Autor: fsk

  • Von Scham und Geld

    Von Scham und Geld

    Ein Film von Visar Morina. Ab 24.9. im fsk.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Eine schal­len­de Ohrfeige besie­gelt den Streit unter Brüdern am Familientisch. „Lauf ihm hin­ter­her und ent­schul­di­ge dich!“, mahnt die besorg­te Mutter. Doch ver­geb­lich, das Tuch ist zer­schnit­ten. Aus Rache ver­kauft der gede­mü­tig­te Liridon heim­lich alle Kühe des Familienbetriebs und setzt sich nach Deutschland ab. Shaban (Astrit Kabashi) und sei­ne Frau Hatixhe (Flonja Kodheli) müs­sen mit ihren drei Töchtern sowie der Oma den Bauernhof ver­las­sen und in die Hauptstadt Pristina ziehen.

    In einer win­zi­gen Wohnung muss die Familie fort­an zurecht­kom­men. Während der wohl­ha­ben­de Schwager sei­ne Solidarität auf gön­ner­haf­te Almosen und klu­ge Ratschläge beschränkt, ver­sucht Shaban ver­zwei­felt, einen Job zu fin­den. Am Ende steht er mit ande­ren Tagelöhnern am Straßenrand und war­tet auf vor­bei­fah­ren­de Auftraggeber, die har­te Arbeit für wenig Lohn anbie­ten. Seine Gattin hilft der­weil ihrer Schwester, den behin­der­ten Opa zu ver­sor­gen. „Scham ist Luxus!“, sagt sie ein­mal und gibt damit das Thema des Dramas vor.

    Immer wie­der fin­det sich der wacke­re Held als Opfer von him­mel­schrei­en­den Ungerechtigkeiten wie­der. Kaum hat er einen gro­ßen Stapel Holz gehackt, bemän­gelt der Auftraggeber die Größe der Scheite und ver­wei­gert die Bezahlung. Der Vermieter, der ein wert­vol­les Schmuckstück der Oma als Pfand ent­ge­gen­ge­nom­men hat, ver­hö­kert den Schatz kur­zer­hand und denkt nicht im Geringsten an die ver­spro­che­ne Rückgabe. Wie Don Quichotte kämpft Shaban gegen die Windmühlen der Widrigkeiten. Wenn er sonst schon alles ver­lo­ren hat, will er wenigs­tens sei­ne Würde bewah­ren. Da gibt er sei­nem Schwager-Schnösel lie­ber den 20-Euro-Schein zurück, als sich auf die­se Art demü­ti­gen zu las­sen. Doch wie viel Schmach ver­mag ein Mensch zu ertra­gen? Wann ist sei­ne Frustrationstoleranz erschöpft? „Dinge krei­sen in mei­nem Kopf. Dinge, an die ich nicht den­ken soll­te!“, gesteht der Held in einer ruhi­gen Minute sei­ner Frau. Viel Gutes kann das kaum bedeuten…

    Geradlinig und schnör­kel­los erzählt Visar Morina sein rigo­ro­ses Lehrstück über das Fressen und die Moral. Die Kamera bleibt dicht an den Figuren, die sich durch enor­me Glaubwürdigkeit und gro­ßes Empathiepotenzial aus­zeich­nen. Statt auf mora­lin­saure Belehrung setzt der Regisseur auf eine span­nungs­rei­che, fast thril­ler­haf­te Dramaturgie, bei der sogar Raum für Komik bleibt. „Ich beschüt­ze das Viertel vor Leuten wie uns“, erklärt er sei­ner Frau den neu­en Job als Security-Wache im Bonzenviertel. Wie zum Hohn kreist die Kamera spä­ter um ein über­gro­ßes Bill-Clinton-Denkmal in der Stadt, das als neo­li­be­ra­ler Heilsbringer des Kapitalismus offen­kun­dig den voll­mun­di­gen Versprechungen nicht gerecht wurde.

    Als ganz gro­ßer Pluspunkt erweist sich Hauptdarsteller Astrit Kabashi in sei­ner Rolle als uner­schüt­ter­li­ches Stehaufmännchen, dem Selbstachtung über alles geht. Mit maxi­ma­lem Minimalismus gelingt ihm die Balance zwi­schen Würde und Verzweiflung. Angenehm unauf­dring­lich und ohne Sentimentalität lädt er das Publikum zur Empathie – und zur eige­nen Stellungnahme ein. Kino mit Mehrwert, das noch lan­ge nach­klingt. Dieter Oßwald | programmkino.de

    Credits:

    DE, XK, SI, AL, MK, BE 2026 , 129 Min., Albanisch mit deut­schen Untertiteln
    Regie: Visar Morina
    Kamera:
    Janis Mazuch
    Schnitt: Joëlle Alexis
    mit: Astrit Kabashi, Flonja Kodheli, Kumrije Hoxha, Fiona Gllavica, Alban Uka

    Trailer:
    Shame and Money | Clip | SFF26

    im Kino mit deut­schen Untertiteln.

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  • Das geträumte Abenteuer

    Das geträumte Abenteuer

    Ein Film von Valeska Grisebach.  Ab 24.9. im fsk.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Die Archäologin Veska ist für ein Ausgrabungsprojekt in ihre Heimatstadt Svilengrad zurück­ge­kehrt, in die Grenzregion zwi­schen Bulgarien, Griechenland und der Türkei. Überraschend trifft sie auf Said, einen alten Bekannten aus den Rhodopen, den undurch­sich­ti­ge Geschäfte nach Svilengrad geführt haben. Saids Auto ist gestoh­len wor­den, und Veska lädt ihn ein, den Tag mit ihr auf der Ausgrabungsstätte zu ver­brin­gen. Es ist ein glück­li­cher Tag vol­ler Vertrautheit, ein Tag wie ein Versprechen. Am nächs­ten Morgen ist Said verschwunden.

    Veska folgt den Spuren Saids und dringt dabei immer tie­fer in die ver­bor­ge­nen Schichten und Verhältnisse der Stadt und ihrer Menschen vor – Geschichten aus der Zeit des gro­ßen Umbruchs in den 90er Jahren, von Freiheit und geplatz­ten Träumen, Gewalt und schnel­lem Geld. Was hat Said mit Iliya zu tun, dem mäch­ti­gen Mann im Hintergrund, bei dem alle Fäden zusam­men­zu­lau­fen schei­nen? Veska ist gezwun­gen, sich ihren eige­nen Erinnerungen zu stel­len. Unterstützt von ihren Freundinnen und Freunden aus Svilengrad, beginnt sie, ihre eige­ne Geschichte zu schreiben.

    Credits:

    BG/FR/DE/AT 2026 , 164 Min., bul­ga­ri­sche OmU
    Regie: Valeska Grisebach
    Kamera: Bernhard Keller
    Schnitt: Bettina Böhler
    mit: Yana Radeva, Syuleyman Alilov Letifov, Stoicho Kostadinov, Nikolay Shekerdjiev, Denislava Yordanova

    Trailer:
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  • Vaterland

    Vaterland

    Ein Film von Paweł Pawlikowski. Ab 17.9. im fsk. Preview (Cineville) am 26.8.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Wie mei­ne frü­he­ren Filme beschäf­tigt sich auch VATERLAND mit den Wirren der Geschichte, mit dem Exil und mit unse­rem tie­fen Bedürfnis nach Heimat und zuge­hö­rig­keit. Außerdem ver­bin­det der Film einen dra­ma­ti­schen his­to­ri­schen Moment
    mit einer ganz beson­de­ren per­sön­li­chen Geschichte. Doch wäh­rend die Figuren in IDA und COLD WAR fik­tiv waren, ste­hen im Mittelpunkt von VATERLAND die his­to­ri­schen Persönlichkeiten Thomas Mann und sei­ne eigen­sin­ni­gen ältes­ten Kinder Erika und Klaus, die in ein kom­ple­xes, fami­liä­res Dreiecksdrama ver­strickt sind.
    Um das Persönliche und das Historische auf ergrei­fen­de und sich gegen­sei­tig berei­chern­de Weise mit­ein­an­der zu ver­bin­den, haben wir uns eini­ge Freiheiten hin­sicht­lich der his­to­ri­schen Fakten und ihrer Chronologie genom­men. Dabei
    haben wir uns bemüht, der emo­tio­na­len und intel­lek­tu­el­len Wahrheit der Geschichte treu zu blei­ben.
    Manns Rückkehr nach Deutschland im Jahr 1949 und sein Versuch, die Teilung und die zuneh­men­de ideo­lo­gi­sche Polarisierung sei­nes Landes zu über­win­den, haben offen­sicht­li­che Parallelen zur heu­ti­gen Zeit. Das alte Paradigma ist tot, die alten Regeln gel­ten nicht mehr, und an deren Stelle ent­ste­hen zwei kru­de, sich gegen­sei­tig aus­schlie­ßen­de Narrative. Narrative, die alles ver­all­ge­mei­nern, die den Sauerstoff aus der Luft zie­hen, die einen in die Ecke drän­gen und dazu nöti­gen, Partei zu ergrei­fen und es lang­sam unmög­lich machen, klar zu sehen und frei zu spre­chen. Die ein­zi­ge Abwehr gegen die­se ideo­lo­gi­sche Reduktion war für Mann die Kunst – der „poe­ti­sche Blick“, den er in einer sei­ner Reden erwähnt, das offe­ne Auge für die Komplexität und die Paradoxien des Lebens.
    VATERLAND ver­eint vie­le Elemente, erzählt dabei mit einer ein­fa­chen und ver­dich­te­ten Filmsprache, ent­fal­tet sich in ein­dring­li­chen Bildern und prä­gnan­ten Szenen und lässt dem Publikum Raum zum Fühlen und Nachdenken.” (Pawel Pawlokowski)

    Credits:

    PL/DE/IT/FR 2026 , 82 Min. deutsch, eng­lisch, rus­si­sche OmU
    Regie: Paweł Pawlikowski
    Kamera: Łukasz Żal
    Schnitt: Piotr Wójcik, Paweł Pawlikowski
    mit: Hanns Zischler, Sandra Hüller, August Diehl, Devid Striesow, Joachim Meyerhoff, Fritzi Haberlandt, Milan Peschel

    Trailer:
    Kinotrailer „Vaterland” – Kinostart 3. September 2026
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  • Chihiros Reise ins Zauberland

    Chihiros Reise ins Zauberland

    Ein Film von Hayao Miyazaki.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Die klei­ne Chihiro muss, um ihre gie­ri­gen, und des­halb ver­hex­ten, Eltern zu befrei­en, in der Zwischenwelt im Badehaus der Hexe Yubaba arbei­ten, das auch von allen mög­li­chen Göttern, Natur- und Haus- geis­tern besucht wird. Eine rie­si­ge Herausforderung für das Mädchen, für uns aber eine Fahrt durch einen atem­be­rau­ben­den Anime-Kosmos in eine hoch­kom­ple­xe und hin­ter­grün­di­ge magi­sche Welt. Wahrlich ein Märchen, denn es geht dar­um, dem Konkurrenzkampf den Rücken zu keh­ren und eine ande­re Art der Selbstverwirklichung anzu­stre­ben, und es hat bereits das wich­ti­ge Thema des „Nicht-Wollens“. Denn „Nicht-Wollen“ ist ein Weg, sich von einer Gesellschaft zu lösen, die einem stän­dig vor­schreibt, was man „wol­len“ soll. Ausgezeichnet mit dem Goldener Bären, Berlinale 2002 und dem Oscar als Bester Animationsfilm 2002.
    „Eigentlich endet die­se Geschichte uner­war­tet trau­rig, oder? Schließlich muss Chihiro genau in dem Moment, in dem sie end­lich von den Menschen, denen sie in der ande­ren Welt begeg­net ist, akzep­tiert wur­de, die­se Welt wie­der ver­las­sen. Hätte sie noch ein wenig län­ger blei­ben kön­nen, hät­te sie die Froschmänner und die Schneckenfrauen bes­ser ken­nen­ler­nen kön­nen. Sie hät­te erkannt, dass es auf der Welt alle mög­li­chen Menschen gibt, dar­un­ter gute Menschen und dum­me Idioten. Aber sie muss all das hin­ter sich las­sen. Das ist wirk­lich sehr trau­rig. Selbst ich, der den Film gedreht hat, war trau­rig.“ Hayao Miyazaki

    Credits:

    Spirited Away
    JP 2001 , 125 Min. japa­ni­sche OmU und deut­sche Synchronfassung (in weni­gen Vorstellungen)
    Regie: Hayao Miyazaki

