In Lützerath verläuft für Blinker, Ronni und die Bundestagsabgeordnete Kathrin Henneberger die 1,5 Grad-Grenze. Auf unterschiedliche Art kämpfen sie für den Erhalt des Dorfes im rheinischen Braunkohlerevier. Während Blinker auf Barrikaden setzt und Ronni sich auf die Medienstrategie der Besetzung konzentriert, versucht die örtliche Grünen-Abgeordnete den Protest zu unterstützen und muss eine schwere Niederlage einstecken, als die Ampelkoalition dem Kohlekompromiss mit RWE zustimmen – der zwar den Ausstieg bis 2030 festhält, aber Lützerath dem Konzern opfert. Nach der Räumung bleiben Bilder der Zerstörung, Erinnerungen und erst langsam heilende Wunden.
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DE 2025, 110 Min., deutsche OmeU Regie & Kamera: Lukas Reiter Schnitt: Christoph Hans
Eigentlich will sich die hochschwangere Kriegsjournalistin Ada eine Auszeit bei ihrem Partner in Hamburg gönnen. Doch dann bekommt sie aus Polen ein Buch zugeschickt, in dem eine Frau ihre Missbrauchserfahrungen als Kind schildert – versehen mit einer persönlichen Widmung und einer Telefonnummer. Gegen jede Vernunft macht sich Ada auf den Weg in ihre alte Heimat. Dort trifft sie sich mit Roksana, der Autorin des Buchs. Diese bittet Ada, mit ihr in die polnische Provinz zu fahren, wo beide aufgewachsen sind. Vielleicht können sie nach dem Tod von Roksanas Vater ihre Mutter dazu bringen, das Schweigen über die Ereignisse von damals zu brechen. Das odd couple macht sich auf den Weg, um zu rekonstruieren, was geschehen ist – oder ob sich Roksana die Geschichte vielleicht nur ausgedacht hat.
Kamila Taraburas Langfilm-Debüt ist eine feinfühlige Mischung aus Roadmovie, Thriller, Krimi und Psychoporträt, das viele überraschende Wendungen nimmt, um parallel mehrere Geschichten zu erzählen. Dabei kann sich die Regisseurin vor allem auf ihre traumhaft interagierenden Hauptdarstellerinnen Dagmara Domińczyk (Ada) und Katarzyna Warnke (Roksana) verlassen, deren Schweigen oft beredter ist als ihre Worte. [Rainer Mende]
PL/LT 2024, 101 Min., poln. OmU, Regie: Kamila Tarabura, mit: Dagmara Domińczyk, Katarzyna Warnke, Małgorzata Hajewska-Krzysztofik, Andrzej Konopka
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TRAVELESSENTIALS (Rzeczy niezbędne) drama I 2024 I Poland, Germany
Scherbenland erzählt von einer Band, deren erstes Album mit der Frage begann: „Warum geht es mir so dreckig?“ – und von einer Stadt, die durch ihre Lieder verändert wurde. Anfang der 1970er Jahre wird Kreuzberg zum Experimentierfeld einer Gegenkultur. Mit Songs wie „Macht kaputt, was euch kaputt macht“, „Alles verändert sich“ und „Der Traum ist aus“ geben Ton Steine Scherben einer Generation eine Stimme. Ihre Musik begleitet Hausbesetzungen, politische Kämpfe und die Suche nach einem anderen Leben.
Der Film folgt den Spuren dieser Zeit und fragt: Was ist von diesem Aufbruch geblieben? Und was passiert, wenn die Hymnen der Scherben auf die Songs der Gegenwart treffen? Im Berlin von heute begegnet „Scherbenland“ Musiker:innen, deren Lieder vom Leben im Kiez erzählen – darunter das Rap-Trio RAPK und die Songwriterin Maike Rosa Vogel. Ihre Musik entsteht aus dem Alltag eines Bezirks, der sich zwischen Mythos, Gentrifizierung und neuer kultureller Energie bewegt. Ein Film über Musik und Poesie als Widerstand – damals und heute. Und über die Frage, ob beides noch immer die Kraft hat, eine Stadt zu verändern.
Credits:
DE 2026, 100 Min., Deutsche OF Regie: Lutz Pehnert und Ferdinand Hübner Kamera: Thomas Lütz, Thomas Hering, Florian Geyer Schnitt: Thomas Kleinwächter
Scherbenland tells the story of a band whose first album began with the question: „Why am I so miserable?” – and of a city transformed by their songs. In the early 1970s, Kreuzberg became a testing ground for a counterculture. With songs like „Destroy What Destroys You,” „Everything Changes,” and „The Dream Is Over,” Ton Steine Scherben gave a voice to a generation.
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DE 2026, 100 Min., Deutsche OF Regie: Lutz Pehnert und Ferdinand Hübner Kamera: Thomas Lütz, Thomas Hering, Florian Geyer Schnitt: Thomas Kleinwächter
Mittendrin in der Black-Metal-Szene ist Regisseur Jonas Ulrich mit seinem Film Wolves, aber nicht nur das. Beim Max Ophüls-Preis in Saarbrücken erhielt er den Preis der Jugendjury und den der Filmkritik. Luana arbeitet als Erzieherin und lebt bei ihrer Mutter in Zürich. Zu ihrem Cousin Dominik hat sie ein gutes Verhältnis und teilt seine Black-Metal Vorliebe. Kurz vor einer Tournee steigt in dessen Band WLVS ein neuer Frontmann ein. Nicht nur Wiktors außergewöhnlicher Gesang fasziniert Luana, der junge Pole ist auch charmant und enigmatisch. Sie quittiert die Arbeit und überredet Dominik, sie bei der Provinz-Tour als Social-Media-Managerin mitzunehmen. Die Rechnung geht auf, Wiktor interessiert sich auch für sie. Nach und nach wird jedoch klar, dass ihr neuer Freund ideologisch in eine fragwürdige Richtung tendiert. Hinweise wie spezielle Tattoos, merkwürdige Fans und mehr werden aber immer wieder relativiert oder weggeredet. Der Film stellt nicht die Frage, wie weit man Kompromisse aushandeln oder eingehen soll. Er fragt, wann man erkennt, dass es höchste Zeit ist, zusammenzupacken und das Weite zu suchen. Er weiß aber auch, wie schwierig das, nicht nur in einer Beziehung, sein kann. „In Bildern von großer Schönheit erzählt dieses Drama von Grenzen, die sich verschieben, und Abgründen, die sich auftun, wobei die kleine auf die große Welt verweist. Mutig und authentisch blickt der Film in einen unbekannten Kosmos, den wir durch die Augen der Protagonistin erleben. Im Kontrast zwischen weichem Licht und scharfer Musik baut sich eine intensive Kinoatmosphäre auf.“ Jurybegründung Preis der Filmkritik MOP
Credits:
CH 2025, 96 Min., engl, schweizerdeutsch OmU Regie & Schnitt: Jonas Ulrich Kamera: Tobias Kubli mit: Bartosz Bielenia, Selma Kopp, Fabian Künzli, Anna Sauter-McDowell, Moritz Fabian
In einem Sportinternat im ländlichen Frankreich träumt der junge talentierte Boxer Camille von einer Zukunft im Profisport. Camille ist ehrgeizig, gilt als unschlagbar im Ring – und füttert heimlich Füchse im angrenzenden Wald. Als er bei einem seiner Waldausflüge von einem Felsen abstürzt, überlebt er nur deshalb knapp, weil ihn sein bester Freund Matteo rettet. Nach schneller Genesung wird Camille zunehmend von unerklärlichen Schmerzen heimgesucht, die sein Training beeinträchtigen und seinen Traum von einer Karriere bedrohen. Auch die Beziehung zu seinem Team verschlechtert sich, denn in der Welt der jungen Boxer gibt es für Schwäche keinen Platz. Als ein wichtiges Turnier in Brüssel ansteht, setzt Camille alles auf eine Karte – und setzt dabei auch seine Freundschaft mit Matteo aufs Spiel… „Boxfilme gibt es wie Sand am Meer, man muss also einen guten Grund haben, um noch einen zu drehen. Den hat der belgische Regisseur Valéry Carnoy, denn eigentlich hat er kein wirkliches Interesse am Boxen selbst, nutzt den Sport und die mit ihm verbundenen Klischees jedoch, um in seinem Debütfilm Wild Foxes auf gelungene Weise Strukturen und Folgen toxischer Männlichkeit zu sezieren.“ programmkino.de
Credits:
La Danse des Renards FR/BE 2025, 94 Min., französische OmU Regie: Valéry Carnoy, Kamera: Arnaud Guez, Schnitt: Suzana Pedro mit: Samuel Kircher, Fayçal Anaflous, Anna Heckel, Jef Jacobs, Hassane Alili, Salahdine El Gharchi, Jean Baptiste Durand, Raphaël Thierry unter der Mitwirkung von Yoann Blanc
Trailer:
Wild Foxes (offizieller Trailer) | Ein Film von Valéry Carnoy | Ab 7. Mai im Kino
At a boarding school specialising in sports, Camille, a young boxing star recently crowned French champion, is narrowly saved from a fatal accident by his best friend Matteo. As anxiety slowly gnaws away at him, he begins to question his passion for boxing and his close friendship with Matteo.
Credits:
La Danse des Renards FR/BE 2025, 94 Min., französische OmU Regie: Valéry Carnoy, Kamera: Arnaud Guez, Schnitt: Suzana Pedro mit: Samuel Kircher, Fayçal Anaflous, Anna Heckel, Jef Jacobs, Hassane Alili, Salahdine El Gharchi, Jean Baptiste Durand, Raphaël Thierry unter der Mitwirkung von Yoann Blanc
Trailer:
Wild Foxes (offizieller Trailer) | Ein Film von Valéry Carnoy | Ab 7. Mai im Kino
Tarik Salehs neuer Film Eagles of the Republic beginnt mit handgezeichneten Postern aus der großen Zeit des ägyptischen Kinos. Das ist nicht nur Nostalgie, sondern auch ein Statement, ein persönliches, politisches und ästhetisches. Das ägyptische Kino mag, aufgrund der politischen Veränderungen des arabischsprachigen Raums und in Ägypten selbst, nicht die alte Größe aus der Zeit von Cairo Station haben, aber Tarik Saleh, Sohn eines Ägypters und einer Schwedin, dreht seit 11 Jahren Politthriller, die sich mit Alan J. Pakula, Alan Parker und Costa-Gavras messen können. Eagles of the Republic spielt im gegenwärtigen Kairo, in dem zu Beginn der Glamour vergangener Zeiten herrscht: elegante Clubs, Filmsets, Partys. Der nicht sonderlich religiöse Christ George Fahmy (Fares Fares, fantastisch) ist der größte Filmstar Ägyptens und hat gerade seinen letzten Film abgeschlossen. Aber die Zensurstelle, drei muslimische Frauen, hat Einwände. Eine Kampagne gegen George beginnt. Eine Kollegin soll im Fernsehen über Georges Lebenswandel und politische Einstellung sprechen und verkünden, dass sie nicht mit ihm arbeiten will. Stattdessen wendet sie sich an George, und im Fernsehen spricht sie nur freundlich von ihm. Dann nehmen die Dinge eine erste seltsame Wendung. George soll plötzlich in einem Propagandafilm über das Leben von Präsident Sisi die Hauptrolle spielen. Er will nicht, aber das Regime hat Mittel, schmeichelnde und mörderische. Mit dem Einstieg in den Präsidentenfilm wird George immer tiefer in die Ränke der Machthaber und deren nicht weniger korrupten Gegner innerhalb des Regimes gezogen. Die Atmosphäre am Set ist psychotisch, aber das ist noch nichts gegen das, was sich erst allmählich, dann rasant entfaltet. Eagles of the Republic ist ein vertrackt schleichender, sehr stylischer Thriller, beängstigend und brandaktuell.
Regisseurin Daniela Magnani Hüller hat vor 14 Jahren einen Femizidversuch durch einen damaligen Mitschüler überlebt. In ihrem Dokumentarfilm nähert sie sich der Tat und ihrer Reflexion über die Tat in einer fragmentarischen Erzählung. Vor allem spricht sie mit den Menschen, deren Handeln/Nicht-Handeln damals für sie eine wichtige Rolle gespielt hat. Sie befragt eine Lehrerin, eine ehemalige Mitschülerin, einen Arzt, einen Staatsanwalt, eine Kommissarin, ihre Halbschwester und eine Freundin in Brasilien zu ihren Erinnerungen.
„Hüller macht das vom Mordversuch gespannte Netz der Verantwortungen begehbar. Monströses Gebäude. Hinter jeder Tür dieses kafkaesken Gebildes erwartet ein weiterer, zwar sehr beschämt-betroffen hereinblickender Repräsentant eines Subsystems, doch schlussendlich finden wir lauter „Nicht Verantwortliche“, „Nicht Befugte“, „Oder das sieht-das-Gesetzbuch eben nicht vor“. Doch aus diesen Interviews macht die Regisseurin keine Fallen. Sie stellt zwar konfrontative Fragen – lässt manch einen kalt auflaufen –, doch gestellte Fragen sind ehrlich, es sind Gedanken, die Hüller wohl seit über zehn Jahren mit sich schleppt. Und endlich Klarheit darüber haben will.“ Niklas Michels | kinozeit
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Credits:
DE 2026, 91 Min., deutsch portugiesische OmU, am 14.5. mit englischen Untertiteln Regie: Daniela Magnani Hüller Kamera: Noah Böhm Montage: Melanie Jilg
Ein Film wie ein Haus voller lang verschlossener Räume, düsterer Kammern. Doch jedes Zimmer wird geöffnet: Puppenspiele, Schmetterlinge, Farbe, Licht! Dem Schweigen die Wirkmacht nehmen – das will dieses autobiografische Dokumentarfilm-Debüt. Vor 14 Jahren überlebte die Regisseurin einen Femizidversuch, verübt von einem schon zuvor übergriffigen Mitschüler. Eine Tat, deren subjektive und objektive Unfassbarkeit Daniela Magnani Hüller nicht hinnehmen will. In Bildern der Empfindsamkeit legt sie Erinnerungen frei, im Voice-Over macht sie ihre Stimme hörbar, ergreift die Möglichkeit einer gestärkten eigenen Perspektive – auf das Geschehen, die Gegenwart des Traumas, die Zukunft eines Lebens ohne Angst. Gespräche fordert sie ein und zieht sie in oft distanziert gefilmten Großräumen durch, mit einer Lehrerin, Schulfreundin, Kriminalbeamtin, dem Staatsanwalt. Sie fragt nach dem Warum des jeweiligen (Nicht-)Handelns. Sachlich, konsequent, beeindruckend gefasst rekonstruiert sie Vorgänge und Versagen, und stellt – Jahre nach der Tat – die Frage nach Verantwortlichkeit: an die Einzelnen, die Schule, Justiz und Gesellschaft. Gewalt gegen Frauen – die Entfaltung einer Innen-/Außenperspektive.
Ein Muss für Schottland-(insbesondere-Highlands)-Sehnsüchtige, Wanderbegeisterte, alle, die ruhige Filme oder großartige Landschaften auf großer Leinwand sehen möchten oder das Drama zweier Freunde, die sich wiederfinden wollen. Chris und Lluis befinden sich nach zehn Jahren der Trennung mit Rucksäcken bepackt auf einem 600km langen Wandertrail durch den Norden Schottlands zum Cape Wrath, dem nordwestlichsten Punkt des Festlandes. Chris, offensichtlich ein hektischer moderner Berufstätiger, plant seine Vaterschaft. Lluis hingegen ist sich eigentlich gar nicht sicher, was er will. Beide jedoch möchten, bei aller unterschiedlicher Herangehensweise an ihr Abenteuer, wieder mehr voneinander wissen. Trotzdem lebt The North nicht von Dialogen, wie es beispielsweise bei den beiden Camper in Old Joy von Kelly Reichardt waren. In jenem Film zeigt sich in den Gesprächen, dass ihre Reise wohl den Anfang vom Ende ihrer Freundschaft markiert. Hier, wo die Dialoge auf ein Minimum beschränkt sind, gibt es keine großen Konflikte. Die Wendungen sind eher bescheiden; die zunehmende Spannung zwischen Chris und Lluis entsteht durch eine unerwartete Bemerkung und ein zufällig mitgehörtes Gespräch. Der Film wurde chronologisch und quasi in Echtzeit gedreht. Echt sind auch der Regen, die Midges, die falschen Fährten, die Mühen des Zeltens im Sturm, aber auch die raue Landschaft, atemberaubende Aussichten, die Meeresbuchten, die Ruhe, die Tiere und Menschen. Oft sind die Freunde als winzige Gestalten zu sehen, die Täler und Felsen durchqueren, aber die Natur wird hier nicht zur Erklärung oder Unterstützung menschlichen Verhaltens benutzt. Diese Landschaft steht den Gefühlen der Figuren gleichgültig gegenüber. Die Reise ist lang, und der Film nimmt sich Zeit. Keine Filmmusik stört die Stille, das Sounddesign sind die Geräusche der Natur. Man kann die Hügel und Berge fast atmen hören. Die wortlose Erleichterung am Ende der Reise ist die von Menschen, die auch in Wirklichkeit dreißig Tage lang ununterbrochen unterwegs waren. Die gelernten Lektionen des Lebens werden nicht ausgesprochen oder erklärt. Aufmerksame Zuschauer*innen dürfen selbst Schlussfolgerungen ziehen.
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