In der Logik des Christentums ist Gott nicht nur in der Kirche präsent, sondern überall. Auch in der Strafanstalt für junge Männer, in der wir Daniel kennenlernen – einen fragilen Jungen mit klarem, unschuldigen Blick, der bei den Knast-Gottesdiensten aufblüht und doch als Vorbestrafter keine Chance hat, jemals Priester zu werden.
Beim Arbeitseinsatz in einem Karpatendorf bietet sich plötzlich unverhofft die Gelegenheit: Der junge Mann wird für einen Geistlichen gehalten und schlüpft zunehmend bereitwillig in die ersehnte Rolle. Und es geschieht das Erstaunliche: Die Menschen hören ihm zu, wenn er im Freestyle zu ihnen spricht. Zunehmend beginnt er, sich in die Geschicke des Dorfs einzumischen. Wie lange kann dieses riskante Spiel gut gehen?
Komasa mischt Krimi mit Sozialstudie und Romanze mit Thriller. Dabei kann er sich vor allem auf seinen grandiosen Hauptdarsteller Bartosz Bielenia verlassen, der glaubwürdig den Spagat zwischen einem Straßenjungen mit Drogenerfahrung und einer belesenen, weisen Respektperson schafft.
[nbsp] Credits:
PL 2019, Regie: Jan Komasa, 115 min, OmU Buh: Mateusz Pacewicz, Kamera: Piotr Sobociński jr., Schnitt: Przemysław Chruścielewski, mit: Bartosz Bielenia, Aleksandra Konieczna, Eliza Rycembel, Tomasz Ziętek u.a.
Der junge westdeutsche Kameramann Kai von Westerman gerät mitten in die Ereignisse. 1989 arbeitete er für einen Korrespondenten des französischen Fernsehens in der DDR. Als die Menschen auf die Straße gingen, bekam er den Auftrag, den Franzosen in knappen Beiträgen die Ereignisse zu erklären. So dokumentierten beide die Kraft und Dramatik der Friedlichen Revolution, aber das meiste Material wurde nicht gesendet. Erst jetzt, 20 Jahre nach der Wende, hat von Westerman daraus einen Film gemacht, der die Ereignisse des Herbstes 1989 beschreibt. Der Dokumentarfilm gibt in subtiler Weise einmalige Geschehnisse des Jahres 1989 wieder. Er zeichnet das Lebensgefühl von DDR-Bürgern nach, die für Freiheit und Demokratie auf die Straße gingen, ohne zu wissen, wie es ausgehen würde. Es ist ein Film, der zum Nachdenken anregt und durch die bestechende Sicht auf die Ereignisse des Herbstes ’89 ein wertvolles Zeitdokument darstellt. Regie: Kai von Westerman, D 1989⁄1999, 90 Min. Zu Gast: Kai von Westerman
Zusammen mit: Z mojego okna (From My Window)
Regie: Józef Robakowski, Polen 2000, 20 Min.
Der polnische Filmemacher und Videokünstler Józef Robakowski filmte über 22 Jahre den sich verändernden Blick aus dem Fenster seiner Wohnung in einem sozialistischen Wohnblock in Łódź. Er beobachtet den Übergang Polens vom Sozialismus der Nachkriegszeit in die Zeit der Solidarność in den späten 1980er Jahren und dessen Übergang in die Dritte Republik, den Einstieg Polens in die Marktwirtschaft.
Mich überrascht nichts. Wenn was Schlechtes passiert, dann hab‘ ich in der Regel damit gerechnet, und wenn was Gutes passiert, dann passierts nicht.“ Silkes Sicht auf die Welt ist„ nachdem ihr Freund sie enttäuschte und ein Fremder sie in die Havel warf„ recht illusionslos.
Silke, das Opfer, ihre große Schwester Moni, und René, der Täter – das sind die Protagonist*innen in Michael Fetter Nathanskys Debutfilm. Die mit lakonischem Witz und sensibler Figurenzeichnung erfrischend andere Erzählung einer Tat und ihrer seltsamen Folgen ist angelegt wie ein raffiniertes Vexierspiel, bei dem die unterschiedliche Sicht der Beteiligten immer neue, überraschende Einsichten gewährt.
Nachdem Silke ohne erkennbaren Anlass vom ihr unbekannten René übers Brückengeländer ins Wasser gestoßen wird, taucht Moni, mit der sie lange keinen Kontakt hatte, ungefragt in ihrer Potsdamer Wohnung auf. Sie will Silke unbedingt zur Seite stehen, aber die will keine Hilfe. Was passiert ist, ist vorbei, auch die polizeilichen Ermittlungen werden rasch eingestellt. Moni aber gibt nicht auf. Sie will der Sache auf den Grund gehen, den Übeltäter finden und zur Rede stellen. Den hat seine scheinbar grundlose und irrationale Tat völlig verwirrt, verlief sein Leben bisher doch eigentlich in ordentlichen Bahnen.
»Michael Fetter Nathanskys formal erfindungsreiche Umsetzung seines präzise strukturierten Drehbuchs, Leander Otts atmosphärische Kamera und die große schauspielerische Leistung von Marc Ben Puch und ganz besonders von Gisa Flake und Christina Große als starkes Schwesternpaar verbinden sich zu einer Reflexion über die trügerische Eindeutigkeit von Realität und die manifeste Magie des Kinos.« aus der Jurybegründung (Gewinner des Filmkunstpreises) beim 15. Festival des Deutschen Films Ludwigshafen (2019).
[nbsp] Credits:
DE 2019, 104 Min., dt. OmeU Regie & Buch: Michael Fetter Nathansky Kamera: Leander Ott Schnitt: Camila Mercadal mit: Christina Große, Marc Ben Puch, Gisa Flake K Leander Ott
Das Filmfestival für neues deutsches Kino aus Berlin und Brandenburg kommt auch dieses Jahr ins fsk (coronabedingt etwas später): 16. – 20. September 2020 www.achtungberlin.de
Die Filme außer YUGONG laufen in Anwesenheit des Filmteams:
Sebastian springt über Geländer
Drei Lebensabschnitte auf Sebastians Weg. Als Kind auf sich selbst gestellt, als Jugendlicher zwischen zwei Welten pendelnd und als junger Mann, der sich entscheiden muss. DE 2019, 70 Min., OmeU, R/B/M Ceylan Ataman-Checa D Joseph Peschko, Finn Freyer, Ambar de la Horra, Frederieke Morgenroth K Albrecht von Grünhagen
(Do, 17.9. 18:30) [Tickets]
Yu Gong
Die Fabel des Narrs Yu Gong, der Berge versetzen wollte, als Metapher für die komplexen sino-afrikanischen Beziehungen, welche der Film in einer Reise durch Afrika dokumentiert. DE 2019, 84 Min., OmeU, R/B/K/M/P: Daniel Kötter
(Do, 17.9. 21:00) [Tickets]
Zustand und Gelände
Der Film handelt von Orten, ihren Überschreibungen durch die Zeit und wie sich politische Erinnerungskulturen in sie eingeschrieben haben; – ausgehend von sog. ‘Wilden Konzentrationslagern’ der NS-Zeit. DE 2019, 118 Min., OmeU, R/B/M/P Ute Adamczewski B André Siegers K Stefan Neuberger
(Fr, 18.9. 18:00) [Tickets]
Kunst kommt aus dem Schnabel wie er gewachsen ist
Der Film begleitet die tägliche Arbeit von Künstler*innen der Spandauer Kunstwerkstatt für Menschen mit Behinderung. Die Idee von Kunst wird ganzheitlich. DE 2020, 106 Min., OmeU, R/K/M/P: Sabine Herpich, P: Büchner Filmproduktion
(Fr, 18.9. 21:00) [Tickets]
30 Jahre, aber den Sinn des Lebens habe ich immer noch nicht rausgefunden
30 Jahre filmische Selbstportraits an jedem Geburtstag, eine Super‑8 Rolle pro Jahr. DE 2019, 91 Min., R/B/K/M Jan Peters
(Sa 19.9. 18:30) [Tickets]
Träume von Räumen
Der Film begleitet die verbliebenen Bewohner*innen eines Hauses im Herzen Berlins und stellt die Frage nach Leerstand als subversiven Akt gegen die Utopie des geordneten Raums. DE 2019, 85 Min., OmeU, R/B/K Matthias Lintner K Francisco Medina, Matilda Mester, Carlos Andres Lopez, Christopher Aoun
(Sa 19.9. 21:00) [Tickets]
Sunburned
Von ihrer Familie im Spanien-Urlaub vernachlässigt, sieht sich Claire mit den weitaus größeren Problemen des jungen afrikanischen Strandverkäufers Amram konfrontiert. DE/NL/PL 2019, 94 Min., OmeU, R/B Carolina Hellsgård D Zita Gaier, Gedion Oduor Wekesa, Sabine Timoteo, K Wojciech Staron M Ruth Schönegge
(So 20.9. 18:30) [Tickets]
Sag du es mir
Silke wird in Potsdam von der Brücke gestoßen. Plötzlich taucht ihre Schwester auf. Und dann gibt es noch die Perspektive des Täters. Ein Verwirrspiel um Opfer-und Täterschaft, Wahrheit und Lüge. DE 2019, 104 Min., OmeU, R/B Michael Fetter Nathansky D Christina Große, Marc Ben Puch, Gisa Flake K Leander Ott
(So. 20.9. 21:00) [Tickets]
Das 26. Jüdische Filmfestival Berlin & Brandenburg findet vom 6.- 13.9.2020 statt.
Bei uns gibt es am 8. + 9. 9. ausgewählte Vorführungen. Mehr unter: www.jffb.de
Im fsk:
Doppelprogramm Masel Tov Cocktail
Zutaten: 1 Jude, 12 Deutsche, 5cl Erinnerungskultur, 3cl Stereotype, 2 TL Patriotismus, 1 TL Israel, 1 Falafel, 5 Stolpersteine, einen Spritzer Antisemitismus. DE 2020, 30 Min., OmU, Regie: Arkadij Khaet, Mickey Paatzsch, Kamera: Nikolaus Schreiber, Schnitt: Tobias Wieduwilt, mit: Alexander Wertmann There are no lions in Tel Aviv
Der Film erzählt die Geschichte des Oberrabbiners der jüdischen Gemeinde Dänmarks, Max Shorenstein, der als ‚Rabbiner Doolittle‘ bekannt wurde. Nach seiner Pensionierung 1935 zog er nach Tel Aviv, wo er später einen Zoo für die Kinder von Eretz Israel eröffnete. IL 2019, 53 Min., hebr. OmU, Regie: Duki Dror, Kamera: Ron Katzenelson, Schnitt: Ron Goldman (Di. 8.9. 19:00)
Incitement
Die Ermordung des israelischen Premierministers Yitzhak Rabin am 4. November 1995 gilt als einer der verheerendsten Schläge gegen den Friedensprozess zwischen Israelis und Palästinensern. Der Film rekonstruiert die Ereignisse dieses politisch angespannten Jahres aus der Perspektive des Attentäters Yigal Amir, IR 2019, 123 Min., hebr. OmeU, Regie: Yaron Zilberman, Kamera: Amit Yasour , Schnitt: Shira Arad, Yonatan Weinstein, mit: Yehuda Nahari Halevi
(Mi. 9.9. 19:00)
„Sie können immer noch an unserem SMS-Wettbewerb teilnehmen. Verdient Maryam Komijani Vergebung? Senden Sie 1 für ja, 2 für nein.“
Die Scheinwerfer und Kameras sind auf Position. Der Moderator blickt noch einmal auf seine Notizen. Die letzten Werbesekunden laufen, noch 5, 4, 3, 2, 1 und die Reality-TV-Show beginnt. Ausgerechnet zum persischen Yalda-Fest der Wintersonnenwende. Zu Gast ist Maryam, eine junge, zum Tode verurteilte Frau. Mit ihr im Studio sitzt Mona, die für sie stets wie eine große Schwester war. Maryam lebte mit Monas Vater in einer Ehe auf Zeit. Angeblich hat sie ihn ermordet. Vor laufender Kamera und Millionen von Zuschauer*innen soll Maryam um Vergebung und ihr Leben flehen. Auf eine reale, populäre iranische Sendung anspielend, wird das Fernsehstudio zur Bühne für ein Kammerspiel, das auch die sozialen Dimensionen hinter dem persönlichen Drama in den Fokus nimmt.
In seinem Essay „Die Fabrik des verschuldeten Menschen“ aus dem Jahr 2011 schreibt der Philosoph Maurizio Lazzarato: „Die Schulden stellen kein Hemmnis für das Wachstum dar; im Gegenteil, sie sind der ökonomische und subjektive Motor zeitgenössischer Ökonomie. Die Fabrikation der Schulden, also die Konstruktion und Entwicklung des Machtverhältnisses Gläubiger-Schuldner, bildet das strategische Zentrum neoliberaler Politik.“ Mit Oeconomia unternimmt Carmen Losmann eine Reise in dieses strategische Zentrum. Das ist ohne Frage ein ehrgeiziges Unterfangen, denn viele Vertreter*innen des Banken- und Finanzsektors reden lieber nicht vor einer Kamera, und denen, die sich darauf einlassen, fehlen mehr als einmal die Worte. So transparent die Architektur von Banken und Geldinstituten sich gibt, so schnell verschließen sich die Türen für die recherchierende Regisseurin. Sie macht aus der Not eine Tugend, indem sie unter anderem Telefonprotokolle und computergenerierte Bilder einsetzt, damit das Abstrakte und schwer Verständliche anschaulicher wird.
„Oft sehen wir nur eine elektronische Zugangsschranke oder hören ein nachgesprochenes Telefonat, da im letzten Moment die Drehgenehmigung entzogen wurde – auch heute noch liegt die Aufklärung gefährlich nah an der Kritik. Dabei bemüht sich die Regisseurin, ihre Fragen offen und wertfrei zu stellen. Ihre Aufklärung zielt nicht auf die moralischen Verwerfungen des Kapitalismus, sondern auf die logischen Zirkelschlüssel, die seiner Struktur zugrunde liegen. Diese Zirkelschlüsse scheinen den Interviewpartnern – Akteure im Finanzwesen und ausnahmslos weiße Männer – erst durch Losmanns betont naive Fragen aufzufallen. Die Versuche, ihre Überrumpelung in charmante Souveränität zu verwandeln, sind nicht nur amüsant, sondern auch tröstlich. Denn überrumpelt fühlt man sich während dieser 89 Minuten auch, wenn die Regisseurin Folgerungen aus ihren Interviews als einfache Blasen und Pfeile auf einer Mindmap zusammenfasst, die zwar simpel aussieht, aber die ganze zerstörerische Absurdität einer endlos wachsenden Wirtschaft offenbart. Trotz dieser Dichte und wegen seiner Klarheit ist OECONOMIA einer der besten Dokumentarfilme über den Kapitalismus.“ indiekino | Yorick Berta
Parvis wächst als Kind der Millenial-Generation im komfortablen Wohlstand seiner iranischen Einwanderer-Eltern auf. Dem Provinzleben in Hildesheim versucht er sich durch Popkultur, Grindr-Dates und Raves zu entziehen. Nach einem Ladendiebstahl leistet er Sozialstunden als Übersetzer in einer Unterkunft für Geflüchtete. Dort trifft er auf das iranische Geschwisterpaar Banafshe und Amon. Zwischen ihnen entwickelt sich eine fragile Dreierbeziehung, die zunehmend von dem Bewusstsein geprägt ist, dass ihre Zukunft in Deutschland ungleich ist.
In seinem autobiographischen Regiedebüt erzählt Faraz Shariat, Jahrgang 1994, authentisch und zugleich wundersam überhöht vom queeren Heranwachsen eines Einwanderersohns in Deutschland – und liefert damit einen entschlossenen Gegenentwurf zu einem konventionellen deutschen Kino, in dem post-migrantische Erlebnisse und Geschichten von Einwanderern und ihrer Familien allzu oft ausgeschlossen oder misrepräsentiert werden. Für sein sensibles, pop-affines und kraftvolles Plädoyer für Diversität wurde Futur Drei beim First Steps Award 2019 als Bester Spielfilm ausgezeichnet, Shariats junges Darsteller*innen-Ensemble (Banafshe Hourmazdi, Eidin Jalali, Benjamin Radjaipour) erhielt den Götz-George-Nachwuchspreis. Auf der Berlinale, wo der Film im Panorama seine Weltpremiere feierte, wurde Futur Drei mit zwei Teddys (Bester Spielfilm, Leser*innen-Preis) geehrt.
„‚Fast täglich werde ich von weißen deutschen Menschen gefragt, woher ich komme, wie lange ich schon hier bin‘, hat Faraz Shariat in einem Interview geäußert. Seiner Meinung nach habe das viel mit einer Filmlandschaft zu tun, die selbst die Geschichten der zweiten Generation immer noch als Migrationsgeschichten erzähle und „zu Pointen multikultureller Versöhnung oder romantischen Darstellungen einer bedrohten Heimat“ verkürze. Shariats Debüt, das aus Studienkreisen an der Universität Hildesheim erwachsen und mit einem diversen Ensemble vor und hinter der Kamera entstanden ist, ist nicht der erste, aber ein wichtiger Schritt in eine andere Richtung.“
Falk Straub | kino-zeit.de
Nackte Tiere erzählt von fünf befreundeten Jugendlichen in der Provinz, die kurz vor dem Abitur stehen und noch nicht wissen, wie es danach weitergehen soll. Teil der Gruppe zu sein, gibt ihnen Halt, der oft fest und plötzlich brüchig zu sein scheint. Man unterstützt sich gegenseitig und lässt einander doch wieder allein. Aggressionen und Zärtlichkeiten wechseln sich ab, Nähe wird sehnsüchtig gesucht, gleich darauf grenzt man sich voneinander ab. Die Gefühle sind intensiv, eruptiv wechseln sie ihre Richtung.
Der Blick der Kamera ist den Jugendlichen zugetan, er ist „nah dran“ (in einem guten Sinne). Der Regisseurin Melanie Waelde gelingt es, die Gefühlswelt dieser fünf Jugendlichen auszudrücken, trotz ihres wiedersprüchlichen Verhaltens fängt man an, sie zu verstehen. Dafür wurde sie mit einer Einladung in den Wettbewerb der neuen Berlinale-Sektion „Encounters“ belohnt.
„Nur junge, unverbrauchte Gesichter hat Waelde gecastet, normale, durchschnittliche Gesichter, die weit weg sind vom glatten Look, den das Mainstream-Kino favorisiert. Gefilmt wurde im altmodischen 4:3 Format, dessen fast quadratisches Bildfenster die Enge der Provinz noch drückender erscheinen lässt. Man mag hier an Tiere im Käfig denken, an ungezügelte Wesen, die auszubrechen versuchen, die nicht recht wissen wohin mit ihrer Energie, ihrer Wut. Doch solche Metaphern drängt Waelde nicht auf, sie deutet nur an, beobachtet wie die Gruppe um Katja sich entwickelt, feiert, liebt, streitet, kämpft. Von seltener Authentizität ist ihr Blick in das Leben junger Erwachsener in der deutschen Provinz, in dem Waelde offenbar auch etliche Erfahrungen ihres eigenen Lebens verarbeitet. Autobiographisch mutet „Nackte Tiere“ jedoch nie an, sondern findet stattdessen das Universelle im Speziellen.“ Michael Meyns, programmkino.de
Die jugendliche Fanny genießt das Privileg, auf die Maison d’éducation de la légion d’honneur, eine Elitehochschule in der Nähe von Paris, zu gehen. Sie nimmt ihre Schulbildung sehr ernst, gönnt sich aber dennoch nächtliche Treffen mit ihren Klassenkameradinnen im Kunstraum des altehrwürdigen Internats. Als Mélissa neu in die Klasse kommt, wird sie schnell in den Kreis der nachtaktiven Mädchen aufgenommen – die sich besonders von den Voodoo-Ritualen faszinieren lassen, die in Mélissas aus Haiti stammender Familie seit Generationen praktiziert werden. Als Fannys Freund mit ihr Schluß macht, sucht sie Mélissas Tante auf und bittet sie um magische Hilfe …
„Zombi Child ist ein vielschichtiger Film, der Fragen nach Geschichte, Kolonisation und kultureller Aneignung stellt. Die von Kameramann Yves Cape in hypnotische Bilder getauchte Erzählung des Zombi Clairvius Narcisse lässt sich auch als innere Vision dessen Enkeltochter Melissa deuten. Fannys Liebesbeziehung zu dem angehimmelten Pablo wirkt so entrückt und literarisch wie die exotistischen Phantasmen der Kolonialschriftsteller, angefangen bei Columbus. Die Mädchen hören am Gymnasium einen Vortrag des Historikers Patrick Boucheron über die Revolution und Idee der Freiheit im 19. Jahrhundert, die immer angestrebt und zugleich betrogen wurde. Aber der neuen Erfahrung wohnt immer auch ein zerstörerisches Element inne. Bonello umkreist und beschwört dieses Spannungsfeld in einem so verträumten wie konzentrierten Film, der außerdem dazu einlädt, den poetischen Rap von Damso und den Vodou-Rock der franco-haitischen Sängerin Moonlight Benjamin kennenzulernen.“ indiekino | Tom Dorow
Credits:
FR 2019, 103 Min.,| französische OmU Buch & Regie: Bertrand Bonello Kamera: Yves Cape Schnitt: Anita Roth mit: Louise Labeque, Wislanda Louimat, Mackenson Bijou, Adilé David
Trailer:
Zombi Child (offizieller Trailer) von Bertrand Bonello
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