Stilles Land

filmPOLSKA reloaded – Stilles Land

Cicha zie­mia / Stilles Land

[Tickets]

PL/ITA/CZ 2021
R: Aga Woszczyńska
113 min, OmdU
B: Aga Woszczyńska & Piotr Litwin
K: Bartosz Świniarski
S: Jarosław Kamiński
M: Piotr Kurek
D: Dobromir Dymecki, Agnieszka Żulewska, Jean-Marc Barr, Alma Jodorowsky, Marcello Romolo u. a.

Hell scheint die medi­ter­ra­ne Sonne vor wol­ken­lo­sem Himmel auf das gepfleg­te Ferienhaus, gleich neben­an glit­zert azur­blau das Meer – das per­fek­te Setting für einen ent­spann­ten Urlaub. Gut, der aus­ge­trock­ne­te Pool müss­te noch repa­riert wer­den. Aber das wer­de sofort gemacht, beteu­ert der Vermieter dem eigen­ar­tig unter­kühlt wir­ken­den pol­ni­schen Paar, das sich an der Küste Sardiniens ein­ge­mie­tet hat.

Aber Kino wäre nicht Kino, wenn sich hin­ter die­ser Traumkulisse nicht dunk­le Geheimnisse ver­ber­gen wür­den. Denn die sar­di­sche Küste ist nicht nur Sehnsuchtsort vie­ler Urlauber*innen, son­dern auch von Geflüchteten, die ver­su­chen, über das Mittelmeer nach Europa zu gelan­gen und dort Fuß zu fas­sen. Die pol­ni­schen Urlauber*innen Anna und Adam – und nicht nur sie – ver­schlie­ßen davor die Augen, aber durch die Hintertür drin­gen die glo­ba­len Probleme in ihren Alltag und in ihr Unterbewusstsein ein.

In lan­gen sta­ti­schen Einstelllungen mit sehr dezen­tem Musikeinsatz, in denen viel geschwie­gen bzw. ver­schwie­gen wird, arbei­tet sich die Regisseurin sehr behut­sam in die Psyche der Hauptfiguren (Dobromir Dymecki und Agnieszka Żulewska mit gekonn­tem Underacting) vor. Woszczyńska ver­knüpft geschickt ein Psycho-Kammerspiel mit zeit­po­li­ti­schen Fragen, ohne dass eines der Themen in die zwei­te Reihe gedrängt wird. [Rainer Mende]

Aga Woszczyńska (geb. 1984 in Lódź) stu­dier­te Regie an der Filmhochschule ihrer Geburtsstadt. Während ihres Studium dreh­te sie sie­ben kur­ze Spielfilme, u. a. das preis­ge­krön­te Drama „Fragmenty“ (2014), bevor sie mit „Cicha zie­mia“ ihren ers­ten Langfilm in die Kinos brach­te und auf Festivals meh­re­re Preise errang.

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Kategorie: archiv

  • filmPOLSKA reloaded – Stilles Land

    filmPOLSKA reloaded – Stilles Land

    Cicha zie­mia / Stilles Land

    [Tickets]

    PL/ITA/CZ 2021
    R: Aga Woszczyńska
    113 min, OmdU
    B: Aga Woszczyńska & Piotr Litwin
    K: Bartosz Świniarski
    S: Jarosław Kamiński
    M: Piotr Kurek
    D: Dobromir Dymecki, Agnieszka Żulewska, Jean-Marc Barr, Alma Jodorowsky, Marcello Romolo u. a.

    Hell scheint die medi­ter­ra­ne Sonne vor wol­ken­lo­sem Himmel auf das gepfleg­te Ferienhaus, gleich neben­an glit­zert azur­blau das Meer – das per­fek­te Setting für einen ent­spann­ten Urlaub. Gut, der aus­ge­trock­ne­te Pool müss­te noch repa­riert wer­den. Aber das wer­de sofort gemacht, beteu­ert der Vermieter dem eigen­ar­tig unter­kühlt wir­ken­den pol­ni­schen Paar, das sich an der Küste Sardiniens ein­ge­mie­tet hat.

