Ballade von der weißen Kuh

ein Film von Behtash Sanaeeha, Maryam Moghaddam.

[indie­ki­no Club] [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

Minas Mann ist tot, hin­ge­rich­tet. Ein Justizirrtum, wie sich ein Jahr spä­ter her­aus­stellt. Eine finan­zi­el­le Entschädigung soll ihr über den Verlust hin­weg­hel­fen und der sie­ben­jäh­ri­gen gehör­lo­sen Tochter das Leben erleich­tern. Aber Minas Trauer sitzt tief, und so leicht lässt sie sich nicht abschüt­teln.
Während die Witwe ihren Kampf gegen ein System auf­nimmt, das nicht auf Widerstand ein­ge­stellt ist, steht plötz­lich Reza vor der Tür. Er ist angeb­lich ein Freund ihres Mannes, der alte Schulden zu beglei­chen wünscht. Mina ist zunächst miss­trau­isch, nimmt sei­ne Hilfe und Freundlichkeit jedoch bald dank­bar an, als ihr selbst Kraft, Geld und Hoffnung schwin­den. Noch ahnt sie nicht, dass Rezas Vergangenheit unmit­tel­bar mit ihrem Schicksal ver­bun­den ist, bis auch die­se Wahrheit irgend­wann ans Licht gerät und Mina erneut vor eine schwe­re Prüfung gestellt wird.
Der meis­ter­haf­te Film von Behtash Sanaeeha und Maryam Moghaddam, bei dem Moghaddam als Regisseurin und (groß­ar­ti­ge) Hauptdarstellerin eine Doppelrolle über­nimmt, kon­zen­triert sich voll und ganz auf die Frau im Zentrum des Geschehens. Die Kamera folgt Mina durch den Alltag und streift dabei immer wie­der ihr Gesicht, schaut ihr oft und lan­ge in die schwe­ren Augen, die so viel mehr sagen als jedes Wort. Aber auch in ihrem tief­sit­zen­den Schmerz lässt sie sich nicht ein­schüch­tern. Mit einer hart­nä­cki­gen Wut im Bauch stellt sie sich den Lügen des Überwachungsstaates eben­so ent­ge­gen wie Demütigungen, als etwa der Schwiegervater das Sorgerecht für ihre Tochter ein­klagt. Allein Mina weiß, wie weit sie zu gehen bereit ist.“
Pamela Jahn | indiekino.de
„Das ist ein wuch­ti­ger, wüten­der Film, der ein­mal mehr die Aussagen all jener ira­ni­schen Künstler und Filmemacherinnen bestä­tigt, dass die­ser Staat sich nicht um kri­ti­sche Kunst küm­mert, so lan­ge sie die Dinge nicht direkt und wört­lich auf den Punkt bringt. Das mensch­li­che Drama die­ser Figuren lässt sich eben ohne wei­te­res auf den Monster’s Ball (US Film über eine Henker – Opfernwitwe Beziehung) redu­zie­ren. Zumal bis auf Reza die staat­li­chen Funktionäre gesichts- und per­sön­lich­keits­los gezeigt wer­den.“ Sennhausers Filmblog

Credits:


Ghasideyeh gave sefid
IR/FR 2020, 105 Min., far­si OmU
Buch und Regie: Behtash Sanaeeha, Maryam Moghaddam
Kamera: Amin Jafari
Schnitt: Ata Mehrad, Behtash Sanaeeha
mit Maryam Moghaddam, Alireza Sanifar, Pourya Rahimisam, Avin Purraoufi, Farid Ghobadi, Lili Farhadpour

Trailer:
Ballad of a White Cow (Ghasideyeh gave sefid) new clip offi­ci­al from Berlin Film Festival 2021
Im Kino mit deut­schen Untertiteln
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Kategorie: archiv

  • Ballade von der weißen Kuh

    Ballade von der weißen Kuh

    ein Film von Behtash Sanaeeha, Maryam Moghaddam.

