Was als Geste des Mitgefühls beginnt, wird zur gefährlichen Versuchung, sich als Retter zu fühlen. In Ungeduld des Herzens verlegt Regisseur Lauro Cress Stefan Zweigs zeitlose Geschichte von Mitleid und moralischer Überforderung in die Gegenwart – ein intensives Psychodrama über die Sehnsucht nach Nähe, die Grenzen von Empathie und die Unmöglichkeit, für andere zu leben. Ausgezeichnet beim Max Ophüls Preis 2025 (Bester Spielfilm, Bester Schauspielnachwuchs), ist der Film ein herausragendes Beispiel für das neue deutsche Autorenkino – kraftvoll, berührend und von großer emotionaler Klarheit.
Ein Bowlingabend, ein Missverständnis – und ein Moment, der zwei Leben verändert. Der junge Bundeswehrsoldat Isaac will der Schwester imponieren, als er die mürrische Edith zum Spielen auffordert. Erst als sie schlaff zu Boden sinkt, erkennt er den Rollstuhl an der Seite. Von Scham getrieben sucht Isaac die Nähe der Frau, die er verletzt hat. Zwischen den beiden entsteht eine ungewöhnliche Beziehung – voller Mitgefühl, Hoffnung und wachsender Abhängigkeit. Doch je stärker Isaac versucht, Edith „zu heilen“, desto tiefer verstricken sich beide in ein Geflecht aus Schuld, Selbsttäuschung und Sehnsucht.
Mit eindrucksvollen Bildern und großer emotionaler Präzision erzählt Ungeduld des Herzens von der gefährlichen Grenze zwischen Liebe und Mitleid – und davon, wie leicht Hilfe zur Bevormundung werden kann.
Frei nach dem Roman von Stefan Zweig.
Credits:
DE 2015, 104 Min., deutsche OmeU Regie Lauro Cress Kamera Jan David Gunther Schnitt Ilya Gavrilenkov mit: Giulio Brizzi, Ladina von Frisching, Thomas Loibl, Livia Matthes, Jan Fassbender
Trailer:
Ungeduld des Herzens [Offizieller Trailer DEUTSCHHD] – Ab 5. Februar im Kino
Wie Tausende andere junge Menschen aus Israel reist eine Gruppe quer durch Polen, um an authentischen Schauplätzen etwas über die Geschichte ihrer Vorfahren und derenystematische Vernichtung durch die deutschen NS-Besatzer zu erfahren. Dabei werden Frisch, Ido, Nitz und ihre Klassenkamerad*innen nicht nur von Zeitzeugen begleitet, sondern auch von Sehnsüchten und Sorgen, welche alle Teenager in diesem Alter umtreiben – die erste Liebe, die erste Enttäuschung, die erste Identitätssuche, die erste Fernreise ohne den kontrollierenden Blick der Eltern.
Das Coming-of-Age-Roadmovie zeigt einerseits eine Reise, die prototypisch für jene Mischung aus hochemotionaler Geschichtsstunde und Partytour ist, wie sie viele Jugendliche aus Israel erlebt haben, bevor sie in die Armee eingezogen wurden. Gleichzeitig schildert der Film ein filigranes Beziehungsdreieck, das von einer Überdosis an Impressionen und Hormonen kräftig durchgerüttelt wird. Der Film schafft es gekonnt, die Bustour weder als bloßes Erinnerungskultur-Theater zu diskreditieren noch sie pathetisch zu überhöhen. Vielmehr zeichnet er ein warmherziges, glaubwürdiges Panorama über das Erwachsenwerden und die Schwierigkeiten der Erinnerungskultur im 21. Jahrhundert – auch dank der herausragenden Leistungen der jungen Hauptdarsteller*innen, allen voran Neomi Harari als draufgängerische und gleichzeitig verletzliche Nitzan. [Rainer Mende]
Credits:
Ha’Mishlahat IL/PL/DE 2023, 101 Min., Polish, English, HebrewOmU Regie: Asaf Saban Kamera: Bogumił Godfrejów Schnitt: Michal Oppenheim mit: Neomi Harari, Yoav Bavly, Leib Lev Levin, Ezra Dagan, Alma Dishy u. a.
Der über 90-jährige Faruk wird zusehends zur Hauptfigur des Films, den seine Tochter über den drohenden Abriss seines Wohnblocks in Istanbul dreht. In der Hoffnung, den Abriss des Hauses, in dem er mehrere Jahrzehnte seines Lebens verbracht hat, noch abzuwenden, besucht Faruk regelmäßig Sitzungen der Gebäudeverwaltung. Während die Tochter ihren Vater filmt, beginnen die Grenzen zwischen Realität und Fiktion zu verschwimmen. Gedreht an Originalschauplätzen, basierend auf wahren Begebenheiten und inspiriert von realen Personen, gibt Aslı Özges neuer Film Einblick in das Leben eines betagten Mannes in der lebhaften Metropole Istanbul. Im Vordergrund stehen dabei neben den Folgen von Gentrifizierung auch die Verstrickungen innerhalb einer komplexen Vater-Tochter-Beziehung.
„Es ist schön zu sehen, wie sparsam und beiläufig Aslı Özge kleine Pointen setzt, so wie das Leben selbst: Was dem alten Mann an der zukünftigen Wohnung missfällt, ist nicht zuletzt, dass sie keinen Balkon mehr haben wird, nur einen französischen. Dabei hat er seinen alten nie mehr benutzt. Nicht, seit seine Frau gestorben war. Der leere Balkon bewahrt ihr Andenken.“ Kerstin Decker | Tsp.
Credits:
DE/TR/FR 2024, 97 Min., türkische OmU Regie: Aslı Özge Kamera: Emre Erkmen Schnitt: Andreas Samland, Aslı Özge mit: Faruk Özge, Derya Erkenci, Gönül Gezer, Nurdan Çakmak, Semih Arslanoğlu, Fikret Özge
Jafar Panahi dreht diesmal einen Film über ein Liebespaar, das mit gefälschten Pässen nach Frankreich flüchten will – in der Türkei. Doch wie schafft das der iranische Regisseur, der ein Arbeitsverbot hat und das Land nicht verlassen darf? Panahi hat sich in eine Provinz nahe der iranisch-türkischen Grenze zurückgezogen und gibt seinem Regieassistenten über eine höchst instabile Internetverbindung Anweisungen. Nachts treffen sie sich heimlich zur Übergabe der Festplatte mit dem neusten Drehmaterial. Aber Panahis Filme sind stets mehrdimensional. Wie schon zuvor verwebt er auch hier geschickt Fiktion und Wirklichkeit, denn auch das ländliche Dorf ist Schauplatz einer fiktiven Geschichte – über einen Regisseur, der den staatlichen Repressionen zum Trotz versucht, seine Arbeit als Filmemacher fortzusetzen. Obwohl er sich unauffällig verhält, um nicht identifiziert und den Behörden gemeldet zu werden, gerät er wegen eines vermeintlich geschossenen Fotos in Schwierigkeiten. Er soll ein Liebespaar abgelichtet haben, aber der junge Mann war nicht der Verlobte, dem das Mädchen versprochen ist. Schon bald steht das ganze Dorf Kopf.
Auch in «No Bears» sind Panahis autobiografische Erfahrungen und die Entstehungsbedingungen seines Werks ein zentrales Motiv. Er hat damit einen eindrucksvollen, wenn auch für ihn gefährlichen Weg gefunden, für die Freiheit des Kunstschaffens im Iran zu kämpfen. Darüber hinaus ist «No Bears» eine vielschichtige Parabel über den beklemmenden Stillstand einer Gesellschaft und die panische Ablehnung von Veränderung: in der Stadt unter dem Druck der Autoritäten, im Dorf in der Befangenheit des Aberglaubens. Wie macht man Kunst, um die Gesellschaft zum Wandel zu bewegen, wenn diese es nicht will? Zu dieser Frage kehrt «No Bears» immer wieder zurück und verzweifelt dabei leise an der Welt. Der Film gewann an den Filmfestspielen von Venedig den Spezialpreis der Jury, Jafar Panahi selbst wurde im Juli erneut inhaftiert und vor Kurzem auf Kaution wieder freigelassen.
Credits:
Khers nist IR 2022, 107 Min., farsi OmU Regie: Jafar Panahi Kamera: Amin Jafari Schnitt: Amir Etminan mit: Naser Hashemi, Jafar Panahi, Vahid Mobasheri, Mina Kavani
Schon von Berufs wegen kommt Souleyman (Abou Sangare) kaum zur Ruhe: Als Fahrradkurier rast er durch die Straßen von Paris, hetzt von Restaurants zu Empfängern, unerbittlich überwacht von der App seines Auftragsgebers. Jede Minute zählt, Zeit ist Geld, allzu viel bleibt am Ende der Woche ohnehin nicht übrig, denn Souleyman ist ein sans-papier, ein Migrant ohne Papiere, der deswegen keiner regulären Arbeit nachgehen kann.