    Trailer:
    CHIHIROS REISE INS ZAUBERLAND – 25th ANNIVERSARY – Trailer German | Deutsch

    Im Kino in japa­nisch mit deut­schen Untertiteln

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  • Für immer 16

    Für immer 16

    Ein Film von Brezel Göring. Ab 27.8. im fsk. Am 27.8. mit Filmgespräch mit Brezel Göring.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Der Film erzählt die Geschichte von Charlotte, Helena und Oskar – die sich nach lan­ger Zeit wie­der­tref­fen und – ein­ge­la­den von Charlotte – gemein­sam in den Urlaub fah­ren. Sie hat näm­lich Geld, hat Karriere gemacht als Schauspielerin, wäh­rend die ande­ren bei­den nach wie vor Undergroundkunst machen (und völ­lig ver­armt sind). Die drei waren frü­her die Experimentalfilmgruppe „Les enfants ter­ri­ble”, hat­ten sich aber heil­los zer- strit­ten. Und jetzt bre­chen Neid und Eifersucht erneut aus und neh­men sogar an Schärfe zu, als Rudolph in ihr Leben tritt. Alle drei ver­lie­ben sich und haben nach­ein­an­der eine Affäre mit ihm! Sie beschlie­ßen – wie frü­her – einen Undergroundfilm zu dre­hen. Demenzia, eine män­ner­mor­den­de Serienkillerin, gespielt von Helena, bringt unent­wegt Typen um, alle­samt gespielt von Rudolph. Beim letz­ten Dreh kommt Rudolph durch einen Unfall zu Tode. Die drei las­sen die Leiche ver­schwin­den und durch die­se kri­mi­nel­le Aktivität erwacht die alte Freundschaft und die Liebe zuein­an­der erneut.

    Der Film Für immer 16 beruht auf einem Roman von Françoise Cactus. Sie hat sich vor­ge­stellt wie es wäre alt zu sein und die Kumpels von frü­her wie­der­zu­se­hen: also Science-Fiction, bezo­gen auf die Individualpsychologie. Sie machen da wei­ter, wo sie
    auf­ge­hört haben: 1. sie dre­hen einen Film und 2. sie zan­ken sich!
    Neben den Rivalitäten und Streitereien stel­len sich auch grund­sätz­li­che Fragen: wie altern Subversion, schwar­zer Humor, Antimoral, Genderidentitäten, Feminismus, jugend­li­che Fundamentalopposition? Und wie kann man ver­hin­dern, dass Subversion Teil des Mainstreams und der Verwertungskultur wird?
    Die drei Hauptpersonen ste­hen für unter­schied­li­che Formen des Scheiterns: Charlotte kom­mer­zia­li­siert sich, Helena ver­bit­tert über der Erfolglosigkeit und Oskar gibt resi­gniert die Kunst auf.

    Credits:

    DE 2026 74 Min., deut­sche OmeU
    Regie Brezel Göring
    Kamera: Stephan Holl
    mit:
    Lilith Stangenberg, Chang Wang, Mücke, Twiggy, Anton Garber

    Trailer:
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  • Funeral Casino Blues

    Funeral Casino Blues

    Ein Film von Roderick Warich. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Jen lebt in Bangkok – zwi­schen der Rezeption eines Apartmenthauses und den Hotelzimmern frem­der Männer. Was sie ver­kauft, ist Zeit, Nähe, manch­mal nur einen Moment. Als ein Treffen eska­liert, greift Wason ein – ein Barkeeper, der mehr ver­lo­ren hat, als er zeigt. Für eine kur­ze Weile trei­ben sie gemein­sam durch die schwü­len Nächte.
    Dann ist Jen fort. Keine Spur. Kein Abschied.
    Pim, ihre Mitbewohnerin, beginnt zu suchen. Wason folgt ihr. Ihre Spur führt durch lee­re Gassen, frem­de Zimmer, offe­ne Schulden und Erinnerungen, die sich ent­zie­hen. Bis an die kam­bo­dscha­ni­sche Grenze – oder viel­leicht nur zurück dort­hin, wo Jen längst ver­schwun­den war.
    Als Jen ver­schwin­det – ohne Nachricht, ohne Abschied – fol­gen ihre Mitbewohnerin Pim und der stil­le Barkeeper Wason ihrer Spur. Eine lei­se Suche beginnt, durch Nächte, Erinnerungen – und eine Stadt, die nie­man­den vermisst.

