Anlässlich der Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie bieten wir allen kurz vorm Höhepunkt der Feierlichkeiten eine Erholungspause vom Weihnachtstrubel an: Nan Goldin ist keine gewöhnliche Künstlerin. Für die renommierte Fotografin verschmelzen Privatleben und Beruf vollständig – auf ihrem Lebensweg porträtiert sie die Menschen, die sie auf diesem begleiten. Goldin trifft in diesem Dokumentarfilm unter Anderem alte Freunde, und erzählt von ihren wilden Jahren in Berlin, ihrer Familie und ihrer Sammel-Leidenschaft religiös konnotierter Kunst. Der Film von Sabine Lidl entstand bereits 2013, vor Goldins Oxycodon-Abhängigkeit, die im Film All the Beauty and the Bloodshed thematisiert wird, und ist nun erstmals regulär im Kino zu entdecken.
Credits:
DE 2023, 62 Min., engl. OmU Regie & Kamera: Sabine Lidl Schnitt: Barbara Gies mit: Nan Goldin, Clemens Schick, Käthe Kruse, Joachim Sartorius, Piotr Nathan, Christine Fenzl, Guido Costa, Jack Ritchey, Thomas Dupal
“There is no separation between me and what I photograph.” Nan Goldin views her personal and professional lives as one inextricable whole.This world-famous photographer portrays people she comes across and those who accompany her through life to create intimate and candid visual testimonies of life.
Credits:
DE 2023, 62 Min., engl. OmU Regie & Kamera: Sabine Lidl Schnitt: Barbara Gies mit: Nan Goldin, Clemens Schick, Käthe Kruse, Joachim Sartorius, Piotr Nathan, Christine Fenzl, Guido Costa, Jack Ritchey, Thomas Dupal
„Jeder glaubt zu wissen, was Licht ist“, sagt der Quantenphysiker Daniele Faccio. „Aber dann gräbt man ein bisschen tiefer und merkt, dass man keine Ahnung hat.“ Tracing Light – Die Magie des Lichts erkundet in faszinierenden Bildern und Begegnungen das wohl bedeutendste aller Naturphänomene. Thomas Riedelsheimer, dessen Filme Rivers and Tidesund Touch The Soundwir lieben, blickt diesmal mehr als dort auch auf eine künstlerische Herangehensweise an das Wesen des Lichts, die mit der Forschung zusammengeht. So bringt er herausragende Wissen- schaftler:innen mit Künstler:innen zusammen, die mit Licht arbeiten, und sich fragen: Was ist Licht als Material? Wie verhält es sich in seiner rätselhaften Doppelgestalt als Welle und Teilchen? Verändert sich Licht, wenn wir es sehen? In welchem Verhältnis stehen Licht, Raum und Zeit? Wie prägt unsere Wahrnehmung des Lichts unser Verständnis der Welt? Im Zusammenspiel mit seinen charismatischen Protagonist:innen und der kongenialen Filmmusik von Fred Frith (nb – ab 6.3. als WA im Kino: Step across the Border) und Gabby Fluke-Mogul machen Thomas Riedelsheimers faszinierende Bilder das Licht in seinen unzähligen Facetten, Erscheinungen und Formen, in all seiner Komplexität erfahrbar. „Zwischen den Forscherinnen des Max-Planck-Instituts in Erlangen und der ’Extreme Light Group‚ der Universität Glasgow sowie international renommierten Künstlerinnen wie Ruth Jarman, Joe Gerhardt, Julie Brook, Johannes Brunner und Raimund Ritz entwickelt sich ein intellektuell-poetisches Pingpong-Spiel. In dessen Verlauf führen die verschiedenen Perspektiven auf das Thema Licht auf allen Seiten zu Erkenntnissen, die ohne dieses methodische Cross-over kaum entstanden wären: von Laserkraft und Farbpigmenten, von schwarzen Löchern und schwebenden Skulpturen. In kurzen Momenten mögen Unkundige sogar eine Vorstellung von den gemeinhin als nicht-darstellbar geltenden Regeln der Quantenphysik bekommen.“ Luc-Carolin Ziemann | Dok-Leipzig (Eröffnungsfilm 2024)
Credits:
DE/GB 2024, 99 Min., engl./dt. Originalfassung mit deutschen und englischen Untertiteln Regie, Kamera, Schnitt: Thomas Riedelsheimer Musik: Fred Frith, gabby fluke-mogul
Light is a fascinating phenomenon. Without light, there would be no cinema, no film – and no life. So light is at the origin of everything, and yet it remains invisible to the eye until it hits matter. This moment is – quite literally – the starting point of Thomas Riedelsheimer’s latest work, for the springtime spectacle of rainbow shreds in the cinematographer and documentary filmmaker’s flat became the starting point of a search for the origin of the images we form of this world. For this quest he dived deep into two spheres that seem to follow different laws but always strive to fathom the magical: physics and art. An intellectual and poetic ping pong game evolves between researchers from the Max Planck Institute in Erlangen and the “Extreme Light Group” of the University of Glasgow as well as internationally renowned artists such as Ruth Jarman, Joe Gerhardt, Julie Brook, Johannes Brunner and Raimund Ritz. In its course, the various perspectives on light lead to new insights on all sides that would hardly have been achieved without this methodical cross-over: about laser power and colour pigments, about black holes and floating sculptures. In brief moments, the uninitiated may even get some idea of the laws of quantum physics, generally considered impossible to visualise.
Luc-Carolin Ziemann
Credits:
DE/GB 2024, 99 Min., engl./dt. Originalfassung mit deutschen und englischen Untertiteln Regie, Kamera, Schnitt: Thomas Riedelsheimer Musik: Fred Frith, gabby fluke-mogul
Kurz nachdem Iman zum Untersuchungsrichter am Revolutionsgericht befördert wurde, erstarkt nach Jina Mahsa Aminis Tod die Protestbewegung im Land. Während er mit dem Druck des neuen Jobs zu kämpfen hat, engagieren sich seine Töchter bei den Protesten. Seine Frau Najmeh wiederum versucht verzweifelt, die Familie zusammenzuhalten. Regisseur Mohammad Rasoulof hat viel Zeit seines Lebens in Unfreiheit verbracht, im Gefängnis, unter Hausarrest oder mit Ausreiseverbot, dazu kommt das Berufsverbot. Umso erstaunlicher ist nicht nur, dass er überhaupt noch dreht, und, dass seine Arbeiten immer direkter, gewagter wurden. Während „Iron Island“ von 2005 noch als mehrdeutige Allegorie erscheint, und „The White Meadows“ (2009) parabelhafte Fantasie ist, geht der autobiografisch geprägte „Goodbye“ (2011), schon wesentlich direkter auf die subversive staatliche Repression ein. Der Thriller „Manuscripts don‘t burn“ (2013) verklausuliert nichts mehr. Die Geschichte über die Geheimdienst-Morde an Schriftstellern hat sogar einen realen Hintergrund. In „A Man of integrity“ (2017) geht es um Korruption, der Berlinale-Gewinner „There is no Evil“ verknüpft vier persönliche Schicksale mit den politischen Gegebenheiten. Nach Verhängung einer mehrjährigen Haftstrafe und Peitschenhieben konnte Rasoulof aus dem Iran fliehen und „Die Saat des heiligen Feigenbaum“ beim Wettbewerb in Cannes persönlich vorstellen. Natürlich steht die Familie, die sich aufgrund der politischen Entwicklungen entzweit, stellvertretend für die iranische Gesellschaft, aber die Vorkommnisse sind durchaus real. ,Die Saat des heiligen Feigenbaums‘ wird Deutschland bei den Oscars vertreten. Die Jury: der Film ist das Psychogramm der auf Gewalt und Paranoia aufgebauten Theokratie des Iran. … Ein meisterhaft inszenierter und berührend gespielter Film, der Szenen findet, die bleiben. Die beiden aufbegehrenden Töchter stehen für die mutigen Frauen des Iran und ihren aufopferungsvollen Kampf gegen die Patriarchen ihrer Familien wie ihres Staates. Er ist eine herausragende Arbeit eines der großen Regisseure des Weltkinos, der in Deutschland Schutz gefunden hat vor staatlicher Willkür im Iran. Wir sind sehr froh darüber, Rasoulof sicher in unserem Land zu wissen.
