Silent Friend

Ein Film von Ildikó Enyedi. 

[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Die Ungarin Ildiko Enyedi über­rascht immer wie­der von Neuem. Ihr Debüt Mein 20. Jahrhundert ver­bin­det mär­chen­haft-poe­tisch das Leben zwei­er auf geheim­nis­vol­le Weise getrenn­ter Zwillingsschwestern mit dem Fortschrittsglauben um 1900 und wird bei den 42. Filmfestspielen in Cannes sofort aus­ge­zeich­net. In Körper und Seele ste­hen zwei ein­sa­me Menschen, aber auch Tiere und Träume im Vordergrund. Das unge­wöhn­li­che Werk über­zeugt die Jury der 67. Berlinale und bekommt den Hauptpreis zuge­spro­chen. Silent Friend fei­ert letz­tes Jahr in Venedig sei­ne viel beach­te­te Premiere, und Luna Wedler wird „Beste Nachwuchsschauspielerin“.
In die­sem neu­en Werk dre­hen sich die drei zu ver­schie­de­nen Zeiten spie­len­den Kapitel um die Verbindung von Natur und Universum, vor allem aber um Pflanzen, dar­un­ter beson­ders um einen alten Ginkgo-Baum im Alten Botanischen Garten Marburg (wegen des Zeitabstandes der Episoden gab es aber noch zwei wei­te­re Baum-Darsteller unter­schied­li­chen Alters). – Als die Universität in Marburg erst­mals Frauen zum Studium zulässt, schafft es die jun­ge Grete, sich von den pro­vo­kan­ten Fragen der männ­li­chen Jury nicht aus der Ruhe brin­gen zu las­sen und wird zum Biologie-Studium zuge­las­sen. Dann erobert sie eine wei­te­re männ­li­che Domäne und ent­deckt die fan­tas­ti­schen Möglichkeiten der Fotografie für sich. Gefilmt wur­de die­ser Teil auf mono­chro­men 35mm-Material. – In den 1970-er Jahren ver­liebt sich der zurück­hal­ten­de Hannes in sei­ne auf­ge­schlos­se­ne Kommilitonin Gundula und wird durch sie in die Geheimnisse der Kommunikation mit Pflanzen ein­ge­weiht, ein­ge­fan­gen mit kör­ni­gem 16mm-Farbfilm. – Die Jetzt-Zeit wur­de digi­tal auf­ge­nom­men: Der asia­ti­sche Neurobiologe Tony (Tony Leung in sei­ner ers­ten euro­päi­schen Rolle) steckt auf­grund des Corona-Shutdowns in Marburg fest. Er muss sei­ne Zeit mit dem knur­ri­gen Hausmeister der Uni ver­brin­gen und beginnt die Erforschung des mäch­ti­gen, weib­li­chen Ginkgos.
Das ist alles nicht nur inter­es­sant und wun­der­schön anzu­se­hen, son­dern auch
„ein komi­scher, oft über­ra­schen­der, zeit­wei­se ganz schön durch­ge­knall­ter Film.“ Wolfgang Höbel | Der Spiegel

Credits:

DE/HU/FR 2025, 147 Min., deutsch, eng­li­sche OmU
Regie: Ildikó Enyedi
Kamera: Gergely Pálos
Schnitt: Károly Szala
mit: Tony Leung Chiu-wai, Luna Wedler, Enzo Brumm, Sylvester Groth, Martin Wuttke, Johannes Hegemann, Rainer Bock, Marlene Burow, Léa Seydoux

Trailer:
SILENT FRIEND I HD-Trailer I Ab15.01.2026 im Kino
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Archiv: Termine

