Die japanische Starmoderatorin Yoko moderiert ein in ihrer Heimat beliebtes Reisemagazin. In der neusten Folge sollen die ursprünglichen und exotischen Seiten Usbekistan entdeckt werden. Aber nichts läuft wirklich wie geplant. Das Filmteam reist durchs Land, filmt im wunderbaren Samarkand und an anderen beliebten Spots, besucht einen Markt, versucht das lokale Essen und fühlt sich trotzdem nie so richtig wohl. Bei einem ihrer Streifzügen entdeckt Yoko eine Ziege, die in einer für sie viel zu kleinem Stallung steht. Um etwas Action ins Format zu bringe, soll die Ziege befreit werden – kein guter Plan, wie sich zeigt. Aber mit der Zeit, und nach weiteren Unternehmungen auf dem unbekanntem Terrain kommt Yoko langsam auch zu sich, so dass kurz vor Ende der Japanische Originaltitel Sinn macht: Das Ende einer Reise, der Beginn einer Welt. Kiyoshi Kurosawa gehört zu den wichtigsten Filmschaffenden Asiens. Diesmal verlässt er seine mitunter harte Vision der modernen Welt, um uns eine friedlichere und optimistischere Reise anzubieten. „Hinter dem gewaltigen Titel To the Ends Of the Earth verbirgt sich ein kleiner großer Film von überraschender Romantik. Doch die wenigen Klänge, die er anschlägt, hallen weit über die zwei Stunden Laufzeit hinaus. Es ist ein Reisefilm über ein Fernsehteam, das eine Reisereportage dreht. So sehen wir wenig von Japan, aber viel von Usbekistan. Sehen aber heißt noch lange nicht verstehen. Denn wie Sofia Coppola in ihrer Japan-Komödie Lost in Translation porträtiert Kurosawa zugleich die Reisenden in ihrer Unfähigkeit, sich auf das Fremde einzulassen. Aber auf seine behutsame Art zeichnet er dabei ein größeres Bild als Coppola. Die Pest, die er fast unmerklich seziert, ist das pseudo-dokumentarische Reportagefernsehen an der Schwelle zur Dokusoap. Jene Art von Journalismus, die in die Welt hinauszieht, um Klischees bestätigt zu finden und dazu ein paar Kuriositäten einzusammeln.“ Daniel Kothenschulte | FR
Credits:
Tabi no Owari Sekai no Hajimari (旅のおわり世界のはじまり) UZ 2019, 120 Min. japanisch, usbekische OmU Regie: Kiyoshi Kurosawa Kamera: Akiko Ashizawa Schnitt: Koichi Takahashi mit: Atsuko Maeda, Shota Sometani, Tokio Emoto, Adiz Rajabov, Ryo Kase
Yoko (played by the former leading member of the idolgirl groupAKB48, Atsuko Maeda) is the reporter for a television travel program who visits Uzbekistan with her television crew to make an episode for the program. She dreams of becoming a singer. The film contrasts Yoko’s upbeat on-camera persona with her internal conflicts when she is on her own.
The film consists of a series of episodes in which Yoko wades into a lake to describe looking for a possibly mythical Uzbeki fish; proclaims the delicious crunchiness of under-cooked rice in a bowl of plov, a local dish; repeatedly takes nausea-inducing turns on a fun-park pendulum ride until her camera crew can get enough B‑camera footage of her face; and tries to liberate a goat in captivity named Okoo only to learn that if she does, it will be eaten by wild dogs.
She and the crew visit Samarkand and Tashkent; in the latter, she sings the classic Édith Piaf anthem, Hymne à l’amour (with Japanese lyrics], in a fantasy sequence set at the Navoi Theatre which (as noted below) had been built after the war by Japanese POWs. During a visit to the bazaar, she wanders off with a hand-held camera and starts videotaping in a restricted area. She runs away from the police, who eventually apprehend her but treat her kindly, especially when she learns that her firefighter boyfriend may have been involved in a massive oil refinery fire in Tokyo Bay, where he was stationed. (The boyfriend is never actually seen or heard; all the audience learns about him comes from texts he exchanges with Yoko.)
In a finale set in the mountains, her crew once again in pursuit of a likely mythical beast, she again sings Hymne à l’amour as she imagines that she has caught sight of Okoo running free in the distance.
Credits:
Tabi no Owari Sekai no Hajimari (旅のおわり世界のはじまり) UZ 2019, 120 Min. japanisch, usbekische OmU Regie: Kiyoshi Kurosawa Kamera: Akiko Ashizawa Schnitt: Koichi Takahashi mit: Atsuko Maeda, Shota Sometani, Tokio Emoto, Adiz Rajabov, Ryo Kase
Seit 80 Jahren baut die Familie Solé in Alcarràs Pfirsiche an. In diesem Sommer versammelt sie sich zum letzten Mal zur gemeinsamen Ernte. Das Land hatte ihnen einst der Großgrundbesitzer Pinyol überlassen, als Dank für seine Rettung im Spanischen Bürgerkrieg. Doch der junge Pinyol will vom Handschlag seines Großvaters nichts mehr wissen. Er will das Land zurück, um eine Photovoltaik-Anlage darauf zu errichten. Vielstimmig und mit überbordender Energie erzählt Alcarràs von der letzten Ernte der Solés – so handfest, dass man sich bald selbst inmitten der Familie wähnt. Der Großvater Rogelio gibt die Hoffnung nicht auf, den jungen Pinyol zum Einlenken zu bewegen. Vater Quimet stürzt sich in die Erntearbeit, als gäbe es kein Morgen. Dolores hält Haus und Familie mit Optimismus und Geduld zusammen, doch auch sie muss langsam ihre Grenzen erkennen. Die fast erwachsenen Kinder Roger und Mariona, Quimets Schwestern Glòria und Nati und Schwager Cisco – alle helfen mit, während die kleineren ihren eigenen Sommer erleben und ständig neues entdecken. Doch inmitten der Erntearbeit, nur zwischen Sonnenunter- und Sonnenaufgang unterbrochen, mehren sich die Stimmen, die Angebote Pinyols, für ihn zu arbeiten, zu überdenken. Die Selbstständigkeit würde aufgegeben, aber die Arbeit geregelter. Quimet, quasi das Familienoberhaupt, will davon nichts wissen. „Alcarràs ist ein kleines Dorf im tiefsten Katalonien, wo meine Familie Pfirsiche anbaut. Als mein Großvater vor einigen Jahren starb, übernahmen meine Onkel und Tanten das Land. Die Abwesenheit meines Großvaters brachte mich dazu, die Familientradition und ihre Verbundenheit mit dem Land, die Bäume, die sie anbauten, auf eine neue Art wert zu schätzen. Ich spürte, dass das alles eines Tages verschwinden könnte. So entstand die Idee zu Alcarràs. Wir haben mit großartigen nicht-professionellen Schauspielerinnen und Schauspielern aus der Gegend von Alcarràs gearbeitet, die eine wirkliche Verbindung zum Land und zum Boden haben und die den besonderen Dialekt dieser katalanischen Region sprechen.“ Carla Simón
Goldener Bär – Berlinale 2022
Credits:
ES/IT 2022, 120 Min., katalanische Originalfassung mit deutschen und englischen Untertitlen Regie: Carla Simón Buch: Arnau Vilaró, Carla Simón Kamera: Daniela Cajías Schnitt: Ana Pfaff mit Jordi Pujol Dolcet, Anna Otin, Xènia Roset, Albert Bosch, Ainet Jounou, Josep Abad, Montse Oró, Carles Cabós, Berta Pipó
Trailer:
OmU-Trailer ALCARRÀS – DIELETZTEERNTE – ab 11. August im Kino
For as long as they can remember, the Solé family has spent every summer picking the peaches in their orchard in Alcarràs, a small village in Spain’s Catalonia region. But this year’s crop may well be their last, as they face eviction. The new plans for the land, which include cutting down the peach trees and installing solar panels, cause a rift in this large, tight-knit family. For the first time, they face an uncertain future and risk losing more than their orchard. After her beautiful debut Summer 1993, Carla Simón draws again on her experience of rural life in the Catalan countryside, where human activity is part of a cycle governed by seasons in a capricious climate. Family dynamics may be muddied by economic concerns, but there are also differences in how each individual relates to time. The younger ones enjoy a seemingly everlasting present while father bullishly ignores the imminent future, and grandfather is relying on a long-forgotten promise to prove ownership of their house … This variety is well-served by the natural performances of the ensemble cast and ensures that politically relevant themes are presented to us in a subtle manner. The family is only able to find common ground in tradition, which leaves us with a genuine discomfort about what lies ahead.
Goldener Bär – Berlinale 2022
Credits:
ES/IT 2022, 120 Min., katalanische Originalfassung mit deutschen und englischen Untertitlen Regie: Carla Simón Buch: Arnau Vilaró, Carla Simón Kamera: Daniela Cajías Schnitt: Ana Pfaff mit Jordi Pujol Dolcet, Anna Otin, Xènia Roset, Albert Bosch, Ainet Jounou, Josep Abad, Montse Oró, Carles Cabós, Berta Pipó
Trailer:
OmU-Trailer ALCARRÀS – DIELETZTEERNTE – ab 11. August im Kino
Es ist nur wenig her, dass Julies undurchschaubarer, dandyhafter Geliebter Anthony sich mit einer Überdosis Heroin das Leben nahm, und der Schock sitzt noch tief. Nachdem sie lange Zeit in ihrem Filmstudium nicht sehr engagiert war, überlegt sie nun, ihre Beziehung zum Thema ihrer Abschlussarbeit zu machen. Es wird ein schmerzhafter Prozess. Der Dreh und die Zusammenarbeit mit den Kommiliton*innen laufen suboptimal. Fragen und Kritik kommen nicht nur von der Crew, Julie selbst muss sich ihrer Rolle stellen, sowohl innerhalb der Geschichte als auch als Regisseurin. „Souvenir I“ handelt vom Auf und Ab einer toxischen Beziehung, Teil II ist aber weit mehr als die Fortsetzung. Wie fragmentierte Erinnerungstücke an die Zeit nach Anthonys Tod setzt sich der Film zusammen, Trauerarbeit und künstlerische Entwicklung gehen Hand in Hand. Julie wird sich selbst bewusster, und der Veränderungen, die sie in ihrem Leben vornehmen muss. Wie weit das autobiografisch ist, sei dahingestellt, aber um Authentizität geht es Joanna Hogg ohnehin nicht, sondern um die künstlerische Darstellung der eigenen Sicht. „THESOUVENIR … ist wohl auch deshalb so großartig, weil eine Filmemacherin hier nichts mehr verarbeitet, sondern die Erinnerung an Erleben und Verarbeitung selbst in einen Film verarbeitet. Und dabei ganz beiläufig nachzeichnet, wie sie selbst zu der Filmemacherin geworden ist, die diesen Film machen konnte und wollte. Ein Film à la Annie Ernaux: die eigene Geschichte nicht einfach gestehen, sondern zum Anlass nehmen, sich die Welt anzusehen.“ Till Kadritzke | critic.de
Credits:
GB 2021, 107 Min., engl. OmU Regie: Joanna Hogg Kamera: David Raedeker Schnitt: Helle le Fevre Mit Honor Swinton Byrne, Tilda Swinton, James Spencer Ashworth, Alice McMillan, Oli Bauer, Ariane Labed, Richard Ayoade
In the second part of her self-exploratory diptych, Joanna Hogg fully realizes the Proustian implications of filming her memories. In the beginning, it seems as if the film just took off where the first one stopped, but instead of moving on with the emotional rollercoaster ride, the mourning echo of Anthony’s absence now takes over and relates all actions to the question asked at the very beginning of the first film: how to film life? How to film what really happened? As Julia tries to cope with her life and make her graduation film about her relationship with Anthony, we rediscover cinema as a means to heal our wounds, not necessarily because everything works out, but because films and the exhausting ways of making them enable us to find new perspectives on existence. Rarely have the doubts of growing up merged so beautifully with finding one’s voice as an artist, such as in the sequences reminiscent of Hogg’s own first shorts when Julia gets lost in a Cocteau labyrinth of surreal memories and phantasies. This expressionist outburst stands in stark contrast to the casual and tender observations across the rest of the film, but also presents us with the discovery of a language that crosses the bridge between experience and film. (Patrick Holzapfel)
Credits:
GB 2021, 107 Min., engl. OmU Regie: Joanna Hogg Kamera: David Raedeker Schnitt :Helle le Fevre Mit Honor Swinton Byrne, Tilda Swinton, James Spencer Ashworth, Alice McMillan, Oli Bauer, Ariane Labed, Richard Ayoade
„Rund um den Geburtstag von Großmutter Nena und Paco, den Pfau erzählt Laura Bispuri eine wunderbar leichthändige Familiendramödie, die mit Erwartungen spielt und diese dann charmant einlöst. Bei Regisseurin Laura Bispuri ist es nicht der Elefant, der im Raum steht und den doch keiner sehen möchte, sondern ein Pfau, der stolz balzend ein Rad schlägt. Er ist das Bild im Bild, das offene Geheimnis, eigentlich aber das etwas andere Haustier von Enkelin Alma. Der Vogel stolziert durch die Räume, während die Gäste auf dem Geburtstag von Großmutter Nena eintrudeln, sich situieren, erste Gespräche beginnen und das Essen vorbereitet wird. Schwiegertochter Adelina versucht, mit ihrem Geschenk, einem selbst gestrickten Pullover, zu glänzen. Sohn Vito pumpt Schwester Caterina um Geld für seine anstehende Hochzeit an, während diese zu verheimlichen sucht, dass sie sich von ihrem Mann Manfredi getrennt hat. Der insistiert trotzdem, beim Essen dabei zu sein, während seine neue Freundin Joana unten im Auto wartet. Alles könnte in Banalitäten oder Klamauk enden, hätte Bispuri nicht ein grandioses Gespür für Besetzung, Timing und Stil. Und es gibt Paco, den schönen Pfau, der sich inmitten des familiären Durcheinanders in eine Taube auf einem von Nenas Gemälde verliebt.“ Susanne Kim | Indiekino
Diese bewegte, manchmal chaotische Familienaufstellung ist ein Ensemblestück mit 11 Personen und einem Pfau, als wunderbares Durcheinander choreografiert. Die einem möchte sich unbedingt mitteilen, andere lügen oder schweigen, und andere weichen lieber aus. Der arme Pfau jedoch kann garnichts dafür, dass er im Mittelpunkt steht und schließlich als Katalysator für unerwartete Klarstellungen dient. Obwohl, ein wenig dumm verhält er sich schon.
One winter’s day, Nena gathers her family together to celebrate her birthday. Everyone is there: her husband Umberto, her son Vito and her daughter Caterina with her cousin Isabella, her daughter-in-law Adelina and her ex-son-in-law Manfredi with his new girlfriend Joana, her granddaughter Alma, her maid Lucia with daughter Grazia. And then there is Paco, Alma’s peacock. While everyone waits for a lunch that will never be served, Paco becomes infatuated with a little dove in a painting. The tragedy inherent in the impossibility of this love distresses the whole family. All of the guests are impelled to think about their true feelings, about what remains and what is gone forever.
Woody Allen begleitet mich seit eigentlich schon immer. Jedenfalls seit den 70er Jahren, Spielfilme gegen Fernsehserien, zu der Zeit Take the money and run gegen Derrick. Ein Fernseher für zwei Fraktionen, im Einfamilienhaus. Freitagabend bevor Freitag/Samstagabend zu Disco wurden. Das SS Mitglied Herbert Reinecker gegen Allen David Koenigsberg, Paranoia in der Straßenbahn gegen die erste Szene von Annie Hall. Jahrzehnte später macht Woody Allen mit 84 nach Stardust Memories einen weiteren Film im Film, entspannt in San Sebastian, während des Festivals. Wallace Shawn, der mit My dinner with Andrew und Vanya on 42 street von Louis Malle auch im Film dem Theater treu blieb, für das er hauptsächlich arbeitet (auch als Autor), spielt hier die typischste aller Woody Allen Verkörperungen. Intellektuell, banal, verkorkst, hellsichtig, verwickelt, allein im Kosmos für solche wie ihn und deshalb immer in Gesellschaft.
Wallace Shawn lebt also ein Filmfestival lang den Nachmittag eines Fauns aus. Sich seiner eigenen Grenzen nicht bewußt aber diese beharrlich verfolgend. Ein Vergnügen.
Rifkin’s Festival wurde bereits 2019 gedreht, kommt nun aber auch endlich in hiesige Kinos. Wie so oft bei Allen ist dies ein vielschichtiger, warmherziger Film. Noch dazu einer, der das europäische Kino ehrt und zelebriert. In der Hauptrolle agiert Wallace Shawn. Er ist praktisch Woody Allen’s Alter Ego. Als Romanautor gescheitert, als New Yorker Filmdozent nur Anhängsel seiner Frau Sue, begleitet Mort Rifkin sie zu den Filmfestspielen in San Sebastián. Dort macht Sue die PR für den neuen Film des Regisseurs Philippe, den Mort so gar nicht ausstehen kann. Er hegt auch den Verdacht, dass Sue eine Affäre hat. Als er dann die ortsansässige Ärztin Jo kennen lernt, findet er immer wieder neue Gründe, wieso er sie aufsuchen muss. Mort sinniert über seine Beziehungen – und das in Tagträumen, die großen europäischen Filmklassikern nachempfunden sind.
(Peter Osteried, Cineman)
Credits:
ES/US/IT 2020, 92 Min., engl. OmU, Regie: Woody Allen Kamera: Vittorio Storaro Schnitt: Alisa Lepselter mit: Elena Anaya, Louis Garrel, Gina Gershon, Sergi López, Wallace Shawn, Christoph Waltz
Mort Rifkin, a snobby elderly film critic from New York[disambiguation needed], is telling his therapist about the recent developments in his life. In the recount, he’s accompanying his much younger wife Sue to a film festival in San Sebastián. She works as a press agent for Philippe, a French director whose banal and derivative anti-war film is being universally celebrated as a masterpiece, to Mort’s chagrin. Mort quickly becomes jealous of Sue and Philippe’s relationship, which increasingly moves into open flirtation. Mort’s inner thoughts and fears causes him to have nightmares inspired by well-known black and white cinematic classics like Citizen Kane, Breathless, Jules and Jim, Persona, The Exterminating Angel, and 8½.
While at the festival, Mort reminisces about his life and the pretentious novel that he’s been writing for decades, trying to achieve a literary relevance that eludes him. He reflects upon his younger years when he used to teach cinema at the university and felt happy and stimulated. Meanwhile, he’s helpless to keep Sue and Philippe from spending time with each other. Eventually, he seeks medical advice about some chest pains and meets Joanna „Jo” Rojas, a Spanish doctor who spent some time in New York and is now unhappily married with an unfaithful, temperamental artist. Joanna leaves a lasting impression on Mort and he repeatedly tries to engage her attention by faking health issues. Eventually, the two go on a sight-seeing drive through the surrounding country, both having a good time in the process.
On their way back to town, a flat tire forces Joanna and Mort to hitchhike back to Joanna’s home, where she discovers her husband cheating on her with one of his models. The two have a bitter fight, then Joanna takes Mort back to his hotel. Here, Sue confronts Mort about their deteriorating relationship, eventually announcing she’s leaving him to start a new life with Philippe. The next morning, Mort calls Joanna, hoping to see her again before he has to return to New York, but she politely declines, despite harboring some affection for Mort and doubts about her own marriage’s toxicity.
Finally, Mort imagines himself playing chess with Death in a parody of Ingmar Bergman’s 1957 film The Seventh Seal. Death tells him that human life is ultimately meaningless, but doesn’t need to be empty. In a parting word of advice, Death tells Mort that he will see him again in the future, but Mort might win some extra time by making sure to exercise and to avoid processed foods. As the festival reaches its closing day, Mort reflects upon his changed circumstances, pondering to go back to be a teacher, this time with a less rigid attitude towards art. Back in New York, he asks his therapist what he should do now.
Credits:
ES/US/IT 2020, 92 Min., engl. OmU, Regie: Woody Allen Kamera: Vittorio Storaro Schnitt: Alisa Lepselter mit: Elena Anaya, Louis Garrel, Gina Gershon, Sergi López, Wallace Shawn, Christoph Waltz
Eine Sekunde Film, dafür ist der Häftling aus dem Straflager geflohen. Seine ihn entfremdete Tochter soll so lange in dem Werk, das durch die Provinz tourt, zu sehen sein. Genauer gesagt, in der Wochenschau, und ausgerechnet diese Filmrolle stiehlt das Waisenmädchen Wu. Sie will das Material einer anderen, für sie wichtigen Bestimmung zuführen. Ohne diese Propaganda-Rolle wiederum will der stolze Projektionist des Kinos der zweiten Einheit die Vorstellung nicht beginnen. Es beginnt eine wechselseitige Jagd auf das Diebesgut, mit Verlusten auf aller Seiten. Doch aller Auseinandersetzungen zum Trotz bahnt sich auch eine neue Freundschaft an.
Bevor Zhang Yimous seine „bodenständige und einfache Geschichte“ vor Publikum zeigen konnte, hatte der Film schon eine bewegte Geschichte hinter sich. Bei der Berlinale für den Goldenen Bären nominiert, wurde er kurz vor seiner Premiere aus „technischen Gründen“ zurückgezogen. Gleiches passierte dann 21 Monate und zwei Überarbeitungen später nochmal beim „Golden Rooster and Hundred Flowers Film Festival“. Kurze Zeit später aber wurde der heiß erwartete Streifen in China mit großem Erfolg gestartet.
Hatte Zhang zuvor einige opulente Werke geschaffen, und zuletzt mit „Hero“ auch das Wuxia-Genre bedient, können wir hier zwar auch wunderbare Bilder der Sandwüste bewundern, aber Bilder aus der Kulturrevolution sind insgesamt fürs Schwelgen wohl weniger geeignet.
Eine Sekunde ist eher eine Hommage an den 35mm-Film, an seine Haptik, Sinnlichkeit, die stoffliche Verletzlichkeit des Materials, und dabei an seine Möglichkeiten, sowie an das Kino dieser Zeit. Es wird hier „Heroische Söhne und Töchter“ gezeigt, alternativ wäre nur „Der Kampf zwischen Nord und Süd“ möglich gewesen, denn es gibt nur wenige Filme fürs Landvolk. Das tut der Begeisterung jedoch keinen Abbruch, und der Andrang sorgt immerhin für die ein- oder andere Massenszene.
Credits:
Yi miao zhong 秒钟 CN 2019, 103 Min., mandarin OmU Regie: Zhang Yimou Basierend auf dem Roman „The Criminal Lu Yanshi” von Yan Geling. Schnitt: Yuan Du Kamera: Zhao Xiaoding mit: Zhang Yi, Liu Haocun, Fan We
A prisoner is sent to a labor camp during China’s Cultural Revolution. Using his wit, solely to watch a newsreel containing a glimpse of his daughter, he escapes and heads for the cinema in a local town where he hopes to find the film. But on the way he comes across a young vagabond who runs away with the reel. Curiously, this enigmatic object, which both covet, will become the seed of an unexpected friendship.
Credits:
Yi miao zhong CN 2019, 103 Min., mandarin OmU Regie: Zhang Yimou Basierend auf dem Roman „The Criminal Lu Yanshi” von Yan Geling. Schnitt: Yuan Du Kamera: Zhao Xiaoding mit: Zhang Yi, Liu Haocun, Fan We
Vom 22. – 29. Juni findet dieses Jahr das größte polnische Filmfestival außerhalb Polens statt (mehr). Im fsk zeigen wir alle sieben Wettbewerbsbeiträge und zwei Specials:
Bukolika / Bucolic Mutter und Tochter in einem baufälligen, abgelegenen Haus. Das ganze Leben mit seinen alltäglichen Reibereien, kleinen Ausbrüchen und grundlegenden Entscheidungen. PL 2021, R/B/K: Karol Pałka, 70 Min, OmeU, 24.06. 20:00 zu Gast: Karol Pałka [Tickets]
Inni ludzie / Other People Wer einmal einen Text der Star-Autorin Dorota Masłowska gelesen hat, weiß, was ihn/sie erwartet: eine wild schlingernde Handlung, Gesellschaftskritik, massenhaft pop-/kulturelle Zitate, Blicke in die Abgründe urbaner Milieus im frühen 21. Jahrhundert. PL 2021, 106 min, OmdU, R/B: Aleksandra Terpińska, D: Jacek Beler, Sonia Bohosiewicz, Magdalena Koleśnik. 25.06. 20:00 [Tickets]
Mosquito State In einem mutigen, umwerfend bildgewaltigen visuellen Experiment verknüpft Rymsza die Biografie eines Insekts mit der Zukunft der globalen Ökonomie. Er zeigt, dass neue Ansätze radikal gedacht werden müssen – und findet dafür radikale visuelle Mittel. PL/USA 2020, 101 min, engl. OF m. poln. UT, R: Filip Jan Rymsza, D: Beau Knapp, Charlotte Vega, Jack Kesy u. a. 29.06. 20:00 zu Gast: Filip Jan Rymsza [Tickets]
Ostatni komers / Love Tasting Es ist Juni, nur noch wenige Tage bleiben bis zum großen Abschlussball. Dann werden sich die Wege der Gymnasiastinnen trennen und es wird höchste Zeit sich zu entscheiden, wohin die Lebensreise gehen soll. PL 2020, 85 min, OmeU, R/B: Dawid Nickel, D: Mikołaj Matczak, Michał Sitnicki, Sandra Drzymalska u. a. 28.06. 20:00l [Tickets]
Polaków portret własny / Polish Self-PortraitEin Dokumentar-Experiment, in denen die Protagonistinnen zu ihren eigenen Kameraleuten werden und uns ein Jahr lang an ihrem Leben teilhaben lassen. Und das ist alles andere als ereignisarm. PL 2021, 115 min, OmeU, R: Maciej Białoruski, Jakub Drobczyński, Robert Rawłuszewicz, 26.06. 20:00 zu Gast: Maciej Białoruski & Jakub Drobczyński [Tickets]
Sonata / Sonate In der Provinz des Karpatenvorlandes wird bei Grzegorz schon früh Autismus diagnostiziert. Er spricht nicht, kapselt sich von seiner Umwelt ab und vegetiert mangels Therapie vor sich hin – bis in seinem Haus ein Klavier auftaucht. PL 2021, 118 min, OmdU, R/B: Bartosz Blaschke, D: Michał Sikorski, Małgorzata Foremniak, Łukasz Simlat 27.06. 20:00 zu Gast: Bartosz Blaschke [Tickets]
