Berlin-Gropiusstadt, eine Plattenbausiedlung am Stadtrand. Es ist der letzte Tag des Jahres, aufgeladen mit großen Erwartungen und den Raketen der Ungeduldigen. Drei Menschen stehen vor einem Wendepunkt: Tarik erhält einen Brief zu seiner bevorstehenden Abschiebung, Stella die Zusage für eine Schauspielschule im Ausland und Luan erwacht aus einem Albtraum, in dem er von beiden zurückgelassen wird. Nachdem sein Bruder verschwunden ist und ein missglückter Überfall das Viertel in Aufruhr versetzt, befürchtet er das Schlimmste. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, um Tariks Schicksal abzuwenden. Doch je mehr er versucht, den Lauf der Dinge aufzuhalten, desto weiter driftet er selbst ins Abseits.
Berlin, Gropiusstadt: On the last day of the year, Tarik receives a letter informing him of his impending deportation, Stella gets accepted into a drama school abroad, and Luan wakes up from a nightmare in which he is being left behind by both of them.
Aus dem sorgenfreien Lifestyle-Urlaub, den Désirée mit ihrem Lover Elias und ihrem besten Freund Sal geplant hatte, wird ein Selbstfindungstrip in der Wüste. Désirées Mutter dreht ihr den Geldhahn zu und lässt sie aus dem Ferienhaus mit Pool werfen. In der kargen Landschaft Fuerteventuras bewegen sich die drei Freunde wie auf einem leeren Feld der Sinnsuche. Sie begehren einander, fordern sich heraus, schlüpfen in neue Rollen. Es entspinnt sich ein Spiel, über dem das alles bestimmende Dreieck aus Class, Race und Gender schwebt.
Deutschland | 2024 | 80 Min. Sprache [deutsch] UT [englisch] Berlin-Premiere
Regie Frédéric Jaeger Buch Frédéric Jaeger, Naomi Bechert Schauspiel Charity Collin, Mehmet Sözer, Michael Ifeandu, Tommaso Marinaro Kamera Maximilian Andereya Schnitt Maja Tennstedt
All We Ever Wanted – Official Trailer – In Kürze im VOD
Maren und Robert lernen sich durchs Internet kennen, verlieben sich, obwohl sie sehr unterschiedlich sind. Sie sind schon etwas älter und haben beide Kinder. Eine Affäre beginnt und irgendwann ziehen sie zusammen. Es entwickelt sich schon bald eine Beziehung zwischen ihren Kindern, was nicht ohne Probleme und Auswirkungen auf ihre eigene Beziehung bleibt. „Die Liebe der Kinder“ erzählt die einfachste und am häufigsten überlieferte Geschichte des Kinos: Boy meets Girl. Und tut das auf eine Weise, die ihr eigenes Recht zurückhaltend behauptet: Franz Müller, der das Drehbuch geschrieben und Regie geführt hat, schildert das Suchen, Finden und Verlieren aus einer angenehmen Distanz. Der unsentimentale Schnitt und die agile Kamera geben vor allem dem Verdrucksten und Verlegenen viel Raum und vermeiden damit, alle Gefühle dem Zuschauer als bedeutungsvolle Definition zu erklären. Eine schöne Etüde über die Liebe.“ (Matthias Dell) „DIELIEBEDERKINDER ist ein Film über die schreckliche Gewissheit darüber, dass jede Liebe relativ ist. Dass auch ein erwachsener Mensch aus einem romantischen Impuls heraus gegen diese Gewissheit ankämpft, dagegen rebelliert, macht ihn meiner Meinung nach menschlich, sympathisch und nicht zuletzt auch komisch.“ Franz Müller
Credits:
DE 2009, 84 Min., deutsche OmeU
Regie & Buch.: Franz Müller, Kamera: Christine A. Maier Schnitt: Stefan Stabenow
mit.: Marie-Lou Sellem, Alex Brendemühl, Katharina Derr, Tim Hoffmann
Das Filmfestival Achtung Berlin!, bei dem wir mittlerweile zum achten Mal Spielort sind, präsentiert zwar Produktionen aus Berlin und Brandenburg, ist aber nicht an den Ort gebunden.