    Wenn man im ers­ten Akt eine Pistole zeigt, muss sie im drit­ten Akt abge­feu­ert wer­den – eine dra­ma­tur­gi­sche Regel von Anton Tschechow, es geht dabei um Erzählökonomie, um das Vermeiden loser Enden, um den Aufbau von Spannung. Roderick Warich zeigt in sei­nem Film „Funeral Casino Blues“ schon ziem­lich am Anfang die Pistole: Wason (Wason Dokkathum) hat sie im Hosenbund ste­cken, er lüf­tet sein Hemd, um Jen (Jutamat Lamoon) vor einem auf­dring­li­chen Verehrer (sprich: Freier) zu befrei­en. Die Pistole wird immer wie­der auf­tau­chen. Sie wird auch abge­feu­ert. Aber dies im Off, nach Schwarzblenden, und auch nicht unbe­dingt im drit­ten Akt, weil so etwas wie eine kla­re Aktaufteilung, über­haupt eine struk­tu­rier­te, stan­dar­di­sier­te Erzählweise liegt Warich fern.
    Und das macht sei­nen Film so unbe­dingt inter­es­sant, so unbe­dingt sehens­wert. Man muss sich nur dar­auf ein­las­sen, dann kann man ver­sin­ken in hyp­no­ti­schen Bildern, in denen die Kamera sich durch den Raum bewegt, durchs nächt­li­che Bangkok, dann kann man sich ver­lie­ren in den Figuren, deren Innerstem wir uns allen­falls annä­hern, dann kann man ein­tau­chen in eine Geschichte, die von der Liebesgeschichte in die Noir-Gangsterstory wech­selt, die zum Geisterfilm wird, ohne Horror zu sein.„
    Kinozeit | Harald Mühlbeyer

    Credits:

    DE 2025 , 153 Min. · Thailändische Originalfassung mit deut­schen Untertiteln
    Regie: Roderick Warich
    Kamera: Roland Stuprich
    Schnitt: Hannes Bruun
    mit: Jutamat Lamoon · Wason Dokkathum · Jutarat Burinok · Piyapong Saebui · Rinda Hamer · Chayanee Choomnoommanee

    Trailer:
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  • The Lights, They Fall

    The Lights, They Fall

    Ein Film von Saša Vajda. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Es scheint, als sei­en Abschied und Tod zu man­chen Zeiten im Kino beson­ders prä­sent – im November gab es den Dokumentarfilm Palliativstation, vor kur­zem den sen­si­blen und ruhi­gen Sechwochenamt, und gera­de noch den for­mal auf­re­gen­den Everytime. Alles grund­ver­schie­de­ne Filme mit ver­gleich­ba­rem Thema, dem Verlust. Auch The Lights, They Fall geht sehr eigen mit dem Protagonisten um. Ilay ist noch viel zu jung, um sei­ne Mutter zu ver­lie­ren, aber sie wird pal­lia­tiv betreut, und ihr Ende ist abzu­se­hen. Ein Vater ist nicht zu sehen, und so ist die Pflegerin Ana die ein­zi­ge, mit der er sich aus­tau­schen kann. Ansonsten drif­tet er, wort­karg und intro­ver­tiert, durch som­mer­li­che Nächte im Norden Berlins, arbei­tet oder trifft sich mit ver­ständ­nis­vol­len Freunden. Als er sieht, dass sein Arbeitsleiter sei­nen Hund schlecht behan­delt, stiehlt Ilay spon­tan das Tier, ohne Plan, was er damit anfan­gen soll.
    In stil­len, inten­si­ven Bildern zeigt Saša Vajdas ers­ter Langspielfilm den Alltag von Ilay und Ana. Das Band zwi­schen ihnen ist zer­brech­lich, und manch­mal ver­webt sich Alltägliches mit Traumhaftem, da sich in die rea­lis­ti­sche Oberfläche immer wie­der klei­ne Irritationen ein­schlei­chen.
    „Es ist bei Weitem nicht „alles gut“ – weder bei Ilay, noch bei Ana. Und doch ver­strömt The Lights, They Fall etwas unge­mein Tröstliches. Das Rätselhafte, das der Film in sei­ne sehr lebens­na­he Welt ein­webt, macht die Dinge nicht ver­wir­ren­der, son­dern kla­rer. Und das ist wirk­lich erstaun­lich.“ Andreas Köhnemann | kino-zeit
    „Vor allem, wie belas­tend die Situation für Angehörige sein kann – psy­chisch und emo­tio­nal. Im Film ist der Sohn erst 16. Er woll­te nicht wahr­ha­ben, dass sei­ne Mutter ster­ben wird. Das begeg­net uns in der Pflege oft: Angehörige, die den Abschied nicht akzep­tie­ren kön­nen.“ sagt Shanthi Philipp auf die Frage, nach dem, was man aus dem Film mit­neh­men soll­te. Die Darstellerin der Shanti ist, wie auch die der Ana, Flor Prieto Catemaxca, Palliativpflegerin.

