Layla M.

Ein Film von Mijke de Jong.

Weißt du nicht, was Abseits ist?“ geht die Lini­en­rich­te­rin den Schieds­rich­ter an, nach­dem der ihre Fah­ne nicht berück­sich­tigt hat. „War­um ist es immer so ein Thea­ter mit Leu­ten wie euch“ gibt der zurück. Lay­la, die Lini­en­rich­te­rin, sieht dies als kla­ren Angriff auf ihre marok­ka­ni­sche Her­kunft und ihre Reli­gi­on. Die jun­ge Mus­li­ma ist in Ams­ter­dam gebo­ren und auf­ge­wach­sen und nimmt den Ras­sis­mus und Sexis­mus um sie her­um emp­find­lich genau wahr. Mijke de Jong zeigt sie als klug, auf­brau­send, dick­köp­fig und selbst­be­wusst. Mit vie­len Gleich­alt­ri­gen teilt sie einen tie­fen Gerech­tig­keits­sinn, und ihre all­täg­li­chen Erfah­run­gen las­sen sie immer mehr an der Dar­stel­lung der poli­ti­schen Ver­hält­nis­se durch die Mehr­heits­ge­sell­schaft zwei­feln. Rebel­li­on durch Reli­gi­on scheint für die Abitu­ri­en­tin der Aus­weg. Auf­re­gen­de Aktio­nen, ehr­li­che Zie­le, auf­rich­ti­ge Freund­schaf­ten und vor allem der gleich­ge­sinn­te Abdel, mit dem sie hef­tig flir­tet – Lay­la fühlt sich im Dschi­ha­dis­mus weit bes­ser auf­ge­ho­ben als im libe­ral-ange­pass­tem Eltern­haus. Lei­den­schaft­lich und vol­ler Taten­drang bringt sie sich hier ein, ver­öf­fent­licht Fil­me im Inter­net und erstellt poli­ti­sche Fly­er, the­ma­ti­siert den Hor­ror in Syri­en und Grau­sam­kei­ten in Gaza.
Nach einer Ver­haf­tung sieht Lay­la kei­ne ande­re Mög­lich­keit als von Zuhau­se weg­zu­lau­fen. Sie hei­ra­tet Abdel, es ist eine Lie­bes­hei­rat von bei­den Sei­ten. In den Flit­ter­wo­chen streicht das Paar durchs Land, arbei­tet mis­sio­na­risch und sam­melt Spen­den. Dann müs­sen sie in den Nahen Osten flie­hen. Als Lay­la die­se für sie völ­lig neue Welt betritt, ent­wi­ckelt sich ihr Leben ganz rasch ganz anders, als sie erwar­te­te.

Mijke de Jongs Aus­ein­an­der­set­zung mit Radi­ka­li­sie­rung und Iden­ti­tät zeich­net sich durch die intel­li­gen­te Her­an­ge­hens­wei­se an das kom­ple­xe Sujet, die aus­ge­feil­ten Bil­der des Kame­ra­manns Dan­ny Elsen und die umwer­fen­de Per­for­mance der New­co­me­rin Nora el Kous­sour aus.” Screen Inter­na­tio­nal

Credits:
Nl/B/D 2016, 96 Min., nl., engl., dt. OmU
Regie: Mijke de Jong
Buch: Jan Eilan­der & Mijke de Jong
Kame­ra: Dan­ny Elsen
Schnitt: Dorit Lin­ken
Dar­stel­ler: Nore El Kous­sour, Ili­as Addab, Hassan Akkouch, Yas­e­min Cet­in­ka­ya, Husam Cha­dat, Karl Fer­lin

Ter­mi­ne:

  • noch kei­ne oder kei­ne mehr