  • Silent Friend

    Silent Friend

    Ein Film von Ildikó Enyedi. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Die Ungarin Ildiko Enyedi über­rascht immer wie­der von Neuem. Ihr Debüt Mein 20. Jahrhundert ver­bin­det mär­chen­haft-poe­tisch das Leben zwei­er auf geheim­nis­vol­le Weise getrenn­ter Zwillingsschwestern mit dem Fortschrittsglauben um 1900 und wird bei den 42. Filmfestspielen in Cannes sofort aus­ge­zeich­net. In Körper und Seele ste­hen zwei ein­sa­me Menschen, aber auch Tiere und Träume im Vordergrund. Das unge­wöhn­li­che Werk über­zeugt die Jury der 67. Berlinale und bekommt den Hauptpreis zuge­spro­chen. Silent Friend fei­ert letz­tes Jahr in Venedig sei­ne viel beach­te­te Premiere, und Luna Wedler wird „Beste Nachwuchsschauspielerin“.
    In die­sem neu­en Werk dre­hen sich die drei zu ver­schie­de­nen Zeiten spie­len­den Kapitel um die Verbindung von Natur und Universum, vor allem aber um Pflanzen, dar­un­ter beson­ders um einen alten Ginkgo-Baum im Alten Botanischen Garten Marburg (wegen des Zeitabstandes der Episoden gab es aber noch zwei wei­te­re Baum-Darsteller unter­schied­li­chen Alters). – Als die Universität in Marburg erst­mals Frauen zum Studium zulässt, schafft es die jun­ge Grete, sich von den pro­vo­kan­ten Fragen der männ­li­chen Jury nicht aus der Ruhe brin­gen zu las­sen und wird zum Biologie-Studium zuge­las­sen. Dann erobert sie eine wei­te­re männ­li­che Domäne und ent­deckt die fan­tas­ti­schen Möglichkeiten der Fotografie für sich. Gefilmt wur­de die­ser Teil auf mono­chro­men 35mm-Material. – In den 1970-er Jahren ver­liebt sich der zurück­hal­ten­de Hannes in sei­ne auf­ge­schlos­se­ne Kommilitonin Gundula und wird durch sie in die Geheimnisse der Kommunikation mit Pflanzen ein­ge­weiht, ein­ge­fan­gen mit kör­ni­gem 16mm-Farbfilm. – Die Jetzt-Zeit wur­de digi­tal auf­ge­nom­men: Der asia­ti­sche Neurobiologe Tony (Tony Leung in sei­ner ers­ten euro­päi­schen Rolle) steckt auf­grund des Corona-Shutdowns in Marburg fest. Er muss sei­ne Zeit mit dem knur­ri­gen Hausmeister der Uni ver­brin­gen und beginnt die Erforschung des mäch­ti­gen, weib­li­chen Ginkgos.
    Das ist alles nicht nur inter­es­sant und wun­der­schön anzu­se­hen, son­dern auch
    „ein komi­scher, oft über­ra­schen­der, zeit­wei­se ganz schön durch­ge­knall­ter Film.“ Wolfgang Höbel | Der Spiegel

    Credits:

    DE/HU/FR 2025, 147 Min., deutsch, eng­li­sche OmU
    Regie: Ildikó Enyedi
    Kamera: Gergely Pálos
    Schnitt: Károly Szala
    mit: Tony Leung Chiu-wai, Luna Wedler, Enzo Brumm, Sylvester Groth, Martin Wuttke, Johannes Hegemann, Rainer Bock, Marlene Burow, Léa Seydoux

    Trailer:
    SILENT FRIEND I HD-Trailer I Ab15.01.2026 im Kino
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  • Ein einfacher Unfall

    Ein einfacher Unfall

    Ein Film von Jafar Panahi. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Ein ein­fa­cher Unfall, Gewinner der Goldenen Palme von Cannes, ist eine furcht­lo­se Leistung des Filmemachers Jafar Panahi – zugleich hoch­po­li­tisch und zutiefst mensch­lich. Mit uner­bitt­li­cher Klarheit stellt der Film mora­li­sche Fragen nach Wahrheit und Ungewissheit, Rache und Gnade.
    Als der Automechaniker Vahid zufäl­lig auf den Mann trifft, der ihn mut­maß­lich im Gefängnis gefol­tert hat, ent­führt er ihn, um Vergeltung zu üben. Doch der ein­zi­ge Hinweis auf Eghbals Identität ist das unver­kenn­ba­re Quietschen sei­ner Beinprothese. Auf der Suche nach Gewissheit wen­det sich Vahid an einen zer­streu­ten Kreis ande­rer, inzwi­schen frei­ge­las­se­ner Opfer. Doch je tie­fer sie in ihre Vergangenheit ein­tau­chen und je mehr ihre unter­schied­li­chen Weltanschauungen auf­ein­an­der­pral­len, des­to grö­ßer wer­den die Zweifel: Ist er es wirk­lich? Und was hie­ße Vergeltung überhaupt?