    Aber Kino wäre nicht Kino, wenn sich hin­ter die­ser Traumkulisse nicht dunk­le Geheimnisse ver­ber­gen wür­den. Denn die sar­di­sche Küste ist nicht nur Sehnsuchtsort vie­ler Urlauber*innen, son­dern auch von Geflüchteten, die ver­su­chen, über das Mittelmeer nach Europa zu gelan­gen und dort Fuß zu fas­sen. Die pol­ni­schen Urlauber*innen Anna und Adam – und nicht nur sie – ver­schlie­ßen davor die Augen, aber durch die Hintertür drin­gen die glo­ba­len Probleme in ihren Alltag und in ihr Unterbewusstsein ein.

    In lan­gen sta­ti­schen Einstelllungen mit sehr dezen­tem Musikeinsatz, in denen viel geschwie­gen bzw. ver­schwie­gen wird, arbei­tet sich die Regisseurin sehr behut­sam in die Psyche der Hauptfiguren (Dobromir Dymecki und Agnieszka Żulewska mit gekonn­tem Underacting) vor. Woszczyńska ver­knüpft geschickt ein Psycho-Kammerspiel mit zeit­po­li­ti­schen Fragen, ohne dass eines der Themen in die zwei­te Reihe gedrängt wird. [Rainer Mende]

    Aga Woszczyńska (geb. 1984 in Lódź) stu­dier­te Regie an der Filmhochschule ihrer Geburtsstadt. Während ihres Studium dreh­te sie sie­ben kur­ze Spielfilme, u. a. das preis­ge­krön­te Drama „Fragmenty“ (2014), bevor sie mit „Cicha zie­mia“ ihren ers­ten Langfilm in die Kinos brach­te und auf Festivals meh­re­re Preise errang.

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  • filmPOLSKA reloaded – Woman On The Roof

    filmPOLSKA reloaded – Woman On The Roof

    Kobieta na dachu / Woman On The Roof

    [Tickets]

    PL/FRA/CH 2022
    R/B: Anna Jadowska
    97 min, OmeU
    K: Ita Zbroniec-Zajt
    S: Piotr Kmiecik & Julia Gregory
    M: Katharina Nuttall
    D: Dorota Pomykała, Bogdan Koca, Adam Bobik u. a.

    Zwei Jahre Arbeit in der Geburtsstation hat die Ärztin Mira noch vor sich, dann ist die ersehn­te Rente erreicht. Ihr Gehalt ist zwar nicht üppig, reicht aber für die klei­ne Block-Wohnung in der Provinzstadt und die drei­köp­fi­ge Familie – theo­re­tisch, denn heim­lich hat sie ihrer Schwester viel Geld geborgt, Kredite auf­ge­nom­men und kommt nun mit der Tilgung nicht mehr hin­ter­her. Als die Lage aus­sichts­los wird, reagiert sie so ver­zwei­felt wie unge­schickt: Sie ver­sucht eine Bank zu über­fal­len, was gründ­lich schief geht. Aber anstatt sich ihren Verwandten anzu­ver­trau­en, frisst sie den Kummer in sich hin­ein, bis sie auf dem titel­ge­ben­den Dach steht und vor sich nur noch den Abgrund sieht.

    Wie schon in ihrem Drama „Dzikie róże / Wild Roses“ (2017) gelingt es Jadowska vir­tu­os, weit ab von markt­schreie­ri­schen Effekten mit klei­nen Schritten ein Psycho-Porträt zu ent­wer­fen, in dem das Verschwiegene schwe­rer wiegt als das Gesagte. Ihr größ­ter Trumpf ist dabei Dorota Pomykała, die als ver­zwei­fel­te Anti-Heldin sowohl das Kinopublikum als auch Festival-Jurys über­zeu­gen konn­te. In einem sehr brei­ten Bildformat mit hell und kühl aus­ge­leuch­te­ten Szenen beherrscht sie ohne musi­ka­li­sche Unterstützung sou­ve­rän die Leinwand. [Rainer Mende]

    Anna Jadowska (geb. 1973 in Oleśnica) stu­dier­te Polonistik in Wrocław und Regie in Łódź. Als Regisseurin arbei­te­te sie für popu­lä­re TV-Serien wie „M jak miłość“ oder „Na dob­re i na złe“. Als Autorenfilmerin dreh­te sie Dokumentar- und Spielfilme, wobei sie das mit zahl­rei­chen Preisen (u. a. beim FilmFestival Cottbus) aus­ge­zeich­ne­te Drama „Dzikie róże / Wild Roses“ (2017) inter­na­tio­nal bekannt machte.