    Credits:

    DE 2026 , 87 Min., deut­sche OmeU,
    Regie: Saša Vajda
    Kamera:
    Tom Otte
    Schnitt: Denys Darahan, Saša Vajda
    mit: Mohammed Yassin Ben Majdouba, Flor Prieto Catemaxca, Mahira Hakberdieva, Safet Bajraj, Shanthi Philipp, Solomon Guye, Mahir Özel

    Trailer:
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  • Everytime

    Everytime

    Ein Film von Sandra Wollner.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Langsam steigt die gold­ro­te Sonne groß und rund über den Dächern Berlins empor. In ein paar Stunden soll Jessie mit ihrer Familie die Urlaubsreise nach Teneriffa antre­ten. Doch dann geschieht ein Unglück, ein unend­li­cher Verlust, und die Zeit scheint still­zu­ste­hen. Viel spä­ter geht das Leben der ande­ren ein­fach wei­ter: für Jessies Mutter Ella, ihre Schwester Mellie und ihren Freund Lux. Trotz des Abstands ist für sie jedoch alles immer noch anders. Ella beschließt spon­tan, zum Tag des tra­gi­schen Geschehens zurück­zu­keh­ren. Die Reise, die nie statt­fand, tre­ten die drei jetzt an.
    Als Meisterin der behut­sa­men Zeitmanipulation hat sich die Regisseurin schon bei The Trouble with Being Born bewie­sen; hier setzt sie auf tem­po­rä­re Verschiebungen und die Magie der Erinnerung. Die Landschaft der kana­ri­schen Vulkaninsel wird bei allem rea­lis­tisch dar­ge­stell­ten äuße­ren Geschehen fast zu einem mythi­schen Ort, an dem die Irrationalität das Handeln über­nimmt. So ist es kein Wunder, dass die zu einem gel­ben Riesenpixel mutier­te Sonne schließ­lich end­los über dem Meereshorizont steht und nicht mehr unter­ge­hen will.
    Everytime fängt einen Zwischenzustand ein, eine Parallelwelt, in der sich die Trauernden bewe­gen. Sie sieht der Welt der Nicht-Trauernden ver­däch­tig ähn­lich, aber Zeit und Raum und Logik funk­tio­nie­ren hier anders. Mit ihrem Handy schickt Melli wei­ter­hin SMS an ihre gro­ße Schwester, und die Kamera glei­tet immer wie­der durch die wür­fe­li­ge Landschaft des Computerspiels, das die Mädchen immer gespielt haben. Ist Jessie hier zu fin­den? Oder in den grel­len Schwarzweiß-Kontrasten der kana­ri­schen Insel, auf der die Familie Urlaub machen woll­te, bevor Jessie starb, und auf die Ella nun Lux mit­nimmt?
    Sandra Wollner gibt kei­ne Antworten, aber ihr Film nimmt fas­zi­nie­ren­de, irr­lich­tern­de Wege, die sich immer wei­ter vom Realismus des Beginns ent­fer­nen. In Cannes wur­de Everytime in die­sem Jahr mit dem Preis für den bes­ten Film in der Sektion „Un cer­tain regard“ 2026 aus­ge­zeich­net.“
    Hendrike Bake | indiekino

    Am 22. & 23.8. zei­gen wir auch einen frü­he­ren Film von Sandra Wollner: Das unmög­li­che Bild

    Credits:

