Archiv der Kategorie: bald

Showing up

Ein Film von Kelly Reichardt. Ab 9.5. im fsk.

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Der aktu­el­le Film von Kelly Reichardt kommt nun end­lich ins fsk!

Filme über Künstler*innen befas­sen sich nur sel­ten mit dem, was die­se in ihrem Alltag tun – oder pro­kras­ti­nie­rend nicht tun. Gerade des­halb ist Kelly Reichardts SHOWING UP eine sol­che Offenbarung – und als Wende im Schaffen die­ser Autorin und Regisseurin ein aus­ge­spro­che­nes Vergnügen. Ein Hauch von Humor fin­det sich oft in Reichardts Filmen, aber die­ser hier ist durch und durch eine Komödie – wenn auch cha­rak­te­ris­ti­scher­wei­se eine phi­losophische, ent­spann­te, melan­cho­li­sche. In Portland, Oregon – einer Bastion der US-Gegenkultur –, berei­tet die Bildhauerin Lizzy ihre Soloausstellung vor. Dabei lässt sie sich von den Widrigkeiten des Lebens ablen­ken: von ihrem psy­chisch kran­ken Bruder, ihrem schrul­li­gen Vater, einer ego­is­tisch-nach­läs­si­gen Vermieterin und Künstlerkollegin sowie einer ver­letz­ten Taube. In der Rolle der wort­kar­gen Lizzy zeigt Reichardts Stammschauspielerin Michelle Williams eine ganz neue komi­sche Seite ihres Talents.“ (Jonathan Romney)

In ihrer bereits vier­ten Zusammenarbeit gelingt Reichardt und ihrer wun­der­ba­ren Hauptdarstellerin Michelle Williams das bemer­kens­wert detail­lier­te Porträt einer Künstlerin im künstlerverliebten Portland. Mit bezau­bern­der Leichtigkeit erle­ben wir die Bildhauerin Lizzy in den letz­ten Wochen vor ihrer gro­ßen Galerieausstellung, der noch jede Menge Feinschliff fehlt. Das Chaos des Alltags, die Anforderungen des Brotjobs und die Nöte des Umfelds machen es nicht gera­de leich­ter … Es ist vor allem der lei­se Humor, abseits gängiger Künstler:innen-Klischees oder sati­ri­scher Überzeichnung, der SHOWING UP zum so amüsanten wie gro­ßen Kino macht. (Nada Torucar)

Credits:

US 2022 | 108 Min., engl. OV
Regie & Schnitt: Kelly Reichardt
Kamera: Christopher Blauvelt
mit: Michelle Williams, Hong Chau, Judd Hirsch, André Benjamin, Heather Lawless, Amanda Plummer

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Das leere Grab

Ein Film von Agnes Lisa Wegner & Cece Mlay. Ab 23.5. im fsk. Am Montag, 27. Mai in Anwesenheit des Protagonisten Konradin Kunze

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Bis heu­te lagern zehn­tau­sen­de mensch­li­che Gebeine aus ehe­ma­li­gen Kolonien in deut­schen Museen. Bis heu­te ist unklar, wie sie iden­ti­fi­ziert und zurück­ge­führt wer­den kön­nen. „Das lee­re Grab“ folgt zwei Familien auf ihrer müh­sa­men Suche nach ihren Vorfahren: Im Süden Tansanias begibt sich der jun­ge Anwalt John Mbano mit sei­ner Frau Cesilia auf die Spuren sei­nes Urgroßvaters, der vor über 100 Jahren von der deut­schen Kolonialarmee hin­ge­rich­tet wur­de. Der Schädel sei­nes Ahnen wur­de damals zu ras­sis­ti­schen „Forschungszwecken“ nach Deutschland gebracht; die Familie wird bis heu­te von die­sem Schmerz heim­ge­sucht. Ähnlich geht es Felix und Ernest Kaaya: Im Norden Tansanias kämp­fen sie um die Rückführung der Gebeine ihres Vorfahren und bege­ben sich dafür in die Metropole Dar es Salaam. Beide Familien rin­gen mit dem Dickicht deut­scher und tan­sa­ni­scher Bürokratie, erhal­ten aber auch Unterstützung von Aktivisten wie Mnyaka Sururu Mboro und Konradin Kunze, die in Deutschland Sichtbarkeit für das Thema schaf­fen. Mit deren Hilfe wer­den die Mbanos schließ­lich im Auswärtigen Amt in Berlin emp­fan­gen, und dann kommt sogar Bundespräsident Steinmeier in ihre Heimatstadt, um sich für das zuge­füg­te Leid zu ent­schul­di­gen. Das Grab jedoch ist immer noch leer.

In ihrem Film erzählt das deutsch-tan­sa­ni­sche Regieduo Agnes Lisa Wegner und Cece Mlay von den Spuren und Traumata, die die eins­ti­ge deut­sche Kolonialherrschaft in tan­sa­ni­schen Familien und Communities bis heu­te hin­ter­las­sen hat – und von der Stärke und Selbstermächtigung der Hinterbliebenen, die sich hart­nä­ckig für eine voll­stän­di­ge Aufklärung ein­set­zen. „Das lee­re Grab“ wirft Licht auf ein (auch fil­misch) bis­her kaum beleuch­te­tes Kapitel deut­scher Geschichte und lie­fert damit einen wich­ti­gen Beitrag zu der längst über­fäl­li­gen Aufarbeitung deut­scher Kolonialverbrechen.

Credits:

DE/TZ 2023, 97 Min., Suaheli, Deutsch und Englisch OmU
Regie: Agnes Lisa Wegner, Cece Mlay
Kamera: Marcus Winterbauer
Schnitt: Donni Schoenemond

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DAS LEERE GRAB Trailer [HD]
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Robot Dreams

Robot Dreams

Ein Film von Pablo Berger. Ab 9.5. im fsk. 

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Hund lebt in Manhattan. Eines Tages beschließt er, um sei­ner Einsamkeit zu ent­flie­hen, einen Roboter zu bestel­len. Die bei­den wer­den zu den bes­ten Freunden der Welt! Unzertrennlich genie­ßen sie die Freuden von New York und beschlie­ßen, an einem schö­nen Sommertag an den Strand zu gehen. Doch nach der Freude am Baden ist Robot völ­lig ver­ros­tet und gelähmt! Was soll das? Robot hat doch bis­her immer funk­tio­niert! Hund beschließt sich neue Freunde zu suchen, doch schließ­lich erkennt er, was wah­re Liebe ist… Eine berüh­ren­de Geschichte über Freundschaft und Loyalität, die (fast) ganz ohne Worte aus­kommt. Nach der Graphic Novel „Robo und Hund“ von Sara Varon.

Credits:

ES/FR 2023 | 102 Min., ohne Dialog
Regie: Pablo Berger
Schnitt: Fernando Franco

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Die Vision der Claudia Andujar

Die Vision der Claudia Andujar

Ein Film von Heidi Specogna. Ab 9.5. im fsk. Preview in Anwesenheit der Regisseurin Heidi Specogna am 29.4.