Nach allen Filmvorstellungen folgt ein Q&A mit dem Filmteam. All films have English subtitles. Das Programm im fsk:
Samstag, 18.4.
18:00 Gropiusstadt Supernova (Wettbewerb Spielfilm) DE 2025, 82 Min. Sprache [deutsch], [turkisch], [arabisch] UT [englisch] Regie, Buch: Ben Voit
Berlin-Gropiusstadt, eine Plattenbausiedlung am Stadtrand. Es ist der letzte Tag des Jahres, aufgeladen mit großen Erwartungen und den Raketen der Ungeduldigen. Drei Menschen stehen vor einem Wendepunkt: Tarik erhält einen Brief zu seiner bevorstehenden Abschiebung, Stella die Zusage für eine Schauspielschule im Ausland und Luan erwacht aus einem Albtraum, in dem er von beiden zurückgelassen wird. Nachdem sein Bruder verschwunden ist und ein missglückter Überfall das Viertel in Aufruhr versetzt, befürchtet er das Schlimmste. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, um Tariks Schicksal abzuwenden. Doch je mehr er versucht, den Lauf der Dinge aufzuhalten, desto weiter driftet er selbst ins Abseits.
Berlin, Gropiusstadt: On the last day of the year, Tarik receives a letter informing him of his impending deportation, Stella gets accepted into a drama school abroad, and Luan wakes up from a nightmare in which he is being left behind by both of them.
Sonntag, 19.4.
16:00 A jewish problem (Wettbewerb Dokumentarfilm) DE 2025, 79 Min., Sprache [englisch], [hebräisch] UT [englisch] Regie, Buch: Ron Rothschild
Von 2007 bis 2010 diente Ron als Kameramann für die israelische Armee. Heute lebt er in Berlin, und der Krieg scheint weit entfernt – doch die Spuren seiner Heimat, Erinnerungen an Palästina und das Echo der Gewalt sind allgegenwärtig. Begleitet von seiner Stimme werden wir Zeug:innen eines schmerzhaften, persönlichen Schicksals von Vertreibung – zwischen Berlin, Palästina und Israel. Aufnahmen der Gespräche mit seiner Großmutter, Familienarchive und Filmmaterial aus seiner Zeit in den besetzten Gebieten, ergänzen sich zu einem Film, der sich zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen persönlichem Erinnern und kollektiver Geschichte situiert. Die Sehnsucht nach Zugehörigkeit im Exil provoziert widersprüchliche Gefühle und offene Fragen, denen sich Ron stellt, ohne sie aufzulösen.
The film tells a family story set between Berlin and Palestine. A story marked by violence, which begins with the Jewish grandmother’s flight from Nazi Germany and intertwines with the protagonist’s own experiences as an Israeli soldier in Palestine.
Sonntag, 19.4.
18:30 Weisser Rauch über Schwarze Pumpe (Wettbewerb Dokumentarfilm) DE 2025, 89 Min., Sprache [deutsch] UT [englisch] Regie, Buch: Martin Gressmann
Die alten Bilder riechen nach Phenol und Braunkohlestaub: Das Frühjahr 1991 im Energiedreieck der DDR um die Orte Spremberg, Hoyerswerder und Schwarze Pumpe – Verzweiflung von kurz vor der Entlassung stehenden Arbeiter*innen. Heute hat sich das Erscheinungsbild der Kohlekraftwerke geändert. Es sind nur noch zwei Kühltürme da, das eigentliche Braunkohlenwerk ist verkleidet. Die von weitem sichtbare Dampfschleppe der Türme, die ewigen Braunkohlezüge – ein sich in die Landschaft fressende Tagebau ist geblieben. Die Bergleute – jetzt kurz vor oder schon in Rente – äußern sich zu wechselhaft verlaufenden Arbeitsjahren. Mit Rente und Familienschicksal überwiegend zufrieden, sehen sie die Entwicklungen zu nicht-fossiler Energie und den Strukturwandel meist kritisch.
Spring 1991 in the former energy triangle of the GDR, centred on the towns of Spremberg, Hoyerswerder and Schwarze Pumpe. The despair of the workers facing imminent redundancy. And what happened next? What has become of the people, their work and the new upheavals of today?
