Mistress America

Ein Film von Noah Baumbach. Ab 10.12. im fsk Kino.

In ihrer zwei­ten Zusammenarbeit mit Noah Baumbach (nach Frances Ha) hat Greta Gerwig sich als Ko-Autorin mit Brooke einen nicht immer sym­pa­thi­schen Charakter auf den Leib geschrie­ben.  Brooke ist eine quir­li­ge, selbst­be­wuss­te, schein­bar nie zuhö­ren­de Endzwanzigerin mit zu vie­len Ideen und Interessen, die auch rich­tig bis­sig sein kann. Ihr Traum ist aller­dings die Eröffnung eines klei­nen Cafes mit Friseur, Bücherei und Galerie, wo sich all ihre Freunde und die gan­ze Nachbarschaft will­kom­men und wohl füh­len soll.  Aber zuerst ler­nen wir Tracy ken­nen, die frisch vom Land zum Literaturstudium in New York ankommt und fort­wäh­rend ent­täuscht wird. Öde Seminare, des­in­ter­es­sier­te Mitbewohnerinnen und Pech in der Liebe machen ihr zu schaf­fen. Zudem erlebt sie nichts, was Stoff für Geschichten bie­ten könn­te, bis sie Brooke, ihre bis dato unbe­kann­te Stiefschwester in Spe, trifft. Sie ver­kör­pert alles Aufregende, was Tracy sich vom Großstadtleben erhofft hat, und sogleich beginnt Tracy mit dem Schreiben. Das Ergebnis ist aller­dings weni­ger schmei­chel­haft für Brooke, als man den­ken würde…

Angesichts der poin­tier­ten Dialoge, der rasan­ten, in man­chen Momenten fast Screwballartigen Inszenierung kann die gro­ße Qualität von „Mistress America“ leicht über­se­hen wer­den: Die Subtilität der Figurenzeichnung. Ganz bei­läu­fig offen­ba­ren sich sowohl in Brooke als auch in Tracy Abgründe, Schwächen, aber auch ein Maß an Sensibilität, das anfangs gera­de bei Brooke nicht zu spü­ren war. Unter sei­ner leich­ten, humor­vol­len Oberfläche erzäh­len Baumbach und Gerwig viel über die Illusionen einer Generation, die alle Möglichkeiten zu haben scheint, aber von die­sem Überfluss oft gera­de­zu gehemmt wird. In die­sem Wust sei­nen eige­nen Weg zu fin­den und nicht den durch Medien und sozia­le Netzwerke gepräg­ten Vorstellungen eines Lebens, das man leben soll­te, dar­um geht es in dem außer­or­dent­li­chen Mistress America.“   Michael Meyns | programmkino.de

 

USA 2014, 84 Min., eng­li­sche OmU
Regie: Noah Baumbach
Buch: Noah Baumbach und Greta Gerwig
Kamera: Sam Levy 
Schnitt: Jennifer Lame 
Darsteller: Greta Gerwig, Lola Kirke, Heather Lind, Cindy Cheung, Jasmine Cephas Jones, Matthew Shear


Im Kino mit deut­schen Untertiteln