Archiv der Kategorie: bald

SAF

Ein Film von Ali Vatansever. Ab 24.2. im fsk. 

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Kamil, ein gut­her­zi­ger Arbeiter, nimmt einen Job auf einer benach­bar­ten Baustelle an. Als Widerständler gegen die städ­ti­sche Wandlung wider­spricht dies jedoch sei­nen Prinzipien. Sein Vorgänger bei die­ser Arbeit, ein syri­scher Flüchtling, möch­te sei­ne Stelle zurück, was einen Konflikt mit Kamil pro­vo­ziert. Doch Unterdrückung und Angst in Kamils Nachbarschaft und bei sei­ner Arbeit führen dazu, dass Kamil bei einem Unfall ums Leben kommt. Nun muss sich sei­ne Frau den Konsequenzen sei­ner Taten stellen.

Credits:

DE, RO, TR 2021, 108 min., Türkisch, Arabisch, Rumänisch, Deutsch OmU
Buch und Regie: Ali Vatansever
Kamera: Tudor Vladimir Panduru
mit Erol Afsin, Saadet Aksoy, Kida Khodr Ramadan

Trailer:
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Filme von Derek Jarman

80 Jahre alt wäre der Maler, Autor, Regisseur und poli­ti­sche Aktivist Derek Jarman am 31.1.22 gewor­den. Er starb 1986 an den Folgen sei­ner AIDS-Erkrankung, die er auch in sei­nen Filmen zur Sprache brach­te. BLUE, sein letz­ter und for­mal wohl extrems­ter Film, wur­de von der Krankheit, durch die er erblin­de­te, bestimmt. Die Ton- Musik- und Sprechcollage vor mono­chrom blau­er Leinwand ist poli­tisch und per­sön­lich, poe­tisch und dis­kur­siv zugleich.

Jarmans Filme gel­ten als radi­kal, zor­nig und enga­giert. Er führ­te einen ste­ti­gen Kampf gegen die Thatcher-Regierung und zeig­te sich hier­bei als Queer- und AIDS-Aktivist, aber sein Thema war vor allem auch die Liebe, beson­ders die ver­hin­der­te, und körperliche.

Wir zei­gen sechs sei­ner Werke, die neu restau­riert und digi­ta­li­siert wur­den. Dazu gibt eine Doku über ihn, von Regisseur Julien Isaac und Tilda Swinton, die ohne Jarman nicht zu den­ken wäre (und umge­kehrt), und in allen sechs Filme mitwirkt:

Caravaggio (1986, 93‘), der bio­gra­fi­sche Ausschnitt vom ita­lie­ni­schen Maler ist wohl sein bekann­tes­tes Werk. (21.1. 17:45)

The Garden (1990, 95‘) ist eine sinn­li­che, sub­jek­ti­ve, schwu­le Passionsgeschichte mit Garten-nahem Atomkraftwerk.(22.1. 17:45)

Edward II (1991, 90‘) hat bei Jarman einen etwas ande­ren Stand als bei Mel Gibson seinerzeit.(23.1. 17:45)

Wittgenstein (1993, 75‘) – „hei­te­re, dia­log­si­che­re, her­vor­ra­gend gespiel­te Gesamtschau auf das Leben eines phi­lo­so­phi­schen Außenseiters“ (Lexikon des intern. Films) (24.1. 17:45)

War Requiem (1989, 92‘) ist die fil­mi­sche Umsetzung Benjamins Brittons Musikstücks, mit Laurence Olivier in sei­ner letz­ten Rolle. (25.1. 17:45)

Blue DF (1993, 74‘), gespro­chen von Derek Jarman, Tilda Swinton, Nigel Terry, John Quentin, und in der deut­schen Fassung von Ulrich Matthes, Sylvester Groth, Wolfgang Condrus, Eva Mattes. (22. & 23.1. 15:45) Blue OV

Derek (2008, 76‘) – ein Brief, ein Interview, eine Rückschau und Hommage (26.1. 17:45)

  • alle Filme lau­fen in Originalfassung mit deut­schen Untertiteln, Blue in dt. und engl. Fassung

End of Season

ein Film von Elmar Imanov. Ab 17.2 im fsk. 

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Eine Familie in der Auflösung: Der arbeits­lo­se Schauspieler Samir will eigent­lich nur in Ruhe gelas­sen wer­den, sei­ne Frau Fidan über­legt, in Berlin eine Stelle anzu­neh­men, und Sohn Mahmud will vor allem sei­nen Eltern ent­flie­hen. Ein dra­ma­ti­scher Zwischenfall wäh­rend eines Ausflugs an den Strand legt die Risse in der Familie schmerz­haft frei. Der Film navi­giert meis­ter­haft zwi­schen den drei Figuren und por­trä­tiert sie zugleich als Fremde und Komplizen.

Credits:

DE/GE/AZ 2019, 92 Min., aze­ri OmU
Regie: Elmar Imanov
Kamera: Berta Valin Escofet und Driss Azhari
Schnitt: Ioseb „Soso” Bliadze
mit Rasim Jafarov, Zulfiyye Gurbanova, Mir-Mövsüm Mirzazade

Trailer:
END OF SEASON – Offizieller Trailer
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Petite Maman

ein Film von Céline Sciamma. Ab 17.2 im fsk. 

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Nach dem Tod von Nellys gelieb­ter Großmutter hilft das acht­jäh­ri­ge Mädchen sei­nen Eltern beim Ausräumen des Hauses, in dem ihre Mutter Marion ihre Kindheit ver­brach­te. Nelly erkun­det das Haus und den umlie­gen­den Wald, in dem ihre Mutter frü­her spiel­te und das Baumhaus bau­te, von dem Nelly so viel gehört hat. Eines Tages reist die Mutter unver­mit­telt ab. Da lernt Nelly ein gleich­alt­ri­ges Mädchen ken­nen, das im Wald gera­de ein Baumhaus baut. Das Mädchen heißt: Marion.
Céline Sciamma, zum zwei­ten Mal auf der Berlinale, hat mit ihrem fünf­ten Film ein höchst inten­si­ves und rei­fes Werk geschaf­fen. Im herbst­li­chen Licht der Bilder von Kamerafrau Claire Mathon spürt die Regisseurin mit poe­ti­scher Präzision einem wich­ti­gen Moment des Erwachsenwerdens nach. Wieder ein­mal stellt Sciamma das weib­li­che Universum in den Mittelpunkt ihrer Beschäftigung mit den Fragen des Lebens. Aus der Kraft der Erinnerung und der Imagination lässt sie einen ein­zig­ar­ti­gen emo­tio­na­len Resonanzraum entstehen.

Credits:

FR 2021, 72 Min., frz. OmU
Regie, Buch: Céline Sciamma
Kamera: Claire Mathon
Schnitt: Julien Lacheray
mit Joséphine Sanz, Gabrielle Sanz, Nina Meurisse, Stéphane Varupenne, Margot Abascal

Trailer:
Petite Maman – Official Trailer
im Kino mit deut­schen Untertitlen
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The other Side of the River

ein Film von Antonia Kilian. Ab 27.1. im fsk. 

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Ich habe 20 Jahre ohne Mann gelebt und kann wei­te­re 100 ohne leben.“ Hala ist mit 19 Jahren vor einer Zwangsheirat aus dem nord­sy­ri­schen Minbij über den Euphrat geflo­hen – und beim kur­di­schen Militär gelan­det. In Rojava bekommt sie eine Kampfausbildung und das Selbstbewusstsein, um sich und ande­re Frauen künf­tig vor Gewalt zu schüt­zen. Dass das nicht über­all auf Verständnis trifft, erlebt sie, als sie in ihre Heimatstadt zurück­kehrt, um ihre jün­ge­ren Schwestern zu ret­ten. Spannend erzählt Antonia Kilian in ihrem Regiedebüt von Frauen, die um ihre Selbstbestimmtheit kämp­fen. Dabei blitzt immer wie­der ein Hauch von Freiheit auf: in einer wehen­den Gardine, einer Autofahrt mit wind­zer­zaus­ten Haaren oder einem Bad im Euphrat. Anja Klauck

Credits:

DE/FI 2021, 92 Min., Arabisch, Kurdisch, Deutsch mit deut­schen Untertiteln
Regie: Antonia Kilian
Kamera: Antonia Kilian
Ton: Nadya Derwish
Schnitt: Arash Asadi


Trailer:
The Other Side Of The River | offi­zi­el­ler deut­scher Trailer
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Are You Lonesome Tonight?

ein Film von Wen Shipei . Ab 27.1. im fsk. 

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

ARE YOU LONESOME TONIGHT? ist der poe­ti­sche und eigen­wil­li­ge ers­te Spielfilm des chi­ne­si­schen Regisseurs Wen Shipei. Wens Film ist ein Noir-Thriller, aber Wen scheint ande­ren Leitsternen zu fol­gen als etwa Diao Yi’nan, des­sen FEUERWERK AM HELLICHTEN TAGE und SEE DER WILDEN GÄNSE Noir-Geschichten erzähl­ten, die rela­tiv nah bei den US-Filmen der drei­ßi­ger bis fünf­zi­ger Jahre waren: mit Femmes Fatales, mit ver­lo­re­nen Helden und einem rea­lis­tisch-sozia­len Hintergrund.

Wen Shipeis ver­träum­te Erzählung hat weni­ger Bezüge zum ame­ri­ka­ni­schen Noir als zum fran­zö­si­schen poe­ti­schen Realismus von Marcel Carné und Max Ophüls, und zu den exis­ten­tia­lis­ti­schen Dramen von Robert Bresson. Wen erzählt sei­nen Film in Erinnerungsbildern, die sich durch Überblendungen kris­tal­li­sie­ren und immer wei­te­re, prä­zi­se­re Kreise zie­hen, aber am Ende womög­lich nur eine Traumchimäre sind. Die Räume sind ver­stellt und laby­rin­thisch, das Licht oft extrem far­big. Selbst häss­lichs­te rea­le Orte haben in den Kamerabildern einen Zauber. Das Wetter bestimmt hier immer spür­bar die Atmosphäre, die Hitze, der schwü­le Regen. Es ist kein Zufall, dass der (Anti-)Held Xueming (Eddie Peng) Klimaanlagen repa­riert. Die feuch­te Hitze wirkt wie ein emo­tio­na­ler Brutkasten, der Regen lässt die müden Seelen kochen. Wörtlich über­setzt lau­tet der chi­ne­si­sche Titel des Filmes „Es war ein­mal in den Tropen“.

Xuemíng erzählt aus dem Gefängnis, was pas­siert ist: Er hat nachts einen Mann über­fah­ren, der urplötz­lich vor sei­nem Laster auf­taucht, als er sich gera­de eine Zigarette anzün­det. Xueming begeht Fahrerflucht, aber sei­ne Schuldgefühle las­sen ihm kei­ne Ruhe. Er will sich stel­len, aber auf der Polizeistation über­wäl­tigt ihn die aggres­si­ve Atmosphäre. Als er zufäl­lig Frau Liang, die Witwe des Opfers, trifft, will er sich ihr gegen­über offen­ba­ren, fin­det aber bald her­aus, dass mehr hin­ter der Geschichte steckt und Herr Liang kein unschul­di­ges Opfer war. Eine Tasche vol­ler Geld spielt eine Rolle, und Gestalten erschei­nen, die wie Gespenster hin­ter Xueming her sind.

ARE YOU LONESOME TONIGHT? ist eines der erstaun­lichs­ten Debüts der letz­ten Jahre, mit einem ganz eige­nen Rhythmus, einem umwer­fen­den Gefühl für hyp­no­ti­sche Bilder. Von Wen Shipei lässt sich noch eini­ges erwar­ten. Tom Dorow | indiekino.de

Credits:

Originaltitel: Re dai wang shi
CN 2021, 95 Min., man­da­rin OmU
Regie: Wen Shipei
Kamera: Cedric Cheung-Lau, Xiaosu Han, Zhang Heng, Andreas Thalhammer
Schnitt: Zhu Lin, Will Wei, Dong Jie, Noé Dodson, Cao Hangchen

mit: Eddie Peng, Peiyao Jiang, Zhang Yu, Sylvia Chang 


Trailer:
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Niemand ist bei den Kälbern

ein Film von Sabrina Sarabi.

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Hochsommer in der Mecklenburgischen Provinz. Fünf Häuser, eine Bushaltestelle, Kühe und rings­um nichts als Felder. Christin, 24, (Saskia Rosendahl) lebt auf dem Bauernhof ihres lang­jäh­ri­gen Freundes Jan, 25 (Rick Okon). Die Aufbruchsstimmung der Nachwendejahre, die ihre Kindheit präg­ten, ist längst dahin und auch in ihrer Beziehung gibt es schon lan­ge kei­ne Liebe mehr. Ihr Vater säuft.
Den Kirsch hat auch Christin immer griff­be­reit unterm Autositz. Unter der flir­ren­den Hitze des Sommers scheint die Zeit still­zu­ste­hen. Da taucht Windkraftingenieur Klaus, 46, (Godehard Giese) aus Hamburg auf, und die Welt beginnt sich wie­der zu drehen.