    [indie­ki­no Club] [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Minas Mann ist tot, hin­ge­rich­tet. Ein Justizirrtum, wie sich ein Jahr spä­ter her­aus­stellt. Eine finan­zi­el­le Entschädigung soll ihr über den Verlust hin­weg­hel­fen und der sie­ben­jäh­ri­gen gehör­lo­sen Tochter das Leben erleich­tern. Aber Minas Trauer sitzt tief, und so leicht lässt sie sich nicht abschüt­teln.
    Während die Witwe ihren Kampf gegen ein System auf­nimmt, das nicht auf Widerstand ein­ge­stellt ist, steht plötz­lich Reza vor der Tür. Er ist angeb­lich ein Freund ihres Mannes, der alte Schulden zu beglei­chen wünscht. Mina ist zunächst miss­trau­isch, nimmt sei­ne Hilfe und Freundlichkeit jedoch bald dank­bar an, als ihr selbst Kraft, Geld und Hoffnung schwin­den. Noch ahnt sie nicht, dass Rezas Vergangenheit unmit­tel­bar mit ihrem Schicksal ver­bun­den ist, bis auch die­se Wahrheit irgend­wann ans Licht gerät und Mina erneut vor eine schwe­re Prüfung gestellt wird.
    Der meis­ter­haf­te Film von Behtash Sanaeeha und Maryam Moghaddam, bei dem Moghaddam als Regisseurin und (groß­ar­ti­ge) Hauptdarstellerin eine Doppelrolle über­nimmt, kon­zen­triert sich voll und ganz auf die Frau im Zentrum des Geschehens. Die Kamera folgt Mina durch den Alltag und streift dabei immer wie­der ihr Gesicht, schaut ihr oft und lan­ge in die schwe­ren Augen, die so viel mehr sagen als jedes Wort. Aber auch in ihrem tief­sit­zen­den Schmerz lässt sie sich nicht ein­schüch­tern. Mit einer hart­nä­cki­gen Wut im Bauch stellt sie sich den Lügen des Überwachungsstaates eben­so ent­ge­gen wie Demütigungen, als etwa der Schwiegervater das Sorgerecht für ihre Tochter ein­klagt. Allein Mina weiß, wie weit sie zu gehen bereit ist.“
    Pamela Jahn | indiekino.de
    „Das ist ein wuch­ti­ger, wüten­der Film, der ein­mal mehr die Aussagen all jener ira­ni­schen Künstler und Filmemacherinnen bestä­tigt, dass die­ser Staat sich nicht um kri­ti­sche Kunst küm­mert, so lan­ge sie die Dinge nicht direkt und wört­lich auf den Punkt bringt. Das mensch­li­che Drama die­ser Figuren lässt sich eben ohne wei­te­res auf den Monster’s Ball (US Film über eine Henker – Opfernwitwe Beziehung) redu­zie­ren. Zumal bis auf Reza die staat­li­chen Funktionäre gesichts- und per­sön­lich­keits­los gezeigt wer­den.“ Sennhausers Filmblog

    Credits:


    Ghasideyeh gave sefid
    IR/FR 2020, 105 Min., far­si OmU
    Buch und Regie: Behtash Sanaeeha, Maryam Moghaddam
    Kamera: Amin Jafari
    Schnitt: Ata Mehrad, Behtash Sanaeeha
    mit Maryam Moghaddam, Alireza Sanifar, Pourya Rahimisam, Avin Purraoufi, Farid Ghobadi, Lili Farhadpour

    Trailer:
    Ballad of a White Cow (Ghasideyeh gave sefid) new clip offi­ci­al from Berlin Film Festival 2021
    Im Kino mit deut­schen Untertiteln
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  • Lunana

    Lunana

    ein Film von Pawo Choyning Dorji.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Das Glück der Bevölkerung liegt der Regierung im klei­nen Bhutan sehr am Herzen, trotz­dem sind vie­le jun­ge Menschen davon über­zeugt, ihres eher im Ausland zu fin­den, so auch Uygen. Der Lehramtsstudent hat das Visa für die ange­streb­te Musikerkarriere in Australien schon in der Tasche, aber der Traum muss war­ten. Davor steht noch ein Jahr Referendariat, und dazu wird er in das klei­ne, tat­säch­lich exis­tie­ren­de Bergdorf Lununa ver­setzt, das in fast 4000m Höhe und acht Tagesmärsche von der letz­ten Kleinstadt ent­fernt liegt. So erklärt sich auch, dass hier­hin noch kei­ne Stromleitung den Weg gefun­den hat – ganz zu schwei­gen von den neus­ten Segnungen der Kommunikationsindustrie, die auch Bhutan schon längst erreicht hat, wie in Sing me a Song zu sehen ist. Bei der Ankunft dort ist Uygen trotz freund­lichs­tem Empfang ent­setzt über die­se und ande­re Mängel, kann aber nicht sogleich wie­der weg.
    Hendrike Bake schreibt in „Indiekino“ dazu: »Dass sich [im Laufe des Films] sei­ne Einstellung ändert, ist wenig über­ra­schend, aber es ist schön, wie natu­ra­lis­tisch und ein­fühl­sam der Film die­se Veränderung erzählt und dabei Inszenierung und Dokumentarisches sanft ver­knüpft.« Die Dorfbewohner spie­len näm­lich sich selbst und brin­gen eige­ne Geschichten mit, und auch Probleme, die nicht nur die Abgeschiedenheit des Ortes auf­wirft, wer­den ange­spro­chen. Die behut­sam erzähl­te Geschichte in der groß­ar­ti­gen Landschaft fügt sich mit einer guten Portion Humor zu einem zau­ber­haf­ten Film zusam­men.
    Überraschenderweise fand Lunana – Ein Yak im Klassenzimmer, wie er im Original heißt, einen Platz auf der kürz­lich ent­schie­de­nen, zum Teil unge­wöhn­lich gut aus­ge­wähl­ten „Oscar-Auslands“-Shortlist, zusam­men u.a. mit Drive my Car, Abteil Nr. 6 und Grosse Freiheit.

    Credits:


    BT/CN 2021, 109 Min., Dzongkha OmU
    Buch und Regie: Pawo Choyning Dorji
    Schnitt: Hsiao-Yun Ku
    Kamera: Jigme Tenzing
    mit: Sherab Dorji, Ugyen Norbu Lhendup, Pem Zam, Kelden Lhamo Gurung

    Trailer:
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  • Night Nursery

    Night Nursery

    ein Film von Moumouni Sanou. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    In der Kreisstadt Bobo-Dioulasso, in der Nähe von Burkina Fasos Hauptstadt Ouagadougou, geben Sexarbeiterinnen ihren Nachwuchs in die Obhut von Frau Coda, einer älte­ren Dame, die sich seit Jahrzehnten um Kinder küm­mert, deren Mütter nachts auf der Straße ihr Geld ver­die­nen. Dem Filmemacher Moumouni Sanou ist es über die Jahre gelun­gen, das Vertrauen aller Beteiligten zu gewin­nen und einen tie­fen Einblick in das Leben von Odile und Farida zu bekom­men, die bei­de auf die Dienste von Frau Coda ange­wie­sen sind. Zärtlich und sehr genau beob­ach­tet er alle Aspekte ihres Lebens, Hausarbeit, Freizeit, inti­me Momente des Mutterseins, auch ihre Beziehung zu Frau Coda und wie die­se ihre Kinder erzieht. Im Mittelpunkt des Films ste­hen die Erfahrungen von Frauen. Männer und Väter sind abwe­send, außer in den mal amü­san­ten, mal zutiefst erschüt­tern­den Geschichten, die Farida und Odile von ihrer Arbeit erzäh­len. Sanous zurück­hal­ten­der, respekt­vol­ler Blick macht die Vorzüge hori­zon­ta­len Filmemachens deut­lich, das sich durch größt­mög­li­che Aufmerksamkeit und Sensibilität den Protagonisten gegen­über auszeichnet.

