Ein Film von Ulrich Köhler.
[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]
Am Strand des Senegals schippert ein Boot vor sich hin, in ihm Kinder mit Rettungswesten. Man könnte an den Beginn einer riskanten Reise über den Atlantik, hin zu den verklärten Gestaden Europas denken, doch die Wirklichkeit ist banaler: Ein Film wird hier gedreht, die deutsche Schauspielerin Maja (Maren Eggert) spielt Medea, jene klassische Frauenfigur aus der antiken Tragödie, die in einem fremden Land belogen und betrogen wird und schließlich Mann und Kinder tötet.
Aus irgendeinem Grund hielt es ihre Regisseurin Caroline (Nathalie Richard) für eine gute Idee, diese Geschichte nun im Senegal anzusiedeln, fast alle Rollen außer Medea mit Schwarzen zu besetzen – so auch Medeas gegenüber Jason, der vom französisch-senegalesischen Schauspieler Nourou (Jean-Christophe Folly) gespielt wird.
Wie eine Kolonialherrin führt sich Caroline am Set auf, schreit und wütet, wenn etwas nicht so läuft, wie sie sich das vorgestellt hat. Dass gleichzeitig die Komparsen schlecht behandelt werden und nicht zum Catering zugelassen sind, stört sie dagegen kaum.
Wie sich das für Dreharbeiten gehört, haben die beiden Hauptdarsteller eine Affäre, während Maja per Zoom-Call mit ihrem offensichtlich zunehmend entfremdeten Mann (Hans Löw) über die Erziehung des Kindes spricht.
Monate später, der sonnige Senegal wurde mit dem tristen Berlin ausgetauscht, es ist Februar, auf der Berlinale wird der Film Premiere haben. Bei der Ankunft in seinem Hotel fühlt sich Nourou vom Portier rassistisch beleidigt, doch es ist Maja, die auf einer Entschuldigung besteht und schließlich für die Entlassung des – polnischen – Mitarbeiters sorgt. Auch die Affäre der Beiden ist vorbei, war vielleicht nur am Set möglich, vielleicht auch nur in der Fremde, in der exotischen Umgebung.
Vor gut 15 Jahren war Ulrich Köhler mit seinem Film „Schlafkrankheit“ selbst bei der Berlinale zu Gast, ein semi-autobiographischer Film, in dem der Autor und Regisseur Erfahrungen aus seiner Kindheit thematisierte, als er zusammen mit seinen Eltern in Afrika lebte. Auch damals spielte Jean-Christophe Folly eine Hauptrolle und erlebte in einem Berliner Hotel eine ähnliche Szene, wie sie nun die von ihm gespielte Figur Nourou erlebt.
Dieser Moment war für Köhler einer der Ausgangspunkte seines neuen Films, noch viel mehr aber manche Diskussion, die über die Berechtigung eines Films wie „Schlafkrankheit’“ entstand, ein von einem weißen Regisseur, mit einem hauptsächlich weißen Team in Afrika gedrehter Film. Seitdem hat sich die Diskussion über das, was Allgemein als Kulturelle Aneignung bezeichnet wird, keineswegs entspannt, selbst ein Film wie Köhlers wird von manchen als problematisch betrachtet. Und das obwohl dieser gar nicht dezidiert von Schwarzen erzählt, sondern gerade von oft ignoranten Weißen, die mit den Begebenheiten Afrikas kaum vertraut sind. Aber solche Feinheiten gehen in einer oft populistisch geführten Diskussion bekanntermaßen oft unter.
M. Meyns | programmkino.de




Credits:
DE/FR 2025, 89 Min., Französisch, Englisch, Deutsch. Wolof OmU
Regie: Ulrich Köhler
Kamera: Patrick Orth
Schnitt: Lorna Hoefler Steffen
mit: Jean-Christophe Folly, Maren Eggert, Nathalie Richard, Anna Diakhere Thiandoum
Audiodeskriptionen, Untertitel und Hörverstärkung mit der Greta App
Trailer:
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[:en]
A film by Ulrich Köhler. In French, English, German and Wolof with German subtitles.
[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]
Actors Maja and Nourou have an affair while shooting a modern adaptation of Medea in Senegal, but things take a dark turn after the film’s premiere. An unflinchingly complex look at racial tensions, filmmaking and power dynamics.
In Dakar, during the making of a modernist take on the Medea myth, fellow actors Maja and Nourou start an affair to ease the pressures on set and the piercing feelings of loneliness. Once the shoot is over, they meet again only for the premiere in Berlin – which turns into a disaster when the press questions the film projecting a European narrative onto a former colony.
The word ‘gavagai’ originates from a thought experiment by philosopher and logician W.V. Quine, who suggested that translation is inextricably tied to context – without it, everything can theoretically mean everything. Berlin School outlier Ulrich Köhler (In My Room, IFFR 2019) turns this idea into an essay on our modern society in which appearance is everything and all is ruled by the laws of clickbait. Köhler refuses to give into the laziness, frustration and anger that is so prevalent in today’s media and art discourse. One of the most politically pertinent films of the year.
– IFFR




Credits:
DE/FR 2025, 89 Min., Französisch, Englisch, Deutsch. Wolof OmU
Regie: Ulrich Köhler
Kamera: Patrick Orth
Schnitt: Lorna Hoefler Steffen
mit: Jean-Christophe Folly, Maren Eggert, Nathalie Richard, Anna Diakhere Thiandoum
Trailer:
Im Kino mit deutschen Untertiteln
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