Archiv der Kategorie: bald

Ungeduld des Herzens

Ein Film von Lauro Cress. Am 5.2. im fsk.

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Was als Geste des Mitgefühls beginnt, wird zur gefähr­li­chen Versuchung, sich als Retter zu füh­len. In Ungeduld des Herzens ver­legt Regisseur Lauro Cress Stefan Zweigs zeit­lo­se Geschichte von Mitleid und mora­li­scher Überforderung in die Gegenwart – ein inten­si­ves Psychodrama über die Sehnsucht nach Nähe, die Grenzen von Empathie und die Unmöglichkeit, für ande­re zu leben. Ausgezeichnet beim Max Ophüls Preis 2025 (Bester Spielfilm, Bester Schauspielnachwuchs), ist der Film ein her­aus­ra­gen­des Beispiel für das neue deut­sche Autorenkino – kraft­voll, berüh­rend und von gro­ßer emo­tio­na­ler Klarheit.

Ein Bowlingabend, ein Missverständnis – und ein Moment, der zwei Leben ver­än­dert. Der jun­ge Bundeswehrsoldat Isaac will der Schwester impo­nie­ren, als er die mür­ri­sche Edith zum Spielen auf­for­dert. Erst als sie schlaff zu Boden sinkt, erkennt er den Rollstuhl an der Seite. Von Scham getrie­ben sucht Isaac die Nähe der Frau, die er ver­letzt hat. Zwischen den bei­den ent­steht eine unge­wöhn­li­che Beziehung – vol­ler Mitgefühl, Hoffnung und wach­sen­der Abhängigkeit. Doch je stär­ker Isaac ver­sucht, Edith „zu hei­len“, des­to tie­fer ver­stri­cken sich bei­de in ein Geflecht aus Schuld, Selbsttäuschung und Sehnsucht.

Mit ein­drucks­vol­len Bildern und gro­ßer emo­tio­na­ler Präzision erzählt Ungeduld des Herzens von der gefähr­li­chen Grenze zwi­schen Liebe und Mitleid – und davon, wie leicht Hilfe zur Bevormundung wer­den kann.

Frei nach dem Roman von Stefan Zweig.

Credits:

DE 2015, 104 Min., deut­sche OmeU
Regie Lauro Cress
Kamera Jan David Gunther
Schnitt Ilya Gavrilenkov
mit: Giulio Brizzi, Ladina von Frisching, Thomas Loibl, Livia Matthes, Jan Fassbender 

Trailer:
Ungeduld des Herzens [Offizieller Trailer DEUTSCH HD] – Ab 5. Februar im Kino
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Ha’Mishlahat

Delegation

Ein Film von Asaf Saban. Im Januar im fsk.

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Wie Tausende ande­re jun­ge Menschen aus Israel reist eine Gruppe quer durch Polen, um an authen­ti­schen Schauplätzen etwas über die Geschichte ihrer Vorfahren und dere­nys­te­ma­ti­sche Vernichtung durch die deut­schen NS-Besatzer zu erfah­ren. Dabei wer­den Frisch, Ido, Nitz und ihre Klassenkamerad*innen nicht nur von Zeitzeugen beglei­tet, son­dern auch von Sehnsüchten und Sorgen, wel­che alle Teenager in die­sem Alter umtrei­ben – die ers­te Liebe, die ers­te Enttäuschung, die ers­te Identitätssuche, die ers­te Fernreise ohne den kon­trol­lie­ren­den Blick der Eltern.

Das Coming-of-Age-Roadmovie zeigt einer­seits eine Reise, die pro­to­ty­pisch für jene Mischung aus hoch­emo­tio­na­ler Geschichtsstunde und Partytour ist, wie sie vie­le Jugendliche aus Israel erlebt haben, bevor sie in die Armee ein­ge­zo­gen wur­den. Gleichzeitig schil­dert der Film ein fili­gra­nes Beziehungsdreieck, das von einer Überdosis an Impressionen und Hormonen kräf­tig durch­ge­rüt­telt wird. Der Film schafft es gekonnt, die Bustour weder als blo­ßes Erinnerungskultur-Theater zu dis­kre­di­tie­ren noch sie pathe­tisch zu über­hö­hen. Vielmehr zeich­net er ein warm­her­zi­ges, glaub­wür­di­ges Panorama über das Erwachsenwerden und die Schwierigkeiten der
Erinnerungskultur im 21. Jahrhundert – auch dank der her­aus­ra­gen­den Leistungen der jun­gen Hauptdarsteller*innen, allen vor­an Neomi Harari als drauf­gän­ge­ri­sche und gleich­zei­tig ver­letz­li­che Nitzan.
[Rainer Mende]

Credits:

Ha’Mishlahat
IL/PL/DE 2023, 101 Min., Polish, English, Hebrew
OmU
Regie: Asaf Saban
Kamera: Bogumił Godfrejów
Schnitt: Michal Oppenheim
mit: Neomi Harari, Yoav Bavly, Leib Lev Levin,
Ezra Dagan, Alma Dishy u. a.

Trailer:
Delegation | Trailer [HD]
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Faruk

Faruk

Ein Film von Aslı Özge. Am 21.1. mit anschlie­ßen­dem Filmgespräch mit Aslı Özge

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Der über 90-jäh­ri­ge Faruk wird zuse­hends zur Hauptfigur des Films, den sei­ne Tochter über den dro­hen­den Abriss sei­nes Wohnblocks in Istanbul dreht. In der Hoffnung, den Abriss des Hauses, in dem er meh­re­re Jahrzehnte sei­nes Lebens ver­bracht hat, noch abzu­wen­den, besucht Faruk regel­mä­ßig Sitzungen der Gebäudeverwaltung. Während die Tochter ihren Vater filmt, begin­nen die Grenzen zwi­schen Realität und Fiktion zu ver­schwim­men.
Gedreht an Originalschauplätzen, basie­rend auf wah­ren Begebenheiten und inspi­riert von rea­len Personen, gibt Aslı Özges neu­er Film Einblick in das Leben eines betag­ten Mannes in der leb­haf­ten Metropole Istanbul. Im Vordergrund ste­hen dabei neben den Folgen von Gentrifizierung auch die Verstrickungen inner­halb einer kom­ple­xen Vater-Tochter-Beziehung.

Es ist schön zu sehen, wie spar­sam und bei­läu­fig Aslı Özge klei­ne Pointen setzt, so wie das Leben selbst: Was dem alten Mann an der zukünf­ti­gen Wohnung miss­fällt, ist nicht zuletzt, dass sie kei­nen Balkon mehr haben wird, nur einen fran­zö­si­schen. Dabei hat er sei­nen alten nie mehr benutzt. Nicht, seit sei­ne Frau gestor­ben war. Der lee­re Balkon bewahrt ihr Andenken.“ Kerstin Decker | Tsp.

Credits:

DE/TR/FR 2024, 97 Min., tür­ki­sche OmU
Regie: Aslı Özge
Kamera: Emre Erkmen
Schnitt: Andreas Samland, Aslı Özge
mit: Faruk Özge, Derya Erkenci, Gönül Gezer, Nurdan Çakmak, Semih Arslanoğlu, Fikret Özge

Trailer:
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No Bears

Ein Film von Jafar Panahi. 

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Jafar Panahi dreht dies­mal einen Film über ein Liebespaar, das mit gefälsch­ten Pässen nach Frankreich flüch­ten will – in der Türkei. Doch wie schafft das der ira­ni­sche Regisseur, der ein Arbeitsverbot hat und das Land nicht ver­las­sen darf? Panahi hat sich in eine Provinz nahe der ira­nisch-tür­ki­schen Grenze zurück­ge­zo­gen und gibt sei­nem Regieassistenten über eine höchst insta­bi­le Internetverbindung Anweisungen. Nachts tref­fen sie sich heim­lich zur Übergabe der Festplatte mit dem neus­ten Drehmaterial. Aber Panahis Filme sind stets mehr­di­men­sio­nal. Wie schon zuvor ver­webt er auch hier geschickt Fiktion und Wirklichkeit, denn auch das länd­li­che Dorf ist Schauplatz einer fik­ti­ven Geschichte – über einen Regisseur, der den staat­li­chen Repressionen zum Trotz ver­sucht, sei­ne Arbeit als Filmemacher fort­zu­set­zen. Obwohl er sich unauf­fäl­lig ver­hält, um nicht iden­ti­fi­ziert und den Behörden gemel­det zu wer­den, gerät er wegen eines ver­meint­lich geschos­se­nen Fotos in Schwierigkeiten. Er soll ein Liebespaar abge­lich­tet haben, aber der jun­ge Mann war nicht der Verlobte, dem das Mädchen ver­spro­chen ist. Schon bald steht das gan­ze Dorf Kopf.

Auch in «No Bears» sind Panahis auto­bio­gra­fi­sche Erfahrungen und die Entstehungsbedingungen sei­nes Werks ein zen­tra­les Motiv. Er hat damit einen ein­drucks­vol­len, wenn auch für ihn gefähr­li­chen Weg gefun­den, für die Freiheit des Kunstschaffens im Iran zu kämp­fen. Darüber hin­aus ist «No Bears» eine viel­schich­ti­ge Parabel über den beklem­men­den Stillstand einer Gesellschaft und die pani­sche Ablehnung von Veränderung: in der Stadt unter dem Druck der Autoritäten, im Dorf in der Befangenheit des Aberglaubens. Wie macht man Kunst, um die Gesellschaft zum Wandel zu bewe­gen, wenn die­se es nicht will? Zu die­ser Frage kehrt «No Bears» immer wie­der zurück und ver­zwei­felt dabei lei­se an der Welt. Der Film gewann an den Filmfestspielen von Venedig den Spezialpreis der Jury, Jafar Panahi selbst wur­de im Juli erneut inhaf­tiert und vor Kurzem auf Kaution wie­der freigelassen.

Credits:

Khers nist 
IR 2022, 107 Min., far­si OmU
Regie: Jafar Panahi
Kamera: Amin Jafari
Schnitt: Amir Etminan
mit: Naser Hashemi, Jafar Panahi, Vahid Mobasheri
, Mina Kavani

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Souleymans Geschichte

Souleymans Geschichte

Ein Film von Boris Lojkine. Ab 19.2. im fsk.

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Schon von Berufs wegen kommt Souleyman (Abou Sangare) kaum zur Ruhe: Als Fahrradkurier rast er durch die Straßen von Paris, hetzt von Restaurants zu Empfängern, uner­bitt­lich über­wacht von der App sei­nes Auftragsgebers. Jede Minute zählt, Zeit ist Geld, all­zu viel bleibt am Ende der Woche ohne­hin nicht übrig, denn Souleyman ist ein sans-papier, ein Migrant ohne Papiere, der des­we­gen kei­ner regu­lä­ren Arbeit nach­ge­hen kann.

So mie­tet er qua­si das lega­le Konto eines Kameruners, der schon län­ger in Frankreich ist, der legal vor Ort ist und des­we­gen auch schon mal über „die­se Afrikaner“ motzt, die immer wie­der ihren Ruf als unzu­ver­läs­sig zu bestä­ti­gen schei­nen. Nur die Hälfte sei­nes Verdienstes kann Souleyman behal­ten, zumin­dest ist das die Abmachung, aber dass dar­aus nichts wird, ahnt man schnell.

Dabei braucht Souleyman jeden Euro, man­chen schickt er nach Hause, zu sei­ner Mutter, die teu­re Medikamente braucht, von denen er nicht weiß, ob sie sie bekommt. In Paris wie­der­um steht bald ein ent­schei­den­der Moment an, der über Souleymans Schicksal ent­schei­den könn­te: Ein Termin beim Amt für Migration, wo der Mann aus Guinea eine wil­de Geschichte auf­ti­schen will: Ein Mitglied der UFDG, der Union des forces démo­cra­ti­ques de Guinée behaup­tet Souleyman zu sein, eine der poli­ti­schen Fraktionen sei­ner Heimat, er behaup­tet, poli­tisch ver­folgt zu sein und bit­tet daher um Asyl. Reine Phantasie ist die­se Story, Souleyman lernt sie wie in der Schule aus­wen­dig, bekommt von einem Mittelsmann die pas­sen­den Papiere, einen Mitgliedsausweis der Partei und ande­res besorgt – natür­lich für Geld.

