Scherbenland erzählt von einer Band, deren erstes Album mit der Frage begann: „Warum geht es mir so dreckig?“ – und von einer Stadt, die durch ihre Lieder verändert wurde. Anfang der 1970er Jahre wird Kreuzberg zum Experimentierfeld einer Gegenkultur. Mit Songs wie „Macht kaputt, was euch kaputt macht“, „Alles verändert sich“ und „Der Traum ist aus“ geben Ton Steine Scherben einer Generation eine Stimme. Ihre Musik begleitet Hausbesetzungen, politische Kämpfe und die Suche nach einem anderen Leben.
Der Film folgt den Spuren dieser Zeit und fragt: Was ist von diesem Aufbruch geblieben? Und was passiert, wenn die Hymnen der Scherben auf die Songs der Gegenwart treffen? Im Berlin von heute begegnet „Scherbenland“ Musiker:innen, deren Lieder vom Leben im Kiez erzählen – darunter das Rap-Trio RAPK und die Songwriterin Maike Rosa Vogel. Ihre Musik entsteht aus dem Alltag eines Bezirks, der sich zwischen Mythos, Gentrifizierung und neuer kultureller Energie bewegt. Ein Film über Musik und Poesie als Widerstand – damals und heute. Und über die Frage, ob beides noch immer die Kraft hat, eine Stadt zu verändern.
Credits:
DE 2026, 100 Min., Deutsche OF Regie: Lutz Pehnert und Ferdinand Hübner Kamera: Thomas Lütz, Thomas Hering, Florian Geyer Schnitt: Thomas Kleinwächter
Rose war der Film aus dem Wettbewerb der diesjährigen Berlinale, über den wohl im positiven Sinn am meisten gesprochen wurde, und das nicht nur wegen der verdient mit dem Silbernen Bären auszeichneten Hauptdarstellerin Sandra Hüller. Die dritte Regiearbeit des österreichischen Schauspielers und Casting-Direktors Markus Schleinzer ist zugänglicher als die beiden vorherigen Filme Michaelund Angelo, aber immer noch faszinierend eigen. Dafür sorgen neben den grobkörnigen schwarz-weiß Bildern und der moritatenhaften Führung auch seine ökonomische Erzählweise. „In der Hose war mehr Freiheit und es ist ja nur ein Stück Stoff. Da bin ich in die Hose“ erklärt Rose am Ende vor Gericht, aber ganz so einfach war es doch nicht. Nach 10 Jahren als Soldat im Feld des 30-jährigen Krieges erhebt sie, mit gültigen Papieren, in einem protestantischen Dorf Anspruch auf einen verlassenen Gutshof. Misstrauisch beäugt wird dieser merkwürdige Fremde von Beginn an, beweist jedoch Mut und Zähigkeit und schafft erstaunliches: der Hof wird rentabel, die Menschen arbeiten gerne dort. Doch erst die Ehe mit Suzanna, der Tochter des Großgrundbesitzers, verschafft die gewünschte Anerkennung. Ein großes Risiko, das sich für kurze Zeit wundersam in eine Art Glück verwandelt. „Basierend auf historischen Berichten über Frauen (oder transidentitären Personen), die sich unter anderem für den Zugang zu Arbeit, Militärdienst, Verdienstquellen und dem Ausleben lesbischen Begehrens als Mann ausgaben, entwirft Markus Schleinzer die Geschichte einer „Weibs-Person“, die die Grenzen ihres Geschlechts überwindet und sich eine eigene Biografie erfindet. Der Name der Protagonistin erinnert an eine reale Figur der Vergangenheit: Catharina Margaretha Linck oder Anastasius Lagrantinus Rosenstengel, wie sie sich selbst nannte. Rosenstengel kämpfte als Soldat bei den Truppen des Kurfürstentums Hannover und im Spanischen Erbfolgekrieg. 1720 wurde sie, nicht etwa wegen Betrugs, sondern wegen Unzucht mit einer anderen Frau, zum Tode verurteilt. Schleinzer erzählt Roses Geschichte nicht als Historienfilm, sondern als hochkonzentriertes Frauenporträt, das zwischen Fiktion und historischer Genauigkeit changiert. Hier sind kein Wort und keine Geste zu viel.“ Esther Buss | Filmdienst
Berlinale: Silberner Bär für Sandra Hüller als beste Darstellerin
LUISA ist vor kurzem von zu Hause ausgezogen und neugierig, was das Leben für sie bereithält. Sie liebt Partys, ist für jeden Spaß zu haben, lässt sich auf Flirts und kleine Abenteuer ein. Sie lebt in der Wohngruppe einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung am Rande einer deutschen Kleinstadt. Dort erhält sie Unterstützung in ihrem oft turbulenten Alltag. Unbemerkt wird Luisa zunehmend stiller, in der Wohngruppe geht das alltägliche Leben weiter, bis unerwartet festgestellt wird, dass Luisa schwanger ist. Luisa selbst sagt nicht, wie das passiert ist, sie schweigt. Jede und jeder weiß, dass ihr Freund Anton nicht zeugungsfähig ist. Der Verdacht auf sexuellen Missbrauch liegt nahe. Luisa entschließt sich, die Schwangerschaft abbrechen zu lassen.
„Ziel war es, die Erzählung um Luisa und ihre Auseinandersetzung mit den Grenzverletzungen, die ihr zustoßen, möglichst einfühlsam und respektvoll zu umkreisen. Parallel sollte die häufig verborgene Lebenswelt von Menschen mit Behinderung in jener machtvollen Institution gezeigt werden, die sie eigentlich beschützen soll, aber zugleich bedrohlich für ihre körperliche Integrität und ein selbstbestimmtes Leben ist. Denn wie können wir szenisch und visuell abbilden, dass die Strukturen der Heimunterbringung Missbrauch in solchem Maße ermöglichen, also Institutionen, die Schutz für ausgerechnet die vulnerabelsten Menschen in der Gesellschaft versprechen und nicht halten können? Und wie können wir als Gesellschaft das verändern? Für den Dreh war es wichtig, einen inklusiven Cast an unserer Seite zu haben, mit dem all diese Fragen diskutiert werden konnten, um möglichst wenige Stereotype über Menschen mit Behinderung zu reproduzieren und natürlich auch die Perspektive von Menschen mit Behinderung sichtbar zu machen.“ Julia Roesler
Credits:
DE 2025, 94 Min., Deutsche OmeU Regie: Julia Roesler Kamera: Frank Amann Schnitt: Anne Jünemann mit: Celina Scharff, Trixi Strobel, Dennis Seidel, Eva Löbau, Bernd Hölscher, Katharina Bromka, Hadi Khanjanpour, Martin Schnippa, Peter Lohmeyer
Audiodeskriptionen, Untertitel und Hörverstärkung mit der Greta App
Am Strand des Senegals schippert ein Boot vor sich hin, in ihm Kinder mit Rettungswesten. Man könnte an den Beginn einer riskanten Reise über den Atlantik, hin zu den verklärten Gestaden Europas denken, doch die Wirklichkeit ist banaler: Ein Film wird hier gedreht, die deutsche Schauspielerin Maja (Maren Eggert) spielt Medea, jene klassische Frauenfigur aus der antiken Tragödie, die in einem fremden Land belogen und betrogen wird und schließlich Mann und Kinder tötet.
Aus irgendeinem Grund hielt es ihre Regisseurin Caroline (Nathalie Richard) für eine gute Idee, diese Geschichte nun im Senegal anzusiedeln, fast alle Rollen außer Medea mit Schwarzen zu besetzen – so auch Medeas gegenüber Jason, der vom französisch-senegalesischen Schauspieler Nourou (Jean-Christophe Folly) gespielt wird.
Wie eine Kolonialherrin führt sich Caroline am Set auf, schreit und wütet, wenn etwas nicht so läuft, wie sie sich das vorgestellt hat. Dass gleichzeitig die Komparsen schlecht behandelt werden und nicht zum Catering zugelassen sind, stört sie dagegen kaum.
Wie sich das für Dreharbeiten gehört, haben die beiden Hauptdarsteller eine Affäre, während Maja per Zoom-Call mit ihrem offensichtlich zunehmend entfremdeten Mann (Hans Löw) über die Erziehung des Kindes spricht.
Monate später, der sonnige Senegal wurde mit dem tristen Berlin ausgetauscht, es ist Februar, auf der Berlinale wird der Film Premiere haben. Bei der Ankunft in seinem Hotel fühlt sich Nourou vom Portier rassistisch beleidigt, doch es ist Maja, die auf einer Entschuldigung besteht und schließlich für die Entlassung des – polnischen – Mitarbeiters sorgt. Auch die Affäre der Beiden ist vorbei, war vielleicht nur am Set möglich, vielleicht auch nur in der Fremde, in der exotischen Umgebung.