Wszystkie nasze strachy / Alle unsere Ängste Kunst und Gesellschaft sind für Daniel Rycharski untrennbar miteinander verbunden, doch mit seinen Skulpturen und Happenings eckt er bei den unmittelbaren Nachbarn massiv an – vor allem, wenn er darin die Ausgrenzung von LGBT-Personen thematisiert. PL 2021, 91 Min, OmdU, R: Łukasz Ronduda, Łukasz Gutt, Kamil Grzybowski, D: Dawid Ogrodnik, Maria Maj, Andrzej Chyra. 23.06. 20:00 zu Gast: Łukasz Ronduda, Łukasz Gutt & Dawid Ogrodnik [Tickets]
Erotica 2022In fünf Episoden entwerfen Regisseurinnen nach Drehbüchern namhafter Schriftstellerinnen – unter ihnen die Nobelpreisträgerin Olga Tokarczuk und Bestseller-Autorin Joanna Bator – dystopische Visionen über eine nicht allzu fern liegende Zukunft. PL 2021, 137 min, OmeU, R: Anna Kazejak, Anna Jadowska, Kasia Adamik, Jagoda Szelc, Olga Chajdas, D: Agata Buzek, Monika Pikuła, Agnieszka Żulewska, 26.06. 15:00 zu Gast: Anna Jadowska [Tickets]
Film balkonowy / Der Balkonfilm Paweł Łoziński montiert eine Kamera auf dem Balkon, kabelt ein Mikrofon an den Zaun und beginnt, den Passant*innen scheinbar planlos und naiv Fragen nach ihrem Woher und Wohin zu stellen. Von nun an legt er sich ein Jahr lang auf die Lauer. PL 2021, 100 min, OmdU, R/B/K: Paweł Łoziński, S: Paweł Łoziński, Piasek & Wójcik 25.06. 15:00 zu Gast: Paweł Łoziński [Tickets]
Vom 22. – 29. Juni findet dieses Jahr das größte polnische Filmfestival außerhalb Polens statt. Im fsk zeigen wir alle sieben Wettbewerbsbeiträge und zwei Specials:
Bukolika / Bucolic Mutter und Tochter in einem baufälligen, abgelegenen Haus. Das ganze Leben mit seinen alltäglichen Reibereien, kleinen Ausbrüchen und grundlegenden Entscheidungen. PL 2021, R/B/K: Karol Pałka, 70 Min, OmeU, 24.06. 20:00 zu Gast: Karol Pałka
Inni ludzie / Other People Wer einmal einen Text der Star-Autorin Dorota Masłowska gelesen hat, weiß, was ihn/sie erwartet: eine wild schlingernde Handlung, Gesellschaftskritik, massenhaft pop-/kulturelle Zitate, Blicke in die Abgründe urbaner Milieus im frühen 21. Jahrhundert. PL 2021, 106 min, OmdU, R/B: Aleksandra Terpińska, D: Jacek Beler, Sonia Bohosiewicz, Magdalena Koleśnik. 25.06. 20:00
Mosquito State In einem mutigen, umwerfend bildgewaltigen visuellen Experiment verknüpft Rymsza die Biografie eines Insekts mit der Zukunft der globalen Ökonomie. Er zeigt, dass neue Ansätze radikal gedacht werden müssen – und findet dafür radikale visuelle Mittel. PL/USA 2020, 101 min, engl. OF m. poln. UT, R: Filip Jan Rymsza, D: Beau Knapp, Charlotte Vega, Jack Kesy u. a. 29.06. 20:00 zu Gast: Filip Jan Rymsza
Ostatni komers / Love Tasting Es ist Juni, nur noch wenige Tage bleiben bis zum großen Abschlussball. Dann werden sich die Wege der Gymnasiastinnen trennen und es wird höchste Zeit sich zu entscheiden, wohin die Lebensreise gehen soll. PL 2020, 85 min, OmeU, R/B: Dawid Nickel, D: Mikołaj Matczak, Michał Sitnicki, Sandra Drzymalska u. a. 28.06. 20:00 zu Gast: Dawid Nickel
Polaków portret własny / Polish Self-Portrait Ein Dokumentar-Experiment, in denen die Protagonistinnen zu ihren eigenen Kameraleuten werden und uns ein Jahr lang an ihrem Leben teilhaben lassen. Und das ist alles andere als ereignisarm. PL 2021, 115 min, OmeU, R: Maciej Białoruski, Jakub Drobczyński, Robert Rawłuszewicz, 26.06. 20:00 zu Gast: Maciej Białoruski & Jakub Drobczyński
Sonata / Sonate In der Provinz des Karpatenvorlandes wird bei Grzegorz schon früh Autismus diagnostiziert. Er spricht nicht, kapselt sich von seiner Umwelt ab und vegetiert mangels Therapie vor sich hin – bis in seinem Haus ein Klavier auftaucht. PL 2021, 118 min, OmdU, R/B: Bartosz Blaschke, D: Michał Sikorski, Małgorzata Foremniak, Łukasz Simlat 27.06. 20:00 zu Gast: Bartosz Blaschke
Wszystkie nasze strachy / Alle unsere Ängste Kunst und Gesellschaft sind für Daniel Rycharski untrennbar miteinander verbunden, doch mit seinen Skulpturen und Happenings eckt er bei den unmittelbaren Nachbarn massiv an – vor allem, wenn er darin die Ausgrenzung von LGBT-Personen thematisiert. PL 2021, 91 Min, OmdU, R: Łukasz Ronduda, Łukasz Gutt, Kamil Grzybowski, D: Dawid Ogrodnik, Maria Maj, Andrzej Chyra. 23.06. 20:00 zu Gast: Łukasz Ronduda, Łukasz Gutt & Dawid Ogrodnik
