Archiv der Kategorie: bald

Der Atem des Meeres

 

ein Film von Pieter-Rim de Kroon.

 

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

 

DER ATEM DES MEERES – ein poe­ti­scher Kinodokumentarfilm über das beein­dru­cken­de Universum des größ­ten Marschlandes der Welt: das Wattenmeer. Im Rhythmus von Ebbe und Flut erzählt DER ATEM DES MEERES vom Wattenmeer, von den Menschen und der Natur, die die­se außer­ge­wöhn­li­che Region for­men. Von Den Helder in den Niederlanden über die ost­frie­si­schen Küsten bis nach Skallingen in Dänemark erstreckt sich eine Ansammlung von Inseln und Gemeinden, wovon jede ihren eige­nen Charakter, ihre eige­nen Besonderheiten hat. Doch sie alle gehö­ren zum Wattenmeer, das seit 20 Jahren den Titel UNESCO-Weltnaturerbe trägt.
Ständig wech­seln­des Licht, Nebel, und Wind ver­än­dern die Landschaft und Lebensräume von Seehunden, Krabben und Flundern. Das kom­ple­xe Binnensystem, mit sei­ner ein­zig­ar­ti­gen Flora und Fauna birgt unzäh­li­ge Geschichten und ein­zig­ar­ti­ge Lebensformen, deren Entdeckung DER ATEM DES MEERES erleb­bar macht.
Mal rich­tet sich der Blick auf klei­ne Details, mal auf das gro­ße Ganze. Zugvögel und Touristen, die jedes Jahr kom­men und gehen, die Veränderung der Farbgebung von Watt und Wasser und der fas­zi­nie­ren­de Wechsel der Gezeiten sind ein sich wie­der­ho­len­der Zyklus.
DER ATEM DES MEERES ist ein poe­ti­scher Kinodokumentarfilm, der eine Region vol­ler Gegensätze zeigt. Das Wattenmeer ist geprägt von Stille und Sturm, Leben und Tod und natür­lich vom Ein- und Ausatmen des Meeres, dem bestim­men­den Faktor, nach dem sich alles richtet.

 

 

 

 

Credits:

 

NL/DE 2020, 105 Min.,
Regie: Pieter-Rim de Kroon
Kamera: Victor Dekker
Schnitt: Erik Disselhoff

 

Trailer:

 

 

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Der Masseur

ein Film von Malgorzata Szumowska. Ab 26.8. im fsk (und bei filmpolska).

[Credits] [Termine] [Trailer]

In einer anony­men pol­ni­schen Villensiedlung beglückt ein ukrai­ni­scher Masseur sei­ne KundInnen nicht nur mit sei­nen hei­len­den Händen. Er wird zu einer Art Guru für die spi­ri­tu­ell obdach­lo­sen und nicht nur sexu­ell frus­trier­ten Neureichen. Małgorzata Szumowska (DIE MASKE) und Michał Englert erzäh­len von einer pol­ni­schen Gegenwartsgesellschaft, die ihre Identität ver­lo­ren hat. Weltpremiere im Wettbewerb des Filmfestivals von Venedig!

Der Oscarkandidat von Polen für 2021. Die Süddeutsche schreibt dazu: „Man weiß irgend­wann nicht mehr, wor­auf der Film hin­aus will, aber da kann man sich ihm schon nicht mehr entziehen“.

Hypnosekino auf sub­ti­le und humor­vol­le Art und Weise.

Credits:

OT: ŚNIEGU JUŻ NIGDY NIE BĘDZIE – Never Gonna Snow Again
PL/DE 2020, 104 Min., poln. OmU
Regie & Buch: Małgorzata Szumowska & Michał Englert
Kamera: Michał Englert P.S.C.
Schnitt: Jaroslaw Kaminski, Agata Cierniak
mit: Alec Utgoff, Maja Ostaszewska, Agata Kulesza, Lukasz Simlat, Weronika Rosati, Katarzyna Figura, Andrzej ChyraLänge: 115 Minuten

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Die Dohnal

ein Film von Sabine Derflinger.

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

November 1979. Parteitag der SPÖ, Villach, 23 Uhr. Johanna Dohnal gibt ihr ers­tes Interview als Frauenstaatssekretärin. Ein ORF-Journalist kommt gleich zur Sache. „Was ist das für ein Gefühl?“, will er wis­sen. Sie ant­wor­tet schnell und direkt: „Überhaupt kein Gefühl im Moment. Außer, dass es hier sehr heiß ist.“ Doch er lässt nicht locker: Ob sie sich als Frau wie jeder ande­re Staatssekretär auch füh­len wer­de? „Ich weiß über­haupt nicht, wie sich ein Staatssekretär fühlt. Ich glau­be, so wie jeder ande­re Mensch auch. Aber die Frauenfrage ist eine gesell­schafts­po­li­ti­sche und nach mei­ner Auffassung kei­ne Frauenfrage.“

Und damit zeigt die ehe­ma­li­ge, ers­te öster­rei­chi­sche Frauenministerin klar ihren Standpunkt. Sie will sich nicht in eine Ecke drän­gen las­sen. Der Kampf für Frauenrechte ist für sie gleich­be­deu­tend mit dem Kampf für eine Gesellschaft mit mensch­li­chem Antlitz. Als unehe­li­ches Kind einer ledi­gen Mutter arbei­te­te sie sich aus armen Verhältnissen im Nachkriegsösterreich in der sozia­lis­ti­schen Partei hoch. Bei der Grossmutter auf­ge­wach­sen fühl­te sie sich als Außenseiterin. Die Freiheit jen­seits von Normen zu den­ken und zu füh­len, behält sie selbst nach ihrem Aufstieg in der öster­rei­chi­schen Politik bei.

Ihre Bestellung in den 1970er Jahren unter Bruno Kreisky war damals eine Sensation. Ihre früh­zei­ti­ge Abberufung gegen ihren Willen durch die eige­ne Partei eigent­lich ein Skandal. Denn nach sechs­zehn Jahren Regierungstätigkeit hat­te sie ihren Schwung nicht ver­lo­ren. Trotzdem wur­de sie im März 1995 von Kanzler Franz Vranitzky aus dem Amt gedrängt. Geblieben sind ihre Errungenschaften, die heu­te oft­mals wie­der zur Diskussion ste­hen, was den Film zusätz­lich bri­sant macht. Dabei ver­blüfft nach wie vor die Fülle an Initiativen, Gesetzen, Regelungen und Einrichtungen, die direkt auf ihre Initiative zurück­ge­hen. Das reicht von der Einführung der Strafbarkeit der Vergewaltigung in der Ehe über die Anrechnung von Kindererziehungszeiten für die Pension bis zu den ers­ten Frauenhäusern und einem Gesetz gegen sexu­el­le Belästigung am Arbeitsplatz.

Vor dem Hintergrund patri­ar­chal gepräg­ter Machtverhältnisse bün­del­te die femi­nis­ti­sche Visionärin die Kräfte aller öster­rei­chi­schen Frauenorganisationen, von der Katholischen Frauenbewegung bis zur Aktion Unabhängiger Frauen, um öffent­li­chen Druck für gemein­sa­me Anliegen zu erzeu­gen. So setz­te sie die Gründung und dau­er­haf­te Finanzierung der Wiener Frauenhäuser durch. Sabine Derflingers berüh­ren­de Doku spie­gelt das poli­ti­sche Klima des Landes bis hin zum neo­li­be­ra­len Umschwung treff­lich. Mitreißend bebil­dert die Grimme-Preisträgerin den wei­ten Weg den Johanna Dohnal im Kampf gegen alle Widerstände und Männerbünde gehen muss­te. Ein Stück leben­di­ge, inspi­rie­ren­de Frauengeschichte, die den Blick schärft.

Luitgard Koch | programmkino.de

Credits:

AT 2019, 104 Min.,
Regie: Sabine Derflinger
Drehbuch: Sabine Derflinger
Kamera: Christine A. Maier, Eva Testor
Schnitt: Niki Mossböck
mit: Annemarie Aufreiter, Johanna-Helen Dohnal, Ingrid Dohnal, Sonja Ablinger, Ferdinand Lacina, Elfe Semotan, Trautl Brandstaller, Brigitte Ederer, Hanna Herbst, Julia Herr, Käthe Kratz, Alice Schwarzer.