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Geboren 1931, über­leb­te Andujar die Judenverfolgung durch ihre Flucht in die Schweiz. In den 1950er-Jahren wur­de Südamerika zu ihrer Heimat. Dort lern­te sie schließ­lich das Yanomami-Volk im bra­si­lia­ni­schen Amazonas ken­nen – und beglei­te­te es ab den 70er-Jahren auch foto­gra­fisch. Immer mehr ent­wi­ckel­te sich Andujar zu einer Natur- und nicht zuletzt poli­ti­schen Fotografin, die den Lebensalltag des indi­ge­nen Stammes fest­hielt.
Die Porträtierte erweist sich in die­ser Dokumentation und ein­ge­hen­den Betrachtung ihres Lebens als aus­kunfts­freu­di­ge, unge­mein sym­pa­thi­sche und zugäng­li­che Person. Andujar ist heu­te 92 Jahre alt und gewährt Regisseurin Specogna offen und frei her­aus Einblicke in all ihre Lebensstationen. Dazu zäh­len die prä­gen­den Kindheitserinnerungen. Die Positiven, wie die Zeit in Transsilvanien als jun­ges Mädchen, eben­so wie die Negativen. Darunter die vom Nationalsozialismus über­schat­te­ten, trau­ma­ti­schen Vorkommnisse (der Vater und vie­le Verwandte väter­li­cher­seits kamen im KZ Dachau um).
Was folg­ten, waren Zeiten häu­fi­ger Wohnortwechsel und des unste­ten Lebens. Auf einen kur­zen Aufenthalt in der Schweiz folg­te die Flucht zum Onkel in die USA und anschlie­ßend die Weiterreise nach Brasilien. Andujar beein­druckt bei ihren Erzählungen nicht nur mit ihrem beacht­li­chen Erinnerungsvermögen – auch ihre klu­gen Ergänzungen und von intel­li­gen­tem Witz durch­zo­ge­nen Bemerkungen sind ein Gewinn für den Film. Ein ums ande­re Mal bezieht sich gar die Regisseurin unmit­tel­bar mit ins Geschehen ein, indem sie ihr eine Frage gestellt.
„Die Vision der Claudia Andujar“ zeigt an sinn­haf­ten, gut gewähl­ten Stellen vie­le der foto­gra­fi­schen Arbeiten Andujars. Im Zentrum ste­hen die Bilder der Yanomami und des Regenwaldgebietes. Seit jeher habe sie der Blick und der Ausdruck in den Gesichtern der Menschen inter­es­siert, sagt sie. Und genau das sieht man ihren mal poe­ti­schen, mal sach­li­chen, aber immer authen­ti­schen Fotografien an. Zu ihnen gehö­ren die Bilder eines sich immer wei­ter redu­zie­ren­den Lebensraums und toxi­scher äuße­rer Einflüsse. So hielt Andujar in den frü­hen 70er-Jahren unter ande­rem den Bau der von der dama­li­gen Militärregierung in Auftrag gege­be­nen, gro­ßen Bundesstraße fest. Sie führ­te direkt durch das Yanomami-Gebiet und beein­träch­tig­te das Leben der Ureinwohner mas­siv.
Im zwei­ten Drittel ent­schei­det sich Specogna für einen klu­gen Schachzug. Unvermittelt rich­tet sie ihre Aufmerksamkeit auf eine jun­ge Yanomami-Generation, weg von Andujar und der Vergangenheit. Diese jun­gen, kämp­fe­ri­schen Indigenen füh­ren ihren ganz eige­nen Kampf um den Erhalt ihrer Heimat. Und sie füh­ren ihn mit moder­nen Mitteln (mit hoch­wer­ti­gen Kameras), neu­en Medien und in der Online-Welt. Specogna beob­ach­tet sie dabei, wie sie die Ausbeutung und Zerstörung der Natur mit ihren Smartphones und Handycams für ihren eige­nen Film fest­hal­ten. Und damit gleich­zei­tig auf die Folgen von Abholzung und die Vergiftung der Flüsse mit Quecksilber durch Goldgräber verweisen.

Björn Schneider | programmkino.de

Credits:

DE/CH 2024, 88 Min., por­tu­gie­sisch, fran­zö­si­sche OmU
Regie: Heidi Specogna
Kamera: Johann Feindt
Schnitt: Kaya Inan

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Kommt noch.

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Eureka

Ein Film von Lisandro Alonso. 

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Lisandro Alsonsos Film EUREKA ist ein mal bedrü­cken­des, mal berü­cken­des Werk in drei Teilen, lose ver­bun­den durch die Themen der Landnahme und der Dezimierung indi­ge­ner Lebensräume. Der ers­te Teil spielt in Mexiko, im spä­ten 19. Jahrhundert. Der Revolverheld Murphy (Viggo Mortensen) ist auf der Suche nach sei­ner Tochter. Doch gibt sich EUREKA kei­ner Heldenreise hin, son­dern nutzt sie bloß als Bewegungsrichtung durch einen nichts­sa­gen­den Ort, getränkt in Alkoholismus und bei­läu­fi­ge Morde. Sobald der Film in der Konfrontation von Murphy mit sei­ner Tochter ins Melodramatische abdrif­tet, schal­tet Lisandro um: in das Pine Ridge-Reservat in South Dakota im Jahre 2019, wo sich die Polizistin Alaina (Alaina Clifford) auf ihre Schicht vor­be­rei­tet. Der ers­te Teil läuft dabei noch im Fernsehen im Hintergrund, und mit ihm die Ideologie des wil­den Westens mit sei­nen wei­ßen Heroen. Während Alainas zuneh­mend erschöp­fen­der nächt­li­cher Schicht sehen wir die Auswirkungen die­ser Ideologie, näm­lich die Verdrängung und Prekarisierung der über­le­ben­den indi­ge­nen Bevölkerung in von Drogen und Verwahrlosung geplag­te Reservate. Der drit­te Teil reist nach Brasilien ins Jahr 1975, zur Zeit der Ölkrise und des Goldrauschs, der die bis heu­te anhal­ten­de Vertreibung und Ermordung indi­ge­ner Menschen im Amazonasgebiet zur Folge hat­te.
Um nar­ra­ti­ve Konventionen küm­mert sich Lisandro Alonso wenig. Wer sich jedoch auf sei­nen asso­zia­ti­ven Erzählstil ein­lässt, wird mit einem Film belohnt, der neben Elend auch viel Schönheit fin­det. Gerade im drit­ten Teil wei­tet sich der Blick, die mensch­li­chen Akteur*innen ste­hen nicht mehr im Fokus, son­dern wer­den ein­ge­bet­tet in eine spru­deln­de, sin­gen­de, rau­schen­de Umwelt. Hier ent­ste­hen Momente des Einklangs, der Utopie, auch wenn sie dem Zyklus aus Gier und Gewalt nicht lan­ge standhalten.

Yorick Berta | indiekino

Credits:

AR/DE/FR/MX/PT 2023, 146 Min., cha­ti­no, eng­lisch, lako­ta, por­tu­gie­sisch OmU
Regie: Lisandro Alonso
Kamera: Timo Salminen, Mauro Herce
Schnitt: Gonzalo Del Val

Mit: Alaina Clifford, Sadie Lapointe, Viggo Mortensen, Chiara Mastroianni, Adanilo Costa, Rafi Pitts,

Trailer:
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Vom Ende eines Zeitalters …

Ein Film von Christoph Hübner und Gabriele Voss. Ab 25.4. im fsk

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Was war? Was bleibt? Was kommt?

Alle reden vom Klimawandel. Und dass sich etwas ändern muss. Im Ruhrgebiet geht das Zeitalter der Kohle zu Ende. Schon lan­ge und lang­sam, als letz­te Zeche schließt die Zeche Prosper/Haniel in Bottrop.

Die Geschichte des Ruhrgebiets ist seit 150 Jahren eine Migrationsgeschichte, in deren Kern immer die Frage stand, wie kön­nen wir zusam­men­ar­bei­ten und leben. Die all­täg­li­che Beantwortung die­ser Frage stif­te­te den Menschen damals ihre Identität. Heute fehlt der gemein­sa­me Arbeitgeber.

Sind die Bewohner*innen des Ruhrgebiets auf der Suche nach einer neu­en Identität? Helfen die Industriedenkmäler und Museumsstücke, die auf den ehe­ma­li­gen Abraumhalten aus­ge­stellt wer­den? Die weit­hin leuch­ten­den Kulturfestivals?

Während man in den 60er Jahren in den Zechen-Siedlungen noch stolz gesagt hat: Wir hel­fen uns selbst und haben durch Vereine und Brauchtum die Möglichkeit gemein­sam zu gestal­ten, war­tet man heu­te auf die Politik, oder wen­det sich ent­täuscht ab, weil zu wenig geschieht.

Die Filmschaffenden Christoph Hübner und Gabriele Voss haben über 40 Jahre die Veränderungen im Ruhrgebiet beob­ach­tet und die­je­ni­gen beglei­tet, deren Leben und Arbeit davon geprägt war. Ein Spagat zwi­schen all­ge­mei­ner Entwicklung und Einzelschicksalen von Menschen. Dabei wird deut­lich: Strukturwandel bedeu­tet nicht nur, dass Zechen schlie­ßen und Landschaften rekul­ti­viert wer­den müs­sen. Auch der sozia­le Zusammenhalt der Menschen muss sich neu defi­nie­ren. Ein Filmprojekt, das aus der Zeit fällt – und doch von ihr erzählt. Ein Film, in dem das Ende noch nicht zu Ende ist und die Zukunft schon begon­nen hat.

