Als die junge Sportfotografin Lisa verschwindet, beschließt ihr Vater sie zu suchen und macht sich mit ihrem besten Freund, dem mysteriösen Levani, auf eine Reise durch Georgien. Lisa hatte zuletzt Fußballstadien im ganzen Land fotografiert. Mit der vorbeiziehenden Landschaft und von einem Spielfeld zum nächsten ändern sich die Menschen sowie ihre Geschichten. Doch mit jedem Fußballplatz und jedem Dorf scheinen die Chancen, Lisa zu finden, zu schwinden…
Mit seinem neuen Roadmovie setzt Alexandre Koberidze nach WASSEHENWIR, WENNWIRZUMHIMMELSCHAUEN? die poetische Erkundung seines Heimatlandes Georgien fort.
Moldawien, 1997. Sechs Jahre nach dem Zusammenbruch der UdSSR ist die anfängliche Euphorie verflogen und hat ein Land zurückgelassen, das in einer tiefen und anhaltenden Krise versinkt. Inmitten dieser harten Realität kämpft eine Familie ums Überleben. Zina, eine Bühnenbildnerin an einem einst lebendigen Kindertheater, hat seit Monaten keinen Lohn erhalten, versucht jedoch weiterhin, ihre Familie zusammenzuhalten und Essen auf den Tisch zu bringen. Ihr Ehemann Victor, ein von der Geschichte zurückgelassener Künstler, versinkt in Melancholie und ist unfähig, sich an die neue Wirklichkeit anzupassen. Ihre Tochter Eva, eine begabte Klavierschülerin, lässt die Kindheit hinter sich, während sie ihren Platz in einer Welt sucht, die um sie herum zu zerfallen scheint. Während Freunde und Nachbarn das sinkende Schiff still und leise verlassen, um im Ausland ein besseres Leben zu suchen, treibt die Verzweiflung Zina dazu, das Familienhaus zu vermieten. Diese Entscheidung zerreißt die Familie und reißt sie in eine gefährliche Reise hinein, gefangen zwischen Überleben, flüchtiger Hoffnung und dem zerbrechlichen Traum von einem Leben, das vielleicht niemals das ihre sein wird.
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Înstrăinare DE/RO/MD 2026, 133 Min., rumänische OmU Regie: Ana-Felicia Scutelnicu Kamera: Javier Palicio Montage: Ecaterina Iaschevici, supported by Dana Bunescu mit: Marina Palii, Arina Mura, Ion Munteanu, Paulina Zavtonii, Ion Liulica, Marina Weis
Wie bereits bei seinem Drama Memory (2023) arbeitet der Autorenfilmer Michel Franco bei seinem dritten Film erneut mit der US-Schauspielerin Jessica Chastain zusammen. Auch dieses Mal agieren beide, ergänzt durch den Ballettstar Isaac Hernández, vor und hinter der Kamera mit der dem Sujet angemessenen Sensibilität. Der Film ist eine Abrechnung mit der amerikanischen Migrationspolitik und den dahinter stehenden gesellschaftlichen Denkmustern, die er hochspannend und parabelhaft auf eine erotische Affäre verdichtet. In den USA ist es Tradition, im Falle großen Reichtums einen kleinen Teil des Vermögens in gemeinnützige Arbeit umzuwandeln und dies auch öffentlich zu zelebrieren. High-Society-Erbin Jennifer verwaltet die Stiftung ihrer Familie und fördert dabei bevorzugt Kunstprojekte im Nachbarland Mexiko. Auch ihr Liebesleben hat sie dorthin ausgelagert, in Form des hochtalentierten einheimischen Balletttänzers Fernando. In der Hoffnung, dass sie ihm bei seiner Karriere unterstützt, wagt der junge Mann eines Tages den extrem gefährlichen und illegalen Weg in den Norden. Als er plötzlich in Jennifers luxuriösem Apartment in San Francisco auftaucht, droht ihre sorgfältig kontrollierte Welt auseinander zu fallen, und bald stoßen beide an ganz anders gezogene Grenzen. „Michel Franco, Drehbuchautor, Regisseur und Produzent aus Mexiko, statuiert in seinem aktuellen Film ein Exempel. Er setzt Klassen- und Geschlechterverhältnisse mit Herkunft, Macht und Charakter in Relation, und zwar so, dass sich die Agenten des Konflikts gleichermaßen allegorisch lesen lassen: Mann und Frau als Stellvertreter ihrer jeweiligen Heimatländer USA und Mexiko, Nachbarn, deren Verhältnis von Ausbeutung geprägt ist. Die Idee mag auf den ersten Blick plakativ wirken, sie sieht aber vor allem dank hervorragender schauspielerischer Ausführung keineswegs so aus.“ Alexandra Seitz | tip
Credits:
MX 2025, 100 Min., engl., span. OmU, Regie: Michel Franco Kamera: Yves Cape Montage: Michel Franco, Oscar Figueroa Jara mit Jessica Chastain, Isaac Hernández, Rupert Friend, Marshall Bell, Eligio Meléndez, Mercedes Hernández
Es ist erschreckend, wenn Bomben Namen bekommen. Ungeheuerlich aber war die Benennung des Geschosses, die über Hiroshima explodierte und hunderttausende Leben forderte: Little Boy – kleiner Junge. James Benning war damals, 1945, ein kleiner Junge. Sein Film unterminiert die kindliche-unschuldige Welt mit Militarismus, Politik, Rassismus, indem er niedliche Miniaturmodelle, etwa von Zügen oder Bauwerken, fein säuberlich anpinseln lässt, und wer sich auskennt, kann auch die winzigen Firmennamensschilder zuordnen. Jedes Teil bekommt dabei seine eigene, passende oder konterkarierende Tonspur zugewiesen. Meist sind es Lieder, so von Tracy Chapman, Sinéad O’Connor, Cat Power und Nat King Cole, aber auch Reden und Ansprachen, die im Zusammenspiel mit dem Bild Emotionen freisetzen können. Es ist ein beinahe wütender Film, und leider aktueller denn je. Und für Eltern von Schulkindern hat er eine Empfehlung: Pete Seegers „What Did You Learn in School Today?“ – nicht nur für die USA relevant. „Das Gesamtbild ist das einer Gesellschaft, die zu Zyklen des inneren Niedergangs verdammt ist und im Namen eines „friedensstiftenden“ Interventionismus in den internationalen Terror verwickelt ist. … Little Boy [ist] ein amerikanisches Epos im Kleinen.“ filminc
Credits:
US 2025, 74 Min., englische OmU Regie: James Benning mit Johnan Jahromi, Alessandro Streccioni, Yusef Ferguson, Yuan Gao, Nelson De Los Santos, Calum Walter, Nathan Meier, James Benning
Im Jahre 2004 arbeitet die Filmregisseurin Ella (Bárbara Lennie) an einem Drehbuch, das nicht recht voran geht, so sehr ihr höchst attraktiver Lover Bonifacio (Patrick Criado) – hauptberuflich Feuerwehrmann, nebenberuflich Stripper – ihr auch den Rücken freihält. Einst hatte Ella einige künstlerisch anspruchsvolle Filme gedreht, die inzwischen Kultstatus genießen, was, wie Ella einmal selbst gesteht, bedeutet, dass kaum jemand sie gesehen hat, die wenigen Zuschauer sie aber zutiefst verehren. Eine schwere Migräneattacke lässt Ella innehalten, zusammen mit ihrer besten Freundin Patricia (Vicky Luengo) reist sie nach Lanzarote, lässt sich von den kargen Landschaften der Insel inspirieren, noch mehr jedoch vom Leben ihrer Freunde: Alles ist Material im Leben eines Schriftstellers, ebenso wie im Leben einer Filmregisseurin.
2026 leidet der Filmregisseur Raúl Rossetti (Leonardo Sbaraglia) an einer Schreibblockade, aus der ihn auch die Unterstützung seines höchst attraktiven Lovers Santi (Quim Gutiérrez) nicht befreien kann. Raúls langjährige Assistentin Monica (Aitana Sánchez-Gijon) hat gerade gekündigt, berichtet ihm von ihren privaten Problemen – die Raúl nur zu gern in sein Werk einfließen lässt, schließlich ist alles Material.
Eine ganze Weile lässt Pedro Almodóvar in seinem neuen Film „Bitteres Fest“ die beiden Erzählebenen nebeneinanderstehen, ohne ihre Verbindung zu konkretisieren. Doch bald wird klar, dass die Ebene mit Ella nicht real ist, sondern eine Visualisierung des Drehbuchs, das Raúl gerade schreibt. So kommt es, dass manche Szenen in kleinen Variationen doppelt zu sehen sind, so lässt sich erklären, dass nicht alles Sinn macht, schließlich sieht man da nur die erste, noch unfertige Drehbuchversion.
Hübsch ist das konstruiert, ein wenig selbstverliebt auch, erinnert nicht zufällig an „Leid und Herrlichkeit“, das am deutlichsten autobiographische Werk in der langen Karriere Pedro Almodóvars, in dem Antonio Banderas als Alter Ego des Regisseurs auftrat. Hier übernimmt der argentinische Schauspieler Leonardo Sbaraglia diesen Part, der seinem Regisseur sehr ähnelt, wenngleich 20 Jahre jünger, ein bisschen Eitelkeit darf sein.
Wie so oft spielt Almodóvar auch hier mit selbstreferenziellen Bezügen, baut eine Meta-Narration auf, mit der er die Frage umkreist, wie frei ein Autor in der Wahl seiner Themen sein darf, wie sehr er Leben und auch Leiden seiner Mitmenschen und vor allem seiner engen Freunde ausschlachten und für seine eigenen erzählerischen Zwecke verwenden darf. Almodóvars Antwort fällt eindeutig aus: Es gibt keine Grenzen, die Kunst steht über allem, auch wenn dies bisweilen Konflikte hervorrufen kann.
Letztlich dient diese Fragestellung in „Bitteres Fest“ jedoch in erster Linie dazu, Almodòvar einmal mehr die Möglichkeit zu geben, sich einmal mehr in die typische Almodóvar-Welt zu begeben, in der schöne Menschen in perfekt designten Appartements leben, deren markante Farbgebung mit den ebenso markanten, einfarbig leuchtenden Pullovern oder Mänteln korrespondieren.
Auch wenn man nicht behaupten kann, dass sich Pedro Almodóvar in seinem nun schon 25. Film neu erfindet: Wenn man ihn, seine Filme und die Welt, in der sie spielen, schätzt, dann ist es eine wahre Freude, sich einmal mehr auf sanft melodramatische Weise unterhalten zu lassen.Michael Meyns
Credits:
Amarga Navidad ES 2026, 111 Min., spanische OmU Regie: Pedro Almodóvar Kamera: Pau Esteve Birba Schnitt: Teresa Font mit Bárbara Lennie, Leonardo Sbaraglia, Aitana Sánchez-Gijón und Victoria Luengo.
Ein weiterer Film des Regisseurs von The Love that Remains, der bisher noch nicht im Kino war.
Wie schon Missionare in anderen Kolonien vor ihm, ist der junge Priester Lucas von seiner Aufgabe, eine christliche Kirche im Heidengebiet Island zu errichten, überzeugt. Um Land und Leute kennenzulernen, segelt er nicht um die Insel, sondern wählt den beschwerlichen Weg quer durch das unwirtliche, fremde Gebiet, was am Ende des 19. Jahrhundert für jemanden unvorbereitetes einer Expedition gleicht. Die mit eindrücklichen Bildern eingefangene erbarmungslose Natur und die Widerspenstigkeit seiner einheimischen Begleiter lässt den Lutheraner den Bezug zur Realität verlieren. Auch die zunehmende Angst überspielt er mit Arroganz, und stößt so bald an seine Grenzen, sprachlich, menschlich und physisch. „Ruhig in der Erzählweise, drängt das unterdrückte Gewaltpotenzial der intensiv gespielten Figuren immer wieder an die Oberfläche, den sich aufdrängenden fatalistischen Blick auf die Menschheit kontert der Film allerdings auch mit Humor und Zärtlichkeit.“ Fimdienst
Credits:
IS/FR/DK/SE 2022, 135 Min., isländische OmU Regie : Hlynur Pálmason Kamera: Maria von Hausswolff Schnitt: Julius Krebs Damsbo mit: Elliott Crosset Hove, Vic Carmen Sonne, Ingvar Sigurdsson, Ída Mekkín Hlynsdóttir, Jacob Hauberg Lohmann
Der kleine Löffelstrandläufer (Spoon-billed Sandpiper) leistet einiges. Sein Zugweg, der East-Asian-Australian Flyway, führt von den Brutgebieten in Nordost-Sibirien nach Kamtschatka, dann entlang der Küstenlinien Koreas, Japans und Chinas bis nach Vietnam, Myanmar und Bangladesch, wo der Winter verbracht wird. Im Frühjahr geht es wieder zurück. Es ist eine gefährliche Reise, Vogelfänger jagen mit Netzen und Gewehren, die Umweltbedingungen ändern sich, wertvolle Rastplätze werden im großen Stil zugebaut, und bei der Brut lauern Prädatoren. Kein Wunder also, dass sein Überleben bedroht ist, ganze 300–400 Exemplare soll es noch geben. Die niedliche Limikole mit dem merkwürdigen Schnabel erregt aber auch Aufmerksamkeit. Eine internationale Task Force hat sich zusammengefunden, damit es dem Vogel nicht ergeht wie dem seit einem Jahr als ausgestorben geltende Dünnschnabel-Brachvogel, oder vieler anderer Arten, die nur noch in Naturkundemuseen vorkommen. Immerhin hat der Spoonie als Posterboy der aufkommenden Umweltbewegung des Landes auch das Herz von Chinas Staatschef Xi Jinping erobert. Die Zusammenarbeit der Wissenschaftlerinnen hat aber aufgrund der politischen Lage Grenzen, in der Arbeit wie im persönlichen, die mit Hartnäckigkeit, Ideen und Fingerspitzengefühl gemeinsam umschifft werden müssen. Es gibt aber auch erste Erfolge, die letztendlich auch vielen anderen Spezies zugute kommen werden. Im Fokus des Films stehen jedoch die Vogelschützerinnen. Er begleitet die Task Force um Christoph Zöckler, Lili Sun, Jodie Clements und anderen auf ihren Reisen, Konferenzen und Treffen, sowie den verschiedenen Überlegungen und Versuchen zum Rettungsplan und schafft so eine aufschlussreiche und anregende Grundlage zu Überlegungen über den immer dringlicher werdenden Artenschutz. „In China lieben sie nicht nur Pandas, sondern auch „Spoonies“. Das erfährt man in Till Harms‚ kleinem, aber feinem Dokumentarfilm über eine vom Aussterben bedrohte Vogelart. Der Kampf um „Spoonie“ wird dabei auch zu einem Symbol der Hoffnung. Nicht nur für die Tiere, sondern für uns.“ kino-zeit
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DE 2025, 87 Min., dt. engl. russisch, chinsesische OmU Regie: Till Harms Kamera: Börres Weiffenbach Schnitt: Natali Barrey