    Die Figuren des Films sind zwar fik­tiv, doch die Geschichten, die sie erzäh­len, basie­ren auf rea­len Ereignissen, die von ech­ten Gefangenen erlebt wur­den. Echt ist auch die Vielfalt die­ser Figuren und ihrer Reaktionen. Einige wer­den sehr gewalt­tä­tig und von Rachegelüsten getrie­ben. Andere wie­der­um ver­su­chen, einen Schritt zurück­zu­tre­ten und über lang­fris­ti­ge Strategien nach­zu­den­ken. Einige waren stark poli­ti­siert – oder wur­den es. Andere waren es über­haupt nicht und wur­den fast zufäl­lig ver­haf­tet. Letzteres trifft auf Vahid, die Hauptfigur, zu: Er war ein Arbeiter, der ein­fach nur sei­nen Lohn ein­for­der­te. Das Regime macht kei­nen Unterschied zwi­schen die­sen Menschen. Jede der ande­ren Figuren reprä­sen­tiert eine der vie­len, mehr oder weni­ger fest orga­ni­sier­ten Oppositionsgruppen. Diese Gruppen gera­ten oft anein­an­der, sogar
    hin­ter Gittern. Sie alle sind sich einig, dass sie das Regime ableh­nen, aber dar­über hin­aus gehen die Meinungen aus­ein­an­der. Seit dem Tod von Mahsa Amini und dem Aufkommen von „Frau, Leben, Freiheit” hat sich die Ablehnung des Regimes weit ver­brei­tet. Oft wis­sen die Menschen jedoch nicht, womit sie es erset­zen sol­len. Das sieht man heu­te deut­lich: Zum Beispiel zei­gen sich vie­le Frauen nun ohne Hidschab in der Öffentlichkeit. Eine sol­che Form des mas­si­ven zivi­len Ungehorsams war vor weni­gen Jahren noch undenk­bar. Die Szenen im Film, die mit unver­schlei­er­ten Schauspielerinnen auf der Straße gedreht wur­den, spie­geln jedoch die heu­ti­ge Realität wider. Es sind die ira­ni­schen Frauen, die die­sen Wandel her­bei­ge­führt haben.„
    Jafar Panahi

    Auch im fsk: Jafar Panahis vor­letz­ter Film No Bears (Spezialpreis der Jury, Venedig)

    Credits:

    Yek tasa­def sadeh یک تصادف ساده,
    IR/FR/LU 2025, 102 Min., far­si OmU
    Regie: Jafar Panahi
    Kamera: Amin Jafari
    Schnitt: Amir Etminan
    mit: Vahid Mobasseri, Maryam Afshari, Ebrahim Azizi, Hadis Pakbaten

    Trailer:
    EIN EINFACHER UNFALL Trailer OmU German | Deutsch
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  • Die jüngste Tochter

    Die jüngste Tochter

    Ein Film von Hafsia Herzi. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Zu Hause, in den Augen ihrer mus­li­mi­schen Familie, ist die 19-jäh­ri­ge Fatima eine gute Tochter: Sie betet, hat Bestnoten und ein ent­spann­tes Verhältnis zu ihren Eltern und den bei­den älte­ren Schwestern. In der Schule aber raucht sie (obwohl sie Asthma hat) und hängt mit den größ­ten Rabauken ab. Bei den homo­pho­ben Sprüchen ihrer Kumpels ist sie still – obwohl sie selbst längst weiß, dass sie wahr­schein­lich les­bisch ist. Nachdem sich Fatima per Dating-App zum ers­ten Mal mit ande­ren Frauen trifft und dabei Ji-Na (Park Min-ji) ken­nen­lernt, beginnt für sie der lan­ge, stei­ni­ge Weg raus aus dem „Schrank“, der bei Fatima eher ein Kokon ist.

    Regisseurin Hafsia Herzis zwei­ter Langfilm DIE JÜNGSTE TOCHTER (frz. La peti­te der­niè­re) basiert auf dem gleich­na­mi­gen auto­fik­tio­na­len Roman der alge­risch-fran­zö­si­schen Autorin Fatima Daas. Die Heldin des Films ist in kei­ner Welt rich­tig zu Hause, wächst auf inmit­ten unauf­lös­ba­rer Widersprüche. So ver­schlos­sen ist sie, dass sie selbst die Zuschauenden stets auf Distanz hält und es ihnen schwer macht, einen rich­ti­gen Zugang zu ihr zu fin­den. Sie lügt ihre Dates und Freund*innen an und hat auf Schritt und Tritt Angst, ent­tarnt zu wer­den. Im Sommer mit ihrer ers­ten gro­ßen Liebe, der im gemein­sa­men Besuch einer CSD-Veranstaltung mün­det, blüht sie erst­mals auf, doch das Glück ist nicht von Dauer.

    Herzi erzählt ellip­tisch und in scharf kon­tu­rier­ten Sequenzen von Fatimas Selbstfindung. Der Film ist gespickt mit her­aus­ra­gen­den fil­mi­schen Momenten: das Gespräch mit dem Imam etwa, der ihr vor­be­tet, war­um ihre dis­pa­ra­ten Lebenswelten sich nie ver­ein­ba­ren las­sen wer­den, oder der Versuch, sich gegen­über ihrer lie­be­vol­len Mutter zu outen. Schön, dass die­se Geschichte für ihr les­bi­sches Liebespaar nicht nur Tragik, son­dern auch ein Quäntchen Hoffnung bereithält.

    Eva Szulkowsk | indiekino

    Interview mit Hafsia Herzi

    Credits:

    La peti­te der­niè­re
    DE/FR 2025, 106 Min., Französisch, Arabisch OmU
    Regie: Hafsia Herzi
    Kamera: Jérémie Attard
    Schnitt: Géraldine Mangenot
    mit Nadia Melliti, Ji-Min Park, Aloïse Sauvage, Nemo Schiffman, Sophie Garagnon

    Audiodeskriptionen, Untertitel und Hörverstärkung mit der Greta App

    Trailer:
    DIE JÜNGSTE TOCHTER | Trailer OmU | Ab 25.12. im Kino!
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  • Schwesterherz

    Schwesterherz

    Ein Film von Sarah Miro Fischer. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Rose und ihr älte­rer Bruder Sam haben eine enge Bindung. Als Sam der Vergewaltigung beschul­digt wird, soll Rose im Rahmen der Ermittlungen gegen ihn aus­sa­gen. Das stellt sowohl die Beziehung der bei­den als auch Roses mora­li­sche Integrität auf die Probe.
    Regisseurin Sarah Miro Fischer erkun­det in Schwesterherz eine inni­ge Geschwisterbeziehung. Sie unter­sucht, inwie­fern die Nähe zu einer Person den Blick auf die Realität ver­stel­len kann und wel­che Ereignisse die Kraft haben, auch die engs­ten Bindungen zu zer­stö­ren. In ihrer Arbeit mit den Schauspieler*innen legt sie beson­de­ren Wert auf kör­per­li­chen Ausdruck, um Geschichten auch jen­seits des gespro­che­nen Worts erzäh­len zu können.

    Credits:

    DE/ES 2025, 96 Min.,
    In Deutsch (das meis­te) und Englisch, mit eng­li­schen und deut­schen Untertiteln
    Regie: Sarah Miro Fischer
    Kamera: Selma von Polheim Gravesen
    Schnitt: Elena Weihe
    mit: Marie Bloching, Anton Weil, Proschat Madani, Laura Balzer, Jane Chirwa

    Trailer:
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  • No Bears

    No Bears

    Ein Film von Jafar Panahi. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Jafar Panahi dreht dies­mal einen Film über ein Liebespaar, das mit gefälsch­ten Pässen nach Frankreich flüch­ten will – in der Türkei. Doch wie schafft das der ira­ni­sche Regisseur, der ein Arbeitsverbot hat und das Land nicht ver­las­sen darf? Panahi hat sich in eine Provinz nahe der ira­nisch-tür­ki­schen Grenze zurück­ge­zo­gen und gibt sei­nem Regieassistenten über eine höchst insta­bi­le Internetverbindung Anweisungen. Nachts tref­fen sie sich heim­lich zur Übergabe der Festplatte mit dem neus­ten Drehmaterial. Aber Panahis Filme sind stets mehr­di­men­sio­nal. Wie schon zuvor ver­webt er auch hier geschickt Fiktion und Wirklichkeit, denn auch das länd­li­che Dorf ist Schauplatz einer fik­ti­ven Geschichte – über einen Regisseur, der den staat­li­chen Repressionen zum Trotz ver­sucht, sei­ne Arbeit als Filmemacher fort­zu­set­zen. Obwohl er sich unauf­fäl­lig ver­hält, um nicht iden­ti­fi­ziert und den Behörden gemel­det zu wer­den, gerät er wegen eines ver­meint­lich geschos­se­nen Fotos in Schwierigkeiten. Er soll ein Liebespaar abge­lich­tet haben, aber der jun­ge Mann war nicht der Verlobte, dem das Mädchen ver­spro­chen ist. Schon bald steht das gan­ze Dorf Kopf.

    Auch in «No Bears» sind Panahis auto­bio­gra­fi­sche Erfahrungen und die Entstehungsbedingungen sei­nes Werks ein zen­tra­les Motiv. Er hat damit einen ein­drucks­vol­len, wenn auch für ihn gefähr­li­chen Weg gefun­den, für die Freiheit des Kunstschaffens im Iran zu kämp­fen. Darüber hin­aus ist «No Bears» eine viel­schich­ti­ge Parabel über den beklem­men­den Stillstand einer Gesellschaft und die pani­sche Ablehnung von Veränderung: in der Stadt unter dem Druck der Autoritäten, im Dorf in der Befangenheit des Aberglaubens. Wie macht man Kunst, um die Gesellschaft zum Wandel zu bewe­gen, wenn die­se es nicht will? Zu die­ser Frage kehrt «No Bears» immer wie­der zurück und ver­zwei­felt dabei lei­se an der Welt. Der Film gewann an den Filmfestspielen von Venedig den Spezialpreis der Jury, Jafar Panahi selbst wur­de im Juli erneut inhaf­tiert und vor Kurzem auf Kaution wie­der freigelassen.

    Credits:

    Khers nist 
    IR 2022, 107 Min., far­si OmU
    Regie: Jafar Panahi
    Kamera: Amin Jafari
    Schnitt: Amir Etminan
    mit: Naser Hashemi, Jafar Panahi, Vahid Mobasheri
    , Mina Kavani

    Trailer:
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  • Der Fremde

    Der Fremde

    Ein Film von François Ozon. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    François Ozon greift einen Stoff aus den 1940er-Jahren auf: den exis­ten­zia­lis­ti­schen Romanklassiker Der Fremde von Albert Camus. Darin war­tet ein jun­ger Franzose in den 1930er-Jahren in Algerien in einer Gefängniszelle auf sei­ne Hinrichtung, weil er einen Mann getö­tet hat. Ozon ent­fal­tet das Drama um den sei­nem Tod ent­ge­gen­se­hen­den Meursault (Benjamin Voisin) und die in Rückblenden sich ent­fal­ten­den Ereignisse, die zu dem Mord geführt haben, in schwarz-wei­ßen Bildern, die in ihrer fast über­ir­di­schen Schönheit in ihren Bann schla­gen und zugleich Rätsel auf­ge­ben, weil sie in einer selt­sa­men, span­nungs­vol­len Reibung zur Geschichte stehen.

    Der Kamerablick, der ein gera­de­zu ero­ti­sches Verhältnis zu der Welt an den Tag legt, scheint ein Widerspruch zu Meursaults Apathie zu sein. Während der jun­ge Mann durch sein Leben treibt, ohne von dem berührt zu wer­den, was er erlebt – vom Tod der Mutter zu Beginn über die Affäre mit einer ihn lie­ben­den jun­gen Frau bis letzt­end­lich zum impul­si­ven Akt der Tötung –, ist der Blick der Kamera umso zuge­neig­ter. Die spar­sam, aber sehr wir­kungs­voll ein­ge­setz­te Musik ver­sucht hart­nä­ckig, Meursaults Kälte gegen­über Menschen und Dingen etwas ent­ge­gen­zu­set­zen. Während es in dem Roman um einen Menschen geht, der nichts wert­schät­zen kann, weil er den Glauben an eine tran­szen­den­te Dimension ver­lo­ren hat und jen­seits der Dinge kei­nen höhe­ren Sinn erken­nen kann, scheint Ozon die­se Materialität durch­aus zu genü­gen, um die Welt zu lie­ben.
    Felicitas Kleiner | Filmdienst

    Credits:

    L’Étranger
    FR 2025, 120 Min., fran­zö­si­sche OmU
    Regie: François Ozon
    Kamera: Manu Dacosse
    Schnitt: Clément Selitzki
    mit: Benjamin Voisin, Rebecca Marder, Pierre Lottin, Denis Lavant, Swann Arlaud

    Audiodeskriptionen, Untertitel und Hörverstärkung mit der Greta App

    Trailer:
    Der Fremde – Trailer OmU
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  • Silent Friend

    Silent Friend

    Ein Film von Ildikó Enyedi. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Die Ungarin Ildiko Enyedi über­rascht immer wie­der von Neuem. Ihr Debüt Mein 20. Jahrhundert ver­bin­det mär­chen­haft-poe­tisch das Leben zwei­er auf geheim­nis­vol­le Weise getrenn­ter Zwillingsschwestern mit dem Fortschrittsglauben um 1900 und wird bei den 42. Filmfestspielen in Cannes sofort aus­ge­zeich­net. In Körper und Seele ste­hen zwei ein­sa­me Menschen, aber auch Tiere und Träume im Vordergrund. Das unge­wöhn­li­che Werk über­zeugt die Jury der 67. Berlinale und bekommt den Hauptpreis zuge­spro­chen. Silent Friend fei­ert letz­tes Jahr in Venedig sei­ne viel beach­te­te Premiere, und Luna Wedler wird „Beste Nachwuchsschauspielerin“.
    In die­sem neu­en Werk dre­hen sich die drei zu ver­schie­de­nen Zeiten spie­len­den Kapitel um die Verbindung von Natur und Universum, vor allem aber um Pflanzen, dar­un­ter beson­ders um einen alten Ginkgo-Baum im Alten Botanischen Garten Marburg (wegen des Zeitabstandes der Episoden gab es aber noch zwei wei­te­re Baum-Darsteller unter­schied­li­chen Alters). – Als die Universität in Marburg erst­mals Frauen zum Studium zulässt, schafft es die jun­ge Grete, sich von den pro­vo­kan­ten Fragen der männ­li­chen Jury nicht aus der Ruhe brin­gen zu las­sen und wird zum Biologie-Studium zuge­las­sen. Dann erobert sie eine wei­te­re männ­li­che Domäne und ent­deckt die fan­tas­ti­schen Möglichkeiten der Fotografie für sich. Gefilmt wur­de die­ser Teil auf mono­chro­men 35mm-Material. – In den 1970-er Jahren ver­liebt sich der zurück­hal­ten­de Hannes in sei­ne auf­ge­schlos­se­ne Kommilitonin Gundula und wird durch sie in die Geheimnisse der Kommunikation mit Pflanzen ein­ge­weiht, ein­ge­fan­gen mit kör­ni­gem 16mm-Farbfilm. – Die Jetzt-Zeit wur­de digi­tal auf­ge­nom­men: Der asia­ti­sche Neurobiologe Tony (Tony Leung in sei­ner ers­ten euro­päi­schen Rolle) steckt auf­grund des Corona-Shutdowns in Marburg fest. Er muss sei­ne Zeit mit dem knur­ri­gen Hausmeister der Uni ver­brin­gen und beginnt die Erforschung des mäch­ti­gen, weib­li­chen Ginkgos.
    Das ist alles nicht nur inter­es­sant und wun­der­schön anzu­se­hen, son­dern auch
    „ein komi­scher, oft über­ra­schen­der, zeit­wei­se ganz schön durch­ge­knall­ter Film.“ Wolfgang Höbel | Der Spiegel

    Credits:

    DE/HU/FR 2025, 147 Min., deutsch, eng­li­sche OmU
    Regie: Ildikó Enyedi
    Kamera: Gergely Pálos
    Schnitt: Károly Szala
    mit: Tony Leung Chiu-wai, Luna Wedler, Enzo Brumm, Sylvester Groth, Martin Wuttke, Johannes Hegemann, Rainer Bock, Marlene Burow, Léa Seydoux

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    SILENT FRIEND I HD-Trailer I Ab15.01.2026 im Kino
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  • Ein einfacher Unfall

    Ein einfacher Unfall

    Ein Film von Jafar Panahi. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Ein ein­fa­cher Unfall, Gewinner der Goldenen Palme von Cannes, ist eine furcht­lo­se Leistung des Filmemachers Jafar Panahi – zugleich hoch­po­li­tisch und zutiefst mensch­lich. Mit uner­bitt­li­cher Klarheit stellt der Film mora­li­sche Fragen nach Wahrheit und Ungewissheit, Rache und Gnade.
    Als der Automechaniker Vahid zufäl­lig auf den Mann trifft, der ihn mut­maß­lich im Gefängnis gefol­tert hat, ent­führt er ihn, um Vergeltung zu üben. Doch der ein­zi­ge Hinweis auf Eghbals Identität ist das unver­kenn­ba­re Quietschen sei­ner Beinprothese. Auf der Suche nach Gewissheit wen­det sich Vahid an einen zer­streu­ten Kreis ande­rer, inzwi­schen frei­ge­las­se­ner Opfer. Doch je tie­fer sie in ihre Vergangenheit ein­tau­chen und je mehr ihre unter­schied­li­chen Weltanschauungen auf­ein­an­der­pral­len, des­to grö­ßer wer­den die Zweifel: Ist er es wirk­lich? Und was hie­ße Vergeltung überhaupt?

    Die Figuren des Films sind zwar fik­tiv, doch die Geschichten, die sie erzäh­len, basie­ren auf rea­len Ereignissen, die von ech­ten Gefangenen erlebt wur­den. Echt ist auch die Vielfalt die­ser Figuren und ihrer Reaktionen. Einige wer­den sehr gewalt­tä­tig und von Rachegelüsten getrie­ben. Andere wie­der­um ver­su­chen, einen Schritt zurück­zu­tre­ten und über lang­fris­ti­ge Strategien nach­zu­den­ken. Einige waren stark poli­ti­siert – oder wur­den es. Andere waren es über­haupt nicht und wur­den fast zufäl­lig ver­haf­tet. Letzteres trifft auf Vahid, die Hauptfigur, zu: Er war ein Arbeiter, der ein­fach nur sei­nen Lohn ein­for­der­te. Das Regime macht kei­nen Unterschied zwi­schen die­sen Menschen. Jede der ande­ren Figuren reprä­sen­tiert eine der vie­len, mehr oder weni­ger fest orga­ni­sier­ten Oppositionsgruppen. Diese Gruppen gera­ten oft anein­an­der, sogar
    hin­ter Gittern. Sie alle sind sich einig, dass sie das Regime ableh­nen, aber dar­über hin­aus gehen die Meinungen aus­ein­an­der. Seit dem Tod von Mahsa Amini und dem Aufkommen von „Frau, Leben, Freiheit” hat sich die Ablehnung des Regimes weit ver­brei­tet. Oft wis­sen die Menschen jedoch nicht, womit sie es erset­zen sol­len. Das sieht man heu­te deut­lich: Zum Beispiel zei­gen sich vie­le Frauen nun ohne Hidschab in der Öffentlichkeit. Eine sol­che Form des mas­si­ven zivi­len Ungehorsams war vor weni­gen Jahren noch undenk­bar. Die Szenen im Film, die mit unver­schlei­er­ten Schauspielerinnen auf der Straße gedreht wur­den, spie­geln jedoch die heu­ti­ge Realität wider. Es sind die ira­ni­schen Frauen, die die­sen Wandel her­bei­ge­führt haben.„
    Jafar Panahi

    Auch im fsk: Jafar Panahis vor­letz­ter Film No Bears (Spezialpreis der Jury, Venedig)

    Credits:

    Yek tasa­def sadeh یک تصادف ساده,
    IR/FR/LU 2025, 102 Min., far­si OmU
    Regie: Jafar Panahi
    Kamera: Amin Jafari
    Schnitt: Amir Etminan
    mit: Vahid Mobasseri, Maryam Afshari, Ebrahim Azizi, Hadis Pakbaten

    Trailer:
    EIN EINFACHER UNFALL Trailer OmU German | Deutsch
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