    DE/AT 2026 , 123 Min., deut­sche OmeU,
    Regie: Sandra Wollner
    Kamera: Gregory Oke
    mit: Birgit Minichmayr, Lotte Shirin Keiling, Tristán López, Carla Hüttermann, Naomi Elia Richard

    Audiodeskriptionen, Untertitel und Hörverstärkung mit der Greta App

    Trailer:
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  • Staatsschutz

    Staatsschutz

    Ein Film von Faraz Shariat. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    2019 erreg­te der Regisseur Faraz Shariat mit sei­nem Debüt Futur Drei mäch­tig Aufsehen. Bei der Berlinale gewann er den Teddy-Award für den Besten Spielfilm, und spä­ter eben­so den First Steps Award. Wer den frei finan­zier­ten, nicht nur der viel­schich­ti­gen Perspektiven wegen beein­dru­cken­den Film (noch ein­mal) sehen möch­te, hat bei uns dazu in am 1.+ 2.9. Gelegenheit.
    Bei sei­nem neu­en Film, dem Justizthriller Staatsschutz, geht er sehr viel grad­li­ni­ger vor als als beim bio­gra­fisch gefärb­ten Vorgänger. Sheo, eine jun­ge Staatsanwältin mit korea­ni­schem Hintergrund, gerät in die Schusslinie rech­ter Kreise, ermit­telt dazu auch in ihrem beruf­li­chen Umfeld und merkt, dass selbst ihre Position sie nicht schützt. Inhaltlich gibt es kein kon­kre­tes Vorbild, viel­mehr fasst das Drehbuch zusam­men, was nach lan­ger und inten­si­ver Recherche denk­bar ist. Umgesetzt als span­nen­des und direk­tes poli­ti­sches Kino, zieht uns Shariat den Boden der Gewissheit über die Gerechtigkeit des juris­ti­schen System unter den Füssen weg. In kon­gru­en­ten Bildern und mit einer zunächst über­mo­ti­viert und unzu­gäng­lich erschei­nen­den Protagonistin erzählt der Film rasant und ein­drucks­voll eine Geschichte, deren Inhalt mit „Staatsversagen“ nur höchst unzu­läng­lich beur­teilt wäre.
    „Faraz Shariat ist eben auch ein Kind der Popkultur, durch­bricht und stört damit die Schwere und neu­tra­le Sachlichkeit, balan­ciert meis­ter­haft zwi­schen Systemkritik und Suspense, gießt die Wut und Ohnmacht einer gan­zen Generation in die Form des Genres und ver­wan­delt sie in wehr­haf­te Kunst.“ Corinna Götz | The spot – media & film

    Credits:

    DE 2026 113 Min., Deutsch, Koreanisch OmU,
    Regie: Faraz Shariat
    Kamera: Lotta Kilian
    Montage: Friederike Hohmuth
    mit: Chen Emilie Yan, Julia Jentsch, Alev Irmak, Arnd Klawitter, Sebastian Urzendowsky

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  • Mes Petites Amoureuses

    Mes Petites Amoureuses

    Ein Film von Jean Eustache. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Ein Sommer der Unschuld endet abrupt. Der 13-jäh­ri­ge Daniel wird aus sei­nem behü­te­ten Landleben in die Enge der Stadt geris­sen und in die Härte der Erwachsenenwelt gesto­ßen. Statt Schule und Freundschaften bestim­men Arbeit, sozia­le Kälte und ers­te Auseinandersetzungen mit Sexualität sei­nen Alltag. Als Teil von Jean Eustaches auto­bio­gra­fisch gepräg­tem Kino ver­dich­tet der Film per­sön­li­che Erinnerungen zu einem beob­ach­ten­den Blick auf das Erwachsenwerden und eine Jugend, die ver­schwin­det, bevor sie sich ent­wi­ckeln kann.

    Credits:

    FR 1974, 123 Min., fran­zö­si­sche OmU
    Regie: Jean Eustache
    Kamera: Nestor Almendros,
    Schnitt: Françoise Belleville, Alberto Yaccelini, Vincent Cottrell, Jean Eustache
    mit Martin Loeb, Ingrid Caven, Jacqueline Dufranne, Dionys Mascolo, Henri Martinez, Jean-Noël Picq, Maurice Piala

    Trailer:

    kein Trailer.

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