Credits:


DE 2021, 116 Min., dt. O.m.engl. U.
Buch und Regie: Sabrina Sarabi
nach dem Roman von Alina Herbing
Kamera: Max Preiss
Schnitt: Heike Parplies
mit: Saskia Rosendahl, Rik Okon, Godehard Giese, Enno Trebs, Peter Moltzen, Anne Weinknecht

Trailer:
Ausschnitt
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Ballade von der weißen Kuh

ein Film von Behtash Sanaeeha, Maryam Moghaddam. Ab 3.2. im fsk. 

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Minas Leben gerät aus den Fugen, als sie erfährt, dass ihr Ehemann Babak zu Unrecht des Verbrechens ange­klagt wur­de, für das er hin­ge­rich­tet wor­den ist. Die Bürokratie ent­schul­digt sich für den Justizirrtum und stellt eine finan­zi­el­le Entschädigung in Aussicht. Als Akt der Selbstachtung und ihrer gehör­lo­sen Tochter zulie­be nimmt Mina den lei­sen Kampf gegen einen von Zynismus gepräg­ten Apparat auf. Gerade als das Geld knapp wird, taucht ein Unbekannter namens Reza auf. Er behaup­tet, Schulden bei Babak gehabt zu haben, die er jetzt beglei­chen möch­te. Mina reagiert zunächst zurück­hal­tend, doch schließ­lich lässt sie Reza in ihr Leben. Sie ahnt nicht, dass ein Geheimnis sie bei­de anein­an­der­bin­det.
Schuld und Sühne – ein klas­si­sches ira­ni­sches Filmsujet, das Behtash Sanaeeha und Maryam Moghaddam meis­ter­haft und als Kino der klei­nen, prä­zi­sen Gesten und Räume insze­nie­ren. Zwischen Einsamkeit und ihrem Ringen um Selbstbehauptung ganz groß: Maryam Moghaddam als Mina.

Credits:


Ghasideyeh gave sef­id
IR/FR 2020, 105 Min., far­si OmU
Buch und Regie: Behtash Sanaeeha, Maryam Moghaddam
Kamera: Amin Jafari
Schnitt: Ata Mehrad, Behtash Sanaeeha
mit Maryam Moghaddam, Alireza Sanifar, Pourya Rahimisam, Avin Purraoufi, Farid Ghobadi, Lili Farhadpour

Trailer:
Ballad of a White Cow (Ghasideyeh gave sef­id) new clip offi­cial from Berlin Film Festival 2021
Im Kino mit deut­schen Untertiteln
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Dok-Termin

Unsere Dokfilmwoche, die ins­ge­samt sechs­mal jeweils Ende August statt­fand, ist vor­erst Geschichte. Sie wur­de von uns über­ar­bei­tet, zer­stü­ckelt und neu zusammengesetzt.

Herausgekommen ist Dok-Termin- 12 beson­de­re Dokumentarfilme ver­tei­len sich aufs Jahr. Jedes Werk wird zwei­mal zu sehen sein, im fsk-Kino und in einem wei­te­ren Kino der Indiekino-Gruppe. Gespräche mit den Macher*innen, Diskussionen, Einführungen und was sich sonst zur Unterstützung oder Weiterführung anbie­tet, ergän­zen die Veranstaltungen.

Das Programm ist nicht auf bestimm­te Themen, Formen oder Inhalte ausgerichtet.

Die geplan­ten Filme las­sen Zusammenhänge in neu­em Licht erschei­nen. Die gesam­te Haltung, wie Empathie und Umgang mit Protagonist*innen, der gewähl­te Blickwinkel ent­schei­den über ihre Relevanz. Wir freu­en uns über Angebote zum Dialog, oder die Einladung, beim Zuschauen eige­ne Bilder zu for­men sowie über die essay­is­ti­sche Annäherung an ein Thema.

