Autor: fsk

  • Untitled

    Untitled

    Ein Film von Michael Glawogger und Monika Willi.

    Am 3. Dezember 2013 brach Michael Glawogger gemein­sam mit Kameramann Attila Boa und Tonmann Manuel Siebert auf, um Untitled‚ zu dre­hen, einen Dokumentarfilm, der Glawoggers bis­her radi­kals­tem Konzept folg­te. Geplant war eine Reise um die Welt, die ein Jahr dau­ern und durch nichts unter­bro­chen wer­den soll­te. Der Film, der dar­aus ent­stand, ver­moch­te die Welt so zu zei­gen, wie sie dem klei­nen Filmteam in die­ser zufäl­li­gen, maxi­mal offe­nen Versuchsanordnung ent­ge­gen­tre­ten wür­de. Natürlich gab es eine unge­fäh­re Reiseroute, und es gab eini­ge vor­her fest­ge­leg­te Drehorte. Aber dane­ben und dar­über­hin­aus gab es kein Thema, kei­ne Handlung, kei­nen „roten Faden“. Glawogger woll­te die Welt ein­fan­gen, wie sie war, ohne Erwartung, ohne fil­tern­de Brille. Einen „Film ohne Namen“ wünsch­te er sich, die Möglichkeit ein Jahr lang umher­zu­fah­ren und ohne ein vor­ge­ge­be­nes Thema oder Sujet zu dre­hen, war für ihn die Glücksform des Filmemachens. Nachdem der Regisseur wäh­rend der Reise an Malaria ver­starb, hat sei­ne lang­jäh­ri­ge Mitarbeiterin Monika Willi den Film mon­tiert, der aus dem ver­blie­be­nen Material so asso­zia­ti­ve wie ein­dring­li­che Bögen schlägt, beglei­tet von hin­ter­las­se­nen Tagebucheinträgen. Ein Testament der Welt und eines ganz eige­nen Blicks dar­auf, von Körpern in Arbeit und Spiel, in Anstrengung und Glück, von Momenten von Freiheit und ihren Bedingtheiten.

    So, dach­te ich, kann ein Film sein. Eine Bewegung, die nur sel­ten unter­bro­chen wird – und wenn, dann von einem mar­kan­ten Ereignis. Nicht war­ten, son­dern immer wei­ter­fah­ren. Denn nur in der größt­mög­li­chen Bewegung kom­men die Geschichten auf einen zu. Nur wenn das Leben von selbst anhält, muss man auch inne­hal­ten und solan­ge ver­har­ren, bis man erlebt hat, was es zu erle­ben gibt, und gefilmt hat, was es zu fil­men gilt.“ Michael Glawogger

    Die ers­ten Quicktime-Movies, die ich ihm schick­te, ver­dien­ten es weder Rohschnitt noch Sequenz genannt zu wer­den. Ich nann­te sie Flächen. Das gefiel uns, und so gestal­te­te ich Flächen, bis sie uns wie­der lang­wei­lig wur­den. Aber auf die­se Weise schritt die Stilfindung vor­an, nicht nur im Schneideraum, son­dern auch drau­ßen, beim Dreh. Alles war ja neu, das Konzept bot kei­nen Halt, dage­gen viel Raum für Zweifel.“ Monika Willi

    Österreich / Deutschland 2017, engl. dt. OmU, 107 Min .
    Regie: Michael Glawogger, Monika Willi
    Kamera: Attila Boa
    Schnitt: Monika Willi

    UNTITLED – Offizieller Trailer
    film by Michael Glawogger and Monika Willi. In ger­man and eng­lish with ger­man subtitles

    This film seeks to crea­te an image of the world that can only be made if you don’t fol­low a topic, try to judge or pur­sue a par­ti­cu­lar aim. It’s about allo­wing ones­elf to drift along, pro­pel­led by not­hing except your own curio­si­ty and intui­ti­on.’ These are the words of Michael Glawogger, who­se ear­lier films had often been about glo­bal explo­ita­ti­on. In 2014 the direc­tor died during his aim­less jour­ney through the Balkans, Italy, North and West Africa after con­trac­ting mala­ria just five months ear­lier. Two years after his death, his edi­tor Monika Willi took on the task of com­ple­ting his film. Combining hard cuts with a gent­ler, quie­ter style of editing she has shaped from Glawogger’s foo­ta­ge a fasci­na­ting, visual­ly stun­ning docu­ment accom­pa­nied by a strong but unob­tru­si­ve mix­tu­re of ori­gi­nal and com­po­sed sounds. Untitled is a rest­less film about move­ment and tra­vel­ling, about the unknown and the other. Above all howe­ver – and this is what turns the magic of the images and the act of obser­ving into a tru­ly exci­ting expe­ri­ence – this is a film about the poet­ry of the arbi­tra­ry. A trip across the world in order to obser­ve, lis­ten and expe­ri­ence. A jour­ney that is raw, cou­ra­ge­ous and honest.

     

    Österreich / Deutschland 2017, engl. dt. OmU, 107 Min .
    Regie: Michael Glawogger, Monika Willi
    Kamera: Attila Boa
    Schnitt: Monika Willi

    UNTITLED – Offizieller Trailer
  • Casting

    Casting

    Ein Film von Nicolas Wackerbarth.

    Weil Fassbinder bald 75 gewor­den wäre, wäre er nicht schon mit 37 Jahren gestor­ben, soll einer sei­ner Filme neu ver­filmt wer­den, für’s Öffentlich-Rechtliche, Bildungsauftrag sozu­sa­gen. Bekommen hat den Regie-Job die 47-jäh­ri­ge Vera, es ist erst ihr drit­ter Film und sie will sich des­halb ganz sicher sein mit dem, was sie da tut. Zum zen­tra­len Problem vor dem eigent­li­chen Dreh gestal­tet sich aller­dings die Frage, wer die weib­li­che Hauptrolle spie­len soll. Keine der Schauspielerinnen passt Vera, jede Vorsprech-Situation wird viel­mehr zum Machtkampf, indem mal die Schauspielerin, mal die Regisseurin unter­liegt. Je mehr Vorsprech-Situationen, des­to bes­ser wie­der­um für Gerwin, den männ­li­chen Anspielpartner (gespielt vom Andreas Lust), der zwar den Schauspielberuf an den Nagel gehan­gen hat, momen­tan aber drin­gend Geld braucht und des­halb froh ist, wenn noch ein paar bezahl­te Stunden dazu kom­men. Je län­ger das Casting dau­ert, des­to ange­spann­ter wird aller­dings die Grundstimmung. – Dabei zuzu­schau­en macht vor allem des­halb Spaß, weil jede/r den Wechsel zwi­schen einer Szene aus dem Fassbinder-Film nach­spie­len und „sich selbst“ spie­len so vir­tu­os spielt, dass man hofft, Vera möge sich noch lan­ge nicht ent­schei­den können.

    Gut 80 Stunden Produktionsmaterial waren letz­ten Endes in den 21 Drehtagen im rea­len SWR-Studio zusam­men­ge­kom­men, erklär­te Wackerbarth im anschlie­ßen­den Q & A im Delphi-Filmpalast. Verdichtet auf 91 sehr kurz­wei­li­ge Filmminuten gehö­ren sie zwei­fels­oh­ne zum Besten, was die­ser Berlinale-Jahrgang bis­her zu bie­ten hat­te. Oder um es noch ein­mal in den Worten Veras zu sagen – ohne Ironie, ver­steht sich: ‚Das ist aber super! Das gefällt mir sehr, sehr gut, muss ich sagen.‘“ Simon Hauck | kino-zeit.de 

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    D 2017, 91 Min. 
    Regie: Nicolas Wackerbarth 
    Kamera: Jürgen Carle 
    Schnitt: Saskia Metten 
    Mit: Andreas Lust, Judith Engel, Ursina Lardi, Corinna Kirchhoff, Andrea Sawatzki, Milena Dreissig, Nicole Marischka, Stephan Grossmann, Marie-Lou Sellem

    Termine:

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    Casting (Offizieller Trailer)
    film by Nicolas Wackerbarth. Q&A on 2.11. with Nicolas Wackerbarth .

    For her first tele­vi­si­on film – a remake of Fassbinder’s Die bit­te­ren Tränen der Petra von Kant – direc­tor Vera wants the per­fect cast. But the first day of shoo­ting is fast approa­ching and the num­e­rous cas­ting ses­si­ons have yet to find a sui­ta­ble actress to play the lea­ding role. Although the pro­du­cer and crew are get­ting ever more exas­pe­ra­ted with Vera, Gerwin is hap­py about the extra work, as he ear­ns his money as an audi­tion rea­der, deli­ve­ring the lines of dia­lo­gue to the star­ry can­di­da­tes at the various cas­tings. When the male lead sud­den­ly has to back out, Gerwin thinks that this might just be his chance.
    Director Nicolas Wackerbarth cap­tures the com­plex essence of Fassbinder’s film and simul­ta­neous­ly crea­tes a pro­found work of his own. Casting takes an unflin­ching look at the mur­ky depths of human rela­ti­onships dri­ven by power, pas­si­on and despe­ra­ti­on. Yet Wackerbarth also brings bit­ter truths to light about power rela­ti­ons and depen­den­ci­es in the German tele­vi­si­on indus­try almost in pas­sing. Casting is both intel­li­gent and enter­tai­ning, mark­ed by exci­ting tur­ning points, humour and the breath­ta­king acting per­for­man­ces by a tru­ly vir­tuo­so ensemble.

     

    D 2017, 91 Min. 
    Regie: Nicolas Wackerbarth 
    Kamera: Jürgen Carle 
    Schnitt: Saskia Metten 
    Mit: Andreas Lust, Judith Engel, Ursina Lardi, Corinna Kirchhoff, Andrea Sawatzki, Milena Dreissig, Nicole Marischka, Stephan Grossmann, Marie-Lou Sellem

    Casting (Offizieller Trailer)
  • Die Welt sehen

    Die Welt sehen

    Ein Film von Muriel und Delphine Coulin.

    [Pressezone]

    Zwei jun­ge Soldatinnen, Aurore und Marine, kom­men von ihrem Einsatz aus Afghanistan zurück. Mit ihrer Truppe ver­brin­gen sie drei Tage in einem Fünf-Sterne-Hotel auf Zypern. Hier, inmit­ten von Touristen, sol­len sie ler­nen, das Erlebte hin­ter sich zu las­sen. Im Militärjargon: »Dekompression«. Doch so leicht ist es nicht, den Krieg zu vergessen.

    »Was sieht man im Krieg? Gar nichts. Erstens, weil im Camp über lan­ge Strecken kei­ne Kampfhandlungen statt­fin­den. Zweitens, weil man während des Kampfes überhaupt nichts sieht – man kämpft um sein Leben. Und schließ­lich, weil jeder aus sei­ner eige­nen Perspektive sieht, was geschieht, also nur eine par­ti­el­le Sicht der Realität. Während der »Dekompression« neh­men Aurore und Marine an Einsatznachbesprechungen teil, nach denen sie anders darüber den­ken wer­den, was sie gese­hen haben. Die Psycholog*innen ver­wen­den Virtual-Reality-Videotechnologie, die die Erlebnisse der Soldat*innen in Echtzeit bebil­dert. Das Ziel ist, dass sie sich durch Worte und Bilder von ihren schmerz­haf­ten Erinnerungen distan­zie­ren können. (…) Es ist unmöglich – und viel­leicht auch nicht wünschenswert – den Krieg zu ver­ges­sen, die­se Kriege, an denen wir direkt oder aus der Distanz betei­ligt waren. Wir wer­den täglich dar­an erin­nert. In Voir du pays geht es um die­se Frage: Wie kann man überhaupt sein Leben bewältigen, wenn man sol­che Gewalt erlebt hat?«
    Delphine und Muriel Coulin

    Gewinner des Spielfilmpreises des
    Internationalen Frauenfilmfestivals Dortmund Köln 2017

    Kritiken: Tagesspiegel - FAZ- tazBR

    Voir du pays
    Frankreich 2016, 102 Min., frz. OmU
    Buch & Regie: [wikilink]Delphine Coulin[/wikilink], [wikilink]Muriel Coulin[/wikilink]
    Kamera: Jean-Louis Vialard, Benoît Dervaux
    Schnitt: Laurence Briaud
    Darsteller*innen:
    Soko, Ariane Labed, Ginger Romàn, Karim Leklou, Andreas
    Konstantinou
    frei­ge­ge­ben ab 12 Jahren (FSK Prüfkarte)

    Termine:

     

    Trailer „Die Welt sehen” OmU from Peripher Filmverleih on Vimeo.

    Verleih mit Unterstützung des:

     

     A film by Muriel and Delphine Coulin. In frensh with ger­man subtitles.

    At the end of their tour of duty in Afghanistan, two young military
    women, Aurore and Marine, are given three days of »decom­pres­si­on
    lea­ve« with their unit at a five-star resort in cyprus. Here, among tourists,
    they are trai­ned to lea­ve their vio­lent memo­ries behind. But it’s not that
    easy to for­get the war.

    »What do you see when you go to war? Nothing. First of all, becau­se the
    moments of inac­tion at the camp are num­e­rous. Secondly, becau­se when
    the fight­ing actual­ly hap­pens you don’t see a thing – you fight for your life.
    Finally becau­se ever­yo­ne sees what hap­pen­ed from their own perspective,
    which is a par­ti­al view of rea­li­ty. During the decom­pres­si­on peri­od, Aurore
    and Marine par­ti­ci­pa­te in debrie­fing ses­si­ons that are going to make them
    think dif­fer­ent­ly about what they saw. The psy­cho­lo­gists use vir­tu­al reality
    video tools to recrea­te images in real time that cor­re­spond to the soldiers’
    nar­ra­ti­ve. The goal is for the sol­diers to distance them­sel­ves from their
    pain­ful memo­ries through words and images. (…) It is impos­si­ble – and
    per­haps not real­ly desi­ra­ble – to for­get war, the­se wars, whe­ther we have
    par­ti­ci­pa­ted from near or afar. We are remin­ded of this every day. The
    Stopover addres­ses this issue: How can we mana­ge to live despi­te having
    expe­ri­en­ced such a vio­lent episode?«
    Delphine and Muriel Coulin

    Feature Film Award winner:
    Dortmund|Cologne International Women’s Film Festival 2017

    Voir du pays
    Frankreich 2016, 102 Min., frz. OmU
    Buch & Regie: [wikilink]Delphine Coulin[/wikilink], [wikilink]Muriel Coulin[/wikilink]
    Kamera: Jean-Louis Vialard, Benoît Dervaux
    Schnitt: Laurence Briaud
    Darsteller*innen:
    Soko, Ariane Labed, Ginger Romàn, Karim Leklou, Andreas
    Konstantinou

    Trailer „Die Welt sehen” OmU from Peripher Filmverleih on Vimeo.

    Verleih mit Unterstützung des:

     

     

  • The Square

    The Square

    Ein Film von Ruben Östlund.

    Vielfach als Gesellschaftssatire gelobt, ist der Gewinnerfilm der Goldenen Palme in Cannes doch weit mehr als nur böse, komisch und absurd. Er mutet auch uns Zuschauenden Fragen nach Eigenverantwortung, Moral und Integrität zu.

    Der Museums-Chefkurator Christian ist smart, erfolg­reich und bemüht, alles rich­tig zu machen: ver­läß­lich sein, ver­ant­wor­tungs­voll han­deln, empa­thisch auf sei­ne Umgebung zu reagie­ren. Er liebt sei­ne Arbeit und die Auseinandersetzung mit der Kunst. Jetzt aber lau­ern Hindernisse und Fallstricke auf sei­nem Weg: eine neue Ausstellung im Stockholmer Museum für zeit­ge­nös­si­sche Kunst ist zu bewer­ben, lei­der ist die Künstlerin zu unbe­kannt und ihr Werk wenig pro­vo­ka­tiv. Ein beson­de­res Gala-Diner zu Ehren der Sponsoren des Kunsttempels for­dert ihn her­aus. Die Journalistin Anne, mit der er eine Nacht ver­brach­te, stellt sein Verhältnis zu Frauen auf den Prüfstand, und auch sei­ne zwei Töchter bean­spru­chen ihn. Bei einem per­for­mance-arti­gen Straßenraub ver­liert er Smartphone und Portemonnaie, doch mit Hilfe der Kollegen kann die Beute mit­tels moder­ner Technik geor­tet wer­den. Die danach getrof­fe­nen Maßnahmen kata­pul­tie­ren ihn aller­dings aus sei­ner Komfortzone, und auch das Promotionsvideo für die Ausstellung und die Performance beim Festessen ent­wi­ckeln sich desaströs.

    In Ruben Östlunds Filmen geht es meist um eine gro­ße Verunsicherung – er schickt sei­ne Protagonisten in unan­ge­neh­me und kon­flikt­rei­che Situationen, aus denen sie dann nur mit viel Mühe wie­der her­aus­fin­den. Das war bei Play – Nur ein Spiel und bei Höhere Gewalt so und ist es auch hier (ein „Gesamtwerk, das die libe­ra­le Gesellschaft mit sich selbst kon­fron­tiert” – Cargo #35). Schön ist das für die Figuren nicht, aber immer­hin sind es unge­fäh­re Alter Egos des Regisseurs, er weiß um ihre Lage und fühlt mit ihnen. Bei The Square hat er die Schrauben aller­dings noch ein wenig ange­zo­gen, und Christian rutscht Stück für Stück tie­fer in sei­nen Schlamassel hin­ein, was sehr erkennt­nis­reich und dabei wahl­wei­se ver­gnüg­lich, pein­lich oder schmerz­haft ist. Eines ist es aber, trotz ande­rer Verlautbarungen und Rezensionen, mit­nich­ten: eine Abrechnung mit moder­ner Kunst oder Political Correctness.

    Ach ja, der Titel: der im Film als Teil der neu­en Ausstellung vor­kom­men­de „Square” ist eine Installation von Östlund und sei­nem Produzenten Kalle Bomann von 2014, die inzwi­schen in zwei Schwedischen und Norwegischen Städten zu erle­ben ist, ein Platz, wo man sich an die eige­ne Verantwortung für die Gesellschaft erin­nern und sicher füh­len soll.


     
    Credits:
     

    Schweden 2017, schw. OmU, 142 Min.
    Regie & Buch: [wikilink]Ruben Östlund[/wikilink]
    Darsteller: Claes Bang, Elisabeth Moss, Dominic West, Terry Notary, Christopher Laesso, Jan Lindwall
     
    Termine:


     

    https://1f5ad49-trailerloop-production.s3.amazonaws.com/uploads/asset_preview/video/file/49304/mp4_a_M8lPmYrKWjdw.mp4A film by Ruben Östlund. In swe­dish with ger­man subtitles.

    The Square is a 2017 Swedish sati­ri­cal dra­ma film direc­ted by Ruben Östlund and star­ring Claes Bang, Elisabeth Moss, Dominic West, and Terry Notary. The film is about publi­ci­ty sur­roun­ding an art instal­la­ti­on, and was part­ly inspi­red by an instal­la­ti­on Östlund and pro­du­cer Kalle Boman had made. It was shot in Gothenburg, Stockholm and Berlin.

    The film was ente­red into the 2017 Cannes Film Festival, whe­re it recei­ved posi­ti­ve reviews and won the Palme d’Or. It was sub­se­quent­ly sel­ec­ted for the 2017 Toronto International Film Festival.

    In the after­math of the aboli­ti­on of the Monarchy of Sweden, the Stockholm Palace has been con­ver­ted into an art muse­um. Christian is a cura­tor at the muse­um, who finds his pro­gres­si­ve world view shaken when his mobi­le pho­ne is sto­len. While mana­ging a space set to show a new instal­la­ti­on pie­ce, he finds a public rela­ti­ons com­pa­ny to pro­mo­te the instal­la­ti­on, crea­ting a gre­at deal of cha­os. (wiki­pe­dia)

    Schweden 2017, schw. OmU, 142 Min.
    Regie & Buch: [wikilink]Ruben Östlund[/wikilink]
    Darsteller: Claes Bang, Elisabeth Moss, Dominic West, Terry Notary, Christopher Laesso, Jan Lindwall

  • Streetscapes

    Streetscapes

    Eine Filmserie von Heinz Emigholz. Vom 14. – 29.10. im fsk.

    Verleihwebseite

    Aus vier Kapiteln besteht die Serie STREETSCAPES, jedes Kapitel ist zugleich ein eigen­stän­di­ger Film, die vier Filme hän­gen aber auf unter­schied­lichs­te Weise mit­ein­an­der zusam­men und erklä­ren sich gegenseitig.

    Die Dreharbeiten für die­se Serie hat Heinz Emigholz 2013 in Tiflis, Georgien, begon­nen, in einem Aufnahmestudio, in das sich die Musiker von Kreidler ein­ge­mie­tet hat­ten, um die neue CD mit dem Titel ABC auf­zu­neh­men (Kapitel I: 2+2=22 [THE ALPHABET]).

    Das zwei­te Kapitel beschäf­tigt sich mit der Architektur des Kibbutz-Baumeisters Samuel Bickels (BICKELS [Socialism]).

    Im drit­ten Kapitel mit dem Titel des Gesamtzyklus (STREETSCAPES [Dialogue]) wird Bezug genom­men auf die ande­ren Kapitel: in einem Gespräch zwi­schen einem Psychoanalytiker und einem Filmemacher, der von sei­nen Blockaden erzählt, wird schließ­lich auch das Filmemachen ana­ly­siert, es geht dar­um, was der Filmemacher über­haupt sinn­voll fin­det am Filmemachen und was nicht und mit wel­chen Projekten er sich aktu­ell beschäf­tigt: mit den ande­ren Kapiteln aus der Serie.

    29 Bauwerke des uru­gua­ya­ni­schen Architekten und Schalenbaumeisters Eladio Dieste und – als Prolog – drei Bauwerke von Julio Vilamajó im Montevideo wer­den im vier­ten Kapitel mit dem Titel DIESTE [Uruguay] genau betrachtet.

    Ich mache das Framing, und wäh­rend ich das Bild ein­rich­te, küm­mert sich Till Beckmann um die Technik, damit ein durch­ge­zeich­ne­tes Bild dabei her­aus­kommt. Das Framing ist für mich ein foto­gra­fi­scher Akt: den Ausschnitt fest­zu­le­gen im Wissen, was man noch fil­men wird oder schon gefilmt hat. Das ist eine kine­ma­to­gra­fi­sche Entscheidung, aber gleich­zei­tig den­ke ich, dass jedes ein­zel­ne Bild so kon­zen­triert kom­po­niert sein muss, dass es für sich selbst ste­hen kann. Also nicht nur ein Füllbild oder Schnittbild sein, oder wie man das so nennt beim Filmemachen. Das ist eine kom­po­si­to­ri­sche Anstrengung, die auch in der Fotografie zu fin­den ist. Hier kommt aller­dings das Element Zeit hin­zu. Die Dauer und der Schnitt, der ja immer ein Science-Fiction-haf­ter Eingriff ist in die Zeitkonstruktion.“ Heinz Emigholz

    D 2013 – 2017, 407 Min.,
    Buch, Regie: Heinz Emigholz
    Kamera, Schnitt: Heinz Emigholz, Till Beckmann

    Wir freu­en uns, dass Heinz Emigholz zwei­mal im fsk zu Gast sein wird:
    Am 15.10. fin­det nach der Vorführung von STREETSCAPES [Dialogue] (Filmstart: 14:30) ein Gespräch zwi­schen Heinz Emigholz und dem Architekten Arno Brandlhuber statt;

    am 22.10. wird es nach BICKELS [Socialism] (Filmstart: 15:00) ein zwei­tes Filmgespräch geben, ange­fragt dafür ist der Leiter des Forums der Berlinale, Christoph Terhechte.

    wei­te­re Termine:

    Sa 14.10. 2+2 80′ 15.45
    So 15.10. Streetscape 132′ + FG 14.30

    Sa 21.10. 2 + 2 80′ 13.00
    Sa 21.10. Streetscape 132′ 15.00
    So 22.10. Dieste 95′ 13.00
    So 22.10. Bickels 92′ 15.00

    Sa 28.10. Bickels 92′ 13.30
    Sa 28.10. Dieste 95′ 15.30
    So 29.10. Streetscape 132′ 13.15
    So 29.10. 2 + 2 80′ 15.45

    STREETSCAPES I Trailer (Deutsch/English) | 4 Films by Heinz Emigholz (2020) ᴴᴰ
    are streets, paths, high­ways, alleys, dirt tracks and pro­me­na­des… And the­re are cour­ses of lives, thirst­lands, cross­roads and dead ends…

    German thea­tri­cal release date: October 12th, 2017 - English or German with English subtitles

    Film dis­cus­sions with Heinz Emigholz & Arno Brandlhuber on October 15th (14:30)
    and with Heinz Emigholz & guests on October 22nd (15:00) at fsk-Kino Berlin!

    • fsk-Kino Berlin: October 14, 15, 21, 22, 28, 29

    Everyone Experiences Space Differently”

    An Interview with Heinz Emigholz at the Akademie der Künste by Christoph Terhechte

    With the four-part “Streetscapes” series show­ing at this year’s Forum, direc­tor Heinz Emigholz and Forum head Christoph Terhechte met at the Akademie der Künste at Hanseatenweg, one of the key scree­ning venues for Forum and Forum Expanded. They spo­ke about framing and editing in archi­tec­tu­re films, the Akademie buil­ding and the neces­si­ty of rese­arch trips. (Source: arsenal-berlin.de)

    In STREETSCAPES [DIALOGUE], you stage a con­ver­sa­ti­on with psy­cho­ana­lyst Zohar Rubinstein befo­re the back­drop of buil­dings by Eladio Dieste and various others, with American actor John Erdman in the role of the film­ma­ker and Argentinian direc­tor Jonathan Perel in the role of the psy­cho­ana­lyst. Was the con­ver­sa­ti­on always inten­ded to form some sort of script?

    No. That only emer­ged over the cour­se of the five-day con­ver­sa­ti­on, which is what’s unu­su­al about the film: it’s during the con­ver­sa­ti­on its­elf that the direc­tor comes up with the idea of making the film we see. It’s the­re that a tem­po­ral inver­si­on takes place. The film depicts a pro­cess that’s actual­ly impos­si­ble to depict. But I asked Zohar before­hand if the­re was any reason why I couldn’t record our con­ver­sa­ti­on, as I was worried I might for­get some­thing. That obvious­ly goes against stan­dard psy­cho­ana­ly­ti­cal prac­ti­ce. As it was clear to him that we weren’t doing any sort of clas­si­cal psy­cho­ana­ly­sis, but rather an inter­ven­ti­on or “mara­thon”, as he cal­led it, he was fine with it.


    2+2=22 [THE ALPHABET] by Heinz Emigholz

    The con­ver­sa­ti­on bet­ween the two of you also revol­ves around the idea of crea­ti­ve blocks and the strength nee­ded to bring a work to com­ple­te. What made you want to get four films off the ground at the same time?

    The four films were actual­ly made over the cour­se of three years. I shot 2+2=22 [THE ALPHABET] in October 2013 alre­a­dy, but then I didn’t know whe­re to go with it and put it asi­de. Talking to Zohar sud­den­ly pro­vi­ded me with the solu­ti­on as to how the films could be made to fit tog­e­ther. The dia­lo­gue with the psy­cho­ana­lyst is obvious­ly the key to the other films. I edi­ted the dia­lo­gue down to the parts that focus on film­ma­king. I ori­gi­nal­ly had 260 pages, of which 60 remain­ed at the end. The basic struc­tu­re is an ana­ly­sis of film­ma­king that then its­elf beco­mes a film. My archi­tec­tu­re films were often cri­ti­cis­ed for not inclu­ding any sort of text, for show­ing spaces but not explai­ning any­thing. This is what now takes place in the third film. In STREETSCAPES [DIALOGUE], the film­ma­ker recounts what makes sen­se to him when making films. In this sen­se, the­se four films each offer expl­ana­ti­ons for one another.

    You’ve brought your archi­tec­tu­re films tog­e­ther under the title of “Photography and bey­ond”. Why pho­to­gra­phy and not cinematography?

    I do the framing and while I’m pre­pa­ring the image, Till Beckmann takes care of the tech­ni­cal side of things so that an opti­mal image is crea­ted. I see framing as a pho­to­gra­phic act: set­ting out the frame in full awa­re­ness of what you’re still going to film or what you’ve alre­a­dy film­ed. That’s a cine­ma­to­gra­phic decis­i­on, but at the same time, I think that each indi­vi­du­al image has to be com­po­sed in such con­cen­tra­ted fashion that it can stand for its­elf, rather than just fil­ling in a gap or being included for editing pur­po­ses. That’s the same com­po­si­tio­nal effort also found in pho­to­gra­phy. Yet the ele­ment of time plays a part here too. Duration and editing are always an inter­ven­ti­on into how time is con­s­truc­ted, almost like in sci­ence fiction.

    The approach to framing used in your archi­tec­tu­re films has deve­lo­ped into a sort of trade­mark of yours. Architectural pho­to­gra­phy is usual­ly much more con­ser­va­ti­ve than your way of gras­ping spaces photographically.

    That came about on the one hand from my fea­tures. “Die Wiese der Sachen” and “Der zyni­sche Körper” were alre­a­dy to a lar­ge ext­ent devo­ted to archi­tec­tu­re, the only dif­fe­rence being that the­re were still actors wan­de­ring around and say­ing stuff. But I wan­ted to get away from such fore­ground-back­ground rela­ti­onships, as I felt that the so-cal­led back­ground was just as important as the fore­ground. When I left out the actors, I could, of cour­se, devo­te mys­elf far more to spaces. All spaces have a par­ti­cu­lar lan­guage and you have a par­ti­cu­lar sen­se of them. You approach such spaces, which also takes place via the sound­track, of cour­se, and place your body within each one, as it were. The pho­to­graph emer­ges from how I react to this space. I lucki­ly don’t have the same pro­blem as archi­tec­tu­re pho­to­gra­phy, wher­eby ever­y­thing has to be encap­su­la­ted within three images. I have enti­re sequen­ces and can thus put much more com­pli­ca­ted spaces back tog­e­ther. You call it a trade­mark, but such films actual­ly never exis­ted befo­re. The first of them were shown at the Forum in 2001. I shot them in the 1990s and thought that it was a cru­cial idea, yet also a simp­le one, to enter buil­dings and show how the rooms unfold within them. I thought that the­re must alre­a­dy be thou­sands of films like this, but the­re weren’t. I don’t want to use that dumb expres­si­on “uni­que sel­ling point”, but what you refer to as trade­mark just deve­lo­ped from the logic I app­ly to space. Everyone expe­ri­en­ces space differently.

    If I may equa­te you with the prot­ago­nist of STREETSCAPES [DIALOGUE], which is, of cour­se, a fic­tion film, then you descri­be yours­elf as a nomad equal­ly capa­ble of being in Berlin or in a hotel room in Montevideo to which you have no real con­nec­tion. Yet archi­tec­tu­re pre­sup­po­ses the very oppo­si­te of this. Whether public archi­tec­tu­re like the Akademie der Künste whe­re we are right now or resi­den­ti­al archi­tec­tu­re: buil­dings are immo­va­ble, they seek to crea­te a home.

    I some­ti­mes fan­ta­sise about what would it be like if I actual­ly lived in the house I’m film­ing. Sometimes it’s a hor­ri­ble thought. Architecture takes on so many dif­fe­rent tasks. Let’s take Bickels’ kib­butz archi­tec­tu­re, for exam­p­le: I would have loved to live in such a con­text. But this con­text hard­ly exists any more or hasn’t yet re-emer­ged. What I find inte­res­t­ing about all the many archi­tec­tures I now have in my head is that I can lie down and say to mys­elf: now I can remem­ber exact­ly how it was being in one place or ano­ther. It’s like taking a holi­day in your own mind – thanks to the brain’s odd capa­ci­ty to con­ju­re up spaces anew. There’s some­thing soot­hing about that. But I’m inte­res­ted in a wide ran­ge of dif­fe­rent con­s­truc­tions, par­ti­cu­lar­ly in rela­ti­onship to film, and not the one dream house built for me. And I’m equal­ly inte­res­ted in all the myri­ad tasks lin­ked to con­s­truc­tion: social housing, cul­tu­ral buil­dings, bridges, engi­nee­ring struc­tures. I’m inte­res­ted in bridges but I wouldn’t like to live under one.

    Do you some­ti­mes dream of architecture?

    Yes, very much so, that’s what my next pro­ject is about. It’s about the grammar of dreams, about jum­ping back and forth in time or inver­ting it, about the rup­tures in how you expe­ri­ence a dream and the impos­si­bi­li­ty of it ever being repea­ted. And archi­tec­tu­re has always play­ed a big part in my dreams, also con­s­truc­tions of a threa­tening natu­re. I also explo­red that in the dis­cus­sion with Zohar Rubinstein.


    STREETSCAPES [DIALOGUE] von Heinz Emigholz

    How do you choo­se the archi­tects who­se buil­dings you then dedi­ca­te your films to? I remem­ber our mee­ting one time in Buenos Aires, whe­re the Bafici fes­ti­val was taking place in a for­mer mar­ket hall who­se con­cre­te archi­tec­tu­re fasci­na­ted you.

    I’d never heard of archi­tect Viktor Sulčič befo­re. After I saw the buil­ding, I went to the city archi­ve and loo­ked up ever­y­thing he’d built in Buenos Aires. Then I went to see it all. That’s how it hap­pens. I don’t fol­low any sort of text­book entit­led “The Most Important Architecture in the World” or such like. I love com­pli­ca­ted spaces and some archi­tects are capa­ble of buil­ding them and others aren’t. I’m not ena­mo­u­red of faça­de artists, but rather buil­ding that is con­s­truc­ti­ve. I used to have a list of favou­ri­tes, which I work­ed my way through, but then the­re were always new names being added to the list, like Bickels or Sulčič, who I hadn’t heard of befo­re. I also look at pho­to­graphs, of cour­se, befo­re I head out on a rese­arch trip and I often don’t reco­g­ni­se the buil­dings from the pic­tures taken of them, as they’re so hea­vi­ly dis­tor­ted by pho­to­gra­phic inter­ven­ti­ons such as wide-ang­le len­ses that I have a total­ly dif­fe­rent fee­ling of space when I’m actual­ly the­re. That’s exact­ly my the­me: you have to be the­re to be able to reco­g­ni­se it. I’ve been going on the­se trips for deca­des now, they’ve been extre­me­ly important to me. You go the­re with a small team, there’s no pres­su­re and you have time to pro­per­ly enga­ge. That was a gre­at peri­od for me. There was so much lying fallow. I’m sick and tired of the self-righ­teous­ness of the modern archi­tec­tu­ral canon becau­se the­re are so many dis­co­veries wai­ting to be made that are sim­ply not unco­ver­ed. There are too few peo­p­le enga­ging with the subject.

    Four years ago, Forum Expanded took place at the St. Agnes Church in Kreuzberg, which was built by Berlin archi­tect Werner Düttmann. For three years now, we’ve also been back in the Akademie der Künste in Tiergarten, which Düttmann desi­gned down to the very last detail. What fee­ling does this place evo­ke in you?

    I’ve known the Akademie sin­ce the 1960s, when I came to Berlin for the first time. It was always a place that was extra­or­di­na­ri­ly stran­ge and attrac­ti­ve for me, both in its pro­por­ti­ons and in the way it con­nects exhi­bi­ti­ons spaces with rooms to sit down in and hold dis­cus­sions. And then there’s the ama­zing cine­ma audi­to­ri­um. I think it was 1974 that I had my first films at the Forum, I wasn’t the­re mys­elf that year, but rather in the US. When I came back, the Forum still used to take place in the sum­mer and was based here, which was ama­zing. In 2012, it was also the loca­ti­on for our Think:Film con­fe­rence with over 300 par­ti­ci­pan­ts and we noti­ced in the pro­cess how well the buil­ding is divi­ded up into rooms which you can with­draw to, rooms whe­re you can hold dis­cus­sions in smal­ler groups, and then there’s the lar­ge forum and so on. And then of cour­se there’s the fact that the buil­ding is loca­ted in the midd­le of this park. It’s stran­ge that the buil­ding hasn’t just retai­ned its ori­gi­nal charm, but has actual­ly beco­me more char­ming over the years. Right now there’s so much talk about con­s­truc­ting buil­dings that are com­mu­ni­ca­ti­ve. There was just a com­pe­ti­ti­on announ­ced about the 20th cen­tu­ry gal­lery and then you hear that axes were estab­lished that run through the buil­ding, with a com­mu­ni­ca­ti­on point loca­ted at its cent­re. Those are such oddly abs­tract ide­as. Yet all that has alre­a­dy been rea­li­sed in this buil­ding, the­re was no need to invo­ke any grand-sca­le axis phi­lo­so­phy. I also like the building’s form, the stran­ge rec­tan­gu­lar block, the quad­ran­gles and also the audi­to­ri­um with the stage you can per­form on from two dif­fe­rent sides. The buil­ding still exerts the same fasci­na­ti­on it did near­ly 60 years ago now.

    In your film BICKELS [SOCIALISM], you place a grea­ter focus on how the loca­ti­ons are used than in your other archi­tec­tu­re films. I could feel your sen­se of melan­cho­ly about some­thing being built for a pur­po­se that no lon­ger exists.

    I came across Bickels by acci­dent becau­se I found how the light is con­s­truc­ted in his muse­um in Ein Harod so unbe­lie­va­ble and was remin­ded that Renzo Piano adopted the same con­s­truc­tion as Bickels for his muse­um buil­ding in Houston, Texas. Bickels was a very edu­ca­ted man, his libra­ry is part of the muse­um in Ein Harod. But his main inte­rest was the spe­cial requi­re­ments of kib­but­zim and cul­tu­ral buil­dings. Yet he was also con­cer­ned with how buil­dings rela­te to one ano­ther, public squa­res, the many thea­tres that now often lie emp­ty sin­ce tele­vi­si­on has asser­ted its aut­ho­ri­ty. That inte­res­ted me more and more: how is the social moment situa­ted within the kib­butz? Culture is extre­me­ly important in the kib­butz move­ment. Bickels show­ed con­sidera­ble inven­ti­on in con­ti­nu­al­ly working on new solu­ti­ons that were then rea­li­sed in a par­ti­cu­lar kib­butz. It’s also inte­res­t­ing that he work­ed with the who­le coll­ec­ti­ve on this. It wasn’t about the star archi­tect tur­ning up and just buil­ding some­thing, but rather ever­y­thing was dis­cus­sed very pre­cis­e­ly: what do we need, what can we afford, what dimen­si­ons should the buil­ding have and what sta­tus does it have within our com­mu­ni­ty? That’s a uto­pian form of con­s­truc­tion. It’s the oppo­si­te of stan­dard con­s­truc­tion, whe­re often not­hing more is crea­ted than a sculp­tu­re for the archi­tect. I des­pi­se it when the sculp­tu­ral is para­ded in such a way. That’s why the who­le pro­ject is cal­led “Streetscapes”, it’s about being out on the street and see­ing what cat­ches your eye. No indi­vi­du­al buil­dings are picked out and pre­sen­ted as masterpieces.


    BICKELS [SOCIALISM] von Heinz Emigholz

    The epi­lo­gue of the fourth film DIESTE [URUGUAY] shows the works that this Uruguayan archi­tect rea­li­sed at the end of his life in Spain. They come across like a mockery of his buil­dings in Uruguay.

    They’re smal­ler ver­si­ons of the churches we saw in Uruguay, but in Spain they don’t work. They’re per­haps more pho­to­ge­nic becau­se they’re smal­ler and more com­pact, but all that we heard from the peo­p­le using them in Spain is that they’re use­l­ess. They’re too hot in sum­mer and too cold in win­ter and the con­gre­ga­ti­on prays in the cel­lar, becau­se ups­tairs it’s eit­her too hot or too cold. Those were his last years and he was just repea­ting hims­elf sty­li­sti­cal­ly. But when you see the Iglesia de San Pedro in Durazno, whe­re the brick hexa­gons are pla­ced within one ano­ther and then you see it in Spain with dou­ble-paned glass, smal­ler but also hea­vier, then you also reco­g­ni­se the histo­ry of an archi­tect who stay­ed true to his for­mal con­cept, even if it no lon­ger real­ly worked.


    DIESTE [URUGUAY] von Heinz Emigholz

     

  • Die Einsiedler

    Die Einsiedler

    Ein Film von Ronny Trocker.

    Die Einsiedler erzählt die Geschichte von Albert, der den elter­li­chen Bergbauernhof ver­las­sen hat um sich im Tal eine Existenz auf­zu­bau­en. Parallel dazu wird das Leben der Mutter auf dem abge­schie­de­nen Hof gezeigt. Ein Leben voll har­ter Arbeit und Entbehrungen, das sie ihrem Sohn unter allen Umständen erspa­ren will. Dazu ist sie sogar bereit, den Unfalltod ihres Mannes zu ver­tu­schen. Doch Albert fin­det her­aus, was gesche­hen ist. Am Ende steht er vor der Entscheidung, Tradition und Pflichtgefühl oder Aufbruch und Neubeginn, so als ob es aus dem Gefängnis der Vergangenheit kein Entrinnen gibt und sich kein Weg für die Zumutungen der Gegenwart öffnet.
    „Die schrof­fe Schicksalswelt der Berge: Oben, auf einem alten, her­un­ter­ge­kom­me­nen Hof, die Eltern iso­liert und sprach­los, unten im Marmorbruch schuf­tet der ein­zig ver­blie­be­ne Sohn, der sich nach Nähe sehnt. Der Autor und Filmemacher Ronny Trocker erzählt in Die Einsiedler radi­kal und ein­dring­lich von Abschied, Veränderung und Liebe. Vor monu­men­ta­ler Kulisse führt er sein gran­dio­ses Ensemble, allen vor­an Ingrid Burkhard als unsen­ti­men­ta­le und har­te Bergbäuerin, durch eine so schweig­sa­me wie unwirt­li­che Welt. Die Einsiedler hat die Jury über­zeugt, weil er Raum schafft für Bilder, die über das Gezeigte hin­aus gehen.“ (aus der Jury Begründung für den „Fünf Seen Filmpreis“)

    Österreich 2016, 100 Min.
    Regie: Ronny Trocker
    Kamera: Klemens Hufnagl
    Schnitt: Julia Drack
    mit: Andreas Lust, Ingrid Burkhard, Hannes Perkmann, Peter Mitterutzner, Oris Toth 

    https://1f5ad49-trailerloop-production.s3.amazonaws.com/uploads/asset_preview/video/file/49265/public_YhhJP_he2p5Rjw.mp4A film by Ronny Trocker.  In german.

    Albert grew up on a remo­te farm in South Tyrol. On the urging of his mother, who wan­ted to spa­re her son the loneli­ne­ss of moun­tain life, he left the farm a few years ago and moved into the val­ley, whe­re he works in a marb­le quar­ry. The intro­ver­ted young man does­n’t make fri­ends easi­ly and has to learn to live in urban socie­ty. When his father has a fatal acci­dent, his mother keeps it secret from her son becau­se she fears that would make him move back to the farm. But the old woman can­not mana­ge all the work on her own and, just as Albert is fin­ding his feet in the val­ley and has even fal­len in love, she tells him the truth. Albert is con­fron­ted with an exis­ten­ti­al decis­i­on for hims­elf and his mother. The film uses stun­ning pho­to­gra­phy to por­tray an archaic world in which humans and natu­re co-exist clo­se­ly together.

    Österreich 2016, 100 Min.
    Regie: Ronny Trocker
    Kamera: Klemens Hufnagl
    Schnitt: Julia Drack
    mit: Andreas Lust, Ingrid Burkhard, Hannes Perkmann, Peter Mitterutzner, Oris Toth 

  • Happy End

    Happy End

    Ein Film von Michael Haneke.

    Ich schau‚ halt ger­ne Filme. Inzwischen mache ich sie auch ger­ne“ M. Haneke

    Bei sei­ner 7. Wettbewerbsteilnahme in Cannes bleibt sich der „der gro­ße Autoritäre des gegen­wär­ti­gen euro­päi­schen Autorenkinos“ (critic.de) treu: gleich­sam böse wie prä­zi­se ana­ly­siert und seziert er eine wohl­ha­ben­de Familie, ihr nicht-Verhältnis und ihre Ignoranz. Wütend ist er dabei, und geht manch­mal mit grim­mem Humor zur Sache. Die Unternehmerfamilie Laurent lebt in einer luxu­riö­sen Großstadtvilla in Calais, der Transitstation von Geflüchteten in Europa. Das geht an den Laurents natür­lich völ­lig vor­bei, haben sie doch ganz ande­re Probleme. Patriarch Georges (Jean-Louis Trintignant kehr­te für Haneke noch ein­mal vor die Kamera zurück) erfreut sei­ne Verwandten mit poin­tier­ten sar­do­ni­schen Bemerkungen, sehnt sich aber eigent­lich nach dem Tod. Tochter Anne muss einen schwe­ren Unfall auf einer ihrer Baustellen ver­tu­schen, die Ehe von Sohn Thomas sieht auch bes­ser aus, als sie ist, und die 13-jäh­ri­ge Enkelin Eve passt sich den Familienverhältnissen bereits gut an.

    Ich kann kei­nen Film über Immigranten machen, weil ich zuwe­nig über sie weiß. Ich habe weder mit ihnen gelebt, noch bin ich sel­ber einer. … Wovon ich aber sehr wohl etwas ver­ste­he, ist von unse­rer Haltung gegen­über Immigranten.« sagt Haneke im Kurier-Interview, und auch: »Der Film ist kei­ne Tragödie. Wir sind ja einer Tragödie nicht mehr wür­dig. Es ist eine Farce und auch als sol­che gedacht. … Es ist eigent­lich unmög­lich, uns noch ernst zu neh­men, denn die Leiden fin­den rund­her­um statt. Wir, in den ver­wöhn­ten Ländern, sehen es als Fernsehbericht, als Schauspiel: Wir sind nicht drin, wir kön­nen es von außen betrach­ten.“ M. Haneke

    Happy End ist ein sati­ri­scher Alptraum des Reichtums im groß­bür­ger­li­chen Europa: So klar, bril­lant und unver­söhn­lich wie Halogenlicht. Es ist so mit­rei­ßend wie eine teuf­li­sche Soapopera, eine Dynastie der ver­lo­re­nen Seelen.“ The Guardian

    F, D, Österreich 2017, 110 Min., franz. OmU
    Regie & Buch: [wikilink]Michael Haneke[/wikilink]
    Kamera: Christian Berger
    Schnitt: Monika Willi
    mit: Isabelle Huppert, Toby Jones, Jean-Louis Trintignant, Mathieu Kassovitz, Franz Rogowski, Laura Verlinden, Fantine Harduin, Loubna Abidar

    https://1f5ad49-trailerloop-production.s3.amazonaws.com/uploads/asset_preview/video/file/46110/mp4_SeLjUy7_AJrmFQ.mp4A film by Michael Haneke. In french with ger­man subtitles.

    A dra­ma about a fami­ly set in Calais with the European refu­gee cri­sis as the backdrop.

    F, D, Österreich 2017, 110 Min., franz. OmU
    Regie & Buch: [wikilink]Michael Haneke[/wikilink]
    Kamera: Christian Berger
    Schnitt: Monika Willi
    mit: Isabelle Huppert, Toby Jones, Jean-Louis Trintignant, Mathieu Kassovitz, Franz Rogowski, Laura Verlinden, Fantine Harduin, Loubna Abidar

  • Die Nile Hilton Affäre

    Die Nile Hilton Affäre

    Ein Film von Tarik Saleh.

    Kairo, am Vorabend der Revolution in Ägypten. In der Luxussuite des Hotels Nile Hilton liegt die bekann­te Popsängerin Lalela, tot. Ihr wur­de der Hals auf­ge­schlitzt und ins Gesicht geschla­gen. Alles deu­tet auf ein Verbrechen aus Leidenschaft hin. Eine jun­ge Sudanesin Salwa (Mari Malek) macht im Hotel sau­ber. Sie hört ein Geräusch. Sie sieht den Täter. Aber sie will nicht aus­sa­gen. Sie hat Angst, ihren Job zu ver­lie­ren. Polizist Noredin (Fares Fares), der sich nach dem Tod sei­ner Frau nur noch mit Tabletten und Alkohol betäubt, über­nimmt die Ermittlungen.

    Ziemlich bald ver­mu­tet der hart gesot­te­ne, des­il­lu­sio­nier­te Cop, dass die Elite des Landes in den Mordfall ver­wi­ckelt ist. Schließlich war sie dort mit dem rei­chen Immobilienhändler und Politiker Hatem Shafiq (Ahmed Selim) ver­ab­re­det, mit dem sie eine Affäre hat­te. Doch sein Vorgesetzter und Onkel Kammal (Yasser Ali Maher) bremst ihn gna­den­los aus. Der bri­san­te Fall soll als Selbstmord zu den Akten gelegt wer­den. „Sie hat sich selbst die Kehle durch­ge­schnit­ten“, ver­sucht Noredin ihn aus der Reserve zu locken. Umsonst.

    Noredin frei­lich beißt sich fest. Legt sich mit allen an. Plötzlich taucht die hüb­sche Freundin der Toten auf. Die mys­te­riö­se Gina (Hania Amar). Sie ver­hilft ihm nicht nur zu neu­en Hinweisen. Und auch der ver­däch­ti­ge Politiker will plötz­lich, dass er den Fall auf­klärt. Durch Korruption und poli­ti­sche Intrigen stol­pert Noredin von einer Falle in die nächs­te. Die Staatssicherheit zieht der­weil im Hintergrund die Fäden. Auf dem Tahir Platz kommt es bei einer Demonstration zum Showdown.

    Atmosphärisch dicht insze­niert Regisseur Tarek Saleh das düs­te­re Stimmungstableau sei­nes klas­si­schen Noir-Krimis. Dabei kann der Schwede mit ägyp­ti­schen Wurzeln sich bei sei­nem erhel­len­den Politthriller voll auf sei­nen exzel­len­ten Hauptdarsteller Fares Fares ver­las­sen. Der talen­tier­te Schauspieler ver­leiht sei­ner Figur als brü­chi­ger, des­il­lu­sio­nier­ter Held ein ein­deu­ti­ges Profil. Nicht umsonst wur­de das fes­seln­de Gesellschaftsportrait beim dies­jäh­ri­gen Sundance Film Festival mit dem Grand Jury Prize (World Cinema – Dramatic) aus­ge­zeich­net und auch beim Münchner Filmfest begeis­tert aufgenommen.

    Luitgard Koch | programmkino.de

    Ich hat­te nie vor, einen poli­ti­schen Film zu dre­hen. Im Gegenteil, ich woll­te eher einen per­sön­li­chen Film machen. Es geht dar­um, dass man nicht nur ein wenig kor­rupt sein kann. Das funk­tio­niert nicht. Entweder man ist es oder nicht.
    Korruption in Ägypten ist nicht das Gleiche, wie Korruption in Europa. In Ägypten ent­stand die Korruption, weil es für die Menschen kei­nen ande­ren Weg gab, um zu über­le­ben. Es gab immer aus­län­di­sche Machthaber. So ent­stand ein System neben dem System, um mit den Römern, den Griechen, den Türken, den Engländern oder den Franzosen, wer auch immer gera­de die Macht hat­te, zu kom­mu­ni­zie­ren. Man brauch­te stän­dig jeman­den, der in sei­nem Namen sprach. Dieses System war sehr sta­bil, es bestand seit tau­sen­den von Jahren. Nach der natio­na­len Revolution durch die die aus­län­di­schen Machthaber ver­drängt wur­den, ent­stand nicht sofort ein kom­plett neu­es System.
    Deshalb wird Korruption in Ägypten nicht so wahr­ge­nom­men wie woan­ders. Das Wort Korruption selbst zum Beispiel: Es gibt in Ägypten, also auf Arabisch das Wort „was­ta“ und das bedeu­tet „Gefallen“ oder „wen man kennt“. Jeder in Ägypten braucht „was­ta“, egal wer. Sogar der Präsident. Deshalb ist es ist kein nega­tiv, son­dern ein posi­tiv beleg­tes Wort.

