Denk ich an Deutschland in der Nacht

Ein Film von Romuald Karmakar.

„Denk ich an Deutschland in der Nacht, / Dann bin ich um den Schlaf gebracht“ lauten die ersten beiden Zeilen des Gedichts „Nachtgedanken“ von Heinrich Heine, verfasst im französischen Exil, in einer Zeit, die rückblickend als vorrevolutionäre Situation beschrieben wird, die Jahre vor den Revolutionen 1848/1849.

Um den Schlaf gebracht sind auch die ProtagonistInnen des neuen Films von Romuald Karmakar: vier DJs und eine DJane, die nachts auflegen. Der Film zeigt sie bei der Arbeit in den Clubs (wobei oftmals nicht das, was die Tanzenden hören, sondern nur die Kopfhörer der DJs zu hören sind) oder an den elektronischen Geräten im Studio. Dazwischen montiert sind Bilder von leeren Tanzflächen bei Tageslicht. Und immer wieder lässt der Film den Porträtierten viel Zeit für's Nachdenken: über die eigene Biografie, über die Entwicklungen in der elektronischen Musik und auch darüber, welche Folgen der Anschlag im Bataclan für die Klubkultur hat.

„Was die Kraft dieser Musik ausmacht, wird so in Bildern und Tönen deutlich, wodurch Karmakar erst recht nicht in Versuchung gerät, etwas in Worte zu fassen, was kaum zu beschreiben ist. Die Gespräche mit den Musikern beginnen dann auch eher unbestimmt, als lose Unterhaltung, die Karmakar jedoch subtil auf konkretere Punkte bringt: Der Club als Ort der kurzfristigen Weltflucht etwa, aber auch die Frage, wie in einem Land, in einer Welt, in der man sich aus vielfältigen Gründen um den Schlaf gebracht sehen könnte, die Musik eine der wenigen Konstanten ist, eine friedliche Massenbewegung, bei der Körper und Seelen im Rhythmus der Beats verschmelzen.“ (Michael Meyns, programmkino.de)

 

Deutschland 2017, 100 Min.
Regie: Romuald Karmakar
Kamera: Frank Griebe
Schnitt: Robert Thomann, Anne Fabini
mit: Ricardo Villalobos, Sonja Moonear, Ata, Roman Flügel, David Moufang/Move D