    Credits:

    Garderie noc­turne
    UV/FR/DE 2021, 67 Min., Dioula OmU,
    Regie Moumouni Sanou
    Kamera: Pierre Laval
    Schnitt: François Sculier
    mit: Odile Kambou, Fatim Tiendrebeogo 

    Trailer:
    Night Nursery | Official Trailer | Berlinale 2021
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  • Sing Me a Song

    Sing Me a Song

    ein Film von Thomas Balmès.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Das Recht auf Glück ist in Bhutan per Gesetz Ziel allen staat­li­chen Handelns. Dokumentationen wie Die Ökonomie des Glücks, Speed – Auf der Suche nach der ver­lo­re­nen Zeit oder What Happiness Is such­ten und suchen nach dem Geheimnis der Lebenszufriedenheit der Einwohner des bud­dhis­ti­schen Himalaya-Staates.
    Glück ist jedoch eine sehr brü­chi­ge Angelegenheit. Regisseur Thomas Balmés dreh­te 2012 erst­mals im wun­der­ba­ren und weit abseits gele­ge­nen Kloster in Laya sei­nen Film namens, genau, Happiness, wo er den damals 8‑jährigen Peyangki por­trä­tiert, der auf Wunsch sei­ner Mutter mit Leib und Seele Mönch wer­den will. Der Regisseur regis­triert die hohe Anziehungskraft moder­ner Medien, kurz nach deren Einzug in der Abgeschiedenheit der Berge. Acht Jahre spä­ter sind Smartphone und Internet im Kloster Standard. Peyangki ist Teenager und hat sich online ver­liebt, in Internetsängerin Nguen aus Bhutans Hauptstadt Thiumphu. Er setzt alles dar­an, sie zu tref­fen, und auch sie setzt gro­ße Hoffnungen in ihn und sei­ne finan­zi­el­len Möglichkeiten. Eine aus­sichts­lo­se Liebe, und es scheint, als hal­te die Sache mit dem glück­li­chen Leben auch in Buthan lei­der nur bis zur wirt­schaft­lich-gesell­schaft­li­chen Anpassung an den Rest der Welt.

    Credits:

    FR/DE/CH 2019, 90 Min., Dzongkha OmU,
    Regie & Kamera: Thomas Balmès,
    Schnitt: Alex Cardon, Ronan Sinquin


    Trailer:
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  • Bilder (m)einer Mutter

    Bilder (m)einer Mutter

    ein Film von Melanie Lischker.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Eine schein­bar ganz nor­ma­le Kindheit in den 80er Jahren, fest­ge­hal­ten auf unzäh­li­gen Videokassetten. Darauf eine Kleinfamilie in der jeder sei­ne Rolle spielt. Doch über dem Alltag liegt eine Schatten. Der Vater doku­men­tiert mit sei­ner Kamera fast neben­läu­fig wie die Mutter zwi­schen Weihnachten und Schulfest immer mehr zum Schatten ihrer selbst wird. Zuerst ver­schwin­det sie aus den Videoaufnahmen, dann schließ­lich ganz aus dem Familienleben. Mit dem Film for­dert die Regisseurin ihre Familie her­aus,
    das jah­re­lan­ge Schweigen um den Verlust ihrer Mutter zu bre­chen. Ein Tagebuch wird gefun­den und die alten Super8 Filme des Vaters, auf denen die Mutter noch ver­liebt in die Kamera lach­te.
    Wir tau­chen ein in die Lebensgeschichte von Gabi, die sich als Teenager weg­träumt aus der bay­ri­schen Kleinstadt und von ihren alt­ba­cke­nen Eltern. Trotz der revo­lu­tio­nä­ren Klischees der 70er Jahre, bleibt die Ehe für das Paar der ein­zig logi­sche Weg in die Selbstständigkeit. Das dama­li­ge Klima zwi­schen Emanzipation und behä­bi­gen Denkmustern färbt ab auf die Biografie der jun­gen Frau. Fragmente aus Gesellschaft und Politik zei­gen Plenarsäle vol­ler Männer und Flugzeuge ohne Pilotinnen. Gabi har­dert mit der Umsetzung ihrer Träume wäh­rend ihr Mann Karriere macht.
    Die Kamera beglei­tet den tra­gi­schen Lebensweg einer Frau, die in die Mutterrolle stol­per­te und die­se nie rich­tig anneh­men konnte.

    Credits:

    DE 2021, 78 Min, dt. OmeU,
    Regie & Buch: Melanie Lischker,
    Kamera: Thomas Lischker, Melanie Lischker,
    Schnitt: Mechthild Barth, Melanie Lischker


    Trailer:
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  • The Power of the Dog

    The Power of the Dog

    ein Film von Jane Campion.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Montana in den 1920er Jahren: Die Brüder George und Phil füh­ren gemein­sam eine Ranch. Als George die Witwe Rose hei­ra­tet, die den Teenager Peter mit in die Ehe bringt, gerät ihr Kräfteverhältnis aus dem Gleichgewicht: Phil, der Mann fürs Grobe, posi­tio­niert sich immer stär­ker gegen George, den sich kul­ti­viert geben­den Schreibtischmann, vor allem aber gegen die ver­letz­li­che Rose. Eine gespann­te Atmosphäre, unter der zunächst Peter am meis­ten zu lei­den hat. Campions Neo-Western kommt ohne viel äußer­li­che Action aus und kon­zen­triert sich auf die dyna­mi­sche Widersprüchlichkeit der Figurenkonstellation.
    (Barbara Schweizerhof)

    Credits:

    NZ/AU 2021, 126 Min, engl. OmU
    Regie: Jane Campion
    Kamera: Ari Wegner
    Schnitt: Peter Scibberas
    mit: Benedict Cumberbatch
    Jesse Plemons
    Kirsten Dunst
    Kodi Smit-McPhee


    Trailer:
    The Power of the Dog | Official Teaser | Netflix
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  • Adam

    Adam

    ein Film von Maryam Touzani.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Während vie­le Filme im letz­ten Monat von Paar- und Familienbeziehungen han­del­ten, sind im Programm der nächs­ten Wochen die Begegnungen von Fremden prä­sent, die sich gera­de durch wid­ri­ge Umstände ver­bun­den füh­len. Adam, das Spielfilmdebüt der Marokkanerin Maryam Touzani, die auch das Drehbuch schrieb, war­tet mit Einblicken in die Kunst des Teigknetens auf. Ein schö­nes Tutorial, so kurz vorm Fest. Abla, Bäckerin, allein­er­zie­hend, abge­schot­tet, freun­det sich wider Willen mit Samia an, die schwan­ger ist und eine Bleibe braucht. Die Backstubenwohnung irgend­wo in einer Seitengasse mit­ten in Casablanca, wo Msemen und Rziza aus dem Fenster her­aus ver­kauft wer­den, ist der Ort der Geborgenheit für die bei­den Frauen und Ablas Tochter Warda. Was folk­lo­ris­tisch und kit­schig hät­te aus­ufern kön­nen, wur­de ein Film vol­ler Nuancen, schö­nen Momenten und einer wahr­haf­ti­gen Geschichte.
    Wäre Adam aus einem Teigklumpen gekne­tet und geformt wor­den und nicht aus Möttke, hät­te sich viel­leicht alles anders ent­wi­ckelt. Aber zu spät.
    „Der Spielfilm Adam ist aus der per­sön­li­chen Begegnung der Regisseurin Maryam Touzani mit einer jun­gen Frau in ihrer Jugend ent­stan­den, die für bei­de schmerz­haft, für die Filmemacherin aber inspi­rie­rend war und unaus­lösch­li­che Spuren hin­ter­ließ. Vertieft wur­de die Erfahrung, als die­se selbst Mutter wur­de: ‚Als ich zum ers­ten Mal mein eige­nes Kind in mei­nem Körper spür­te, als ich sah, dass mein Bauch sich in den Bauch einer Mutter ver­wan­del­te, dach­te ich an jene Frau zurück, der ich damals begeg­net war. Ich fühl­te eine Dringlichkeit, die Geschichte von damals zu erzäh­len und dann zu ver­fil­men. Das half mir, die Wunden jener Begegnung zu hei­len, die Erfahrung des Verlustes, der Not, der Verleugnung, der Trauer jener Frau, aber auch die Freude zu genie­ßen, sel­ber Mutter gewor­den zu sein. So nahm der Film Adam Gestalt an.‘“
    Hanspeter Stalder | Der ande­re Film