Während zu Hause in Guinea eine Frau auf ihn war­tet, lebt Souleyman in Paris in einer Unterkunft für Asylsuchende, irgend­wo am Rand der Stadt, weit weg vom Zentrum der Metropole, deren Dienstleistungsgewerbe ohne Migranten wie Souleyman nicht mehr funk­tio­nie­ren wür­de, in der sich bes­ser­ste­hen­de Franzosen aber eben so sehr über eine Veränderung des Stadtbildes bekla­gen dürf­ten, wie Friedrich Merz und Co.

In einem frü­he­ren Film hat­te der fran­zö­si­sche Autor und Regisseur Boris Lojkine den lan­gen Weg von Westafrika nach Europa beschrie­ben, in „Souleymans Geschichte“ geht es nun um das Schicksal, das vie­le Migranten im Herzen Frankreichs erle­ben. Hauptdarsteller Abou Sangare stammt selbst aus Guinea, einer ehe­ma­li­gen fran­zö­si­schen Kolonie in Westafrika, spielt hier sei­ne ers­te Rolle in einem Film, in die auch eige­ne Erlebnisse ein­ge­flos­sen sind.

In jeder Szene ist Souleyman zu sehen, ganz nah bleibt die Kamera an ihm dran, folgt ihm, wenn er durch die Straßen fährt, Autos aus­weicht, mög­lichst schnell sei­ne Lieferungen erle­di­gen will. Kontakt mit Kunden, mit wei­ßen Franzosen, gibt es kaum, auch in den Restaurants wer­den Lieferanten wie Souleyman meist nicht ger­ne gese­hen, müs­sen oft drau­ßen war­ten, trotz der Kälte. Und immer droht die Gefahr, eine schlech­te Bewertung zu bekom­men, eine zer­knit­ter­te Tüte kann aus­rei­chen, wür­de den Jobverlust bedeu­ten, die Probleme verschärfen.

Unterstützung erhält Souleyman von kaum jeman­den, in der Unterkunft hat er einen Freund, für ein paar Momente tauscht man sich aus, herrscht so etwas wie Normalität, doch früh am nächs­ten Morgen geht die Hetze wie­der los. Unerbittlich schil­dert Lojkine die­ses Leben, das exem­pla­risch für das vie­ler Migranten steht, die irgend­wie im Westen blei­ben wol­len, dem Staat nicht auf der Tasche lie­gen, von den Strukturen der Gig-Economy jedoch nur all­zu ger­ne aus­ge­nutzt werden.

Wer Lieferando oder Flink benutzt, wer sei­ne Pakete von Amazon bekommt, mag nach die­sem Film beim nächs­ten Mal viel­leicht ein biss­chen genau­er hin­schau­en, wer denn da das Essen oder Anderes lie­fert. Meist sind das auch in Deutschland Menschen mit Migrationshintergrund, denn ande­re haben auf die­se Jobs meist kei­ne Lust. Ihr Schicksal stellt „Souleymans Geschichte“ in den Mittelpunkt, ihnen ver­leiht Boris Lojkines ein­dring­li­cher Film eine Stimme. Michael Meyns | programmkino.de

Credits:

L’Histoire de Souleymane
FR 2024, 93 Min., Französisch, Pular, Maninka OmU
Regie: Boris Lojkine
Kamera: Tristan Galand
Schnitt: Xavier Sirven
mit: Abou Sangare, Nina Meurisse, Alpha Oumar Sow, Emmanuel Yovanie, Younoussa Diallo, Ghislain Mahan, Mamadou Barry, Yaya Diallo, Keita Diallo

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Winter in Sokcho

Ein Film von Koya Kamura. Ab 5.2. im fsk. 

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Eine sen­si­ble und sinn­li­che Verfilmung des Romans von Elisa Shua Dusapin, in der Roschdy Zem die Rolle eines ein­sa­men Comiczeichners spielt, der in einem ver­schnei­ten süd­ko­rea­ni­schen Badeort gestran­det ist.
In Sokcho, einer klei­nen Stadt am Meer in Südkorea, führt die 23-jäh­ri­ge Soo-Ha ein rou­ti­nier­tes Leben zwi­schen den Besuchen bei ihrer Mutter, einer Fischhändlerin, und der Beziehung zu ihrem Freund Jun-oh. Die Ankunft des Franzosen Yan Kerrand in der Pension, in der sie arbei­tet, weckt Fragen über ihre eige­ne Identität. Während der Winter die Stadt betäubt, beob­ach­ten sie sich gegen­sei­tig, prü­fen sich und knüp­fen eine zer­brech­li­che Verbindung.

Credits:

FR 2024, 105 Min., Französisch, Koreanisch, Englisch OmU
Regie: Koya Kamura
Kamera: Élodie Tahtane
Schnitt: Antoine Flandre
mit: Bella Kim & Roschdy Zem

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Father Mother Sister Brother

Ein Film von Jim Jarmusch. Ab 26.2. im fsk. 

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Father Mother Sister Brother ist ein behut­sam als Triptychon kom­po­nier­ter Spielfilm. Die drei Geschichten krei­sen um die Beziehungen erwach­se­ner Kinder zu ihren teils distan­zier­ten Eltern und unter­ein­an­der. Jedes der drei Kapitel spielt in der Gegenwart, jedes in einem ande­ren Land: FATHER ist im Nordosten der USA ange­sie­delt, MOTHER in Dublin und SISTER BROTHER in Paris. Es ist eine Reihe von Charakterstudien, ruhig, beob­ach­tend und ohne Wertung – und zugleich eine Komödie, durch­zo­gen von fei­nen Fäden der Melancholie.

Father Mother Sister Brother wur­de bei den Filmfestspielen von Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet.

Mit „Father Mother Sister Brother“ folgt Jarmusch nun einem noch weit schlich­te­ren Konzept – und fast scheint es so, als habe sich der Autorenfilmer zwi­schen­zeit­lich Inspiration von einem ande­ren Regisseur geholt: dem hier­zu­lan­de noch immer über­se­he­nen Hong-Sang soo („Right Now, Wrong Then“), der nur des­halb so unglaub­lich pro­duk­tiv sein kann, weil er für sei­ne Filme kaum mehr braucht als sein Stamm-Ensemble, Tisch und Stühle sowie einen Vorrat an Reiswein. Die meis­ter­li­che Observierung sozia­ler Awkwardness, vor allem aber die von Wiederholungen bestimm­te epi­so­dische Struktur von „Father Mother Sister Brother“ erin­nern unwei­ger­lich an das unver­wech­sel­ba­re Dialogkino des Südkoreaners.” Filmstarts

Credits:

US,FR,IT,DE,IR 2025, 101 Min., Englisch OmU
Regie: Jim Jarmusch
Kamera: Frederick Elmes, Yorick Le Saux
Schnitt: Affonso Gonçalves
mit: Tom Waits, Adam Driver, Mayim Bialik, Charlotte Rampling, Cate Blanchett, Vicky Krieps, Sarah Greene, Indya Moore, Luka Sabbat, Françoise Lebrun

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Schwesterherz

Ein Film von Sarah Miro Fischer. 

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Rose und ihr älte­rer Bruder Sam haben eine enge Bindung. Als Sam der Vergewaltigung beschul­digt wird, soll Rose im Rahmen der Ermittlungen gegen ihn aus­sa­gen. Das stellt sowohl die Beziehung der bei­den als auch Roses mora­li­sche Integrität auf die Probe.
Regisseurin Sarah Miro Fischer erkun­det in Schwesterherz eine inni­ge Geschwisterbeziehung. Sie unter­sucht, inwie­fern die Nähe zu einer Person den Blick auf die Realität ver­stel­len kann und wel­che Ereignisse die Kraft haben, auch die engs­ten Bindungen zu zer­stö­ren. In ihrer Arbeit mit den Schauspieler*innen legt sie beson­de­ren Wert auf kör­per­li­chen Ausdruck, um Geschichten auch jen­seits des gespro­che­nen Worts erzäh­len zu können.

Credits:

DE/ES 2025, 96 Min.,
In Deutsch (das meis­te) und Englisch, mit eng­li­schen und deut­schen Untertiteln
Regie: Sarah Miro Fischer
Kamera: Selma von Polheim Gravesen
Schnitt: Elena Weihe
mit: Marie Bloching, Anton Weil, Proschat Madani, Laura Balzer, Jane Chirwa

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White Snail

Ein Film von Elsa Kremser und Levin Peter. Ab 29.1. im fsk.
Am 29.1. mit anschlie­ßen­dem Filmgespräch mit Levin Peter.

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Von zwei sehr ver­schie­de­nen Menschen, die der Welt abge­wandt erschei­nen und sich für eine Zeit Halt geben kön­nen, erzählt der ers­te Spielfilm des bis­her auf doku­men­ta­ri­sches spe­zia­li­sier­ten Regieduos Elsa Kremser und Levin Peter. Reine Fiktion ist es den­noch nicht, denn immer­hin spie­len die bei­den eine Version ihrer selbst.
Mascha geht auf eine Modelschule und hat gute Chancen, danach in China zu arbei­ten. Der eini­ge Jahre älte­re Misha arbei­tet im Leichenschauhaus und ver­ar­bei­tet dies in dras­ti­schen Gemälden. Die im Film ange­leg­te Freundschaft zwi­schen der gra­zi­len, fast durch­schei­nend wir­ken­den jun­gen Frau und dem über und über täto­wier­tem, zurück­ge­zo­gen leben­den Maler ent­wi­ckelt sich, als Mascha nach einem Suizidversuch im Krankenhaus mit dem Tod eines Mitpatienten kon­fron­tiert wird. Fasziniert davon schleicht sie sich in das Leichenschauhaus, und lernt dort Misha ken­nen.
„Zwei kon­trast­rei­che Welten – bei­de um den Körper und sei­ne Darstellung zen­triert, doch auf zutiefst unter­schied­li­che Weise aus­ge­drückt – brin­gen wir in einem fik­tio­na­len Gefüge gezielt zum Zusammenstoß. Gemeinsam träu­men sie vom Ausbruch, doch ihre Hoffnungen wer­den gefes­selt von Angst und Scham – der Scham, als Künstler unge­se­hen zu blei­ben, der Scham im Kampf mit
Depressionen. Im Zentrum der Geschichte steht ein grund­le­gen­der Konflikt: die Wahl, sich einem ande­ren zu öff­nen und dadurch Verletzungen zu ris­kie­ren – oder sich zu iso­lie­ren und Einsamkeit und Stillstand zu akzep­tie­ren. …
Mit White Snail wol­len wir Verbundenheit spür­bar machen – das Gefühl, in unse­ren Kämpfen nicht allein zu sein, und den Mut, unse­re Schwächen nicht zu ver­ber­gen. Wir möch­ten sicht­bar machen, was meist ver­bor­gen bleibt – jen­seits von Nostalgie und ost­eu­ro­päi­schen Klischees. Wir erzäh­len von einem Land, des­sen Stimmen nur noch sel­ten über sei­ne Grenzen hin­aus­drin­gen.“ Regiekommentar
„Kemser und Peter fol­gen nie den gän­gi­gen Prinzipien und Mustern vie­ler inhalt­lich ähn­lich aus­ge­rich­te­ter Romanzen.… ruhig und gemäch­lich ent­wi­ckelt sich die Verbindung der bei­den Hauptcharaktere in die­sem unkon­ven­tio­nel­len, dring­li­chen Mix aus Drama und Romanze.“ Filmstarts.de 


Credits:

DE/AT 2025, 115 Min., Russian, Belarusian, English, Mandarin OmU
Regie: Elsa Kremser, Levin Peter
Kamera: Mikhail Khursevich
Schnitt: Stephan Bechinger
mit: Marya Imbro, Mikhail Senkov

Trailer:
WHITE SNAIL – Offizieller Trailer
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Silent Friend

Ein Film von Ildikó Enyedi. 

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Die Ungarin Ildiko Enyedi über­rascht immer wie­der von Neuem. Ihr Debüt Mein 20. Jahrhundert ver­bin­det mär­chen­haft-poe­tisch das Leben zwei­er auf geheim­nis­vol­le Weise getrenn­ter Zwillingsschwestern mit dem Fortschrittsglauben um 1900 und wird bei den 42. Filmfestspielen in Cannes sofort aus­ge­zeich­net. In Körper und Seele ste­hen zwei ein­sa­me Menschen, aber auch Tiere und Träume im Vordergrund. Das unge­wöhn­li­che Werk über­zeugt die Jury der 67. Berlinale und bekommt den Hauptpreis zuge­spro­chen. Silent Friend fei­ert letz­tes Jahr in Venedig sei­ne viel beach­te­te Premiere, und Luna Wedler wird „Beste Nachwuchsschauspielerin“.
In die­sem neu­en Werk dre­hen sich die drei zu ver­schie­de­nen Zeiten spie­len­den Kapitel um die Verbindung von Natur und Universum, vor allem aber um Pflanzen, dar­un­ter beson­ders um einen alten Ginkgo-Baum im Alten Botanischen Garten Marburg (wegen des Zeitabstandes der Episoden gab es aber noch zwei wei­te­re Baum-Darsteller unter­schied­li­chen Alters). – Als die Universität in Marburg erst­mals Frauen zum Studium zulässt, schafft es die jun­ge Grete, sich von den pro­vo­kan­ten Fragen der männ­li­chen Jury nicht aus der Ruhe brin­gen zu las­sen und wird zum Biologie-Studium zuge­las­sen. Dann erobert sie eine wei­te­re männ­li­che Domäne und ent­deckt die fan­tas­ti­schen Möglichkeiten der Fotografie für sich. Gefilmt wur­de die­ser Teil auf mono­chro­men 35mm-Material. – In den 1970-er Jahren ver­liebt sich der zurück­hal­ten­de Hannes in sei­ne auf­ge­schlos­se­ne Kommilitonin Gundula und wird durch sie in die Geheimnisse der Kommunikation mit Pflanzen ein­ge­weiht, ein­ge­fan­gen mit kör­ni­gem 16mm-Farbfilm. – Die Jetzt-Zeit wur­de digi­tal auf­ge­nom­men: Der asia­ti­sche Neurobiologe Tony (Tony Leung in sei­ner ers­ten euro­päi­schen Rolle) steckt auf­grund des Corona-Shutdowns in Marburg fest. Er muss sei­ne Zeit mit dem knur­ri­gen Hausmeister der Uni ver­brin­gen und beginnt die Erforschung des mäch­ti­gen, weib­li­chen Ginkgos.
Das ist alles nicht nur inter­es­sant und wun­der­schön anzu­se­hen, son­dern auch
„ein komi­scher, oft über­ra­schen­der, zeit­wei­se ganz schön durch­ge­knall­ter Film.“ Wolfgang Höbel | Der Spiegel

Credits:

DE/HU/FR 2025, 147 Min., deutsch, eng­li­sche OmU
Regie: Ildikó Enyedi
Kamera: Gergely Pálos
Schnitt: Károly Szala
mit: Tony Leung Chiu-wai, Luna Wedler, Enzo Brumm, Sylvester Groth, Martin Wuttke, Johannes Hegemann, Rainer Bock, Marlene Burow, Léa Seydoux

Trailer:
SILENT FRIEND I HD-Trailer I Ab15.01.2026 im Kino
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