Autor: fsk

  • Transit

    Transit

    Ein Film von Christian Petzold.

    Christian Petzold hat eine Geschichte aus den vier­zi­ger-Jahren des letz­ten Jahrhundert genom­men und sie ins heu­ti­ge Marseille ver­setzt. In der Folge tau­chen in Sütterlinschrift geschrie­be­ne Briefe neben moderns­ter Polizeiausstattung auf, und vor heu­ti­gen Kreuzfahrtmonsterschiffen im Hafen wird über die aktu­el­le deut­sche Besatzung und Emigration gespro­chen. Dass es gelingt, dies weder geküns­telt noch auf­ge­setzt wir­ken zu las­sen, son­dern ledig­lich schö­ne klei­ne Irritationen aus­löst, ist eines der Besonderheiten der klu­gen Adaption von Anna Seghers titel­ge­ben­den Romans TRANSIT.
    Georg ist offen­sicht­lich noch nicht lan­ge in Marseille und kommt unver­hofft zu den Papieren des bekann­ten Schriftstellers Weidel, der sich ange­sichts der aus­sichts­lo­sen poli­ti­schen Lage das Leben nahm. Mit die­sen Unterlagen könn­te sich Georg die Tickets für die wich­ti­ge Passage nach Mexiko besor­gen. Er trifft auf Marie, die Frau des Toten, die unter­des­sen eben­falls in Marseille auf eine Nachricht von ihrem Mann war­tet. Georg ver­rät ihr nichts, zum einen, um sei­ne Identität nicht preis­zu­ge­ben, zum ande­ren, da er Marie näher­kom­men möch­te. Sie hat aller­dings bereits einen Geliebten an ihrer Seite, den Arzt Richard. Beide sind bereit zur Flucht, aber sie will aber die Stadt nicht ver­las­sen, ohne über Weidel Bescheid zu wis­sen. Aber die Zeit drängt, und schon sin­gen die Talking Heads im Abspann von der ROAD TO NOWHERE.
    Fluchtbewegungen damals und heu­te, unter­schied­lich gela­gert, Verlassen und ver­las­sen wer­den, räum­lich wie emo­tio­nal, und der Platz zwi­schen Verlassen und Ankommen – TRANSIT bringt sei­ne zahl­rei­chen Ebenen so schlüs­sig und ele­gant zusam­men, dass gar nicht direkt auf­fällt, wie kom­plex der Film ist.

    »TRANSIT ist ein klug durch­kon­stru­ier­ter, von allem insze­na­to­ri­schem Tamtam befrei­ter Film über die Unfähigkeit zu ver­ges­sen.« Michael Kienzl | critic.de

    Credits:
    Deutschland 2017, 101 Min.
    Regie: Christian Petzold
    Buch: Christian Petzold, nach dem Roman von Anna Seghers
    Kamera: Hans Fromm
    Schnitt: Bettina Böhler

    mit: Franz Rogowski, Paula Beer, Godehard Giese, Lilien Batman, Maryam Zaree, Barbara Auer, Matthias Brandt, Sebastian Hülk, Emilie de Preissac

    Termine:

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    https://1f5ad49-trailerloop-production.s3.amazonaws.com/uploads/asset_preview/video/file/63046/mp4_lhr-yCNBvfybsw.mp4A film by Christian Petzold.

    The German tro­ops are just out­side Paris. Georg escapes to Marseille at the last moment. His lug­ga­ge con­ta­ins the lega­cy of a wri­ter named Weidel, who took his own life out of fear of per­se­cu­ti­on. This lega­cy com­pri­ses a manu­script, some let­ters and the Mexican Embassy’s assu­rance of a visa. Only tho­se who can pro­ve that they will lea­ve are allo­wed in this port town, and this means you need an ent­ry per­mit from a poten­ti­al host coun­try. Assuming the iden­ti­ty of Weidel, Georg tri­es to obtain one of the few scar­ce pas­sa­ges on a ship. Talks bet­ween refu­gees take place in the cor­ri­dors of his small hotel, the wai­ting rooms of con­su­la­tes, and the cafés and bars down at the har­bour. Georg befri­ends Driss, the son of his late com­ra­de Heinz, who died whilst try­ing to flee. But when he meets the mys­te­rious Marie, his plans chan­ge. Transit is based on Anna Seghers’ epony­mous novel which she wro­te in exi­le. The film is set in con­tem­po­ra­ry Marseille whe­re the­se cha­rac­ters from the past move around. And so, refu­gees from back then meet refu­gees from today, histo­ry meets the pre­sent, and all of their sto­ries com­bi­ne to crea­te one eter­nal tran­sit space.

    Credits:
    Deutschland 2017, 101 Min.
    Regie: Christian Petzold
    Buch: Christian Petzold, nach dem Roman von [wikilink]Anna Seghers[/wikilink]
    Kamera: Hans Fromm
    Schnitt: Bettina Böhler

    mit: Franz Rogowski, Paula Beer, Godehard Giese, Lilien Batman, Maryam Zaree, Barbara Auer, Matthias Brandt, Sebastian Hülk, Emilie de Preissac

    Termine:

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  • Furusato

    Furusato

    Ein Film von Thorsten Trimpop.

    Ein fei­ner schwar­zer Staub ist das kon­kre­tes­te Artfakt einer meist unsicht­ba­ren Bedrohung, das wil­de Stakkato des Geigerzählers macht sie wahr­nehm­bar. Der Staub fin­det sich auf Straßen, Wiesen und Gebäuden in der japa­ni­schen Ortschaft Minamisōma, unweit des hava­rier­ten Atomkraftwerks Fukushima. Trotz aller Gefahr sind Menschen dort­hin zurück­ge­kehrt, wo sie ihr gan­zes Leben, zum Teil seit vie­len Generationen, ver­bracht haben und blei­ben wol­len. Tempel wer­den in Stand gehal­ten, Pferde, denen schon die Strahlenkrankheit zusetzt, gepflegt, ein Aktivist ver­sucht zu hel­fen und klagt zugleich an, ein Mitarbeiter des staat­li­chen Energiekonzerns will Rechenschaft able­gen. Im Nachbeben der Katastrophe ver­misst FURUSATO ein Verhältnis zwi­schen Technologie und dem, was man so Leben nennt. Eine Abschreitung zwei­er Landschaften, einer äuße­ren Natur, deren Beschädigung sich nur mit­tel­bar mani­fes­tiert, und einer inne­ren in Aufruhr, Betrachtungen zwi­schen Halbwertszeit und mensch­li­che­ren Dimensionen von Vergänglichkeit.

    Credits:
    Deutschland, USA 2016, 94 Min., japan. OmU
    Regie: Thorsten Trimpop
    Kamera: Thorsten Trimpop
    Schnitt: Stefan Oliveira-Pita

    Termine:

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    https://1f5ad49-trailerloop-production.s3.amazonaws.com/uploads/asset_preview/video/file/59048/mp4_oJE3Pvqc0xKXtg.mp4A film by Thorsten Trimpop.

    FURUSATO 古里 reve­als the unu­su­al rela­ti­onship bet­ween a land­scape and its inha­bi­tants. Over the cour­se of a thousand years, the exu­berant natu­re of Japan’s eas­tern coast has beco­me inter­wo­ven in the lives of its peo­p­le. Here, the earth is sacred – but now, it is tain­ted with the invi­si­ble dan­ger of radia­ti­on. For tho­se who have deci­ded to stay, the rural sce­ne sur­roun­ding the cripp­led Fukushima Daiishi nuclear power plant remains the place they call home – their furu­sa­to, the first place they expe­ri­ence as child­ren and the last one they will see befo­re they die. A monu­men­tal por­trait of a woun­ded com­mu­ni­ty and an unspa­ring look at the human cost of pro­gress, the film illu­mi­na­tes the four years that fol­lo­wed the worst nuclear dis­as­ter of our time. Here, no one mea­su­res in half-lives. This is about eternity.

    Credits:
    Deutschland, USA 2016, 94 Min., japan. OmU
    Regie: Thorsten Trimpop
    Kamera: Thorsten Trimpop
    Schnitt: Stefan Oliveira-Pita

    Termine:

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  • Festival der Demokratie

    Festival der Demokratie

    Ein Film von Lars Kollros, Alexandra Zaitseva. 

    Am 7. und 8. Juli 2017 tra­fen sich die Regierungsvertreter*innen der EU und die 19 wich­tigs­ten Industrie- und Schwellenländer der Erde in Hamburg. Innensenator Andy Grote kün­dig­te das G20-Treffen als „Festival der Demokratie“ an. Über 30.000 Polizist*innen waren in der Stadt um das Treffen zu schüt­zen, 100.000 Menschen tra­fen sich, um dage­gen zu demons­trie­ren. In der Öffentlichkeit domi­nier­ten in den Tagen Bilder von bren­nen­den Barrikaden und ran­da­lier­den Gipfelgegnern die Berichterstattung, man sprach von „skru­pel­lo­sen Gewaltakten von Kriminellen“ (und mein­te damit nicht die Polizisten). Lars Kollros and Alexandra Zaitseva beglei­te­ten die Demonstrationen mit Ihren Kameras, sehen wir nach, was da los war.
     
    D 2017 90 Min.
    Regie: Lars Kollros, Alexandra Zaitseva
    Kamera: Lars Kollros, AlexandraZaitseva, Alex Uhlig, Esther Lang
     

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    A film byn Lars Kollros and Alexandra Zaitseva. 

    At 7. and 8. July 2017 the lea­ders of the EU and the 19 most deve­lo­ped and emer­ging eco­no­mies of the world met in the city of Hamburg/Germany. The Senator of the Interior of Hamburg, Andy Grote announ­ced the mee­ting as a “Festival of Democracy”. Over 30.000 poli­ce offi­cers whe­re in the city to pro­tect it. Up to 100.000 peo­p­le came to Hamburg to pro­test against it.
    Lars Kollros and Alexandra Zaitseva accom­pa­nied the week of pro­tests with their cameras.

     
    D 2017 90 Min.
    Regie: Lars Kollros, Alexandra Zaitseva
    Kamera: Lars Kollros, AlexandraZaitseva, Alex Uhlig, Esther Lang
     

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  • True Warriors

    True Warriors

    Ein Film von Niklas Schenck und Ronja von Wurmb-Seibel.

    Bei der Premiere eines Theaterstücks über Selbstmordanschläge im fran­zö­si­schen Kulturzentrum in Kabul sprengt sich ein jun­ger Selbstmordattentäter in die Luft, Manche Zuschauer klat­schen – sie hal­ten die Explosion für eine beson­ders rea­lis­ti­sche Inszenierung. Erst als Panik aus­bricht, ver­ste­hen alle was pas­siert ist. 3 Menschen ster­ben, 40 wer­den ver­letzt. Die Regisseure arbei­te­ten in Kabul mit der Theatergruppe zusam­men und beschlie­ßen nun, mit den Beteiligten die Auswirkungen des Attentates zu dokumentieren.

     

    D 2017„90 Min., Engl., Dari OmU,
    R.: Niklas Schenck, Ronja von Wurmb-Seibel

     

    https://1f5ad49-trailerloop-production.s3.amazonaws.com/uploads/asset_preview/video/file/51142/public_CgheXh9gM28AMQ.mp4A Film by Niklas Schenck and Ronja von Wurmb-Seibel.

    Kabul, December 11, 2014. During the pre­mie­re of a theat­re play about sui­ci­de bom­bings a 17 years old boy blows hims­elf up. Some in the audi­ence clap, becau­se at first they think the explo­si­on is part of a very rea­li­stic re-enact­ment. Only when panic spreads do they rea­li­ze what happened.
    The docu­men­ta­ry film TRUE WARRIORS tells the sto­ry of the actors and the musi­ci­ans who were on stage that day. With their play, they wan­ted to make a point against the ter­ror and vio­lence that eats up their coun­try. Now they are para­ly­zed by fear. Ever get­ting on a stage again? Unimaginable! Becoming a famous musi­ci­an? Way too dangerous!
    Only when vio­lence hits a second time, some of the artists deci­de to take a dif­fe­rent approach.They beco­me ever more radi­cal as artists. Not only do they go back on stage – they also play the most dar­ing pie­ce they ima­gi­nable, on the streets of Kabul, unprotected.
    TRUE WARRIORS reminds us that if we real­ly want to defeat ter­ro­rism we need to offer more than fear and hat­red. One of the actors said after a scree­ning in Germany: „We need to move from a cul­tu­re of war to a cul­tu­re of peace – and who could lead the way but us artists?”.

     

    D 2017„90 Min., Engl., Dari OmU,
    R.: Niklas Schenck, Ronja von Wurmb-Seibel

     

  • Über Leben in Demmin

    Über Leben in Demmin

    Ein Film von Martin Farkas.

    Die letz­ten Kriegstage in Demmin müs­sen ein apo­ka­lyp­ti­scher Alptraum gewe­sen sein. Hunderte von Demminern und Demminerinnen nah­men sich zwi­schen dem 30. April und dem 4. Mai 1945, teil­wei­se noch bevor die rus­si­sche Armee die Stadt erobert hat­te, das Leben, oft ermor­de­ten sie auch ihre Kinder. Über 600 Menschen wur­den nach dem Abzug der rus­si­schen Armee in Massengräbern bei­gesetzt. Zahlreiche Frauen waren ver­ge­wal­tigt wor­den, die Stadt zum größ­ten Teil nie­der­ge­brannt und geplün­dert. Neonazi-Gruppen ver­an­stal­ten jedes Jahr einen „Gedenkmarsch“ in Demmin, der von Gegendemonstranten und meh­re­ren Hundertschaften der Polizei beglei­tet wird. Der Filmemacher Martin Farkas hat mit Zeitzeugen aus Demmin und mit jun­gen Demminern gespro­chen. Die alten Leute begin­nen nur zöger­lich über das Erlebte zu reden, dabei haben sie alle Entsetzliches erlebt. Eltern zerr­ten ihre Kinder auf Dachböden und ver­gif­te­ten sie, oder ban­den sie sich um den Leib und ertränk­ten sich mit ihnen in der Peene. Einige der inter­view­ten Überlebenden sind um Haaresbreite ent­kom­men, weil älte­re Geschwister mit ihnen recht­zei­tig flo­hen. Zu DDR-Zeiten konn­te das Thema nicht ange­spro­chen wer­den, heu­te nut­zen es die Faschisten zur Propaganda. Die alten Demminer schüt­teln ver­zwei­felt den Kopf: „Jetzt fan­gen die schon wie­der an.“ In der von sozia­lis­ti­schen Stadtplanern und Nachwende-Investoren see­len­los wie­der auf­ge­bau­ten Stadt spricht Martin Farkas auch mit einem jun­gen Neonazi-Paar, das sich dar­über auf­regt, als Nazis „abge­stem­pelt“ zu wer­den, mit all­täg­li­chen Rechtsradikalen wie einem Bäcker, der sich sehr vor­sieht, was er vor der Kamera sagt, und mit einem Möbelrestaurateur, der gern für sich bleibt, die Nazis ver­ab­scheut, und eine per­sön­li­che Überlebensstrategie in die­ser Gesellschaft ent­wi­ckelt hat. ÜBER LEBEN IN DEMMIN ist ein Film über das Schweigen, das neue Dämonen züch­tet, über alte und neue Alpträume.
    Tom Dorow | Indiekino

     

    Credits:
    Deutschland 2017, 90 min
    Regie: Martin Farkas
    Drehbuch: Jens Stubenrauch, Petra Felber, Barbara Denz, Martin Farkas
    Kamera: Roman Schauerte
    Schnitt: Jörg Hauschild, Catrin Vogt
    Musik: Mathis Nitschke

    Termine:

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    https://1f5ad49-trailerloop-production.s3.amazonaws.com/uploads/asset_preview/video/file/63500/public_amfZl81J74je1Q.mp4A film by Martin Farkas. In german.

    Hundreds of Demmin resi­dents kil­led them­sel­ves in 1945 due to their fear of the Russians. The topic could not be dis­cus­sed in the GDR, today it is used as pro­pa­gan­da by fascists.

     

    Credits:
    Deutschland 2017, 90 min
    Regie: Martin Farkas
    Drehbuch: Jens Stubenrauch, Petra Felber, Barbara Denz, Martin Farkas
    Kamera: Roman Schauerte
    Schnitt: Jörg Hauschild, Catrin Vogt
    Musik: Mathis Nitschke

    Termine:

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  • Thelma

    Thelma

    Ein Film von Joachim Trier.

    Thelma ver­lässt ihre streng reli­giö­se Familie und das Zuhause in der länd­li­chen Idylle der nor­we­gi­schen Wäldern, um in Oslo ein Studium zu begin­nen. Das Leben auf dem Campus bie­tet bis­lang nicht gekann­te Freiheiten und lockt die zurück­hal­ten­de jun­ge Frau mit neu­en, auf­re­gen­den Versuchungen. Zu ihrer Kommilitonin Anja ent­wi­ckelt sie eine ihr unbe­kann­te Vertrautheit und ver­liebt sich über bei­de Ohren in sie. Gleichzeitig lei­det Thelma plötz­lich unter uner­klär­li­chen, epi­lep­sie­ar­ti­gen Anfällen. Diese schei­nen an Häufigkeit und Intensität zuzu­neh­men, je mehr sie ihre neu­ge­won­ne­ne Freiheit aus­kos­tet. Das, und rat­lo­se Ärzte, lässt sie an über­na­tür­li­che Kräfte als Auslöser der unheim­li­chen und letzt­lich gefähr­li­chen Anfälle glau­ben. Die besorgt- kon­trol­lie­ren­den Anrufe und Besuche der Eltern las­sen zudem erah­nen, dass die mehr wis­sen als sie selbst.

    Joachim Trier (Auf Anfang | Oslo, 31. August | Louder than Bombs) hat einen ganz auf die Hauptfigur zuge­schnit­te­nen Mystery-Thriller geschaf­fen, der mit viel Empathie und wenig Spezialeffekten psy­chi­schen Druck und nahen­den see­li­schen Zusammenbruch mit Fantasy-Horror-Elementen zusam­men­bringt, in sei­ner eige­nen, für die­ses Genre unge­wöhn­lich lei­sen Art, ver­stö­rend, aber nie­mals aus­beu­te­risch, und dabei stets spannend.

    »Dieser Thriller der beson­de­ren Art strotzt vor insze­na­to­ri­scher Finesse und ist zugleich eine tief­grün­di­ge Allegorie auf das Erwachsenwerden und jenen mal mehr, mal weni­ger lau­ten Knall, der bei vie­len dazu­ge­hört. In Thelmas Fall ist es ein lei­ser Urknall.« epd-Film

    »Thelma tran­szen­diert nicht nur das Horror-Genre, son­dern erzählt auch eine der inten­sivs­ten Liebesgeschichten ver­gan­ge­ner Kinojahre. … , um als pure kine­ma­to­gra­fi­sche Kraft sein Publikum zu affi­zie­ren, wie es schon lan­ge kein Film mehr geschafft hat. Der grau­sa­me düs­te­re Kinowinter hat sein ers­tes Leinwandwunder!« Sascha Keilholz | critic.de


     
    Credits:

    Frankreich/Dänemark/Schweden/Norwegen 2017, 116 Min., nor­weg. OmU
    Regie: Joachim Trier
    Buch: Joachim Trier, Eskil Vogt
    Kamera: Jakob Ihre
    Schnitt: Oliver Bugge Coutté
    Musik: Ola Fløttum
    mit: Eili Harboe, Okay Kaya, Kaya Wilkins, Ellen Dorrit Petersen, Henrik Rafaelsen
     
    Termine:

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    A film by Joachim Trier. In nor­weg­an with ger­man subtitles.

    «THELMA is seduc­ti­ve and musi­cal in tone and struc­tu­re, with a more explo­ra­to­ry visu­al lan­guage than Joachim Trier’s ear­lier fea­tures that were more focu­sed on dia­lo­gue and expres­sed a grea­ter self-disci­pli­ne visual­ly. THELMA is more like his shorts, but obvious­ly more tem­pe­ra­te coming from his artis­tic matu­ri­ty, expe­ri­ence and tech­ni­ques. Zeitgeist is repla­ced by tim­e­l­ess­ness, cham­ber music by a sym­pho­ny. The sys­te­ma­ti­cal­ly unpre­dic­ta­ble THELMA is the director’s most com­ple­te, lyri­cal and tran­s­cen­ding film. »
    – Dag Sødholdt (Excerpt from Montages.no)

    Joachim Trier’s first step into the gen­re film area is about the title cha­rac­ter Thelma, a young woman who moves away from her reli­gious fami­ly on the west coast of Norway to stu­dy in Oslo. Upon mee­ting fel­low stu­dent Anja hid­den fee­lings sur­face in Thelma, and after seve­ral inex­pli­ca­ble sei­zu­res she rea­li­zes that she is pos­s­es­sed by some­thing super­na­tu­ral – that might have ter­ri­fy­ing con­se­quen­ces. THELMA is a poe­tic pie­ce that embraces seve­ral impul­ses, gen­res and moods and is a major step onwards for Joachim Trier as a filmmaker.


     
    Credits:
    Frankreich/Dänemark/Schweden/Norwegen 2017, 116 Min., nor­weg. OmU
    Regie: Joachim Trier
    Buch: Joachim Trier, Eskil Vogt
    Kamera: Jakob Ihre
    Schnitt: Oliver Bugge Coutté
    Musik: Ola Fløttum
    mit: Eili Harboe, Okay Kaya, Kaya Wilkins, Ellen Dorrit Petersen, Henrik Rafaelsen
     
    Termine:
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  • Loveless

    Loveless

    Ein Film von Andrei Zvyagintsev. 

    Zhenya und Boris, ein Paar aus der geho­be­nen rus­si­schen Mittelschicht, ste­hen vor den Trümmern ihrer Ehe. Längst ist die frü­he­re Zuneigung bit­te­ren Anschuldigungen gewi­chen, die gemein­sa­me Wohnung steht zum Verkauf, bei­de sind bereits in neu­en Beziehungen. Im Zentrum des Debakels und gleich­zei­tig völ­lig abseits steht ihr 12jähriger Sohn Alyosha. Keiner der Eltern will ihn in ein neu­es Leben mit­neh­men, ein Internat steht zur Debatte. Als die Vorwürfe zwi­schen Zhenya und Boris erneut eska­lie­ren, ver­schwin­det Alyosha plötz­lich, was die Polizei taten­los hin­nimmt. Im Rahmen einer groß ange­leg­ten Suchaktion von Freiwilligen müs­sen sich die Ex-Partner wider Willen zusam­men­tun, um das letz­te, was sie noch ver­bin­det, aufzuspüren….
    Als Geschichte erkal­te­ter Beziehungen und Kommentar auf die moder­ne (nicht nur die rus­si­sche) Gegenwart insze­nier­te Regisseur Andrey Zvyagintsev mit LOVELESS den Nachfolger sei­nes bild­ge­wal­ti­gen Dramas „Leviathan“ . Mit sorg­fäl­ti­gem Realismus ent­wirft er auch dies­mal ein Tableau zwi­schen­mensch­li­cher Gleichgültigkeit wie ein Dokument emo­tio­na­len Rückzugs, dem vor allem Unbeteiligte, hier das unge­lieb­te Kind, zum Opfer fal­len. Dabei wer­den wäh­rend die Tage der Suche die Motive und Hintergründe der Eltern kla­rer. Zhenya und Boris sind kei­ne Monster, son­dern ganz gewöhn­li­che, feh­ler­haf­te Menschen in einer auf Egoismus und Macht aus­ge­rich­te­ten Gesellschaft.

    »Neljubow ist ein Film von Andrej Swjaginzew über ein ver­schwun­de­nes Kind. Swjaginzew trifft damit einen wun­den Punkt an der Schnittstelle zwi­schen Politik, Propaganda und kol­lek­ti­vem Trauma. … Er ent­larvt nicht, son­dern stellt fest, er beschul­digt nicht, son­dern stellt eine Diagnose.« Sergej Medwedew | decoder.org

    Loveless wur­de u.a. im Wettbewerb von Cannes mit dem Preis der Jury aus­ge­zeich­net und ist als bes­ter nicht-eng­lisch­spra­chi­ger Film bei den Oscars nominiert.


     
    Credits:
    Originaltitel: Nelyubov  Frankreich/Russland 2017, 127 Min.,
    Regie: Andrei Zvyagintsev

    Buch: Oieg Negin
    Kamera: Mikhail Krichman
    Schnitt: Anna Mass
    mit: Maryana Spivak, 
    Matvey Novikov,
    Aleksey Rozin
     
    Termine:
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     A film by Andrei Zvyagintsev. In rus­si­an with ger­man subtitles.

    In Moscow, at the end of the school day, stu­dents are depar­ting on their way home. One twel­ve year old boy, Alexey, deci­des to take an indi­rect path home rather than using the regu­lar city streets. Alexey takes a path which leads him to walk by a local river in a woo­ded area just on the out­skirts of town. He appears to be in no par­ti­cu­lar rush to get home. His par­ents, Zhenya and Boris, are in the midst of obtai­ning a divorce, with much ani­mo­si­ty. They are por­tray­ed as having diver­gent and incom­pa­ti­ble per­so­na­li­ties. Both are try­ing to form new lives in new relationships.

    One day, it is dis­co­ver­ed that the boy has dis­ap­peared from home, and his mother calls the poli­ce for assis­tance. At first, the poli­ce see this as the simp­le case of a runa­way child and expect the boy to return home within a day or two. However, when Alexey does not return, a vol­un­teer group spe­cia­li­zing in the search for miss­ing per­sons takes over the case and prompt­ly initia­tes a preli­mi­na­ry search for the boy by sen­ding the par­ents to estran­ged rela­ti­ves in the hope of loca­ting him. They are first sent to see if Alexey is at his mother’s par­ents. Alexey is not the­re when they arri­ve, though their trip to visit her mother out of town is punc­tua­ted by ten­si­on bet­ween the estran­ged rela­ti­ves and Boris is ver­bal­ly bera­ted and exco­ria­ted by Zhenya. On the return trip home, her ver­bal abu­se escala­tes to the point that Boris dischar­ges her on the rural road­way befo­re they get back to town.

    The fail­ure of the poli­ce to find Alexey prompt­ly escala­tes the search for him into an all out emer­gen­cy miss­ing per­sons search across the town and sur­roun­ding are­as. A search of an aban­do­ned muni­ci­pal buil­ding from an old dila­pi­da­ted city deve­lo­p­ment pro­ject whe­re Alexey was known to have visi­ted turns up not­hing. Finally, the par­ents are asked to come to the mor­gue to exami­ne and try to iden­ti­fy the remains of a John Doe child of still unknown iden­ti­ty. The par­ents both deny that the dis­fi­gu­red dead child’s body is their son, though the expe­ri­ence of being put through the iden­ti­fi­ca­ti­on pro­cess is emo­tio­nal­ly trau­ma­tic to them as they break­down in tears of despe­ra­ti­on, with Alexey still missing.

    Later, Alexey’s mother has sold their apart­ment and workers begin dis­mant­ling wall han­gings and appli­ances left behind in the now vacant apart­ment. Outside on the street, miss­ing per­son pos­ters of Alexey now can­vas lar­ge parts of the city try­ing to seek help in loca­ting the miss­ing boy. The sce­ne shifts to the near­by river by the woo­ded path which Alexey used to use to walk home after school and the view focu­ses on an exten­ded land­scape sce­ne loo­king through naked win­ter bran­ches of the sur­roun­ding very tall trees. The tree bran­ches sway slight­ly against the win­ter sky with no sight of Alexey or anyo­ne else among the naked win­ter branches.
     


     
    Credits:
    Originaltitel: Nelyubov  Frankreich/Russland 2017, 127 Min.,
    Regie: Andrei Zvyagintsev

    Buch: Oieg Negin
    Kamera: Mikhail Krichman
    Schnitt: Anna Mass
    mit: Maryana Spivak, 
    Matvey Novikov,
    Aleksey Rozin
     
    Termine:
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  • Wind River

    Wind River

    Ein Film von Taylor Sheridan.

    Panisch läuft eine jun­ge Frau bar­fuß durch die eisi­ge, nächt­li­che Schneelandschaft. In der Ödnis von Wyoming, dem länd­lich gepräg­ten Westen der USA, rennt sie um ihr Leben. Die bit­ter­kal­te Luft in ihren Lungen lässt die Äderchen plat­zen. Sie erstickt im Wind-River-Reservat der Native Americans an ihrem eige­nen Blut. Tage spä­ter fin­det Wildhüter Cory Lambert (Jeremy Renner) die Leiche der ver­ge­wal­tig­ten, geschän­de­ten 18jährigen Natalie Hanson (Kelsey Asbille). Der Fährtenleser ver­lor selbst vor eini­ger Zeit sei­ne 16-jäh­ri­ge Tochter. Sie gilt als ver­misst. Ihre Leiche wur­de nie gefun­den. Das schreck­li­che Trauma ver­folgt ihn.

    Seine Ehe zer­brach an die­sem Schicksalsschlag. Seitdem lebt er getrennt von sei­ner Frau Wilma (Julia Jones), Angehörige eines der Stämme, die hier hoff­nungs­los leben müs­sen. Die trost­lo­se Gegend bie­tet nie­man­dem eine Zukunft. Dass eine uner­fah­re­ne FBI-Agentin (Elisabeth Olsen) aus Florida zur Untersuchung des Falls geschickt wird, zeigt Cory wel­chen Stellenwert die Regierung den Ermittlungen bei­misst. Doch Jane Benner, die frisch von Ausbildung kommt, bemerkt bald, dass sie ohne sei­ne Hilfe auf die­sem für sie frem­den Terrain nichts aus­rich­ten kann. Und für den ein­sa­men, umsich­ti­gen Jäger Lambert bie­tet sich so die Gelegenheit dem Verschwinden sei­ner Tochter auf die Spur zu kom­men. Ein düs­te­rer Racheprozess bis hin zum ner­ven­zer­rei­ßen­den Showdown beginnt.

    Das unglei­che Ermittlerduo Jeremy Renner und die 25jährige Elizabeth Olsen stand bereits in den action­rei­chen „Avengers“-Filmen von Marvel gemein­sam vor der Kamera. In Taylor Sheridans ful­mi­nan­tem Regiedebüt ver­lei­hen die bei­den ihren Szenen, ohne Superheldenstatus, ernst­haf­tes Gewicht und dra­ma­tur­gi­sche Tiefe. An ihrer Seite agie­ren bemer­kens­wer­te Nebendarsteller, wie etwa Gil Birmingham als trau­ern­der Vater der Ermordeten. Als Angehöriger der Komantschen gehört er zur Riege ame­ri­ka­ni­scher Ureinwohner, die zur Glaubwürdigkeit des Films bei­tra­gen. Marlon Brando schick­te einst zu sei­ner Oscarverleihung die india­ni­sche Aktivistin „Sacheen Littlefeather“. Sie ver­lang­te in sei­nem Namen „mehr Respekt gegen­über den ame­ri­ka­ni­schen Ureinwohnern durch die Filmindustrie“. Und den beweist Sheridans kom­pro­miss­lo­ses Independent-Kino mit sei­nem auf­wüh­len­den Rachethriller aus dem größ­ten Reservat der USA ausnahmslos.

    Nach lan­ger Zeit kratzt damit wie­der ein sehens­wer­ter Film am heroi­sie­ren­den Mythos der US-Pionierzeit und zeigt die Wunden der kolo­nia­len Freiheit. Wenn im Abspann dar­auf hin­ge­wie­sen wird, dass kei­ne Statistik über die ver­miss­ten Frauen aus den Reservaten exis­tiert, brand­markt er Rassismus und Sexismus glei­cher­ma­ßen. Die Ursachen des Elends in den Reservaten, ange­fan­gen von Alkoholismus, Drogen und Arbeitslosigkeit, lässt er anklin­gen. Landraub, Zwangsumsiedlung, Ausbeutung und gna­den­lo­se Unterdrückung der Kultur zei­gen ihre Fratze. Und die jüngs­te Geschichte passt ins Bild. Vergebens kämpf­ten Sioux mona­te­lang mit ande­ren Stämmen und Umweltschützern gegen eine Pipeline, die von North Dakota durch meh­re­re Bundesstaaten bis nach Illinois ver­lau­fen soll. Sie wehr­ten sich dage­gen, weil sie durch hei­li­ge Stätten auf dem Land ihrer Vorfahren führt. Zudem befürch­te­ten sie eine Verseuchung ihres Trinkwassers durch Lecks in der Leitung. Und tat­säch­lich sind unter­ir­disch bereits 800.000 Liter Öl ausgelaufen.

    Luitgard Koch | programmkino.de
     


     
    Credits:
    USA 2017, 107 Min., engl. OmU

    Regie: Taylor Sheridan
    Drehbuch: Taylor Sheridan
    Kamera: Ben Richardson
    Schnitt: Gary Roach
    Musik: Warren Ellis
    mit: Jeremy Renner, Elizabeth Olsen, Gil Birmingham, Jon Bernthal
     
    Termine:
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    film by Taylor Sheridan. In eng­lish with ger­man subtitles.

    A blank spot on the map, rug­ged and relent­less. The win­ters here in Wyoming are espe­ci­al­ly tough, with tem­pe­ra­tures going down to the minus dou­ble digits. When you run out­side in the wil­der­ness, your lungs might burst. That‘s what see­med to have hap­pen­ed to a young woman who is dis­co­ver­ed in the snow by hun­ter and tra­cker Cory Lambert. Her body isn‘t just lying any­whe­re, but on the edge of the Arapaho and Shoshone Native American reser­va­ti­on Wind River and the vic­tim is also Arapaho. That makes the case unim­portant to the sta­te poli­ce. The Native American aut­ho­ri­ties should deal with it. Young FBI agent Jane Banner is sent the­re from her trai­ning site in Las Vegas 800 kilo­me­ters away. It starts out as a for­ma­li­ty, but the more she founds out about the con­di­ti­ons on the reser­va­ti­on, the more she feels it is her duty to sol­ve the case. With the help of Cory who is more invol­ved in the case than she first thinks, she sear­ches for traces to find out what hap­pen­ed that night.

    In the Native American reser­va­ti­on count­less young woman die and dis­ap­pear every day and their cases remain unsol­ved. Taylor Sheridan, the pri­ze-win­ning screen­wri­ter of films like SICARIO and HELL OR HIGH WATER, dedi­ca­tes his direc­to­ri­al debut to them. WIND RIVER is a devas­ta­ting stu­dy in loss, a keen­ly obser­ved socio­gram, and a ner­ve-rack­ing thril­ler. The indie film is car­ri­ed by Jeremy Renner‘s sen­si­ti­ve por­tra­y­al of Cory. The powerful images of the relent­less land­scape and the score by Warren Ellis and Nick Cave round out Sheridan‘s film and make it a film that sticks with you long after it‘s over.

    Lars Tunçay | indiekino.de, Translation: Elinor Lewy

     


     
    Credits:
    USA 2017, 107 Min., engl. OmU

    Regie: Taylor Sheridan
    Drehbuch: Taylor Sheridan
    Kamera: Ben Richardson
    Schnitt: Gary Roach
    Musik: Warren Ellis
    mit: Jeremy Renner, Elizabeth Olsen, Gil Birmingham, Jon Bernthal
     
    Termine:
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  • Der seidene Faden

    Der seidene Faden

    Ein Film von Paul Thomas Anderson.

    Der Modedesigner Reynolds Woodcock (Daniel Day-Lewis) ist ein Gesamtkunstwerk. Mit dem glei­chen Perfektionismus, mit dem er sei­ne Kreationen ent­wirft, macht Reynolds auch sei­ne Morgentoilette und nimmt sein Frühstück ein. Reynolds Woodcock beim Frühstück zuzu­se­hen bedeu­tet Zeugin einer in jah­re­lan­ger Arbeit fein jus­tier­ten Routine zu wer­den, die voll­kom­men auf die Bedürfnisse des sen­si­blen Genies aus­ge­rich­tet ist. Jeder Misston, jede Belanglosigkeit könn­te den krea­ti­ven Fluss unterbrechen.

    DER SEIDENE FADEN spielt im England der 50er Jahre, die bei Paul Thomas Anderson vor allem eine ästhe­ti­sche Idee sind. In opu­len­ten Bildern ent­fal­tet der Regisseur von PUNCH-DRUNK LOVE und THE MASTER das Königreich der Haute Couture, dem Reynolds vor­steht. Alles hier ist exqui­sit: die Farben, die Texturen, die Stoffe, die Tapeten, die Flügeltüren, der Lapsang Souchong, der zum Frühstück gereicht wird. Die Schneiderinnen, die jeden Morgen über den Dienstboteneingang das feu­da­le House-of-Woodcock betre­ten, sind die treu­en Vasallinnen, und das Oberkommando hat Reynolds Schwester Cyril (Leslie Manville) inne. Die gera­de aktu­el­le Geliebte des Meisters spielt in die­sem Szenario eine unter­ge­ord­ne­te Rolle und wird aus­ge­tauscht, sobald sie zu stö­ren beginnt. Das ändert sich, als Reynolds Alma (Vicky Krieps) begeg­net, einer jun­gen Immigrantin aus Osteuropa. Sie wird sein Model und sei­ne Geliebte, und anders als ihre Vorgängerinnen, schafft sie es, sich einen unver­zicht­ba­ren Platz in den Obsessionen des Meisters zu erarbeiten.

    Anderson erzählt in DER SEIDENE FADEN eine kom­ple­xe, feti­schis­ti­sche Liebesgeschichte, in die gehei­me Obsessionen wie ver­steck­te Botschaften in den Saum eines Kleides ein­ge­ar­bei­tet sind. Von Anfang an leben Alma und Reynolds eine Dreiecksbeziehung – mit Reynolds Kreationen als drit­ter Person. Anstelle einer ers­ten Sexszene steht eine Anprobe, ein ritua­li­sier­tes Vermessen, von dem bei­de wis­sen, was es bedeu­tet. Bekleiden und Bekleidet wer­den sind ero­ti­sche Handlungen. „Ich kann stun­den­lang ste­hen“ und „In sei­nen Kleidern bin ich schön“ sagt Alma, und Reynolds ver­folgt ihren Gang auf dem Catwalk mit dem Blick eines Liebenden. Die Idylle bekommt jedoch Risse, als sich her­aus­stellt, dass Alma ein eige­nes Wesen ist und die eiser­nen Regeln des House-of-Woodcock durch­ein­an­der bringt. Statt die hei­li­ge Ruhe des Frühstücksrituals zu respek­tie­ren, rum­pelt sie gut­ge­launt her­um, und gießt den Tee von zu weit oben ein, was ein stö­ren­des Geräusch ver­ur­sacht. Als Reynolds belei­digt abrauscht, sagt sie zu Cyril die blas­phe­mi­schen Worte „Ich fin­de, er ist zu empfindlich!“

    DER SEIDENE FADEN ist eine viel­fäl­tig schil­lern­de Angelegenheit. Eine hym­nisch-hedo­nis­ti­sche Feier von Farbe, Form und Stil. Ein iro­nisch-amü­sier­tes Porträt selbst­ver­lieb­ter Männlichkeit. Konstruktion und Dekonstruktion eines Genies. Vor allem aber ist DER SEIDENE FADEN eine gothic romance, eine über­bor­den­de Luxus-Liebesgeschichte mit mor­bi­den Aspekten und vol­ler psy­cho­lo­gi­scher Abgründe. Bei Anderson sind es gera­de die­se Abgründe, die das unglei­che Paar eine Art von Gleichgewicht fin­den las­sen. Der Fantasie von durch­the­ra­pier­ten Musterpartnern, das immer respekt­voll in Ich-Botschaften kom­mu­ni­zie­ren, setzt er ein Liebespaar ent­ge­gen, das nach sei­nen eige­nen, mög­li­cher­wei­se per­vers erschei­nen­den Regeln funk­tio­niert, zusam­men­ge­hal­ten von einem für alle ande­ren unsicht­ba­ren Faden, dem PHANTOM THREAD.
    Hendrike Bake | indiekino
     


     
    Credits:
    Phantom Thread
    USA 2017, 130 Min., engl. OmU
    Regie, Buch & Kamera: Paul Thomas Anderson
    Schnitt: Dylan Tichenor
    mit: Daniel Day-Lewis, Camilla Rutherford, Lesley Manville, Vicky Krieps
     
    Termine:
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    A film by Paul Thomas Anderson. In eng­lish with ger­man subtitles.

    Fashion desi­gner Reynolds Woodcock (Daniel Day-Lewis) is the total packa­ge. He has the same per­fec­tion­ism when he works on his crea­ti­ons, goes to the bath­room, and has his break­fast. Watching Reynolds Woodcack have his break­fast means being wit­ness to a long­stan­ding, fine­ly cali­bra­ted rou­ti­ne that is ful­ly­o­ri­en­ted towards the needs of the sen­si­ti­ve geni­us. Every dis­cordant note, every tri­via­li­ty, could break off his crea­ti­ve flow.

    PHANTOM THREAD is set in 1950s England, which is more of an aes­the­tic idea for Paul Thomas Anderson than any­thing else. The direc­tor of PUNCH-DRUNK LOVE and THE MASTER shows a hau­te cou­ture king­dom with opu­lent images which Reynolds is in char­ge of. Everything here is exqui­si­te: the colors, the tex­tures, the mate­ri­als, the tapestry, the dou­ble doors, the lap­sang souchong that is ser­ved at break­fast. The tail­ors who enter the feu­dal House of Woodcock through the ser­vent ent­rance every mor­ning are the loy­al lie­ges, and Reynold‘s sis­ter Cyril (Leslie Manville) is the high com­man­der. The master‘s lovers play a sub­or­di­na­te role and are repla­ced when they start bothe­ring him. This chan­ges when Reynolds meets Alma (Vicky Krieps), a young eas­tern European immi­grant. She beco­mes his model and his lover, and unli­ke her pre­de­ces­sors, she mana­ges to car­ve an indis­pensable place in the master‘s world.

    Anderson tells a com­plex, fetis­hi­stic love sto­ry whe­re secret obses­si­ons are woven in like hid­den mes­sa­ges in the hem of a dress. Alma and Reynolds are in a love tri­ang­le from the start – Reynolds crea­ti­ons are the third per­son. Instead of a first sex sce­ne there‘s a fit­ting, a ritua­li­stic mea­su­ring whe­re both know what it means. Being dres­sed and having someone dress you beco­mes an ero­tic act. Alma says“I can stand for hours“ and “I‘m beau­tiful in his dres­ses,“ and Reynolds wat­ches her cat­walk with the eyes of a lover. This idyll does show rup­tures when it beco­mes clear that Alma is her own per­son and she dis­rupts the iron rules of the House of Woodcock. Instead of respec­ting the holy sere­ni­ty of the break­fast ritu­al, she joyful­ly makes noi­se and pours the tea from too high up, which makes a dis­rup­ti­ve sound. When Reynolds runs off insul­ted, she says some blas­phe­mous words to Cyril: “I think he‘s too sensitive!“

    THE PHANTOM THREAD is a mul­ti­face­ted, ira­de­s­cent film. A hym­nal-hedo­ni­stic cele­bra­ti­on of color, form, and style. An iro­ni­cal­ly amusing por­trait of nar­cis­si­stic mas­cu­li­n­i­tiy. The con­s­truc­tion and decon­s­truc­tion of a geni­us. But most of all, THE PHANTOM THREAD is a gothic romance, an exu­berant love sto­ry with mor­bid aspects fil­led with psy­cho­lo­gi­cal chasms. These chasms are what make the dis­si­mi­lar cou­ple find a kind of balan­ce. The fan­ta­sy of psy­cho­lo­gi­cal­ly sound model part­ners that always com­mu­ni­ca­te respectful­ly with “I feel“ mes­sa­ges is coun­te­red here with a cou­ple in love who seem to fol­low their own, pos­si­bi­li­ty per­ver­se-see­ming rules and mana­ge to make it work, held tog­e­ther by a thread invi­si­ble to ever­yo­ne else, the PHANTOM THREAD.

    Hendrike Bake, Translation: Elinor Lewy

     


     
    Credits:
    Phantom Thread
    USA 2017, 130 Min., engl. OmU
    Regie, Buch & Kamera: Paul Thomas Anderson
    Schnitt: Dylan Tichenor
    mit: Daniel Day-Lewis, Camilla Rutherford, Lesley Manville, Vicky Krieps
     
    Termine:
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  • Er Sie Ich

    Er Sie Ich

    Ein Film von Carlotta Kittel. 

    Auf ein hals­bre­che­ri­sches Experiment mit unge­wis­sem Ausgang lässt sich Carlotta Kittel mit ihrem Film ein. Auf der Suche nach Wahrheiten bit­tet sie mal ihre Mutter Angela, mal ihren Vater Christian vor die Kamera und befragt sie in Einzelinterviews zu sehr sen­si­blen und per­sön­li­chen Themen. Ausgangspunkt ist das Jahr 1986, als Angela mit Carlotta schwan­ger ist und sich für das Kind ent­schei­det. Schnell wird klar, dass die drei nie­mals als eine Familie unter einem Dach leben wer­den. Die Eltern haben seit­dem nicht dar­über gespro­chen, was damals eigent­lich pas­siert ist. Die Ergebnisse der Einzelinterviews spielt sie dem jeweils ande­ren Elternteil vor und filmt die Reaktionen. Entstanden ist ein span­nen­der Film über gefühl­te Wahrheiten und wah­re Gefühle, in dem die Eltern offen und scho­nungs­los über ent­täusch­te Erwartungen, über ihre Vorstellungen von Beziehung, Glück, Familie und Liebe reden. Ein Film über zwei Menschen, zwei Wahrnehmungen und zwei Erinnerungswelten.

    Credits:

    D 2017, 88 Min.
    Regie: Carlotta Kittel
    Kamera: Andac Karabeyoglu
    Schnitt: Andrea Herda Muñoz, Carlotta Kittel

    Termine:

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    Trailer ER SIE ICH from Carlotta Kittel on Vimeo.

    A film by Carlotta Kittel. In german.

    HE SHE I is a film about the power to tell your own sto­ry, and the power­less­ness to pre­vent a second ver­si­on of it – a con­ver­sa­ti­on that never hap­pen­ed. A film about a fami­ly that never was  a family.

    D 2017, 88 Min.
    Regie: Carlotta Kittel
    Kamera: Andac Karabeyoglu
    Schnitt: Andrea Herda Muñoz, Carlotta Kittel

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    Trailer ER SIE ICH from Carlotta Kittel on Vimeo.