    Credits:

    MA/FR 2019, 98 Min., arab. OmU
    Regie: Maryam Touzani
    Kamera: Adil Ayoub
    Schnitt: Julie Naas
    mit: Douae Belkhaouda, Aziz Hattab, Hasna Tamtaoui u. a.


    Trailer:
    ADAM Trailer German Deutsch (2021)
    im Kino mit deut­schen Untetiteln
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  • Drive my car

    Drive my car

    ein Film von Ryûsuke Hamaguchi.

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Nach Lee Chang-Dongs BURNING (2018) ist Ryûsuke Hamaguchi mit DRIVE MY CAR die zwei­te umwer­fen­de Verfilmung eines Stoffes von Haruki Murakami gelun­gen. Murakamis Erzählungen über trau­ri­ge Menschen erzäh­len oft davon, dass es hel­fen kann, sich Zeit zu neh­men, um irgend­wo zu sit­zen, wie der Erzähler im Roman „Der Aufziehvogelmann“, der sich, als er nicht mehr wei­ter­weiß, mona­te­lang auf einen öffent­li­chen Platz setzt, bis etwas pas­siert. In DRIVE MY CAR lässt sich der Regisseur und Schauspieler Yûsuke im Auto her­um­fah­ren, wenn nichts mehr hilft. Das hat den Vorteil, eine lee­re Zeit zu erzeu­gen, in der er den­ken kann, und er kommt irgend­wo an, an einer Müllverbrennungsanlage, am Meer, an einem Dorf, an dem ein furcht­ba­res Unglück gesche­hen ist – und etwas ver­än­dert sich.

    Die ers­te Dreiviertelstunde des Films erzählt die Vorgeschichte der Erzählung, dann erst lau­fen die Titel über das Bild. Yûsuke (Hidetoshi Nishijima) und sei­ne Frau Oto (Reika Kirishima) hat­ten gera­de Sex, sie erzählt eine Geschichte von einem jun­gen Mädchen, die immer wie­der in das Haus eines Schulfreundes ein­dringt, und jedes Mal ein Objekt aus des­sen Zimmer mit­nimmt und ein eige­nes Okjekt hin­ter­lässt. Die bei­den malen sich die Geschichte in ver­schie­de­nen Situationen wei­ter aus: ein Künstlerpaar, sie ist Drehbuchautorin beim Fernsehen. Ihre Beziehung scheint glück­lich und pro­duk­tiv, und auch nach­dem Yûsuke sei­ne Frau zufäl­lig beim Sex mit dem jun­gen Schauspieler Kôji (Masaki Okada) beob­ach­tet hat, scheint sich nichts in ihrem Zusammenleben zu ver­än­dern. Gemeinsam trau­ern sie am Todestag ihrer Tochter, gemein­sam spin­nen sie Geschichten wei­ter und schla­fen mit­ein­an­der. Bis ein furcht­ba­res Unglück passiert.