Vor gut 15 Jahren war Ulrich Köhler mit seinem Film „Schlafkrankheit“ selbst bei der Berlinale zu Gast, ein semi-autobiographischer Film, in dem der Autor und Regisseur Erfahrungen aus seiner Kindheit thematisierte, als er zusammen mit seinen Eltern in Afrika lebte. Auch damals spielte Jean-Christophe Folly eine Hauptrolle und erlebte in einem Berliner Hotel eine ähnliche Szene, wie sie nun die von ihm gespielte Figur Nourou erlebt.
Dieser Moment war für Köhler einer der Ausgangspunkte seines neuen Films, noch viel mehr aber manche Diskussion, die über die Berechtigung eines Films wie „Schlafkrankheit’“ entstand, ein von einem weißen Regisseur, mit einem hauptsächlich weißen Team in Afrika gedrehter Film. Seitdem hat sich die Diskussion über das, was Allgemein als Kulturelle Aneignung bezeichnet wird, keineswegs entspannt, selbst ein Film wie Köhlers wird von manchen als problematisch betrachtet. Und das obwohl dieser gar nicht dezidiert von Schwarzen erzählt, sondern gerade von oft ignoranten Weißen, die mit den Begebenheiten Afrikas kaum vertraut sind. Aber solche Feinheiten gehen in einer oft populistisch geführten Diskussion bekanntermaßen oft unter.
Jim Jarmusch konnte es selbst kaum glauben, als sein Film in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet wurde, und manche Filmkritik zeugte auch von Irritation. Als zu wenig überwältigend, zu unaufgeregt und daher löwen-unwürdig wurde FMSB eingestuft. Dabei macht doch gerade das von feinem Humor durchzogene Hintergründige, mit dem von drei Familien erzählt wird, die Stärke aus. In Teil eins besuchen die Geschwister Jeff (Adam Driver) und Emily (Mayim Bialik) nach zwei Jahren Pause gemeinsam ihren weitab in New Jersey lebenden Vater (Tom Waits). Beide schätzen den Vater als bedürftig und einsam ein, aber der hat eine ganz eigene Agenda. In Dublin findet in Episode zwei das jährliche Treffen der ungleichen Schwestern Timothea (Cate Blanchett) und Lilith (Vicky Krieps) mit ihrer Mutter (Charlotte Rampling) statt. Die Bestsellerautorin psychologischer Ratgeber dominiert am exquisit gedeckten Kaffeetisch auch jetzt noch ihre erwachsenen Töchter. Im letzten Teil treffen sich die Zwillinge Kye (Indya Moore) und Billy (Luka Sabbat) in Paris, um nach dem Unfalltod der Eltern deren Wohnung aufzulösen, und entdecken manche Geheimnisse. Der Vertrautheit untereinander konnte weder räumliche noch zeitliche Distanz etwas anhaben, und so endet der Reigen mit warmer Melancholie. „Jarmusch in Reinform: keine Sentimentalität, keine falsche Dramatik, stattdessen die stille Rebellion der Pause, das Gedicht in den Zwischenräumen, die Erkenntnis, dass Familie ebenso Gefängnis wie Rettung sein kann. Wer ihn als „klein“ abtut, hat nicht verstanden, dass gerade die kleinsten Filme manchmal die größten Risse hinterlassen.“ kino-zeit „Ich habe schon häufiger episodische Filme gedreht. Mir gefällt, dass es keinen Star gibt, sondern allen Figuren die gleiche Bedeutung zukommt. … Ich mag es nicht, wenn man einen Film wie Father Mother Sister Brother bloß als Aneinanderreihung von Kurzfilmen sieht. Denn wenn schon nicht inhaltlich, dann besteht doch emotional eine Verbindung zwischen den drei Geschichten. Der letzte Teil über die Geschwister in Paris könnte seine emotionale Wirkung gar nicht entfalten, hätte es nicht vorher die beiden anderen Episoden gegeben.“ J.J. im epd-Interview
Credits:
US,FR,IT,DE,IR 2025, 110 Min., Englisch OmU Regie: Jim Jarmusch Kamera: Frederick Elmes, Yorick Le Saux Schnitt: Affonso Gonçalves mit: Tom Waits, Adam Driver, Mayim Bialik, Charlotte Rampling, Cate Blanchett, Vicky Krieps, Sarah Greene, Indya Moore, Luka Sabbat, Françoise Lebrun
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