über alle Kultur- und Sprachgrenzen hin­weg tre­ten sie in Kontakt und haben bald ein gemein­sa­mes Projekt: Sang in die Vereinigten Staaten zu holen, damit er sei­ner zwei­ten Familie nahe sein und irgend­wann Frau und Tochter nach­ho­len kann. Weronika Mliczewska hat mit ihrem ers­ten Film in Kinolänge selbst ein klei­nes Wunder voll­bracht. Erstaunlich nah kommt sie ihren Protagonistinnen und doku­men­tiert mit der Kamera eine Mischung aus Drama, Krimi und Familientragödie, die vor außer­ge­wöhn­li­chen Szenen und über­ra­schen­den Wendungen nur so strotzt. Dabei the­ma­ti­siert sie in atem­lo­sem Tempo Fragen nach Heimat, sozia­lem Gefüge, Schuld, Verantwortung und Buße. [Rainer Mende]

    13.09. / 15:00 / fsk Kino / zu Gast: Weronika Mliczewska
    [Tickets]

    Dom Dobry / Home Sweet Home

    PL 2025, 107 min, Original mit deut­schen und eng­li­schen Untertiteln R/B: Wojciech, Smarzowski / K: Paweł Tybora / S: Krzysztof Komander / M: Mikołaj Trzaska, D: Agata, Turkot, Tomasz Schuchardt, Agata Kulesza, Maria Sobocińska, Łukasz Gawroński, Arkadiusz Jakubik, Magdalena Smalara, Julia Kijowska, Andrzej Konopka u. a.
    Die nicht mehr blut­jun­ge Gośka hält es kaum noch bei ihrer bies­ti­gen Mutter aus, die selbst zu Weihnachten nicht auf­hö­ren kann, zu sau­fen und an ihrer Tochter her­um­zu­nör­geln. Zum Glück taucht der kul­ti­vier­te Grzesiek auf, der mit bei­den Beinen fest im Leben steht. Als es zu Hause wie­der kracht, packt Gośka kurz­ent­schlos­sen ihre Koffer und zieht bei ihm ein.
    Schlagartig scheint sich alles zum Guten zu wen­den – sie berei­sen gemein­sam die Welt, auf den Heiratsantrag in Venedig fol­gen die Hochzeit und die Geburt einer Tochter. Doch die häus­li­che Idylle ent­wi­ckelt sich suk­zes­si­ve zum Albtraum. Denn in den eige­nen vier Wänden wird Grzesiek zum Tyrannen, der vor psy­chi­scher und phy­si­scher Gewalt nicht zurück­schreckt.
    Smarzowski schafft es auch mit sei­nem neun­ten Kinofilm wie­der auf beein­dru­cken­de Weise, Kritikerlob und Preise ein­zu­sam­meln, gleich­zei­tig die Kinokassen klin­geln zu las­sen und auch noch eine gesell­schaft­li­che Debatte anzu­sto­ßen. Dabei erweist er sich gemein­sam mit Krzysztof Komander wie­der als Meister am Schneidetisch und bewäl­tigt – auch dank der Leistungen von Agata Turkot und Tomasz Schuchardt als Gośka und Grzesiek – den Spagat zwi­schen all­ge­mein zugäng­li­chem Drama und anspruchs­vol­lem Autorenfilm. [Rainer Mende]

    13.09. / 20:00 / fsk Kino / zu Gast: Wojciech Smarzowski
    [Tickets]

    Królestwo / Kingdom / Königreich 

    PL 2025, 112 min, Original mit deut­schen und eng­li­schen Untertiteln, R/B: Michał Ciechomski / K: Paweł Grabarek / S: Agnieszka Białek-Zaborowska / M: Lubomir Grzelak D: BartoszMikulak, Julian Świeżewski, Jacek Poniedziałek, Aleksander Kaleta, Dawid Piejko, Mateusz Łasowski, Michał Włodarczyk u. a.

    Das Polen der Gegenwart ist Kriegsgebiet. Warschaus Wolkenkratzer sind durch­lö­chert, die Straßen vol­ler Leichen und zer­schos­se­ner Autos, die Regierung ist abge­taucht und die Zivilbevölkerung ver­sucht aus dem Land zu flie­hen, wäh­rend die „Neobarbaren” wei­ter angrei­fen.
    Nachdem auch er sei­ne Arbeit ver­liert, will Dawid sich eigent­lich mit sei­nen Eltern ins
    Ausland schleu­sen las­sen. Dann aber folgt er sei­nem Bruder zu den „Schwarzen Spinnen” – einer dubio­sen, straff hier­ar­chisch orga­ni­sier­ten Gruppe mar­tia­lisch auf­tre­ten­der Skinheads, die sub­til homo­ero­ti­sche Züge trägt. Sie schei­nen die letz­ten zu sein, die sich den Invasoren noch ent­ge­gen­stel­len und sich mit klei­nen mili­tä­ri­schen Aktionen auf die letz­te Schlacht vor­be­rei­ten.
    Michał Ciechomskis Langfilm-Debüt ist Filmkunst pur. In sei­ner vir­tu­os aus­ge­form­ten Dystopie ist kei­ne Plansequenz gewöhn­lich, jede von Paweł Grabareks Kameraeinstellungen trägt eine ori­gi­nel­le Idee in sich. Auch die expe­ri­men­tel­le Soundregie von Jacek Hamela folgt kon­se­quent einem krea­ti­ven Prinzip. Diese Kriegsvision ist kein hel­den­haf­tes Actionkino, son­dern eine audio­vi­su­el­le Herausforderung, wel­che das Zerfallen einer Ordnung nahe­zu kör­per­lich erfahr­bar macht. [Rainer Mende]

    14.09. / 20:00 / fsk Kino / zu Gast: Michał Ciechomski
    [Tickets]

    LARP. Miłość, trol­le i inne ques­ty / LARP

    PL 2025, 90 min, Original mit deut­schen und eng­li­schen Untertiteln, R: Kordian Kądziela / B: Kordian Kądziela, Michał Wawrzecki / K: Cezary Stolecki / S: Magdalena Chowańska / M: Jan Sanejko D: Filip Zaręba, Martyna Byczkowska, Hubert Łapacz, Mikołaj Chilimończyk, Maciej Bisiorek, Agnieszka Rajda, Andrzej Konopka, Edyta Olszówka, Michał Balicki, Bartłomiej Topa u. a.

    Die nie­der­schle­si­sche Provinz ist für Heranwachsende nicht unbe­dingt reich an Attraktionen. Aber ihre Waldgebiete sind die per­fek­te Kulisse für aus­ufern­de Live-Rollenspiele. Es ist sicher kein Zufall, dass ihr Idol, der gefei­er­te Fantasy-Autor Lacroix, aus­ge­rech­net aus ihrem Kaff kommt.
    Die schwers­ten Schlachten muss der puber­tie­ren­de, schlak­si­ge und wenig selbst­si­che­re Sergiusz aber im Alltag schla­gen. Vom Sohn des Dorfkrösus wird er pau­sen­los drang­sa­liert, sein allein­er­zie­hen­der Vater wür­de ihn ger­ne zum Leistungssportler hoch­züch­ten und die schö­ne Helena, die auf ein­mal in der Schule auf­taucht, sucht sich die fal­schen Freunde.
    Kordian Kądzielas von der Kritik gefei­er­ter Publikumserfolg hat alles, was ein klas­si­scher Coming-of-Age-Film braucht – sozia­le Konflikte, eine Liebesgeschichte und eine ordent­li­che Dosis jugend­li­chen Übermuts. Was ihn beson­ders macht, ist neben etli­chen ori­gi­nel­len visu­el­len Einfällen (u. a. einem inkon­se­quen­ten Neunzigerjahre-Setting) und diver­sen augen­zwin­kern­den Seitenhieben auf die LARP- und Fantasy-Szene ein gran­dio­s­auf­spie­len­der Andrzej Konopka, der für sei­ne Rolle als über­for­der­ter Vater und Provinz-Polizist mehr­fach aus­ge­zeich­net wur­de. [Rainer Mende]

    15.09. / 20:00 / fsk Kino
    [Tickets]

    Nie ma duchów w mieszka­niu na Dobrej / No Ghosts On Good Street / Es gibt kei­ne
    Geister in der Wohnung in der Guten Straße

    PL 2025, 90 min, Original mit deut­schen und eng­li­schen Untertiteln, R: Emi Buchwald / B: Emi Buchwald, Karol Marczak / K: Tomasz Gajewski / S: Anna Łuka / M: Katarzyna Gawlik, Jerzy Rogiewicz D: Bartłomiej Deklewa, Izabella Dudziak, Tymoteusz Rożynek, Karolina Rzepa, Piotr Napierała, Daria Muszyńska, Andrzej Kłak, Gabriela Arak, Aleksander Janiszewski, Krzysztof Drozdowski u. a.

    Langsam wan­dert die Kamera durch möblier­te Räume, man hört Geräusche aus einer weit zurück­lie­gen­den Vergangenheit, die Altbau-Wohnung scheint leer zu ste­hen. Doch da sitzt jemand auf dem Fensterbrett – es ist ein Nachtmahr, eine mythi­sche Figur, die sich den Menschen nachts auf die Brust setzt und ihnen die Luft abdrückt.
    Die Anwesenheit die­ses Nachtmahrs spü­ren die vier grund­ver­schie­de­nen Geschwister
    deut­lich. Ihnen gehört die­se Wohnung, obwohl nur einer von ihnen noch dort lebt. Aber nicht Phantasiefiguren sind es, die ihnen die Luft abdrü­cken, son­dern ganz kon­kre­te Sorgen, die jun­ge Menschen auf der Suche nach einem Platz im Leben in einer Großstadt wie Warschau umtrei­ben – toxi­sche Beziehungen, Panikattacken, Bindungsangst. Mit erfri­schen­der Beiläufigkeit und für ein Debüt erstaun­li­cher dra­ma­tur­gi­scher Reife hält Emi Buchwald ihren Finger an den Puls einer Generation, in der jeder mit sei­nen eige­nen Dämonen kämpft. Womöglich ist die­ser Kampf nur auf eine Weise zu gewin­nen – in der Gruppe, oder bes­ser noch: als Familie. Die Alltagsnähe, die sich auch in der für die Gen Z typi­schen Sprache mani­fes­tiert, die Mischung aus Tragik und Komik sowie eine dezent ein­ge­setz­te Dosis Metaphysik wir­ken in den Augen deut­scher Zuschauer*innen wie eine gelun­ge­ne Mischung aus „Der Nachtmahr” von AKIZ und „3 Zimmer/Küche/Bad” von Dietrich Brüggemann. [Rainer Mende]

    16.09. / 20:00 / fsk Kino / zu Gast: Emi Buchwald
    [Tickets]

  • Watching People Watching Birds

    Watching People Watching Birds

    Ein Film von Ulrike Franke & Michael Loeken. Ab 1.10. im fsk. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Die Zahl und die Diversität der Vögel gehen welt­weit dra­ma­tisch zurück. Gleichzeitig ent­de­cken immer mehr Menschen die Welt der Vögel für sich: Sie alle haben eine ganz eige­ne Geschichte, die sie zu Birdwatchern gemacht hat.

    Der Blick durchs Fernglas ist dabei auch eine Suche nach etwas Ursprünglichem, Einzigartigem, Wahrem. Auf fast magi­sche Weise scheint sich die­se Suche auf den Zuschauer zu über­tra­gen, als gin­ge man mit geschärf­ten Sinnen aus dem Kino in eine ande­re Welt. Unser Film wen­det den Blick von den Vögeln zurück auf die Menschen, die uns mit ihrer Liebe zu den Vögeln und ihrer Hingabe zur Natur begeis­tern. So begeg­nen wir auch dem welt­be­rühm­ten Autor Jonathan Franzen, der sagt: „Ein Grund, war­um Wildvögel so wich­tig sind (…) ist der, dass sie unse­re letz­te, bes­te Verbindung zu einer natür­li­chen Welt dar­stel­len, die ansons­ten im Schwinden begrif­fen ist.“

    Umweltpolitisch bri­sant, ernst, aber auch humor­voll, zeich­net der Film in cine­as­ti­schen Bildern und inten­si­ven Soundwelten das Bild einer Gesellschaft in einer gro­ßen Krisen- und Umbruchsituation. Der Film wird zur Erzählung von Zweifel und Hoffnung, Leben und Tod, vom Bleiben und Verschwinden. Und die Vögel wer­den auf eine berau­schen­de, fast unheim­li­che Art zur Metapher für den Zustand der Welt.

    Credits:

    DE 2026 , 92 Min., Deutsch und Englisch mit deut­schen Untertiteln
    Regie: Ulrike Franke & Michael Loeken
    Kamera: Jörg Adams, Hajo Schomerus
    Schnitt: Sophie Oldenbourg, Guido Krajewski

    Trailer:
    WATCHING PEOPLE WATCHING BIRDS – Offizieller Trailer
    nach oben
  • Schwarzers Kosmos

    Schwarzers Kosmos

    Ein Film von Klaus Martens. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Der Düsseldorfer Künstler Bernd Schwarzer hat sich mit Haut und Haaren einem Gesamtkunstwerk ver­schrie­ben. Schwarzer nennt es das „Europa Kunstwerk“. Solcher Art poli­tisch auf­ge­la­den hän­gen sei­ne Bilder nicht nur in den Museen, son­dern im Schloss Bellevue beim Deutschen Bundespräsidenten, im Bundestag oder dem­nächst im Europäischen Parlament. Wenngleich Schwarzers pas­to­se Technik, sei­ne hand­werk­li­chen Qualitäten ein­zig­ar­tig sind – man­che behaup­ten gar, er sei geni­al – ent­glei­tet ihm die Kontrolle über sich und sei­ne Kunst. Schwarzer stra­pa­ziert die Geduld sei­ner Sammler und Galeristen und treibt die, die an ihn glau­ben, in schie­re Verzweiflung. Dem Künstler scheint jedes Maß für sich und sei­ne Kunst ver­lo­ren zu gehen.

    Der Film „Schwarzers Kosmos“ ist das Sittenbild eines exzen­tri­schen Kunstmarktes mit all den dazu­ge­hö­ri­gen Klischees von Unangepasstheit, Freiheit, Genie und Wahnsinn. Am Ende des Films geht es nur noch um die Frage, ob der Künstler selbst die­sen Wahnsinn über­ste­hen wird.

    Credits:

    DE 2026, 90 Min., deut­sche OmeU
    Regie: Klaus Martens
    Kamera: Frederik Walker, Frank Kranstedt
    Schnitt: Fabian Oberhem

    Trailer:
    SCHWARZERS KOSMOS – Offizieller Trailer

    im Kino mit deut­schen Untertiteln.

    nach oben
  • Evidence

    Evidence

    Ein Film von Lee Anne Schmitt. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Ein lie­be­vol­ler Vater, der von sei­nen Geschäftsreisen typi­sche Puppen aus aller Welt als Geschenk mit­bringt, und was macht die Tochter, wenn sie erwach­sen ist und erkennt, für welch‚ umwelt­schä­di­gen­de und poli­tisch ein­fluss­rei­che Firma der Vater arbei­te­te? Lee Ann Smitt macht einen Essayfilm. Arbeitgeber ihres Vaters war die Olin Corporation, lang­jäh­ri­ger Hersteller von Munition und Chemikalien und damit ver­ant­wort­lich für unglaub­li­che Umweltverseuchungen, und nicht nur das. Die ange­schlos­se­ne Foundation trieb zwi­schen den 1970ern und 2000ern mit Millionenspenden kon­ser­va­ti­ve Inhalte vor­an und hat­te zusam­men mit gleich­ge­sinn­ten Think Tanks tief­grei­fen­den Einfluss auf Amerikas Politik und gesell­schaft­li­che Werte. Der Film, der zugleich eine Darstellung des moder­nen ame­ri­ka­ni­schen Konservatismus ist (von Medienkritikern bis hin den Richtern am Obersten Gerichtshof), wird durch zeit­ge­nös­si­sches Filmmaterial unter­malt, das durch­aus scho­ckie­rend wirkt. „Die Vereinigten Staaten basie­ren auf gehei­men Plänen und Hinterzimmerabsprachen, und ob man von die­sen Vereinbarungen pro­fi­tiert oder dar­un­ter lei­det, ist rei­ne Glückssache.“ NYFF Die Frage aber ist: nur dort?

    Evidence
    Credits:

    US 2025 , 76 Min., Englisch mit deut­schen Untertiteln
    Regie, Kamera, Schnitt: Lee Anne Schmitt 

    Trailer:
    „Evidence” | Clip | Berlinale 2025

    im Kino mit deut­schen Untertiteln.

    nach oben
  • Ghost School

    Ghost School

    Ein Film von Seemab Gul. Ab 3.9. im fsk. Am 4.9. mit anschlie­ßen­dem Panelgespräch mit Dr. Anna Grebe & wei­te­ren Gästen

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    In ihrem Regiedebüt nimmt sich Seemab Gul Zeit, für Blicke, Gesten und Stimmungen, und erzählt in wun­der­schö­nen Bildern die Geschichte eines paki­sta­ni­schen Mädchens, das mehr wis­sen will und sich nicht schnell zufrie­den gibt.
    Weil die ein­zi­ge Schule des Ortes angeb­lich ver­flucht und der Lehrer von einem Dschinn beses­sen ist, fällt der Unterricht auf lan­ge Sicht aus. Die Jungen aus dem Dorf kön­nen ins Nachbardorf zum Unterricht fah­ren, die 10-jäh­ri­ge Rabia hat die­se Option nicht. Sie will ler­nen, kann sich des­halb nicht mit der Schließung abfin­den und beginnt, auf eige­ne Faust nach­zu­for­schen. Erst geht sie zum Lehrer, dann zum Wachmann und zum Dorfvorsteher und immer wei­ter. Befriedigende Antworten bekommt sie nicht, aber stets neue Erkenntnisse. Angelehnt an Wo ist das Haus mei­nes Freundes des Iraners Kiarostami erzählt der Film in Etappen vom Leben in Pakistan, einem ande­ren reli­giö­sen, patri­ar­cha­li­schen Land, vor allem aber von dor­ti­gen Klassenunterschieden, Machtmissbrauch und der Herrschaft des Geldes.
    „ … Außerdem ver­weist der Film (schon im Titel) auf das tat­säch­lich exis­tie­ren­de Problem der Geisterschulen und Geisterkrankenhäuser in dem süd­asia­ti­schen Land. Viele tau­send, einst als öffent­li­che oder kom­mu­na­le Einrichtungen geplan­te Gebäude ste­hen in Pakistan leer oder ver­wahr­lo­sen halb­fer­tig in der Einöde. Korruption, feh­len­de staat­li­che Kontrollen und die Machtinteressen loka­ler Großgrundbesitzer sind die Ursachen. Gul benennt die­ses sys­te­mi­sche Versagen unmiss­ver­ständ­lich.“
    Björn Schneider, programmkino.de

    Credits:

    PK, DE, SA 2025 , 88 Min., Urdu mit deut­schen Untertiteln
    Regie: Seemab Gul
    Kamera: Zamarin Wahdat
    Schnitt: Alexandra Strauss, Raluca Petre
    mit: Nazualiya Arsalan, Samina Seher, Adnan Shah Tipu, Vajdaan Shah, Muhammad Zamaan

    Trailer:
    Ghost School | offi­zi­el­ler deut­scher Trailer (OmU)
    nach oben