Credits:

DE 2023, 155 Min., Deutsch
Regie: Christoph Hübner und Gabriele Voss
Kamera: Christoph Hübner
Schnitt: Gabriele Voss

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Auf trockenen Gräsern

Ein Film von Nuri Bilge Ceylan. Ab 16.5. um fsk

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Auf tro­cke­nen Gräsern – About Dry Grasses“ nimmt uns mit in ein ver­schnei­tes, klei­nes ana­to­li­sches Dorf. Der Kunstlehrer Samet kehrt wie­der heim. Er fühlt sich allen Bewohnern über­le­gen. Vor allem sei­nen Schülerinnen und Schülern. Er spielt mit den Grenzen sei­ner Autorität, gibt sich libe­ral und dann wie­der distan­ziert. Dieses Spiel kippt, als er von zwei Schülerinnen beschul­digt wird, sich unan­ge­mes­sen ver­hal­ten zu haben. Was dann beginnt, ist nicht nur eine Jagd nach der Wahrheit, son­dern eine hoch­in­tel­li­gen­te Suche nach dem Sinn und Wert der Wahrheit an sich. Selbst die Künstlichkeit des Filmemachens selbst wird zum Thema in die­ser dich­ten Folge von Dialogduellen, die sich mit nihi­lis­ti­schen, pro­gres­si­ven, athe­is­ti­schen und psy­cho­lo­gi­schen Ideen über die Deutungshoheit von Samets angeb­li­chen Taten streiten.

Credits:

TK/FR 2023, 197 Min., türk. OmU
Regie: Nuri Bilge Ceylan
Kamera: Cevahİr Şahİn, Kürşat Üresİn
Schnitt: Oğuz Atabaş, Nuri Bilge Ceylan
Kamera: Cevahİr Şahİn, Nuri Bilge Ceylan
mit: Deniz Celiloğlu, Merve Dizdar, Musab Ekici

Trailer:
Auf tro­cke­nen Gräsern, Trailer OmdU
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Evil does not exist

Ein Film von Ryusuke Hamaguchi.

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Takumi (Hitoshi Omika) und sei­ne Tochter Hana (Ryo Nishikawa) leben in einem klei­nen Dorf namens Mizubiki, das nicht weit von der japa­ni­schen Hauptstadt Tokio ent­fernt liegt. Ihr Leben ist ein­fach und eng mit der Natur ver­bun­den. Sie genie­ßen die Kargheit und Abgeschiedenheit ihres Alltags. Doch die­se Idylle scheint bald ein Ende zu neh­men. Ein Unternehmen aus Tokio plant, eine Luxus-Campinganlage in der Nähe zu errich­ten. Das ent­schleu­nig­te Leben der Dorfbewohner hät­te damit ein Ende. Die Fronten sind ver­här­tet. In einem Versuch, die Situation zu ent­schär­fen, schickt das Unternehmen zwei Agenturmitarbeiter nach Mizubiki. Doch anstatt einer Lösung nahe­zu­kom­men, führt dies zu wei­te­ren Spannungen –mit tief­grei­fen­den Folgen für alle Beteiligten.
Umwelt gegen Ökonomie. Um die­se Auseinandersetzung geht es in Hamaguchis Werk, das auf dem letzt­jäh­ri­gen Filmfest von Venedig acht Minuten lang Standing Ovations erhielt. „Evil Does Not Exist“ ist eine fein­füh­lig erzähl­te, öko­lo­gi­sche Reise zu dem, was die Menschen in Mizubiki im Innersten antreibt und was sie erfüllt: sie exis­tie­ren selbst­be­stimmt und unab­hän­gig. Sie leben von dem, was der Wald ihnen gibt und was auf natür­li­che Weise vor­han­den ist.
Als Zuschauer beob­ach­tet man Takumi beim Wasserholen (aus dem nahe­ge­le­ge­nen Fluss), Holz hacken, bei den aus­gie­bi­gen Wanderungen und auf Hirschjagd. Oft ist sei­ne inter­es­sier­te Tochter Hana mit dabei, der Takumi viel über die Wälder, Tiere und Bäume lehrt. Gerade jene Szenen im Wald haben etwas zutiefst Meditatives und zäh­len zu den stim­mungs­volls­ten des Films. Verantwortlich dafür sind neben den unge­wöhn­li­chen Blickwinkeln und Kameraperspektiven noch zwei ande­re Aspekte. Zum einen die authen­ti­sche Soundkulisse und Klanglandschaft, vom Fließen des Baches über die kna­cken­den Äste bis hin zum Vogelgezwitscher.
Zum ande­ren die wun­der­schö­ne, anrüh­ren­de Filmmusik, kom­po­niert von der japa­ni­schen Künstlerin Eiko Ishibashi. Ihre Klänge unter­strei­chen vie­le Szenen, nicht nur jene im Wald. Und meist hat man das Gefühl, dass ihre Musik maß­geb­lich und stell­ver­tre­tend für die Stimmung des gesam­ten Films ist. Zu jener Naturverbundenheit und dem bereits ange­spro­che­nen Realismus kommt aber etwas hin­zu, das den Frieden stört. Den Frieden und das ruhi­ge Leben der Dorfbewohner. Das Eintreffen der bei­den Firmenvertreter in Mizubiki eben­so wie die „Glamping“-Pläne ihres Arbeitgebers, sym­bo­li­sie­ren das Eindringen des Menschen in die Natur. Stehen die Dörfler exem­pla­risch für ein natur­be­wuss­tes Dasein und die Liebe zur Umwelt, so geben die Firmenvertreter dem Kapitalismus und Gewinnstreben ein Gesicht.
Doch „Evil Does Not Exist“ gewährt jeder Seite letzt­lich eine fai­re Chance, um für ihre Position ein­zu­ste­hen und Argumente dar­zu­le­gen. Ryusuke Hamaguchi ergreift kei­ne Partei, auch wenn sein Standpunkt sub­til und unter­schwel­lig oft durch­scheint. Und egal ob Dorfbewohner oder Städter: Hamaguchi ent­lockt sei­nen Schauspielern durch den redu­zier­ten Einsatz von Dialogen durch­weg und unab­läs­sig gelun­ge­ne, wahr­haf­ti­ge Leistungen.

Björn Schneider | programmkino.de

Credits:

Aku wa Sonzai Shinai (悪は存在しない)
JP 2023, 106 Min., japan. OmU
Regie: Ryusuke Hamaguchi
Kamera: Yoshio Kitagawa
Schnitt: Ryūsuke Hamaguchi & Azusa Yamazaki
mit: Hitoshi Omika, Ryo Nishikawa, Ryūji Kosaka,
Ayaka Shibutani

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Goodbye Julia

Goodbye Julia

Ein Film von Mohamed Kordofani. Ab ??? (ver­scho­ben) im fsk.

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Zwei unter­schied­li­che Frauen in einem noch geein­ten Land: Am Vorabend der Teilung des Sudan eska­lie­ren in Khartum die eth­ni­schen Konflikte. Ein packen­des Drama über Ausgrenzung und Rassismus. Mona, eine pen­sio­nier­te Sängerin aus der nord­su­da­ne­si­schen Oberschicht, hat ver­se­hent­lich den Tod eines Mannes aus dem Südsudan ver­ur­sacht. Um ihre Schuld wie­der­gut­zu­ma­chen, nimmt sie Julia, die ahnungs­lo­se Witwe, und deren Sohn bei sich auf. Während Julia als Hausangestellte arbei­tet, beginnt Mona sich an den Status quo zu gewöh­nen. Doch die Unruhen im Land rücken immer näher an ihr Haus her­an und kon­fron­tie­ren sie wie­der mit ihrem Vergehen. 

GOODBYE JULIA ist eine schwie­ri­ge Reise durch das kol­lek­ti­ve Gedächtnis des suda­ne­si­schen und des süd­su­da­ne­si­schen Volkes, die sich mit dem nor­ma­len Alltagsleben zwei­er Frauen befasst, die durch unge­wöhn­li­che sozia­le und poli­ti­sche Situationen, die sie stark beein­flusst haben, mit­ein­an­der ver­bun­den sind. Die Erzählung ist von den Phasen der Versöhnung inspi­riert und behan­delt Themen wie Reue, Wiedergutmachung, Offenlegung, Schuldbekenntnis und Reue.“ (Mohamed Kordofani)

Credits:

SD/SE/DE/SA/FR/EG 2023, 120 Min., arab. OmU,
Regie: Mohamed Kordofani
Kamera: Pierre de Villiers
mit: Eiman Yousif, Siran Riak, Nazar Gomaa, Ger Duany 

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