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  • Beach Rats

    Beach Rats

    Ein Film von Eliza Hittman.

    Sommer auf Coney Island. Der Teenager Frankie drif­tet durch sein Leben. Tagsüber hängt er mit sei­nen Freunden am Strand ab, geht trai­nie­ren und raucht Gras. Doch weder sei­ne macho­haf­ten, latent aggres­si­ven Kumpels noch Simone, mit der er eine Affäre beginnt, schei­nen ihn wirk­lich zu inter­es­sie­ren. Der ein­zi­ge Ort, an dem Frankie offen über sei­ne Gefühle und sexu­el­len Wünsche spre­chen kann, ist der anony­me Chatroom, in dem er nachts mit älte­ren schwu­len Männern schreibt. Nach eini­gem Zögern beginnt er sich mit Leuten aus dem Netz zu tref­fen und wagt sich in die Cruising-Bereiche am Flußufer vor.
    In ihrem zwei­ten Spielfilm erzählt die US-ame­ri­ka­ni­sche Independent-Regisseurin Eliza Hittman in düs­ter-ver­träum­ten Bildern eine Geschichte von homo­se­xu­el­lem Erwachen und einer Selbstverleugnung am äußers­ten Rand New Yorks, an dem sozia­le Probleme wie Arbeitslosigkeit und Jugendkriminalität eben­so Alltag sind wie eine ein­sei­ti­ge Vorstellung von Männlichkeit.
    „Ich wuchs in einer Familie auf, in der das Sprechen über Sexualität Tabu war. Ich habe erlebt, wie Menschen an ihrer Sexualität ver­ro­hen kön­nen. Das hat mich zu der Geschichte über einen jun­gen Mann inspi­riert, der mit sei­ner sexu­el­len Identität kämpft. Ich such­te dafür ganz bewusst ein beson­ders mas­ku­li­nes Milieu. Darin woll­te ich den enor­men Druck unter­su­chen, der auf jun­gen Männern las­tet, die tra­di­tio­nell mas­ku­li­nen Lebensbildern fol­gen sol­len und denen kei­ne Alternativen, kei­ne ande­ren Rollenmodelle ange­bo­ten wer­den.“ Eliza Hittman
     


     
    Credits:
    USA 2016, 95 Min., engl. OmU

    Regie: Eliza Hittman
    Kamera: Hélène Louvart
    Schnitt: Scott Cummings, Joe Murphy
    mit: Harris Dickinson, Madeline Weinstein, Kate Hodge
     
    Termine:
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  • Marlina – Die Mörderin in vier Akten

    Marlina – Die Mörderin in vier Akten

    Ein Film von Mouly Surya.

    Irgendwo im son­nen­ver­brann­ten, kar­gen, dünn­be­sie­del­ten Nordosten der indo­ne­si­schen Insel Sumba erreicht ein Mann auf einem Motorrad eine abge­le­ge­ne Hütte. Er klärt die dort leben­de Marlina dar­über auf, dass sie hohe Schulden bei ihm hat. Deshalb wür­den er und sei­ne sechs Freunde, die gegen Abend ein­trä­fen, ihr Vieh und ihr Geld neh­men. Zur Stärkung wünscht sich der Eindringling für die gan­ze Bande ein gutes Essen und stellt der Hausherrin in Aussicht, sie anschlie­ßend zu ver­ge­wal­ti­gen. Anscheinend gibt es kei­ne Fluchtmöglichkeit für Marlina, denn sie ist allein und nie­mand wird ihr zur Hilfe kom­men. Doch ihre Kochkünste über­ra­schen die Räuber gewal­tig und bei Einbruch der Nacht haben sich die Machtverhältnisse gewandelt.
    Mouly Surya schaut mit distan­zier­tem Blick auf die vor Hitze glü­hen­den Landschaft aus­ge­lie­fer­ten Menschen, gleich­wohl schenkt sie ihnen Vertrauen und Mitgefühl. Ihr kühl insze­nier­ter Western ist in wun­der­voll kom­po­nier­ten Cinemascope- Bildern gehal­ten. Die ver­roh­ten Verhältnisse sind von archai­scher Schlichtheit: Die Männer neh­men sich in aller Selbstverständlichkeit, was ihnen nicht zusteht. Aber die Frauen ver­bün­den sich gegen sie und ändern den Lauf der Geschichte.
    Nach dem ers­ten Akt „Robbery“ fol­gen „The Journey“, „The Confession“ und „The Birth“. Damit endet der Zirkel, schließt sich der Kreis. Ein Film wie von Tarantino. Aber mit Inhalt.