    Tarik Saleh | Regisseur

    Schweden, Dänemark, Deutschland, 2017
    Regie & Drehbuch: Tarik Saleh

    Darsteller: Fares Fares, Mari Malek, Yaser Maher, Hania Amar, Ahmed Seleem, Slimane Dazi, Hichem Yacoubi, Mohamed Yousry, Ger Duany. Yasser Ali Maher.


    im Kino mit deut­schen UntertitelnA film by Tarik Saleh. In ara­bic with ger­man subtitles

    Set against the back­drop of the Egyptian Revolution, the thril­ler fea­tures a poli­ce offi­cer who inves­ti­ga­tes the mur­der of a woman. What initi­al­ly seems to be a kil­ling of a pro­sti­tu­te turns into a more com­pli­ca­ted case invol­ving the very eli­te of Egypt.

     

    The Nile Hilton Incident
    Schweden, Dänemark, Deutschland, 2017, 110 Min., arab. OmU

    Regie & Drehbuch: Tarik Saleh
    Kamera: Pierre Aïm
    Schnitt: Theis Schmidt

    Darsteller: Fares Fares, Mari Malek, Yaser Maher, Hania Amar, Ahmed Seleem, Slimane Dazi, Hichem Yacoubi, Mohamed Yousry, Ger Duany. Yasser Ali Maher.

    DIE NILE HILTON AFFÄRE | Trailer Filmclips [HD]

    im Kino mit deut­schen Untertiteln
  • Bunch of Kunst – A Film About Sleaford Mods

    Bunch of Kunst – A Film About Sleaford Mods

    Gleich drei Pop-Dokus erzäh­len im September Geschichten der elek­tro­ni­schen Musik. REVOLUTION OF SOUND. TANGERINE DREAM und CONNY PLANKTHE POTENTIAL OF NOISE erzäh­len von den bei­den sehr unter­schied­li­chen Linien der elek­tro­ni­schen Popmusik in Deutschland. Auf der einen Seite steht die eher an klas­si­scher Musik ori­en­tier­te „Berliner Schule“, zu der Tangerine Dreams Gründungsmitglied Edgar Froese zähl­te. Auf er ande­ren Conny Planks Studio in Wolperath, wo Plank zunächst expe­ri­men­tel­len Krautrock pro­du­zier­te, und mit den ers­ten Platten von Cluster, NEU!, Harmonia und Kraftwerk die Grundlagen einer völ­lig neu­en, groo­ve- und sound­ori­en­tier­ten elek­tro­ni­schen Popmusik leg­te. A BUNCH OF KUNSTTHE SLEAFORD MODS ist dage­gen ein hand­ge­strick­ter wir­ken­der Film über die Post-Punk-Band aus Nottingham, deren Sound nicht ganz zufäl­lig an die von Conny Plank pro­du­zier­ten ers­ten Platten von DAF erinnert.

    Alle drei Filme sind natür­lich auch Promo für neue Veröffentlichungen. Edgar Froese von Tangerine Dream ist zwar 2015 ver­stor­ben, hat aber Tapes hin­ter­las­sen, an denen die letz­te Besetzung sei­ner Band wei­terf­ri­ckelt. Conny Planks Sohn Stefan, der auch für den Film über sei­nen Vater ver­ant­wort­lich zeich­net, hat Rechte an Connys Bändern geerbt, und da sich Herbert Grönemeyers exqui­si­tes Groenland-Label seit län­ge­rem dar­auf spe­zia­li­siert hat, die frü­hen Meisterwerke aus dem NEU!/Cluster/Kraftwerk/Harmonia-Umfeld zu ver­öf­fent­li­chen, wird da in nächs­ter Zeit sicher auch noch eini­ges aus­ge­gra­ben wer­den. Ein Plank-Sampler ist ange­kün­digt. Die Sleaford Mods pro­du­zie­ren im Film eine neue Platte, und alle, die sie in ihrem Proberaum gefragt haben, fin­den das neue Zeug super: „Yeah, mate, it’s fuck­in‘ great!“

    Dabei ist TANGERINE DREAM zugleich der bie­ders­te und trau­rigs­te der Filme. Alexander Hacke liest einen sehr ordent­li­chen Text von Band-Gründer Edgar Froese vor, der alle his­to­ri­schen Stationen sei­nes Lebens der Reihe nach abklap­pert und dazwi­schen ein wenig New Age Philosophie streut: Zeit ist eine Illusion, eben­so die Trennung der Menschen unter­ein­an­der usw. Und ein biss­chen Musiktheorie: Die Basis der Musik ist Bach, der Basso Continuo und der Kontrapunkt usw. Persönliches ver­rät Froese selbst nicht. Am span­nends­ten sind die Momente, in denen Wegbegleiter von den ers­ten Experimenten mit elek­tro­ni­schen Musikinstrumenten erzäh­len: zunächst mit einem Rauschgenerator, der eini­ge Filter hat­te, dann mit dem legen­dä­ren EMS VCS‑3, um schließ­lich bei der Verwendung des Moog-Synthesizers als Sequenzer zu lan­den, was den typi­schen Sound der Band aus­ma­chen soll­te. Interessant sind auch Passagen über die Arbeit der Band an Soundtracks wie den für SORCERER, William Friedkins einst wegen Heiligenschändung (der Film war ein Remake von Henri-George Couzots LOHN DER ANGST) ver­ris­se­nen, inzwi­schen aber zum Kultfilm avan­cier­ten Thriller. Zu sehen gibt es nur Ausschnitte aus RISKY BUSINESS, einem Teenager-Film von 1983, aber SORCERER hät­te durch­aus mal eine Wiederaufführung ver­dient, auch wegen des inno­va­ti­ven Soundtracks, der für Tangerine Dream den Durchbruch in den USA bedeu­te­te. Obwohl die Band sich kurz danach immer wei­ter auf­löst, schil­dert REVOLUTION OF SOUND kei­nen ein­zi­gen Konflikt der Bandmitglieder unter­ein­an­der. Ab Mitte der 80er Jahre muss Edgar Froese allein wei­ter­ma­chen und umgibt sich mit wech­seln­den Massen von Studiomusikern. Die letz­ten 30 Jahre der Band wir­ken wie ein lan­ger, depres­si­ver Zerfall, der sich mit Pomp und Pseudo-Philosophie über die Runden rettet.

    CONNY PLANK war das Soundgenie und der expe­ri­men­tel­le Advocatus Diaboli hin­ter Kraftwerk, NEU!, Harmonia, Cluster, Devo, Ultravox, Les Rita Mitsouko, DAF und den Eurythmics, aber auch Italo-Popstar Gianna Nanini zähl­te zu Planks Kunden, und natür­lich eine gan­ze Reihe von Krautrock-Bands, die auch in der Doku dem Vergessen anheim­ge­fal­len sind, wie Grobschnitt, Eroc oder Jane. Die CONNY PLANK-Doku kommt per­sön­li­cher und wesent­lich ent­spann­ter daher als TANGERINE DREAM, und sie schafft es bes­ser, einen Eindruck von der Arbeitsweise und dem spe­zi­fi­schen Sound von Planks Studio ver­mit­teln, unter ande­rem weil die Ausschnitte aus den ein­zel­nen Stücken län­ger sind. Vor allem aber inter­es­siert sich Stefan Plank auf­rich­tig für die Arbeit sei­nes 1985 ver­stor­be­nen Vaters, und wenn er sagt, er ver­su­che, sich mit die­sem Film ein Stück Erinnerung an sei­ne Kindheit zurück­zu­ho­len, dann nimmt man ihm das am Ende sogar ab. Einigen Musikern scheint es ähn­lich zu gehen. Die älte­ren Herren, die einst zum Hip Hop-Duo Whodini gehör­ten, erzäh­len mit Tränen in den Augen, wie sie mit 1718, ohne vor­her jemals Brooklyn ver­las­sen zu haben, zu Plank aufs Kaff kamen: „You were our litt­le brot­her, man!“ Den Musikern, mit denen Stefan Plank spricht, ist die Liebe zu Conny anzu­mer­ken, und so trau­en sie sich auch, Geschichten zu erzäh­len, die ein weni­ger ehr­li­cher Regisseur her­aus­ge­schnit­ten hät­te. Wir erfah­ren unter ande­rem, dass der Sound von Hitlers Reden auf dem Reichsparteitag ein Vorbild für die ver­zerr­ten Gesangsaufnahmen für Plank gewe­sen ist: „Das macht Menschen zu Göttern“, soll er erklärt haben, wäh­rend er die Regler nach oben schob. Vor allem aber schil­dern sie Planks Begeisterung für das Experiment und Spontaneität und erklä­ren den Anteil, den sein krea­ti­ver Geist an den Aufnahmen hat­te. „The Potential of Noise“ ist ein völ­lig gerecht­fer­tig­ter Untertitel, denn Plank hat nicht nur das Potential des „Sounds“, jen­seits von Melodie, Rhythmus und Groove ent­deckt, son­dern den Lärm, den Soundfehler, das Nichtharmonische in die (elek­tro­ni­sche) Pop-Musik gebracht.

    Die Arbeitsweise der SLEAFORD MODS unter­schei­det sich nicht beson­ders von dem, was Gabi Delgado in der Conny-Plank-Doku von den Aufnahmen zum ers­ten DAF-Album erzählt: Robert Görl ent­wi­ckel­te mit Plank den Groove, Gabi impro­vi­sier­te dazu. Die Zusammenarbeit von Sänger Jason Williamsons mit sei­nen Partnern Simon Parfrement (bis 2012) und Andrew Robert Lindsay Fearn sieht offen­bar genau­so aus. Andrew macht den Groove, Jason impro­vi­siert, schreibt und edi­tiert im Proberaum, wäh­rend Jason und diver­se ande­re „mates“ ihn ansta­cheln. Alles mit dem heu­te übli­chen win­zi­gen Equipment: ein klei­nes Keyboard, ein biss­chen Software – der Sound der Sleaford Mods und vie­ler ande­rer moder­ner Electro-Bands lässt sich zur Not zum Preis einer E‑Gitarre der Mittelklasse repro­du­zie­ren, wäh­rend Tangerine Dream selbst als Trio gan­ze Lastwagenladungen vol­ler Equipment benö­tig­ten. SLEAFORD MODS – A BUNCH OF KUNST ist hei­ßer, wüten­der Stoff, der in der Tradition nord­eng­li­scher Bands wie The Fall und The Smiths steht. Aber ohne die Soundpioniere der sieb­zi­ger und acht­zi­ger Jahre gäbe es sie ver­mut­lich gar nicht. Dass die Wiederentdeckung des „Krautrock“ eben­falls über England, und vor allem über das vom ehe­ma­li­gen The Teardrop Explodes-Sänger Julian Cope geschrie­be­ne Buch „Krautrocksampler – One Head’s Guide to the Great Kosmische Musik – 1968 Onwards“ von 1995 geschah, ist auch ein Teil die­ser Geschichte.

    Tom Dorow

    Deutschland 2017, 103 min
    Sprache: Englisch
    Genre: Biografie, Dokumentarfilm, Musikfilm
    Regie: Christine Franz
    Drehbuch: Christine Franz
    Kamera: Christine Franz
    Darsteller: Andrew Fearn, Sleaford Mods, Steve Underwood


    A docu­men­ta­ry about the British working-class elec­t­ro-dance-punk band Sleaford Mods.

  • Körper und Seele

    Körper und Seele

    Ein Film von Ildikó Enyedi.

    Der Gewinner des Goldenen Bären – Berlinale 2017.

    Ein Hirsch und eine Hirschkuh strei­fen durch den win­ter­li­chen Wald, essen und trin­ken und schau­en sich, wie die Inszenierung uns sug­ge­riert, mal lie­be­voll, mal besorgt (und alles ande­re, was wir in sie hin­ein­se­hen wol­len) mit ihren gro­ßen Knopfaugen an. Ein wun­der­ba­res Spiel mit Projektionen. Auf der ande­ren Seite, die die­sel­be ist, sehen wir einem Personalchef eines Schlachthofes und einer neu­en Angestellten für Qualitätsprüfung und bei deren vor­sich­ti­gen Annäherungen zu. Es stellt sich her­aus, dass die Tierszene, zwar unab­hän­gig von ein­an­der geträumt und doch der gemein­sa­me Traum bei­der Protagonisten ist. Schon ist zu befürch­ten, dass mit sol­chen Analogien ein lieb­li­cher Kitsch in Bezug auf Beziehung und Liebe auf uns nie­der­geht. Zunächst bleibt es auch ein Rätsel, war­um gera­de das nicht pas­siert. Am Ende liegt es wahr­schein­lich dar­an, dass mit har­ten Kontrasten immer wie­der die dicho­to­mi­sche Erzählung geer­det und auf die Dissonanzen, Unstimmigkeiten, Gegensätze hin­ge­wie­sen wird und letzt­lich der Frage nach­ge­gan­gen wird, wie die ein­zel­nen Teile, der Körper und die Seele, har­mo­ni­siert wer­den können.

    In ihrem Regiedebüt „Mein 20. Jahrhundert“ waren es die Sterne, die sich ins Geschehen ein­misch­ten, und auch dies­mal haben sur­rea­le neben den rea­lis­ti­schen Einschlägen einen fes­ten Platz; eine unsicht­ba­re Schicksals­macht scheint über das Wohl der Figuren zu wachen. So ist „Körper und Seele“, mit dem Ildikó Enyedi im Februar 2017 den „Goldenen Bären“ bei der „Berlinale“ gewann, ein Werk, in dem Form und Inhalt mit sel­te­ner Meisterschaft zusam­men­tref­fen. Dieser Film über eine zar­te Liebe ver­rät in jeder fein kom­po­nier­ten, in war­men Farben leuch­ten­den Einstellung die Liebe zum Erzählen und zum Kino – der Welt, in der es tat­säch­lich mög­lich ist, sich gemein­sam in Träume zu ver­sen­ken. Marius Nobach | FILMDIENST

    Testről és lélekről
    Ungarn 2017, unga­ri­sche OmU, 116 Min.

    Regie, Buch: [wikilink]Ildikó Enyedi[/wikilink]
    Kamera: Máté Herbai
    Schnitt: Károly Szalai

    Mit:
    Alexandra Borbély (Mária)
    Géza Morcsányi (Endre)
    Réka Tenki (Klára)
    Zoltán Schneider (Jenő)
    Ervin Nagy (Sándor)
    Itala Békés (Zsóka, Putzfrau)
    Éva Bata (Jenős Frau)
    Pál Mácsai (Detektiv)
    Zsuzsa Járó (Zsuzsa)
    Nóra Rainer-Micsinyei (Sári, Arbeiterin im Schlachthaus)


     

     A film by Ildikó Enyedi. In hun­ga­ri­an with ger­man subtitles.

    Winner: Golden Baer – Berlinale 2017.

    A slaugh­ter­house in Budapest is the set­ting of a stran­ge­ly beau­tiful love sto­ry. No soo­ner does Mária start work as the new qua­li­ty con­trol­ler than the whis­pers begin. At lunch the young woman always choo­ses a table on her own in the ste­ri­le can­teen whe­re she sits in silence. She takes her job serious­ly and adhe­res strict­ly to the rules, deduc­ting penal­ty points for every exces­si­ve oun­ce of fat. Hers is a world that con­sists of figu­res and data that have imprin­ted them­sel­ves on her memo­ry sin­ce ear­ly child­hood. Her slight­ly older boss Endre is also the quiet type. Tentatively, they begin to get to know each other. Recognising their spi­ri­tu­al kin­ship, they are ama­zed to dis­co­ver that they even have the same dreams at night. Carefully, they attempt to make them come true. This sto­ry of two peo­p­le dis­co­ve­ring the realm of emo­ti­ons and phy­si­cal desi­re, at first indi­vi­du­al­ly and then tog­e­ther, is ten­der­ly told by direc­tor Ildikó Enyedi, but in a way that also exu­des subt­le humour. A film about the fears and inhi­bi­ti­ons asso­cia­ted with ope­ning up to others, and about how exhi­la­ra­ting it can be when you final­ly do.

    Testről és lélekről
    Ungarn 2017, unga­ri­sche OmU, 116 Min.

    Regie, Buch: [wikilink]Ildikó Enyedi[/wikilink]
    Kamera: Máté Herbai
    Schnitt: Károly Szalai

    Mit:
    Alexandra Borbély (Mária)
    Géza Morcsányi (Endre)
    Réka Tenki (Klára)
    Zoltán Schneider (Jenő)
    Ervin Nagy (Sándor)
    Itala Békés (Zsóka, Putzfrau)
    Éva Bata (Jenős Frau)
    Pál Mácsai (Detektiv)
    Zsuzsa Járó (Zsuzsa)
    Nóra Rainer-Micsinyei (Sári, Arbeiterin im Schlachthaus)