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  • Scherbenland

    Scherbenland

    Ein Film von  Lutz Pehnert und Ferdinand Hübner.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Scherbenland erzählt von einer Band, deren ers­tes Album mit der Frage begann: „Warum geht es mir so dre­ckig?“ – und von einer Stadt, die durch ihre Lieder ver­än­dert wur­de. Anfang der 1970er Jahre wird Kreuzberg zum Experimentierfeld einer Gegenkultur. Mit Songs wie „Macht kaputt, was euch kaputt macht“, „Alles ver­än­dert sich“ und „Der Traum ist aus“ geben Ton Steine Scherben einer Generation eine Stimme. Ihre Musik beglei­tet Hausbesetzungen, poli­ti­sche Kämpfe und die Suche nach einem ande­ren Leben.

    Der Film folgt den Spuren die­ser Zeit und fragt: Was ist von die­sem Aufbruch geblie­ben? Und was pas­siert, wenn die Hymnen der Scherben auf die Songs der Gegenwart tref­fen? Im Berlin von heu­te begeg­net „Scherbenland“ Musiker:innen, deren Lieder vom Leben im Kiez erzäh­len – dar­un­ter das Rap-Trio RAPK und die Songwriterin Maike Rosa Vogel. Ihre Musik ent­steht aus dem Alltag eines Bezirks, der sich zwi­schen Mythos, Gentrifizierung und neu­er kul­tu­rel­ler Energie bewegt. Ein Film über Musik und Poesie als Widerstand – damals und heu­te. Und über die Frage, ob bei­des noch immer die Kraft hat, eine Stadt zu verändern.

    Credits:

    DE 2026, 100 Min., Deutsche OF
    Regie:  Lutz Pehnert und Ferdinand Hübner
    Kamera: Thomas Lütz, Thomas Hering, Florian Geyer
    Schnitt: Thomas Kleinwächter

    Trailer:
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  • Rose

    Rose

    Ein Film von Markus Schleinzer. Am 10.5. mit anschlie­ßen­dem Gespräch mit Godehard Giese.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Rose war der Film aus dem Wettbewerb der dies­jäh­ri­gen Berlinale, über den wohl im posi­ti­ven Sinn am meis­ten gespro­chen wur­de, und das nicht nur wegen der ver­dient mit dem Silbernen Bären aus­zeich­ne­ten Hauptdarstellerin Sandra Hüller. Die drit­te Regiearbeit des öster­rei­chi­schen Schauspielers und Casting-Direktors Markus Schleinzer ist zugäng­li­cher als die bei­den vor­he­ri­gen Filme Michael und Angelo, aber immer noch fas­zi­nie­rend eigen. Dafür sor­gen neben den grob­kör­ni­gen schwarz-weiß Bildern und der mori­ta­ten­haf­ten Führung auch sei­ne öko­no­mi­sche Erzählweise.
    „In der Hose war mehr Freiheit und es ist ja nur ein Stück Stoff. Da bin ich in die Hose“ erklärt Rose am Ende vor Gericht, aber ganz so ein­fach war es doch nicht. Nach 10 Jahren als Soldat im Feld des 30-jäh­ri­gen Krieges erhebt sie, mit gül­ti­gen Papieren, in einem pro­tes­tan­ti­schen Dorf Anspruch auf einen ver­las­se­nen Gutshof. Misstrauisch beäugt wird die­ser merk­wür­di­ge Fremde von Beginn an, beweist jedoch Mut und Zähigkeit und schafft erstaun­li­ches: der Hof wird ren­ta­bel, die Menschen arbei­ten ger­ne dort. Doch erst die Ehe mit Suzanna, der Tochter des Großgrundbesitzers, ver­schafft die gewünsch­te Anerkennung. Ein gro­ßes Risiko, das sich für kur­ze Zeit wun­der­sam in eine Art Glück ver­wan­delt.
    „Basierend auf his­to­ri­schen Berichten über Frauen (oder tran­si­den­ti­tä­ren Personen), die sich unter ande­rem für den Zugang zu Arbeit, Militärdienst, Verdienstquellen und dem Ausleben les­bi­schen Begehrens als Mann aus­ga­ben, ent­wirft Markus Schleinzer die Geschichte einer „Weibs-Person“, die die Grenzen ihres Geschlechts über­win­det und sich eine eige­ne Biografie erfin­det. Der Name der Protagonistin erin­nert an eine rea­le Figur der Vergangenheit: Catharina Margaretha Linck oder Anastasius Lagrantinus Rosenstengel, wie sie sich selbst nann­te. Rosenstengel kämpf­te als Soldat bei den Truppen des Kurfürstentums Hannover und im Spanischen Erbfolgekrieg. 1720 wur­de sie, nicht etwa wegen Betrugs, son­dern wegen Unzucht mit einer ande­ren Frau, zum Tode ver­ur­teilt.
    Schleinzer erzählt Roses Geschichte nicht als Historienfilm, son­dern als hoch­kon­zen­trier­tes Frauenporträt, das zwi­schen Fiktion und his­to­ri­scher Genauigkeit chan­giert. Hier sind kein Wort und kei­ne Geste zu viel.“
    Esther Buss | Filmdienst

    Berlinale: Silberner Bär für Sandra Hüller als bes­te Darstellerin

    Credits:

    DE/AT 2026, 93 Min., Deutsch OmeU
    Regie: Markus Schleinzer
    Kamera: Gerald Kerkletz
    Schnitt: Hansjörg Weißbrich

    mit: Sandra Hüller, Caro Braun, Marisa Growaldt, Godehard Giese, Augustino Renken

    Audiodeskriptionen, Untertitel und Hörverstärkung mit der Greta App

    Trailer:
    ROSE – offi­zi­el­ler Kinotrailer – ab 30. April im Kino
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  • Luisa

    Luisa

    Ein Film von Julia Roesler. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    LUISA ist vor kur­zem von zu Hause aus­ge­zo­gen und neu­gie­rig, was das Leben für sie bereit­hält. Sie liebt Partys, ist für jeden Spaß zu haben, lässt sich auf Flirts und klei­ne Abenteuer ein. Sie lebt in der Wohngruppe einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung am Rande einer deut­schen Kleinstadt. Dort erhält sie Unterstützung in ihrem oft tur­bu­len­ten Alltag. Unbemerkt wird Luisa zuneh­mend stil­ler, in der Wohngruppe geht das all­täg­li­che Leben wei­ter, bis uner­war­tet fest­ge­stellt wird, dass Luisa schwan­ger ist. Luisa selbst sagt nicht, wie das pas­siert ist, sie schweigt. Jede und jeder weiß, dass ihr Freund Anton nicht zeu­gungs­fä­hig ist. Der Verdacht auf sexu­el­len Missbrauch liegt nahe. Luisa ent­schließt sich, die Schwangerschaft abbre­chen zu lassen.

    Ziel war es, die Erzählung um Luisa und ihre Auseinandersetzung mit den Grenzverletzungen, die ihr zusto­ßen, mög­lichst ein­fühl­sam und respekt­voll zu umkrei­sen. Parallel soll­te die häu­fig ver­bor­ge­ne Lebenswelt von Menschen mit Behinderung in jener macht­vol­len Institution gezeigt wer­den, die sie eigent­lich beschüt­zen soll, aber zugleich bedroh­lich für ihre kör­per­li­che Integrität und ein selbst­be­stimm­tes Leben ist. Denn wie kön­nen wir sze­nisch und visu­ell abbil­den, dass die Strukturen der Heimunterbringung Missbrauch in sol­chem Maße ermög­li­chen, also Institutionen, die Schutz für aus­ge­rech­net die vul­nerabels­ten Menschen in der Gesellschaft ver­spre­chen und nicht hal­ten kön­nen? Und wie kön­nen wir als Gesellschaft das ver­än­dern? Für den Dreh war es wich­tig, einen inklu­si­ven Cast an unse­rer Seite zu haben, mit dem all die­se Fragen dis­ku­tiert wer­den konn­ten, um mög­lichst weni­ge Stereotype über Menschen mit Behinderung zu repro­du­zie­ren und natür­lich auch die Perspektive von Menschen mit Behinderung sicht­bar zu machen.“ Julia Roesler

    Credits:

    DE 2025, 94 Min., Deutsche OmeU
    Regie: Julia Roesler
    Kamera: Frank Amann
    Schnitt: Anne Jünemann
    mit: Celina Scharff, Trixi Strobel, Dennis Seidel, Eva Löbau, Bernd Hölscher, Katharina Bromka, Hadi Khanjanpour, Martin Schnippa, Peter Lohmeyer