Trailer:
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Gunda

ein Film von Victor Kossakovsky. Ab 18.8. im fsk.

[Credits] [Termine] [Trailer]

Gunda ist die Protagonistin die­ses doku­men­ta­ri­schen Triptychons in mil­dem Schwarz-Weiß. Sie küm­mert sich um ihre Kleinen und geht mit ihnen auf Entdeckungsreise, dann zieht sie sich zurück und schöpft Kraft. Vorsichtig nähert sie sich der Kamera. Weiß sie um ihr Schicksal? Was mag sie den­ken? Von uns hal­ten? Gunda ist eines von meh­re­ren hun­dert Millionen Schweinen, die den Planeten bewoh­nen; dazu kom­men noch eine Milliarde Rinder, im Film ver­tre­ten durch zwei anmu­tig muhen­de Kühe, sowie über 20 Milliarden Hühner, hier ein sich durch die Welt tas­ten­des ein­bei­ni­ges Huhn. Im Schlamm wüh­len­de, Fliegen ver­scheu­chen­de und Würmer suchen­de Held*innen – Filmessayist Victor Kossakovsky ist und bleibt rigo­ros: Nach die­sem Film sei Fleischkonsum aus­ge­schlos­sen. Seine Empörung über die igno­ran­te Menschheit im Allgemeinen und die Entwürdigung die­ser Lebewesen im Konkreten lässt er in eine kon­zep­tu­ell mini­ma­lis­ti­sche, visu­ell aber umso ful­mi­nan­te­re Meditation flie­ßen. Gunda ist ein Intimporträt. Eine Intervention in Form der Bescheidenheitsgeste. Ein Film, der den Underdogs majes­tä­ti­sche Größe gibt. Und uns nach­denk­lich macht. Zumindest das.

Credits:

NO/US 2020, 93 Min. ohne Dialog
Regie: Victor Kossakovsky
Buch: Victor Kossakovsky, Ainara Vera
Kamera: Egil Håskjold Larsen, Victor Kossakovsky
Schnitt: Victor Kossakovsky, Ainara Vera


Trailer:
GUNDA | Offizieller Trailer
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Alles ist Eins. Ausser der 0

ein Film von Klaus Maeck und Tanja Schwerdorf.

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Sie waren Aktivisten, Spione, Genies im Umgang mit dem Computer: Die Hacker des Chaos Computer Clubs waren die Aufklärer in einer Zeit, in der die Computertechnik für Viele ein Fremdwort war – zumin­dest aber ein Buch mit sie­ben Siegeln, das inmit­ten eines böh­mi­schen Dorfs lag. Die Mitglieder des CCC zeig­ten dar­um auch mit wenig Aufwand, wo die Tücken in der fort­schrei­ten­den com­pu­te­ri­sier­ten Welt lagen. Das Passwort einer Sparkasse errie­ten sie ein­fach, indem sie als ers­tes die Telefonnummer des Benutzers aus­pro­bier­ten. Das Ergebnis war korrekt.

Am Anfang des CCC stand Wau Holland, Deutschlands ers­ter digi­ta­ler Bürgerrechtler. Er grün­de­te den Club, mach­te mit spek­ta­ku­lä­ren Hacks auf sich auf­merk­sam. Er stand für den unge­hin­der­ten sozia­len Austausch mit den Mitteln der Technik, einer Digitalisierung, die Heilsbringer sein konn­te, die aber auch immer mit Gefahren ver­bun­den war, wenn der sozia­le Zusammenhalt der Gesellschaft dadurch unter­mi­niert wurde.

Der Film „Alles ist eins. Außer der 0.“ dringt in die­se Frühzeit des CCC ein, zeich­net dabei aber auch ein Bild der dama­li­gen Republik, in der Hausdurchsuchungen beim Chaos Computer Club statt­fan­den, nach­dem die­ser den deut­schen Geheimdienst, aber auch die ent­spre­chen­den Firmen auf Sicherheitslücken auf­merk­sam machten.

Das ist ein Teil des Films, ein ande­rer ist, dass er zwar von der Vergangenheit erzählt, aber für die Gegenwart wich­tig ist. Weil er zeigt, dass die gro­ßen Fragen unse­rer Gesellschaft schon damals gedacht wur­den – wenn auch die meis­ten die Gedanken von Wau Holland igno­rier­ten. Dabei war es visio­när, was hier gesagt und getan wur­de. Indem die heu­ti­ge Dynamik des Internets vor­weg­ge­nom­men wird, in der Meinung sehr schnell auch zur Waffe wer­den kann – oder man sich durch sie zum Ziel macht.

Die Gesellschaft ist auch wegen der Bestrebungen des CCC offe­ner gewor­den. Nach dem Tschernobyl-Gau waren es die Aktivisten des CCC, die Informationen offen­leg­ten, die offi­zi­el­le Stellen lie­ber ver­schwie­gen. Sie waren es auch, die Desinformation als sol­che ent­tarn­ten. Das macht die Geschichte des CCC auch span­nend wie einen Thriller, mit allem, was dazu gehört. Spionage, Geheimdienste, Mordkomplotte – und das alles in einer sich rasant ändern­den Welt, ande­ren logi­schen Endpunkt wir heu­te leben. Umso wich­ti­ger ist es, den Blick auf die Anfänge zurück­zu­wer­fen, auch, um zu ver­ste­hen, wie wir dort anka­men, wo wir sind. Eine fas­zi­nie­ren­de Geschichtsstunde.

Peter Osteried | programmkino.de

Credits:

Deutschland 2020, 90 Min. dt.O.m.engl.U.
Regie + Drehbuch: Klaus Maeck, Tanja Schwerdorf
Darsteller: Peter Glaser, Wau Holland, Linus Neumann


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Quo Vadis Aida?

ein Film von Jasmila Žbanić. Ab 5.8. im fsk.

[Credits] [Termine] [Trailer]

Als Lehrerin hat die bos­ni­sche Muslimin Aida (Jasna Ðuriči) vor Beginn des Jugoslawienkriegs gear­bei­tet, leb­te mit Mann und zwei Söhnen in Srebrenica, gemein­sam mit Serben und ande­ren Ethnien, wie es im Vielvölkerstaat Jugoslawien Jahrzehntelang üblich war. Doch der Krieg hat aus Nachbarn Feinde gemacht, die Stadt steht unter Beschuss der bos­nisch-ser­bi­schen Truppen unter ihrem Anführer Ratko Mladić (Boris Isaković), Gerüchte von Vergewaltigungen und Morden an der Zivilbevölkerung machen die Runde. Aida selbst ist nicht in Gefahr, sie arbei­tet für die Blauhelme der UNPROFOR-Truppen als Übersetzerin, doch ihr Mann Nihad (Izudin Bajrović) und die bei­den Söhne Hamidja (Boris Ler) und Ejo (Dino Bajrović) sind außer­halb der UN-Anlage, wo sich tau­sen­de Menschen unter der sen­gen­den Sonne ver­sam­melt haben und Einlass begehren.

Im Inneren ahnt der nie­der­län­di­sche Kommandant Karremans (Johan Heldenbergh), dass die Absprache, die er mit Mladić getrof­fen hat, nur Augenwischerei war: Der Zivilbevölkerung frei­es Geleit zu geben und nur Soldaten in Gewahrsam zu neh­men war die Vereinbarung, doch der Aufmarsch an schwer bewaff­ne­ten ser­bi­schen Soldaten lässt kei­nen Zweifel dar­an, was pas­sie­ren wird. Mit zuneh­men­der Verzweiflung ver­sucht Aida Karremans davon zu über­zeu­gen, zumin­dest ihre Familie zu ret­ten, doch dem Kommandanten sind die Hände gebun­den. Und so neh­men die Ereignisse ihren Lauf, an deren Ende über 8000 Tote ste­hen, ermor­det im schlimms­ten Massaker der euro­päi­schen Nachkriegsgeschichte.

