Als direkte Aktion werden Aktionsformen des Protests bezeichnet, bei denen die Beteiligten selbst tätig werden, um ihre Interessen unmittelbar durchzusetzen. DIRECTACTIONzeichnet ein Porträt von einer der bekanntesten militanten Aktivist*innengruppen, die derzeit in Frankreich für Veränderungen kämpft: ein 150 Personen umfassendes, ländliches Kollektiv, das sich 2018 erfolgreich gegen ein internationales Großflughafenprojekt auf französischem Boden wehrte und dazu von 2012 bis 2018 eine autonome Zone besetzt hielt, die es gegen mehrere gewaltsame Räumungsversuche durch den Staat verteidigte und das 2021 eine neue ökologische Bewegung ins Leben rief. Mit einem kollaborativen und immersiven Beobachtungsansatz dokumentiert der Film den Alltag eines vielfältigen Ökosystems aus Aktivist*innen, Hausbesetzer*innen, Anarchist*innen, Landwirt*innen und von der Regierung als Öko-Terrorist*innen diskreditierten Personen. Kann der Erfolg einer radikalen Protestbewegung einen Weg aus der Klimakrise weisen?
Credits:
DE/FR 2024, 216 Min., Französisch, Marokkanisch-Arabisch, Englisch OmU Regie & Schnitt: Guillaume Cailleau & Ben Russell. Kamera: Ben Russell
Direct action is a tactical strategy of protest that seeks to achieve an end directly and by the most effective means. DIRECTACTION is a contemporary portrait of one of the most high-profile militant activist communities in France: a 150-person strong rural collective that successfully resisted an international airport expansion project in 2018, created an autonomous zone between 2012 and 2018, survived multiple violent eviction attempts by the French state and spawned a new ecological movement in 2021. Using a collaborative and immersive observational approach, the film documents the everyday lives of a diverse ecosystem of activists, squatters, anarchists, farmers and those labelled by the government as “eco-terrorists”. Can the success of a radical protest movement offer a path through the climate crisis?
Credits:
DE/FR 2024, 216 Min., Französisch, Marokkanisch-Arabisch, Englisch OmU Regie & Schnitt: Guillaume Cailleau & Ben Russell. Kamera: Ben Russell
Barbara Loden erzählt in ihrem einzigen Spielfilm WANDA von einer Frau, die scheinbar ziellos durch das ländliche Pennsylvania zieht. Nachdem sie ihren Mann und ihre Kinder verlassen hat, treibt Wanda von Ort zu Ort, von Begegnung zu Beziehung, durch soziale und emotionale Randzonen. Als sie sich einem Kleinkriminellen anschließt, scheint sie ihre bisherige Existenz vollkommen hinter sich zu lassen, bis ein missglückter Banküberfall ihr Leben abermals in eine andere Richtung lenkt…
Barbara Loden, die Regie führte, das Drehbuch schrieb und selbst die Hauptrolle verkörperte, entwirft mit einer fast dokumentarischen Bildsprache ein radikal offenes Porträt weiblicher Existenz. Wanda ist eine Antiheldin jenseits von Opfermythen, Emanzipationsfantasien oder moralischen Bewertungen. Als leise, unbequeme Gegenstimme zum männlich dominierten New-Hollywood-Kino wirkt WANDA noch heute erstaunlich aktuell und beeinflusste zahlreiche Regisseur*innen und Schauspieler*innen wie Isabelle Huppert, Nan Goldin, Marguerite Duras oder Christian Petzold. Ein Stück zeitloses Kino über weibliche Existenz, Sichtbarkeit und radikale kreative Autonomie, aus einer Zeit, in der Regisseurinnen noch die Ausnahme waren.
Credits:
US 1970, 103 Min., engl. OmU Regie: Barbara Loden Kamera, Schnitt: Nicholas T. Proferes mit: Barbara Loden, Michael Higgins, Dorothy Shupenes, Peter Shupenes, Jerome Thier, Marian Thier u. a.
Trailer:
Wanda (offizieller Trailer) | Ein Film von Barbara Loden | Ab 09. April zum ersten Mal im Kino
Wanda Goronski, an unhappy housewife from rural eastern Pennsylvania, stays on her sister’s couch after leaving her husband. After walking across a coal field and hitching a ride, she arrives late to a divorce court hearing, relinquishes her rights to her children, and grants her husband a divorce.
After losing her job at a sewing factory, Wanda runs away with a man she had a one-night stand with, only for him to abandon her at an ice cream shop. Nearly penniless, she takes a nap in a movie theater, where she is robbed while asleep. Desperate, she goes to a bar to use the restroom and clings to an older man she mistakes for the bartender. The man, Norman Dennis, is a criminal in the process of robbing the bar. Unable to shake Wanda off, he takes her on the run with him. Even after learning about his criminal lifestyle, Wanda decides to stay with Norman, whom she calls „Mr. Dennis.”
Wanda spends some time on the road with Norman, during which he becomes physically and emotionally abusive. He sends her to a mall to shop for new clothes while he robs cars in the parking lot. Later, they visit the Holy Land USA theme park, where Norman meets his Evangelical Christian father, to whom he shows unusual courtesy and respect. Afterward, Norman convinces Wanda to act as his lookout for a kidnapping and bank robbery. The robbery goes wrong, and Norman is shot and killed in the lobby. Wanda arrives late and watches from the street as police swarm the scene and onlookers gather.
Once again alone, Wanda hitchhikes with a man who attempts to sexually assault her. She escapes and flees through the woods. At nightfall, she stumbles upon a backwoods roadhouse, where strangers offer her food, alcohol, and cigarettes.
Credits:
US 1970, 103 Min., engl. OmU Regie: Barbara Loden Kamera, Schnitt: Nicholas T. Proferes mit: Barbara Loden, Michael Higgins, Dorothy Shupenes, Peter Shupenes, Jerome Thier, Marian Thier u. a.
Trailer:
Wanda (offizieller Trailer) | Ein Film von Barbara Loden | Ab 09. April zum ersten Mal im Kino
LUISA ist vor kurzem von zu Hause ausgezogen und neugierig, was das Leben für sie bereithält. Sie liebt Partys, ist für jeden Spaß zu haben, lässt sich auf Flirts und kleine Abenteuer ein. Sie lebt in der Wohngruppe einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung am Rande einer deutschen Kleinstadt. Dort erhält sie Unterstützung in ihrem oft turbulenten Alltag. Unbemerkt wird Luisa zunehmend stiller, in der Wohngruppe geht das alltägliche Leben weiter, bis unerwartet festgestellt wird, dass Luisa schwanger ist. Luisa selbst sagt nicht, wie das passiert ist, sie schweigt. Jede und jeder weiß, dass ihr Freund Anton nicht zeugungsfähig ist. Der Verdacht auf sexuellen Missbrauch liegt nahe. Luisa entschließt sich, die Schwangerschaft abbrechen zu lassen.
„Ziel war es, die Erzählung um Luisa und ihre Auseinandersetzung mit den Grenzverletzungen, die ihr zustoßen, möglichst einfühlsam und respektvoll zu umkreisen. Parallel sollte die häufig verborgene Lebenswelt von Menschen mit Behinderung in jener machtvollen Institution gezeigt werden, die sie eigentlich beschützen soll, aber zugleich bedrohlich für ihre körperliche Integrität und ein selbstbestimmtes Leben ist. Denn wie können wir szenisch und visuell abbilden, dass die Strukturen der Heimunterbringung Missbrauch in solchem Maße ermöglichen, also Institutionen, die Schutz für ausgerechnet die vulnerabelsten Menschen in der Gesellschaft versprechen und nicht halten können? Und wie können wir als Gesellschaft das verändern? Für den Dreh war es wichtig, einen inklusiven Cast an unserer Seite zu haben, mit dem all diese Fragen diskutiert werden konnten, um möglichst wenige Stereotype über Menschen mit Behinderung zu reproduzieren und natürlich auch die Perspektive von Menschen mit Behinderung sichtbar zu machen.“ Julia Roesler
Credits:
DE 2025, 94 Min., Deutsche OmeU Regie: Julia Roesler Kamera: Frank Amann Schnitt: Anne Jünemann mit: Celina Scharff, Trixi Strobel, Dennis Seidel, Eva Löbau, Bernd Hölscher, Katharina Bromka, Hadi Khanjanpour, Martin Schnippa, Peter Lohmeyer
Audiodeskriptionen, Untertitel und Hörverstärkung mit der Greta App
Luisa lives in a residential group at a facility for people with disabilities on the outskirts of a small German town. It is unexpectedly discovered that she is pregnant. Everyone knows that her boyfriend, Anton, is infertile. The suspicion of sexual abuse is evident. Luisa decides to terminate the pregnancy. The police are called in to determine whether a crime has been committed. The investigation becomes a test of endurance for Luisa, her relationship with Anton, and for the entire staff at the residential facility.
Credits:
DE 2025, 94 Min., Deutsche OmeU Regie: Julia Roesler Kamera: Frank Amann Schnitt: Anne Jünemann mit: Celina Scharff, Trixi Strobel, Dennis Seidel, Eva Löbau, Bernd Hölscher, Katharina Bromka, Hadi Khanjanpour, Martin Schnippa, Peter Lohmeyer
Am Strand des Senegals schippert ein Boot vor sich hin, in ihm Kinder mit Rettungswesten. Man könnte an den Beginn einer riskanten Reise über den Atlantik, hin zu den verklärten Gestaden Europas denken, doch die Wirklichkeit ist banaler: Ein Film wird hier gedreht, die deutsche Schauspielerin Maja (Maren Eggert) spielt Medea, jene klassische Frauenfigur aus der antiken Tragödie, die in einem fremden Land belogen und betrogen wird und schließlich Mann und Kinder tötet.
Aus irgendeinem Grund hielt es ihre Regisseurin Caroline (Nathalie Richard) für eine gute Idee, diese Geschichte nun im Senegal anzusiedeln, fast alle Rollen außer Medea mit Schwarzen zu besetzen – so auch Medeas gegenüber Jason, der vom französisch-senegalesischen Schauspieler Nourou (Jean-Christophe Folly) gespielt wird.
Wie eine Kolonialherrin führt sich Caroline am Set auf, schreit und wütet, wenn etwas nicht so läuft, wie sie sich das vorgestellt hat. Dass gleichzeitig die Komparsen schlecht behandelt werden und nicht zum Catering zugelassen sind, stört sie dagegen kaum.
Wie sich das für Dreharbeiten gehört, haben die beiden Hauptdarsteller eine Affäre, während Maja per Zoom-Call mit ihrem offensichtlich zunehmend entfremdeten Mann (Hans Löw) über die Erziehung des Kindes spricht.
Monate später, der sonnige Senegal wurde mit dem tristen Berlin ausgetauscht, es ist Februar, auf der Berlinale wird der Film Premiere haben. Bei der Ankunft in seinem Hotel fühlt sich Nourou vom Portier rassistisch beleidigt, doch es ist Maja, die auf einer Entschuldigung besteht und schließlich für die Entlassung des – polnischen – Mitarbeiters sorgt. Auch die Affäre der Beiden ist vorbei, war vielleicht nur am Set möglich, vielleicht auch nur in der Fremde, in der exotischen Umgebung.
Vor gut 15 Jahren war Ulrich Köhler mit seinem Film „Schlafkrankheit“ selbst bei der Berlinale zu Gast, ein semi-autobiographischer Film, in dem der Autor und Regisseur Erfahrungen aus seiner Kindheit thematisierte, als er zusammen mit seinen Eltern in Afrika lebte. Auch damals spielte Jean-Christophe Folly eine Hauptrolle und erlebte in einem Berliner Hotel eine ähnliche Szene, wie sie nun die von ihm gespielte Figur Nourou erlebt.
Dieser Moment war für Köhler einer der Ausgangspunkte seines neuen Films, noch viel mehr aber manche Diskussion, die über die Berechtigung eines Films wie „Schlafkrankheit’“ entstand, ein von einem weißen Regisseur, mit einem hauptsächlich weißen Team in Afrika gedrehter Film. Seitdem hat sich die Diskussion über das, was Allgemein als Kulturelle Aneignung bezeichnet wird, keineswegs entspannt, selbst ein Film wie Köhlers wird von manchen als problematisch betrachtet. Und das obwohl dieser gar nicht dezidiert von Schwarzen erzählt, sondern gerade von oft ignoranten Weißen, die mit den Begebenheiten Afrikas kaum vertraut sind. Aber solche Feinheiten gehen in einer oft populistisch geführten Diskussion bekanntermaßen oft unter.
Actors Maja and Nourou have an affair while shooting a modern adaptation of Medea in Senegal, but things take a dark turn after the film’s premiere. An unflinchingly complex look at racial tensions, filmmaking and power dynamics.
In Dakar, during the making of a modernist take on the Medea myth, fellow actors Maja and Nourou start an affair to ease the pressures on set and the piercing feelings of loneliness. Once the shoot is over, they meet again only for the premiere in Berlin – which turns into a disaster when the press questions the film projecting a European narrative onto a former colony.
The word ‘gavagai’ originates from a thought experiment by philosopher and logician W.V. Quine, who suggested that translation is inextricably tied to context – without it, everything can theoretically mean everything. Berlin School outlier Ulrich Köhler (In My Room, IFFR 2019) turns this idea into an essay on our modern society in which appearance is everything and all is ruled by the laws of clickbait. Köhler refuses to give into the laziness, frustration and anger that is so prevalent in today’s media and art discourse. One of the most politically pertinent films of the year.
Regisseurin Lea Hartlaub unternimmt in ihrem filmischen Essay anhand eines Objekts – der Giraffe – eine Welterzählung über Kontinente und Jahrhunderte hinweg. Ein Filmexperiment, das international viel Beachtung gefunden hat und in Form und Inhalt seinesgleichen sucht.
In einer puristischen Filmsprache und bühnenhaften Tableaus erzähltSRvom Menschen und von durch ihn geschaffene Wirklichkeiten. 16 fragmentarische Episoden führen in 91 Einstellungen an 30 Handlungsorte – unter anderem auf eine Insel im Westpazifik, in einen Lesesaal in New York, zu einer Keramikfabrik bei Peking, auf eine Landebahn im Niger. Dabei trifft der Film auf Vermutungen, Behauptungen und die Relativität von Wissen, auf koloniale Relikte, hegemoniale Strukturen, auf Aneignungen und den Umgang mit Exotik. Ein wiederkehrendes Motiv, die Giraffe, erscheint mal direkt, mal am Rande. Eine Vielschichtigkeit entsteht, in der sich weit mehr andeutet, als das, was auf den ersten Blick sichtbar wird.
Regisseurin Lea Hartlaub unternimmt in ihrem filmischen Essay anhand eines Objekts – der Giraffe – eine Welterzählung über Kontinente und Jahrhunderte hinweg. Ein Filmexperiment, das international viel Beachtung gefunden hat und in Form und Inhalt seinesgleichen sucht.
In einer puristischen Filmsprache und bühnenhaften Tableaus erzähltSRvom Menschen und von durch ihn geschaffene Wirklichkeiten. 16 fragmentarische Episoden führen in 91 Einstellungen an 30 Handlungsorte – unter anderem auf eine Insel im Westpazifik, in einen Lesesaal in New York, zu einer Keramikfabrik bei Peking, auf eine Landebahn im Niger. Dabei trifft der Film auf Vermutungen, Behauptungen und die Relativität von Wissen, auf koloniale Relikte, hegemoniale Strukturen, auf Aneignungen und den Umgang mit Exotik. Ein wiederkehrendes Motiv, die Giraffe, erscheint mal direkt, mal am Rande. Eine Vielschichtigkeit entsteht, in der sich weit mehr andeutet, als das, was auf den ersten Blick sichtbar wird.
13 Jahre nach Die Liebe der Kinder nimmt Franz Müller den Faden wieder auf und inszeniert mit dem Gros des damaligen Personals eine Fortsetzung, die aber für sich steht. Der Einblick in das Leben einer Frau, die was erreichen will, die sich bemüht und es kurz auch schafft, ist zugleich ein Blick in eine Falle, die man getrost Neoliberalismus nennen kann. Für die 30-jährige Mira läuft es gut: ein liebevoller Mann, zwei Kinder und jetzt auch noch eine eigene Supermarktfiliale. Den nötigen Startkredit gewährt ihr Robert, der Ex-Partner ihrer Mutter – zinslos. Aber noch in derselben Nacht „investiert“ Miras Mann Tarek das Geld in einen Kryptofonds und fällt einem Betrug zum Opfer. Mira bringt es nicht über sich, Robert davon zu erzählen. Eine Halbwahrheit zieht die nächste Lüge nach sich, und dann stellt sich auch noch heraus, dass der für seinen vermeintlich großzügigen Kredit Gegenleistungen erwartet: Miras Kinder sollen seiner tiefreligiöser Frau zuliebe getauft werden. Davon wiederum darf Tarek nichts erfahren. Ihrer bildungsbürgerlichen Mutter kann Mira sich auch nicht anvertrauen. Die ist der Meinung, dass ihre Tochter sich mit ihrer Berufswahl und der Ehe mit dem ehemaligen Rapper „nach unten orientiert“. Präzise, mit Empathie und viel lakonischem Humor führt der Film seine Protagonistin dem unvermeidlichen Knall zu – und vielleicht der Erlösung?
Credits:
DE 2025, 104 Min., deutsche OmeU Regie: Franz Müller Kamera: Julia Daschner Schnitt: Stefan Stabenow mit: Katharina Derr, Alex Brendemühl, Leonidas Emre Pakkan, Lana Cooper
Mira is happy. She has just started a job as manager of a supermarket on the outskirts of town. She has a loving relationship with her husband Tarik and their two daughters. But a serious breach of trust suddenly calls her whole life into question. Franz Müller takes an empathetic look at a world largely unexplored by German cinema: the suburbs with their all-too-human problems. But on the horizon a utopia appears, a solidarity-based coexistence outside the pressure cooker of late capitalist logic.
Credits:
DE 2025, 104 Min., deutsche OmeU Regie: Franz Müller Kamera: Julia Daschner Schnitt: Stefan Stabenow mit: Katharina Derr, Alex Brendemühl, Leonidas Emre Pakkan, Lana Cooper
Ein legendärer, aber in die Jahre gekommener Gangster namens Mahr (Louis-Do de Lencquesaing, der mir als Alter-Ego von Humbert Balsan in Mia Hansen-Loves großartigem Der Vater meiner Kinder heute noch in Erinnerung ist), beauftragt die Auftragskillerin Tez den Mord an einem seiner Geldkuriere zu rächen. In ihrem klassisch nach Film-Noir-Genre-Regeln erzählten, erstmals auf Französisch realisiertem Werk weben Regisseur Christoph Hochhäusler und Co-Autor Ulrich Peltzer zwischen den Schnittpunkten Gier, Macht und Manipulation ein raffiniertes Geflecht aus Intrigen und Verrat. „Grundsätzlich nimmt Hochhäusler das Genre beim Wort, entledigt sich jeglichen Überbaus und sucht auch nicht im engeren Sinn den Anschluss ans Gesellschaftsdiagnostische, etwa der Finanzwelt, der Mediengesellschaft oder irgendwelcher Identitätspolitiken. La mort viendra ist ein fatalistischer Gangsterfilm nach dem Vorbild von Jean-Pierre Melville, finster, kalt und auf das Notwendigste reduziert. Alles basiert auf Knappheit, Enge und Begrenzung: Plot, Räume, Bildausschnitte. … Engmaschig geknüpft sind auch die Erzählfäden; fast stehen sich die Figuren gegenseitig auf den Füßen herum. Es gibt wir und sie. Und dann gibt es auch noch die – nicht in Erscheinung tretenden – Italiener“. Filmdienst, Esther Buss
Credits:
DE/BE/LU 2024, 101 Min., französiche OmU Regie: Christoph Hochhäusler Kamera: Reinhold Vorschneider Schnitt: Stefan Stabenow mit: Sophie Verbeeck, Louis-Do De Lencquesaing, Marc Limpach, Mourade Zeguendi, Nassim Rachi
Trailer:
Der Tod wird kommen / La mort viendra [Offizieller Trailer FRANZÖSISCHHD] – Ab 12. März im Kino
Tez kills for money. Charles Mahr, a legendary gangster, hires her to avenge the murder of one of his couriers. Once in Brussels, she gets caught up in the thicket of an intrigue in which she herself becomes the prey. Tez has to decide whose instrument she wants to be.
Credits:
DE/BE/LU 2024, 101 Min., französiche OmU Regie: Christoph Hochhäusler Kamera: Reinhold Vorschneider Schnitt: Stefan Stabenow mit: Sophie Verbeeck, Louis-Do De Lencquesaing, Marc Limpach, Mourade Zeguendi, Nassim Rachi
Trailer:
Der Tod wird kommen / La mort viendra [Offizieller Trailer FRANZÖSISCHHD] – Ab 12. März im Kino
PL 2024 R/B/K: Maria Zbąska 99 min, OmdU S: Andrzej Kowalski M: Anja Garbarek D: Zofia Chabiera, Marcin Sztabiński u. a.
Die impulsive Wanda ist nur noch genervt. Sie und ihr Freund Janek haben sich auseinandergelebt, ihre Beziehung steckt fest. Das Geld ist chronisch knapp, ständig gibt es Streit, der freudlose Alltag ist nur noch die Wiederholung des ewig Gleichen und Janeks routinierter Pragmatismus bringt sie zur Weißglut. Haben sie überhaupt noch eine gemeinsame Zukunft?
Für Wanda steht fest: Sie müssen durch gemeinsame Grenzerfahrungen wieder zueinander finden – oder für immer auseinandergehen. Also brechen sie auf, mitten im Winter, einmal 400 km den polnischen Ostseestrand entlang von West nach Ost. Es gilt die eiserne Regel: Sie dürfen den Strand nicht verlassen. Wird sie gebrochen, ist das Projekt beendet – das gilt für die Wanderung, aber auch für ihre Beziehung. Wind, Kälte und Erschöpfung setzen ihnen ebenso zu wie die Notwendigkeit, trotz unterschiedlicher Charaktere immer wieder einen kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden.
Maria Zbąska inszeniert in ihrem Debüt eine Reise, die keinen Anfang und kein Ende zu haben scheint – ein bittersüß-poetisches Psycho-Kammerspiel und ein Road-Movie ohne Straßen. [Rainer Mende]
Maria Zbąska (geb. 1975) absolvierte ein Kamera-Studium an der Filmhochschule Łódź und veröffentlichte ab 2001 sieben Kurzfilme, bevor sie 2024 mit „Das ist nicht mein Film“ ihren ersten Langfilm drehte. Für alle ihre Filme stand sie auch hinter der Kamera.
Die quirlige Alyssa und der zurückhaltende Mehdi, beide um die zwanzig, sind beste Freunde mit grossen Träumen: Sie will im Ausland durchstarten, er als Zeichner in Tunesien Fuss fassen. Als sie von einem Kunstwettbewerb auf Djerba erfahren, beginnt ein Roadtrip, der ihr Leben verändern könnte.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht eine innige Freundschaft. Die 19-jährige Alyssa muss sich neben ihren schulischen Verpflichtungen um ihre kleine Schwester und die kranke Mutter kümmern. Sie ist eine Rebellin und möchte der Enge in Tunis entfliehen. Mehdi ist zurückhaltend und bewirbt sich mehr schlecht als recht auf IT-Jobs, hofft aber insgeheim, eines Tages von seiner Zeichenkunst leben zu können. Als die beiden von einem Kunstwettbewerb erfahren, bei dem ein Atelieraufenthalt in Deutschland als Hauptpreis winkt, bekommen ihre Träume Flügel. Doch schon das Beschaffen eines Fahrzeugs bedarf Alyssas Kühnheit, und ehe Mehdi sich versieht, sind sie unterwegs durch ein unbekanntes Tunesien, das ebenso faszinierend wie gesellschaftlich erdrückend ist.
Mit spielerischer Leichtigkeit erzählt Amel Guellaty in ihrem Langfilmdebüt vom Elan einer Generation, die das enttäuschende Erbe des Arabischen Frühlings mit Fantasie, Humor und Improvisationstalent antritt. Mehdis Zeichnungen erwachen dezent zum Leben, Alyssas Vorstellungskraft sorgt für feine, surreale Tupfer und arabische Indie-Musik trägt das Filmpaar durch die Landschaft. Es entsteht das Porträt einer aufgeschlossenen Jugend, die wie überall auf der Welt ihr eigenes Potenzial entdecken muss, das manchmal greifbar nah liegt.
Alyssa, a rebellious 19-year-old girl, and her friend Mehdi, an introverted 23-year-old man, use their imagination to escape their unpromising reality. When they discover a contest in the south of Tunisia that may allow them to flee, they undertake a road trip regardless of the obstacles in their way.
Director Amel Guellaty offers us a window into a side of Tunisia we have rarely seen, imbuing the world of her charming debut feature with surreal visual flourishes that transform and brighten everyday moments. Eya Bellagha and Slim Baccar have undeniable chemistry as Alyssa and Mehdi, organically capturing the crossfire banter of their friendship as well as their shared struggle to break free from the responsibilities and restrictions that hold them back from pursuing their dreams. Their unexpectedly chaotic journey to Djerba is underscored by a thoughtful comedic touch and a hypnotic indie soundtrack from the region.
With creativity, warmth, and spirit, Where the Wind Comes From honors Tunisian youth while recognizing the uncertain road that lies ahead of them.
Der Franzose Jay (Romain Duris) hat sich entschieden aus Japan nach Frankreich zurückzukehren. Neun Jahre hat er als Taxifahrer in Tokyo vergeblich nach seiner Tochter Lily gesucht. Nach ihrer Trennung ist Jays Frau mit der gemeinsamen Tochter in Tokyo untergetaucht. Jay hat seiner Frau die Scheidung verweigert, weil er sonst nach japanischem Recht jedes Anrecht verlieren würde seine Tochter vor ihrer Volljährigkeit wiederzusehen. Für Jay heißt es nun, sein Haus verkaufen und Abschiednehmen von seiner Sorgerechtsanwältin Michiko (Tsuyu), und der Selbsthilfegruppe aus Männern und Frauen, Japanern und Ausländern, denen allen der regelmäßige Zugang zu ihren Kindern verweigert wird. Gerade neu hinzugekommen ist Jessica (Judith Chemla) deren Sohn Lucas nach der Trennung seiner Eltern von seinem Vater von Paris nach Tokyo entführt worden ist. Als Jay eine Schicht für einen erkrankten Kollegen in einem anderen Stadtteil übernimmt steigt ein Mädchen (Mei Cirne-Masuki) in seinen Wagen das seine Tochter sein könnte. Jays Vater, der in Paris auf ihn wartet, warnt ihn, dass es das 10te Mal sei, dass er glaubt seine Tochter gefunden zu haben.
Credits:
Une part manquante FR/BE 2024, 98 Min., franz. OmU Regie: Guillaume Senez Kamera: Elin Kirschfink Schnitt: Julie Brenta mit: Romain Duris, Judith Chemla, Mei Cirne-Masuki, Tsuyu
A father’s desperate quest to reunite with his daughter becomes the source of rising tension and heart-rending poignancy in this sensitively rendered third feature by Belgian filmmaker Guillaume Senez. Reuniting with director Guillaume Senez after their very successful collaboration on 2018’s Our Struggles, Romain Duris gives a wonderfully lived-in performance as Jay, a French man now living in Tokyo and making a living as a driver for a private car service. Through Jay’s encounters with Jessica (Judith Chemla), another French expat, and his conversations with others sympathetic to his plight, Senez’s film gradually reveals the circumstances that have kept him in the country. Like others who share his plight, Jay is subject to a legal system that provides few rights to foreign parents in custody conflicts. As a result of Japan’s “clean break” approach to family law, a parent may be unable to even contact their child after a divorce. After nine painful years, Jay is on the verge of giving up on the possibility he might ever see his daughter Lily again. But then one morning, a new passenger in his car takes his story in another direction.By grounding the narrative in small details and never resorting to easy sentimentality, even in its most charged moments, Senez imbues his film with great authenticity and humanity. Likewise, the director’s emphasis on the quotidian helps it avoid exoticizing Jay’s experience or perspective as an outsider in Japan. Through these quiet, careful methods, Senez has crafted an unusually thoughtful family story that contains a rare wealth of feeling. JASONANDERSON | TIFF
Credits:
Une part manquante FR/BE 2024, 98 Min., franz. OmU Regie: Guillaume Senez Kamera: Elin Kirschfink Schnitt: Julie Brenta mit: Romain Duris, Judith Chemla, Mei Cirne-Masuki, Tsuyu
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