Sibyl

Ein Film von Jus­ti­ne Triet. Ab irgend­wann im  fsk.

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Sibyl (Vir­gi­nie Efi­ra) arbei­tet als Psy­cho­the­ra­peu­tin. Sie wohnt mit ihrem Lebens­ge­fähr­ten und zwei Kin­dern, eins davon aus einer frü­he­ren Bezie­hung, zusam­men in Paris. Eines mor­gens kommt die jun­ge Frau auf die Idee, sich ihrer eigent­li­chen Lei­den­schaft, dem Schrei­ben, zu wid­men. Sie reicht alle ihre Pati­en­ten an Kol­le­gen wei­ter, schmeißt den Job und war­tet auf Inspi­ra­ti­on. Nur eine lässt sich nicht abwei­sen: Mar­got (Adè­le Exar­cho­pou­los), eine jun­ge Schau­spie­le­rin, die von Igor (Gas­pard Ulliel), einem Kol­le­gen, schwan­ger ist. Der ist aller­dings mit Mika (San­dra Hül­ler) liiert, einer deut­schen Regis­seu­rin, mit der bei­de zusam­men gera­de einen Film dre­hen. Mar­got ist kurz vor einem Ner­ven­zu­sam­men­bruch, sie braucht Hil­fe. Sibyl taucht immer tie­fer in ihr kom­pli­zier­tes Leben ein, und plötz­lich flutscht es auch mit dem Schrei­ben. Denn: Sie nimmt die The­ra­pie-Gesprä­che heim­lich mit dem Han­dy auf und schreibt sie ein­fach ab. Inzwi­schen ist Mar­got zu wei­te­ren Dreh­ar­bei­ten nach Strom­bo­li gereist, zuvor hat sie abge­trie­ben. Sie ist so ver­zwei­felt, dass sie ohne Sibyl nicht arbei­ten kann. Also fliegt die The­ra­peu­tin nach Süd-Ita­li­en. Eine Ent­schei­dung, die ihr Leben völ­lig durch­ein­an­der­bringt.

Die Hand­lung klingt in der Nach­er­zäh­lung ein­fa­cher als sie ist. Regis­seu­rin Jus­ti­ne Triet bricht die Linea­ri­tät ihrer Geschich­te auf, in dem sie immer wie­der Rück­blen­den von Sibyls geschei­ter­ter Bezie­hung ein­wirft, manch­mal nur kur­ze Erin­ner­ung­en auf­blit­zen lässt, von lei­den­schaft­li­chem Sex zum Bei­spiel, oder mit Ein­schü­ben die Rich­tung wech­selt. Gleich zu Beginn muss sich Sibyl von einem Mann, der den gan­zen Film über nicht mehr auf­tau­chen wird, in einem Sushi-Cir­cle-Restau­rant mit einem Wort­schwall zuschüt­ten las­sen. Eine ers­te Irri­tie­rung. Gele­gent­lich sehen wir sie bei Tref­fen der Anony­men Alko­ho­li­ker, obwohl wir sie zuvor noch nie betrun­ken gese­hen haben. Hat sich Sibyl viel­leicht selbst in die Rol­le einer Figur in ihrem Roman geträumt, in eine ande­re Vari­an­te ihrer selbst, der Alko­ho­li­ke­rin und zurück­ge­wie­se­nen Gelieb­ten viel­leicht? Oder sind hier meh­re­re Figu­ren, sie­he Piran­del­lo, auf der Suche nach einer Autorin, die alles zusam­men­hält? Viel­leicht ist aber auch alles ganz real, und Vir­gi­nie Efi­ra zeigt uns nur meh­re­re Facet­ten einer star­ken Frau: die fähi­ge The­ra­peu­tin, die lei­den­schaft­li­che Lieb­ha­be­rin, die gute Mut­ter, die erfolg­rei­che Schrift­stel­le­rin. Efi­ra hält jeden­falls den Film mit ihrer bra­vou­rö­sen Dar­stel­lung zusam­men – auch wenn er mit die­sen Anspie­lun­gen und Inter­pre­ta­ti­ons­an­ge­bo­ten ein wenig zu aus­ge­tüf­telt und steif daher­kommt. Nicht zu ver­ges­sen die sym­bol­träch­ti­gen Dreh­ar­bei­ten auf Strom­bo­li, die natür­lich eine Schnei­se schla­gen zu dem gleich­na­mi­gen Film, den Rober­to Ros­sel­li­ni 1949 mit Ingrid Berg­man insze­niert hat­te. Auch dort wur­den die Pro­ble­me im Zusam­men­le­ben von Mann und Frau the­ma­ti­siert. Doch es geht hier auch leicht­fü­ßig und komisch zu. Köst­lich jene Sze­ne, in der Sibyls Schwes­ter deren klei­ner Toch­ter bei­bringt, wie sie bei der Mut­ter Schuld­ge­füh­le aus­lö­sen kann. Und dann ist da noch San­dra Hül­ler als exzen­tri­sche deut­sche Art­house-Regis­seu­rin, die ihren Film über alles stellt und mehr als ein­mal die Geduld mit ihren Schau­spie­lern ver­liert. Ohne all­zu viel ver­ra­ten zu wol­len: Sie hat einen der schöns­ten Abgän­ge, die sich eine auf­ge­brach­te Regis­seu­rin im Kino jemals geleis­tet hat.

Micha­el Ran­ze | programmkino.de

 
Credits:

FR 2019, 100 Min., frz. OmU
Regie : Jus­ti­ne Triet
Kame­ra: Simon Beau­fils
Schnitt: Lau­rent Séné­chal
mit: Vir­gi­nie Efi­ra, Adè­le Exar­cho­pou­los, Gas­pard Ulliel, San­dra Hül­ler

 

Ter­mi­ne:

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Trai­ler: