Clair Obscur

Ein Film von Yesim Ustaog­lu. Ab 7.12. im fsk. Am 7.12. mit anschlie­ßen­dem Film­ge­spräch.

Auf den ers­ten Blick könn­ten die bei­den Frau­en Seh­naz und Elmas nicht unter­schied­li­cher sein. Seh­naz, eine moder­ne, libe­ra­le Frau, lebt an der Mit­tel­meer­küs­te mit ihrem lang­jäh­ri­gen Part­ner Cem in einem schi­cken Apart­ment, wäh­rend sie in einem Kran­ken­haus als Psych­ia­te­rin arbei­tet.

Elmas hin­ge­gen ist noch als Kind mit einem älte­ren Ehe­mann ver­hei­ra­tet wor­den, der viel auf kon­ser­va­ti­ve Wer­te hält. Sei­ne Mut­ter lebt mit bei­den in einem Haus­halt und Elmas muß sich um die pfle­ge­be­dürf­ti­ge Schwie­ger­mut­ter küm­mern.

Als ihr Mann an einer Koh­len­mon­oxyd-Ver­gif­tung stirbt, da ein Sturm den Qualm  des Koh­le­ofen zurück in den Schorn­stein gedrückt hat, wird Elmas völ­lig ver­stört und unter­kühlt auf dem Bal­kon gefun­den.
Elmas wird wegen Mor­des an ihrem Mann ver­haf­tet. Nach­dem sie vom Gerichts­me­di­zi­ner unter­sucht wor­den ist, wird sie zur psy­cho­lo­gi­schen Betreu­ung zu Cheh­naz geschickt. Die­se Begeg­nung wird bei­de Frau­en grund­le­gend ver­än­dern. Sie löst einen Pro­zess aus, in dem sie ver­su­chen, ihre Pro­ble­me zu bewäl­ti­gen, die nur auf den ers­ten Blick unter­schied­lich erschei­nen.

Aus mei­ner eige­nen Erfah­rung, als Frau, Pro­du­zen­tin und Regis­seu­rin, spü­re ich deut­lich, dass die erfolg­rei­che Zukunft einer Gesell­schaft, wie der mei­nen, nur dann gestal­tet wer­den kann, wenn wir den destruk­ti­ven Kreis­laufs tra­dier­ter Ver­hal­tens­mus­ter und gesell­schaft­li­cher Struk­tu­ren in unse­rem Land durch­bre­chen, statt sie unge­fragt von Gene­ra­ti­on zu Gene­ra­ti­on wei­ter­zu­ge­ben. Dies gilt ins­be­son­de­re dann, wenn die Frei­heit der Frau und ihre sexu­el­len Iden­ti­tät dadurch gefähr­det, oder gar nicht erst zur Kennt­nis genom­men wird. Denn dies ist immer gleich­be­deu­tend mit der Ein­schrän­kung indi­vi­du­el­ler Frei­heit – egal ob die der Frau oder die des Man­nes.
Die Geschich­te von Cheh­naz und Elmas, ihre Lebens­läu­fe und auch die The­ra­pie die sie durch­lau­fen, basiert auf einer lan­gen Recher­che, auf Gesprä­chen mit Pati­en­ten und ihren Psy­cho­lo­gen und Beob­ach­tun­gen der Psy­cho­dra­ma-The­ra­pie ver­gleich­ba­rer Fäl­le.”
Yeşim Ustaoğlu

Tered­düt
Deutsch­land, Frank­reich, Polen, Tür­kei 2016, 105 Min., türk. OmU
Regie: Yesim Ustaog­lu
Dreh­buch: Yesim Ustaog­lu
Kame­ra: Micha­el Ham­mon
Schnitt: Sve­to­lik Zajc, Agnieszka Glins­ka

mit: Okan Yala­bik, Meh­met Kur­tu­lus, Fun­da Ery­igit, Ecem Uzun