So mietet er quasi das legale Konto eines Kameruners, der schon länger in Frankreich ist, der legal vor Ort ist und deswegen auch schon mal über „diese Afrikaner“ motzt, die immer wieder ihren Ruf als unzuverlässig zu bestätigen scheinen. Nur die Hälfte seines Verdienstes kann Souleyman behalten, zumindest ist das die Abmachung, aber dass daraus nichts wird, ahnt man schnell.
Dabei braucht Souleyman jeden Euro, manchen schickt er nach Hause, zu seiner Mutter, die teure Medikamente braucht, von denen er nicht weiß, ob sie sie bekommt. In Paris wiederum steht bald ein entscheidender Moment an, der über Souleymans Schicksal entscheiden könnte: Ein Termin beim Amt für Migration, wo der Mann aus Guinea eine wilde Geschichte auftischen will: Ein Mitglied der UFDG, der Union des forces démocratiques de Guinée behauptet Souleyman zu sein, eine der politischen Fraktionen seiner Heimat, er behauptet, politisch verfolgt zu sein und bittet daher um Asyl. Reine Phantasie ist diese Story, Souleyman lernt sie wie in der Schule auswendig, bekommt von einem Mittelsmann die passenden Papiere, einen Mitgliedsausweis der Partei und anderes besorgt – natürlich für Geld.
Während zu Hause in Guinea eine Frau auf ihn wartet, lebt Souleyman in Paris in einer Unterkunft für Asylsuchende, irgendwo am Rand der Stadt, weit weg vom Zentrum der Metropole, deren Dienstleistungsgewerbe ohne Migranten wie Souleyman nicht mehr funktionieren würde, in der sich besserstehende Franzosen aber eben so sehr über eine Veränderung des Stadtbildes beklagen dürften, wie Friedrich Merz und Co.
In einem früheren Film hatte der französische Autor und Regisseur Boris Lojkine den langen Weg von Westafrika nach Europa beschrieben, in „Souleymans Geschichte“ geht es nun um das Schicksal, das viele Migranten im Herzen Frankreichs erleben. Hauptdarsteller Abou Sangare stammt selbst aus Guinea, einer ehemaligen französischen Kolonie in Westafrika, spielt hier seine erste Rolle in einem Film, in die auch eigene Erlebnisse eingeflossen sind.
In jeder Szene ist Souleyman zu sehen, ganz nah bleibt die Kamera an ihm dran, folgt ihm, wenn er durch die Straßen fährt, Autos ausweicht, möglichst schnell seine Lieferungen erledigen will. Kontakt mit Kunden, mit weißen Franzosen, gibt es kaum, auch in den Restaurants werden Lieferanten wie Souleyman meist nicht gerne gesehen, müssen oft draußen warten, trotz der Kälte. Und immer droht die Gefahr, eine schlechte Bewertung zu bekommen, eine zerknitterte Tüte kann ausreichen, würde den Jobverlust bedeuten, die Probleme verschärfen.
Unterstützung erhält Souleyman von kaum jemanden, in der Unterkunft hat er einen Freund, für ein paar Momente tauscht man sich aus, herrscht so etwas wie Normalität, doch früh am nächsten Morgen geht die Hetze wieder los. Unerbittlich schildert Lojkine dieses Leben, das exemplarisch für das vieler Migranten steht, die irgendwie im Westen bleiben wollen, dem Staat nicht auf der Tasche liegen, von den Strukturen der Gig-Economy jedoch nur allzu gerne ausgenutzt werden.
Wer Lieferando oder Flink benutzt, wer seine Pakete von Amazon bekommt, mag nach diesem Film beim nächsten Mal vielleicht ein bisschen genauer hinschauen, wer denn da das Essen oder Anderes liefert. Meist sind das auch in Deutschland Menschen mit Migrationshintergrund, denn andere haben auf diese Jobs meist keine Lust. Ihr Schicksal stellt „Souleymans Geschichte“ in den Mittelpunkt, ihnen verleiht Boris Lojkines eindringlicher Film eine Stimme. Michael Meyns | programmkino.de
Eine sensible und sinnliche Verfilmung des Romans von Elisa Shua Dusapin, in der Roschdy Zem die Rolle eines einsamen Comiczeichners spielt, der in einem verschneiten südkoreanischen Badeort gestrandet ist. In Sokcho, einer kleinen Stadt am Meer in Südkorea, führt die 23-jährige Soo-Ha ein routiniertes Leben zwischen den Besuchen bei ihrer Mutter, einer Fischhändlerin, und der Beziehung zu ihrem Freund Jun-oh. Die Ankunft des Franzosen Yan Kerrand in der Pension, in der sie arbeitet, weckt Fragen über ihre eigene Identität. Während der Winter die Stadt betäubt, beobachten sie sich gegenseitig, prüfen sich und knüpfen eine zerbrechliche Verbindung.
Credits:
FR 2024, 105 Min., Französisch, Koreanisch, Englisch OmU Regie: Koya Kamura Kamera: Élodie Tahtane Schnitt: Antoine Flandre mit: Bella Kim & Roschdy Zem
Father Mother Sister Brother ist ein behutsam als Triptychon komponierter Spielfilm. Die drei Geschichten kreisen um die Beziehungen erwachsener Kinder zu ihren teils distanzierten Eltern und untereinander. Jedes der drei Kapitel spielt in der Gegenwart, jedes in einem anderen Land: FATHER ist im Nordosten der USA angesiedelt, MOTHER in Dublin und SISTERBROTHER in Paris. Es ist eine Reihe von Charakterstudien, ruhig, beobachtend und ohne Wertung – und zugleich eine Komödie, durchzogen von feinen Fäden der Melancholie.
Father Mother Sister Brother wurde bei den Filmfestspielen von Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet.
„Mit „Father Mother Sister Brother“ folgt Jarmusch nun einem noch weit schlichteren Konzept – und fast scheint es so, als habe sich der Autorenfilmer zwischenzeitlich Inspiration von einem anderen Regisseur geholt: dem hierzulande noch immer übersehenen Hong-Sang soo („Right Now, Wrong Then“), der nur deshalb so unglaublich produktiv sein kann, weil er für seine Filme kaum mehr braucht als sein Stamm-Ensemble, Tisch und Stühle sowie einen Vorrat an Reiswein. Die meisterliche Observierung sozialer Awkwardness, vor allem aber die von Wiederholungen bestimmte episodische Struktur von „Father Mother Sister Brother“ erinnern unweigerlich an das unverwechselbare Dialogkino des Südkoreaners.” Filmstarts
Credits:
US,FR,IT,DE,IR 2025, 101 Min., Englisch OmU Regie: Jim Jarmusch Kamera: Frederick Elmes, Yorick Le Saux Schnitt: Affonso Gonçalves mit: Tom Waits, Adam Driver, Mayim Bialik, Charlotte Rampling, Cate Blanchett, Vicky Krieps, Sarah Greene, Indya Moore, Luka Sabbat, Françoise Lebrun
Rose und ihr älterer Bruder Sam haben eine enge Bindung. Als Sam der Vergewaltigung beschuldigt wird, soll Rose im Rahmen der Ermittlungen gegen ihn aussagen. Das stellt sowohl die Beziehung der beiden als auch Roses moralische Integrität auf die Probe. Regisseurin Sarah Miro Fischer erkundet in Schwesterherz eine innige Geschwisterbeziehung. Sie untersucht, inwiefern die Nähe zu einer Person den Blick auf die Realität verstellen kann und welche Ereignisse die Kraft haben, auch die engsten Bindungen zu zerstören. In ihrer Arbeit mit den Schauspieler*innen legt sie besonderen Wert auf körperlichen Ausdruck, um Geschichten auch jenseits des gesprochenen Worts erzählen zu können.
Credits:
DE/ES 2025, 96 Min., In Deutsch (das meiste) und Englisch, mit englischen und deutschen Untertiteln Regie: Sarah Miro Fischer Kamera: Selma von Polheim Gravesen Schnitt: Elena Weihe mit: Marie Bloching, Anton Weil, Proschat Madani, Laura Balzer, Jane Chirwa
Von zwei sehr verschiedenen Menschen, die der Welt abgewandt erscheinen und sich für eine Zeit Halt geben können, erzählt der erste Spielfilm des bisher auf dokumentarisches spezialisierten Regieduos Elsa Kremser und Levin Peter. Reine Fiktion ist es dennoch nicht, denn immerhin spielen die beiden eine Version ihrer selbst. Mascha geht auf eine Modelschule und hat gute Chancen, danach in China zu arbeiten. Der einige Jahre ältere Misha arbeitet im Leichenschauhaus und verarbeitet dies in drastischen Gemälden. Die im Film angelegte Freundschaft zwischen der grazilen, fast durchscheinend wirkenden jungen Frau und dem über und über tätowiertem, zurückgezogen lebenden Maler entwickelt sich, als Mascha nach einem Suizidversuch im Krankenhaus mit dem Tod eines Mitpatienten konfrontiert wird. Fasziniert davon schleicht sie sich in das Leichenschauhaus, und lernt dort Misha kennen. „Zwei kontrastreiche Welten – beide um den Körper und seine Darstellung zentriert, doch auf zutiefst unterschiedliche Weise ausgedrückt – bringen wir in einem fiktionalen Gefüge gezielt zum Zusammenstoß. Gemeinsam träumen sie vom Ausbruch, doch ihre Hoffnungen werden gefesselt von Angst und Scham – der Scham, als Künstler ungesehen zu bleiben, der Scham im Kampf mit Depressionen. Im Zentrum der Geschichte steht ein grundlegender Konflikt: die Wahl, sich einem anderen zu öffnen und dadurch Verletzungen zu riskieren – oder sich zu isolieren und Einsamkeit und Stillstand zu akzeptieren. … Mit White Snail wollen wir Verbundenheit spürbar machen – das Gefühl, in unseren Kämpfen nicht allein zu sein, und den Mut, unsere Schwächen nicht zu verbergen. Wir möchten sichtbar machen, was meist verborgen bleibt – jenseits von Nostalgie und osteuropäischen Klischees. Wir erzählen von einem Land, dessen Stimmen nur noch selten über seine Grenzen hinausdringen.“ Regiekommentar „Kemser und Peter folgen nie den gängigen Prinzipien und Mustern vieler inhaltlich ähnlich ausgerichteter Romanzen.… ruhig und gemächlich entwickelt sich die Verbindung der beiden Hauptcharaktere in diesem unkonventionellen, dringlichen Mix aus Drama und Romanze.“ Filmstarts.de
Die Ungarin Ildiko Enyedi überrascht immer wieder von Neuem. Ihr Debüt Mein 20. Jahrhundert verbindet märchenhaft-poetisch das Leben zweier auf geheimnisvolle Weise getrennter Zwillingsschwestern mit dem Fortschrittsglauben um 1900 und wird bei den 42. Filmfestspielen in Cannes sofort ausgezeichnet. In Körper und Seele stehen zwei einsame Menschen, aber auch Tiere und Träume im Vordergrund. Das ungewöhnliche Werk überzeugt die Jury der 67. Berlinale und bekommt den Hauptpreis zugesprochen. Silent Friend feiert letztes Jahr in Venedig seine viel beachtete Premiere, und Luna Wedler wird „Beste Nachwuchsschauspielerin“. In diesem neuen Werk drehen sich die drei zu verschiedenen Zeiten spielenden Kapitel um die Verbindung von Natur und Universum, vor allem aber um Pflanzen, darunter besonders um einen alten Ginkgo-Baum im Alten Botanischen Garten Marburg (wegen des Zeitabstandes der Episoden gab es aber noch zwei weitere Baum-Darsteller unterschiedlichen Alters). – Als die Universität in Marburg erstmals Frauen zum Studium zulässt, schafft es die junge Grete, sich von den provokanten Fragen der männlichen Jury nicht aus der Ruhe bringen zu lassen und wird zum Biologie-Studium zugelassen. Dann erobert sie eine weitere männliche Domäne und entdeckt die fantastischen Möglichkeiten der Fotografie für sich. Gefilmt wurde dieser Teil auf monochromen 35mm-Material. – In den 1970-er Jahren verliebt sich der zurückhaltende Hannes in seine aufgeschlossene Kommilitonin Gundula und wird durch sie in die Geheimnisse der Kommunikation mit Pflanzen eingeweiht, eingefangen mit körnigem 16mm-Farbfilm. – Die Jetzt-Zeit wurde digital aufgenommen: Der asiatische Neurobiologe Tony (Tony Leung in seiner ersten europäischen Rolle) steckt aufgrund des Corona-Shutdowns in Marburg fest. Er muss seine Zeit mit dem knurrigen Hausmeister der Uni verbringen und beginnt die Erforschung des mächtigen, weiblichen Ginkgos. Das ist alles nicht nur interessant und wunderschön anzusehen, sondern auch „ein komischer, oft überraschender, zeitweise ganz schön durchgeknallter Film.“ Wolfgang Höbel | Der Spiegel
Credits:
DE/HU/FR 2025, 147 Min., deutsch, englische OmU Regie: Ildikó Enyedi Kamera: Gergely Pálos Schnitt: Károly Szala mit: Tony Leung Chiu-wai, Luna Wedler, Enzo Brumm, Sylvester Groth, Martin Wuttke, Johannes Hegemann, Rainer Bock, Marlene Burow, Léa Seydoux
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