    Audiodeskriptionen, Untertitel und Hörverstärkung mit der Greta App

    Trailer:
    LUISA – Offizieller Trailer
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  • Gavagai

    Gavagai

    Ein Film von Ulrich Köhler. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Am Strand des Senegals schip­pert ein Boot vor sich hin, in ihm Kinder mit Rettungswesten. Man könn­te an den Beginn einer ris­kan­ten Reise über den Atlantik, hin zu den ver­klär­ten Gestaden Europas den­ken, doch die Wirklichkeit ist bana­ler: Ein Film wird hier gedreht, die deut­sche Schauspielerin Maja (Maren Eggert) spielt Medea, jene klas­si­sche Frauenfigur aus der anti­ken Tragödie, die in einem frem­den Land belo­gen und betro­gen wird und schließ­lich Mann und Kinder tötet.

    Aus irgend­ei­nem Grund hielt es ihre Regisseurin Caroline (Nathalie Richard) für eine gute Idee, die­se Geschichte nun im Senegal anzu­sie­deln, fast alle Rollen außer Medea mit Schwarzen zu beset­zen – so auch Medeas gegen­über Jason, der vom fran­zö­sisch-sene­ga­le­si­schen Schauspieler Nourou (Jean-Christophe Folly) gespielt wird.

    Wie eine Kolonialherrin führt sich Caroline am Set auf, schreit und wütet, wenn etwas nicht so läuft, wie sie sich das vor­ge­stellt hat. Dass gleich­zei­tig die Komparsen schlecht behan­delt wer­den und nicht zum Catering zuge­las­sen sind, stört sie dage­gen kaum.

    Wie sich das für Dreharbeiten gehört, haben die bei­den Hauptdarsteller eine Affäre, wäh­rend Maja per Zoom-Call mit ihrem offen­sicht­lich zuneh­mend ent­frem­de­ten Mann (Hans Löw) über die Erziehung des Kindes spricht.

    Monate spä­ter, der son­ni­ge Senegal wur­de mit dem tris­ten Berlin aus­ge­tauscht, es ist Februar, auf der Berlinale wird der Film Premiere haben. Bei der Ankunft in sei­nem Hotel fühlt sich Nourou vom Portier ras­sis­tisch belei­digt, doch es ist Maja, die auf einer Entschuldigung besteht und schließ­lich für die Entlassung des – pol­ni­schen – Mitarbeiters sorgt. Auch die Affäre der Beiden ist vor­bei, war viel­leicht nur am Set mög­lich, viel­leicht auch nur in der Fremde, in der exo­ti­schen Umgebung.

    Vor gut 15 Jahren war Ulrich Köhler mit sei­nem Film „Schlafkrankheit“ selbst bei der Berlinale zu Gast, ein semi-auto­bio­gra­phi­scher Film, in dem der Autor und Regisseur Erfahrungen aus sei­ner Kindheit the­ma­ti­sier­te, als er zusam­men mit sei­nen Eltern in Afrika leb­te. Auch damals spiel­te Jean-Christophe Folly eine Hauptrolle und erleb­te in einem Berliner Hotel eine ähn­li­che Szene, wie sie nun die von ihm gespiel­te Figur Nourou erlebt.

    Dieser Moment war für Köhler einer der Ausgangspunkte sei­nes neu­en Films, noch viel mehr aber man­che Diskussion, die über die Berechtigung eines Films wie „Schlafkrankheit’“ ent­stand, ein von einem wei­ßen Regisseur, mit einem haupt­säch­lich wei­ßen Team in Afrika gedreh­ter Film. Seitdem hat sich die Diskussion über das, was Allgemein als Kulturelle Aneignung bezeich­net wird, kei­nes­wegs ent­spannt, selbst ein Film wie Köhlers wird von man­chen als pro­ble­ma­tisch betrach­tet. Und das obwohl die­ser gar nicht dezi­diert von Schwarzen erzählt, son­dern gera­de von oft igno­ran­ten Weißen, die mit den Begebenheiten Afrikas kaum ver­traut sind. Aber sol­che Feinheiten gehen in einer oft popu­lis­tisch geführ­ten Diskussion bekann­ter­ma­ßen oft unter.

