La Vérité

Ein Film von Hiroka­zu Kore-eda. Ab 5.3. im fsk.

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Hiroka­zu Kore-eda ist hier­zu­lan­de vor allem durch sei­ne Fil­me „Nobo­dy Knows“, „Like Father, Like Son“ und zuletzt „Sho­plif­ters“ bekannt gewor­den (fsk Besu­cher erin­nern sich viel­leicht auch noch an „Mabo­ro­shi” und „After Life”). Jetzt hat er erst­mals im Aus­land gedreht, in einer frem­den Spra­che, näm­lich fran­zö­sisch, mit einer fran­zö­si­schen Crew. Man ahnt gleich, war­um: Mit Cathe­ri­ne Deneuve, Juli­et­te Bino­che und Ludi­vi­ne Sagnier (in einer Neben­rol­le) ver­sam­melt er gleich drei weib­li­che Film­stars aus drei Schau­spiel­ge­nera­tio­nen. Da liegt es irgend­wie nahe, dass es im Fol­gen­den auch um die Schau­spie­le­rei, um das Kino gehen wird.

Deneuve spielt einen fran­zö­si­schen Film­star namens Fabi­en­ne Dan­ge­vil­le. Sie ist eine gla­mou­rö­se Diva, die grü­nen Tee trinkt, natür­lich nicht heiß genug, und fra­gen­de Jour­na­lis­ten am lan­gen Arm ver­sau­ern lässt. Außer­halb von Paris lebt sie in einem schö­nen Land­haus mit groß­zü­gi­gem Gar­ten, durch den eine gro­ße Schild­krö­te wan­dert. Anläss­lich der Ver­öf­fent­li­chung von Fabi­en­nes Memoi­ren, kurz „La Verité“, also „Die Wahr­heit“, genannt, kommt ihre Toch­ter Lum­ir (Juli­et­te Bino­che) extra aus New York ange­reist, im Schlepp­tau ihren ame­ri­ka­ni­schen Ehe­mann Hank (Ethan Haw­ke), einen Fern­seh-Schau­spie­ler, und die gemein­sa­me Toch­ter Char­lot­te (Clé­men­ti­ne Gre­ni­er). Die Begrü­ßung ist kühl, nie­man­dem ist nach Fei­ern zu Mute, zumal der Anlass – die Ver­öf­fent­li­chung eines Buches – eher gering ist. Lum­ir ahnt aller­dings, dass sie den Inhalt des Buches auf sei­ne Fak­ten­treue hin genau über­prü­fen muss. Dar­an, dass ihre Mut­ter sie stets freu­dig in den Arm genom­men habe und Hand in Hand mit ihr durch den Gar­ten spa­ziert sei, erin­nert sie sich jeden­falls nicht. Die nächs­ten Tage wer­den also unge­müt­lich, zumal Fabi­en­ne ihren Mund nicht hal­ten kann. Für ihren Schwie­ger­sohn, die­sen zweit­klas­si­gen Seri­en­star, hat sie nur Ver­ach­tung übrig – zumal er kein Fran­zö­sisch spricht. Und so kommt es der klei­nen Char­lot­te zu, das Herz der alten Hexe zu erwei­chen.

Wenn ein fran­zö­si­scher Film­star einen fran­zö­si­schen Film­star spielt, ist hier eine klei­ne Gefahr ver­bor­gen. Geht es hier etwa um Cathe­ri­ne Deneuve? Oder führt die­se Idee auf die fasche Fähr­te? Natür­lich ist die Deneuve eine Figur in einem Kore-eda-Film. Und doch spielt sie auch sou­ve­rän mit ihrer Lein­wand-Per­so­na als schwie­ri­ger, ver­letz­li­cher und unge­dul­di­ger Star. Die Sou­ve­rä­ni­tät, mit dem sie die­ses Image in den Film ein­flie­ßen lässt und so einen dop­pel­ten Boden in die Erzäh­lung ein­zieht, ist jeden­falls bewun­derns­wert. Doch zu aller­erst ist dies ein Film von Hiroka­zu Kore-eda, mit den The­men, die ihn immer wie­der beschäf­ti­gen: Genera­ti­ons­kon­flik­te, unvoll­stän­di­ge oder durch Trau­ma­ta gefähr­de­te Fami­li­en, Zusam­men­le­ben, Älter­wer­den und Ster­ben. In „La Verité“ kommt noch die eige­ne Ver­gan­gen­heit dazu und wie man auf sie zurück­blickt, es geht um Geheim­nis­se und Lügen. Ein Schat­ten in der Ver­gan­gen­heit führt hier dazu, dass sich Mut­ter und Toch­ter mit­ein­an­der aus­ein­an­der­set­zen müs­sen. Dazu passt es natür­lich, dass Fabi­en­ne gera­de in einem Film mit­spielt, bei dem es auch um eine pro­ble­ma­ti­sche Mut­ter-Toch­ter-Bezie­hung geht. Mit erzäh­le­ri­scher Ein­fach­heit und bewun­derns­wer­ter Lebens­klug­heit treibt der Regis­seur sei­ne Erzäh­lung eben­so unter­halt­sam wie komisch vor­an. Und Cathe­ri­ne Deneuve ist eine Wucht.

Micha­el Ran­ze | programmkino.de

 
Credits:

FR/JP 2019, 106 Min., franz. OmU
Regie: Hiroka­zu Kore-eda
Kame­ra: Éric Gau­tier
Schnitt: Juli­en Lacher­ay
mit: Cathe­ri­ne Deneuve, Juli­et­te Bino­che, Ethan Haw­ke, Clé­men­ti­ne Gre­ni­er, Ludi­vi­ne Sagnier

Ter­mi­ne:

Do., 5. Mrz.:Fr., 6. Mrz.:Sa., 7. Mrz.:So., 8. Mrz.:Mo., 9. Mrz.:Di., 10. Mrz.:Mi., 11. Mrz.: