Nafisa (15) lebt in einem traditionellen Baumwolldorf im Sudan. Sie hat Sommerferien und muss mit ihren Freundinnen bei der Baumwollernte ihrer Großmutter helfen. Außerdem ist sie zum ersten Mal verliebt – in einen Jungen aus dem Dorf. Ihre Großmutter Al-Sit, die geachtete Matriarchin, hält die Fäden des Dorfs fest in ihren Händen und gibt ihr Wissen an Nafisa weiter. Die Ankunft von Nadir, einem jungen sudanstämmigen Geschäftsmann aus dem Ausland, droht das Leben des Dorfs durch neue Technologien im Baumwollanbau zu erschüttern. Nafisas Eltern wittern die Chance, ihre Tochter mit Nadir zu verheiraten und so den Wohlstand der Familie zu vergrößern. Doch das letzte Wort über Nafisas Zukunft – ob sie beschnitten wird und wen sie heiraten darf – hat Al-Sit. „Trotz der sich wandelnden politischen und kulturellen Realitäten gibt es kaum filmische Darstellungen sudanesischer Frauen. Die kurze Phase der Zivilregierung zwischen 2019 und 2021 brachte wichtige Reformen wie das Verbot der weiblichen Beschneidung und die Anhebung des Heiratsalters – Themen, die den Film durchziehen.“ Suzannah Mirghani
Credits:
DE, FR, PS, QA, SA, SD 2025, 93 Min., arab. OmU Regie: Suzannah Mirghani Kamera: Frida Marzouk Schnitt: Amparo Mejías, Simon Blasi, Frank Müller mit: Mihad Murtada, Rabha Mohamed Mahmoud, Talaat Fareed, Haram Bisheer, Mohamed Musa, Hassan Kassala
In a cotton-farming village in Sudan, teenage Nafisa is raised on heroic tales of battling British colonizers told by her grandmother, the village matriarch Al-Sit. But when a young businessman arrives from abroad with a new development plan and genetically engineered cotton, Nafisa becomes the center of a power play to determine the future of the village. Awakening to her own strength, Nafisa sets out to save the cotton fields – and herself. Neither she nor her community will ever be the same again.
Ein Film für alle, die gute Gerichtsfilme lieben, hinter die Kulissen bei Sorgerechtsprozessen gucken wollen, Ungerechtigkeiten auf der Spur sind und/oder Emphatie für diejenigen verspüren, die bei einer Anhörung verzweifeln, weil sie nicht verstehen, warum ihnen nicht geglaubt wird, und dabei doch so viel auf dem Spiel steht. Klug als Kammerspiel aufgebaut und vielschichtig, enthüllt Wir glauben Euch nach und nach was geschehen ist und worum es geht. Die Spannung im kleinen Gerichtssaal steigt mit den ruhigen Fragen der Richterin und den Schilderungen der Parteien, unterstützt von den rhetorisch gewandten Anwält*innen (die von echten Profis gespielt werden). Alice wurde mit ihren Kinder ins Gericht geladen, da ihr geschiedener Mann, gegen den in einem anderen Verfahren wegen Mißbrauchs verhandelt wird, ihr Sorgerecht anficht und ihr Verhalten als Mutter in Frage stellt. „Präzise fokussiert, dicht geschrieben und makellos gespielt, ist der Film so spannend wie jeder spektakuläre Thriller. Die Wirkung wird durch die Auseinandersetzung mit einem Rechtssystem verstärkt, in dem Opfer darum kämpfen, gehört und geglaubt zu werden. … Devillers und Dufeys verschwenden keine Minute der knappen Laufzeit. Jede Rolle ist hier gut besetzt, mit einem bemerkenswerten Beitrag von Natali Broods als vorsitzende Richterin. Sie sagt wenig, doch jeder Blick, jede Unterbrechung und jede sanfte Mahnung zeugen von ihrer Absicht, fair zu urteilen. Dies ist ein kraftvolles Drama darüber, warum Opfern Glauben geschenkt werden muss und warum Kinder bei jeder Entscheidung über ihre Zukunft angehört werden müssen.“ Allan Hunter | Screendaily
Credits:
On vous croit BE 2025, 78 Min., frz. OmU Regie: Charlotte Devillers , Arnaud Dufeys Kamera: Pépin Struye Schnitt: Nicolas Bier
Today, Alice stands before a judge, knowing there is no room for error. She must speak up for her children and confront their father, as her custody is being called into question. Can she make their voices heard and protect them before it is too late?
Credits:
On vous croit BE 2025, 78 Min., frz. OmU Regie: Charlotte Devillers , Arnaud Dufeys Kamera: Pépin Struye Schnitt: Nicolas Bier mit: Myriem Akheddiou, Laurent Capelluto, Natali Broods, Ulysse Goffin, Adèle Pinckaers
Rose war der Film aus dem Wettbewerb der diesjährigen Berlinale, über den wohl im positiven Sinn am meisten gesprochen wurde, und das nicht nur wegen der verdient mit dem Silbernen Bären auszeichneten Hauptdarstellerin Sandra Hüller. Die dritte Regiearbeit des österreichischen Schauspielers und Casting-Direktors Markus Schleinzer ist zugänglicher als die beiden vorherigen Filme Michaelund Angelo, aber immer noch faszinierend eigen. Dafür sorgen neben den grobkörnigen schwarz-weiß Bildern und der moritatenhaften Führung auch seine ökonomische Erzählweise. „In der Hose war mehr Freiheit und es ist ja nur ein Stück Stoff. Da bin ich in die Hose“ erklärt Rose am Ende vor Gericht, aber ganz so einfach war es doch nicht. Nach 10 Jahren als Soldat im Feld des 30-jährigen Krieges erhebt sie, mit gültigen Papieren, in einem protestantischen Dorf Anspruch auf einen verlassenen Gutshof. Misstrauisch beäugt wird dieser merkwürdige Fremde von Beginn an, beweist jedoch Mut und Zähigkeit und schafft erstaunliches: der Hof wird rentabel, die Menschen arbeiten gerne dort. Doch erst die Ehe mit Suzanna, der Tochter des Großgrundbesitzers, verschafft die gewünschte Anerkennung. Ein großes Risiko, das sich für kurze Zeit wundersam in eine Art Glück verwandelt. „Basierend auf historischen Berichten über Frauen (oder transidentitären Personen), die sich unter anderem für den Zugang zu Arbeit, Militärdienst, Verdienstquellen und dem Ausleben lesbischen Begehrens als Mann ausgaben, entwirft Markus Schleinzer die Geschichte einer „Weibs-Person“, die die Grenzen ihres Geschlechts überwindet und sich eine eigene Biografie erfindet. Der Name der Protagonistin erinnert an eine reale Figur der Vergangenheit: Catharina Margaretha Linck oder Anastasius Lagrantinus Rosenstengel, wie sie sich selbst nannte. Rosenstengel kämpfte als Soldat bei den Truppen des Kurfürstentums Hannover und im Spanischen Erbfolgekrieg. 1720 wurde sie, nicht etwa wegen Betrugs, sondern wegen Unzucht mit einer anderen Frau, zum Tode verurteilt. Schleinzer erzählt Roses Geschichte nicht als Historienfilm, sondern als hochkonzentriertes Frauenporträt, das zwischen Fiktion und historischer Genauigkeit changiert. Hier sind kein Wort und keine Geste zu viel.“ Esther Buss | Filmdienst
Berlinale: Silberner Bär für Sandra Hüller als beste Darstellerin
Als direkte Aktion werden Aktionsformen des Protests bezeichnet, bei denen die Beteiligten selbst tätig werden, um ihre Interessen unmittelbar durchzusetzen. DIRECTACTIONzeichnet ein Porträt von einer der bekanntesten militanten Aktivist*innengruppen, die derzeit in Frankreich für Veränderungen kämpft: ein 150 Personen umfassendes, ländliches Kollektiv, das sich 2018 erfolgreich gegen ein internationales Großflughafenprojekt auf französischem Boden wehrte und dazu von 2012 bis 2018 eine autonome Zone besetzt hielt, die es gegen mehrere gewaltsame Räumungsversuche durch den Staat verteidigte und das 2021 eine neue ökologische Bewegung ins Leben rief. Mit einem kollaborativen und immersiven Beobachtungsansatz dokumentiert der Film den Alltag eines vielfältigen Ökosystems aus Aktivist*innen, Hausbesetzer*innen, Anarchist*innen, Landwirt*innen und von der Regierung als Öko-Terrorist*innen diskreditierten Personen. Kann der Erfolg einer radikalen Protestbewegung einen Weg aus der Klimakrise weisen?
Credits:
DE/FR 2024, 216 Min., Französisch, Marokkanisch-Arabisch, Englisch OmU Regie & Schnitt: Guillaume Cailleau & Ben Russell. Kamera: Ben Russell
Direct action is a tactical strategy of protest that seeks to achieve an end directly and by the most effective means. DIRECTACTION is a contemporary portrait of one of the most high-profile militant activist communities in France: a 150-person strong rural collective that successfully resisted an international airport expansion project in 2018, created an autonomous zone between 2012 and 2018, survived multiple violent eviction attempts by the French state and spawned a new ecological movement in 2021. Using a collaborative and immersive observational approach, the film documents the everyday lives of a diverse ecosystem of activists, squatters, anarchists, farmers and those labelled by the government as “eco-terrorists”. Can the success of a radical protest movement offer a path through the climate crisis?
Credits:
DE/FR 2024, 216 Min., Französisch, Marokkanisch-Arabisch, Englisch OmU Regie & Schnitt: Guillaume Cailleau & Ben Russell. Kamera: Ben Russell
Barbara Loden erzählt in ihrem einzigen Spielfilm WANDA von einer Frau, die scheinbar ziellos durch das ländliche Pennsylvania zieht. Nachdem sie ihren Mann und ihre Kinder verlassen hat, treibt Wanda von Ort zu Ort, von Begegnung zu Beziehung, durch soziale und emotionale Randzonen. Als sie sich einem Kleinkriminellen anschließt, scheint sie ihre bisherige Existenz vollkommen hinter sich zu lassen, bis ein missglückter Banküberfall ihr Leben abermals in eine andere Richtung lenkt…
Barbara Loden, die Regie führte, das Drehbuch schrieb und selbst die Hauptrolle verkörperte, entwirft mit einer fast dokumentarischen Bildsprache ein radikal offenes Porträt weiblicher Existenz. Wanda ist eine Antiheldin jenseits von Opfermythen, Emanzipationsfantasien oder moralischen Bewertungen. Als leise, unbequeme Gegenstimme zum männlich dominierten New-Hollywood-Kino wirkt WANDA noch heute erstaunlich aktuell und beeinflusste zahlreiche Regisseur*innen und Schauspieler*innen wie Isabelle Huppert, Nan Goldin, Marguerite Duras oder Christian Petzold. Ein Stück zeitloses Kino über weibliche Existenz, Sichtbarkeit und radikale kreative Autonomie, aus einer Zeit, in der Regisseurinnen noch die Ausnahme waren.
Credits:
US 1970, 103 Min., engl. OmU Regie: Barbara Loden Kamera, Schnitt: Nicholas T. Proferes mit: Barbara Loden, Michael Higgins, Dorothy Shupenes, Peter Shupenes, Jerome Thier, Marian Thier u. a.
Trailer:
Wanda (offizieller Trailer) | Ein Film von Barbara Loden | Ab 09. April zum ersten Mal im Kino
Wanda Goronski, an unhappy housewife from rural eastern Pennsylvania, stays on her sister’s couch after leaving her husband. After walking across a coal field and hitching a ride, she arrives late to a divorce court hearing, relinquishes her rights to her children, and grants her husband a divorce.
After losing her job at a sewing factory, Wanda runs away with a man she had a one-night stand with, only for him to abandon her at an ice cream shop. Nearly penniless, she takes a nap in a movie theater, where she is robbed while asleep. Desperate, she goes to a bar to use the restroom and clings to an older man she mistakes for the bartender. The man, Norman Dennis, is a criminal in the process of robbing the bar. Unable to shake Wanda off, he takes her on the run with him. Even after learning about his criminal lifestyle, Wanda decides to stay with Norman, whom she calls „Mr. Dennis.”
Wanda spends some time on the road with Norman, during which he becomes physically and emotionally abusive. He sends her to a mall to shop for new clothes while he robs cars in the parking lot. Later, they visit the Holy Land USA theme park, where Norman meets his Evangelical Christian father, to whom he shows unusual courtesy and respect. Afterward, Norman convinces Wanda to act as his lookout for a kidnapping and bank robbery. The robbery goes wrong, and Norman is shot and killed in the lobby. Wanda arrives late and watches from the street as police swarm the scene and onlookers gather.
Once again alone, Wanda hitchhikes with a man who attempts to sexually assault her. She escapes and flees through the woods. At nightfall, she stumbles upon a backwoods roadhouse, where strangers offer her food, alcohol, and cigarettes.
Credits:
US 1970, 103 Min., engl. OmU Regie: Barbara Loden Kamera, Schnitt: Nicholas T. Proferes mit: Barbara Loden, Michael Higgins, Dorothy Shupenes, Peter Shupenes, Jerome Thier, Marian Thier u. a.
Trailer:
Wanda (offizieller Trailer) | Ein Film von Barbara Loden | Ab 09. April zum ersten Mal im Kino
LUISA ist vor kurzem von zu Hause ausgezogen und neugierig, was das Leben für sie bereithält. Sie liebt Partys, ist für jeden Spaß zu haben, lässt sich auf Flirts und kleine Abenteuer ein. Sie lebt in der Wohngruppe einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung am Rande einer deutschen Kleinstadt. Dort erhält sie Unterstützung in ihrem oft turbulenten Alltag. Unbemerkt wird Luisa zunehmend stiller, in der Wohngruppe geht das alltägliche Leben weiter, bis unerwartet festgestellt wird, dass Luisa schwanger ist. Luisa selbst sagt nicht, wie das passiert ist, sie schweigt. Jede und jeder weiß, dass ihr Freund Anton nicht zeugungsfähig ist. Der Verdacht auf sexuellen Missbrauch liegt nahe. Luisa entschließt sich, die Schwangerschaft abbrechen zu lassen.
„Ziel war es, die Erzählung um Luisa und ihre Auseinandersetzung mit den Grenzverletzungen, die ihr zustoßen, möglichst einfühlsam und respektvoll zu umkreisen. Parallel sollte die häufig verborgene Lebenswelt von Menschen mit Behinderung in jener machtvollen Institution gezeigt werden, die sie eigentlich beschützen soll, aber zugleich bedrohlich für ihre körperliche Integrität und ein selbstbestimmtes Leben ist. Denn wie können wir szenisch und visuell abbilden, dass die Strukturen der Heimunterbringung Missbrauch in solchem Maße ermöglichen, also Institutionen, die Schutz für ausgerechnet die vulnerabelsten Menschen in der Gesellschaft versprechen und nicht halten können? Und wie können wir als Gesellschaft das verändern? Für den Dreh war es wichtig, einen inklusiven Cast an unserer Seite zu haben, mit dem all diese Fragen diskutiert werden konnten, um möglichst wenige Stereotype über Menschen mit Behinderung zu reproduzieren und natürlich auch die Perspektive von Menschen mit Behinderung sichtbar zu machen.“ Julia Roesler
Credits:
DE 2025, 94 Min., Deutsche OmeU Regie: Julia Roesler Kamera: Frank Amann Schnitt: Anne Jünemann mit: Celina Scharff, Trixi Strobel, Dennis Seidel, Eva Löbau, Bernd Hölscher, Katharina Bromka, Hadi Khanjanpour, Martin Schnippa, Peter Lohmeyer
Audiodeskriptionen, Untertitel und Hörverstärkung mit der Greta App
Luisa lives in a residential group at a facility for people with disabilities on the outskirts of a small German town. It is unexpectedly discovered that she is pregnant. Everyone knows that her boyfriend, Anton, is infertile. The suspicion of sexual abuse is evident. Luisa decides to terminate the pregnancy. The police are called in to determine whether a crime has been committed. The investigation becomes a test of endurance for Luisa, her relationship with Anton, and for the entire staff at the residential facility.
Credits:
DE 2025, 94 Min., Deutsche OmeU Regie: Julia Roesler Kamera: Frank Amann Schnitt: Anne Jünemann mit: Celina Scharff, Trixi Strobel, Dennis Seidel, Eva Löbau, Bernd Hölscher, Katharina Bromka, Hadi Khanjanpour, Martin Schnippa, Peter Lohmeyer
Am Strand des Senegals schippert ein Boot vor sich hin, in ihm Kinder mit Rettungswesten. Man könnte an den Beginn einer riskanten Reise über den Atlantik, hin zu den verklärten Gestaden Europas denken, doch die Wirklichkeit ist banaler: Ein Film wird hier gedreht, die deutsche Schauspielerin Maja (Maren Eggert) spielt Medea, jene klassische Frauenfigur aus der antiken Tragödie, die in einem fremden Land belogen und betrogen wird und schließlich Mann und Kinder tötet.
Aus irgendeinem Grund hielt es ihre Regisseurin Caroline (Nathalie Richard) für eine gute Idee, diese Geschichte nun im Senegal anzusiedeln, fast alle Rollen außer Medea mit Schwarzen zu besetzen – so auch Medeas gegenüber Jason, der vom französisch-senegalesischen Schauspieler Nourou (Jean-Christophe Folly) gespielt wird.
Wie eine Kolonialherrin führt sich Caroline am Set auf, schreit und wütet, wenn etwas nicht so läuft, wie sie sich das vorgestellt hat. Dass gleichzeitig die Komparsen schlecht behandelt werden und nicht zum Catering zugelassen sind, stört sie dagegen kaum.
Wie sich das für Dreharbeiten gehört, haben die beiden Hauptdarsteller eine Affäre, während Maja per Zoom-Call mit ihrem offensichtlich zunehmend entfremdeten Mann (Hans Löw) über die Erziehung des Kindes spricht.
Monate später, der sonnige Senegal wurde mit dem tristen Berlin ausgetauscht, es ist Februar, auf der Berlinale wird der Film Premiere haben. Bei der Ankunft in seinem Hotel fühlt sich Nourou vom Portier rassistisch beleidigt, doch es ist Maja, die auf einer Entschuldigung besteht und schließlich für die Entlassung des – polnischen – Mitarbeiters sorgt. Auch die Affäre der Beiden ist vorbei, war vielleicht nur am Set möglich, vielleicht auch nur in der Fremde, in der exotischen Umgebung.
Vor gut 15 Jahren war Ulrich Köhler mit seinem Film „Schlafkrankheit“ selbst bei der Berlinale zu Gast, ein semi-autobiographischer Film, in dem der Autor und Regisseur Erfahrungen aus seiner Kindheit thematisierte, als er zusammen mit seinen Eltern in Afrika lebte. Auch damals spielte Jean-Christophe Folly eine Hauptrolle und erlebte in einem Berliner Hotel eine ähnliche Szene, wie sie nun die von ihm gespielte Figur Nourou erlebt.
