Berlin Excelsior

Ein Film von Erik Lemke.

[Credits] [Termine] [Trailer]

Der anony­me Berliner Stahlbetonbau Excelsior ist für vie­le sei­ner Bewohner nur Zwischenhalt. Sehr bald schon soll das Leben bes­ser wer­den und jeder hilft sich auf sei­ne Art: Mit „Invisible Make-up” will der 49-Jährige Michael an frü­he­re Erfolge als Escort-Boy anknüp­fen. Claudias Zeit als Tänzerin ist zwar vor­bei, neue Fotos sol­len ihr jedoch den Weg zurück auf die Bühne ebnen. Norman will mit sei­nem Start-Up „ChangeU” ande­ren Menschen zum Glück ver­hel­fen, und sich selbst zu einem schi­cken Sportwagen. Kaum einem gelingt es, sich den Reizen der Erfolgsgesellschaft zu entziehen.

[nbsp]
Credits:
DE 2017, 87 Minuten,
Regie/Schnitt: Erik Lemke
Buch: Erik Lemke & André Krummel
Bildgestaltung: André Krummel 

[nbsp]
Termine:

  • noch kei­ne oder kei­ne mehr 

[nbsp]
Trailer:

BERLIN EXCELSIOR – Trailer (HD)

The Guilty

Ein Film von Gustav Möller.

[Credits] [Termine] [Trailer]

Asger Holm ist nicht für den Innendienst geschaf­fen, beson­ders nicht für die Notrufzentrale, wo etwas Einfühlungvermögen gefragt ist, Eigeninitiative hin­ge­gen nicht. Ein nicht näher erläu­ter­te Vorfall bei einem Einsatz hat den Polizist hier hin­ge­bracht, am nächs­ten Tag ist die Verhandlung und dann ist, so es sein soll, die­se Strafversetzung Geschichte. Seine Laune bes­sert das nicht. Als jedoch kurz vor Dienstende ein Anruf her­ein­kommt, der bei ihm einen inves­ti­ga­ti­ven Nerv trifft, reagiert er wie elek­tri­siert. Iben, eine von ihrem eige­nen Mann im Auto ent­führ­te Frau hat es trick­reich geschafft, die Notrufzentrale, und damit Asger, zu errei­chen. Jetzt muss vor­sich­tig und geschickt vor­ge­gan­gen wer­den, um das Fahrzeug zu orten, ihre Kinder, die offen­sicht­lich unbe­auf­sich­tigt zuhau­se sind, in Sicherheit zu brin­gen und Iben zu ret­ten. Gegen aus­drück­li­che Ansagen von Vorgesetzten mischt Asger sich per Telefon eigen­mäch­tig immer wei­ter in den Fall ein. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, aber ist alles so, wie Asger es sich vorstellt?
Der Thriller mit dem über­sicht­li­chem Setting, 2 Zimmer, das Telefon und der Polizist, ist Kopfkino im bes­ten Sinne: alles Geschehen aus­ser­halb die­ser Räume spielt sich nur vor dem inne­ren Auge der Zuschauer ab. Mit Bildern und Sequenzen, die im Film gar nicht vor­kom­men, wird ein eige­ner Film geschaf­fen – und damit sind wir gar nicht so weit weg von Asgers Überblick.

… der Film [schafft es] über einen lan­gen Zeitraum, die gesam­te Bandbreite der Emotionen zu ver­mit­teln und zugleich einen Diskursraum über Schuld und Vergebung und die Brüchigkeit des­sen, was wir als Wahrheit anneh­men, zu ver­mit­teln.“ Joachim Kurz | kino-zeit.de

[nbsp]
Credits:
Den skyl­di­ge
Dänemark 2017, 85 Min., dän. OmU
Regie: Gustav Möller
Kamera:Jasper J. Spanning
Schnitt: Carla Luff
mit: Jakob Cedergren

Termine:

  • noch kei­ne oder kei­ne mehr 

[nbsp]
Trailer:

Sandmädchen

Ein Film von Mark Michel.

[Credits] [Termine] [Trailer]

Veronika Raila ist Autistin und hat mehr­fach kör­per­lich schwe­re Behinderungen. Sie kann weder lau­fen noch spre­chen und doch wur­de ein Weg gefun­den, sich zu ver­stän­di­gen, Kommunikation ist seit­dem durch die Tastatur eines Computers mög­lich. Ihre Mutter steht neben ihrem Bett und stützt Veronikas Hand beim Schreiben. Als Kind attes­tier­ten ihr ihre Ärzte einen IQ von null. Es gab noch kei­ne Möglichkeit, zu kom­mu­ni­zie­ren. Doch im Laufe ihrer Entwicklung besuch­te sie bald das Gymnasium und stu­dier­te letzt­lich Literatur und Theologie. Inzwischen ver­fasst sie zumeist poe­ti­sche essay­is­ti­sche Texte, äußert ihre Gedanken und Gefühle, die von gro­ßer Sensibilität zeu­gen. Mark Michel, der mit Veronika zusam­men die­sen Film gemacht hat, beschreibt in einer adäqua­ten, bis­wei­len durch­aus meta­pho­ri­schen und asso­zia­ti­ven Form, ihr all­täg­li­ches und intel­lek­tu­el­les Leben. Auf die­se Art ver­su­chen bei­de, der Gesamtheit Veronikas Lebens gerecht zu werden.

Ich habe nur das Schreiben um mich mit­zu­tei­len, das Schreiben um mei­ne Gefühle und Gedanken aus­zu­drü­cken. Das Schreiben ist mei­ne Verbindung zur Außenwelt – hät­te ich die­ses Schreiben nicht wür­de ich in der Tiefe eines ver­ges­se­nen Brunnens sitzen.“
(Veronika Raila)
„Der Wind des Lebens formt mei­ne Körnchen immer wie­der neu.“ (Veronika Raila)

[nbsp]
Credits:
D 2017, 84 Min.
Buch: Mark Michel & Veronika Raila
Regie: Mark Michel
Kamera: Ines Thomsen
Schnitt: Andreas Baltschun, Mark Michel, Ed van Megen

Termine:

  • noch kei­ne oder kei­ne mehr 

[nbsp]
Trailer:

Girl

Ein Film von Lukas Dhont.

[Credits] [Termine] [Trailer]

Lara sieht aus wie eine jun­ge Frau, bewegt sich wie eine jun­ge Frau und hat Träume wie eine jun­ge Frau. Geboren wur­de sie aller­dings vor 15 Jahren als Victor. Zwei Ziele ver­folgt sie: eine pro­fes­sio­nel­le Ballerina wer­den, und eine Geschlechtsanpassung. Der Vater unter­stützt bei­de Vorhaben, aber ihre puber­täts­be­ding­te Ungeduld und Frustration lässt sie zuneh­mend ver­zwei­feln, zumal bei­de Träume sich gegen­sei­tig zu behin­dern schei­nen. Die stren­ge Disziplin in der renom­mier­ten Brüsseler Ballettschule, wo sie pro­be­hal­ber auf­ge­nom­men wird, und ihre man­geln­de Erfahrung („Mädchen fan­gen schon mit 12 mit dem Spitzentanz an“) machen Lara zu schaf­fen. Aus medi­zi­ni­schen Gründen muss sie zudem noch lan­ge auf die ersehn­te Operation war­ten, was für die Jugendliche beson­ders schwer zu ertra­gen ist. Dabei hat Lara auch Glück. Vater und Bruder unter­stüt­zen sie, und auch ihre sons­ti­ge Umgebung agiert vor­wie­gend posi­tiv, ver­ständ­nis- und rück­sichts­voll, abge­se­hen von weni­gen, puber­tä­ren und wahr­schein­lich unbe­ab­sich­tig­ten, schmerz­vol­len Demütigungen. Vordergründig dreht sich alles um den Körper und die Arbeit damit: um das Geschlecht, die Veränderungen, sexu­el­les Erwachen und immer wie­der um den Tanz und das eiser­ne Balletttraining. Mit der nöti­gen Sensibilität beob­ach­tet der Film jedoch prä­zi­se, mit­füh­lend und lie­be­voll vor allem die inne­re Spannung und Unsicherheit des Teenagers und den Weg zu einer dra­ma­ti­schen Entscheidung.
(Caméra d’Or für den bes­ten Erstlingsfilm in Cannes 2018)

Als strin­gent erzähl­tes Genderporträt kehrt Dhont den inne­ren Kon­flikt sei­ner Hauptfigur dank einer exzel­len­ten Besetzung glaub­wür­dig und ohne Extravaganzen nach außen.“ Matthias Manthe | filmstarts.de

Credits:
Belgien 2018, 105 Min., flä­misch, fran­zö­si­sche OmU
Regie: Lukas Dhont
Kamera: Frank van den Eeden
Schnitt: Alain Dessauvage
mit:
Victor Polster, Arieh Worthalter, Katelijne Damen

Termine:

  • noch kei­ne oder kei­ne mehr 

[nbsp]
Trailer:

 

Utøya 22. Juli

Ein Film von Erik Poppe.

[Credits] [Termine] [Trailer]

Neunundsechzig Menschen ermor­de­te der nor­we­gi­sche Rechtsextremist Breivik auf der Insel Utøya nahe Oslo am 22. Juli 2011. Fast alle waren Jugendliche und jun­ge Erwachsene, Teilnehmer eines Feriencamps der sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Partei Norwegens. Die Polizei brauch­te fast 90 Minuten, um den Neonazi zu stel­len. Er wider­set­ze sich der Festnahme nicht.
Erik Poppe läßt den Zuschauern durch sei­ne radi­kal sub­jek­ti­ve Herangehensweise die Möglichkeit, Abstand zum fil­mi­schen Geschehen zu neh­men und den Film abzu­leh­nen. Denen, die sich ein­las­sen, ermög­licht er, sich mit den Opfern emo­tio­nal zu soli­da­ri­sie­ren, wäh­rend die­ses Albtraums mit ihnen mitzufühlen.
Eine wich­ti­ge Motivation Poppes, den Film zu dre­hen, war die Aussage meh­re­rer Überlebender, dass es so unend­lich schwie­rig sei, über das Erlebte zu spre­chen. Gleichzeitig merk­ten vie­le, dass die Erinnerung der Menschen an die Tat ver­blasst. Das Drehbuch wur­de in Gesprächen mit Opfern des Massakers ent­wi­ckelt. Das Gesicht des Täters kennt jeder, sei­ne kran­ken Ansichten auf 1500 Seiten kön­nen im Internet ein­ge­se­hen wer­den. ‚Utøya 22. Juli‘ gibt den Opfern ein Gesicht.
Jetzt hät­ten die Hinterbliebenen die­sen Film, sagt eine jun­ge Frau, die dem Massaker ent­kam, auf der Berlinale. „Ihr wer­det es nie ver­ste­hen. Aber schaut zu!”

Warum über­haupt so ein Film?, wird Poppe gefragt. „Als Teil des Heilungsprozesses“, für die Betroffenen, für Norwegen. Viele hät­ten ihm berich­tet, sie könn­ten das Erlebte bis heu­te kaum erzäh­len. Den Film fin­den sie hilf­reich: Jetzt kön­nen sie sagen, schau ihn dir an und wir reden danach. Manche mei­nen, es ist zu früh. Aber wenn man war­tet, bis ihn nie­mand mehr zu früh fin­det, kommt der Film zu spät, ergänzt Andrea Berntzen, die groß­ar­ti­ge, muti­ge Darstellerin der Kaja. Seine Wahrhaftigkeit ver­dankt der Film nicht zuletzt ihr.“ (Christiane Peitz, Tagesspiegel)


[nbsp]

Credits:
U – July 22
Norwegen 2018, norw. OmU, 90 Min., frei­ge­ge­ben ab 12 jah­re (FSK)
Regie: Erik Poppe
Kamera: Martin Otterbeck
Schnitt: Einar Egeland

mit: Andrea Berntzen
Aleksander Holmen
Brede Fristad
Elli Rhiannon Müller Osbourne 

Termine:

  • noch kei­ne oder kei­ne mehr 

[nbsp]

Trailer:

Utøya 22. Juli | Offizieller Trailer Deutsch HD | Jetzt im Kino

A Woman captured – Eine gefangene Frau

Ein Film von Bernadett Tuza-Ritter.

[Credits] [Termine] [Trailer]

Ursprünglich woll­te Bernadett Tuza-Ritter nur ein Portrait der Hausangestellten Marish dre­hen. Was sie dann aber vor­fin­det, sind unvor­stell­ba­re Bedingungen, unter denen die 52-jäh­ri­ge arbei­tet: moder­ner Sklavenhandel, mit­ten in Europa – und das gibt es viel öfter, als man denkt. Der Global Slavery Index (Weltweite Erfassung von Sklaverei) aus dem Jahre 2016 schätzt, dass der­zeit 1,2 Millionen Menschen in Europa von einer der Ausformungen moder­ner Sklaverei (Zwangsarbeit, häus­li­che Knechtschaft, Prostitution) betrof­fen sind.
Die Regisseurin beob­ach­tet Marishs Leben über meh­re­re Monate, stets kon­trol­liert von Eta, der „Arbeitgeberin“. Marish erkennt die Chance, die der Film ihr bie­tet, und so wird aus der Observation mit der Kamera eine kon­kre­te Konspiration.

Credits:
HU 2017, 89 Min., ungar. OmU,
Regie, Buch, Kamera, Schnitt: Bernadett Tuza-Ritter

Termine:

  • noch kei­ne oder kei­ne mehr 

[nbsp]
Trailer:

 

Leave no Trace

Ein Film von Debra Granik.

[Credits] [Termine] [Trailer]

Es war mein Lieblingsfilm beim FF München, und gleich­zei­tig eine Wiederentdeckung. Wer erin­nert sich noch an Winter’s Bone, der 2010 im Forum der Berlinale und danach beim Kinostart Furore mach­te, und das nicht nur wegen der zur Drehzeit noch unbe­kann­ten Hauptdarstellerin Jennifer Lawrance. Im neu­en Film von Regisseurin Debra Granik lebt der ver­wit­we­te Will mit sei­ner Tochter soweit abseits der Zivilisation, wie es mög­lich ist. Verbotenerweise rich­ten sie sich in den Nationalparks Oregons ein und leben von dem, was dort zu bekom­men ist. Als Tom eines Tages von einem Jogger gese­hen und gemel­det wird, ist das freie Leben zu Ende. Der Versuch, bei­de wie­der in die Gesellschaft ein­zu­glie­dern, stößt beim Vater auf Widerstand, für die Jugendliche erscheint der Kontakt mit der Außenwelt jedoch reiz­vol­ler als der an Reizen nicht arme Wald. Granik ist ein respekt- und lie­be­voll gezeich­ne­tes Bild einer Verweigerung und der mit einer schmerz­haf­ten Trennung ver­bun­de­ne Ablösung der Tochter gelungen.
Leave no Trace ist ein intel­li­gent kon­stru­ier­tes, kom­plex geschrie­be­nes und tief berüh­ren­des Vater-Tochter-Drama, das viel über Amerika erzählt.“ Carsten Baumgardt, filmstarts.de
Da der Verleih Leave no Trace sehr kurz­fris­tig ins Kino brach­te, konn­ten wir ihn nicht mit­star­ten, möch­ten unse­ren Gästen die­se schö­ne Filmerfahrung auch spä­ter noch ermöglichen.

