Teheran Tabu

Ein Film von Ali Soo­zan­deh. Ab 16.11. im fsk.

Tehr­an Taboo“ ist eine Moment­auf­nah­me der aktu­el­len Lebens­rea­li­tät in Tehe­ran – dar­ge­stellt mit den Mit­teln der roto­sko­pier­ten Ani­ma­ti­on (ähn­lich wie bei Ari Fol­mans „Waltz with Bas­hir“). Zer­ris­sen zwi­schen dem Wunsch nach indi­vi­du­el­ler Frei­heit und der über­le­bens­not­wen­di­gen Anpas­sung schla­gen sich die vier Haupt­fi­gu­ren des Films durch das Leben: weil ihr Mann wegen Dro­gen­han­del im Gefäng­nis sitzt, arbei­tet Pari als Pro­sti­tu­ier­te, um sich und ihren Sohn Eli­as über Was­ser zu hal­ten. Sara möch­te zuerst ein­mal arbei­ten und nicht sofort Kin­der bekom­men und ver­sucht des­halb mit allen Mit­teln den ihr auf­ge­zwun­ge­nen Fami­li­en­plan ihres Man­nes zu ver­hin­dern. Der mit­tel­lo­se Musi­ker Babak hat ein ver­track­tes Pro­blem: nach einem One-Night-Stand for­dert die jun­ge Donya von ihm, die OP zu bezah­len, bei der das Jung­fern­häut­chen wie­der­her­ge­stellt wird. – Beson­ders anschau­lich zeigt sich in die­sen vier lose mit­ein­an­der ver­knüpf­ten Geschich­ten die Dop­pel­mo­ral einer Gesell­schaft, die ins­be­son­de­re den Frau­en einen stren­gen Sit­ten­ko­dex auf­er­legt, Sexua­li­tät tabui­siert und zugleich den Män­nern vie­le Aus­flüch­te ermög­licht.

Das Bild, dass die west­li­che Bevöl­ke­rung vom Iran hat ist immer sehr ver­zerrt und vol­ler Kli­schees. Es ist geprägt durch Ste­reo­ty­pen, die von „1001 Nacht“ bis zum nuklea­ren Dis­put mit dem stren­gen isla­mi­schen Regime rei­chen. Aber die Rea­li­tät, die man auf den Stra­ßen Tehe­rans erlebt ist viel­fäl­ti­ger. Frau­en im Iran haben oft einen bes­se­ren Bil­dungs­grad als Män­ner und eine viel sicht­ba­re­re Rol­le im täg­li­chen Leben als in vie­len ande­ren Isla­mi­schen Län­dern, wie z.B. Sau­di Ara­bi­en. Aber es gibt nicht die eine moder­ne ira­ni­sche Frau. Es gibt vie­le Typen, von der reli­giö­sen Fun­da­men­ta­lis­tin bis zur west­lich gepräg­ten Femi­nis­tin. Natür­lich hat letz­te­re nicht die Mög­lich­keit, sich in der Öffent­lich­keit Gehör zu ver­schaf­fen. Mein beson­de­res Inter­es­se galt der Rol­le der Frau im gesell­schaft­li­chen Spiel der Tugen­den. Sie sind die­je­ni­gen, die am meis­ten lei­den. Von Frau­en wird grund­sätz­lich erwar­tet, dass sie sich selbst und ihren Kin­dern Regeln und Tabus auf­er­le­gen, die ihre Frei­heit und die der nächs­ten Gene­ra­ti­on ein­gren­zen.“ Ali Soo­zan­deh

 

Credits

Deutschland/ Öster­reich 2017, 96 Min., far­si OmU
Regie & Buch: Ali Soo­zan­deh
Kame­ra: Mar­tin Gschlacht
Schnitt: Frank Geiger,Andrea Mer­tens
Dar­stel­ler: Elmi­ra Rafiz­adeh, Zar Amir Ebra­hi­mi, Arash Marandi, Negar Nas­se­ri, Bil­al Yasar, Mor­te­za Tava­ko­li, Ali­re­za Bay­ram, Klaus Ofc­z­a­rek

Ter­mi­ne

Di., 21. Nov.:

Mi., 22. Nov.:Do., 23. Nov.:Fr., 24. Nov.:Sa., 25. Nov.:So., 26. Nov.:Mo., 27. Nov.:Mi., 29. Nov.: