Die Vision der Claudia Andujar

Die Vision der Claudia Andujar

Ein Film von Heidi Specogna. Ab 9.5. im fsk. Preview in Anwesenheit der Regisseurin Heidi Specogna am 29.4.

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Geboren 1931, über­leb­te Andujar die Judenverfolgung durch ihre Flucht in die Schweiz. In den 1950er-Jahren wur­de Südamerika zu ihrer Heimat. Dort lern­te sie schließ­lich das Yanomami-Volk im bra­si­lia­ni­schen Amazonas ken­nen – und beglei­te­te es ab den 70er-Jahren auch foto­gra­fisch. Immer mehr ent­wi­ckel­te sich Andujar zu einer Natur- und nicht zuletzt poli­ti­schen Fotografin, die den Lebensalltag des indi­ge­nen Stammes fest­hielt.
Die Porträtierte erweist sich in die­ser Dokumentation und ein­ge­hen­den Betrachtung ihres Lebens als aus­kunfts­freu­di­ge, unge­mein sym­pa­thi­sche und zugäng­li­che Person. Andujar ist heu­te 92 Jahre alt und gewährt Regisseurin Specogna offen und frei her­aus Einblicke in all ihre Lebensstationen. Dazu zäh­len die prä­gen­den Kindheitserinnerungen. Die Positiven, wie die Zeit in Transsilvanien als jun­ges Mädchen, eben­so wie die Negativen. Darunter die vom Nationalsozialismus über­schat­te­ten, trau­ma­ti­schen Vorkommnisse (der Vater und vie­le Verwandte väter­li­cher­seits kamen im KZ Dachau um).
Was folg­ten, waren Zeiten häu­fi­ger Wohnortwechsel und des unste­ten Lebens. Auf einen kur­zen Aufenthalt in der Schweiz folg­te die Flucht zum Onkel in die USA und anschlie­ßend die Weiterreise nach Brasilien. Andujar beein­druckt bei ihren Erzählungen nicht nur mit ihrem beacht­li­chen Erinnerungsvermögen – auch ihre klu­gen Ergänzungen und von intel­li­gen­tem Witz durch­zo­ge­nen Bemerkungen sind ein Gewinn für den Film. Ein ums ande­re Mal bezieht sich gar die Regisseurin unmit­tel­bar mit ins Geschehen ein, indem sie ihr eine Frage gestellt.
„Die Vision der Claudia Andujar“ zeigt an sinn­haf­ten, gut gewähl­ten Stellen vie­le der foto­gra­fi­schen Arbeiten Andujars. Im Zentrum ste­hen die Bilder der Yanomami und des Regenwaldgebietes. Seit jeher habe sie der Blick und der Ausdruck in den Gesichtern der Menschen inter­es­siert, sagt sie. Und genau das sieht man ihren mal poe­ti­schen, mal sach­li­chen, aber immer authen­ti­schen Fotografien an. Zu ihnen gehö­ren die Bilder eines sich immer wei­ter redu­zie­ren­den Lebensraums und toxi­scher äuße­rer Einflüsse. So hielt Andujar in den frü­hen 70er-Jahren unter ande­rem den Bau der von der dama­li­gen Militärregierung in Auftrag gege­be­nen, gro­ßen Bundesstraße fest. Sie führ­te direkt durch das Yanomami-Gebiet und beein­träch­tig­te das Leben der Ureinwohner mas­siv.
Im zwei­ten Drittel ent­schei­det sich Specogna für einen klu­gen Schachzug. Unvermittelt rich­tet sie ihre Aufmerksamkeit auf eine jun­ge Yanomami-Generation, weg von Andujar und der Vergangenheit. Diese jun­gen, kämp­fe­ri­schen Indigenen füh­ren ihren ganz eige­nen Kampf um den Erhalt ihrer Heimat. Und sie füh­ren ihn mit moder­nen Mitteln (mit hoch­wer­ti­gen Kameras), neu­en Medien und in der Online-Welt. Specogna beob­ach­tet sie dabei, wie sie die Ausbeutung und Zerstörung der Natur mit ihren Smartphones und Handycams für ihren eige­nen Film fest­hal­ten. Und damit gleich­zei­tig auf die Folgen von Abholzung und die Vergiftung der Flüsse mit Quecksilber durch Goldgräber verweisen.

Björn Schneider | programmkino.de

Credits:

DE/CH 2024, 88 Min., por­tu­gie­sisch, fran­zö­si­sche OmU
Regie: Heidi Specogna
Kamera: Johann Feindt
Schnitt: Kaya Inan

Trailer:

Kommt noch.

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