Besondere und indi­vi­du­el­le Geschichten, die unauf­dring­lich auf einen kom­ple­xen äuße­ren Kosmos

wei­sen, sind gefragt, aber in der Umkehrung auch eine freie und wei­te Erzählung, in der sich der/die Einzelne wie­der­fin­det. Die Filme gehen vom Großen, Weiten ins Detail und las­sen vom Persönlichen, engen Rahmen aufs Allgemeine schlie­ßen, regio­nal wie weltweit.

Hier die nächs­ten Termine:

23. & 24.10.:

#7 City Hall von Frederick Wiseman

Der inzwi­schen 91-jäh­ri­ge Frederick Wiseman ist mit sei­nen über 40 Dokumentarfilmen selbst eine Institution, gera­de wur­de er in Cannes für sein Lebenswerk geehrt. Passend dazu sind sei­ne Arbeiten oft genaue Innensichten bekann­ter Kultur-Institutionen, wie zuletzt der New Yorker Public Library und dem Nachtclub Crazy Horse, der National Gallery in London, der Pariser Oper. Zuvor hat­te Wiseman sich immer ger­ne auch die admi­nis­tra­ti­ve Bereiche vor­ge­nom­men, wie Justizsystem, Universitäten oder Militär. Bei CITY HALL gehen wir gleich mit in den gan­zen Komplex einer Stadtverwaltung, der sei­ner Geburtsstadt Boston.
Diskussionen über die Quartiersentwicklung, Armutsbekämpfung und Rassismus, die Städtische Telefon-Hotline, Einbeziehung der Bürger in kom­mu­na­le Aufgaben, Essenstafeln und Obdachlosenhilfe – die­se und weit mehr sozia­le Projekte und Betreuungsbereiche ste­hen auf dem Programm der Stadtverwaltung Bostons, und beson­ders auch des damals amtie­ren­den Bürgermeisters Marty Walsh. Polizeiarbeit und Feuerwehreinsätze, Veteranentreffen, Eheschließung, Stadt- und Wirtschaftsplanung, Sportereignissen, Empfänge, Eröffnungen, Pressekonferenzen und all­ge­mei­ner Verwaltungsaufwand, die gan­zen admi­nis­tra­ti­ven Aufgaben, die der Film in gut vier Stunden vor­führt, will ich gar nicht auf­zäh­len.
Über unzäh­li­ge per­sön­li­che Schicksale wird hier ent­schie­den, und wir sind mit­ten­drin. CITY HALL ist ein Portrait der gesam­ten Stadt Boston, das der Regisseur in bekannt span­nen­der und ein­dring­li­chen Art prä­sen­tiert, wo dann selbst Abwasser- und Abfallentsorgung zum Ereignis werden.

14. & 16.11:

#8 The two sights von Joshua Bonnetta

Laut Abspann wur­de das Material für The Two Sights zwi­schen 2017 und 2019 auf den Äußeren Hebriden „gesam­melt“. Aber um was für Material han­delt es sich? Zum einen sind da die atembe­raubenden 16-mm-Landschaftsaufnahmen: Felsklippen, Strände und Ebenen, Pflanzen und Tiere, Häuser und Schiffe, wech­sel­haf­te Lichtverhältnisse. Zum ande­ren – auf­ge­nom­men mit einem Mi­krofon, das in den ers­ten Einstellungen zu sehen ist – sind da die Geräusche: krei­schen­de Vögel, brau­sen­der Wind, tosen­des, gur­geln­des, tröp­feln­des Wasser – und aus dem Off erzählt eine Stimme, auf Englisch und Gälisch, von Hundeskeletten, ver­sun­ke­nen Dörfern, ster­ben­den Angehörigen; manch­mal erklin­gen auch Lieder, hört man den Seewetterbericht, oder es herrscht Stille. Wie in je­der guten Sammlung geht es nicht um die ein­zel­nen Bestandteile, es geht um Schnittpunkte, um die Krähe im Stacheldraht, die eine bis­her uner­zählt geblie­be­ne Geschichte evo­ziert, um den Gesang ei­ner Frau, der das Wasser leicht zu kräu­seln scheint, und es geht dar­um, dass jede Erzählung von der rau­schen­den Luft getra­gen wird. Sehen, mit Augen und Ohren – zwei Perspektiven, die ineinander­fließen. (Berlinale Forum d. Internationalen Jungen Films 2020)

→ Am Sonntag, den 14.11. wird die aus­tra­li­sche Klangkünstlerin, Komponistin und Pädagogin Felicity Mangan musi­ka­lisch auf den Film ein­stim­men. Mit Naturtönen aus ihrem Field Recording Archiv erforscht sie Klangfarben und bio­rhyth­mi­sche Muster, um qua­si-bio­akus­ti­sche elek­tro­ni­sche Musik zu bauen.

4. & 5.12.:

#9 Cousin Jules von Dominique Benicheti

»Ein wirk­lich außer­ge­wöhn­li­ches Kunstwerk.« Time Out NY

Ein Bauernhof im Burgund, ein klei­ner Alltag, der im 19. Jahrhundert nicht viel anders aus­ge­se­hen haben dürf­te: Ein Schmid – Verwandter des Regisseurs – und sei­ne Frau, bei­de um die 80, in den Rhythmen ihres Lebens. Es gibt im Tageslauf des Paares wenig zu sagen, aber im Film umso mehr zu sehen und zu hören: Arbeitsschritte und häus­li­che Besorgungen, der Klang von Feuer und Häm­mern, das Klappern der Holzschuhe. Handgriffe und Gewohnheiten, die mit der Dauer der Jahre und in der Verdichtung des Films etwas Rituelles bekom­men. Dominique Benicheti ein­zi­ger Lang­film formt in sei­ner Montage das Verstreichen eines Tages nach, tat­säch­lich ist er über fünf Jahre hin­weg gedreht wor­den, in schwel­ge­ri­schem Cinemascope und Stereoton, 2012 wur­de er restau­riert und unter ande­rem im Forum der Berlinale wie­der­auf­ge­führt. Kino im empha­ti­schen Sinne ist er ge­blieben, eine Eloge auf die lyri­sche Materialität und eige­ne Zeitlichkeit einer länd­li­chen Kultur.

Vorstellungen
4.12. City Wedding 19:00 [Tickets]
5.12. fsk-Kino 18:00 [Tickets]

DokTermin wird rea­li­siert mit Unterstützung aus Mitteln der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa

Was sehen wir, wenn wir zum Himmel schauen?

Ein Film von Alexandre Koberidze. Ab 20.1 im fsk.

[Credits] [Termine] [Trailer]

Eine zufäl­li­ge Begegnung vor den Toren einer Schule im geor­gi­schen Kutaissi. Lisa und Giorgi stol­pern inein­an­der, ein Buch fällt zu Boden. Sichtlich ver­wirrt ver­ab­re­den sie ein Date, ohne ein­an­der ihre Namen genannt zu haben. Es ist Liebe auf den ers­ten Blick, und wie ver­zau­bert fan­gen die Dinge an zu leben: Die Überwachungskamera wird zum bösen Auge, das Abflussrohr zum Orakel, Augen zu – und Gong! Über den Liebenden liegt ein Fluch, der sie dazu ver­dammt, am nächs­ten Tag mit einem ande­ren Aussehen zu erwa­chen. Doch gera­de die­se wun­der­sa­me Erschwernis ihrer Wiederbegegnung wird zur Eintrittskarte in eine Welt, in der nur noch der Zauber des Alltags herrscht – in schlich­ter Schönheit, mit zärt­li­cher Komik und einer Fußballbegeisterung, die Junge wie Alte und sogar den phleg­ma­ti­schen Straßenköter Vardy befällt.
Es ist die Poesie der Ziellosigkeit, die es Alexandre Koberidze, wie schon in Lass den Sommer nie wie­der kom­men, ermög­licht, im Kino all das sicht­bar und erzähl­bar zu machen, was wir in der Wirklichkeit unse­res Alltags nur sel­ten wahr­neh­men. Feuerzeuge raus! Denn die Nächte sind magisch, wie Gianna Nannini inbrüns­tig sin­gen darf in die­ser Perle von einem Film.

Credits:

Ras vkhe­davt, rode­sac cas vuku­rebt?
DE/GE 2021, 150 Minuten, geor­gisch mit dt. Untertiteln,
Regie: Alexandre Koberidze
Kamera: Faraz Fesharaki
Schnitt: Alexandre Koberidze
mit: Ani Karseladze, Giorgi Bochorishvili, Oliko Barbakadze, Giorgi Ambroladze, Vakhtang Panchulidze, Sofio Tchanishvili, Irina Chelidze, David Koberidze, Sofio Sharashidze

Trailer:
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