Gleich mit ihrem Debütfilm „Grbavica“ hat­te die bos­ni­sche Regisseurin Jasmila Žbanić 2006 den Goldenen Bären gewon­nen, ein Film, in dem sie sich mit den psy­cho­lo­gi­schen Folgen des Jugoslawienkrieges beschäf­tigt hat­te. Das sie mit „Quo Vadis, Aida?“ in die Zeit des Krieges zurück­kehrt und sich mit einem der am aus­führ­lichs­ten doku­men­tier­ten Ereignisse des Krieges beschäf­tigt mag daher über­ra­schen. Neue Einblicke in das Massaker kann es nicht geben, die Frage von Tätern und Opfern ist klar beant­wor­tet, das Versagen der inter­na­tio­na­len Gemeinschaft aus­führ­lich doku­men­tiert.
Zwischentöne gibt es dann auch bei Žbanić kaum: Wenn Aida auf der ser­bi­schen Seite einen ehe­ma­li­gen Schüler ent­deckt, scheint für kur­ze Momente die Frage auf­zu­kom­men, wie aus einst freund­li­chen Bekannten Gegner auf Leben und Tod wer­den kön­nen, doch schnell wird die­se Ambivalenz bei­sei­te gewischt. Etwas ein­fach macht es sich Žbanić oft, wenn sie die ser­bi­schen Truppen als waf­fen­star­ren­de, glatz­köp­fi­ge Muskelprotze schil­dert, die schon aus der Ferne wie blut­rüns­ti­ge Mörder aus­se­hen, denen in Gestalt der kaum voll­jäh­rig wir­ken­den hol­län­di­schen Blauhelmtruppen, oft ohne Gewehr, dafür in kur­zen Hosen klei­ne Jungs gegen­über­ste­hen, die eher wie Pfadfinder wirken.

Einerseits bestä­tigt Žbanić dadurch die Klischees des Jugoslawienkrieges, ande­rer­seits kann es gera­de im Fall des Massakers von Srebrenica kei­ne Frage über Schuld und Unschuld geben. Die Komplexität der Ursachen des Krieges, die Verbrechen, die von allen Seiten began­gen wur­den, spie­len in „Quo Vadis, Aida?“ jedoch kei­ne Rolle, Jasmila Žbanić geht es nur dar­um, ein Ereignis in fast doku­men­ta­ri­scher Manier dar­zu­stel­len. Ein Ziel, das ihr frag­los auch ein­drucks­voll gelingt.

Michael Meyns


Credits:

BA/AU/PL/DE/RO/FR/NO/TK/NL 2020, 104 Min.
Regie & Buch: Jasmila Žbanić
Kamera: Christine A. Maier
Schnitt: Jarosław Kamiński
Darsteller: Jasna Đuričić, Izudin Bajrović, Boris Ler, Dino Bajrović, Boris Isaković. Johan Heldenbergh, Raymond Thiry


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Kunst kommt aus dem Schnabel wie er gewachsen ist

Ein Film von Sabine Herpich. Ab 12.8. im fsk.

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Kunst kommt aus dem Schnabel, wie er gewach­sen ist. Kunst wirkt ent­gif­tend. Kunst kann man nicht umar­men. Kunst heißt der Hahn.” – schreibt Suzy van Zehlendorf auf die Frage, was für sie Kunst ist. Suzy van Zehlendorf ist eine von 16 KünstlerInnen, die ich in der Spandauer Kunstwerkstatt für Menschen mit Behinderung ken­nen­ge­lernt habe. Von Montag bis Freitag arbei­ten sie dort – und Arbeit defi­niert sich hier als Lohnarbeit. Denn die Kunstwerkstatt ist Teil einer gan­zen Palette von Werkstätten: zu nor­ma­len Arbeitszeiten und gegen Entgelt wer­den hier Tische her­ge­stellt, Kabel kon­fek­tio­niert und Auftragsarbeiten für die Industrie erle­digt. In der Kunstwerkstatt wird Kunst her­ge­stellt – zu den­sel­ben Bedingungen. Kunst zu machen ist hier eine gleich­be­rech­tig­te Arbeit, und die Aufgabe der MitarbeiterInnen der Kunstwerkstatt ist es, den KünstlerInnen assis­tie­rend zur Seite zu ste­hen. Weil sich die KünstlerInnen mitt­ler­wei­le einen Namen gemacht haben, agiert die Kunstwerkstatt zugleich wie eine Agentur und ist damit Teil des Kunstmarkts, in dem inter­na­tio­nal mit Kunstwerken gehan­delt wird.

Beobachtet man die KünstlerInnen bei der Arbeit, kann man sehen, mit wel­cher Beharrlichkeit sie um den ange­streb­ten Ausdruck rin­gen. Es zeigt sich dabei etwas Wesenhaftes über die Aufgabe von Kunst: der Welt Gestalt zu geben, sie zu ver­ste­hen zu suchen und ihr etwas hin­zu­zu­fü­gen, in dem sich die­se Erkenntnis materialisiert.

Aus den Eindrücken, die ich als Gast in der Kunstwerkstatt gewann, ent­stand die Idee zu die­sem Film, der bei­läu­fig zeigt, wie hier Behinderung und Ermöglichung eine gro­ße Freiheit schaffen.

DOKKA dokKa-Preis der Stadt Karlsruhe
Duisburger Filmwoche: 3sat-Preis sowie eine loben­de Erwähnung der Arte-Jury
Nominiert für den Preis der deut­schen Filmkritik 2020

Verleih geför­dert durch:

 
Credits:

DE 2020, 106 Min.

Mit: Adolf Beutler, Suzy van Zehlendorf, Gabriele Beer, Till Kalischer, Nina Pfannenstiel u. a.
Regie, Kamera, Montage: Sabine Herpich

O‑Ton Schnitt, Mischung: Marilyn Janssen
Color Grading: Florian Lampersberger
Titel- und Plakatgestaltung: Ulrike Damm
Produktion: Sabine Herpich, Tobias Büchner

Freigegeben ohne Altersbeschränkunge (FSK Prüfkarte: pdf)

Termine:

ab 12. August 2021

 
Trailer:

Kunst kommt aus dem Schnabel wie er gewach­sen ist from Büchner Filmproduktion on Vimeo.

Fabian oder Der Gang vor die Hunde

ein Film von Dominik Graf. Ab 5.8. geplant.

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Berlin, 1931: Ein Ort zwi­schen Untermiete und Unterwelt, wo Bordelle Ateliers sind, Nazis auf den Straßen pöbeln und man in Babelsberg vom „psy­cho­lo­gi­schen Film“ träumt. Das Leben bro­delt, die Gesellschaft gärt, kor­ro­diert. Solange er noch Arbeit hat, ver­fasst der pro­mo­vier­te Germanist Jakob Fabian tags­über Werbetexte, nachts zieht er mit Stephan Labude durch die schrä­gen Etablissements der Stadt. Während sein Freund – er wird spä­ter beken­nen, „in den Fächern Leben und Beruf“ ver­sagt zu haben – ein Draufgänger in Sachen Kommunismus und Sex ist, bleibt Fabian nüch­tern und distan­ziert. Er war­tet auf den „Sieg der Anständigkeit“, ohne recht dar­an zu glau­ben. Nur die Liebe zu Cornelia lässt ihn an sei­nem iro­ni­schen Fatalismus zwei­feln. Sie wird zum Lichtblick in sei­nem zer­rin­nen­den Leben.
Erich Kästners tief­trau­ri­gen auto­bio­gra­fi­schen „Fabian“ – einen der bedeu­tends­ten Romane der Weimarer Republik – aus sei­nem Schattendasein zu holen, ist bei allen Parallelen zum ver­ma­le­dei­ten Heute eine Herausforderung. Dominik Graf meis­tert sie kon­ge­ni­al: spitz­fin­dig poin­tiert sein Stil, kalt­schnäu­zig flott, und doch von schweig­sa­mer Melancholie. Ein Film wie eine Diskokugel, die sich lang­sam dreht. Über den Zusammenhang von Geschlechtsverkehr und lee­rem Kühlschrank – und den Zerfall des Traums vom Glück.

Credits:

DE 2021, 176 Min.,
Regie: Dominik Graf
Kamera: Hanno Lentz
Schnitt: Claudia Wolscht
mit Tom Schilling, Saskia Rosendahl, Albrecht Schuch, Meret Becker, Michael Wittenborn


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FABIAN | TRAILER | Ab 05. August nur im Kino.
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Was sehen wir, wenn wir zum Himmel schauen?

Ein Film von Alexandre Koberidze.

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Eine zufäl­li­ge Begegnung vor den Toren einer Schule im geor­gi­schen Kutaissi. Lisa und Giorgi stol­pern inein­an­der, ein Buch fällt zu Boden. Sichtlich ver­wirrt ver­ab­re­den sie ein Date, ohne ein­an­der ihre Namen genannt zu haben. Es ist Liebe auf den ers­ten Blick, und wie ver­zau­bert fan­gen die Dinge an zu leben: Die Überwachungskamera wird zum bösen Auge, das Abflussrohr zum Orakel, Augen zu – und Gong! Über den Liebenden liegt ein Fluch, der sie dazu ver­dammt, am nächs­ten Tag mit einem ande­ren Aussehen zu erwa­chen. Doch gera­de die­se wun­der­sa­me Erschwernis ihrer Wiederbegegnung wird zur Eintrittskarte in eine Welt, in der nur noch der Zauber des Alltags herrscht – in schlich­ter Schönheit, mit zärt­li­cher Komik und einer Fußballbegeisterung, die Junge wie Alte und sogar den phleg­ma­ti­schen Straßenköter Vardy befällt.
Es ist die Poesie der Ziellosigkeit, die es Alexandre Koberidze, wie schon in Lass den Sommer nie wie­der kom­men, ermög­licht, im Kino all das sicht­bar und erzähl­bar zu machen, was wir in der Wirklichkeit unse­res Alltags nur sel­ten wahr­neh­men. Feuerzeuge raus! Denn die Nächte sind magisch, wie Gianna Nannini inbrüns­tig sin­gen darf in die­ser Perle von einem Film.

Credits:

Ras vkhe­davt, rode­sac cas vuku­rebt?
DE/GE 2021, 150 Minuten, geor­gisch mit dt. Untertiteln,
Regie: Alexandre Koberidze
Kamera: Faraz Fesharaki
Schnitt: Alexandre Koberidze
mit: Ani Karseladze, Giorgi Bochorishvili, Oliko Barbakadze, Giorgi Ambroladze, Vakhtang Panchulidze, Sofio Tchanishvili, Irina Chelidze, David Koberidze, Sofio Sharashidze

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Herr Bachmann und seine Klasse

Ein Film von Maria Speth.

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HERR BACHMANN UND SEINE KLASSE por­trä­tiert die Beziehung zwi­schen einem Lehrer und den Schüler*innen der 6. Jahrgangsstufe. In ein­neh­men­der Offenheit begeg­net Herr Bachmann den Kindern mit ihren unter­schied­li­chen sozia­len und kul­tu­rel­len Erfahrungen und schafft damit einen Raum des Vertrauens. Musik ist hier eine all­ge­gen­wär­ti­ge Sprache, die sich wie selbst­ver­ständ­lich um den zu absol­vie­ren­den Unterrichtsstoff legt. Anhand der sozia­len Beziehungen in der Klasse erzählt der Film ganz bei­läu­fig von den Strukturen einer klei­nen, west­deut­schen Industriestadt, deren Geschichte bis zurück in die NS-Zeit von Migration geprägt ist.

Der neue Dokumentarfilm der Berliner Regisseurin Maria Speth (MADONNEN, 9 LEBEN) fei­ert sei­ne Weltpremiere im Internationalen Wettbewerb der 71. Berlinale 2021.

Credits:

DE 2021, 217 Minuten, deut­sche Fassung,
Regie: Maria Speth
Buch: Maria Speth, Reinhold Vorschneider
Kamera: Reinhold Vorschneider
Schnitt: Maria Spethm
mit: Dieter Bachmann, Aynur Bal, Önder Cavdar und den Schüler*innen der Klassen 6 b und 6 f

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