Bitteres Fest

Ein Film von Pedro Almodóvar. Ab 30.7. im fsk.

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Im Jahre 2004 arbei­tet die Filmregisseurin Ella (Bárbara Lennie) an einem Drehbuch, das nicht recht vor­an geht, so sehr ihr höchst attrak­ti­ver Lover Bonifacio (Patrick Criado) – haupt­be­ruf­lich Feuerwehrmann, neben­be­ruf­lich Stripper – ihr auch den Rücken frei­hält. Einst hat­te Ella eini­ge künst­le­risch anspruchs­vol­le Filme gedreht, die inzwi­schen Kultstatus genie­ßen, was, wie Ella ein­mal selbst gesteht, bedeu­tet, dass kaum jemand sie gese­hen hat, die weni­gen Zuschauer sie aber zutiefst ver­eh­ren. Eine schwe­re Migräneattacke lässt Ella inne­hal­ten, zusam­men mit ihrer bes­ten Freundin Patricia (Vicky Luengo) reist sie nach Lanzarote, lässt sich von den kar­gen Landschaften der Insel inspi­rie­ren, noch mehr jedoch vom Leben ihrer Freunde: Alles ist Material im Leben eines Schriftstellers, eben­so wie im Leben einer Filmregisseurin.

2026 lei­det der Filmregisseur Raúl Rossetti (Leonardo Sbaraglia) an einer Schreibblockade, aus der ihn auch die Unterstützung sei­nes höchst attrak­ti­ven Lovers Santi (Quim Gutiérrez) nicht befrei­en kann. Raúls lang­jäh­ri­ge Assistentin Monica (Aitana Sánchez-Gijon) hat gera­de gekün­digt, berich­tet ihm von ihren pri­va­ten Problemen – die Raúl nur zu gern in sein Werk ein­flie­ßen lässt, schließ­lich ist alles Material.

Eine gan­ze Weile lässt Pedro Almodóvar in sei­nem neu­en Film „Bitteres Fest“ die bei­den Erzählebenen neben­ein­an­der­ste­hen, ohne ihre Verbindung zu kon­kre­ti­sie­ren. Doch bald wird klar, dass die Ebene mit Ella nicht real ist, son­dern eine Visualisierung des Drehbuchs, das Raúl gera­de schreibt. So kommt es, dass man­che Szenen in klei­nen Variationen dop­pelt zu sehen sind, so lässt sich erklä­ren, dass nicht alles Sinn macht, schließ­lich sieht man da nur die ers­te, noch unfer­ti­ge Drehbuchversion.

Hübsch ist das kon­stru­iert, ein wenig selbst­ver­liebt auch, erin­nert nicht zufäl­lig an „Leid und Herrlichkeit“, das am deut­lichs­ten auto­bio­gra­phi­sche Werk in der lan­gen Karriere Pedro Almodóvars, in dem Antonio Banderas als Alter Ego des Regisseurs auf­trat. Hier über­nimmt der argen­ti­ni­sche Schauspieler Leonardo Sbaraglia die­sen Part, der sei­nem Regisseur sehr ähnelt, wenn­gleich 20 Jahre jün­ger, ein biss­chen Eitelkeit darf sein.

Wie so oft spielt Almodóvar auch hier mit selbst­re­fe­ren­zi­el­len Bezügen, baut eine Meta-Narration auf, mit der er die Frage umkreist, wie frei ein Autor in der Wahl sei­ner Themen sein darf, wie sehr er Leben und auch Leiden sei­ner Mitmenschen und vor allem sei­ner engen Freunde aus­schlach­ten und für sei­ne eige­nen erzäh­le­ri­schen Zwecke ver­wen­den darf. Almodóvars Antwort fällt ein­deu­tig aus: Es gibt kei­ne Grenzen, die Kunst steht über allem, auch wenn dies bis­wei­len Konflikte her­vor­ru­fen kann.

Letztlich dient die­se Fragestellung in „Bitteres Fest“ jedoch in ers­ter Linie dazu, Almodòvar ein­mal mehr die Möglichkeit zu geben, sich ein­mal mehr in die typi­sche Almodóvar-Welt zu bege­ben, in der schö­ne Menschen in per­fekt design­ten Appartements leben, deren mar­kan­te Farbgebung mit den eben­so mar­kan­ten, ein­far­big leuch­ten­den Pullovern oder Mänteln korrespondieren.

Auch wenn man nicht behaup­ten kann, dass sich Pedro Almodóvar in sei­nem nun schon 25. Film neu erfin­det: Wenn man ihn, sei­ne Filme und die Welt, in der sie spie­len, schätzt, dann ist es eine wah­re Freude, sich ein­mal mehr auf sanft melo­dra­ma­ti­sche Weise unter­hal­ten zu las­sen.Michael Meyns

Credits:

Amarga Navidad
ES 2026, 111 Min., spa­ni­sche OmU
Regie: Pedro Almodóvar
Kamera: Adrian Campean
Schnitt: Laura Lauzemis
mit  Frida Hornemann, Max Riemelt, Eva Löbau, Gina Henkel, Rahel Ohm, Peter René Lüdecke, Florian Geißelmann, Yvon Sable Moltzen, Ida Fischer, Florian Lukas, Thomas Schubert, Kara Schröder, Anne Kulbatzki, Nairi Hadodo

Trailer:
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