A missing part

A Missing Part

Ein Film von Guillaume Senez. 

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Der Franzose Jay (Romain Duris) hat sich ent­schie­den aus Japan nach Frankreich zurück­zu­keh­ren. Neun Jahre hat er als Taxifahrer in Tokyo ver­geb­lich nach sei­ner Tochter Lily gesucht. Nach ihrer Trennung ist Jays Frau mit der gemein­sa­men Tochter in Tokyo unter­ge­taucht. Jay hat sei­ner Frau die Scheidung ver­wei­gert, weil er sonst nach japa­ni­schem Recht jedes Anrecht ver­lie­ren wür­de sei­ne Tochter vor ihrer Volljährigkeit wie­der­zu­se­hen. Für Jay heißt es nun, sein Haus ver­kau­fen und Abschiednehmen von sei­ner Sorgerechtsanwältin Michiko (Tsuyu), und der Selbsthilfegruppe aus Männern und Frauen, Japanern und Ausländern, denen allen der regel­mä­ßi­ge Zugang zu ihren Kindern ver­wei­gert wird. Gerade neu hin­zu­ge­kom­men ist Jessica (Judith Chemla) deren Sohn Lucas nach der Trennung sei­ner Eltern von sei­nem Vater von Paris nach Tokyo ent­führt wor­den ist.
Als Jay eine Schicht für einen erkrank­ten Kollegen in einem ande­ren Stadtteil über­nimmt steigt ein Mädchen (Mei Cirne-Masuki) in sei­nen Wagen das sei­ne Tochter sein könn­te.
Jays Vater, der in Paris auf ihn war­tet, warnt ihn, dass es das 10te Mal sei, dass er glaubt sei­ne Tochter gefun­den zu haben.

Credits:

Une part man­quan­te
FR/BE 2024, 98 Min., franz. OmU
Regie: Guillaume Senez
Kamera: Elin Kirschfink
Schnitt: Julie Brenta
mit:  Romain Duris, Judith Chemla, Mei Cirne-Masuki, Tsuyu

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Kategorie: jetzt

  • A Missing Part

    A Missing Part

    Ein Film von Guillaume Senez. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Der Franzose Jay (Romain Duris) hat sich ent­schie­den aus Japan nach Frankreich zurück­zu­keh­ren. Neun Jahre hat er als Taxifahrer in Tokyo ver­geb­lich nach sei­ner Tochter Lily gesucht. Nach ihrer Trennung ist Jays Frau mit der gemein­sa­men Tochter in Tokyo unter­ge­taucht. Jay hat sei­ner Frau die Scheidung ver­wei­gert, weil er sonst nach japa­ni­schem Recht jedes Anrecht ver­lie­ren wür­de sei­ne Tochter vor ihrer Volljährigkeit wie­der­zu­se­hen. Für Jay heißt es nun, sein Haus ver­kau­fen und Abschiednehmen von sei­ner Sorgerechtsanwältin Michiko (Tsuyu), und der Selbsthilfegruppe aus Männern und Frauen, Japanern und Ausländern, denen allen der regel­mä­ßi­ge Zugang zu ihren Kindern ver­wei­gert wird. Gerade neu hin­zu­ge­kom­men ist Jessica (Judith Chemla) deren Sohn Lucas nach der Trennung sei­ner Eltern von sei­nem Vater von Paris nach Tokyo ent­führt wor­den ist.
    Als Jay eine Schicht für einen erkrank­ten Kollegen in einem ande­ren Stadtteil über­nimmt steigt ein Mädchen (Mei Cirne-Masuki) in sei­nen Wagen das sei­ne Tochter sein könn­te.
    Jays Vater, der in Paris auf ihn war­tet, warnt ihn, dass es das 10te Mal sei, dass er glaubt sei­ne Tochter gefun­den zu haben.

    Credits:

    Une part man­quan­te
    FR/BE 2024, 98 Min., franz. OmU
    Regie: Guillaume Senez
    Kamera: Elin Kirschfink
    Schnitt: Julie Brenta
    mit:  Romain Duris, Judith Chemla, Mei Cirne-Masuki, Tsuyu

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  • Alpha

    Alpha

    Ein Film von Julia Ducournau. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Auf einer Party lässt sich die 13jährige Alpha (Mélissa Boros) ein Tattoo ste­chen: Wie ein Blitz wirkt das A, das nun ihren Oberarm ziert. Dass ein so jun­ges Mädchen auf Parties anzu­fin­den ist, könn­te für eine gewis­se Verwahrlosung spre­chen, doch das Gegenteil ist der Fall. Ihre Mutter (Golshifteh Farahani) liebt sie über alles, zieht sie seit Jahren allein auf – vom Vater ist nie die Rede – und hat es bis zur Position einer Ärztin geschafft.

    Anderen zu hel­fen scheint der Mutter, die namen­los bleibt, ange­bo­ren zu sein, denn auch ihren Bruder Amin (Tahar Rahim) pflegt sie immer wie­der, nimmt ihn auf, wenn die Sucht ihn wie­der ein­mal obdach­los gemacht hat, ret­tet ihm das Leben, wenn er einer Überdosis nahe ist.

    Und als Ärztin weiß die Mutter, wel­che Gefahr das unbe­dach­te Tattoo für ihre Tochter bedeu­tet: Ob die Nadel sau­ber war, will sie von Alpha wis­sen, ob sie vor­her in einem ande­ren Arm steck­te, mit frem­dem Blut ver­schmutzt war. Denn mit­tels Blut wird das Virus über­tra­gen, dass auch von Amin längst besitzt ergrif­fen hat, dass auch die Patienten in dem Krankenhaus quält, in dem die Mutter arbei­tet: Mehr Palliativstation als Krankenhaus, denn das Virus mar­mori­siert die Körper der Infizierten, ergreift lang­sam aber unaus­weich­lich vom gan­zen Körper Besitz und ver­wan­delt ihn in eine Statue von unwirk­li­cher Schönheit.

    Das A auf Alphas Arm bezieht sich einer­seits auf ihren Namen, zitiert das A, dass die Ehebrecherin Hester Prynne in Nathanial Hawthrones Roman „Der schar­lach­ro­te Buchstabe“ zum Zeichen ihrer Transgression tra­gen muss­te, und ver­weist schließ­lich auf AIDS. Zwar fal­len die Begriffe AIDS oder HIV nicht, aber die Bezüge sind mehr als deut­lich. Nicht ganz in unse­rer Welt spielt „Alpha“ dabei, son­dern in einer Art Parallelwelt, die so aus­sieht wie die Welt Anfang der 90er Jahre, in der AIDS sei­nen größ­ten Schrecken hat­te, die aber uni­ver­sel­ler und am Ende auch phan­tas­ti­scher wirkt.

    Wirkt „Alpha“ anfangs noch wie eine jener Geschichten, in denen eine Außenseiterin, von ihren Mitschülern aus­ge­schlos­sen und gehän­selt wird, ent­wi­ckelt sich Julia Ducournaus Film bald zu etwas ande­rem, inter­es­san­te­ren. Zunehmend wird die Welt außer­halb der Wohnung der Mutter aus­ge­blen­det, kon­zen­triert sich die Geschichte auf Alpha, die Mutter und Amin. Gegenwärtiges ver­schwimmt mit Erinnerungen, in man­chen Szenen scheint Alphas 13jähriges mit ihrem 5jährigen Ich zu ver­schmel­zen, wie ein Fiebertraum oder den Wahnvorstellungen eines Heroinrausches.

    Ihren Darstellern ver­langt Julia Ducournau dabei eini­ges ab, beson­ders Mélissa Boros, die hier in ihrer ers­ten Rolle zu sehen ist und neben Golshifteh Farahani und beson­ders Tahar Rahim besteht. Abgemagert, mit her­aus­ste­hen­den Rippen, ver­kör­pert Rahim sei­ne Figur, zeigt auf berüh­ren­de Weise sein Leid, sei­ne Sucht, bald auch sei­nen Wunsch auf Erlösung von sei­nen Qualen.

    In vie­ler­lei Hinsicht mutet „Alpha“ kon­ven­tio­nel­ler an als Ducournaus ers­te bei­den Filme „Raw“ und „Titane“, die auf den ers­ten Blick radi­ka­ler wirk­ten, bis­wei­len ihre Lust an der Provokation aus­stell­ten. „Alpha“ dage­gen wirkt rei­fer, bewuss­ter, ver­liert sich nicht mehr in betont trans­gres­si­ven Momenten, son­dern beschreibt auf emo­tio­na­le und beson­ders in der zwei­ten Hälfte mit­rei­ßen­de Weise, wie drei Menschen her­aus­zu­fin­den wol­len, wann und ob es sich zu Leben lohnt. Ein über­ra­schen­des, har­tes, berüh­ren­des Drama über die Folgen einer Epidemie auf eine Familie.
    Michael Meyns | programmkino.de

    Credits:

    FR/BE 2025, 128 Min., fran­zö­si­che OmU
    Regie: Julia Ducournau
    Kamera: Ruben Impens
    Schnitt: Jean-Christophe Bouzy
    mit: Tahar Rahim, Golshifteh Faharani, Mélissa Boros, Finnegan Oldfield, Emma Mackey

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  • On the Border

    On the Border

    Ein Film von Igor Hauzenberger & Gabriela Schild. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Agadez war einst das Drehkreuz der Migration von Subsahara-Afrika nach Norden. Die loka­le Bevölkerung, vor allem Tuareg, trans­por­tier­ten die Menschen auf dem lebens­ge­fähr­li­chen Weg durch die Wüste. Diese lukra­ti­ve Einnahmequelle sicher­te über Jahre den Wohlstand von Stadt und Region. Als Teil der ECOWAS Wirtschaftsgemeinschaft herrsch­te in Niger frei­er Personenverkehr.
    2015 dräng­te die EU auf ein Gesetz, das den Transport von Menschen ohne Arbeitsvisum und ID kriminalisierte.Viele Migrant:innen an der vir­tu­el­len Grenze hat­ten plötz­lich einen ille­ga­len Status, aus Transporteuren wur­den Schlepper, und tau­sen­de ver­lo­ren über Nacht ihre Lebensgrundlage. Das Versprechen der EU, die nega­ti­ven Folgen des Gesetzes durch Umschulungsprogramme abzu­fe­dern, wur­de kaum ein­ge­löst, und nicht nur Nigriner:innen stell­ten sich die Frage: Was machen Amerika und Europa hier eigent­lich?
    Der Umgang der Bevölkerung mit die­ser EU-Außengrenze mit­ten in Afrika bil­det den roten Faden des Films. Er beglei­tet drei Einheimische über fünf Jahre, bis zum Putsch 2023: den ehe­ma­li­gen Bürgermeister Agadez’, eine Journalistin und einen Händler, und zeich­net ein Bild der zum UNESCO-Weltkulturerbe zäh­len­den frü­he­ren Handelsmetropole. Wie wirkt sich die Anwesenheit der frem­den Militärs aus, wie­weit för­dert die Perspektivlosigkeit Radikalisierung?
    „Rhissa Feltou, ehe­ma­li­ger Bürgermeister von Agadez … bezeich­net im Film die Region als „Migrationslabor der Europäer“. Wie Viele befürch­te­te auch er, dass mit dem Gesetz eine „bom­be humaine“ ent­ste­hen wür­de … . Afrikanische Ableger des Islamischen Staates und von Al-Qaida began­nen in der Region und den angren­zen­den Staaten immer mehr an Einfluss zu gewin­nen. Mit dem Zerfall Libyens lie­fen wich­ti­ge Routen für den Waffen- und Drogenschmuggel über Agadez. Es ent­stand eine Zone der Gewalt in einem schwer kon­trol­lier­ba­ren Gebiet, das grö­ßer ist als das Mittelmeer.“ G. Hauzenberger, und G. Schild

    Credits:

    AT/DE/CH 2024, 103 Min., Tamascheq, Hausa, Fulah, Französisch, Deutsch. OmU
    Regie: Gerald Igor Hauzenberger & Gabriela Schild
    Kamera: Thomas Eirich-Schneider, Gerald Igor Hauzenberger, Hajo Schomerus, Joerg Burger
    Schnitt:
    Nela Märki, Stefan Fauland

    Trailer:
    ON THE BORDER // Trailer // Kinostart mit Kinotour am 19.03.26
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  • Nouvelle Vague

    Nouvelle Vague

    Ein Film von Richard Linklater.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Als ich AUSSER ATEM und ande­re Filme der Nouvelle Vague sah, dach­te ich: „So etwas ist mög­lich?“ Diese Freiheit fas­zi­nier­te mich. Ich wuss­te nichts über das Filmemachen, aber ich konn­te spü­ren, wie cool, freu­dig und revo­lu­tio­när der Film war. Kurze Zeit spä­ter, als alle hör­ten, dass ich mich nun für Kino inter­es­sier­te, lieh mir ein Freund mei­ner Eltern sein Buch über die Nouvelle Vague.
    Diese Ära des Kinos ist für mich nach wie vor von grund­le­gen­der Bedeutung. Und nie­mand ver­kör­pert sie bes­ser als Godard. Er tut das Verbotene, er skiz­ziert, er impro­vi­siert. Ich lie­be sei­nen Humor, sei­ne Körperlichkeit, sei­ne Kühnheit. Er folgt kei­nen Regeln außer sei­nem eige­nen fil­mi­schen Bewusstsein.
    Als er sei­nen ers­ten Spielfilm dreh­te, hink­te er sei­nen Freunden von Cahiers du Cinéma hin­ter­her. Er war besorgt, ängst­lich, hat­te Angst, die Welle ver­passt zu haben. Ihm fehl­te es an Selbstvertrauen. Ich fin­de das sehr lie­bens­wert und ganz anders, als man ihn sich spä­ter in sei­ner Karriere vor­stel­len wird.
    Aus heu­ti­ger Sicht steht AUSSER ATEM in der Mitte der Filmgeschichte. Es schien jetzt der per­fek­te Moment, um die Radikalität und den Wagemut die­ses Films wie­der zu erle­ben. Um uns dar­an zu erin­nern, dass das Kino sich immer wie­der neu erfin­den kann. Ein ver­spiel­tes Porträt einer eng ver­bun­de­nen Gemeinschaft von Filmfanatikern zu zeich­nen, die Kino leben, in sich auf­neh­men und atmen. Um zu erfor­schen, wie eine neue Art des per­sön­li­chen Filmemachens ent­stand. Und um zu zei­gen, dass das Kino ein inno­va­ti­ves Medium ist – und immer sein wird.
    Es ging aber nicht dar­um, AUSSER ATEM neu zu ver­fil­men, son­dern den Filmklassiker aus einem ande­ren Blickwinkel zu betrach­ten. Ich woll­te mit mei­ner Kamera in das Jahr 1959 ein­tau­chen und die dama­li­ge Zeit, die Menschen und die Atmosphäre nach­stel­len. Ich woll­te mit den Leuten der Nouvelle Vague abhän­gen.”
    Richard Linklater

    Credits:

    FR 2025, 105 Min., franz. OmU
    Regie: Richard Linklater
    Kamera: David Chambille
    Schnitt: Catherine Schwartz
    mit: Guillaume Marbeck, Zoey Deutch, Aubry Dullin, Adrien Rouyard, Antoine Besson, Jodie Ruth Forest

    Trailer:
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  • Blue Moon

    Blue Moon

    Ein Film von Richard Linklater. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Sie wis­sen ja, dass es in der Ehe heißt ‚in guten wie in schlech­ten Zeiten‘? Ich glau­be, ich bin in mei­nem Leben jetzt im ‚schlech­ten‘ Teil ange­langt, und das geschah so lei­se, dass ich es nicht ein­mal bemerkt habe.“
    Richard Linklaters Blue Moon erzählt die Geschichte des Songwriters Lorenz Hart, des­sen beruf­li­ches und pri­va­tes Leben wäh­rend der Premierenfeier für das Musical „Oklahoma!“, mit dem sein ehe­ma­li­ger Partner, der Komponist Richard Rodgers, einen gro­ßen Erfolg fei­ert, ins Wanken gerät. Der Film, in dem eine Vielzahl von Schriftsteller*innen, Schauspieler*innen, Musiker*innen, Freund*innen und Protegés auf­tre­ten – eine Parade der Berühmten und derer, die es wer­den wol­len –, schil­dert über 100 Minuten in Echtzeit die Ereignisse in der Bar Sardi’s am Abend des 31. März 1943. Das Ergebnis ist eine Betrachtung über Freundschaft, Kunst und Liebe: Am Ende die­ses Abends wird Hart einer Welt, die sich durch den Krieg unwi­der­ruf­lich ver­än­dert hat, und der schein­ba­ren Unmöglichkeit der Liebe ins Auge gese­hen haben. Mit beein­dru­cken­den Darbietungen von Ethan Hawke als Lorenz Hart, Andrew Scott als Richard Rodgers, Margaret Qualley als Harts Schützling Elizabeth und Bobby Cannavale als Barkeeper, Freund und Vertrauter von Hart sowie Linklaters Talent fürs Komödiantische, gelingt es, die Ereignisse die­ses ein­zig­ar­ti­gen Abends per­fekt einzufangen.

    Eine Hommage an den guten alten Broadway, Abgesang auf jene Zeit in der Entertainmentindustrie, als der Esprit noch mehr zähl­te als der Profit. Ein Narr, wer da nicht an die klas­si­schen und die neu­en Medien von heu­te denkt, an Quoten und Clickbaits. Oder dar­an, dass das Geld zuneh­mend auch in der Politik regiert, gera­de in US-Amerika. (…)
    Linklaters Film erzählt in leich­tem Ton von einem Todgeweihten, einem, dem das Herz gebro­chen wur­de, der aber nicht las­sen kann von sei­ner Passion. Es ist wie mit den Songtexten von Lorenz Hart: Die schöns­ten Zeilen hat er der unglück­li­chen Liebe gewid­met.“ Christiane Peitz | Tsp.

    Credits:

    US/IE 2025, 100 Min., engl. OmU
    Regie: Richard Linklater 
    Kamera: Shane F. Kelly
    Schnitt: Sandra Adair
    mit: Ethan Hawke, Margaret Qualley, Bobby Cannavale, Andrew Scott

    Trailer:
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  • Souleymans Geschichte

    Souleymans Geschichte

    Ein Film von Boris Lojkine. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    In man­cher Hinsicht erin­nert Lojkines drit­ter Spielfilm an eine rasan­te Neuauflage des ita­lie­ni­schen Meisterwerks Fahrraddiebe und zeigt, wie die alte Geschichte aus der Nachkriegszeit auch heu­te pas­sie­ren könn­te oder sogar pas­siert – in einer Zeit, in der Einwanderer unter kata­stro­pha­len Bedingungen uner­gie­bi­ge, aber erwünsch­te Arbeiten in Städten auf der gan­zen Welt aus­üben, Jobs, die am unte­ren Ende einer von Gleichgültigkeit gepräg­ten Gig-Economy ste­hen.
    Der Film beglei­tet den Guineaner Souleymane auf sei­ner Fahrt durch die Pariser Boulevards, und wir erle­ben eini­ge der haar­sträu­bends­ten Fahrradszenen seit Buster Keaton. Die Kamera von Tristan Galand filmt die sich stän­dig ver­än­dern­de Hauptstadt Frankreichs mit ver­schwom­me­ner impres­sio­nis­ti­scher Schönheit, und bleibt dabei Souleyman, stets Mittelpunkt des Geschehens, in der vom Anstand gebüh­ren­der Nähe auf den Fersen. Der befin­det sich in einer pre­kä­ren Lage – nicht nur in Bezug auf den Verkehr, oder nach dem Diebstahl sei­nes Gefährts, son­dern auch wirt­schaft­lich und emo­tio­nal. Ständig unter der Kontrolle und in Zeitdruck, kann er auch schon mal gegen­über einem Restaurantbesitzer, der belei­di­gend ist und ihn war­ten lässt, sei­ne eige­ne Kontrolle ver­lie­ren. Die stän­di­gen Demütigungen zer­mür­ben den jun­gen Mann, und der bevor­ste­hen­de Prüfungstermin sei­nes Asylantrags tut das übri­ge.
    „Boris Lojkine erzählt die Geschichte eines Mannes, der aus Verzweiflung lügt, sich dabei ver­liert und schließ­lich in noch mehr Verzweiflung wie­der­fin­det. Und wir reagie­ren dar­auf für ein­mal nicht wie paw­low­sche Kinohunde mit Rührung und Schrecken und schnel­lem Vergessen, son­dern mit der Erkenntnis, das wir um den Schrecken ja wis­sen, dass uns uner­war­te­te Freundlichkeit gegen­über dem Protagonisten aus der fil­mi­schen Bahn wer­fen kann, und dass die Kulisse, die wir da sehen, die Welt ist, in der wir leben.“ Sennhausers Filmblog

    Credits:

    L’Histoire de Souleymane
    FR 2024, 93 Min., Französisch, Pular, Maninka OmU
    Regie: Boris Lojkine
    Kamera: Tristan Galand
    Schnitt: Xavier Sirven
    mit: Abou Sangare, Nina Meurisse, Alpha Oumar Sow, Emmanuel Yovanie, Younoussa Diallo, Ghislain Mahan, Mamadou Barry, Yaya Diallo, Keita Diallo

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  • Father Mother Sister Brother

    Father Mother Sister Brother

    Ein Film von Jim Jarmusch.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Jim Jarmusch konn­te es selbst kaum glau­ben, als sein Film in Venedig mit dem Goldenen Löwen aus­ge­zeich­net wur­de, und man­che Filmkritik zeug­te auch von Irritation. Als zu wenig über­wäl­ti­gend, zu unauf­ge­regt und daher löwen-unwür­dig wur­de FMSB ein­ge­stuft. Dabei macht doch gera­de das von fei­nem Humor durch­zo­ge­ne Hintergründige, mit dem von drei Familien erzählt wird, die Stärke aus.
    In Teil eins besu­chen die Geschwister Jeff (Adam Driver) und Emily (Mayim Bialik) nach zwei Jahren Pause gemein­sam ihren weit­ab in New Jersey leben­den Vater (Tom Waits). Beide schät­zen den Vater als bedürf­tig und ein­sam ein, aber der hat eine ganz eige­ne Agenda.
    In Dublin fin­det in Episode zwei das jähr­li­che Treffen der unglei­chen Schwestern Timothea (Cate Blanchett) und Lilith (Vicky Krieps) mit ihrer Mutter (Charlotte Rampling) statt. Die Bestsellerautorin psy­cho­lo­gi­scher Ratgeber domi­niert am exqui­sit gedeck­ten Kaffeetisch auch jetzt noch ihre erwach­se­nen Töchter.
    Im letz­ten Teil tref­fen sich die Zwillinge Kye (Indya Moore) und Billy (Luka Sabbat) in Paris, um nach dem Unfalltod der Eltern deren Wohnung auf­zu­lö­sen, und ent­de­cken man­che Geheimnisse. Der Vertrautheit unter­ein­an­der konn­te weder räum­li­che noch zeit­li­che Distanz etwas anha­ben, und so endet der Reigen mit war­mer Melancholie.
    „Jarmusch in Reinform: kei­ne Sentimentalität, kei­ne fal­sche Dramatik, statt­des­sen die stil­le Rebellion der Pause, das Gedicht in den Zwischenräumen, die Erkenntnis, dass Familie eben­so Gefängnis wie Rettung sein kann. Wer ihn als „klein“ abtut, hat nicht ver­stan­den, dass gera­de die kleins­ten Filme manch­mal die größ­ten Risse hin­ter­las­sen.“ kino-zeit
    „Ich habe schon häu­fi­ger epi­so­dische Filme gedreht. Mir gefällt, dass es kei­nen Star gibt, son­dern allen Figuren die glei­che Bedeutung zukommt. … Ich mag es nicht, wenn man einen Film wie Father Mother Sister Brother bloß als Aneinanderreihung von Kurzfilmen sieht. Denn wenn schon nicht inhalt­lich, dann besteht doch emo­tio­nal eine Verbindung zwi­schen den drei Geschichten. Der letz­te Teil über die Geschwister in Paris könn­te sei­ne emo­tio­na­le Wirkung gar nicht ent­fal­ten, hät­te es nicht vor­her die bei­den ande­ren Episoden gege­ben.“
    J.J. im epd-Interview

    Credits:

    US,FR,IT,DE,IR 2025, 110 Min., Englisch OmU
    Regie: Jim Jarmusch
    Kamera: Frederick Elmes, Yorick Le Saux
    Schnitt: Affonso Gonçalves
    mit: Tom Waits, Adam Driver, Mayim Bialik, Charlotte Rampling, Cate Blanchett, Vicky Krieps, Sarah Greene, Indya Moore, Luka Sabbat, Françoise Lebrun

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