Sonntag, 19.4.
20:45 Das Glück der Tüchtigen (Wettbewerb Spielfilm) DE 2025, 104 Min., Sprache [deutsch] UT [englisch] Regie: Franz Müller, Buch: Franz Müller, Marcus Seibert
Mira hat das, was man ein gutes Leben nennt: Vor kurzem hat sie die Position der Managerin in einem Supermarkt übernommen, die liebevolle Beziehung zu ihrem Mann und den beiden Töchtern geben ihr Unterstützung und Kraft. Dann wird ein einziger Moment der Schwäche, in dem Mira sich nicht dazu durchringen kann, ehrlich zu sein, zum Auslöser für eine Kaskade von Halbwahrheiten und Lügen. Ihr Leben wird zu einem Kampf, der verhindern soll, dass alles zerbricht. Als wäre das nicht genug, hört sie in ihrem Kopf immer wieder die Stimme ihrer bourgeoisen Mutter, die sie davon überzeugen möchte, dass sie sich zu niedrige Ziele gesetzt hat.
Things are going well for Mira, a wife, mother and, most recently, a supermarket manager. But a single moment of weakness, in which Mira fails to tell the truth, leads to a string of half-truths and lies.
Montag, 20.4
18:30 Active Vocabulary (Wettbewerb Dokumentarfilm) DE 2025, 82 Min. Sprache [englisch], [deutsch], [russisch]UT [englisch] Regie, Buch: Yulia Lokshina
Eine Frau mit Plastiktüten an den Füßen steht im Wald, am Rand von Moskau. Sie ist ehemalige Lehrerin. Es ist Winter und alles voller Schnee. Um sie herum sind junge Tagelöhner aus Zentralasien, die diesen Wald abholzen sollen. Die Frau verteidigt mit aller Kraft den Wald. Der Wald soll dem Bau einer neuen Schule weichen. Die Schule wiederum wird zur Trägerin der Staatsideologie werden, die die äußere militärische Expansion legitimieren soll. Es ist Mitte Februar 2022. Es ist kurz vor dem Krieg, Die Gesetzeslage verschärft sich, Lehrkräfte und Schüler*innen treten in gegenseitige Beobachtung: Kurz nach der Invasion spricht sich eine junge russische Lehrerin gegen den Krieg aus. Sie wird heimlich aufgezeichnet und von einer Schülerin denunziert. Sie flieht nach Berlin, wo eine deutsche Schulklasse ihren Fall nachstellt und zu verstehen versucht, wie es zu dem Verrat kam. Der Film folgt diesen Ereignissen, um über Prozesse der politischen Überwältigung und die Bedingungen des Widerstands nachzudenken.
In collaboration with a school class in Berlin, Active Vocabulary re-enacts the case of a young Russian teacher who was reported by a pupil for speaking out against the war, in order to reflect on the dynamics of political power and the conditions of resistance.
Montag, 20.4
20:45 WBML 5, Dear Ellis (KF) 13 Min. Sprache [mandarin] UT [englisch] Regie: Yinuo Wang
und
The Plant from the Canaries 66 Min. Sprache [koreanisch], [englisch], [deutsch] UT [englisch] Regie: Lan-Xi Ruan,
May, eine dreißigjährige Drehbuchautorin in Berlin, gerät aus dem Gleichgewicht, nachdem ihr Partner ausgezogen ist. Sie beginnt eine Therapie und verlässt kaum noch die Wohnung. Schlaflose Nächte bringen sie in Erinnerungen zurück zu ihrer Jugend in Seoul, wo sie einmal einen streunenden Hund aufgenommen hat. Sie vertraut sich einer Freundin an und erkennt, dass ihr Abschiede schwerfallen.
May, a woman in her early thirties, finds herself suddenly alone after an unexpected breakup. As she drifts through sleepless days in Berlin, memories of her youth in Seoul begin to resurface.
Dienstag, 21.4.
18:30 Sechswochenamt (Wettbewerb Spielfilm) DE 2025, 98 Min., Sprache [deutsch] UT [englisch, deutsch – dual] Regie, Buch: Jacqueline Jansen
Nach dem Tod ihrer Mutter verbringt Lore sechs Wochen in der rheinischen Heimat, um der Verstorbenen ihren letzten Wunsch zu erfüllen. Dabei muss sie sich gegen festgefahrene Familienstrukturen und eine Bürokratie, die von der ersten Covid-Welle gelähmt ist, behaupten. Sechs Wochen Ausnahmezustand. Sie fangen an zu verstreichen, und es scheint, dass Lore in einer absurden Symbiose mit der pandemischen Ausnahmesituation zu leben beginnt. Sechs Wochen, in denen sie lernt, ihre Trauer zuzulassen, um nicht von ihr aufgefressen zu werden. In denen sie erfährt, dass die Endlichkeit des Lebens geplant werden muss und dass es keine Antwort auf die Frage gibt: Wie trauert man richtig.
Following her mother’s death, young Lore refuses to let anyone dictate how she should say goodbye, and yet she keeps asking herself the same question: what is the right way to grieve?
Dienstag, 21.4.
20:45 Nichts bleibt und nichts verschwindet (Wettbewerb Dokumentarfilm) DE 2026, 79 Min. Sprache [deutsch], [englisch], [rumänisch] UT [englisch, deutsch – dual] Regie, Buch: Paul Sonntag
Eine Straßenecke in Berlin-Moabit verändert sich: Aus einem alternden Supermarkt wird eine Baustelle, wird ein Neubau. Regale werden eingeräumt, Wände abgerissen, Pause gemacht und Geld gezählt. Die Menschen, die hier arbeiten, lassen den Ort entstehen und vergehen. In welcher Beziehung stehen sie zu ihm? Wie bestimmt er die Umstände ihrer Arbeit? Über einen Zeitraum von fünf Jahren untersucht der Film mit Geduld, Humor und liebevollem Blick das Verhältnis zwischen Konstanten und Veränderung am Ort. Verschiedene Versionen des Ortes überlagern sich und finden zwischen Kühlregal, Baugerüst und Sichtbeton gleichzeitig statt. Mal spielerisch, mal gespenstisch, kommen dabei Wiederholungen zum Vorschein, wie Echos zwischen den Welten.
On a Berlin street corner a small supermarket transforms into a tenement block – between the aisles and on the scaffolding something slowly changes.
Mittwoch, 22.4.
18:30 Im Licht der Sandbank (Wettbewerb Dokumentarfilm) DE 2025, 75 Min. Sprache [deutsch], [englisch], [französisch] UT [englisch] Regie, Buch: Kilian Helmbrecht
Als Vogelwart verbringt Kilian sieben Monate alleine auf Scharhörn, einer Düneninsel in der Helgoländer Bucht. Seine Aufgaben bestehen aus Vogelzählung, Observierung und dem Sammeln von Treibgut. Das Gespür für die sich stets verändernde Landschaft mit ihren Vogelschwärmen am Himmel und dem extrem wechselnden Wetter liegt ebenso in den Bildern wie im ungekünstelten Soundtrack aus Wind, Regen und Vogelrufen. Kontakte nach außen sind rar, aber umso deutlicher wirkt das Eindringen der Außenwelt. Vorboten des Klimawandels und Nachrichten aus dem Krieg erreichen die Insel. In der melancholischen Grundstimmung liegt sowohl ein Echo der Einsamkeit als auch die Ahnung, dass die Existenz dieses Ortes ohne eigenes Zutun zutiefst bedroht ist. In der genauen Beobachtung entsteht ein Sinnbild für das Verschwinden von Vielfalt und wie es beginnt.
As a bird warden, Kilian spends 7 months alone on a barrier island. A film about affection for the landscape and its impending loss.
Mittwoch, 22.4.
20:45 Luisa (Wettbewerb Spielfilm) DE 2025, 94 Min., Sprache [deutsch] UT [englisch] Regie: Julia Roesler, Buch: Julia Roesler, Silke Merzhäuser
Luisa lebt in einer Wohngruppe für Menschen mit Behinderung am Rande einer deutschen Kleinstadt. Sie liebt Partys, ist für jeden Spaß zu haben, lässt sich auf Flirts und Abenteuer ein. Zunächst unbemerkt wird Luisa stiller – überraschend kommt heraus, dass sie schwanger ist. Sie selbst schweigt dazu, wie es passiert ist. Alle wissen, dass ihr Freund Anton nicht zeugungsfähig ist. Ein Verdacht auf sexuellen Missbrauch liegt nahe. Luisa entschließt sich, die Schwangerschaft abbrechen zu lassen. Es wird polizeilich ermittelt, ob eine Straftat vorliegt – die Ermittlungen werden zur Belastungsprobe für Luisa, ihre Beziehung zu Anton und die gesamte Wohngruppe.
Luisa lives in a residential facility for people with disabilities. She is 22 years old and curious about life. Suddenly she became pregnant.
Als direkte Aktion werden Aktionsformen des Protests bezeichnet, bei denen die Beteiligten selbst tätig werden, um ihre Interessen unmittelbar durchzusetzen. DIRECTACTIONzeichnet ein Porträt von einer der bekanntesten militanten Aktivist*innengruppen, die derzeit in Frankreich für Veränderungen kämpft: ein 150 Personen umfassendes, ländliches Kollektiv, das sich 2018 erfolgreich gegen ein internationales Großflughafenprojekt auf französischem Boden wehrte und dazu von 2012 bis 2018 eine autonome Zone besetzt hielt, die es gegen mehrere gewaltsame Räumungsversuche durch den Staat verteidigte und das 2021 eine neue ökologische Bewegung ins Leben rief. Mit einem kollaborativen und immersiven Beobachtungsansatz dokumentiert der Film den Alltag eines vielfältigen Ökosystems aus Aktivist*innen, Hausbesetzer*innen, Anarchist*innen, Landwirt*innen und von der Regierung als Öko-Terrorist*innen diskreditierten Personen. Kann der Erfolg einer radikalen Protestbewegung einen Weg aus der Klimakrise weisen?
Credits:
DE/FR 2024, 216 Min., Französisch, Marokkanisch-Arabisch, Englisch OmU Regie & Schnitt: Guillaume Cailleau & Ben Russell. Kamera: Ben Russell
Regisseurin Lea Hartlaub unternimmt in ihrem filmischen Essay anhand eines Objekts – der Giraffe – eine Welterzählung über Kontinente und Jahrhunderte hinweg. Ein Filmexperiment, das international viel Beachtung gefunden hat und in Form und Inhalt seinesgleichen sucht.
In einer puristischen Filmsprache und bühnenhaften Tableaus erzähltSRvom Menschen und von durch ihn geschaffene Wirklichkeiten. 16 fragmentarische Episoden führen in 91 Einstellungen an 30 Handlungsorte – unter anderem auf eine Insel im Westpazifik, in einen Lesesaal in New York, zu einer Keramikfabrik bei Peking, auf eine Landebahn im Niger. Dabei trifft der Film auf Vermutungen, Behauptungen und die Relativität von Wissen, auf koloniale Relikte, hegemoniale Strukturen, auf Aneignungen und den Umgang mit Exotik. Ein wiederkehrendes Motiv, die Giraffe, erscheint mal direkt, mal am Rande. Eine Vielschichtigkeit entsteht, in der sich weit mehr andeutet, als das, was auf den ersten Blick sichtbar wird.
13 Jahre nach Die Liebe der Kinder nimmt Franz Müller den Faden wieder auf und inszeniert mit dem Gros des damaligen Personals eine Fortsetzung, die aber für sich steht. Der Einblick in das Leben einer Frau, die was erreichen will, die sich bemüht und es kurz auch schafft, ist zugleich ein Blick in eine Falle, die man getrost Neoliberalismus nennen kann. Für die 30-jährige Mira läuft es gut: ein liebevoller Mann, zwei Kinder und jetzt auch noch eine eigene Supermarktfiliale. Den nötigen Startkredit gewährt ihr Robert, der Ex-Partner ihrer Mutter – zinslos. Aber noch in derselben Nacht „investiert“ Miras Mann Tarek das Geld in einen Kryptofonds und fällt einem Betrug zum Opfer. Mira bringt es nicht über sich, Robert davon zu erzählen. Eine Halbwahrheit zieht die nächste Lüge nach sich, und dann stellt sich auch noch heraus, dass der für seinen vermeintlich großzügigen Kredit Gegenleistungen erwartet: Miras Kinder sollen seiner tiefreligiöser Frau zuliebe getauft werden. Davon wiederum darf Tarek nichts erfahren. Ihrer bildungsbürgerlichen Mutter kann Mira sich auch nicht anvertrauen. Die ist der Meinung, dass ihre Tochter sich mit ihrer Berufswahl und der Ehe mit dem ehemaligen Rapper „nach unten orientiert“. Präzise, mit Empathie und viel lakonischem Humor führt der Film seine Protagonistin dem unvermeidlichen Knall zu – und vielleicht der Erlösung?