Credits:
IR, DE, FR 2024, 168 Min., farsi OmU Regie: Mohammad Rasoulof Kamera: Pooyan Aghababaei Schnitt: Andrew Bird mit Missagh Zareh, Soheila Golestani, Mahsa Rostami, Setareh Maleki, Niousha Akhshi
A target of Iran’s hardline conservative government for his films’ criticism of the state, director Mohammad Rasoulof fled his home country to avoid an eight-year prison sentence, though he hadn’t finished editing his latest film yet. His searing drama The Seed of the Sacred Fig won a Special Prize from the jury and three other awards on its premiere at the Cannes Film Festival. The film is every bit as urgent and gripping as its real-life backstory would portend: longtime government worker Iman (Missagh Zareh) has just received a major promotion to the role of judge’s investigator, to the hopeful delight of his wife Najmeh (Soheila Golestani); at the same moment, a series of student protests against the government have exploded in the streets, stoking the sympathies of their independent-minded daughters Rezvan (Mahsa Rostami) and Sana (Setareh Maleki). The growing wedge between progressive children and traditional parents intensifies through a series of unsettling events that put Iman’s future in jeopardy. Both paranoia thriller and domestic drama, The Seed of the Sacred Fig is above all an epic of anti-patriarchal political conviction.
Credits:
IR, DE, FR 2024, 168 Min., farsi OmU Regie: Mohammad Rasoulof Kamera: Pooyan Aghababaei Schnitt: Andrew Bird mit Missagh Zareh, Soheila Golestani, Mahsa Rostami, Setareh Maleki, Niousha Akhshi
Es war der erste indische Film seit 30 Jahren, der in den Wettbewerb des Filmfestes in Cannes eingeladen wurde. In ihrem Spielfilmdebüt thematisiert die Dokumentarfilmerin Payal Kapadia die ökonomischen Ungleichheiten Indiens und nimmt uns mit in die Megacity Mumbai. Hier gilt ihr Blick drei Frauen, die in einem Krankenhaus arbeiten. Die zurückhaltende Pflegerin Prabha lebt in ihrer Arbeit, die sie mit Ruhe und Sorgfalt bewältigt. Der ihr zunächst unbekannte Mann, mit dem sie eine arrangierten Ehe einging, verließ sie kurz nach der Trauung Richtung Deutschland, der Arbeit wegen, und hat sich seitdem nicht mehr gemeldet. Die Wohnung teilt sie sich deshalb seit einiger Zeit mit ihrer jüngeren Kollegin Anu. Die ist lebhaft, risikofreudig und frisch verliebt, in Shiaz, einen Mann mit der falschen Religion. Die Schwierigkeiten mit der Familie und die Gerüchteküche im Krankenhaus sorgen Anu wenig, wohl aber, dass sie mit dem Geliebten nie und nirgendwo allein sein kann. Für Prabha hingegen schwärmt offensichtlich ein Arzt, für sie aber gilt das Ehegelöbnis. Als die Post allerdings einen Reiskocher aus Deutschland bei ihr abliefert, ohne Absender oder Gruß, fragt sie sich schon, was diese erste Nachricht seit drei Jahren bedeuten könnte – vielleicht ist es doch eine Art Abfindung, ein Vorbote der Trennung? Die dritte Frau ist Parvaty, Köchin im Krankenhaus und Prabhas beste Freundin. Ihr droht nach dem Tod des Ehemanns der Verlust der Wohnung, denn er hat ihr keine Papiere hinterlassen, die die Rechte klären. Prabha versucht ihr zu helfen, aber sie sind chancenlos. Resigniert verlässt Parvaty Mumbai und zieht zurück in ihr Heimatdorf. Dort besuchen sie Prabha und Anu, und diese Tage werden zu einem ganz besonderen Erlebnis. Trotz der dokumentarischen Sicht und aller Authentizität wirkt „All we imagine as Light“ stets wie unwirklich und verzaubert, vielleicht aber auch nur aus westlicher Sicht.
„Kino, das im besten Sinne den Blick auf andere Welten öffnet“ schreibt programmkino.de dazu. Unzweifelhaft ist jedoch, dass er ganz wunderbar eine Entwicklung hin zu weiblicher Solidarität und immer mehr Selbstbewusstsein aufzeichnet.
„Sehnsüchtig suchte man [im Wettbewerb der 77. Filmfestspiele von Cannes] nach einem Film, der sich auf die Schönheit, die elementare Kraft des Kinos verließ. Und er kam dann auch. „All we imagine as Light“ von der indischen Regisseurin Payal Kapadia folgt drei Frauen, die als Krankenschwestern und Köchin in einem Krankenhaus in Mumbai arbeiten. Mit einer ruhigen Kamera gleitet man in drei Leben hinein. Zwischen Schichtarbeit, Kochen und Einkaufen geht es um die Dinge des Lebens. „All we imagine as Light“ bekam in Cannes den Großen Preis der Jury, und dieser berührende Film, ein wahrhaftiger Lichtblick, zeigt, was Kino sein kann: Alles, was wir uns als Licht vorstellen.“ Katja Nikodemus | Die Zeit
Wettbewerb Cannes Filmfestival 2024. Mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet.
Credits:
IN, FR, NL, LU 2024, 114 Min., Malayalam, Hindi OmU Regie: Payal Kapadia Kamera: Rabadir Das Schnitt: Clément Pinteaux mit Kani Kusruti, Divya Prabha, Chhaya Kadam, Hridhu Haroon
In Mumbai, Nurse Prabha’s routine is troubled when she receives an unexpected gift from her estranged husband. Her younger roommate, Anu, tries in vain to find a spot in the city to be intimate with her boyfriend. A trip to a beach town allows them to find a space for their desires to manifest.
Competition Cannes Filmfestival 2024: Grand Prix.
Credits:
IN, FR, NL, LU 2024, 114 Min., Malayalam, Hindi OmU Regie: Payal Kapadia Kamera: Rabadir Das Schnitt: Clément Pinteaux mit Kani Kusruti, Divya Prabha, Chhaya Kadam, Hridhu Haroon
In Mumbai, Nurse Prabha’s routine is troubled when she receives an unexpected gift from her estranged husband. Her younger roommate, Anu, tries in vain to find a spot in the city to be intimate with her boyfriend. A trip to a beach town allows them to find a space for their desires to manifest.
Competition Cannes Filmfestival 2024: Grand Prix.
Credits:
IN, FR, NL, LU 2024, 114 Min., Malayalam, Hindi OmU Regie: Payal Kapadia Kamera: Rabadir Das Schnitt: Clément Pinteaux mit Kani Kusruti, Divya Prabha, Chhaya Kadam, Hridhu Haroon
Die Geschichte der langsamen Annäherung zwischen zwei Außenseitern, dem eigenwilligen Lang und einem schwarzen Hund, wurde in Cannes dieses Jahr mit dem Hauptpreis in der Sektion „Un certain regard“ ausgezeichnet. Xin, der Hund, bekam zudem die begehrte „Dog-Palm“. Lang saß viele Jahre im Gefängnis, jetzt kehrt er in seinen Heimatort am Rande der Wüster Gobi zurück. Wir werden den Einzelgänger allerdings noch als völlig verschieden kennenlernen von dem, was die eigenen Vorurteile uns diktieren. Die Umgebung, in die er zurückkehrt, ist schwer von Umgestaltung betroffen, denn die bedeutet fast immer Abriss. Zwar findet die Olympiade – der Film spielt 2008 – woanders statt, aber auch in den nicht nur im räumlichen Sinn fernen glitzernden Großstädte muss jetzt „aufgeräumt“ werden. Betroffen davon sind auch die vielen streunenden Hunde. Ein Tier mit besonders schwarzem Fell entwischt den Fängern immer wieder, da wird ihm die Tollwut angedichtet und ein Preis für ihn ausgesetzt. Lang fühlt sich dem widerspenstigen Wesen verwandt und nimmt es, nicht ohne Blessuren zu erleiden, zu sich. Beide müssen nun schauen, wie es für sie weitergehen kann. Regisseur Guan Hu zählte zusammen mit u.a. Zhang Yuan, Wang Xiaoshuai, He Jianjun, Jia Zhang-Ke und Yu Le zur sogenannten 6. Generation chinesischer Filmemacher*innen, die es sich erlaubten, in ihren Filmen auch mit politischem Blick das Alltagsleben ungeschönt darzustellen. Nach mehreren Großprojekten scheint Black Dog – Weggefährten sein Schritt zurück zu den Anfängen zu sein. „Auch Black Dog setzt zwar durchaus hier und da kleine Spitzen gegen die offizielle Fortschrittsrhetorik Chinas, ist aber insgesamt kein subversiver Film. Indem er das Leid und das Freiheitsbedürfnis der Menschen auf das Leid und das Freiheitsbedürfnis der Tiere überträgt, wird beides erträglicher und universeller. Traurige Hundeaugen blicken überall auf der Welt gleich. Später tauchen außerdem noch andere Tiere auf, Tiger und Schlangen, sowie eine Bauchtänzerin, die ein Auge auf Lang wirft und dem ansonsten ziemlich männlich dominierten Film durchaus guttut. Wie man überhaupt Black Dog seine rührselige Schlagseite keineswegs zum Vorwurf machen muss. Das Kino hat nicht die Pflicht, immer gleich das Regime stürzen zu wollen. Manchmal genügt es vollauf, eine herzenswarme – und wirklich wunderschön fotografierte – Ballade von einem Mann und einem Hund zu erzählen.“ Lukas Foerster | Die Presse
Cannes 2024 – Un Certain Regard Preis
Credits:
CN 2024, 110 Min., MandarinOmU Regie: Guan Hu Kamera: Gao Weizhe mit Eddie Peng, Zhangke Jia, Jing Liang
Trailer:
BLACKDOG – WEGGEFÄHRTEN | offizieller Trailer mit Dt. Untertiteln | ab 12. Dezember im Kino
On the edge of the Gobi desert in Northwest China, Lang returns to his hometown after being released from jail. While working for the local dog patrol team to clear the town of stray dogs before the Olympic Games, he strikes up an unlikely connection with a black dog. These two lonely souls now embark on a new journey together.
Credits:
GOUZHEN CN 2024, 110 Min., MandarinOmU Regie: Guan Hu Kamera: Gao Weizhe mit Eddie Peng, Zhangke Jia, Jing Liang
Trailer:
BLACKDOG – WEGGEFÄHRTEN | offizieller Trailer mit Dt. Untertiteln | ab 12. Dezember im Kino
Nach mehr als zehn Jahren kehrt Rona in ihre Heimat auf den entlegenen Orkneyinseln zurück. Während sie die einzigartige, raue Landschaft, in der sie aufgewachsen ist, wiederentdeckt, vermischen sich ihre Kindheitserinnerungen mit solchen aus der letzten, von Sucht geprägten Zeit. Ihr damaliger Aufbruch in die Stadt und die folgenden ausschweifenden Jahre in London mündeten in einem schmerzhaften Absturz. Doch nach und nach wird die Begegnung mit den verwunschenen, windgepeitschten Küsten der Inseln zu einer Chance auf ein neues Leben. Nora Fingscheidts Adaption von Amy Liptrots autobiografischem Bestseller blickt in erschütternden Rückblenden auf die Abwärtsspirale, die Rona in London durchlebt, und auf ihre Zeit in einem strengen Entzugsprogramm. Im Zentrum des Films steht jedoch ihre Befreiung von persönlichen Dämonen durch die Verbindung mit der Natur der Heimat ihrer Kindheit. „Gerade durch die Verweigerung einfacher Antworten und die konsequente Konzentration auf die Alltäglichkeit des Kampfes seiner Protagonistin entwickelt The Outrun eine stille, aber nachdrückliche Kraft. Besonders in den introspektiven Momenten gelingt es Saoirse Ronan, ihrer Figur eine beeindruckende Menschlichkeit zu verleihen. Die Hoffnung, die ihre Rona am Ende empfindet, mag klein sein – aber sie ist echt. Und genau darin liegt die Stärke dieses eindringlichen Porträts eines Heilungsprozesses.“ Arabella Wintermayr | taz
Credits:
GB/DE 2024, 117 Min., engl. OmU Regie: Nora Fingscheidt Kamera: Yunus Roy Imer Schnitt: Stephan Bechinger mit Saoirse Ronan, Paapa Essiedu, Stephen Dillane, Saskia Reeves, Nabil Elouahabi, Izuka Hoyle, Lauren Lyle
After an absence of more than ten years, Rona returns to her home on the remote Orkney Islands in Scotland. As she rediscovers the unique, wild landscape in which she grew up, her childhood memories mingle with those from her more recent times as an addict. Her departure for the city and subsequent dissolute years in London resulted in a painful fall. But little by little, her encounter with the enchanted, wind-battered coasts of the islands becomes a chance for a new life. Nora Fingscheidt’s adaptation of Amy Liptot’s autobiographical bestseller uses harrowing flashbacks to depict Rona’s downward spiral in London and her time in a strict rehab programme. However, the focus of the film is on her liberation from personal demons through a connection with the nature of her childhood home.
Credits:
GB/DE 2024, 117 Min., engl. OmU Regie: Nora Fingscheidt Kamera: Yunus Roy Imer Schnitt: Stephan Bechinger mit Saoirse Ronan, Paapa Essiedu, Stephen Dillane, Saskia Reeves, Nabil Elouahabi, Izuka Hoyle, Lauren Lyle
Anfang des letzten Jahrhunderts entstehen in Togo, des damaligen deutschen Übersee-Imperiums namens Togoland, Abenteuer‑, Dokumentar- und sogenannte Kulturfilme, die in Deutschland großen Erfolg haben und wesentlich zum Afrikabild hier beitragen. Im Ursprungsland aber hat niemand sie je zu Gesicht bekommen, oder von ihrer Existenz gewusst. Gedreht wurden sie von Hans Schomburgk, der als Großwildjäger, Tierfänger, Expeditionsleiter, Kartograf, Schriftsteller, Filmproduzent und Regisseur immer wieder nach Afrika reiste, und nach dem 2. Weltkrieg als Autor und mit Vorträgen sein Geld verdiente. Über 100 Jahre später begibt sich Regisseur Jürgen Ellinghaus mit einem mobilen Kino und anhand der Reiseberichte der Schauspielerin Meg Gehrts zu den Original-Drehorten. Was denken die Menschen dort über die Bilder ihrer Vorfahren? Zusammen mit den togolesischen Zuschauer:innen ergründet Ellinghaus den historischen Kontext der Filmbilder, die Realität und die Auswirkungen des Kolonialismus. Was zeigen die Filme, was verschweigen sie über „Togoland“, das seinerzeit als „Musterkolonie“ des Deutschen Reiches gepriesen wurde?
Credits:
DE 2023, 96 Min., div. OmU Regie: Jürgen Ellinghaus Kamera: Rémi Jennequin Schnitt: Nina Khada
Following in the footsteps of the Hamburg film director Hans Schomburgk who travelled through the German colony of Togo from Lomé to the north with his companion and actress Meg Gehrts in 1913, Jürgen Ellinghaus screens the footage shot then at its locations in modern-day Togo. Schomburgk’s affirmative images show slave labour, humiliation and the arrogance of the colonial power. The material is contrasted by Gehrts’ romanticising diary entries and other colonial reports which often testify to a horrifying coldness.
The screenings of this material, which has never been shown in Togo before, prompt the audiences to reflect on tradition, stereotypes, the “white gaze.” In the villages, the colonial images conjure up memories of handed down stories. In the metropolis of Lomé, young film enthusiasts deplore that these images were kept from them until today and discuss in which contexts they should be screened. But “Togoland Projections” not only shows how much these painful documents and texts are needed in contemporary Togo, because they are part of the country’s history. The film also demonstrates that they are needed in Germany so we can take responsibility for our suppressed history and face our own racism – past and present. Christoph Terhechte
Credits:
DE 2023, 96 Min., div. OmU Regie: Jürgen Ellinghaus Kamera: Rémi Jennequin Schnitt: Nina Khada
Night Moving Company – was kann man sich darunter vorstellen? Jedes jahr werden in Japan ca. 80.000 Menschen als vermisst gemeldet. Viele tauchen wieder auf, aber Tausende bleiben verschwunden. Sie werden „Johatsu“ genannt, die „verdunsten, sich in Luft auflösen“. Ihre Gründe können eine gewalttätige Umgebung, Verwicklung in kriminelle Machenschaften oder Scham wegen vermeintlichem Versagen sein. Nicht wenige davon davon haben sicher die Dienste einer „Night Moving Company“ in Anspruch genommen, die bei der Flucht, der neuen Identität, dem neuen Ort, vielleicht auch beim Job hilft und moralische Unterstützung gibt. Saita ist die Chefin eines solchen – weitgehend legal agierenden – Unternehmens. Sie gibt Auskunft über ihre Aufgabe, und der Film geht den Schicksalen einiger ihrer Kund:innen nach. Eine Mutter wiederum lässt seit Jahren ihren verschwundenen Sohn suchen, und der beauftragte Detektiv berichtet auch von den Schwierigkeiten seiner Arbeit. „Die beiden Dokumentarfilmer, Andreas Hartmann und Arata Mori, kommen diesen Menschen durch behutsame Fragen und geduldige, aber intime Kameraarbeit (Andreas Hartmann) sehr nahe. Und durch diese Nähe erfährt der Zuschauer eben auch hautnah, welche Verletzungen Menschen davontragen, die sich den Prinzipien einer Gesellschaft unterwerfen, in der das Scheitern als unauslöschliche Schande begriffen wird. … Der Film stimmt nachdenklich, er wirkt beunruhigend. Die japanische Gesellschaft, die der Film zeigt, ist unseren europäischen Lebensmodellen mittlerweile zu nahegekommen, als dass man diesen kommerzialisierten Identitätsverlust als exotisch abtun könnte.“ Gabi Sikorski | programmkino.de
Credits:
DE/JP 2024, 86 Min., japan. OmU Regie: Andreas Hartmann, Arata Mori Kamera: Andreas Hartmann Schnitt: Kai Eiermann (BFS)
Japanese night moving companies specialise in the art of disappearance and help those who need or want to leave their former lives behind. On their nightly missions they discretely and efficiently orchestrate people’s transition to a new existence. In the process, they often skirt the boundaries of legality due to the diverse motivations behind the disappearances. Eva Weinmann
Credits:
DE/JP 2024, 86 Min., japan. OmU Regie: Andreas Hartmann, Arata Mori Kamera: Andreas Hartmann Schnitt: Kai Eiermann (BFS)
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