    M. Meyns | programmkino.de

    Credits:

    DE/FR 2025, 89 Min., Französisch, Englisch, Deutsch. Wolof OmU
    Regie: Ulrich Köhler
    Kamera: Patrick Orth
    Schnitt: Lorna Hoefler Steffen
    mit: Jean-Christophe Folly, Maren Eggert, Nathalie Richard, Anna Diakhere Thiandoum

    Audiodeskriptionen, Untertitel und Hörverstärkung mit der Greta App

    Trailer:
    GAVAGAI – Offizieller Trailer
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  • Father Mother Sister Brother

    Father Mother Sister Brother

    Ein Film von Jim Jarmusch.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Jim Jarmusch konn­te es selbst kaum glau­ben, als sein Film in Venedig mit dem Goldenen Löwen aus­ge­zeich­net wur­de, und man­che Filmkritik zeug­te auch von Irritation. Als zu wenig über­wäl­ti­gend, zu unauf­ge­regt und daher löwen-unwür­dig wur­de FMSB ein­ge­stuft. Dabei macht doch gera­de das von fei­nem Humor durch­zo­ge­ne Hintergründige, mit dem von drei Familien erzählt wird, die Stärke aus.
    In Teil eins besu­chen die Geschwister Jeff (Adam Driver) und Emily (Mayim Bialik) nach zwei Jahren Pause gemein­sam ihren weit­ab in New Jersey leben­den Vater (Tom Waits). Beide schät­zen den Vater als bedürf­tig und ein­sam ein, aber der hat eine ganz eige­ne Agenda.
    In Dublin fin­det in Episode zwei das jähr­li­che Treffen der unglei­chen Schwestern Timothea (Cate Blanchett) und Lilith (Vicky Krieps) mit ihrer Mutter (Charlotte Rampling) statt. Die Bestsellerautorin psy­cho­lo­gi­scher Ratgeber domi­niert am exqui­sit gedeck­ten Kaffeetisch auch jetzt noch ihre erwach­se­nen Töchter.
    Im letz­ten Teil tref­fen sich die Zwillinge Kye (Indya Moore) und Billy (Luka Sabbat) in Paris, um nach dem Unfalltod der Eltern deren Wohnung auf­zu­lö­sen, und ent­de­cken man­che Geheimnisse. Der Vertrautheit unter­ein­an­der konn­te weder räum­li­che noch zeit­li­che Distanz etwas anha­ben, und so endet der Reigen mit war­mer Melancholie.
    „Jarmusch in Reinform: kei­ne Sentimentalität, kei­ne fal­sche Dramatik, statt­des­sen die stil­le Rebellion der Pause, das Gedicht in den Zwischenräumen, die Erkenntnis, dass Familie eben­so Gefängnis wie Rettung sein kann. Wer ihn als „klein“ abtut, hat nicht ver­stan­den, dass gera­de die kleins­ten Filme manch­mal die größ­ten Risse hin­ter­las­sen.“ kino-zeit
    „Ich habe schon häu­fi­ger epi­so­dische Filme gedreht. Mir gefällt, dass es kei­nen Star gibt, son­dern allen Figuren die glei­che Bedeutung zukommt. … Ich mag es nicht, wenn man einen Film wie Father Mother Sister Brother bloß als Aneinanderreihung von Kurzfilmen sieht. Denn wenn schon nicht inhalt­lich, dann besteht doch emo­tio­nal eine Verbindung zwi­schen den drei Geschichten. Der letz­te Teil über die Geschwister in Paris könn­te sei­ne emo­tio­na­le Wirkung gar nicht ent­fal­ten, hät­te es nicht vor­her die bei­den ande­ren Episoden gege­ben.“
    J.J. im epd-Interview

    Credits:

    US,FR,IT,DE,IR 2025, 110 Min., Englisch OmU
    Regie: Jim Jarmusch
    Kamera: Frederick Elmes, Yorick Le Saux
    Schnitt: Affonso Gonçalves
    mit: Tom Waits, Adam Driver, Mayim Bialik, Charlotte Rampling, Cate Blanchett, Vicky Krieps, Sarah Greene, Indya Moore, Luka Sabbat, Françoise Lebrun

    Trailer:
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