Ein Film von Michael Fetter Nathansky.
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Nadine (Aenne Schwarz) weiß was los ist: Kollegen haben sie gerufen, da ihr Mann Paul (Carlo Ljubek) einmal mehr eine Panikattacke bekommen hat und sich in der Fabrik verschanzt hat. Trotz der Warnungen der Kollegen geht Nadine zu ihm – und steht vor einem Rind! Liebevoll umarmt sie es und hat kurz darauf ein Kind im Arm. Beide Variationen von Paul, bzw. Versionen von Paul, so wie Nadine sie wahrnimmt.
Doch inzwischen sieht sie Paul meist einfach „nur“ als Paul, ein Mann um die 30, so wie Nadine. Nach den ominösen sieben Jahren Beziehung hat sich bei dem Paar längst Routine eingestellt, zwei Kinder sind da, Leben und Arbeit gehen ihren allzu gewohnten Gang. Dazu kommt, dass es in der Fabrik Probleme gibt, die Arbeitsplätze unsicher sind, Gehaltskürzungen nicht mehr reichen, Entlassungen drohen. Mit zunehmender Verzweiflung, vor allem aber Traurigkeit, versucht Nadine das Gefühl wiederaufleben zu lassen, wegen dem sie sich einst in Paul verliebte.
Nicht nur als Rind und Kind, auch als ältere Frau sieht man Paul bisweilen, aber nicht zu oft. Es genügt, dass Michael Fetter Nathansky diese Idee zu Beginn andeutet, um zu verstehen worum es geht: Um den subjektiven Blick auf andere Menschen, der oft eine andere Dimension offenbart, als sie ein Unbeteiligter, emotional nicht involvierter haben würde. Man kennt dieses Konzept etwa aus dem Film „Schwer verliebt“ von den Farrelly-Brüdern, in denen ein Mann nur die innere Schönheit von Frauen wahrnahm, während sie Äußerlich nicht den konventionellen Schönheitsidealen entsprachen. Auch Birgit Möller spielte letztes Jahr in „Franky Five Star“ mit der Darstellung unterschiedlicher Persönlichkeiten, die unterschiedliche Aspekte ihrer Hauptfigur repräsentierten.
So ein extremes Konzept funktioniert dann am besten, wenn es nicht Selbstzweck ist, sondern nur Mittel, um einen Einblick in die Emotionen der Figuren zu bekommen. Und das ist bei Michael Fetter Nathanskys „Alle die du bist“ der Fall, erst der zweite Film, den der 31jährige Regisseur gedreht hat. Und wie schon in seinem Debüt „Sag du es mir“, in dem er eine Geschichte aus drei verschiedenen Perspektiven erzählte, spielt Fetter Nathansky auch hier mit Erzählformen, die aber stets im Dienst der Figuren stehen.
Immer wieder schneidet er zwischen der Gegenwart, in der die Beziehung zwischen Nadine und Paul an ihr Ende gekommen zu sein scheint und der Vergangenheit, als das Paar sich kennenlernte, hin und her, markiert durch einen leichten Wechsel des Bildformates. Der Beginn und das mögliche Ende der Beziehung stehen also nebeneinander, der sich verändernde Blick, mit dem Nadine Paul betrachtet, wird so unmittelbar deutlich. Und ganz nebenbei wird in „Alle die du bist“ auch noch die Welt der Arbeiterklasse sichtbar, wird eine Welt jenseits der bürgerlichen Existenz sichtbar. Auch das ein Grund, warum Michael Fetter Nathansky zu den interessantesten jungen deutschen Regisseuren zählt, die sich trauen, inhaltlich und stilistisch neue, ungewöhnliche Wege zu gehen.
Michael Meyns | programmkino.de





Credits:
DE/ES 2024, 108 Min., Deutsch mit englischen UT
Regie: Michael Fetter Nathansky
Kamera: Jan Mayntz
Schnitt: Andrea Mertens
mit Aenne Schwarz, Carlo Ljubek, Youness Aabbaz, Sara Fazilat, Naila Schuberth
Trailer:
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[:en]
A film by Michael Fetter Nathansky. In German with English subtitles.
[Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]
Single mother Nadine leaves her home in Brandenburg at the age of 24 to take a job near Cologne in a factory serving the coal industry. There, she meets the impulsive Paul whose personality seems so multifaceted to her that she literally sees him in many different guises. After a long time, she finally feels like herself again. The two become a couple and a deep love develops between them. But, seven years later, her life is different. Nadine’s job is threatened by structural changes in the industry and her view of Paul has also altered. She now only sees him in his “own” external form which is becoming increasingly alien to her. Although Paul is a devoted family man, Nadine’s love for him begins to disintegrate. She decides to fight this feeling and to relocate the different layers of his being that she was once able to see. Set against the backdrop of one of the largest open-cast mining areas in Europe, Alle die Du bist is a social-realist and, at the same time, magical love film. Aenne Schwarz and Carlo Ljubek vividly embody the couple at the centre of this passionate, playful plea for the loving gaze.





Credits:
DE/ES 2024, 108 Min., Deutsch mit englischen UT
Regie: Michael Fetter Nathansky
Kamera: Jan Mayntz
Schnitt: Andrea Mertens
mit Aenne Schwarz, Carlo Ljubek, Youness Aabbaz, Sara Fazilat, Naila Schuberth
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