Dieser Moment war für Köhler einer der Ausgangspunkte seines neuen Films, noch viel mehr aber manche Diskussion, die über die Berechtigung eines Films wie „Schlafkrankheit’“ entstand, ein von einem weißen Regisseur, mit einem hauptsächlich weißen Team in Afrika gedrehter Film. Seitdem hat sich die Diskussion über das, was Allgemein als Kulturelle Aneignung bezeichnet wird, keineswegs entspannt, selbst ein Film wie Köhlers wird von manchen als problematisch betrachtet. Und das obwohl dieser gar nicht dezidiert von Schwarzen erzählt, sondern gerade von oft ignoranten Weißen, die mit den Begebenheiten Afrikas kaum vertraut sind. Aber solche Feinheiten gehen in einer oft populistisch geführten Diskussion bekanntermaßen oft unter.
Actors Maja and Nourou have an affair while shooting a modern adaptation of Medea in Senegal, but things take a dark turn after the film’s premiere. An unflinchingly complex look at racial tensions, filmmaking and power dynamics.
In Dakar, during the making of a modernist take on the Medea myth, fellow actors Maja and Nourou start an affair to ease the pressures on set and the piercing feelings of loneliness. Once the shoot is over, they meet again only for the premiere in Berlin – which turns into a disaster when the press questions the film projecting a European narrative onto a former colony.
The word ‘gavagai’ originates from a thought experiment by philosopher and logician W.V. Quine, who suggested that translation is inextricably tied to context – without it, everything can theoretically mean everything. Berlin School outlier Ulrich Köhler (In My Room, IFFR 2019) turns this idea into an essay on our modern society in which appearance is everything and all is ruled by the laws of clickbait. Köhler refuses to give into the laziness, frustration and anger that is so prevalent in today’s media and art discourse. One of the most politically pertinent films of the year.
Regisseurin Lea Hartlaub unternimmt in ihrem filmischen Essay anhand eines Objekts – der Giraffe – eine Welterzählung über Kontinente und Jahrhunderte hinweg. Ein Filmexperiment, das international viel Beachtung gefunden hat und in Form und Inhalt seinesgleichen sucht.
In einer puristischen Filmsprache und bühnenhaften Tableaus erzähltSRvom Menschen und von durch ihn geschaffene Wirklichkeiten. 16 fragmentarische Episoden führen in 91 Einstellungen an 30 Handlungsorte – unter anderem auf eine Insel im Westpazifik, in einen Lesesaal in New York, zu einer Keramikfabrik bei Peking, auf eine Landebahn im Niger. Dabei trifft der Film auf Vermutungen, Behauptungen und die Relativität von Wissen, auf koloniale Relikte, hegemoniale Strukturen, auf Aneignungen und den Umgang mit Exotik. Ein wiederkehrendes Motiv, die Giraffe, erscheint mal direkt, mal am Rande. Eine Vielschichtigkeit entsteht, in der sich weit mehr andeutet, als das, was auf den ersten Blick sichtbar wird.
Regisseurin Lea Hartlaub unternimmt in ihrem filmischen Essay anhand eines Objekts – der Giraffe – eine Welterzählung über Kontinente und Jahrhunderte hinweg. Ein Filmexperiment, das international viel Beachtung gefunden hat und in Form und Inhalt seinesgleichen sucht.
In einer puristischen Filmsprache und bühnenhaften Tableaus erzähltSRvom Menschen und von durch ihn geschaffene Wirklichkeiten. 16 fragmentarische Episoden führen in 91 Einstellungen an 30 Handlungsorte – unter anderem auf eine Insel im Westpazifik, in einen Lesesaal in New York, zu einer Keramikfabrik bei Peking, auf eine Landebahn im Niger. Dabei trifft der Film auf Vermutungen, Behauptungen und die Relativität von Wissen, auf koloniale Relikte, hegemoniale Strukturen, auf Aneignungen und den Umgang mit Exotik. Ein wiederkehrendes Motiv, die Giraffe, erscheint mal direkt, mal am Rande. Eine Vielschichtigkeit entsteht, in der sich weit mehr andeutet, als das, was auf den ersten Blick sichtbar wird.
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