Erotica 2022 In fünf Episoden entwerfen Regisseurinnen nach Drehbüchern namhafter Schriftstellerinnen – unter ihnen die Nobelpreisträgerin Olga Tokarczuk und Bestseller-Autorin Joanna Bator – dystopische Visionen über eine nicht allzu fern liegende Zukunft. PL 2021, 137 min, OmeU, R: Anna Kazejak, Anna Jadowska, Kasia Adamik, Jagoda Szelc, Olga Chajdas, D: Agata Buzek, Monika Pikuła, Agnieszka Żulewska, 26.06. 15:00 zu Gast: Anna Jadowska
Film balkonowy / Der Balkonfilm Paweł Łoziński montiert eine Kamera auf dem Balkon, kabelt ein Mikrofon an den Zaun und beginnt, den Passant*innen scheinbar planlos und naiv Fragen nach ihrem Woher und Wohin zu stellen. Von nun an legt er sich ein Jahr lang auf die Lauer. PL 2021, 100 min, OmdU, R/B/K: Paweł Łoziński, S: Paweł Łoziński, Piasek & Wójcik 25.06. 15:00 zu Gast: Paweł Łoziński
Hat er seine Pillen genommen oder nicht? Habe er, beteuert Damien, aber Leïla kann ihm nicht glauben. Jeden Tag gibt es mehr kleine Anzeichen für die nächste manische Episode, ihr Mann entgleitet ihr Stück für Stück. Der erfolgreiche Maler und die Restauratorin leben mit ihrem Sohn Amine in einem geräumigen Hof auf dem Land nahe dem Meer. Damiens Bipolarität macht allen dreien einzeln das Leben schwer, und dazu das Zusammenleben schwierig. Sie streiten, sie schreien, aber sie lieben sich auch leidenschaftlich. Die Liebe zu erhalten, ist schon für andere schwierig genug, mit dieser Krankheit aber eine extreme Herausforderung. Als eine große Ausstellung seiner Werke ansteht, verweigert der euphorische, energiegeladene Damien vollends die Medikation. Leïla ist am Ende und lässt ihn ins Krankenhaus einweisen, nicht zum ersten Mal. Aber auch seine Abwesenheit macht sie fertig. Was kommt danach? Was passiert, wenn eine Krankheit die Kontrolle übernimmt, über die Umgebung, die Beziehungen? „Der gequälte männliche Künstler wird vom Kino regelmäßig verwöhnt: In zahllosen Filmen werden kreative Männer beschrieben, die sich im Dienste ihres Genies schlecht benehmen, wobei die unschöne Realität ihrer psychischen Gesundheit oder die Auswirkungen ihres Verhaltens auf andere nur ein Lippenbekenntnis ist. Mit diesem außergewöhnlich bewegenden und klug beobachteten Film bietet der belgische Filmemacher Joachim Lafosse so etwas wie ein Korrektiv, und zwar ein spannendes, verstörendes.“ Dave Calhoun | timeout
Credits:
Les Intranquilles BE/LU/FR 2021, 118 Min., frz. OmU, Regie: Joachim Lafosse Kamera: Jean-François Hensgens Schnitt: Marie-Hélène Dozo mit: Leïla Bekhti, Damien Bonnard, Gabriel Merz Chammah, Patrick Descamps
Trailer:
The Restless / Les Intranquilles (2021) – Trailer (English subs)
Leïla and Damien love each other deeply. Despite his bipolarity, he tries to continue life with her, knowing that he may never be able to give her what she desires.
Credits:
Les Intranquilles BE/LU/FR 2021, 118 Min., frz. OmU, Regie: Joachim Lafosse Kamera: Jean-François Hensgens Schnitt: Marie-Hélène Dozo mit: Leïla Bekhti, Damien Bonnard, Gabriel Merz Chammah, Patrick Descamps
Trailer:
The Restless / Les Intranquilles (2021) – Trailer (English subs)
Jan und Nina leiten eine Werbeagentur und leben mit ihren Kindern Emma und Max in Hamburg. Ein Ausflug in ihr geliebtes Wochenenddomizil an der Belgischen Küste beginnt dramatisch: es ist jemand ins Haus eingedrungen, und hat bei Ankunft der Familie die Flucht ergriffen. Außer dass Max‘ zahme Ratte den Schreckmoment ebenfalls zur Flucht nutzt, ist aber kein Schaden zu entdecken. Trotzdem ist das Sicherheitsgefühl an diesem Ort verschwunden, und weitere Vertrauensverluste folgen. Nun kennen wir ja den „Rashomon-Effekt“: ein Ereignis wird von allen Beteiligten unterschiedlich erlebt und beschrieben, was zu verschiedenen Interpretationen und Handlungsoptionen führt. Allerdings sehen wir hier nun nicht nur nach und nach die Sichtweisen der fünf – ja, Ratte Zorro ist auch dabei und hat eine recht plausible Sicht auf die Dinge – Anwesenden, sondern auch andere Geheimnisse kommen ans Licht, wie Jans heimliche Zusage zu einem delikaten Auftrag, gegen den Willen seiner Partnerin.
„Während sich das Quartett in der Gefahr zunächst näher kommt, um dann aber zunehmend die Bodenhaftung zu verlieren, irritiert Regisseur Ronny Trocker überdies mit einer nicht-linearen Erzählweise, die das anfängliche Familiendrama allmählich in einen auf explizite Horroreffekte verzichtenden Thriller verwandelt. Die Bedrohung aus dem Inneren der Figuren droht dabei in die ohnehin multiperspektivisch ausfransende Handlung durchzudringen. Selbst die Tatsache des Einbruchs gerät ins Wanken. Vielleicht waren es gar keine Diebe, sondern Aktivisten, die Jans Kampagne für die extremistische Partei ablehnen? Oder doch nur eine kollektive Einbildung von Menschen, die zu lange aneinander vorbeigelebt haben? … ein psychologisch konzentrierter, aber gerade durch seinen unspektakulären Gestus beunruhigender und zutiefst beeindruckender Film.“ Alexandra Wach | Filmdienst
Credits:
DE, DK, IT 2022, 102 Min., frz., dt. OmU, Buch & Regie: Ronny Trocker Kamera: Klemens Hufnagl Schnitt: Julia Drack mit Mark Waschke, Sabine Timoteo, Jule Hermann, Wanja Valentin Kub
Jan and Nina travel with their two children to their weekend home on the Belgian coast to find some peace and quiet. But this is ruined by a mysterious break-in when the family arrives. Afterwards, Nina has a bloody nose and Zorro, their son Max’s pet rat, has disappeared. What happened? None of them is able to give the police a clear description of the intruders. Back in Germany, the successful advertising agency that this bilingual couple runs together becomes the target of a paint bomb attack. Jan had previously made the single-handed decision to take on the election campaign for a political party with populist tendencies – a move that goes against everything Nina holds dear. Director Ronny Trocker’s second feature film is a subtle family drama that smoothly transitions between different perspectives of an event. What took place and what it means is thus shown to us in diverse ways and is continually expanded. As he zeroes in on the state of mind of individual family members, he reveals the fragility and potency of individual perception.
Credits:
DE, DK, IT 2022, 102 Min., frz., dt. OmU, Buch & Regie: Ronny Trocker Kamera: Klemens Hufnagl Schnitt: Julia Drack mit Mark Waschke, Sabine Timoteo, Jule Hermann, Wanja Valentin Kub
Einfach Sterben ist es nicht. Es ist nicht einfach zu sterben. Julianes Mutter ist erst 64 Jahre alt. Sie ist schwer krank und lebt in einem Pflegeheim. Jetzt will sie sterben und hört auf zu essen und zu trinken. Juliane begleitet ihre Mutter dabei. Freunde und Bekannte kommen zu Besuch. Sie nehmen Abschied. Juliane auch, ganz langsam. Das Sterben dauert, dabei ist es recht friedlich, manchmal provozierend. Der Ausgang steht bereits fest. Ihre Mutter wird bald nicht mehr da sein, während Julianes Leben weitergeht. Sie möchte ihrer Mutter helfen und doch weiß sie, dass sie ihr das Sterben nicht abnehmen kann. Aus Tagen werden Wochen. Tochter und Mutter sind sich unendlich nah, körperlich und geistig. Bis etwas sie trennt: der ersehnte Tod. Jessica Krummacher erzählt in ihrem zweiten Spielfilm vom Sterben, so wie es sich in der Realität verhält. Vom Loslassen eines geliebten Menschen. Bis am Ende alles still ist.
„Womöglich hat sich noch kein Film so intensiv und umfassend mit dem Ableben befasst wie Zum Tod meiner Mutter. Mit seiner Unfassbarkeit und Alltäglichkeit. Mit der Nähe und Intimität, aber auch dem Befremden, das einsetzt, wenn ein Mensch, der schon immer da war, weniger wird, sich auflöst und bald verschwunden sein wird. Aber auch mit der Unmöglichkeit, das Sterben zu teilen, selbst wenn man bis zur Erschöpfung an der Seite ist und dabei in eine ganz eigene Daseinsform abdriftet. „Es ist unmöglich, in dein Leid einzudringen“, sagt Juliane einmal. Zum Tod meiner Mutter ist aber nicht nur ein Film, der zwei Körper in ihrem Zusammenspiel betrachtet. Er unternimmt auch eine sprachliche Annäherung an den Tod. Immer wieder wird er in Worten umkreist, wird nach einem Ausdruck gesucht, um zu beschreiben, was passiert und doch nie ganz zu fassen ist.“ Esther Buss | Filmdienst Am Sonntag, 12.6. ist Jessica Krummacher bei uns zu Gast, um über ihren Film zu sprechen.
Credits:
DE 2022, 135 Min., OmenglU, Buch & Regie: Jessica Krummacher Kamera: Gerald Kerkletz, Schnitt: Anne Fabini, mit: Birte Schnöink, Elsie de Brauw, Christian Löber, Gina Haller, Nicole Johannhanwahr, Thomas Wehling, Susanne Bredehöft u. a.
When the film begins, it is all over. “We know it’s terminal, and that’s all”, says Juliane of her mother Kerstin, who is in great pain and about to die aged just 64. Although the young doctor she consults acknowledges on a personal level that everyone has the right to manage their own death, he nonetheless reminds her that euthanasia is still illegal in Germany. This is even more the case at the Catholic hospice where Kerstin is staying. As relatives come to say goodbye to her mother and the emotions of memories mingle with the anticipation of grief, Juliane finds herself having to do battle with time – unbending, apathetic and monochrome – and this is superbly reflected in the convulsions of the handheld camera in wide shots. Based on personal experience, Jessica Krummacher’s second feature film vividly relates the painful story of losing a parent. There is no violence or morbidity, rather the director describes the most important of events via the smallest, most fragile of details – the exchanging of words, texts and tender gestures that remain with us and get under our skin.
Credits:
DE 2022, 135 Min., OmenglU, Buch & Regie: Jessica Krummacher Kamera: Gerald Kerkletz, Schnitt: Anne Fabini, mit: Birte Schnöink, Elsie de Brauw, Christian Löber, Gina Haller, Nicole Johannhanwahr, Thomas Wehling, Susanne Bredehöft u. a.
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