    Zwei Jahre spä­ter beginnt die eigent­li­che Geschichte des Films. Yûsuke, der sich auf expe­ri­men­tel­le Inszenierungen mit Übertiteln und Schauspielern aus ver­schie­de­nen Sprachräumen spe­zia­li­siert hat, ist nach Hiroshima ein­ge­la­den wor­den, wo er sei­ne Inszenierung von Tschechows „Onkel Wanja“ mit einem neu­en Ensemble insze­nie­ren soll. Aus Versicherungsgründen erhält er eine Fahrerin, die schweig­sa­me jun­ge Misaki (Tôko Miura). Der Film ver­webt die Produktion des Theaterstücks und die exis­ten­ti­el­len Krisen der Figuren in „Onkel Wanja“ mit denen von Yûsuke, Kôji, Oto und Misaki. Wie um sich selbst zu befrei­en und sich im Geheimen an Kôji zu rächen, gibt Yûsuke ihm die Rolle des Wanja, der alles ver­liert und mit sei­ner Trauer und Enttäuschung wei­ter­le­ben muss.

    Wie in Yûsukes (und wohl auch Ryûsuke Hamaguchis) Theatermethode geht es aber auch um die klei­nen Momente, in denen zwi­schen Menschen und Schauspielern „etwas pas­siert“, wie Yûsuke nach einer Szene zwi­schen einer chi­ne­sisch und einer in korea­ni­scher Zeichensprache spre­chen­den Darstellerin sagt. Die zurück­hal­ten­den, sehr beherrsch­ten Menschen, die der Film zeigt, öff­nen sich nur lang­sam. Die Momente, in denen die pure Emotion durch­bricht, sind um so über­wäl­ti­gen­der. Die sich all­mäh­lich ent­wi­ckeln­de Nähe zwi­schen Yûsuke und der Fahrerin Misaki, deren Geschichte am Ende des Film erzählt wird, ist dabei beson­ders inten­siv. Ein stil­ler, klu­ger Film, der in Cannes den Preis für das Beste Drehbuch, den Kritikerpreis und den Preis der Ökumenischen Jura gewann.

    Tom Dorow | indiekino.de

    Credits:

    ドライブ・マイ・カー Doraibu mai kâ
    JP 2021, 179 Min., japan. OmU
    Regie: Ryûsuke Hamaguchi
    Drehbuch: Ryûsuke Hamaguchi, Haruki Murakami, Takamasa Oe
    Kamera: Hidetoshi Shinomiya
    Schnitt: Azusa Yamazaki
    mit: Hidetoshi Nishijima, Tôko Miura, Masaki Okada, Reika Kirishima

    Trailer:
    Drive My Car Trailer OmdU Deutsch | German
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  • Vater – Otac

    Vater – Otac

    ein Film Srdan Golubovic. 

    [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Nachdem Nikolas Frau einen Selbstmordversuch unter­nom­men hat, wer­den dem Gelegenheitsarbeiter sei­ne bei­den Kinder weg­ge­nom­men und bei Pflegeeltern unter­ge­bracht, zunächst angeb­lich vor­über­ge­hend. Doch nach einer Begutachtung der Wohnverhältnisse befin­det der Leiter des Sozialamts des klei­nen ser­bi­schen Dorfes, Nikola sei zu arm, um ein ange­mes­se­nes Lebensumfeld für die Kinder zu gewähr­leis­ten. Der zurück­hal­ten­de Mann beschließt, eine Beschwerde beim Ministerium für Soziales in Belgrad ein­zu­le­gen. Die 300 Kilometer dort­hin will er zu Fuß zurück­zu­le­gen. Er will den Behörden zei­gen, wie weit er für sei­ne Kinder zu gehen bereit ist – im wahrs­ten Sinne des Wortes.
    Srdan Golubović erzählt in authen­ti­schen, bewe­gen­den Bildern von der Ungleichheit der Verhältnisse. Sein stil­ler, aber zäher Protagonist erforscht nicht nur das Land, son­dern auch die Grenzen zwi­schen Recht und Unrecht. Entschlossen, sei­ner wach­sen­den Verzweiflung nicht nach­zu­ge­ben, unter­nimmt der beharr­li­che Vater eine Heldenreise, die das Wort Held neu definiert.

    Credits:

    RS, FR, DE, SL, HR, BA 2020, 99 Min., ser­bi­sche OmU
    Regie: Srdan Golubovic
    Drehbuch: Srdan Golubovic, Ognjen Svilicic
    Kamera: Aleksandar Ilić
    Schnitt: Petar Marković
    mit: Goran Bogdan, Boris Isaković,
    Nikola Rakocevic, Milan Maric
    Länge: 99 Minuten


    Trailer:
    Father (Otac) (2020) | Trailer | Goran Bogdan | Boris Isakovic | Nada Sargin | Srdan Golubovic
    im Kino mit deut­schen Untetiteln
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  • Die Zähmung der Bäume – Taming the Garden

    Die Zähmung der Bäume – Taming the Garden

    ein Film von Salomé Jashi. 

    [Indiekino Club] [Credits] [Tickets & Termine] [Trailer]

    Ein Mann sam­melt Bäume.
    Gut – Bäume sind kei­ne Briefmarken oder Sammeltassen, aber was es bedeu­tet wenn ein über 100-jäh­ri­ger Baum aus­ge­gra­ben, abtrans­por­tiert und über das Meer zu sei­nem Bestimmungsort, einem Privatpark , ver­schifft wird, ist schwer zu for­mu­lie­ren – aber ele­men­tar ein­fach zu emp­fin­den.
    Salome Saschi fin­det in ihrem Film Bilder, die uns tief im Unterbewussten bewe­gen. Wenn eine Dorfgemeinschaft dem ver­kauf­ten Baum wie in einer Trauerprozession nach­zieht, oder ein rie­si­ger Baum auf einem Frachtkahn über das Meer gescho­ben wird.
    Bäume beglei­ten Generationen von Menschen, ein 100 jäh­ri­ger Baum 4 Generationen, ein 200 jäh­ri­ger Baum 8 Generationen. Deutschlands berühm­tes­te Baumdenkmäler sind 500 bis 1200 Jahre alt, ent­spre­chen 20 bis 48 Generationen, die neben die­sen Bäumen ihr Leben gelebt haben.
    Auch bei uns wird Bäumen oft ihre Alltäglichkeit zum Verhängnis, man bemerkt sie erst wenn sie krank sind oder gefällt wer­den sol­len, wenn sie irgend­ei­nem Plan im Wege ste­hen.
    So ist „Die Zähmung der Bäume“ ein Plädoyer dafür gewor­den Bäume zu bemer­ken,
    und in sei­ner jewei­li­gen Umgebung über die Geschichte eines Baums nach­zu­den­ken.
    Die meis­ten Baumdenkmäler in Deutschland sind Bäume die sich auf einer Dorfalmende oder einem Park erhal­ten haben.
    Viele hun­dert­jäh­ri­ge Bäume bil­den Alleen aus der Gründerzeit, oder ste­hen in Parks, Friedhöfen und in pri­va­ten Gärten, vor allem gegen Ende des zwei­ten Weltkrieges wur­den in den städ­ti­schen Parks vie­le Bäume durch die Bombardierungen zer­stört, oder in den ers­ten Nachkriegsjahren als Brennstofflieferant abge­holzt. Dadurch sind über 100 jäh­ri­ge Bäume auch in Deutschland in besie­del­ten Gebieten sehr sel­ten.
    In Wäldern die forst­wirt­schaft­lich genutzt wer­den ste­hen auch Laubbäume sel­ten län­ger als 100 Jahre.

    Credits:

    CH/DE/GE 2021, 92 Min., geor­gi­sche OmU
    Regie und Buch: Salomé Jashi

    Kamera: Goga Devdariani, Salomé Jashi
    Schnitt: Chris Wrightenn

    Trailer:
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