     
    Credits:
    Indonesien 2017, 94 Min., indo­ne­si­sche OmU
    Regie: Mouly Surya
    Buch: Mouly Surya, Rama Adi
    Kamera: Yunus Pasolang
    Schnitt: Kikiwini Matusola

    mit: Marsha Timothy, Dea Panendra, Yoga Pratama, Rita Matu Mona
     
    Termine:

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    Marlina – Die Mörderin in vier Akten // Trailer // Kinostart 18. Januar 2018

     
  • Licht

    Licht

    Ein Film von Barbara Albert.

    Wien, 1777: Nach meh­re­ren geschei­ter­ten Versuchen, die Blindheit des Klavierwunderkindes Maria Theresia zu hei­len, geben die ehr­gei­zi­gen Eltern das Mädchen in die Obhut des umstrit­te­nen Wunderheilers Franz Anton Mesmer. Wider Erwarten hel­fen des­sen magne­ti­sche Kuren und Maria Theresia dient ihm fort­an als Beweis gegen die ungläu­bi­ge Ärzteschaft. Mit der gewon­nen Sehkraft ver­liert das Mädchen aller­dings den gewohn­ten Zugang zur Musik, und damit zu dem, was für sie lebens­not­wen­dig ist und womit sie sich einen Namen gemacht hat.

    Ich möch­te LICHT nicht als Flucht in eine Ästhetik der Vergangenheit ver­stan­den wis­sen, viel­mehr wid­met sich der Film Grundfragen der mensch­li­chen Existenz: der fort­wäh­ren­den Spannung zwi­schen Unterordnung und Anpassung, und der Sehnsucht, sich über das Gewöhnliche zu erhe­ben, letzt­lich unsterb­lich zu wer­den. Und dar­über hin­aus dem Wert des Menschen an sich.
    Nicht zuletzt kreist alles in LICHT um die Wahrnehmung und deren Flüchtigkeit. Es geht um den Blick und ums Sehen, um die­je­ni­gen, die gese­hen wer­den und die­je­ni­gen, die schau­en.“ Barbara Albert

    Credits:

    Österreich/D, 2017, 97 Min.
    Regie: [wiki­link alt=„Barbara Albert (Regisseurin)”]Barbara Albert[/wikilink]
    Drehbuch: Kathrin Resetarits
    based on the novel «Mesmerized» by Alissa Walser
    Kamera: Christine A. Maier
    Schnitt: Niki Mossböck

    mit:
    Maria Dragus
    Devid Striesow
    Lukas Miko
    Katja Kolm

    Termine:

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  • Letzte Tage in Havanna

    Letzte Tage in Havanna

    Ein Film von Fernando Pérez.

    Diego und Miguel, bei­de Mitte vier­zig, leben in einer her­un­ter­ge­kom­me­nen Wohnung mit­ten in Havanna, ohne flie­ßend Wasser und jeg­li­chen Komfort. Miguel ver­dient sein Geld als Tellerwäscher in einem pri­vat geführ­ten Restaurant und küm­mert sich, gemein­sam mit Nachbarn und Familie, um Diego, den sei­ne HIV-Infektion ans Bett fes­selt. Diego ver­sucht, sich sei­ne Lebensfreude zu erhal­ten, wäh­rend Miguel sich immer mehr ver­schließt. Nur die bei­den ken­nen Miguels Geheimnis: Er plant, in die USA aus­zu­wan­dern und war­tet auf sein Visum. Diegos Zustand ver­schlech­tert sich, er muss ins Krankenhaus und über­lässt sei­ner Nichte Yusi das Zimmer. Als Miguels Visum end­lich ein­trifft, ste­hen nicht nur für ihn über­ra­schen­de Entscheidungen an. Anhand des Lebens in einem Mietshaus prä­sen­tiert der Autor, Dokumentarfilmer und Regisseur Fernando Pérez nach eige­nem Drehbuch ein schil­lern­des Kaleidoskop der Gefühle. Die in ruhi­gen Einstellungen erzähl­te Geschichte einer unge­wöhn­li­chen Freundschaft ist auch ein Blick auf eine Kultur im Umbruch, die stän­di­ge Flexibilität und unglaub­li­chen Optimismus for­dert. Eine Liebeserklärung an die kuba­ni­sche Hauptstadt und ihre Bewohner.


     
    Credits:
    Últimos días en la Habana
    Kuba / Spanien 2016, 93 Min., span. OmU
    Regie: [wikilink]Fernando Pérez[/wikilink]
    Buch: Fernando Pérez, Abel Rodríguez
    Kamera: Raúl Pérez Ureta
    Schnitt: Rodolfo Barros
    mit:
    Jorge Martínez (Diego)
    Patricio Wood (Miguel)
    Gabriela Ramos (Yusi)
    Cristian Jesús Pérez (P4)
    Coralia Veloz (Clara)
    Carmen Solar (Fefa)
    Yailene Sierra (Miriam)
    Ana Gloria Buduén (Polizistin)
     
    Terline:

     

  • Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

    Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

    Ein Film von Martin McDonagh.

    Am Ortseingang von Ebbing ste­hen jene drei mäch­ti­gen und mäch­tig her­un­ter­ge­kom­me­nen Reklametafeln, die Mildred Hayes auf die Idee brin­gen: Warum nicht auf eben die­sen Tafeln eine rie­si­ge öffent­li­che Anklage an die Polizei des Ortes for­mu­lie­ren, die Monate nach dem gewalt­sa­men Tod ihrer Tochter noch immer kei­nen Schritt wei­ter ist? Die kur­zen Wortfolgen, die schon bald auf den Tafeln pran­gen, las­sen eine Welle der Abwehr, Aggression und Gewalt los­bre­chen, die Bevölkerung und Polizei des Städchens zwingt, Position zu bezie­hen. Geniales Drehbuch, bese­li­gend scharf­sin­ni­ge Dialoge, zugleich Körperkino at its best. Und eine Liebeserklärung an die eine, die ein­zig­ar­ti­ge Frances McDormand. (Viennale)

    Wie kommt die Wut in die Welt? Bei der Souvenir-Verkäuferin Mildred Hayes rührt sie aus dem Schmerz, ihre Tochter wur­de ver­ge­wal­tigt und ermor­det, die Polizei küm­mert sich nicht. Also mie­tet sie die Plakatwände am Ortsausgang, klagt den Polizei-Chief Willoughby (Woody Harrelson) in gro­ßen Lettern der Untätigkeit an und mischt die Kleinstadt auf. Frances McDormand ver­kör­pert die­se furio­se Mutter in „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“: end­lich wie­der eine Hauptrolle für die oscar­prä­mier­te Heldin von „Fargo“, end­lich wie­der ihr kon­ster­nier­tes Gesicht, ihr bezwin­gen­der Blick, ihre mini­ma­lis­tisch-bered­te Mimik, ihre Schlagfertigkeit.”
    Christiane Peitz | Tagesspiegel

    Credits:

    USA 2017, 112 Min., engl. OmU
    Regie & Buch: [wikilink]Martin McDonagh[/wikilink]
    Darsteller: Frances McDormand, Woody Harrelson, Sam Rockwell, Lucas Hedges, Clarke Peters, Abbie Cornish, Peter Dinklage,

    Termine:

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  • The Untamed

    The Untamed

    Ein Film von Amat Escalante. 

    In einer pro­vin­zi­el­len Kleinstadt in der Tiefebene steckt das Ehepaar Alejandra und Ángel in einer tie­fen Krise: Ángel, ein Straßenarbeiter, hat trotz sei­nes offen zur Schau gestell­ten Machismos eine Affäre mit Alejandras Bruder, dem Krankenpfleger Fabián.. Einsamkeit, Lügen und unter­drück­te Triebe bestim­men den Alltag. Als Veronika, eine mys­te­riö­se jun­ge Frau wie aus dem Nichts erscheint, beginnt eine abgrün­di­ge, orgi­as­ti­sche Reise in unge­kann­te Sehnsüchtswelten, die auch den Zuschauer vor unge­ahn­te Herausforderungen stellt. Ein Hybrid aus Sozialdrama und Science-Fiction des kom­pro­miss­lo­sen mexi­ka­ni­schen Regisseurs Amat Escalante aus der „Reygadas-Schule” (Sangre, Los Bastados, Heli), gefilmt in Escalantes Heimatstadt Guanajuato. Die atmo­sphä­risch-som­nam­bu­len Bilder stam­men von dem chi­le­nisch-däni­schen Kameramann Manuel Alberto Claro, der für Lars von Trier Melancholia und Nymphomaniac foto­gra­phiert hat.
    „Die Kreatur muss­te für den Sex mit Menschen funk­tio­nie­ren, daher war das die wesent­li­che Charakteristik. Außerdem soll­te sie geheim­nis­voll und attrak­tiv anzu­se­hen sein, irgend­wie sinn­lich. Ich fin­de sie reiz­voll, aber gleich­zei­tig gro­tesk und schmut­zig.“ Amat Escalante


     
    Credits:
    La región salvaje

    Mexiko, Deutschland, Dänemark, Frankreich, Norwegen 2016, 100 Min., span. OmU
    Regie: Amat Escalante
    Drehbuch: Amat Escalante, Gibrán Portela
    Kamera: Manuel Alberto Claro
    Schnitt: Fernanda De la Peza, Jacob Secher Schulsinger
    mit: Kenny Johnston, Ruth Ramos, Simone Bucio, Jesús Meza, Edén Villavicencio
     
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  • Tony Conrad – Completely in the Present

    Tony Conrad – Completely in the Present

    Ein Film von Tyler Hubby. 

    »I’m going to make abs­tract art fun­ny, hap­py, ener­ge­tic, joyful…« und »I tried to be inde­pen­dent of the eco­no­my, as far as I could …« – das und noch viel mehr sagt Tony Conrad, Musiker, Installationskünstler und Regisseur. Bis zu die­sem Film war mir sein Name nicht geläu­fig, nur der Flicker-Film („Einige hiel­ten ihn für dei­nen sehr bedeu­ten­den Film, ande­re fan­den, es sei über­haupt kein Film“, Brandon Joseph) war mir ein Begriff. Besonders beein­druckt hat mich die Leichtigkeit sei­ner Kompromislosigkeit, die sein Künstler- und damit auch sein poli­ti­sches Leben aus­mach­te. Weder Aussicht auf Geld noch Ansehen waren Tony Conrad wich­tig. Er hat­te defi­nitv ein Problem mit Autoritäten, und ver­such­te als Unversitätsprofessor, den Studierenden bei­zu­brin­gen, wie man VERMEIDET: Arbeiten, Filme machen, zur Armee gehen zu müs­sen. Ganz begeis­tert wür­de ich ger­ne von allen sei­nen intel­li­gen­ten und abge­fah­re­nen Werken und Ansichten, die der Film mit vie­len Originalaufnahmen und Interviews auf­bie­tet, hier erzäh­len, so von den Yello-Films, den längs­ten Filmen der Welt, eine Art Gegenstück zu John Cages Musikstück ORGAN²/ASLSP, oder von der Live-TV-Hausaufgaben-Help-Line, oder von der Musik, bei deren Kompositionen das Wort „Wiederholung“ eine eben­so gro­ße Rolle spielt wie bei sei­nen frü­he­ren Essensplänen … aber das kann Tyler Hubby im Film alles viel bes­ser zei­gen. Und da ist dann noch die Geschichte von den unzäh­li­gen Musikbändern, die er mit John Cale und La Monte Young 1963–65 auf­nahm, die letz­te­rer bun­ker­te und nicht mehr her­aus­rück­te, und die Gründung von The Velvet Underground, und die Zusammenarbeit mit Filmemacher Jack Smith (erin­nert sich noch jemand an Flaming Creatures?), und und und …

    » Tyler Hubbys groß­ar­tig gestal­te­ter Film, der über eine Zeitspanne von mehr als zwei­und­zwan­zig Jahren gedreht wur­de und eine Vielzahl von Auszügen aus Conrads Werk beinhal­tet, schafft es auf wun­der­ba­re Weise, Conrads ver­schmitz­te Persönlichkeit als eine Art ver­rück­ter Professor mit rie­si­gem Intellekt ein­zu­fan­gen. Der Film ist das ein­neh­men­de Porträt eines immer wie­der sin­gu­lä­ren Nonkonformisten, den wir, seit Conrad von uns gegan­gen ist [er starb 2016, noch bevor der Film fer­tig­ge­stellt war], schmerz­lich ver­mis­sen.« Andrew Lampert / documenta14 TV


     
    Credits:
    USA 2017, 97 Min., engl. OmU

    Regie, Schnitt & Buch: Tyler Hubby
    Kamera: Damian Calvo, Fortunato Procopio

     
    Termine:
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    Tony Conrad: Completely in the Present (Trailer) from Salzgeber & Co. Medien GmbH on Vimeo.

  • On The Beach At Night Alone

    On The Beach At Night Alone

    Ein Film von Hong Sang-soo.

    Die Worte ver­lau­fen im Sand

    Eine reich­lich ver­wir­ren­de auto­bio­gra­fi­sche Liebesaffäre zwi­schen Seoul und Hamburg: „On the Beach at Night Alone“ des süd­ko­rea­ni­schen Regisseurs Hong Sangsoo
    Bei einem Spaziergang in einem Park in der Hansestadt Hamburg geht Younghee (Kim Minhee) an einer klei­nen Brücke aus Holz in die Knie. Sie bleibt stumm, im Gebet. Sie wünscht sich, wie sie hin­ter­her sagt, auf einer Bank im Park in Hamburg, eine Zukunft, die sie nach ihren eige­nen Wünschen zu leben vermag.
    Sie ist eher unfrei­wil­lig aus Südkorea nach Hamburg gegan­gen. Fast könn­te man mei­nen, sie ist dort­hin geflo­hen. Denn sie hat­te eine Affäre mit einem ver­hei­ra­te­ten Mann, er Regisseur, sie Schauspielerin. Es nützt viel­leicht eher, als dass es scha­det, wenn man weiß, dass auch Hong Sangsoo, der Regisseur von „Bamui hae­by­un-eoseo hon­ja“ (On the Beach at Night Alone), eine Affäre hat­te mit einer Schauspielerin.
    In Südkorea war das ein aus­ge­mach­ter Skandal. Es nützt, aber es ist auch nicht son­der­lich wich­tig. Denn ein­fach auto­bio­gra­fisch sind Hong Sang­soos Filme ohne­hin nie. Autobiografisch viel­leicht, aber ein­fach nie­mals. Von Hamburg, wo ein krebs­kran­ker Mann am Klavier ein Kinderlied spielt, geht es im zwei­ten Teil des Films zurück nach Südkorea. Der ers­te Teil endet am Ufer der Elbe. Younghees Freunde gehen nach rechts, wohin ihnen die Kamera folgt. Dann schwenkt sie zurück: Man sieht Younghees Spuren im Sand, sie selbst aber ist nicht zu sehen. Die Kamera schwenkt wei­ter nach links: Da trägt einer, der kei­ne Rolle spielt, Younghee aus dem ers­ten Teil die­ser Geschichte davon. Im zwei­ten Teil putzt der, der kei­ne Rolle spielt, sehr fre­ne­tisch ein Fenster; aber nichts wird dadurch kla­rer, nichts wird erhellt.
    Wie immer bei Hong gibt es Gespräche, bei denen sich die Wörter ver­ir­ren, auf der Suche nach ihrem Sinn. Die Menschen trin­ken und die Wörter wer­den betrun­ken. Sätze keh­ren wie­der wie nicht ganz gescheit. Sätze über die Liebe, das Alter; das Alter, die Liebe; die Liebe, das Alter. Die Sätze und die Wörter sind tief emp­fun­den, aber sie bedeu­ten nicht, was sie sagen, jeden­falls nicht ein­fach so. Anders als in man­chen ande­ren Filmen von Hong liegt in „On the Beach at Night Alone“ – so heißt übri­gens auch eines der kos­mischs­ten Gedichte Walt Whitmans – der Schmerz offen zutage.
    Er irrt durch den Film, er geht in ver­let­zen­den Wörtern, im Körper, im ver­letz­ten Gesicht Younghees vor Anker, aber immer nur kurz. Dann legt sie sich hin, allein, am Strand, und träumt einen Traum, der die rei­ne Wahrheit ent­hält. So total wie hier hat Hong noch sel­ten eine weib­li­che Figur ins Zentrum gestellt. Männer sit­zen hier buch­stäb­lich in den meis­ten Einstellungen am Rand.
    Verletzte Frau
    Während es sonst bei Hong so oft dar­um geht, wie sie Frauen auf erbärm­li­che Weise ver­let­zen, geht es hier um die Verletzung der Frau. Die wie alle Menschen bei Hong eine Irrende ist, eine Irrende in Worten und Taten. Sie ver­letzt, wie sie ver­letzt wor­den ist. In „On the Beach at Night Alone“ ist inmit­ten gro­ßer Banalitäten vie­les ele­men­tar. Das Leben, die Liebe, das Altwerden – dar­um kreist alles. Es wird im Film Literatur zitiert, aber nicht von Walt Whitman. Man sieht nicht mal die Sterne im Film. Trotzdem passt die­se Zeile aus „On the Beach at Night Alone“: „As I watch the bright stars shi­ning, I think a thought of the clef of the uni­ver­ses, and of the future.“ Das tut auch die­ser Film eines Meisters.
    Ekkehard Knörer in der taz vom 17.2.17 (dan­ke!)

    Credits:
    Bamui hae­by­un-eoseo honja

    Republik Korea 2017, 101 Min., korea­nisch, eng­li­sche OmU
    Regie, Buch: [wikilink]Hong Sang-soo[/wikilink]
    Kamera: Kim Hyungkoo, Park Hongyeol
    Schnitt: Hahm Sungwon
    Kim Minhee (Younghee)
    Seo Younghwa (Jeeyoung)
    Jung Jaeyoung (Myungsoo)
    Moon Sungkeun (Sangwon)
    Kwon Haehyo (Chunwoo)
    Song Seonmi (Junhee)
    Ahn Jaehong (Seunghee)
    Park Yeaju (Dohee)

     

  • Neujahrspreviews

    Neujahrspreviews

    Bereits am ers­ten Tag des neu­en Jahres gibt es eine Wahl – zwei recht unter­schied­li­che Previews ste­hen bei uns auf dem Programm:

    • Weltuntergang, Zukunftsvision, Familien- und Liebesgeschichte, ein letz­ter Sonnenuntergang am Schluss – DOWNSIZING, Eröffnungsfilm der Filmfestspiele in Venedig hat neben der nied­li­chen klei­nen Welt viel zu bieten.
    • Cool, hef­tig und bit­ter­bö­se kommt dage­gen THREE BILLBOARDS OUTSIDE EBBING, MISSOURI daher, der in Venedig für sein Drehbuch aus­ge­zeich­net wurde.

    Downsizing

    Ein schön pas­sen­der Neujahrsfilm, fin­det doch der Protagonist am Ende eine Art Neuanfang.

    In einer nahen Zukunft: die Ressourcen auf der Erde gehen zur Neige, doch ein nor­we­gi­scher Wissenschafter hat eine Methode ent­wi­ckelt, das Problem der Überbevölkerung zu lösen: alle Lebewesen kön­nen ohne Verluste auf ein Miniformat ver­klei­nert wer­den, womit natür­lich an Land, Luft, Essen, Energie super­viel gespart wird. Wer sich frei­wil­lig „schrump­fen“ läßt, kann mit einem kom­for­ta­blen Leben rech­nen, sich ein grau­en­haf­tes Angeber-Anwesen bau­en las­sen und die Zeit mit Wellness, Sport und Sozialisieren ver­brin­gen. Für Paul und Audrey ist dies eine Option, nur kneift Audrey in letz­ter Minute, und Paul steht allei­ne da im Winzling-Reich. Doch auch hier ist mehr Schein als Sein, Drecksarbeiten müs­sen erle­digt wer­den, und Lug und Betrug sind nicht unbekannt.

    USA 2017 135 Min. engl. OmU
    R.: Alexander Payne (Nebraska)
    D.: Matt Damon, Christoph Wltz, Hong Hau, Kristen Wiig

    am 1.Januar um 20:00

    Three Billboards outside Ebbing, Missouri

    Anger is an ener­gy” schreibt Brian Tallerico auf rogerebert.com, und tat­säch­lich gibt es viel Wut und viel Energie in Martin McDonaghs neu­em Film. Frances MacDormand klagt als Mildred, der tief trau­ern­den Mutter der ermor­de­ten Angela die ört­li­che Polizei mit­tels der titel­ge­ben­den drei Werbetafeln an, die Ermittlungen, mil­de gesagt, zu ver­nach­läs­si­gen. Der auf­merk­sam gewor­de­nen Presse wird sie sagen, die Polizei sei mehr damit beschäf­tigt, „Schwarze zu fol­tern” als den Mörder zu suchen. Mildred ist, wie auch die gegen sie auf­ge­brach­ten ehr­ba­ren Bürger, nie um einen mar­ki­gen Spruch ver­le­gen, und es bleibt auch nicht lan­ge bei ver­ba­len Auseinandersetzungen, bei denen kei­ne Seite die ver­meint­lich ande­re schont. Wut und Schmerz, Rache und Selbstjustiz, Rassismus, Sexismus und Homophobie – alles bahnt sich sei­nen Weg nach ganz oben, und der um Ausgleich bemüh­te Sheriff Bill Willoughby (Woody Harrelson) ist macht­los. Kaum zu glau­ben, dass wir es mit einer Komödie (eine der dunk­len Art) zu tun haben.

    USA 2017 115 Min. engl. OmU
    R.: Martin McDonagh (In Bruges)
    D.: Frances McDormand, Woody Harrelson, Sam Rockwell

    am 1.Januar um 20:15

  • First Steps Kurzfilmprogramm

    First Steps Kurzfilmprogramm

    Der 21. Dezember ist der kür­zes­te Tag des Jahres, und eini­ge pfif­fi­ge Kurzfilmverleihe haben ihn des­halb zum „Tag des Kurzfilms“ aus­er­ko­ren, 2017 ist es die sechs­te Ausgabe. Diesmal sind wir auch dabei und zei­gen aus­ge­wähl­te Filme des First-Steps-Teams. First Steps – Der Deutsche Nachwuchspreis zeich­net jedes Jahr ers­te Werke in ver­schie­de­nen Kategorien aus.
    Wir zei­gen einen Animationsfilm, zwei aus der sel­ten zu sehen­den Gruppe der mit­tel­lan­gen Filme sowie 3 Werbefilme, alle­samt Nominierte bzw. Preisträger aus die­sem Jahr. Höchstwahrscheinlich wer­den es sich so man­che Beteiligte nicht neh­men las­sen, ihren Film per­sön­lich vorzustellen.

    Do. 21.12. um 20:00:

    Stranden Spielfilm, 28 Min. Regie: Moïra Himmelsbach, KHM Köln
    Zulay hat Schwierigkeiten an ihrem ers­ten Praktikumstag. Mila und David machen einen Schiffsausflug. Leonie möch­te in einer Boutique unge­stört ein Kleid anpro­bie­ren. Ruth und ihre Tochter Mira wol­len im Wald die ver­stor­be­ne Katze begra­ben… Ein Film über das Hadern und Scheitern der Kommunikation.

    Ayny / Mein zwei­tes Auge Animationsfilm, 11 Min., Regie: Ahmad Saleh, KHM Köln
    Als ein Krieg ihre Heimat zer­stört, müs­sen zwei Brüder mit ihrer Mutter flie­hen. Auf der Suche nach einem siche­ren Ort ver­lie­ren sie nie ihren Traum aus den Augen: ein­mal auf einer ganz beson­de­ren Gitarre ihre Musik zu machen – einer wun­der­schö­nen Oud.

    Mikel Spielfilm, 31 Min., Regie: Cavo Kernich, UdK Berlin
    Mikel führt ein Nomadenleben in Berlin. Als ille­ga­ler Flüchtling arbei­tet er für die Renovierungsfirma von Norbert. Der ver­spricht ihm eine Aufenthaltsgenehmigung und fai­re Bezahlung.

    ABC of Death Werbefilm, 43 Sek., Regie: Dorian Lebherz, Daniel Titz, Filmakademie B‑W Ludwigsburg In einem klei­nen eng­li­schen Dorf ereig­nen sich selt­sa­me Todesfälle. Es kann jeden zu jedem Zeitpunkt tref­fen. Doch es gibt ein Muster: den Namen. Eine uner­war­te­te Wendung bricht den Fluch und ret­tet die Zukunft des Dorfes.
    Bad Pets I+II Werbefilm, 48 Sek., Regie: Moritz Rautenberg, Christian Ricken, HFF München
    Zwei kur­ze und böse Clips über die Rache von Haustieren, die mit ihrem Futter unzu­frie­den sind.
    Three Polar Bears Werbefilm 1:39 Min., Regie: Artjom Baranov, HFF München
    Drei Polarbären wol­len die Erde vor der Klimaerwärmung ret­ten. Sie stür­men ein Autohaus, um die poten­ti­el­len Käufer von umwelt­schäd­li­chen Autos zu ver­hau­en. Doch sie machen einen Fehler.