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  • filmPOLSKA reloaded – Liebeslieder

    filmPOLSKA reloaded – Liebeslieder

    Piosenki o miłości / Songs About Love / Liebeslieder

    [Tickets]

    PL 2021
    R/B: Tomasz Habowski
    90 min, OmdU
    K: Weronika Bilska
    S: Patrycja Piróg
    M: Kamil Kryszak
    D: Tomasz Włosok, Justyna Święs, Andrzej Grabowski, Patrycja Volny u. a.

    GAST: Tomasz Habowski

    Der jun­ge Komponist Robert lei­det etwas unter sei­nem domi­nan­ten Vater, der als Theater-Star erwar­tet, dass auch sein Sohn irgend­wann mit sei­ner Kunst groß raus­kommt. Aber im Grunde führt Robert ein behü­te­tes Leben ohne den Druck, etwas ver­öf­fent­li­chen zu müs­sen, damit die Miete bezahlt wer­den kann. Ganz anders geht es Alicja, die als Kellnerin schuf­ten muss, um über die Runden zu kom­men. Dabei kann sie – das hört Robert sofort – fan­tas­tisch sin­gen, und zwar ihre eige­nen Lieder.

    Alicja lässt sich nach eini­gem Zögern davon über­zeu­gen, Probe-Aufnahmen zu machen und ihre Kompositionen arran­gie­ren zu las­sen. Aber auf kei­nen Fall will sie sich von Robert oder irgend­ei­nem Produzenten zu einem Pop-Sternchen zurecht­stut­zen las­sen – sie wei­gert sich stur, ihre Lieder zu ver­öf­fent­li­chen oder live zu spie­len. Robert fin­det heim­lich eine Plattenfirma, die an dem Material inter­es­siert ist und es groß her­aus­brin­gen will – aber ohne Alicja.

    In redu­zier­ten Schwarz-Weiß-Bildern mit bun­ten Einsprengseln aus dem Smartphone-Display, per­fekt in Szene gesetzt von Kamerafrau Weronika Bilska, ent­wi­ckelt sich ein Kammerspiel um Ambitionen, Ängste, Loyalität, Prinzipientreue und die Kraft der Musik. Getragen wird es vor allem von der Darstellerin der Alicja – Justyna Święs ist nicht nur Schauspielerin, son­dern vor allem Sängerin des erfolg­rei­chen Pop-Duos The Dumplings und als zurück­hal­ten­der musi­ka­li­scher Rohdiamant eine Traumbesetzung. [Rainer Mende]

    Tomasz Habowski (geb. 1988) ist seit 2019 Drehbuchautor für die Daily Soap „Na Wspólnej“ – dem pol­ni­schen Pendant von „Unter uns“ – und war an der zwei­ten Staffel der Netflix-Serie „Sexify“ betei­ligt. „Piosenki o miłości“ ist sein Regie-Debüt.

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  • filmPOLSKA reloaded – Das Pfandhaus

    filmPOLSKA reloaded – Das Pfandhaus

    Lombard / Das Pfandhaus

    [Tickets]

    PL 2022
    R/B: Łukasz Kowalski
    81 min, OmdU
    K: Stanisław Cuske
    S: Adriana Fernández Castellanos, Filip Kowalski, Jakub Darewski & Kosma Kowalczyk
    M: Krzysztof Aleksander Janczak

    Das Zweckgebäude, das etwas abseits in der pol­ni­schen Industriestadt Bytom steht, könn­te man leicht über­se­hen. Beide hat­ten schon bes­se­re Zeiten. Doch aus die­sem ecki­gen Kasten mit ergrau­tem Putz scheint ein Licht, denn hin­ter den Mauern befin­det sich nicht nur ein Gebrauchtwarenladen, son­dern eine Art sozio­kul­tu­rel­les Zentrum.

    Die Betreiber bekom­men deut­lich zu spü­ren, dass um sie her­um vie­les den Bach run­ter­geht. Obwohl ihre Waren nicht teu­er sind, dre­hen vie­le Kund*innen vor dem Kauf jeden Złoty um, wol­len lie­ber etwas ver­kau­fen oder kom­men eigent­lich nur, um einen Schwatz zu hal­ten und sich etwas auf­zu­wär­men. Selbst für die Beschäftigten ist die Arbeit im A & V mehr als nur ein Job. Aber die schil­lern­den Betreiber Jola und Wiesiek sind nicht nur Seelsorger, son­dern auch Geschäftsleute und müs­sen dafür sor­gen, dass ihr Laden ren­ta­bel bleibt. Doch wie soll das funk­tio­nie­ren, wenn die Pläne groß, die Portemonnaies aber leer sind?

    Kowalski ist mit sei­nem Debüt eine fein­füh­li­ge Sozialstudie gelun­gen, die abwech­selnd zu Tränen des Mitleids und der Freude rührt und dabei ihre schil­lern­den Hauptfiguren zu kei­ner Sekunde der Lächerlichkeit preis­gibt. [Rainer Mende]

    Łukasz Kowalski debü­tier­te mit „Lombard“ als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent. Der Film gewann zahl­rei­che Preise auf Festivals, bevor er regu­lär in die pol­ni­schen Kinos kam.

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  • filmPOLSKA reloaded – The Silent Twins

    filmPOLSKA reloaded – The Silent Twins

    The Silent Twins

    am 17.1. 18:00 im fsk.

    [Tickets]

    PL/USA/GB 2022
    R: Agnieszka Smoczyńska
    113 min, engl. OV
    B: Andrea Seigel
    K: Jakub Kijowski
    S: Agnieszka Glińska
    M: Marcin Macuk & Zuzanna Wrońska
    D: Letitia Wright, Tamara Lawrance, Leah Mondesir-Simmonds, Eva-Arianna Baxter, Nadine Marshall, Treva Etienne u. a.

    Die unzer­trenn­li­chen Zwillinge June und Jennifer Gibbons leben in den Siebzigerjahren mit ihren Eltern und Geschwistern in der wali­si­schen Provinz. Die Familie kommt aus Barbados und die dun­kel­häu­ti­gen Schülerinnen erle­ben den übli­chen Alltagsrassismus, wach­sen aber im Grunde behü­tet auf. Trotzdem pas­siert eines Tages das Unvorstellbare: Sie ver­stum­men. Lehrer*innen, Ärzt*innen und Psycholog*innen mühen sich an ihnen ab, aber kein Wort kommt mehr über ihre Lippen. Einzelgespräche, Schulverweis, Hausunterricht – kei­ne Maßnahme ver­mag es, sie wie­der zum Sprechen zu bringen.

    Doch hin­ter der Mauer des Schweigens ver­birgt sich eine über­bor­den­de Fantasie. In den schüt­zen­den vier Wänden ihres kun­ter­bun­ten Kinderzimmers ent­wer­fen die Schwestern ihre eige­ne Welt aus Puppentheater, Radiosendungen, Liedern und Geschichten. Dort ist Sprache auch kein Hindernis, sie plau­dern unun­ter­bro­chen mit­ein­an­der – mehr noch, sie ent­wi­ckeln lite­ra­ri­sche Ambitionen und begin­nen, ihre Geschichten nie­der­zu­schrei­ben. Aus den Kindern wer­den Teenies, die sich von Abenteuern für ihre Texte inspi­rie­ren las­sen – nicht immer in den Grenzen des Legalen und nach wie vor schwei­gend. Aus der Sicht der Gesellschaft sind sol­che Regelbrecherinnen nicht län­ger tragbar.

    Agnieszka Smoczyńska ver­sucht sich nicht an einer rea­lis­ti­schen, his­to­risch exak­ten Rekonstruktion der authen­ti­schen Geschichte, son­dern lädt ein zu einer Achterbahnfahrt durch die Fantasie der Mädchen, die aus dem gesell­schaft­li­chen Normkorsett aus­bre­chen. Mit über­spru­deln­den visu­el­len Einfällen, im Sound der Epoche und ver­setzt mit vir­tuo­sen Animationen von Barbara Rupik ler­nen wir das Paar viel­leicht nicht zu ver­ste­hen, aber zumin­dest teil­wei­se zu erfüh­len. [Rainer Mende]

    Agnieszka Smoczyńska (geb. 1978 in Wrocław) stu­dier­te Regie in Katowice und Warschau sowie Kulturwissenschaften in Wrocław. Neben Kurzfilmen, Arbeiten fürs Fernsehen und ihrem umju­bel­ten Debüt „Córki dancin­gu“ (2015) dreh­te sie das Amnesie-Drama „Fuga / Fugue“ (2018). „The Silent Twins“ (2022) ist ihre ers­te fremd­spra­chi­ge Produktion.

  • filmPOLSKA reloaded – Brot und Salz

    filmPOLSKA reloaded – Brot und Salz

    Chleb i sól / Brot und Salz am 14.2.18:00 im fsk

    [Tickets]

    PL 2022
    R/B: Damian Kocur
    99 min, OmdU
    K: Tomasz Woźniczka
    S: Alan Zejer
    D: Tymoteusz Bies, Jacek Bies u. a.

    Der Student Tymoteusz hat mit sei­nem Klavierspiel schon Preise gewon­nen und es ins Fernsehen geschafft. Über den Sommer kehrt er in sei­ne trost­lo­se Heimatstadt zurück, wo seit sei­nem Weggang die Welt ste­hen geblie­ben zu sein scheint. Die alten Kumpels aus dem Block hän­gen immer noch in der Gegend her­um, kif­fen, trin­ken Dosenbier, labern viel, träu­men von Abenteuern in der gro­ßen wei­ten Welt und kom­men aus ihrem Viereck aus Badesee, Skatepark, Spielplatz und Dönerimbiss doch nicht heraus.

    Auch Tymoteusz‘ Bruder Jacek gehört zur Clique – eben­falls ein begab­ter Pianist, der aber seit einer miss­glück­ten Bewerbung das Klavier ver­stimmt ein­stau­ben lässt. Statt sich Hoffnungen und Träumen hin­zu­ge­ben, ver­sinkt er resi­gniert im pro­vin­zi­el­len Sumpf aus Langeweile, Perspektivlosigkeit, Homophobie und plum­pem Rassismus. Denn die Wut über das so früh geschei­ter­te Leben der Jugendlichen muss sich irgend­wo ent­la­den – war­um nicht bei die­sen frem­den Typen, die so ver­däch­tig ver­schlos­se­nen einen Döner nach dem ande­ren zubereiten?

    Wie eine Granate schlug der for­mal eigen­stän­di­ge, lose an zeit­his­to­ri­sche Ereignisse anknüp­fen­de Debüt-Langfilm in der pol­ni­schen Szene ein. Mit Fingerspitzengefühl, Präzision und sti­lis­ti­schem Selbstbewusstsein, die für einen Newcomer unge­wöhn­lich aus­ge­reift sind, erzählt er schein­bar bei­läu­fig eine semi­do­ku­men­ta­ri­sche Geschichte in der Ästhetik eines frü­hen Andreas Dresden, die – ganz ohne Musik und vir­tu­os im been­gen­den Seitenverhältnis 4:3 geschnit­ten – durch schmerz­haf­te Authentizität besticht. Denn die Laien-Darsteller*innen spie­len sich selbst und ihre eige­nen Geschichten. [Rainer Mende]

    Damian Kocur (geb. 1983 in Katowice) stu­dier­te an der Schlesischen Universität Katowice. Als Regisseur ver­öf­fent­lich­te er acht teil­wei­se preis­ge­krön­te kur­ze Spiel- und Dokumentarfilme, bevor er mit „Chleb i sól“ einen Jurypreis beim Filmfestival von Venedig und zahl­rei­che wei­te­re Preise gewann.

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  • filmPOLSKA reloaded – Stilles Land

    filmPOLSKA reloaded – Stilles Land

    Cicha zie­mia / Stilles Land am 13.3. um 18:00 im fsk.

    [Tickets]

    PL/ITA/CZ 2021
    R: Aga Woszczyńska
    113 min, OmdU
    B: Aga Woszczyńska & Piotr Litwin
    K: Bartosz Świniarski
    S: Jarosław Kamiński
    M: Piotr Kurek
    D: Dobromir Dymecki, Agnieszka Żulewska, Jean-Marc Barr, Alma Jodorowsky, Marcello Romolo u. a.

    Hell scheint die medi­ter­ra­ne Sonne vor wol­ken­lo­sem Himmel auf das gepfleg­te Ferienhaus, gleich neben­an glit­zert azur­blau das Meer – das per­fek­te Setting für einen ent­spann­ten Urlaub. Gut, der aus­ge­trock­ne­te Pool müss­te noch repa­riert wer­den. Aber das wer­de sofort gemacht, beteu­ert der Vermieter dem eigen­ar­tig unter­kühlt wir­ken­den pol­ni­schen Paar, das sich an der Küste Sardiniens ein­ge­mie­tet hat.

    Aber Kino wäre nicht Kino, wenn sich hin­ter die­ser Traumkulisse nicht dunk­le Geheimnisse ver­ber­gen wür­den. Denn die sar­di­sche Küste ist nicht nur Sehnsuchtsort vie­ler Urlauber*innen, son­dern auch von Geflüchteten, die ver­su­chen, über das Mittelmeer nach Europa zu gelan­gen und dort Fuß zu fas­sen. Die pol­ni­schen Urlauber*innen Anna und Adam – und nicht nur sie – ver­schlie­ßen davor die Augen, aber durch die Hintertür drin­gen die glo­ba­len Probleme in ihren Alltag und in ihr Unterbewusstsein ein.

    In lan­gen sta­ti­schen Einstelllungen mit sehr dezen­tem Musikeinsatz, in denen viel geschwie­gen bzw. ver­schwie­gen wird, arbei­tet sich die Regisseurin sehr behut­sam in die Psyche der Hauptfiguren (Dobromir Dymecki und Agnieszka Żulewska mit gekonn­tem Underacting) vor. Woszczyńska ver­knüpft geschickt ein Psycho-Kammerspiel mit zeit­po­li­ti­schen Fragen, ohne dass eines der Themen in die zwei­te Reihe gedrängt wird. [Rainer Mende]

    Aga Woszczyńska (geb. 1984 in Lódź) stu­dier­te Regie an der Filmhochschule ihrer Geburtsstadt. Während ihres Studium dreh­te sie sie­ben kur­ze Spielfilme, u. a. das preis­ge­krön­te Drama „Fragmenty“ (2014), bevor sie mit „Cicha zie­mia“ ihren ers­ten Langfilm in die Kinos brach­te und auf Festivals meh­re­re Preise errang.

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  • filmPOLSKA reloaded – The Passage

    filmPOLSKA reloaded – The Passage

    Przejście / The Passage am 10.4. um 18:00 im fsk.

    [Tickets]

    PL 2021
    R/B: Dorota Lamparska
    102 min, OmeU
    K: Jolanta Dylewska
    S: Maciej Pawliński & Piotr Krygiel
    M: Ireneusz Wojtczak
    D: Wiktoria Gorodeckaja, Agnieszka Mandat, Jacek Braciak, Jowita Budnik, Monika Kwiatkowska, Jan Peszek u. a.

    Es dau­ert eine Weile, bis Maria ver­stan­den hat, was los ist. Warum muss auch unbe­dingt in dem Moment, in dem sie stirbt, die Brücke ins Jenseits bei einem Gewitter kaputt­ge­hen und jetzt repa­riert werden?

    Nun irrt sie erst ein­mal untot durch ihre eins­ti­ge Welt und betrach­tet eher trot­zig-irri­tiert als neu­gie­rig, wel­che Lücken sie hin­ter­las­sen hat – und ob über­haupt. Denn Maria scheint – wie auch jetzt – eine eher küh­le Person gewe­sen zu sein, die weni­gen Menschen rich­tig nahe­stand. Jetzt muss sie fest­stel­len, dass das Leben ein­fach ohne sie wei­ter­geht, ohne gro­ße Aufregung.

    Die Hauptdarstellerin Wiktoria Gorodeckaja erträgt mit bewun­derns­wer­ter Souveränität und dezen­tem Underacting den per­ma­nen­ten Kamerablick (meis­ter­haft insze­niert von Jolanta Dylewska) auf ihr Gesicht, wäh­rend um sie her­um in über­ra­schen­den, gele­gent­lich ins Absurde kip­pen­den Szenen eine Reihe schrä­ger Figuren die Verstorbene zu dem Punkt gelei­tet, an dem sie sich ihrer Vergänglichkeit fügt. [Rainer Mende]

    Dorota Lamparska stu­dier­te an der Wajda Film School in Warschau, der Schlesischen Universität Katowice der Filmhochschule Łódź und der Universität Gdańsk. Nach drei Kurzfilmen und meh­re­ren Folgen der TV-Serie „Złotopolscy“ erschien ihr ers­ter Langspielfilm „Przejście“.

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  • Die Familie mit dem umgekehrten Düsenantrieb

    Die Familie mit dem umgekehrten Düsenantrieb

    Ein Film von Sogo Ishi. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Die Familie Kobayashi kann end­lich aus ihrer win­zi­gen, beeng­ten Wohnung in Tokio in das Haus ihrer Träume am Stadtrand umzie­hen. Doch die Dinge sind nicht so per­fekt, wie sie schei­nen: Das Haus ist von Termiten befal­len und die Familie beginnt, ver­rückt zu wer­den.
    „Ishiis Film zu sehen ist ein biss­chen so, als wür­de man den Nervenkitzel sei­ner ers­ten Begegnung mit Monty Python vor all den Jahren wie­der­ent­de­cken: schwar­zer Humor in sei­ner bös­ar­tigs­ten (d.h. lus­tigs­ten) Form, tem­po­reich wie ein Pendlerexpress und gewürzt mit einer Prise Science-Fiction, die selbst den am meis­ten gechipp­ten Zuschauer im Unklaren dar­über lässt, wohin er, sie oder es geht.“ TIME OUT
    „Die schie­re Hemmungslosigkeit des Films reicht aus, um das Interesse auf­recht­zu­er­hal­ten, da man nicht weiß, wie weit er gehen kann (…) unver­kenn­bar ein Film, in dem kei­ne Grenzen gesetzt sind.“ NY TIMES

    Credits:

    Crazy Family
    JP 1984, 106 Min., jap. OmU
    Regie: Sogo Ishii
    Kamera: Masaki Tamura
    Schnitt: Junichi Kikuchi
    mit: Katsuya Kobayashi, Mitsuko Baisho, Yoshiki Arizono, Youki Kudoh, Hitoshi Ueki u.a.

    Trailer:
    The Crazy Family (1984) Trailer
    Im Kino mit deut­schen Untertiteln
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  • Gagarin – Einmal schwerelos und zurück

    Gagarin – Einmal schwerelos und zurück

    ein Film von Fanny Liatard und Jérémy Trouilh.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Gagarin erzählt die Geschichte von Youri (Alseni Bathily), der guten Seele einer Nachbarschaft, der an der Idee und an den Erinnerungen eines soli­da­ri­schen Zusammenlebens fest­hält, bis es nicht mehr geht.
    Youri ist der selbst­er­nann­te Hausmeister einer 60er Jahre Siedlung in einer Vorstadt von Paris namens Gagarin. Obwohl er und sei­ne Freunde sich größ­te Mühe geben, kön­nen sie nicht ver­hin­dern, dass die Stadt beschließt, dass die Siedlung abge­ris­sen wer­den soll.
    Nach und nach zie­hen alle weg, nur Youri hat für sich beschlos­sen zu blei­ben. Erst mal fin­det Youri neue Freunde. Das Roma Mädchen Diana (Lyna Khoudri, The French Dispatch) ist fas­zi­niert von sei­nem Einsiedlertum und der Dealer Dali (Finnegan Oldfield, Corsage) lebt auch noch irgend­wo im Gebäudekomplex. Dann aber wird die ille­ga­le Siedlung von Dianas Familie von der Stadt auf­ge­löst. Und auch Dali ver­schwin­det nach eine gewalt­tä­ti­gen Auseinandersetzung mit den Bauarbeitern, die Gagarin ver­sie­geln und für die Sprengung vor­be­rei­ten. Als letz­ter Bewohner lebt Youri in der Siedlung wie in einem Raumschiff. Youri weiß, dass er sich in eine Sackgasse manö­vriert hat, und dass sei­ne Umgebung immer lebens­feind­li­cher wird. Aber Youri ist stur, er will sei­ne Mission, wie einen Parabelflug been­den und so arbei­tet er an einem Countdown, an des­sen Ende die Hochhaussiedlung Gagarin für ihn um Hilfe rufen soll. Leider zählt wäh­rend­des­sen noch ein ande­rer Countdown von 10 bis 0.

    Credits:

    FR 2020, 95 Min., franz. OmU
    Regie: Fanny Liatard, Jérémy Trouilh

    Kamera: Victor Seguin
    Schnitt: Daniel Darmon
    mit Alseni Bathily, Lyna Khoudri, Jamil McCraven, Finnegan Oldfield, Farida Rahouadj, Denis Lavant

    Trailer:
    Gagarin – Einmal schwe­re­los und zurück TLR 24p OmU Trailer
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