In den Vorbereitungen für ihren Auftritt in einer Talenteshow fürs Fernsehen wird Lea (Frida Hornemann) gefragt, warum sie glaubt, etwas ganz Besonderes zu sein. Eine Antwort darauf hat sie nicht. Ihre Eltern sind getrennt. Während ihr Vater Matze (Max Riemelt) sie bei ihrem Traum einer Bühnenkarriere unterstützt, kommt es mit Mutter Rieke (Gina Henkel) regelmäßig zu Konflikten. Lea lebt bei ihren Großeltern Christel (Rahel Ohm) und Friedrich (Peter René Lüdicke), die auf ihrem Hof inmitten der thüringischen Idylle eine Pension betreiben. Die Gäste bleiben aus. Stattdessen will sich die rechtspopulistische Partei für eine Tagung einmieten, was insbesondere Leas aufmüpfigem Bruder missfällt. Die einzige wirklich Vertraute der 16-Jährigen ist ihre Tante Kati (Eva Löbau), die aus dem Westen zurück in die Heimat gezogen ist, um das frisch sanierte Stadtschloss als DDR-Museum zu betreiben. Wenn Kati mit ihrer Mutter im Schlepptau des Fördergremiums durch die Ausstellung wandelt und Christel ihr Leben ausgestellt sieht, ist das eine der stärksten Szenen des Films. Wie kann es sein, dass für diese Vergangenheit, die sie am liebsten vergessen würde, Millionen ausgegeben werden, während sie kurz vor dem Bankrott steht? Die Autorin und Regisseurin Eva Trobisch, geboren und aufgewachsen im Osten Berlins, ordnet ihre Figurenkonstellation sorgsam an, um die Konflikte zwischen den Generationen auszuspielen. Genau beobachtet und mit spitzen Dialogen schildert sie deutsch-deutsche Befindlichkeiten.“ Indiekino
„Es sind nie die ganz großen Dramen, die wirklich schlimmen Tragödien, von denen Eva Trobisch erzählt, sondern eher die Geschichten, die einem oder einer eben so widerfahren, während alles eigentlich ganz anderes geplant war. Diese Beliäufigkeit, die viele kleine Beobachtungen enthält, viel Sinn für Details, mag auf den ersten Blick ein wenig unfokussiert erscheinen und doch verbirgt sich unter den hingetupften Episoden und Storylines, dem umherschweifenden Schauen des Films mehr, als man zunächst glaubt.“ Joachim Kurz | Kinozeit
Credits:
DE 2026, 116 Min., deutsche Originalfassung mit englischen Untertiteln Regie: Eva Trobisch Kamera: Adrian Campean Schnitt: Laura Lauzemis mit Frida Hornemann, Max Riemelt, Eva Löbau, Gina Henkel, Rahel Ohm, Peter René Lüdecke, Florian Geißelmann, Yvon Sable Moltzen, Ida Fischer, Florian Lukas, Thomas Schubert, Kara Schröder, Anne Kulbatzki, Nairi Hadodo
Audiodeskriptionen, Untertitel und Hörverstärkung mit der Greta App
Objektleiterin – hört sich gut an, bedeutet aber in einer Branche, in der die Beschäftigten für harte Arbeit zu schlechten Zeiten mit wenig Anerkennung einen Lohn im unteren Lohnsektor bekommen, nur mehr Verantwortung für ein kaum mehr Geld. Heike ist zertifizierte Objektleiterin in der Reinigungsbranche, derzeit zuständig für eine Einkaufsmall, einen Kindergarten, ein Seniorenheim und eine Baustelle. Sie sitzt als solche zwischen allen Stühlen, die da heißen: Klientel, Unternehmensleitung und Reinigungspersonal. Diplomatie, Organisationstalent und Durchsetzungsvermögen sind hier gefragt. Bei erstem ist der titelgebende Satz unbedingt vonnöten, bei zweitem sind Skrupel nur hinderlich, und bei letzterem muss es auch mal laut werden. Für Heike ist das seit Jahren Routine. Eigentlich wäre sie schon gerne solidarisch und freundlich im Umgang mit „ihren“ Reinigungskräften. Jeglicher Fehler, jeder Ausfall, jede Verspätung würde jedoch auf sie zurückfallen, da bleibt man lieber robust. Wie als kleine Revanche beschafft sie sich mit einer Kollegin regelmäßig einen kleinen illegalen Extra-Verdienst. Diese Aktionen stellen sich allerdings letztendlich als Kipppunkt für eine utopische Änderung ihres Lebens heraus. „Ich verstehe Ihren Unmut fängt schmerzhaft die Zermürbung ein, unter der Heike zunehmend leidet. Noch fünf Jahre müsste sie durchhalten, um einen Anspruch auf Grundrente zu haben. Sabine Thalau ist absolut großartig in der Hauptrolle. Ähnlich wie den Held:innen in den Filmen von Ken Loach … ist Heike anzumerken, dass sie es eigentlich richtig machen und fair sein möchte. Als sie zu fragwürdigen Mitteln greift und eine klare moralische Grenze überschreitet, um den Anforderungen der Unternehmensleitung nachzukommen, stellt sie sich und ihr Vorgehen infrage. Der Film verwandelt sich daraufhin nicht in ein Feel-Good-Movie, gibt sich jedoch leise hoffnungsvoll – und lässt uns wissen, dass auch ein erschöpfter Mensch noch kämpferisch sein kann.“ Andreas Köhnemann | kino-zeit.de
Credits:
DE 2026, 93 Min., Deutsch, Kroatisch, Bosnisch, Türkisch OmU Regie: Kilian Armando Friedrich Kamera: Louis Dickhaut, Frederik Seeberger Schnitt: Leila Fatima Keita, Kilian Armando Friedrich mit: Sabine Thalau, Nada Kosturin, Werner Posselt, Sadibou Diabang, Nigyar Velagic
PERSEPOLIS war einer der erfolgreichsten Filme in unserem Kino. Letzte Woche starb die Autorin und Regissseurin, Marjane Satrapi, mit nur 56 Jahren. Aus diesem Grund nehmen wir den Film nach 19 Jahren nochmals ins Programm.
Die Verfilmung des gleichnamigen Comics. „Der Film erzählt in fast immer schwarzweißen einfachen Bildern von dem kleinen Mädchen Marjane, das in Teheran aufwächst, in Österreich zur Schule geht, zwischendurch wieder zurückkommt nach Iran und dann endgültig ins Exil nach Paris geht. Die Geschichte beginnt mit der Vertreibung des Schahs, führt sich fort über die verratenen Hoffnungen der Revolution zum Krieg zwischen Iran und dem Irak und endet in der tyrannischen Herrschaft der Mullahs – alles gesehen durch die Augen der Heranwachsenden. Es ist der Blick der Autorin, die in den immens erfolgreichen Comics ihre eigene Geschichte erzählt: clever, witzig, selbstironisch, sehr traurig manchmal. Statt digitale Animationstechniken zu verwenden, wurde der Film vollständig gezeichnet. Deshalb sieht er tatsächlich aus wie die Bücher Marjane Satrapis in Bewegung.“ Verena Lueken
„ In den achtziger Jahren, als der Iran gegen den Irak kämpfte, schickten viele Eltern der gehobenen Mittelklasse ihre Kinder aus Teheran in den Westen zur Ausbildung, auch meine Familie. In Österreich, meiner ersten Etappe, musste ich oft erklären, dass mein Vater nicht drei Frauen hat und warum ich zu Hause nicht auf dem Kamelrücken reite. Sie wunderten sich, dass ich schon Ski gefahren war und Alkohol getrunken hatte. Stellen Sie sich vor: Sie kommen aus dem damals schon sehr modernen Teheran in ein kleines österreichisches Nest – und man erklärt Ihnen hier die Moderne. Die hatten nicht einmal ein Kino im Dorf!“ Marjane Satrapi
Credits:
Fr 2007, 96 Min., frz. OmU Regie: Marjane Satrapi / Vincent Paronnaud Nach den gleichnamigen Comics von Marjane Satrapi Originalstimmen: Gabrielle Lopes, Chiara Mastroianni, Catherine Deneuve, Danielle Darrieux, Simon Abkarian, François Jerosme
„Preis der Jury“ – Cannes 2007
Trailer:
PERSEPOLIS4K Restaurierung | Trailer Deutsch | Neu auf 4KUHD, Blu-ray, DVD und Digital!
Im Kino in französisch mit deutschen Untertitlen.
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