Credits:
DE 2025, 104 Min., deutsche OmeU Regie: Franz Müller Kamera: Julia Daschner Schnitt: Stefan Stabenow mit: Katharina Derr, Alex Brendemühl, Leonidas Emre Pakkan, Lana Cooper
Ein legendärer, aber in die Jahre gekommener Gangster namens Mahr (Louis-Do de Lencquesaing, der mir als Alter-Ego von Humbert Balsan in Mia Hansen-Loves großartigem Der Vater meiner Kinder heute noch in Erinnerung ist), beauftragt die Auftragskillerin Tez den Mord an einem seiner Geldkuriere zu rächen. In ihrem klassisch nach Film-Noir-Genre-Regeln erzählten, erstmals auf Französisch realisiertem Werk weben Regisseur Christoph Hochhäusler und Co-Autor Ulrich Peltzer zwischen den Schnittpunkten Gier, Macht und Manipulation ein raffiniertes Geflecht aus Intrigen und Verrat. „Grundsätzlich nimmt Hochhäusler das Genre beim Wort, entledigt sich jeglichen Überbaus und sucht auch nicht im engeren Sinn den Anschluss ans Gesellschaftsdiagnostische, etwa der Finanzwelt, der Mediengesellschaft oder irgendwelcher Identitätspolitiken. La mort viendra ist ein fatalistischer Gangsterfilm nach dem Vorbild von Jean-Pierre Melville, finster, kalt und auf das Notwendigste reduziert. Alles basiert auf Knappheit, Enge und Begrenzung: Plot, Räume, Bildausschnitte. … Engmaschig geknüpft sind auch die Erzählfäden; fast stehen sich die Figuren gegenseitig auf den Füßen herum. Es gibt wir und sie. Und dann gibt es auch noch die – nicht in Erscheinung tretenden – Italiener“. Filmdienst, Esther Buss
Credits:
DE/BE/LU 2024, 101 Min., französiche OmU Regie: Christoph Hochhäusler Kamera: Reinhold Vorschneider Schnitt: Stefan Stabenow mit: Sophie Verbeeck, Louis-Do De Lencquesaing, Marc Limpach, Mourade Zeguendi, Nassim Rachi
Trailer:
Der Tod wird kommen / La mort viendra [Offizieller Trailer FRANZÖSISCHHD] – Ab 12. März im Kino
PL 2024 R/B/K: Maria Zbąska 99 min, OmdU S: Andrzej Kowalski M: Anja Garbarek D: Zofia Chabiera, Marcin Sztabiński u. a.
Die impulsive Wanda ist nur noch genervt. Sie und ihr Freund Janek haben sich auseinandergelebt, ihre Beziehung steckt fest. Das Geld ist chronisch knapp, ständig gibt es Streit, der freudlose Alltag ist nur noch die Wiederholung des ewig Gleichen und Janeks routinierter Pragmatismus bringt sie zur Weißglut. Haben sie überhaupt noch eine gemeinsame Zukunft?
Für Wanda steht fest: Sie müssen durch gemeinsame Grenzerfahrungen wieder zueinander finden – oder für immer auseinandergehen. Also brechen sie auf, mitten im Winter, einmal 400 km den polnischen Ostseestrand entlang von West nach Ost. Es gilt die eiserne Regel: Sie dürfen den Strand nicht verlassen. Wird sie gebrochen, ist das Projekt beendet – das gilt für die Wanderung, aber auch für ihre Beziehung. Wind, Kälte und Erschöpfung setzen ihnen ebenso zu wie die Notwendigkeit, trotz unterschiedlicher Charaktere immer wieder einen kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden.
Maria Zbąska inszeniert in ihrem Debüt eine Reise, die keinen Anfang und kein Ende zu haben scheint – ein bittersüß-poetisches Psycho-Kammerspiel und ein Road-Movie ohne Straßen. [Rainer Mende]
Maria Zbąska (geb. 1975) absolvierte ein Kamera-Studium an der Filmhochschule Łódź und veröffentlichte ab 2001 sieben Kurzfilme, bevor sie 2024 mit „Das ist nicht mein Film“ ihren ersten Langfilm drehte. Für alle ihre Filme stand sie auch hinter der Kamera.
Die quirlige Alyssa und der zurückhaltende Mehdi, beide um die zwanzig, sind beste Freunde mit grossen Träumen: Sie will im Ausland durchstarten, er als Zeichner in Tunesien Fuss fassen. Als sie von einem Kunstwettbewerb auf Djerba erfahren, beginnt ein Roadtrip, der ihr Leben verändern könnte.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht eine innige Freundschaft. Die 19-jährige Alyssa muss sich neben ihren schulischen Verpflichtungen um ihre kleine Schwester und die kranke Mutter kümmern. Sie ist eine Rebellin und möchte der Enge in Tunis entfliehen. Mehdi ist zurückhaltend und bewirbt sich mehr schlecht als recht auf IT-Jobs, hofft aber insgeheim, eines Tages von seiner Zeichenkunst leben zu können. Als die beiden von einem Kunstwettbewerb erfahren, bei dem ein Atelieraufenthalt in Deutschland als Hauptpreis winkt, bekommen ihre Träume Flügel. Doch schon das Beschaffen eines Fahrzeugs bedarf Alyssas Kühnheit, und ehe Mehdi sich versieht, sind sie unterwegs durch ein unbekanntes Tunesien, das ebenso faszinierend wie gesellschaftlich erdrückend ist.
Mit spielerischer Leichtigkeit erzählt Amel Guellaty in ihrem Langfilmdebüt vom Elan einer Generation, die das enttäuschende Erbe des Arabischen Frühlings mit Fantasie, Humor und Improvisationstalent antritt. Mehdis Zeichnungen erwachen dezent zum Leben, Alyssas Vorstellungskraft sorgt für feine, surreale Tupfer und arabische Indie-Musik trägt das Filmpaar durch die Landschaft. Es entsteht das Porträt einer aufgeschlossenen Jugend, die wie überall auf der Welt ihr eigenes Potenzial entdecken muss, das manchmal greifbar nah liegt.
Wir verwenden Cookies, um unsere Website und unseren Service zu optimieren.
Funktionale Cookies
Immer aktiv
Die technische Speicherung oder der Zugang ist unbedingt erforderlich für den rechtmäßigen Zweck, die Nutzung eines bestimmten Dienstes zu ermöglichen, der vom Teilnehmer oder Nutzer ausdrücklich gewünscht wird, oder für den alleinigen Zweck, die Übertragung einer Nachricht über ein elektronisches Kommunikationsnetz durchzuführen.
Vorlieben
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist für den rechtmäßigen Zweck der Speicherung von Präferenzen erforderlich, die nicht vom Abonnenten oder Benutzer angefordert wurden.
Statistiken
Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu statistischen Zwecken erfolgt.Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu anonymen statistischen Zwecken verwendet wird. Ohne eine Vorladung, die freiwillige Zustimmung deines Internetdienstanbieters oder zusätzliche Aufzeichnungen von Dritten können die zu diesem Zweck gespeicherten oder abgerufenen Informationen allein in der Regel nicht dazu verwendet werden, dich zu identifizieren.
Marketing
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist erforderlich, um Nutzerprofile zu erstellen, um Werbung zu versenden oder um den Nutzer auf einer Website oder über mehrere Websites hinweg zu ähnlichen Marketingzwecken zu verfolgen.