Credits:
US 2018, 109 Min., engl. OmU, 
Regie: Debra Granik
Kamera: Michael McDonough
Schnitt: Jane Rizzo
mit: Thomasin McKenzie, Ben Foster, Jeff Kober, Dale Dickey

Termine:

  • noch kei­ne oder kei­ne mehr 

[nbsp]
Trailer:

Waldheims Walzer

Ein Film von Ruth Beckermann.

[Credits] [Termine] [Trailer]

Der neue Film von Ruth Beckermann (zuletzt lief Die Geträumten bei uns im Kino). Seit 1991 ist sie mit Nach Jerusalem, Jenseits des Krieges u. a. Werken immer wie­der Gast des Forums der Berlinale. Auch Waldheims Walzer hat­te dort sei­ne Premiere. Kurt Waldheim, das ist lan­ge her, 1986 kam die Affäre um sei­ne NS Vergangenheit (er war auch SA Mitglied gewe­sen), ins Rollen. Ausgerechnet wäh­rend des Wahlkampfs für das Amt des öster­rei­chi­schen Bundespräsidenten, mit dem Waldheim sei­ne Bilderbuchkarriere als Nachkriegspolitiker zu krö­nen beab­sich­tig­te. Österreich wähn­te sich ja immer von den Nazis okku­piert, also waren Österreicher Opfer und damit unschul­dig an den NS Verbrechen (bis auf Hitler viel­leicht). Anhand von klug aus­ge­wähl­tem, inter­na­tio­na­lem Archivmaterial rekon­stru­iert die­ser doku­men­ta­ri­sche Essay den Verlauf der hit­zi­gen Debatte, ob’s viel­leicht doch Täter gab, ob Waldheim einer war, mit­schul­dig an Kriegsverbrechen. Im Juni 1986 wur­de Waldheim Bundespräsident und voll­ende­te sei­ne glanz­vol­le Karriere wie gewünscht. Zu den Positionen der ver­schie­de­nen Akteure – Ausschnitte aus Pressekonferenzen des Jüdischen Weltkongresses, Debatten in der UN-Generalversammlung, Anhörungen im US-Kongress sowie Verlautbarungen der Österreichischen Volkspartei und ihres Kandidaten – gesellt sich der sub­jek­tiv-ana­ly­ti­sche Kommentar von Ruth Beckermann. Darüber hin­aus ist sie auch mit selbst gedreh­ten Videoaufnahmen prä­sent, Dokumente der Gegenöffentlichkeit, die Anti-Waldheim-Aktionen und Streitgespräche mit anti­se­mi­tisch auf­tre­ten­den, res­sen­ti­ment­ge­la­de­nen Passanten zei­gen. Hetze, Verleumdung, Medienschelte und das Leugnen von Tatsachen bre­chen sich hier Bahn.

[nbsp]
Credits:
Österreich 2018, Deutsch, Englisch, Französische OmU
93 Min.
Regie, Buch: Ruth Beckermann
Schnitt: Dieter Pichler
[nbsp]
Termine:

  • noch kei­ne oder kei­ne mehr 

[nbsp]
Trailer:

Waldheims Walzer Trailer

Ava

Ein Film von Léa Mysius.

[Credits] [Termine] [Trailer]

Sommer, Sonne, Sand und Meer – einen Traumurlaub möch­te die Mutter ihrer Tochter noch bie­ten, bevor die­se lang­sam, aber sicher ihr Augenlicht ver­lie­ren wird. Da die Mutter mit ihrer klei­nen Baby-Schwester und ihrem Urlaubsflirt dann doch zu beschäf­tigt ist, stromert Ava allei­ne her­um und lässt sich gefähr­li­che nicht-mehr-Sehen-kön­nen-Übungen ein­fal­len. An einem typisch beleb­ten und vol­len Familienstrand macht sie Bekanntschaft mit einem gro­ßen, schwar­zen Hund, als der ihre Pommes Frites vom Bauch frisst. Noch mehr fas­zi­niert sie des­sen Besitzer Juan, ein jun­ger Mann mit Outsider-Flair. Ava hef­tet sich an sei­ne Fersen, bis er sie schließ­lich akzep­tiert. Gemeinsam machen sie sich dar­an, die Welt aus den Angeln zu heben, und das geht auch hier nicht ohne Tanz ab.

Ein dif­fu­ser Fatalismus liegt über die­sem Film, eine Traurigkeit, die viel mehr öff­net als sie blo­ckiert – sie schiebt sich in das Abenteuer der Jugend, ver­dun­kelt es aber nicht, im Gegenteil, macht es nur umso aben­teu­er­li­cher. Reiches Sehen, flüch­ti­ges Sehen. AVA ist kein Film, der sich in einen tra­gi­schen Prozess begibt; er ist ein Film, der sehen will, so viel wie nur mög­lich: die Opulenz der ers­ten Einstellung, die Augen der ande­ren, Urlaubslieben am Strand, das von der Waffel tropfen­de Eis, der aus dem Hotdog trop­fen­de Senf. Flirts: Haut, Augen, Genitalien. Sonne, Schatten, Sand, jun­ge Körper in Bewegung, oft allei­ne, sich lösend, Zweisamkeit suchend, fin­dend, nicht fin­dend – das Kino Éric Rohmers. …
Ava von Léa Mysius dürf­te der schöns­te Film der diesjähri­gen Filmfestspiele in Cannes (2017) gewe­sen sein.”
Lukas Stern | critic.de

[nbsp]
Credits:
Frankreich 2017, 105 Min., frz. OmU
Regie: Léa Mysius
Kamera: Paul Guilhaume
Schnitt: Pierre Deschamps
mit: Noée Abita, Juan Cano, Laure Calamy

Termine:

  • noch kei­ne oder kei­ne mehr 

[nbsp]
Trailer:

[nbsp]

Alles ist gut

Ein Film von Eva Trobisch.

[Credits] [Termine] [Trailer]

Janne fährt in ihre alte Heimat und trifft auf ihrem Klassentreffen alte Freunde. Dabei lernt sie Martin ken­nen und ver­bringt mit ihm den Abend. Sie nimmt ihn mit nach Hause, wo er sie bedrängt und sexu­ell über­grif­fig wird. Konfrontiert mit die­ser sexu­el­len Gewalt lässt Janne weder Empörung noch Wut, aber auch kei­ne Niedergeschlagenheit oder Depression zu. Stattdessen gibt sie sich viel Mühe, alles zu ver­drän­gen und doch lässt sich eine Zäsur, was das Geschehene für ihr Leben bedeu­tet, auf Dauer nicht ver­leug­nen. Der Film schil­dert ganz kon­kret das Leben danach und lässt auf uner­klär­li­che und wun­der­sa­me Weise, qua­si durch die Lebensentwürfe der Protagonisten hin­durch, Universelles immer wie­der anklin­gen. Der Schluss, wenn nichts mehr geht und es ein­fach ste­hen bleibt, spricht da in sei­ner Symbolhaftigkeit Bände. Und das Schöne ist: Es braucht die­ses Symbol über­haupt nicht, um Janne zu ver­ste­hen, wenn sie end­lich einen trot­zi­gen Widerstand zulässt.

Eva Trobisch gebührt gro­ße Hochachtung für ihre insze­na­to­ri­sche Leistung, wobei sie das Drehbuch so klug erdacht hat, dass genug Raum für Improvisationen blieb, was neben dem rea­lis­ti­schen Effekt auch dem Ensemble das groß­ar­ti­ge Spiel ermög­licht.” (programmkino.de)

[nbsp]

Credits:
Deutschland  2018, 93 Min.
Regie: Eva Trobisch 

Kamera: Julian Krubasik 
Schnitt: Kai Minierski 
mit:
Aenne Schwarz , Andreas Döhler , Hans Löw , Tilo Nest , Lisa Hagmeister , Lina Wendel

Termine:

  • noch kei­ne oder kei­ne mehr 

[nbsp]
Trailer: