Streik

Ein Film von Sté­pha­ne Bri­zé. Ab 25.4. im fsk.

[Credits] [Ter­mi­ne] [Trai­ler]

Die vier­te Zusam­men­ar­beit von Sté­pha­ne Bri­ze und Vin­cent Lin­don ist ein atem­lo­ses, mit­rei­ßen­des Werk vol­ler Empa­thie, das einen ohne viel Feder­le­sen in den Stru­del des Arbeits­kamp­fes der Beleg­schaft einer Fabrik in der fran­zö­si­schen Pro­vinz kata­pul­tiert. Lin­don, der seit Jahr­zehn­ten in immer neu­en Vari­an­ten sei­ner Figur und oft ein­fach guten Fil­men den Working Class Hero und Able­ger davon ver­kör­pert, spielt den Gewerk­schafts­füh­rer Lau­rent Amédéo. Nie­mand kann den inne­ren Druck, den die äußer­li­chen Miss­ver­hält­nis­se ver­ur­sa­chen bes­ser dar­stel­len, die geball­te Faust zutiefst in der Hosen­ta­sche ver­gra­ben. Ich behaup­te, er ist auf sei­ne Wei­se das männ­li­che Pen­dant zu Isa­bel­le Hupert. Setz­te Bri­ze Vin­cent Lin­don in „Der Wert des Men­schen“ eher als distan­zier­ten Beob­ach­ter ein, der als Sicher­heits­mann im Super­markt die eige­nen Kol­le­gen bespit­zeln soll, so steht er in STREIK an vor­ders­ter Front, denn der Ori­gi­nal­ti­tel lau­tet EN GUERRE. David gegen Goli­ath, aber ohne Stein­schleu­der. Die Misch­po­ke aus Poli­tik und Wirt­schaft stützt sich auf die Arro­ganz der Macht. Die Bela­ger­ten, die ihre Arbeits­plät­ze ret­ten wol­len und in der Öffent­lich­keit als Bela­ge­rer dar­ge­stellt wer­den, weh­ren sich mit der Kraft der Ver­zweif­lung.

DAS GESETZ DES MARKTES hieß wört­lich über­setzt der vor­he­ri­ge Film von Sté­pha­ne Bri­zé , der in Deutsch­land unter dem Titel DER WERT DES MENSCHEN in die Kinos kam. Und das wäre eigent­lich auch ein über­aus zutref­fen­der Titel für sein neu­es Werk EN GUERRE, das im Wett­be­werb des Film­fes­ti­vals von Can­nes 2018 zu sehen war: Aber­mals spielt Vin­cent Lin­don einen ein­fa­chen Mann aus der Arbei­ter­schicht, der ange­sichts der Aus­wir­kun­gen eines aggres­si­ven Kapi­ta­lis­mus mit den Fol­gen der Glo­ba­li­sie­rung kämp­fen muss.Trotz weit­rei­chen­der finan­zi­el­ler Zuge­ständ­nis­se und einer vor zwei Jah­ren unter­zeich­ne­ten Ver­ein­ba­rung, die den Schutz der Arbeits­plät­ze garan­tie­ren sol­len, haben die Bos­se anders ent­schie­den: Das Werk des Auto­zu­lie­fe­rers Per­rin in einer struk­tur­schwa­chen Gegend Frank­reichs soll schlie­ßen – so wur­de es beim deut­schen Mut­ter­kon­zern beschlos­sen. Damit ist die Zukunft von 1100 Arbeiter*innen gefähr­det, denn ande­re Jobs gibt es in die­ser Regi­on kaum. Die Reak­tio­nen las­sen nicht lan­ge auf sich war­ten: Unter Füh­rung des Gewerk­schaf­ters Lau­rent Amédéo (Vin­cent Lin­don) for­miert sich der Wider­stand. Die Arbei­ter gehen auf die Bar­ri­ka­den und for­dern sowohl die fran­zö­si­sche wie deut­sche Geschäfts­lei­tung zu Gesprä­chen auf. Und dank ihrer Hart­nä­ckig­keit gelingt es ihnen immer wie­der, klei­ne Teil­sie­ge zu errin­gen – trotz ent­täu­schen­der Signa­le aus der Jus­tiz und einem Enga­ge­ment der Poli­tik, das sich allen­falls auf sym­bo­li­sche Hand­lun­gen beschränkt. Doch eine ein­zel­ne sieg­reich ver­lau­fe­ne Schlacht bedeu­tet kei­nes­falls einen gewon­ne­nen Krieg, zumal sich auch die Arbei­ter­schaft kei­nes­falls einig ist. So gera­ten die Arbei­ter, aber auch Lau­rent, immer mehr unter Druck, wäh­rend die Mana­ger sich immer wie­der der Ver­ant­wor­tung ent­zie­hen und auf die abs­trak­ten Geset­ze des Mark­tes ver­wei­sen, denen man unter­wor­fen sei.
(Joa­chim Kurz, Kino­zeit)

 

Credits:

En guer­re, FR 2018, 113 Min., frz. OmU

Regie: Sté­pha­ne Bri­zé
Buch: Oli­vi­er Gorce, Sté­pha­ne Bri­zé
Kame­ra: Eric Dumont
Schnitt: Anne Klotz
mit: Vin­cent Lin­don, Méla­nie Rover, Jac­ques Bor­de­rie, David Rey, Oli­vi­er Lemai­re, Isa­bel­le Rufin, Bru­no Bour­thol
 
Ter­mi­ne:
Do., 25. Apr.:

Fr., 26. Apr.:Sa., 27. Apr.:So., 28. Apr.:Mo., 29. Apr.:Di., 30. Apr.:Mi., 1. Mai.: