Shoplifters

Ein Film von Hiroka­zu Kore-eda. Ab 24.12. (Hei­lig­abend) im fsk.

[Credits] [Ter­mi­ne] [Trai­ler]

Sie sind ein­ge­spiel­tes Team. Vater und Sohn bal­do­wern beim gemein­sa­men Laden-Dieb­stahl im Super­markt geschickt aus, wie die Ein­kaufs­lis­te läs­sig für lau abge­hakt wer­den kann. Als raf­fi­nier­te Mini-Meis­ter­die­bin­nen erwei­sen sich auch die bei­den klei­nen Mäd­chen im Ang­ler-Geschäft: Sie zie­hen ein­fach kurz den Ste­cker der Dieb­stahl­si­che­rung an der Laden­tür und haben die fet­te Beu­te am Haken. Der Erlös beim Heh­ler wird die Patch­work-Fami­lie eini­ge Tage über die Run­den kom­men.

Der klei­ne Clan um den Bau­ar­bei­ter Osa­mu lebt dicht gedrängt im Häus­chen von Groß­mutter Hatsue. Sechs Men­schen aus drei Genera­tio­nen, die nicht unbe­dingt mit­ein­an­der ver­wandt sind aber bedin­gungs­los zusam­men­hal­ten. „Fami­lie geht durch Herz und Magen, nicht durchs Blut“ heißt es ein­mal über die­se Wahl­ver­wandt­schaf­ten. Nach die­sem Prin­zip han­deln Osa­mu und sei­ne Part­ne­rin Nobuyo auch, als sie nachts auf dem Heim­weg auf das klei­ne Mäd­chen Yuri tref­fen. Spon­tan ret­ten sie die Klei­ne vor der Käl­te und neh­men sie mit nach Hau­se. Eigent­lich soll das Mäd­chen am nächs­ten Mor­gen wie­der zu ihrer Fami­lie zurück. Aller­dings deu­ten nicht nur die Spu­ren von Miss­hand­lun­gen auf üble Raben­el­tern hin. Kur­zer­hand wird Yuri ein­fach als zusätz­li­che Toch­ter auf­ge­nom­men.

Mit gro­ßer Für­sor­ge und selbst­ver­ständ­li­cher Herz­lich­keit küm­mern sich alle um die Klei­ne. Zum ers­ten Mal erlebt die Vier­jäh­ri­ge beim gemein­sa­men Aus­flug das Meer. Zugleich muss Yuri beim Lebens­un­ter­halt mit­hel­fen. Wäh­rend die Erwach­se­nen durch Bügel­jobs oder als Sex­ar­bei­te­rin­nen ein paar Yen bekom­men, über­neh­men die Kids die klei­ne­ren Laden­dieb­stäh­le. In einer eben­so über­ra­schen­den wie höchst emo­tio­na­len Sze­ne wer­den die zwei Kin­der von einem Kiosk­be­su­cher beim Klau­en erwischt. Statt die Poli­zei zu rufen, schenkt der Alte den Kids ein paar Süßig­kei­ten mit der Ermah­nung, der Bru­der möge sei­ne klei­ne Schwes­ter nicht mehr zum Steh­len anstif­ten.

Die klei­ne Idyl­le wird bald durch dra­ma­ti­sche Ereig­nis­se erheb­lich ins Wan­ken gebracht. Die Medi­en mel­den plötz­lich eine Kinds­ent­füh­rung. Eine Flucht einer ertapp­ten Die­bin hat fata­le Fol­gen. Die Poli­zei taucht auf und mit ihr eine Ket­te vie­ler Pro­ble­me.

Wie üblich erweist sich der lang­jäh­ri­ge Doku­men­tar­fil­mer Hiroka­zu Kore-eda („Like Father, Like Son“) als genau­er Beob­ach­ter, der sei­ne Figu­ren mit psy­cho­lo­gi­scher Prä­zi­si­on ent­wi­ckelt und behut­sam ihre Geschich­ten erzählt. Eine Sto­ry wie die­se, zumal mit klei­nen Kin­dern, könn­te leicht zum Sozi­al­kitsch oder Armut­spor­no mutie­ren. Die­se Gefahr besteht bei dem japa­ni­schen Meis­ter­re­gis­seur zu kei­ner Minu­te. Bereits bei den ers­ten Bil­dern bekommt man das siche­re Gefühl: Hier stimmt ein­fach alles. Der Ein­druck trügt nicht, son­dern er trägt bis zum Abspann. Die gekonn­te Empa­thie-Offen­si­ve lässt den Zuschau­er schnell zum mit­füh­len­den Kom­pli­zen die­ser Außen­sei­ter wer­den. Die mögen Klein­kri­mi­nel­le, Kin­des­ent­füh­rer oder Pen­si­ons­be­trü­ger sein („Groß­mutter ist toll, sie hilft uns auch noch nach ihrem Tod.“). sein. Aber bekannt­lich kommt erst das Fres­sen, dann die Moral.

Die Bügel­frau ver­liert ihren Job, der Bau­ar­bei­ter nach einem Arbeits­un­fall sei­ne Lohn­fort­zah­lung. Die Wür­de jedoch lässt man sich aller pre­kä­ren Bedin­gun­gen zum Trotz nicht neh­men. Eben­so wenig wie die Zärt­lich­keit im Umgang mit­ein­an­der. Sei es beim gemein­sa­men Kichern über den ers­ten Zahn­aus­fall. Oder beim ein­fühl­sa­men Auf­klä­rungs­un­ter­richt für den Teen­ager am Strand.

Für Jury-Che­fin Cate Blan­chett war die Gol­de­ne Pal­me eine kla­re Sache: „Das war einer der ruhigs­ten, lie­bens­wer­tes­ten und emo­tio­nals­ten Fil­me in die­sem Wett­be­werb“ – mit die­sem Urteil stand sie gewiss nicht allein.
Die­ter Oßwald | programmkino.de

Gol­de­ne Pal­me, Fes­ti­val de Can­nes 2018

 

Credits:

Man­bi­ki kazo­ku
Japan 2018, 121 Min., jap. OmU
Regie & Schnitt: Hiroka­zu Kore-eda
Kame­ra: Kon­do Ryu­to
mit: Lily Fran­ky, Saku­ra Ando, Mayu Matsuo­ka, Kilin Kiki, Kai­ri Jyo
 
Ter­mi­ne:

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Trai­ler: